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Full text of "Hufeland's Journal der practischen Heilkunde"

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iv 



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Journal 

der 
practischen 



Arzneykund 



und 

Wundarzneykunsi 

h^rauigegeben 

C. W. Hufeland, 

Königl. Preofs. Suattrath, Bitter des rothcn Acll 
Ordens EweiterKlasse» erstem Leibarzt, Prof« der IV 
dicin auf der Unirersität zu Berlin, Bditglied der A 
demie dec Wissenschaften ctc«^ 

und 

£• Osann, 

ordentlicbem Professor der Medicin an der Modi 
iiisch* Chirurgischen Academie für dasMilitair, t 
fterordentlichen an der Universität su Berlin, u 
Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. 



LX, Band. 



Berlin 1825. 
Gedrueit and verlegt bei G. R«iia' 



Journal 

der 
practischen 

I I 

Arzneykunde 

und 

Wundarzneykunst 

h^rauigegeben 

C. W. Hufeland, 

Königl. Preofs. Suatsrath, Bitter des rothcn AcHei 
Ordens EweiterKlasse^ erstem Leibarzt, Prof« derM« 
dicin auf derUniyersität zu Berlin, Bditglied der Aci 
demie dec Wissenschaften ctc«^ 

und 

£• Osaniiy 

ordentlicBein Professor der Medicin an der Modic 
iiisch • Chirurgischen Academie für das Militair , ai 
fterordentlichen an der Universität su Berlin, un 
Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. 



LX, Band. 



Berlin 1825. 
Gedruckt and verlegt bei G. Reimci 



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Journal^ 

der 

practischen Heilkunde. 



(p(f<> 2-/ 

C. W. H u f e 1 a n d, 

JCdnigl. Prenfs. Stattmth, Ritter des rothen Adler- 

Ordens iweiter KUsse» eretesl Leibtrst, Prof. der Me- 

dicin auf der Unirersität saBerlin^ Mitglied der Acä* 

demie der Wlesenseliafteii etc. 

n n d 

E. O s a. n Bp 

ordeiitUeh«iB Profef lor der Mediein an der Mediei« 

aiacli-Chinirgiichen Academie för das Militair^ auCier. 

ordttitliclieii aa der üiuTersitit xa Berlin , and Mit- 

gUed mehrerer gelehrten Gesellschaften. 



DcA frito tUt JMnu goidner Bamm^ 



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Götk: 



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I. Stück. Januar. 



Berlin 1825. 
Gednukt mid verl^ hA G« I^eamer« 



■(ta 



« X 



Ueber 

< 

die Stellung der Aerzte 

zum Staate, zum Publikum, 

und 

unter sicli selbst 
Nebst BemerkuDgen 

Äbef 

fiilduD|; und Prüfung der Aerzte. *) 



1- 

Aristokratie unter den Aerzteiu 



•IViancher wendet sich Yiellelcht mit Wider- 
willen Ton dieser Ueberschrift weg und denkt : 

*} Ich glaube y einen neuen Jahrgang des Jonr- 
nals nicht passender eröffnen su können, als 
dnreh einige' Abbandlungen , welche die ttufsere 
Stellung und Verhältnisse des Arztes betreffen 
' — ein Uegenstandy der immer mehr unsere Auf- 
merksamkeit Terdient; «* und ieh danke ei 
dem wdrdigen. Candidui bestens , dafs er Ver» 
anlassung gegeben hat, utk9tim\ttm\chetiSti0^litz 
darttber sn hören, TOa welchen wir leider ]etst 
to tdUe« etwas böMn, imd deitain Stinune (•» 
iftde lii«f so ToUwichtig Ist. 

A2 



\ - 



— . 4 -^ ■ 

I 

es ist zu arg, heut zu Tage immer und im- 
mer von Aristokratie hören zu müssen — 
und nun gar auch unter den Aerzten. 

Ich gebe zu , dafs .die Aristokratie überall 
eine der fruchtbarsten Quellen des Uebels ge- 
wesen ist. ' Aber eben so ist's mit dei^ Wei- 
bern, dem Feuer, den üönigen, den Gesetzen. 
Weil von allen diesen Dingen viel Heil aus- 
gehen kann, eben darum kann auch viel Un- 
heil von ihnen entspringen. Es 'kommt >also 
darauf an , dafs das Feuer einen sichern Heerd 
finde , die Frau einen guten . Eheherrn , dafs 
die Gesetze gut, dafs die Gesetzgebungs- 
Behörden zweckmäfsig eingerichtet, dafs die 
Verhandlungen der vGesetÄgebüng öffentlich 
seyn, dafs die Verhältnisse der Könige zu 
4en Unterthanen. der Natur menschlicher We- 
sen gemäfs seyn. Es kommt daraaf an, dafs 
die Aristokratie, welche im Staate so unent- 
behrlich ist, wie im Hause das Feuer, ihr 
richtiges Gleis finde, also dafs der Erbadel be- 
grenzt werde, wie er nach altem teutschem 
Recht seyn soll, auf denAeltesten der Fami- 
lie. Weil man von der einen Seite nichts 
als Aristokratie ^viU, von der- andern Seite 
gär keine Aristokratie, so geschieht es», dafs 
die Einen dem Flüsse Stillstand "^bieten , die 
A^ern die Dämma, welche d^* Austreten 
des anschwellenden Stroms Lindern « zerstören 
woUen. 

Ich schlage vor, als das be^te, das zweck- 
niäfsigste Mittel zm Sicherung der Interessen 
des ärztlichen Si/^i^i^l die föirriUche Errichtung 
Mner (nicht erbUchenyf^iüokrätie imter den Aerz^ 
ten. Diese Mejnimg ist in 'mir gereift, als 
Widerspruch gegeü ^dfe Schrift des Herrn 



— 5 



• t 



Prof. Nasse: Von der Stellung der Aerzte im 
Staate, von Friedr. Nasse, Leipzig bei C. Cnob- 
loch 1823. 408 S. 

Was Hr. Prof. Nasse achreibt, kann nicht 
L'anz uninteressant seyn. Der gute 'Wille des 
Vrs. , sein lebhaftes Gefühl für die Berufsge- 
aossen, ist auf" jedem Blatte deutlich, und 
kann nicht anders als den l)ank des Lesers 
gewinnen. Nichts desto weniger sage ich grnde 
heraus, dafs Zweck und Ausführung des Wei« 
kes mir durchaus. verfehlt scheint. Mebr als 
die^Hülfte de& Buchs enthält nichts als. Klagen 
über die jetzigen Verhältnisse der Aerzte. 
Um zu beweisen, dafs diese schwierig und oft 
traurig sind, werden eine Menge überflüssiger 
7.«a§msse beigebracht. Der "Verfasser hat für 
Aerzte geschrieben; wer Jahrelang die ärzt- 
ikbe Fiaxis versucht hat , der kennt das Bit- 
tere sowoUy als das Süfse seines Berufs. Die 
* i tatenreiche Abhandlung d^s Herrn Prof. Nasse 
über die schwierige Lage der x4.erzte, geridh- 
:et an praktische Aerzte, erinnert an das alte 
:^prichwort: Eulen nach Athen bringen, oder 
'ifi eine Predigb, die ernstlich vom Nutzen der 
Glückseligkeit handelte. 

Als Quelle der meisten üebel, die den 
Beruf des Arztes drücken , sieht Hr. Prof. N, 
das an, was er das Gewerbe nennt, d. h. die 
Sitte und gesetzliche Einrichtung, dafs der 
Arzt für seine Leistungen von dem Kraiikeu 
Honorar empföngt. Demnach wiU er diese 
Sitte ganz und gar abgeschaiTt wissen, imd 
schlägt in dem zweiten Theile seines Buchs 
ils Surrogat ein künstlidies System vor, wor- 
iiarh die Honoi\ire in .eine genieinschaftruhe 
fvns^e gewori'eu und daraus die Aerzle (Ivlas- 



6 1 

* t 

\ 

senweise) besoldet werden soUeii. Hr. Prof. N. 
glaubt , dafs auf seinem Wege Besoirgung aller, 
auch der ärmsten, Kranken durch wissen- 
schaftlich •gebildete Aerzte möglich gemacht 
werden könne. 

Ich gebe mein Votum dahin ab, dafs ich 
den Plan des Hrn. Prof. N. , nachdem ich ihn 
aufmerksam gelesen, für den Traum einet 
wohlwollenden aber unpraktischen Mannes er* 
kläre. Jeder Jurist und Staatsökonom wird 
darüber lächeln. Es ist nicht nothig im Ein- 
zelnen auf das Irrige dieseß Plans aufmerksam 
zu machen, z« B. darauf, dafs alle ärztliche 
Freiheit — das Beste unsers Berufs — dadurch 
verloren gehen würde; nur diese Bitte: ver- 
, suche der Herr Verfasser seinen Plan ii^ die 
Form eines Gesetzes zu bringen , eine Bill 
daraus zu machen, wie sie als regelmäfsiger 
Gesetzvorschlagin das Parlament gebracht wer- 
den und nach gehörigem Debattiren durch ein- 
faches Votiren, durch Ja oder Nein, zur Ge- 
setzes - K.raft gelangen könnte. Hr. Prof. N. 
würde gewifs schon vor der Hälffce der Arbeit 
von der Unausfiihrbarkeit seines Plans über- 
zeugt werden. Diese Methode zur Prüfung 
des Werths gutgemeinter Yorschläge und Wün- 
sche möchte manchen teutschen Gelehrten zu 
empfehlen seyn. Statt dicke Bücher voll Je- 
remiaden und vager Declamationenzu schrei- 
' ben, z. B. über Büchernachdruck, würden 
sie besser thun, wenigstens dem gewünschten 
Ziel näher kommen, wenn sie sich bemühten, 
ihren Plan in der concentrirten Gestalt eines 
Gesetz Vorschlags vorzutragen. , 

Von der Gesetzgebung des Hrn. Prof. N. ist 
es hinlänglich, diese Worte anzuführen, S. 370. 



^ 7 - 

„Es wird eine Taxe des AntlohM fest 
geseUt, in der sammtUche ZahlnngsfiUügi 
nach ihrem Vermögen in Klassen stehn , di< 
der untersten Klassen bezahlen iiir .den glei- 
chen Dienst nur wenig, die Wohlhal>endei 
reichlich. Die Taxe setzt das Arztlohn nich 
nach der Zahl der Besuche und Recepte» di< 
eine Krankheit erfordert , sondern nach de: 
Wichtigkeit der Krankheit an« Nur die Be- 
suche, die über die Zahl derer, welche di< 
Krankheit nothig macht, gefordert werdeu 
bezii^U der Kranke an die ärztliche Kasse be 
sonders. Die Krankheiten werden nach vie 
Klassen, als leichte, bedeutende, schwere un< 
höchst gefährliche in Rechnung gebracht. Uebe 
die Frage, welche Besuche besonders zu be 
zahlen seyen, hat der Arzt nach seinem Er 
messen zu bestimmen. Ein einzelnes Recept 
das Jemand rom Arzte holt, wird ebenfail 
nach der JVatiir der Krankheit bezahlt, Di 
Verhütung einer Krankheit , oder die Behand 
lang einer eben ausbrechenden, gilt in de 
Taxe, nur halb so hoch als die Behandlun, 
der aasgebrochenen." 

Hr. Frof. N. verlangt auch^ um den Stau' 
der Aerzte empor zu bringen, dafs der Staa 
allen Aerzten einen angemessenen Rang ei 
theilen soll. Das ist ungefähr als ob ma: 
verlangte, dafs die Regierung festsetzen sol 
ob der fiothwein oder der Weifswein besse 
schmeckt? Wenn mehr Aerzte da dind, a1 
das Publikum bedarf, als das honorirend 
Publikum bedarf, so sinkt der Preis und di 
Achtung der Aerzte — das ist unvermeidlicl 
und kein Ukas der Regierung kann es hiii 



— 8 ^ 

dern^ 'eben so wenig als sie gebieten kann^ 
dafs der Hßha künftig zwei Aehren trage. 

Der Fall ist da. In Teutschland ist die 
Zahl der Aerzte übermafsig gegen den Bedarf. 
Freilich ist zu erwarten , dafs wie in jedem 
Zweige der Geschäfte Ebbe und Fluth der 
Candidaten ist, so auch die Zahl der Goncur- 
renten in unserm überfüllten Berufe, nachdem 
dieselbe Jahrelang übermafsig gewesen, auch 
wieder abnel^men werde , aber für jetzt ist 
das BlUsrerhäUnifs derer, welche ärztliche 
Leistungen anbieten, und derer, welche im 
Stand sind dieselben zu honoriren, allzu- 
grofs. Was ist zu thun? 

Der Rath , den Btnjamin^ JRush seinen Zu- 
hörern zu geben pflegte: erstlich sich einen 
Grundbesitz zu schaffen, der, den Mann nähre, 
und darnach die Medicin als eine freie, edle 
Kunst auszuüben, pafst für. unser altes Europa 
nicht. Die Behauptung eines Witzlings : den 
Alten sey der Versuch , aus der Medizin eine 
Wissenschaft zu machen, mifslungen, den Mo- 
dernen sey der Versuch , aus der Medicin eine 
(lucratire) Kunst zu machen , gelungen , pofst 
nur auf die reichern Handelsstädte, wo die 
Menschen gut und viel geniefsen, und, gerne 
lange geniefsen wollen, und wo Alle, auch 
die Aerzte , ^ vom mercantilischen Sinn inücirt 
sind. Die Thatsache ist , dafs es in unserer 
Zeit gar viele Aerzte gibt, die kein Brod ha> 
ben, und dafs durch die zu grofse Goncurrenz 
nicht nur das Brod , sondern , was schlimmer 
ist, die Achtung der Aerzle sehr gefährdet 
wird , indem yiele sich verPühren lassen , lal- 
5che HüJiiJmiltel zu ihrem Fortkommen zu er- 



-^ 9 — 

greifen. Machen wir nns kein Hehl daran.« 
die sunrnü honorts in mediana^ die das Doctor- 
diploni ertheilt, gewähren jetzt in der biir- 
seriichen Gesellschaft ein^n sehr gecingen An- 
theil Ehre, und es mnfs jeder Arzt, er ma^ 
legitimer Doctor seyn oder nicht, sich erst 
durch seine PersÖDlichkeit ein Gebiet der Ehre 
erobern. Die Nachläfsigkeit mancher UniTer«^ 
sitäten in Ertheilung des Doctordiploms mag 
einigermalsen Schuld se3rn, aber der Haupt- 
fehler liegt in der zu'groisen Concurrenz^ und 
darin, dafs dem jungen unerfahrnen Arzte 
tummi in mediana honoru ertheilt werden. 
Dies ist ein Wechsel, der nur dann honorirt 
werden kann, wenn der Arzt bereits einen 
grofsen Theil seiner Laufbahn mit Ehren toU- 
bracht hat. Aber die Menge der Candidaten 
Jer Medicin, die sich dem Publikum aufdrän- 
gen^ ist jetzt so grofs, viele Doctoren lassen 
sich durch die Noth verTIihren, zu so ver- 
ächtlichen Künsten, dafs der Name Doctor, 
mit dem das Publikum überhaupt nicht spar- 
sam ist, in Gefahr geräth, etwas Nichtacht- 
bares zu bezeichnen. Wenigstens ist schon 
jetzt die Fortion Achtung, die der Titel Doctor 
einem übrigens Unbekannten gewährt, sehr 
gering. Was ist zu thun, um die Ehre des 
ärztlichen Standes «u retten? 

Ohne Zweifel wird eine Zeit kommen, 
wo die Ueberfullung des ärztlichen Beru£i mit 
Candidaten wieder abgenommen hat. Wenn 
die Eltern manchen darbenden Arzt sehen, Iso 
werden^ sie ihren Sohn abhalten, sich der Arz« 
neikunst zu widmen. Aber was ist jetzt zu 
thun? was von unserer Seite? 



- 10 ~ 

Das Hauptmitiel ist immer gewesen und 
bleibt dieses i Zeige deineki Karakter als re- 
spectabely zeige an Gegenständen, die den 
NichtärzteD bekannt sind, dais du ein gutes 
Maars Yon Urtheilskraft hast, und es y?M dir 
an de? nöthigen Achtung um deinen. Platz in 
der bürgerlicken Gesellschaft zu behaupten, 
nicht fehlen. 

Von jeher gab es zwei Arten die Medicin 
auszuüben, eine edle und eine unedle. Der 
eine Arzt liebt seine Kunst, weil sie ihm 
Gelegenheit gibt, seine besten Kräfte täglich 
zu üben, er liebt die Menschen überhaupt, 
der Kranke, der sich ihm vertraut, ist ihm 
die Hauptsadbe. Der Arzt weifs , dafs er mit 
Menschen aller Art mit n guten,' mittelmäfsigen 
und schlechten, mit dankbaren, gleichgülti- 
gen und undaiJibaren , mit Reich und Arm, 
mit Vernünftigen und Unrernünftigen zu thun 
hat. Er berechnet also nicht die einzelnen 
Einnahmen, die ihm zufliefsen, sondern er 
berechnet seine Jahreseinnahme, und ist zu- 
frieden, wena er nach anständigem Leben et- 
was zurücklegen kann für die Auslagen zu 
seiner Bildung , für das Alter, für seine Nach- 
bleibenden. ^ 

Ein solcher Arzt ist independent yon den 
einzelnen Kranken , und deswegen frey in sei- 
nen Handlängen I igeachtet yon Grofs und 
Klein; Niemand beneidet ihm sein mühsam, 
ehrlich, und rühmlich erworbenes kleines Ver« 
mögen, er fühlt sich nicht gedrückt in der 
Gesellschaft der Vornehmen, und weijüi die 
Sprache der Arbeiter zu sprechen , kurz er ist 
ein Gentleman , nicht auf einen kleinen Kreis 
hescbr'inktf sondern er ist, als nicht blors 

wohl- 



— 11 — 

wohlwollendtfr, sondern actirar Hentchenfrenncl, 
allenthalben wohlbekannt und wohlgelitten. 
F3r die Erweiterung und Yerbeaserung der 
Kunst ist fast nur von solchen Aerzten wah- 
rer Gewinn zu hoffen, und sie sind testti ßdß 
digni» Was unerfahrne , eitle Aerzte in die 
Welt hineinschreiben, ist allzuofi unächtes 
Metall, hat nicht mehr Werth als fjir den 
Juristen ein Haufe Aussagen Yön unbeeidigten 
Zeugen hat. Wenn ich ein medicinisches 
Buch lesen soll, so frage ich immer erst: ist 
der Verfasser ßde dignus ? welche Frage mei- 
stens schon auf den ersten Seiten beantwortet 
ist; und damit erspare ich mir viel lesen. 
Wenn ein ffebtrden^ ein FPichnumn spricht, 
so beweist die Aussage eines solchen Arztes 
80 Tiel wie die Aussage eines einzelnen Zei»* 
gen beweisen kaxm. Wenn aber ein A. über 
England und Englische Medicin ein Buch 
scimibi 9 so beweifst das nicht mehr, als wenn 
ein Blinder ron einer Gemahldegallerie berich- 
ten wollte« Ein solcher kann höchstens die 
Rahmen betasten. A. hat von allem Groben 
und Schonen in England nicht das Geringste 
geahndet. 

Die «weite Art von Aerzten ,\ die nicht 
den Kranken , sondern ihren Beutel^ ihr Ver- 
gnügen , ihre Eitelkeit > oder die Noth ihrer 
Familien zur Hauptsache machen, die nicht 
geachtet find und nicht werden können, sie 
mSgen in ihrem Diplom die uumnü honorti ha«> 
ben oder nicht, ist es unnothig und unange^ 
nehm näher zu bezeichnen. Ihre Zahl ist 
jetzt Legion; die Menge und die Noth macht 
die Kunstgriffs de» 'ärztlichen Charlatans oder 
der senilen Alerale immer hätiiBger, ohne sie 
Joon«LX*B*i.St« B 



— 12 — 

fveriicli im ipindestea zu r6clitferlige|):;;^u 
eben deswegen wird es heut zu Tage inm 
schwerer, dafs ein junger Arzt zu dem $taii 
puukt gelange, den ich vorher als den ein 
achlbaren Arztes bezeichnet habe. Für ein 
gebildeten jungen Mann ohne, Ver^ögeii g 
wahrt das Studium der Medicin jetzt weni|; 
"VVahrscheinliclikeit als je. zuvor > dafs er j 
Arzt ein independenter Gentleman lyerden kan 
Dre Zahl der Aerzte hat schnell »igenomme 
die Zahl und Fähigkeit derjenigen, welcJ 
den Arzt honoriren^ nicht. Die Concurrej 
bewirkt vielmehr, dafs der Freis. der Leistui 
gen sinkt und der Arzt leichter^ gewechsc 
wird, und, was das Schlimmste ist^ dafs di 
Achtung def Beruftsgenossen überhaupt sinkt 

Giebt es nicht ein Mittel hier zu helfen 

• ■ 

Deir Versuch) durch obrigkeitjich eihf 
setzte Medicinalbejborden Alles zu .dirigiri 
und. zu controUiren,,, ist nicht gelungen. D 
ärztliche Stand hat dabei weder an Reichthu 
noch Macht gewonnen, nur an Freiheit ve 
loren. Die von der Akademie 'mj.t summis h 
noribus Angelangten werden vom obersten Co 
legio aufs INeue examinirt, mehr oder mindi 
geciufilt, und dann üirem Schicksal i^berlassej 
Ein jüngst verstorbener, geschickter, aber dej 
Regierer von oben, zu sehr ergebener, ^Ari; 
hat sogar vorgeschlagen: von:. dem Karaktc 
im Examen bei dem Collegio ^olle die Erlaul 
nils abhängen , ob A^r jungd Arzt sich in grC 
fsern oder nur -in kleinem Städten niederlasse 
dürfe. Das Sclücksal eines Menschenleben 
von einem eiAzigen, Examen in der Jagen 
unwiderruflich abhängig zuinadieiir wäre unge 
redt und ßrausamt ..he^Mt^yfixifiß^9lffY^^ den 



^ la ^ 

joAgtrii Anttm mn ISblichet Zfel m m^igßm^ 
womuch er ringen kann durch Anatrengimg 
feiner besten BjriUte, auch länge nächbertant- 
denem Examen« 

Worin konnte dies Ziel aber wohl bestet- 
hen , als in der Anfhahme in eine engere Ge- 
Aossenschaft der besseren Aerzte? 

Ich schlage Yori nicht eben, als Mittel die 

Spreu geradezu roln Korn xn sondern | nicht 

als geschlossene Zunft ^ nicht .ds Beförderung 

exclusirer Privilegien ^ sondern als Mittel nr 

Beförderung und Belohnung ehrlicher AnstreUi- 

gungen auf der schwierigen Bahn des prakti^ 

sehen Anette : dU Einriehtung von (nicht regl«^ 

tebden) umBefun Coüt^m^ in dnigem BbnÄe 

nach Äsi der CoUegien der Londoner und £din^ 

burgbef Aerzte« Einige BetrtuAintuigeii 18^ 

diese Collegiea: 

$« Fiir ungefShr {egliclie Million Einweiu 
B« kann ein Collegium -.der Aerzte jejm« 

f« Es werde ein Itfiniinum und ein tUsu» 
mn der Zahl der Glieder tineü solchen Cob 
iigii festgesetzt« 

§• Das CoUegium kann Eigenthmn hsfbeitt« 

§. Die Mitglieder dör CoUegien schr«ibw 
keine Rechnungen aus' f8t Srztliche LeiÜtuiif 
gen, sondern begütigen tich ihit dem Hbtioräri^' 
welches ihnen dankbar gegeben wird« ' , . 

$• Die Aufnahme neuer Mitglieder ;|e« 
schiebt einmal im Ifibi* . Die Candidaten nxo^^ 
sen wenigstens drei&ig , J^ibx . alt $e;{m , siebfML 
Jahre die^ arztUche Kunst ge^bt haben^jHMWi 
Ce letzten beiden' Janre"^ Mine Rechnungen 
angeschriefien haben V aüd 'njdht' ron erhei*« 
Athetem YArkll^eir IWbM? ' 

B2 



4 



-> 14 -. 

ff 

.i^ Das C^egium wird bexnuhl seyjii lUr 
diö Witiwe eines Mitgliedes zu s<^^en, nicht 
a1)6r fSr' kUe ^twanige Waisen. Sondern nur 
ffir Ein Kind. 

§» . Es darf höchstens die Hälfte der Glie- 
der des Collegiuxn aus Söhnen von Aerzten be- 
stehen» . " 4 . 

■ ■ ■ • '* 

; Auf diese welter auszuführende oder ähn- 
liche Weise Uelae sichv wie ich glaiibe, nicht 
eiüe gesdilos^ene Süunft, ein Orden, eine Kaste 
Von Aerirten, bilden, sondern ein achtbarer 
Verein rbn Aerzten, . der durch die Summe 
von Achtung, .welche dem Ganzen zukäme, 
auch jedem eintretenden Gliede eineii guten 
Antheil yon Aiphtung gewähren , lyidi ein gu* 
tes Ziel abgeben konnte für die edleren Be- 
sirebun^efi . q^^ mngern Arztes. Die Concur- 
renz , fn diesen verein zu treten, würde nicht 
gar zu grols ^eyn;.,es würden vermögende 
P^tsoDeÄ angiefe^' Virerden die Atzneikuhst zu 
studieren ; die ^ Gliedöir des CoU^gii ' würdeii 
sich Vorsehen nur «blche Aerzte außsiinehmen, 
die^ in jeder Beziehimg achtbar,' dem Vereine' 
einen Zuwachs von Macht und Achtung ge- 
wahrten. #); und dasjenige Publikum, welches 
J^erth^ ist gute Aerzte. zu haben, würde gern 
iirjcLh; saline Achtung ,9in^ Verein unterstutzen, 
der ihm wahre Biilfs von respectabeln Aerz- 
ten sichert» .Qaßjenige Publikum aber, wel- 
ches Charlatans oder servile Aerzte haben will, 
weil es das innere BedürfhiTs hat, wird im- 
m^r solche zu .seinem Schaden erlangen kön- 
nen, weil, so iange'die Welt steht, immer 
die Waare feil 'geboteti wird, die der Käu^ 



*) Alle auch lisia Ant» der durch Magnbtiairen 
jaag§r odex «leer P^nea Skandal eneg^ 



^ u ^ 

troUe. 

Der Wünftdi einer timfhise«|deii RMUci-r 

ulpflege, und }eder Tttrschlag zn einer, töl^ 

dien läp Reich und Altai ist eite!, wen^.ikicM 

Torab die Betrachtimg des Vmiältnisf^ dex> 

Armen ztm Staate, derFortsiäbitte'^r Poptik 

lation, und der Macht der Regierung über-i 

haupt angestellt i:wird. Wen^ Mex^schen hei^ 

rathen, die nicht im Stande sind elterliche 

Pfiiditen za erfüllen, vrenn Menschen heira-« 

then ohne gesammelten Yorrath, so ist es, 

Ausnahmen abgerechnet^ iinTemieidlich« daDsr 

nicht Nothund Elend und Krai^eit in der Welt 

Termehrt werde , trotz allen Aei^ten und Me-^ 

dicamenten. Diejenigen wohlmeinenden 4.erzte, 

die ohne weiteres aügeitt^fne Medicinalpflege 

/Sr Aeicb und Arm erzwingen wollen, erin-^ 

Dem mich an eine vornehnie Dame , die ich 

einst bei einem Frühstück von Warmbier fand^ 

lud die erstaunt ausriefe aber das schmeckt 

\a Techt gut ; warnm essen die armen Lfiniß 

das nicht oft? 

Diejenigen Aerzte aber, die verlangenf 
dalk jeder Arzt Wohlstand und Achtung ha^* 
ben solle, vergleiche ich ^em alten Schulztnm 
häm^ KSnigl. Schwed, Leibarzt, welcher be-^ 
hauptete, jeder Mensch müTste eigentlich hun« 
dert Jahre alt werden« Es ist nicht md^-^ 
lieh, dals alle Aerzte, die jetzt sind, wohl- 
liabeiid und geachtet seyn, wohl aber ist es 
möglich, es ist zu wünschen und zu befÜr- 
dem, dalii einige independent und hochge- 
achtet werden, so gut wie es mSglich und 
n wüns^en ist» dafs einige Menschen hoch- 



— 16 — 



bc^^Jirt werden. Dan kaim dieoen ißn zv/tck 
mSf^er Tereixi Her respectablereni Aerzte, 



. Ich ^iniqecbf .ii|id bitte,, dafii es Herr 
Staatsrath. fTi/cäitd v^d B^ Leibmedicu 
StUgBtz, gefalle^: »i«^ ^u eiUären über diese 
Vorschlag , uoti ü^er^iaupt mber die Mitte 
unsenii Berufe {Uspectabilität su sichern. 



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— 17 — 

^ 

Bemerkungen 

über obigen Gegenstand 

vam 
JLeibmedicüs Dr. Stieglitz 

in Hannover. 



'• » 



*» ■ 1 1 ^ U ! ■ 



Alle Entwürfe, die Bildung und Prüfqnj^ 
>ior Aerzte aud ihre Verhältnisse zu den Kran- 
ken , zu dem Staate und unter eich im All- 
:6meinen und .Wesentlichen anders zu ordr 
ij<rD, als diese im Lauf der Zeit Ins Daseju 
getreten sind und bestehen , konnten bis jetzt 
uuT , sobald sie auf ins Grofse gebende Ver- 
ruderuDgen aiitrugefn, Vorschläge zur Spra- 
ibe bringen > deren ünangemessenheit , iJn- 
'lusführbarkeit, gedenk lichkeit und Mifslii^h*- 
keit leicht einleuchtend zu machen war, Di^- 
<es hist9riscbe Resullat gewährt Beruhigung 
>ind Trdst. Das Mangelhafte, Ungenügende, 
Drückende vieler Beziehungen ' und Einrich- 
Hingen seines Standes fühlt jeder Arzt mehr 
"<ier weniger für seine Person > für seine Statii- 
-itfsgenossen , iur das Publikum, 

Es sind grBfstentheiis die nnTermeldUcheu 
'fpbrechen höchst yerwickeller ' menschlicher^ 
.'e«ellschafllicher und wissenschaftlicher Ver- 
hältnisse in ihrer iniugsten Verbindung. Je- 
der Versuch, einen Tbeil derselben, und noch 
mehr sie insgesammt zu entfernen, scheitert 
jewohnlich schon im Entwurf, ehe er hocH 
zur Ausfuhrung kommt! Es erhellt hieräijs 
lurch Induction , dafs die 'jetzigen Einvichfuri- 
:?o in Hinsicht der Ausbitduug, Stellung und 



i 



■ -^ w -.. 

Wirkungsart der Aerzte so ganx verfehlt nicht 
sind; ja sie scheinen die besten zu seyn, die 
zu bewerkstelligen waren. Viele grofse Vor- 
würfe, die sie treffen, sind nur zu wahr. 
Aber )ede andere Anordnung des Medicinal- 
Wesens wird das Gute nicht gewähren , wel- 
ches die bisherige hat, und noch grö^ 
fsere Mängel und MifsUchkeiten zur Folge 
haben. 

Diese Vertheidigung und Lobrede der. 
jetzigen ärztlichen Verhältnisse bezweckt nicht, 
die obern Staatsbehörden und die Aerzte« die 
ihre Mitglieder oder Rathgeber ssind, abzu- 
schrecken, oder Ton. der Verpflichtung zu ent- 
binden, einzelne Reformen uQd Verbesserun- 
gen der vielfachen ärztlichen Beziehungen, 
welche diese noch zulassen und zum Theil 
gelbst dringend bedürfen^ kräftigst, aber zeit-^ 
und ortgemäls und mit aller Ueberlegung ein- 
zuleiten und zu bewerkstelligen. Dieser mein 
Aufsatz selbst wird auf einige grofse Verän* 
derungen dringend .den Antrag richten. 

Das Bestehende guter Art hat mit zum 
Kennzeichen, dafs es sich sowohl allznählig 
selbst vervollkommnet , als auch in einem be- 
stimmten Umfang eine befordernde, verstän- 
dige Einwirkung von Oben nicht von sich 
stöfst, SQ dafs diese vieles zur schnellern Ent- 
wickelung bringt, anderes daran knüpft, und 
das Bessere , wenn es nothig oder heusam ist, 
durch Verfügungen und Gesetze sichert und 
in seinem Einflufs erweitert. Nur dürfen neue 
Anordnungen- die Basis der jetzigen bewähr- 
ten |U[edicinal ->Ver£Bissung nicht in ihren Grund- 
säulen | in ihren wesentlichen Zügen, erschüt- 
tern, nur müssen' sie nie die Freiheit und 



— w ~ 

SelbetotSi^digkelt der Tom StiMit autöilBlzten 
Aerxte antasten oder beschränken/ 

Was Ton Seiten des Staats neu elogeiSilirt 
wird , znufs einem grolsen BedUffhils entspre- 
chen, dem durch einfache. Dlittel in der Tliat 
abgeholfen Trerden kann. 

Die Zahl dar Aerzte hat sich tibermSrsig 
in Tielen teutschen LSndßrn Termehrt, Di^s 
ist eine unbestreitbare Thatsache. Jede Stadt 
besitzt mehr Medicinal - Personen als frü'- 
her , und, was vorsügUcb in Erwägung zu zie- 
hen iit , in ihrer Umgebung nach allen Bich- 
tnngen hin, in vielen kleinen Orten haben 
sich Aerzte niedergelassen. Die Übeln Fol^ 
gen davofi treffen nicht einzig, wie man zu 
Mdihnen tcbeint t die jungen Männer, welchen 
sich kein Ort darbietet , der ihnen einen Wir- 
kungskreis und eine hinreichende Quelle des 
Einkommens hoffen läfst, sondern auch einen 
^roften Theil der älteren, schon lange an- 
säbigen Aerzte , in kleinen und mittlem Städ«« 
lea. Vermindert sich der Wirkungskreis die- 
ssr Praktiker auch durch die yergrSlserte 
Zald ihrer Collegen, an ihrem Wohnort nicht 
iomier bedeutend, obgleich auch hier oft die 
Geschäfte, die früher nur einer oder zwei 
hatten, sich unter mehrere theilen, so wer« 
den sie doch in etwas entfernt liegende Ge- 
genden, nach benachbarten Orten jetzt yiel 
seltener zum ärztlichen Beistande verlangt, 
weil daselbst Aerzte jetzt wirksam sind, an 
die sich zu wenden bequemer und wohlfeiler 
ist. Sie hatten früher eine hinreichende Ein-- 
nähme , diese nimmt jetzt jährlich ab , ohne 
dais sie an Vertrauen yerloren oder sich des^ 
len unwürdig gemacht haben. Sie hatten, ih-^ 



— 20: ~ 

rem firSbetn Eiokominen gräiÜft, sich anleine 
Lebeqsart und Bedürfofsse ge^v^öhnt/ denen 
sie nun» Tiellelcht im vorgerUp]fcte|i Alter, und 
bei dessen SdbTräche und |Cränkeln, entsagen 
müssen. Ihre Familie hat sich vermehrt; auf 
die Erziehung und Unterstützung ihrer Kinder 
habea sie grade jet^st mehr zu verwenden, und 
können es weniger als früher. Die Aussicht, 
den Ihrigen etwas hinterlassen zu köuifen, 
verschwindet gänslich; Die traurige iLage di^^ 
ser alten» Praktiker mufs mehr Theitnahme 
erregen und mit mehr Betrübnifs erfüllen, als 
die Verlegenheit der von der Universität heim^ 
kehrenden Aerzte, einen Schauplatz ihrer Thä«> 
figkeit und ihres Erwerbs zu finden. Die 
Letztem bestürmen jeden, von dem»:«ie ver- 
inutben, er kSnne ihrer Noth, deMÜi Grols^ 
]i!cht zu verkennen ist, zumal seitlier' un< 
gleich häufiger als tonst so viele ganz mit- 
i#>llose Jünglinge der lUedicin «ich widmeten^ 
abhelfen y 'mit Klagen- und Bitten, welche io 
!>egieiflich als vencelhlich sind, während jene 
gri>rslen Theils schweigen und ihren nagenden 
Kummer In sich verschliefsen-, iveil sie eiü- 
seben, dafs ihre Lage gar keine Verbesserung 
zuläfst. DiiB angehenden Aerzte waren von 
jeher häufig bei ihrem ersten Auftreten in sol- 
eher Verlegenheit, und batten Mifslichkeiten 
mancherlei Art mehr oder weniger zu beste- 
Jien. *) 

*) Alt Zimmermann vor etwa 40 Jthren teutschen 
Aertten eine Anitelluiig in RufsUnd verschtlTea 
konnte* wie viele boten^ ticb nicht da«u an. 
Unter denen, welche er« hinaandte^ waren meh- 
rere nicht gans jun&e, sehr viel versprechende 
Mannen Würe ea diesen in TeuuchUiid, wel- 
chea damals ungleich weniger Aerzte hatte, 
wohl ergingep^ und hlitten aie mehr Aufsicht 



I . " " ' 

f Fruber oder später entsteht 4ofb eitt% 

I Locke, die sie ansfoUen Ilöhiiqu; .(jist jeder 
findet endlicb einen Wirkungskreis., und der 
oft den günstigsten! welchem anfänglich die 
mehrsten Schwierigkeiten sich entgegensetz^ 
ten. In Jüngern Jahren beseelt Mnth und 
HoShnng; die Gesundheit nnd Stimmiing, 4i6^r 
tes Lebens - Zeitraums läfst Niedergeschlagen- 
heit und Gram nicht leicht herrsch/Bod. wer- 
den, fio riel Stoff auch oft dazu da ist« . 

Möchte es ausführbar seyn, unsern ^on^' 
gern und altern Standesgenossen bessere Ans- 
uchten zu eröffnen, jene früher nnd befriedi- 
gender in Wirksamkeit zu versetzen nnd ihr^ 
nen Einnahme zu yerschaffen , ;eumal die ferr* 
Tktte Ä^usbildung und eine weiter.e Erwerbung 
▼on Geschicklichkeit gehemmt wird, wenn 
sie die erlangten Kenntnisse nicht anwendj^n' 
können und zur Erweiterung derselben TÖn 
auJsen nicht aufgefordert werden ^ diese, die 
altern Aerzte, aber Tor den fortwährendem Be^ 
Khränkungen und Beeinträchtigungen , welche 
sie Ton Vermehrung der Aerzte an ihrem Ort 
*:ad in dessen Nähe erleiden, cu schlitzen! 
einzelnen zu helfen gestatten zu Zeiten ent- 
stehende Yacanzen, oder besondere Verhält- 
nisse, und es ist zu wünschen, dafs dann 
ftteu die Würdigsten den Vorzug erbalten. 

Aber unausführbar, chimärisch , sind alle 
Vorschläge, die Lage des ärztlichen Standes, 
im Allgemeinen durch pecuniäre Vortheile, 
deren Tiele und zwar frühzeitig theilhaflig 

gehabt, deselbtt mit Erfolg wirKfam tu layn, 
io hftttan M iich acbwerluh nach einaid t6 
femm tsnüt Terfetsen lauen , du man damab 
Biehv Khente, eis jecst. 



22 « 

wttrden« üu yerlfessern tiiid taekt zu sicheriiy 
jedem efnea angemedsenen Wirkungslireis zq 
Terschaffeii y una doch den, welchen andere 
schon inne haben und oft zur allgemeiiien 
ZuiViedenhelt würdig Genüge leisten , nicht in 
zu grofse Gefahr einer b^träditlicben Vermin- 
derunf zn yersetzen, 

' Um ^e Aerzte und Wundärzte, die oft 
erst nach langem Warten, nach mancherlei 
Ortsreränderungen und unter vielea Bemü-- 
liungen und Austrengungen, dahin gelangt sind 
ein Einkommen sich zu verschaffen, w^lches 
sie^ zumal wenn sie Familianräter sind, in 
der Mehrheit der Fälle dürftig genug ernährt, 
so viel als möglich in dieser Lage zu erhal- 
ten und sie ihnen nicht schmälern zu lassen, 
war in. den alten HannSverschen Provinzen 
schon lange die Observanz , daTs keinem Arzt 
oder Wundarzt gestattet war, sich niederzu- 
lassen, wo es ihm beliebte, sondern da/s er 
dazu einer besondem ErlaubniJGi bedurfte. Diese 
wurde ihm aber verweigert^ wenn eine Un« 
tersuchüng ergab, dafs der Ort und die Ge- 
gend schon mit guter ärztlicher oder vnmd-* 
^irztlich^ Hülfe hinlänglich versehen und kein 
Grund vorhanden sej, noch eine Medicinal- 
Ferson dahin zu versetzen, besonders, wenn 
die bisherigen Praktiker dadurch früher oder 
später eine solche Verringerung ihrer Einnali« 
me erleiden 'konnten, dafs Verlegenheit und 
Noth ihnen drohe. Diese Bfaafsregel hat sich 
so angemessen und wohlthätig gezeigt, dab 
sie zum Gesetz für das Königreich erhoben 
worden ist. In der wichtigen Verordnung 
vom 18. Dec. 1818 helfst es: „Wo ein Ort 
oder eine Gegend mit geschickten, thäligen, 



— 23 — 

nod Zutrauen geniefdeodeii, Aerzten Ju^läng- 
lieh Tersehen ist ^ soll 2u deren Nachthell keiA 
neuer Arzt ohne alles Bedürfnils hinzugefügt 
werden; und unter den Aereten» "Vielehe sich 
für eine Stadt oder 6egen4 melden, trö e^ 
noch thunlich ist neue ConcessioneA: au er^ 
theilen, ist jedesmal derjenige zur. Zw]Las8itf>g 
zur znedicinischen Fra?dA . fiuszi^ wählen , d^ 
sich durch Kenntnisse, Filhigkeit i^n^ ftHtlir 
ches Betragen am vortheilhaflesten auszeich- 
net/* Diese Anordnung hat viele fl^lich»« 
keiten von den etablirten Praktikern* abgof* 
\randt, aber, wie leicht begreiflich i^t, nicht 
alle, die aus der jetzigen Mehrzahl vqn.Aerz-^ 
ten folgen. Besonders zeigjt sich jeiie nodli 
SA ndtllern und kleinen . Orten , dtifs Ort-^ 
Schäften, die 2 — 3 Stjundtn von dem WoIuXt 
ort &ne$ Arztes entfernt liegen ^ der .OTutsem 
und die Bequemlichkeit nidht entzogen wer* 
den kann 9 medicinische Hülfe mehr: in dec 
Käfae zu haben, wenn ein Ar^^ um doch 
endlich zu einem Wohnsitz und zu e£nigeCr 
Tbätigkeit zu gelangen, sich daselbst nieder*«, 
zulassen entschliefst. Ist diese Yerfiigung nua 
allerdings für die Aerzte, die npch einen Wir-^ 
Lungskreis suchen, oder mit ihrem gegenwär- 
tigen nicht zufrieden sind^ oft belästigend und 
druckend, so hat sie doch für sich, dafs dte> 
welche einmal im Besitz ärztlicher Thätigkeit 
sind, und dieser zur Zufriedenheit ihrer Obern 
und des Publikums Genüge leisten , doch die- 
selbe nicht mit andern ununterbrochen theilen 
zu müssen und sie über alles Maafs sich fort- 
während verringert zu sehen in Gefahr sind. 
Eine Grenze ist so doch gesetzt, einiger bil- 
liger Schutz doch so gewährt. Die, welche 
Sich jetzt darüber beklagen und dieses Gesetz 



- 24 ^ 

hart :ftild6ii, bftbto sich in spatern Jahren, 
wenn sie' mit gutem Erfolg sich irgendwo en- 
gdsiedeh' finden , derselben Sicherheit und Fe- 
stigkeit ihres 'Wirkungskreises zu erfreuen« 
die der- Staat ihnen 2U gewähren im Stande 
ist. 6r)(fsere Städte, der Hauptort jeder Pro* 
vin% sitiftililv ▼or allem aber die Residenz, müs- 
sen dei< freiesten Concurrenz autorisirter A#nt* 
te offen' '«eyit. 

• • ■ T 

Dd^ geistvolle Verfasßer des Aufsatises, 
über dessen Inhalt' ich meine Meinung 2u äu- 
fsern aufgefordert bin, trägt darauf an, zu 
6anÄt€ffi' ubd z'Or Beförderung det Jüngern 
Aer^ie von bessexvu Gehalt ^ die in ihrer prikk^ 
tischen Laufbahn jefist so gehemmt sina utid 
nicht vorwärts kölbalP^n können , eine fSrm- 
liche* medldnischü AriHtokratie zu bildeii und 
7M sandtionireti , eine Art von ärztlichen Adel 
einzuf&hwn , der, wie sich von selbst ver- 
steht utid «r ausdrücklich erklärt, ntir per« 
sönlich se)rn, Und sich nur auf die Lebens^ 
zeit deiKsen, dem-efr ertheilt werde, erstrecken 
soll. Da man bei neuern Verhandlungen oft 
der Aristokratie des Reichthums, der Ter' 
dienste, und der Gelsfeiföhigkeiten erwahntei 
so gestattet die Analogie des Sprachgebra^ehs' 
die Bezeichnung einer Aristokratie unter Aerz-' 
leü. Kin anderes ist, ob die Natur und äae 
innere Wesen des ärztlichen Standes eihe ari- 
stokratische Absonderung und Klasse zuläfst, 
w<<s zu bezv^eifeln ode^ vielmehr zu vernei- 
nen ich mich durch überwiegende Griinde be« 
wogen finde. Ein medicinischer Aristokrat' 
wäre nur der zu nennen, welchem die öffeht* 
jirhe Meinung, das Vertrauen seiner Slitbür-' 
if^r, eine hervorragende i ausgeī\d\nft\^ Ge- 



— 24 — 

xklichlLelt uud ZuTerläfsigkeit ciisdireibi 
irere bedenkiiihe.KjraDkheüeD zu heHen« 
1 an welchen man sich yorziiglich wendet, 
. von grofsen Uebeln befreiet zu werden, 
r endlich, welcher häufig , oft selbst von 
inen Collegen, noch hinzugerufen wird, wenn 
rankheiten unter dem Einwirken anderer 
hätzbarer Aerzte der Genesung sieh 'Aitixi 
lüliern uud ein immer bedenklichere» 'Ainee^ 
len erhalten. Wenn man Yon dieser Bi»tUlk 
mung ausgeht, welche die einzige hi4t zu- 
lässige ist , denn alle andern Stellungen und 
Vorzuge von Aerzten stehen tief. umt/er^Aei 
erwähnten, so lälst sich leieht darlHaii, dab 
nie eine medicinische Arifetökratiie im Djusejn 
geraten und gebildet- werden kann, litie ftocfi 
so ausgedehnte Ver^nigung von Aerzten, wel^ 
cJbe in Ter8chiedepen..;Städten und Ländern 
zu solchem Ansehe itad Gewkht gelangt sind,* 
würde nie als eine Amtokrätie der Aerzte 
gelten können« Diese BejBeichnung ist - -nie' 
auf die ausübenden Aerzte überzutrageoV > Wei^ 
la diesem Jahr zu einer solcheivVereiaigung- 
fthürt, steht in Gefiihr in einem folgenden- 
aus ihjr treten zu müssen i andere^, die ihr 
jetzt nicht zugesellt werden können ,• werden 
könnighiazuzuziehnsejn. Aristokratie drückt 
den Inbegriff von grolaen Vorzügen und Rech^ 
ten, verbunden mit Vornehmheit^ aus, die je« 
mand ererbt oder sich erworben faat^ aufseine 
Nachkommen übertragt^ oder . doch für seine 
Lebenszeit sich zugesichert hat« Es geKSrt 
wesentlich zum Begriff derselben, daits die 
Vorrechte, Ansprüche, und Beziehungen,* -wel- 
che sie ertheilt, in der bestehenden Ordnung 
der Dinge» wenigstens so lange diese selbst 
oicht umgestcÜMn wizd^ anerkannt werden, 



— 26 — 

geltend bleiben und aufweinen Kreis Ton Hoch- 
begünMigten fest und auf immer übertragen 
oder von ihnen erworben sind. * Ein angesehe- 
ner ausübender Arzt^ an den allerdings die 
Vornehmen und Reichen sich besonders wen- 
den, ohne daÜB der Arzt der Aristokraten 
seihst zu einem medicinischen AristokratMi er- 
hoben wird, ist ein solcher nur durch die Sf-* 
£entlicha' Meinung. . Mit oder ohne Grund 
scbjwank-t diese aber oft und würdigt heute 
herunter , was sie gestern erhob. Das noch 
so weit gehende, noch so wohl begriindete 
Vertrauen 2u.«inem Arzt steht nicht fest und 
nicht, weher« Es i ibufs stets von neuem er^ 
worbea wd bewShvt werden. Ehemalige Er^ 
folge sindL niclut Jesne stärksten Stützen, -im- 
mer -^erneuert^, die fortwahrend AufmerksaiA- 
keit auf sich ziehen tindigrofsen Eindrudc mar 
eben, müssen es lebeadig und kräftig eriud^ 
ten,- nicht nur beim<f;ahze& Publikum 8()nd$ni 
aach olt bei einzelnen i deiien ein Arztftnher 
die -gro&t» Hülfe leistete. ^ Man weils, wer 
ijD. der Vergangenheit und Gegenwart im Be~ 
sitz desselben war- und ist, nicht wer in der 
nächsten Zukunft sich dessen zu erfi^euen ha- 
ben wird. Ich schweige von auffallenden Un* 
glücksfällen , die einen Arzt nach der Beschaf- 
fenheit unserer Kunst oft so leicht und selbst 
unvermeidlich trieffen, und seinen, in einer 
langen Aeihe von Jahren erworbenen , Ruhm 
sehr schmälern können. Noch so hohe^ Tit^ 
Orden I Stellen, selbst wenn letztere einen 
gro£sen Einflufs geben, Schriftsteller - Ruhm, 
lenken und fixiren den allgemeinen Glauben 
an die hervorstechende Geschicklichkeit eines 
ausübenden Arztes nicht so entscheidend, als 
d/e enja^bmeu, welche nadi dx^^ti^ Am^elch«* 



— 27 — 

Illingen streben. JJarvey verlor seine ärztliche 
Fraxis in London, weil man seine grofse 
Entdeckung des Blutuiulaufs für eine bedenk- 
liche Neuerung hielt; Benjamin Mush sank in 
Philadelphia im öffentlichen Vertrauen , weil 
er in seinen allgemeinen medicinischen An- 
sichten sich nicht gleich blieb. Porfd/ beklagt 
S. 616 des 5ten Theils seines Cöurs d^AnatO" 
mU midicahy dafs mehrere Aerzte der ehema- 
ligen Fariser Facultät, die seine Zeitgenosseln 
waren , und die er sehr rühmt , die Resultate 
ihrer weisen und aufgeklärten Praxis nicht 
bekannt machten , weil man damals in Frank- 
reich gegen medicinische Schriftsteller mit 
Yofurtheiien erfüllt war, und sie daher alä 
solche genannt und berühmt zu werden furch* 
teten, ^eil diels ihre groDse Praxis vemun- 
dert haben würde. 

Eine Aristokratie unter Aerzten ist nach 
diesen Erwägungen ein Institut das aller festen 
Grundlage ermangeln würde, und den Eigen«* 
thumlichkeiten des ärztlichen Standes entg^ 
gen ist. Andern gesellschaftlichen und Staats - 
Einrichtungen mag immerhin eine aristokrati- 
sche Verfassung nothig und erspriefslich seyn ; 
der Organisation des Medicinalwesens sagt sie 
nidit zu, und kann demselben nicht aufge- 
pfropft werden. Unter Beziehungen von Aerz- 
ten gilt es tiefer , treffender Einsicht und wahr- 
rer Forschung. Wem diese eigen ist, der 
terschafFit ihr und sfch selbst Eingang und Ach- 
tang bei seinem Kunstgenossen ^ wenn dieser 
nicht dafür des Sinns ermangelt und ein recht» 
fchafiner Mann ist, derselbe mag noch so sehr 
u Jahren, Titeln, allgemeinem Vertrauen 
vor ihm roraus haben. Die Wahl Einzelner 



— 28 ~ 

und Aller unter Aerzten , vou deAen sie Hii]f« 
erwarten, und unter denen sie nach Grün- 
den , die allerdings oft dem eigentlichen Zweck 
fremd und verwerflich seyn mögen , einem den 
Vorzug geben, bleibt stets frei und ungebun^ 
den, und duldet keine Fesseln. 

Allerdings ist das nur Wortstreit, wel- 
cher mit dem wohlwollenden Vorschlag des 
Candidus nicht so tief zusammenhängt , als er 
selbst zu glauben veranlafst. Aber es ist gut, 
wiederholt darzuthun, dafs durch den Ge- 
brauch von Kunstworten , zumal wenn diese 
aus andern Wissenschaften und Verhältnissen, 
und zwar wie gewöhnlich der Fall. ist, obne 
genaue , deutliche Bestimmung , entTehnt wer- 
dei;!, keine medicinische Untersuchung irgend 
einer Art in ein besseres Li^ht zu stellen ist^ 
sondern nur noch mehr verdi|nkett wird und 
auf Ahwege geräth. Auch ist dem ärztlichen 
Stande 9 seinem hessern Geist und Streben 
nicht wohlthätig, wenn man einleitet und be- 
fordert , däfs die Aerzte , welche wahre grofse 
Vorzüge sich erworben haben , und wegen des 
Besitzes derselben oder durch andere ISegiin- 
stigungen des Geschicks hoch stehn und viel 
gelten, ihre Vornehmheit und volle Bedeu- 
tung in Beziehung zu ihren Mitärzten zu leb- 
haft vor Augen Jiaben, imd zur Kichtschpui' 
ihrer Behandlungsart derselben machen. Dieb 
ist aber sehr zu fürchten , wenn es glücJ^en 
könnte, eine förmlich anerkannte Trennung 
der altern und Jüngern Aerzte in Aristokraten 
und Plebejer zu Stande zu bringen. 

Den eigentlichen Zweck des Aufsatzes t 
Aristokratie unter den Aerzten , erkenne ich 
mIs einea $eü deutlich und verständig gedach- 



— 29 — 

ten, der oft sehr mifslicheö Verhältnissen ab;* 
Schelfen beabsichtigt , und dessen Erreichung 
sehr wünschenswerth sey. Ich bedaure um 
10 mehr , dahin stimmen zu müssen , dab 
derselbe sowohl nach dem Plan , auf welchen 
der Verfasser hinweiset, als nach jedem an- 
dern^ der zu entwerfen ist, unerreichbar, und 
daher aufzugeben sey. Seine vollständige Ent* 
Wickelung und Beurtheilung erfordert aber toi^ 
läufige Erörterungen, denen ich mich um so 
weniger entziehe , ja sie selbst in vielem wei«> 
ter ausdehnet als zu diesem Zweck nöthig 
ist, da sie Gelegenheit geben , einige wich- 
tige Funkte zur Sprache zu bringen. 

Der Staat hat Veranstaltung getroffen und 
angeordn^y dafs die, welche Aerzte werden 
woilen, auf Schulen eine gelehrte Bildung er» 
bälteOf nach solcher höchst zweckmäfsiger 
Vorbereitung , auf die indefs zn wenig gehal« 
ten wird, eines vollständigen Unterrichts in 
der Arzneiwissenschaft th^ilhaftig werden f und 
lelbst in dinischen Anstalten Krankheiten za 
Iteobacliten und zu heilen angewiesen werden. 
?ar die Dauer des Aufenthalts auf Universitä- 
ten ist in vielen Ländern ein bestimmter Zeit» 
nom festgesetzt , und oft selbst die Reihe der 
Vorlesungen bestimmt ^ die gebort werden 
snüssen. Dann findet ein Facultäts- Examen 
uid die Doctor- Promotion Statt« Eine söge» 
nannte Staats -Prüfung eintreten zu lassen, 
hat man in vielen teutschen Ländern aus man* 
aigfaltigen, grofsen Gründen noch für nöthig 
«achtet. Wer als Physicus Anstellung wünscht, 
MnCs sich in vielen Staaten noch besonders 
laza legitimiren; inOesterreichundFrankreicb 
riuiU keiner eine Lehrerttelle , ohne- seine 

C2 



V 



-^ 30 ^ 

Ansprüche auf eine solche Auszelchnntig her- 
vorstechend auf eine angeordnete Weise gel- 
tend zu machen. Hin und^ wieder ist noch 
besonders verfugt, dafs wer auf einer auslän- 
dischen Universität Doctor wurde, sich noch- 
mals von einer einheimischen mufs prüfen las- 
sen; in Wien gilt selbst die Promotion zu 
Prag, Pavia u. s. w, nicht, sondern sie mu/iü 
von der .Facultät der Residena sanctionirt 
werden. 

Zweckmäfsig und vollständig ist im All- 
gemeinen auf diese Art eingeleitet, dafs die 
angehenden Aerzte das Erforderliche erlernen, 
und selbst in dessen Anwendung geübt wer- 
den; Vorkehrungen in Menge sind getroffei», 
dafs keiner von der Facultät und vom Staat 
als Arzt anerkannt wird, ohne dafs sein Wis- 
sen vorher in Prüfungen sich bewährt haben 
soll. Die Beschaffenheit und Angemessenheit 
dieser Examina kann nur noch Erinnerungen 
oder Vorschläge zu ihrer Verbesserung zulas- 
sen, da man allenthalben findet, dafs sie ih- 
ren Zweck nicht vollständig, erreichen, und 
das Publikum nicht hinlänglich sichern, die 
Kothwendigkeit und Wichtigkeit eines Theils 
dieser Prüfungen ist sehr grofs, obgleich sie 
an sich und immittelbar keine feste Schutz- 
mauer gegen das Eindringen kenntnifsloser, 
unfähiger und unwürdiger Aerztö" seyn kön- 
nen, besonders weil dieselbe stets Wäch- 
ter ermangeln wird , die strenge ihr Amt ver- 
sehen. In dieser Hinsicht zeigen sich die 
noch so scharfsinnig ausgedachten» oft zu §o 
grofsen Weitläuftigkeiten führenden und ge-^ 
häuften Erforschungsmittel der Kenntnisse unci 
Fäbigkeiteu der angehenden Aerzte als^ 



— 31 — 

/ 

t 

unzureichend , da Iiieriiber kelaü richtigefi Be- 
giüTe verbreitet sind, so scheint mir nicht un- 
wichtige hier umständlich zu untersuchen, vras 
Ärztliche rrüfungen zu leisten rermögeo , und 
worin sie immer mangelhaft bleiben werden. 
Das Wissen, welches aus anschaulicher, deut- 
lich gedachter, in seinem Zusammenhang be- 
griffener Einsicht fliefst^ das einzige welches 
wahren Werth hat und seinen Namen ver- 
dient, ist ein anderes/ als das, welches blofs 
in Worten aufgefafst, und blofs dem Gedächt- 
niCs eigen geworden ist, zu Zeiten nur, um 
es bis nach überslandenem Examen festzuhal- 
ten. Entgeht auch einem geistvollen, gewand- 
ten Examinator, der die schwere Kunst zu 
fragen und zu hören inne hat, nicht, dafs die 
Tichüg gegebeneu Antworten , gegen die nichts 
zu enanenx ist, blofs ein auswendig gelerntes 
Hersagen sind, so mufs er sie doch gelten 
lassen und durch sie befriedigt scheinen. Was 
ist am Ende auch nach einem noch so fleiTsi-- 
tetk Studium der Medicin und ihrer Hiilfswis- 
seoschaften, welches drei bis vier Jahr he^ 
zreift> was ist von der gröfsern Zahl der Stu- 
direnden zu erwarten und zu verlangen ? Selbst 
manche Jünglinge welche durch die Masse 
verschiedenartiger Kenntnisse, die sie in sa 
kurzer Zeit erworben, uns mit Bewunderung 
erfüllen und das vortheilhafteste Zeugnifs mit 
Recht erhalten , vernaclilärsigen sich oft später 
und sinken an Geist und Einsicht so sehr^ 
dafs ihre Entwickelung gehemmt wird, uud 
sie nichts Ausgezeichnetes leisten. Und wer 
selbst in einer spatern Ijebenszeit den ganzen 
Umfang des medicinischen Wissens sich an- 
teeigiiet uud wohl begriffen hat, siph unaus- 
lesetzt im ]3esitz desselben erliält und keiner 



)t- 



— 32 — 

■ 

Erweiterung desselben fremd bleibt (und ist 
die Zahl solcher Männer unter uns grofs?) 
ist der dadurch zum echten Arzt gestempelt 
und hat die Weihe desselben ? Entscheidet 
bei der Ausübung der Medicin am Kranken- 
bett, nicht Beobachtungsgabe, Takt, Blick, 
tiefe Forschung, treffende Beurtheilung, Ge- 
genwart des Geistes und Festigkeit des Cha- 
rakters verbunden mit dem Reichthum von 
Erfahrung, den die Uebung und Schärfung 
aller dieser Eigenschaften in einem grofsen Wir- 
kungskreis, unterstützt yon einem ununter- 
brochenen Studium der befsren practischen 
Schriftsteller aller Zeiten nur yerschaffen kann? 
Welcher ältere, bewährte Arzt, der seinen 
Kranken und seiner Wissenschaft immer seine 
beste Zeit und Kraft widmet, erschrickt nicht, 
wenn er nicht übermüthig und iri' Selbstdiin- 
kel versunken ist, vor allen diesen Forderun- 
gen , und ist in Gefahr an sich selbst zum 
Zweifler zu werden? Diese Höhe der Voll- 
kommenheit erreichten zu allen Zeiten nur 
wenige, und diese fühlten dann die Mängel 
und Grenzen der Kunst am tiefsten, so viel 
sie auch leisteten, jene zu vermindern. Es 
ist wahr, die gewöhnlichen und häufigsten 
Krankheitsfalle lassen eine Behandlung imd 
Heilung zu, welche zu kennen und gehörig 
anzuwenden «ehr wohl erlernt werken kann, 
und kein so tiefes selbstständiges Auffassen 
und Ergründen erfordern. Dennoch entschei- 
det über den Werth und das Wirken eines 
Arztes nur sein Talent der Beobachtung, seine 
Unterscheidungsgabe , sein Urtheilsvermögen. 
Eigenschaften des Geistes , die in einer Frü« 
fung durch noch so viele Fragen und selbst 
durch AatsätzCp die man verfertigen läfst. 



— 33 ^ 

niclit sicher nach ihren verschiedenen Anla<^ 
seD und Graden zu erforschen sind. Es zeigt 
sich, wem sie im hohen Grade fehlen, es ist 
nicht zu verkennen , wer vorzüglich damit hd- 
;sAbt ist, und durch fernere Anstrengung her- 
vorragend werden kann. Aber die gröfste An« 
zahl der einer Prüfung unterzogenen fällt in 
die Mitte , deren wahre Abschätzung und Wür« 
digong in diesen Rücksichten nicht möglicljL 
ist. Auch kann und soll ein Examen immer 
Dur bezwecken, auszumitteln. ob jemand sich 
Torbereitet hat und die Kenntnisse besitzt, um 
tAm Arzt anerkaant zu werden. Das ist der 
Ausspruch auf -den es nur ankommt. Möge 
selbst dieser nur inuner sicher seyn ! 

Und nun die Prüfung selbst. Nicht jeder 
wahre Keuner seines Faches ist dazu geeig- 
lief, Dicht jeder Irilft die rechte Weise. Wer 
noch so seicht und dürftig antwortet, macht 
oft einen günsligen Eindruck, wenn er sieb 
zu der Meinung, zii der Lehre l^nneigt, die 
der Examinator selbst gefafst hat, und wenn 
üeser durch Anklänge aus seinem eigenen 
Srsleni erfreut wird. Dieser Eitelkeit Nah-, 
nmg zu geben und sie für sich zu gewinnen, 
iftl ein nur zu bekanntes Bestreben. 

Doch sind es nicht diese und andere äbn^ 
liehe Unvolikommenheiten , welche Aie Trü^ 
fuDgen unzuverlälsig machen und ihnen an 
Bedeutung und Einflufs so viel entziehen. Es 
ist, man kann dessen kein Hehl haben, der 
allgemeine Maugel an Strenge, an Nichterwä« 
eung der Bestimmung und Wichtigkeit der 
Tfüfungen und der Übeln Folgen zu weit ge- 
•riebener Nachsicht, ja, wie einige meinen, 
4t es oft* selbst Mangel an Gewissenhaftigkeit, 



"^ 



-i J4 - 

I 

der jede Anordnung solcher Facultäts - ' xrnä 
Staats -Examina, seibist 'wenn «ie öffentlich 
sind, den gröfsten Theil ihres Zwecks rer-^ 
fehlen lafst. Man lasse sich nur die Resultate 
der in einer grofsen Reihe von Jahren ange^ 
stellten Prüfungen vorlegen, Es wird sich er- 
geben, selten ist Einer förmlich und für im- 
mer abgewiesen worden. Die Behörden, wel- 
che es noch am genauesten nehmen, yerfS- 
gen, dafs einige sich in einer spätem Zeit 
nochmals zum Examen stellen müssen, wel- 
ches ihnen dann gewöhnlich eine günstige 
Entscheidung gewährt, zu Zeiten, da es wirk- 
lich oft überrascht, was in diesem Zwischen- 
räume erlernt werden konnte, mit Recht, häu- 
figer ohne dafs die grofsen Lücken des unent- 
hehrlichen medicinischen Wissens ausgefüllt 
sind, und das Versäumte durch Fleifs naicli- 
geholt ist. 

Wenn noch nie eine Prüfungs -Behörde 
in irgend einem Kreise des menschlichen Wis- 
sens und Wirkens leistete, was sie sollte und 
wozu sie bestimmt und verpflichtet wurde, 
(obgleich viele andere Fächer nicht die Schwie- 
rigkeiten darbieten , welche dem medicinischen 
eigen sind), wenn selbst die ehrwürdigsten . 
Männer, nie in allen andern Beziehungen in 
den schwierigsten Verhältnissen^ mit Muth und 
Kraft, ja mit grofser Selbstverleugnung, ihren 
Beruf und ihre Pflicht treu und gewissenhaft 
erfüllen , als Mitglieder solcher Collegien un^ 
begreiflich weitgehender Vernachläfsigung und 
Versa umnifs beschuldigt werden, so dringt 
sich die Ansicht auf, es müsse an der Lage, 
nicht an der Persönlichkeit solcher Männer 
iiegen, daf$ Vorwürfe sie hier treffen. Man 



-m 3S — 

amls üt Frage mfirarfe&^ i>b £«i EmJera^^ 
die maa mm solche £rn£az^- BdboI^d»l nuicliL 
das Gemeiinresen gegien irn^^issenh^it und 
üaialiigieit za ecJiiitzeii imd £a verhindttm^ 
dals in irrezid cänen wichti^xi Gescbai^skve» 
nicht Persoscn ciodrin^rea ^ ^e ihn- nicht G^- 
nn^e leisten iLoimem, nicht zu schwielig, un- 
ansiahTbaT und za bew^erlLStelligea , f^st ua- 
möglich ser. Es ist zu nnteisnchen, und zwar 
hier in Hinsicht aaf die arztlichen Eizttnina, 
ob denn in der That in xielen Fällen, in 
welchen ein grolser Mangel an Bildung und 
Einsicht hervorleuchtete, das Urtheil der t51~ 
ligen Abweisung zu fällen sej. Der junge 
Mann selbst fühlt mit Beschämung und Zer- 
kinnchung seine JLücken, seine Unwissen- 
heil. £r erkennt diese traurigen Folgen sei-- 
nes EkSeifses, seiner Vemachläfsigung , sei- 
nes bisherigen träfen, oft wüsten Lebeus% 
£r gelobt aber Besserung und grofse Anstren- 
gungen , um die zur, Ausübung seines Faches 
aothigen Kenntnisse zu erwerben. Die Prü- 
fer selbst haben das Bewufsisejn, dafs das 
Beste, was sie wissen, die Frucht eines spä- 
tem f nicht des akjidemischen Studiums ist, 
und, dafs die Einsichten, auf die sie den 
mehrsten Werth legen, durch eigenes Wir- 
ken und Beobachten erlangt wurden, Meh* 
rere der Hülfswissenschafleu , selbst der Theil 
der theoretischen Erkenntnisse der Mediciu, 
wovon manches der dunkeln, leichter verwir 
renden als auiklärenden und belehrenden Ab- 
straction angehört, oder wovon einiges bluFs 
gelehrter Apparat oder selbst nur Rückblei))- 
sei der ehemaligen Scholastik ist, umfaftficnde 
gründliche Einsichten über die tliierische Oe- 
konomie und ihren Bau, ein tiefe« Studium 



— 36 — 

I 

der Pathologie; Nosolojgie und aUgemeiiien 
Therapie entbehrt kein Arzt ohne Nachtheil 
und wird bei IJnbekannt^chaft in dem Kreise 
dieser Wissenschaftän oft in seinen Forschun-' 
gen sich gehemmt finden; den Vorschub, den 
es seiner VissenschafUichen Entwickelung, der 
Schärfung seiner Geistesfähigkeiten giebt^ nicht 
zu erwähnen. Aber auf die gewohnliche gang-- 
bare praktische Thätigkeit , wenn man sie für 
sich isolirt betrachtet, hat alles diefs in der 
That selten grofsen unmittelbaren Einfiufs. 
Man fuhrt an, eine grofse Anzahl ausübender 
Aerzte hätte sich diese Kehntnisse nie eigen 
gemackt , oder sie im Lauf der Zeit wieder* 
vergessen/ und seyen-dennoch im Ruf stehen^ 
de nicht ungeschickte Praktiker. Diesen Ge- 
sichtspunkt benutzt man und dehnt ihn sehr 
weit aus, um eine sehr grofse Unwissenheit 
in yielem zu entschuldigen und für weniger 
bedeutend zu halten» als sie ist. Wenn ^eso 
Kenntnisse nun mehr oder weniger- fehlen» 
so glaubt man es nicht zu hoch anschlagen zu 
diirfen und durch den Mangel dieses Wissens 
nicht zur Abweisung berechtigt zu seyn. Das 
zur Ausübung der Arzneikunst unentbehrliche 
Wissen, die Erkenntnifs- und HeilungsYreise 
der einzelnen Krankheiten umfafst eine solche 
Masse Ton Begriffen und Erfahrungssätzen, 
dafs der wohlunterrichtetste, fähigste Jüng- 
ling, der noch so viel sich dayon aneignete 
lind geläufig machte, doch immer Lücken» 
Unzuverläfsigkeit, zu viel Vorliebe für die 
Lehren der Schule, aus der er kommt, und 
zu viel Mangel an eignem Denken, Prüfen 
und Vergleichen zu erkennen giebt. Viele 
andere ragen nicht so hervor, weil sie ge- 
rlugere Geisteskräfte \)esi\ZQix und minder vor- 



— 37 - 

bereitet und ausgerüstet waren, um in da^ 
Stadium der praktischen Medicin einzudrin*- 
gen. Aber man sieht doch, sie waren :fleirsig, 
erlernten vieles j haben ron den Lehren über 
dieNatar^ Zeichen und Behandlung der Krank- 
heiten nicht weniges aufgefafst, und es fehlt 
ihnen nicht an Beurtheilung und Lebhafdg* 
keit des Geistes, wenn sie auch nicht ausge* 
zeichnete Köpfe sind. Man hofft sie werden 
gute Handbücher benutzen, um sich bei vor- 
koounenden Gelegenheiten zu helfen, sie wer- 
den durch ein fortgesetztes Studium ihres Fa- 
ches sich reryollkommnen. 

So stellen sich die bessern angehenden 
Aenle dar, die von herrlichen Geistesgaben 
und die von mittelmafsigen Talenten, wenn 
sie noch so fleifsig waren und zweckmäfsig 
stuiirten. So vortrefflich auch jetzt die cli- 
nischen Anstalten sind, und so viel besser 
auch jetzt die Vorträge über die specielle The<- 
rapie gehalten werden, so kann doch die volle 
Ausbildung zu einem guten ausübenden Arzt 
nur durch eine länger fortgesetzte Benutzung 
der besseren Schriften und durch eine ver- 
traute Bekanntschaft mit dem Verlauf A&t 
Krankheiten und der Einwirkung der JVIittel 
auf dieselben vermittelst eignen Beobachtens 
und selbstständigen Handelns erworben wer- 
den. Die Examinatoren stofsen also bei jedem 
jungen Mann, den sie prüfen in Hinsicht sei- 
ner praktischen Einsichten auf Mängel, Lücken, 
VnTollkommenheiten nicht in geringer Zahl, 
selbst wenn sie , wie nicht selten der Fall ist, 
bewundern müssen, dafs es möglich war, wäh- 
rend einiger Jahre , die so vielen Studien 
gewidmet werden müssen, so grofse Fort- 



— ' 38 — 

schritte ; selbst Im praktischen Tholir der H^ 
dicin zu machen und solchen Reichthum an 
Kenntnissen dieser Art zu erwerben. Sie 
müssen ßich sagen , auch dieser der so herr- 
lich begabt» so weit vorgerückt ist, wird nur 
viel leisten und die HoiTnuogen erfüllen, die 
er erregt, wenn er in seinen Anstrengungen 
nicht nachläfst, sein wissenschaftliches In- 
teresse in sich erhält und Bücher und Kranke 
zur Erweiterung und Berichtigung seiner Be« 
griffe zu benutzen nicht ermüdet. Vielen an- 
dern, der gröfseren Zahl vielleicht, fehlt es 
Theilweise an Geisteskraft , an gelehrter Schul- - 
bildung^ an genauer und vollständiger K.ennt- 
nifs der Anatomie, am sogenannten theoreti- 
schen Wissen, oder selbst an den praktischen 
Einsichten , die ein gehörig benutzter akade- - 
mischer Unterricht unstreitig darbietet. Eine 
entschiedene Unfähigkeit oder völlige Unwis- 
senheit stellt siqh in der That höchst selten dar. 

Wo beide vereinigt sind, was in diesen 
Fällen gewöhnlich Statt findet, oder eine von 
beiden unverkennbar und entschieden sich zeigt, 
da geht die Nachsicht, wenigstens bei den 
Staats -Prüfungen, doch nicht immer so weit, 
dafs diese bedaurenswerthen Jünglipge «für 
tüchtig erklärt werden. In der Mehrheit der 
Fälle geht aber aus der Prüfung hervor, dals 
ein Theil dieser Kenntnisse in gröfserer oder 
geringerer Menge oder Vollkommenheit er- 
worben ist, andere Parthien des ärztlichen 
Wissens aber einzeln , mehr oder weniger ver- 
nachläfsigt wurden. Soll in allen,. was zum 
Kreis des medicinischen Studiums nahe und 
entfernt gezogen worden ist, der zu prüfende 
Arzt vollständig unterrichtet sefn und eine 



^ 39 — 

kobere Stnfe des Wissens erreicht babeA? 
Sollen mannigfaltige schätzbare Einsichten, die 
Eugestanden \7erden müssen , nicht übefsehn 
lassen y dafs es an andern, selbst wenn diese 
Lochst wichtig sind, fehlt? Soll die Hoffnung 
sieht in Anschlag kommen, dafs das Bedürf- 
nifs, fiir seine Kranken das Gehörige zu lei« 
sten und in seiner praktischen Laufbahn sich 
geltend zu machen und Achtung zu erwerben, 
den jungen Arzt nöthigen werde^ die Lücken, 
die sehr grols sind, auszufüllen? Wer billig 
and einsichtsvoll ist, auf seine eignen, oder 
anderer jetzt ausgezeichneter Männer Jüng^ 
lingsjahre zurückblickt, der Beschaffenheit sei-* 
Der Bildung sich erinnert, als er ins prakti- 
sche Leben trat, erwägt, was alles ia den 
finUicsn Jahren so vielfach stören tind hin- 
reißen iann (wohin selbst bei einigen Bes- 
sern eine zu grofse Neigung für ein einzelnes 
Fach gehört) und die wirklich übergroTse Mass^ 
des Wissens der verschiedensten Art bedenkt, 
die der Arzt in so wenigen Jahren sich an-^ 
eignen soll, der wird seine Forderungen be-> 
icfaräaken und mäfsigen« Es sind wenige un-« 
ter denen, die examinirt werden^ die joicht 
jlängel erblicken lassen und nicht mehr oder 
weniger der Nachsicht bedürfen. Der Maas- 
itab aller Beurtheilung der Tüchtigkeit und 
Brauchbarkeit von Menschen ist doch nur^ 
wohin der mittlere Schlag gelangt;^ was Fä- 
higkeiten, die nicht unter den gewöhnlichen 
stehen » bei FleiJts und Anstrengung zu leisten 
Termögen. Diese Betrachtungen müssen zu 
ier Ueberzeugung führen, dafs es kein abso- 
htas Maals und Gewicht von Wissen giebt, 
% dem nichts fehlen, oder das wenigstens 
later einer semi3m Skala stehend nicht be-< 

/ 



,« 40 ^ 

fanden, werden darf, wenn ein junger Arzt 
für liinreichend untcrHchtet »oll erklärt wer- 
den; dafs es auf ein« sehr schwankende und 
unsiclUere Verglelchung der Kenntnisse, die 
er besitzt mit denen, welche ihm noch feh- 
len, aiikommt, und dafs viel von dem allere 
dings so leicht täuschbaren Vertrauen abhängti 
welches er in Hinsicht seines fortzusetzenden 
Studiums und seiner weitern V^rvoUkomm- 
nungsfähigkeit einilofst. Höchst schwierige 
Aufgaben für die Examinatoren, in Hinsicht 
derer es oft viel unsicherer und mifslicher iat| 
als die • welche nicht selbst in dieser Lage wa« 
ren, es vermuthen, zu einer Gewifsheit za 
kommen , die zu dem harten Urtheil berech- 
tigt oder nötlügt, der junge Mann sei abzur 
weisen. Und in welche Lage wird dieser 
dann versetzt. Man vernichtet alle «cün^ Aus- 
sichten, setzt ihn der eignen und- fiamdea 
Verachtung öffentlich aus und erregt ihm und 
den Seinigen, für das ganze Leben "^dei^ na- 
gendsten Kummer. Wem sin Gerichtshof, nach 
der genauesten, zuverläfsigsten Untersuchung 
und nach bestimmten Gesetzen eines grofsen 
Verbredbens schuldig findet, und seiner Ehre 
und Freiheit verlustig erklärt, trifft kaum ein 
härteres Schicksal'^ und er kommt kaum in 
eine schrecklichere Lage, zumal wenn man 
erwägt, dafs solche Bestrafte gewöhnlich ei- 
ner Classe von Menschen angehören, bei de- 
nen das Ehrgefühl sehr gesunken ist. Kann, 
wenn man alle diese Betrachtungen zusam- 
menfafst, es befremden, dafs für den ange« 
henden Arzt, der sich vernachläfsigte , träge 
war oder sich von den Zerstreuungen und 
Leidenschaften des jugendlichen Lebens zu 
sejzr hinreüsen liels und den Wissenschaften 



- 41 ^ 

10 wenig sich wldmef e, selbst Ton dem stren- 
gen gewissenhaften rrufer alles aufs Günstig- 
ite gedeutet wird, dafs, wenn man ihn nor 
einigermaTsen unterrichtet findet und er nur 
hoffen läfsty er werde äurch fernem Fleifs 
das Unentbehrliche sich eigen zu n^achen ver- 
mögeii, eine grofse, selbst oft zu weit ge- 
hende Nachsicht Statt findet? 

Wenn nun alle Prüflingen so wenig dar- 
thun und erproben , dals die angehnden Aerz- 
te die erforderlichen Kenntnisse erworben ha- 
ben , und Gegenstand ihrer Erforschung in der 
Regel gar nicht seya kann, ob ein^Arzt die 
geistigen Kräfte besitzt, die zur Ausübung der 
Arzneikunst unentbehrlich sind, wenn fa}|p 
Ftamina, bis auf wenige sjeltene Ausnahmen^ 
selbst nach einem oder zweimaligen Abwei- 
sen, ^ets damit endigen, daXs d^r Dpctov.der 
Hedicin zur Praxis autorisirt wird, so wird 
Tiden scheinen, es sei gar kein Gewic)it auf 
diese Prüfungen zu legen, und rathsämf^./sie 
aufzuheben und gar nicht Statt finde^..z^. btiSr 
len. Ihr Nutzen, ihr Einflufs, ist aber .$phr 
grofs, wie jedem unbefangenen Beobachter 
einleuchten muls. Die Furcht |. die sie ein^ 
flofsen, die Besorgnisse, die sie erregen und 
anterhalten , sind Ton nicht geringer Wirkijug 
anf den Fleifs und die Anstrengungen der stu^' 
direnden Jugend. Ein grolser Theil derselben 
ist träge, zum Müssiggang geneigt, oder fin- 
det an andern Beschäftigungen mehr Wohi- 
gefallen und das Studium ihres Faches, oder 
gewisser Theile desselben zieht sie nicht an, 
in dieser Zeit des Lebens hat die Sinnlich- 
keit eine überwältigende Kraft und Zerstreu^in- 
(en und Vergnügen haben einen unwidersteh« 



-^ 42 -■=i- 

Hohen ßeiz. Es ist alles* 'aufzubieten und xa 
benutzen , um den Jüngling auf der rechten 
Bahn zu erhalten und txx nöthi^en^ sich Kennt- 
nisse zu erwerben und für sein^ Bestimmung 
vorzubereiten. Wen nur die Furcht beherrscht 
und antreibt, nicht abgewiesen zu werden, 
der ist schon- zu sehr verworfen uYid zu tief 
gesunken, als dafs er sehr in Betrachtung 
koinint, obgleich auch diese schreckliche Vor- 
stellung, von deren Wirklichkeit so* vreniffa 
Beispiele nur sich darstellen , die Einbildungs- 
kraft selbst ileifsiger und fähiger Studirender 
martert. Aber vor geachteten Männern ab 
schlecht unterrichtet zu erscheinen, ihrer Wahr- 
nehmung nicht entziehen zu können, daüi buui 
nicht erlernte, was verlangt wird, ihnen sol- 
che Blöfsen des für nothig gehaltenen Wis- 
sens enthüllt zu sehen und ihrer Mild# Und ^ 
Nachsicht so sehr zu bedürfen, das ist der 
kfäftigsteBewegungsgrnnd , der oft einzig viele 
antreibt, sich unter Kampf, Abneigung nnd 
IVIiihseligkeit den Besitz von Kenntnissen 'm 
erwerben.- Diese eignet sich mancher bo an, 
gewöhnt sich an Fleifs und Anstrengung .nnd 
fiudet zuletzt selbst Wohlgefallen an einen 
Studium, das anfanglich ihm widerstand und 
zu dem ihn fVüher nur Furcht vor dem Examen 
trieb. Andere belebt zu un ermüdeten und* 
fruchtbaren Bemühungen das Bestreben , sich 
die Achtung und das Vertrauen ihrer Exasu- 
natoren zu erwerben , den Einllufs derselbas 
für ihre Anstellung und Beförderung zu ge- 
winnen und durch das Lob derselben in der 
öiFentlichen Meinung ausgezeichnet zu werden. 

Es schien mir wichtig, was die gewöhn« 
liehen ärztUcbeü Trüfungea (nicht die eu be- 



— 43 — 

I 

Stimmten Zwecken, ob einer z. B. Fliysicuf 
I zu werden fähig sey) , bezwecken können «nd 
loUen, einer umfassenden Untersuchung zu 
uiterziehen. Sie leisten nirgends, was man 
Ton ihnen erwartet, weil man Forderungen 
an sie macht, die sie nicht zu erfüllen ver- 
mögen , aber sind darum doch Ton grolsem 
Erfolg. Man hat, wie ich zeigte, zu erwä- 
gen, dafs die Menge und Beschaffenheit dee 
Wissens 9 welches ein Arzt besitzen soll, der 
Art ist , dafs keiner es in seinem ganzen Um- 
iaog, zumal nach so wenigen Jahren, die er 
ihm auf Akademien widmete, inne haben 
kann > diils die wahren , fruchtbaren Einsich- 
ten eines Arztes gröfstentheils nur yermittelst 
eigener Beobachtung und Ausübung im Ver- 
laut eäner langen wohl verwandten Zeit eiw 
worhea werden können ,. dafs die Geisteskraf«- 
te, die hiezu unentbehrlich sind und über deii 
TTerth des Arztes am mehrsten entsch^den^ 
aar wenn sie sehr hervorragen oder seh* 
schwach sind, erkannt werden und nicht nm^ 
aiittelbarez Gegenstand des Examens se3m kön- 
nen und dab endlich von jedem erwartet wer- 
den mufSf er werde sich ferner wissenschaft- 
lich ausbilden und zu vervollkommnen su«^ 
chen , obgleich man weüs , dafs dies , selbst 
bei vielen der Bessern unterbleibt. Man hat 
sich endlich, wie ich darthat, in die schwie- 
lige Lage der Examinatoren zn versetzen, de- 
nen obliegt, das Wissen und Nichtwissen ei- 
nes angehenden Arztes mit einander zu ver- 
gleichen, dabei in Anschlag zu bringen, was 
seine Fähigkeiten und sein fernerer Fleifs hof- 
fen lassen, und dann nach Resultaten, die 
tdten znverläbig sich ergeben und schwan- 
kend bleiben, zn entscheiden, wem die Auf« 
Joara, LX B. i. Bu D 



— 44 — 

nMime in die Reihe der' aiitomirten Aerite 
2u bewilligen oder zu verweigern sey. Nur 
wenn die Unwissenheit und YemachlälsigaDg 
gar zu weit geht, oder die Geistesst uin|d3ieit 
entschieden grofs ist, werden diese Examina- 
toren nicht umhin können und die Kraft ha^ 
hen , auf Toilige Abweisung zu dringen und 
zu bestehen. Es ist leicht zu sagen, sie h«^ 
ben blofs^ihrer Verpflichtung nachznkommea 
und das Gemeinwesen Tor kenntnifslosen und 
unfähigen Aerzten zu schützen, wenn mah 
nicht bedenkt, dafs für die Mehrheit der Fülle 
keine feste Vorschriften zu ertheilen und keine 
zuverläbige Normen aufzustellen sind, diemic 
Sicherheit leiten. Es liegt in der menscUi- 
chen Natur, wenn nur einige Zweifel obwat- 
ten , hier zur lUilde und Nachsicht mehr InA- 
zuneigen , und Venn es einigermafsen zu ver- 
antworten iit, kein Verdammungsartheil Ci 
fällen. Wenn ein solches triü^, sich so vernich- 
tet zu sehn , so ergreift es jedes Gemüth hodttt 
erschütternd, und reranlafst Auftritte, für dii^ 
Ton denen der Ausspruch geschah, wddl6 
lange ihrer Empfindung wehe thun. 

Wenn die ärztlichen Prüfungen, so wie 
sie jetzt bestehh, auch allerdings noch der 
Verbesserung und theilweise einer anden 
Einrichtung, in einigen Ländern selbst ^er 
Beschränkung und Vereinfachung hediurihit, 
so glaube man nur nicht, es sei je zu be- 
werkstelligen , dafs Aerzte nicht für tficUig 
erklärt würden, die man ungern und nur mit 
grofser Besorgnifs in Thätigkeit versetzt sieht 
Man beschuldige ihre Examinatoren nicht so 
leicht der Fflichtvergessenbeit, wenn aelbsf 



— 45 — 

GewissenbaftigLeit ihnen vielleicht ein gHn* 
itiges Urtheil abdringt. '^ 

Strenge in ihrem Verfahren selbst, wenn 
iDch nicht in ihrem letzten Ausspruch muls 
jede Prüfung sejrn. Sie mufs möglichst klar 
machen, was erlernt ist oder versäumt wurde, 
und den jungen Matin zur Selbsterkenntnils 
führen > welche Mängel sein Wissen hat und 
wie wichtig ist, dai^ et diese Lücken au«» 
fuUt. £s darf sich der Glaube nicht rerbrei« 
ten , es sei möglich oder gar leicht, der Auf- 
merksamkeit der Prüfer zu entziehen, worin 
man unterrichtet ist und was man gar nicht 
oder nur dürftig weils. Dieb ist der Stand« 
ponkt, den die Examinatoren vorzüglich zu 
fassen haben , die Obliegenheit , die Pflicht, 
Ton der ihnen nichts erlassen werden kann. 
Sie erweisen selbst manchem jungen Mann, 
dem es nicht an Fähigkeiten und Schulkennt- . 
nissen üshlt, der sich aber auf der hohen 
Schule mit den Wissenschaften zu wenig he«- 
ichälUgte und seine Ausbildung vernachlaJbig- 
te, eine wahre Wohlthat, wenn sie ihn be*> 
Kheiden, dais er ein Jahr noch den StudieJd 
lieh EU widmen habe und dann eine noch- 
malige Prüfung erst über seine Au£aahme 
entscheiden könne. £r wird sich ihnen ganz 
tndera dann darstellen und die Anstrenguo- 
gen, denen er sich diesen Zeitraum durch uiSi- 
terzieht, wie ihr Erfolg sehr grofs seyn: ^s 
wäre in vieler Hinsicht sehr wünschehswerth, 
dala öfter diese Auskynft getrofCsn werde. 

Ganz unwissende und unfähige Aetii^ 
müssen nie zur Praicis autorisirt werden. Ihfe 
Aafkiahme ^aus zn grofser Weichheit des G^ 
^'-^*n, aus zu weit gehendem Mitleiden, schän- 

D 2 



^ 



- 4/ -- 



sie auch die Examina noch so vieUach häufen 
und scharfen. 

Was nach meiner Ansicht anders einzu- 
ieitea und wesentlich zu verändern ist, be- 
trifft nur die Promotion^ die Ertheüung der 
Doctorwürde. — Das Facuhäts- Examen» daa 
erlangte Doctor* Diplom ist in yielen Landern 
«nxiireidiend erklärt und eine sogenannte 
Staats -Prüfung entscheidet, ob ein Arzt an-* 
zuedLennen und zur Ausübung seiner Kunst 
geeignet sej. Das ist eine grofse sehr folgen- 
rache Verbesserung des Oledicinalwesens, denn, 
die Lehrer stehen iu'zn vielartiger und naher 
Beziehung zu ihren Schülern^ um ihre Rich- 
tet Myn zo können^ Die Professoren, beson- 
ien die Vorsteher der dinischen Anstalten, 
vriasett schon, wer unflei^ig war und sich 
remacblälsigte. Die jungen Leute scheuen' 
sich also vreniger vor ihnen in ihret Unwis- 
senheit za erscheinen und beschämt vor Ihr 
nea su atehn» Sie furchten sich daher zu 
wenig Tor dieser Prüfung. Diese Examina 
finden auch zu oft unter ihren Augen Statt 
and sie erlangen zu bald die Ueberzeugung» 
Jals sie so gar mifslich nicht sind. Ganz an~ 
deni Eindruck macht es auf sie, wenn sie in 
der Hauptstadt von im Staatsdienst und in 
Ansehn stehenden Aerzten , die auf ihre künf- 
tige Anstellung und Schätzung Einflufs haben 
können, die sie gewöhnlich mcht persönlich 
kennen und taut denen sie in keiner Verbin- 
dung stehen, geprüft werden. Auf diesem 
W^ege ist einzig zu erreichen,' wa^ ich als den 
waluren sichern Nutzen der Examina aner« 
binnte, dafs sie durch die Furcht vor ihnen 
neiOs und Anstrengungen erzwingen. 



-r '48 — 

DieFaeultäten haben allerdings dardh dieie ! 
auB vielen Gründen dringend nötlug gewordene 
Anordnung, die, wegen ihrer groben, heil-' 
samen Folgen, nirgend, wo sie getroffen ist, 
wieder aufgehoben werden kann und die sicher- 
lich allgemein werden wird, zwar nicht an 
Einkünften , aber doch an Ansehn und Bedeo^ 
tung verloren. Es ist hart und kränkend fSr 
sie und vielleicht selbst der Würde der Wis- 
senschi^flen und Gelehrsamkeit und ihrer von 
züglichen Besitzer und Pfleger nachtheilji, 
da&, zum Theil freilich durch ihr eigenes 
Verschulden , ein mit so vieler Feierlid^keit« 
begleiteter und in so hohen Wortea abgebiGH 
ter Ausspruch derselben nicht mehr seine. ToQe 
Geltung hat, .4^ Rechte, die sie ertheflen, 
jetzt nicht anerkannt werden , sondern die Bs« 
fugnifs zur Ausübung der Kunst ^er noch- . 
maligen Prüfung bedarf und definitiv von ^ 
ner ganz andern Behörde abhängt. Findet 
diese zu Zeiten , daTs einem Doctor der Me- 
' dicin die Erlaubnifs zur Pr/i3(is versagt werden 
mufs« so macht es vieles Aufsehen und wirft 
ein übeles Licht auf die Universität, die ihn 
promovirte. Es ist daher sehr zu wünschefly 
dals hierin ^Ine Aenderung zu treffen wtj^ 
und diese zweifachen Prüfungen nicht fetner, 
unter Hintansetzung des Urtheils der Facnl- 
täten über einander gestellt würden, sendem 
jede für sich bestände und jede eine selbst- 
ständige, unbestreitbare Bedeutung erhalte. 

Dieses zu erwirken und andere grobo 
Vortheile zu erreichen , wird am angemessen» 
sten seyn, dafs die medicinische Facultät ei|i* 
zig untersuche und beurtheile, ^b ein junger 
Mann auf gelehrtem und wissenschaftlichen 



— 49 - 



y 



Wege stell JBum Arzt ausgebildet luibennd in' 
Jen Hiilfswissenschaften uad in der Arznei« 
vifsenschaft den Reichthum Ton Keantuisseu 
in solcher Fülle und Gründlichkeit inne habe, 
wie er nach gehöriger Vorbereitung und durch 
ein tiefgehendes umfassendes Studium nur er- 
worben werden kann« Die Untersuchung be- 
greife nicht allein die Masse und BeschafTen- 
iieit des Wissens , selbst des sogenannten 
praktischen, sondern auch und zwar Torzäg- 
Udi ob der Besiticer desselben im wahren . 
wissenschaftlichen Geist dasselbe jBich angeeig- 
wi habe und um dazu im Stande zu sejn 
und alle Quellen- benutzen zu können, die 
alten Sprachen rerstehn und durch ihre Er- 
lernung und die vollständige Schulbildung seine 
GeisUskräfte geschärft und erweitert und sich 
so cum Gelehrten vorbereitet habe. Es wer- 
de aJso zum medicinischen Doctor - Examen 
ieiner zugelassen , der nicht vorher vor einer 
Commission, die ^ aus zwei Philologen und ei- 
aem Liehrer der Hülfswissenschaften bestehe, 
dargethan habe, dafs ihm die I^enntnisse und 
Bildung eigen sejn, welche ein gelehrtett 
TorziigUch auf die alten Sprachen gerichteter 
Unterricht verschafft, und dafs er auXserdem 
noch wenigstens in einer der Wissenschaften, 
die mit der Medicin in näherer Verbindung 
stehn, als z. B» in der Naturgeschichte, Na- 
turlehre , Chemie , Mathematik grolse Fort- 
schritte gemacht 4iabe. Erst dann trete die 
Prüfung der mediciniscjben Facultät ein und 
begreife alle Theile ihrer I^elir- Abtheilungen, 
auf die angegebene Weise,, nicht um das Ur- 
lhell , was ganz ibrem Ressort zu entziehen 
ist, zu fällen, er könne als ausübender Arzt 
zugelassen werden , sondern um ihn zum wahr- 



A 



- ÖO - ' 

bäften' poctor der Medicin ernennen zu kön- 
nen und damit zu bezeichnen, dfifs er^ yn^ 
Gelehrsamkeit und Wissenschaftlit^hkeit es Ter- 
langen 9 vorbereitet gewesen, zu den medicin 
nischen Stadien überzugehen und diesen gründ- 
lich, und mit Erfolg, jedoch nicht blofs com 
Sraktischen Behuf sich gewidmet habe. Durch 
lese Bestimmungen vnirden die Torzüglichoi 
BeweguDgsgriinde wegfallen, welche so oft 
den Scandal reranlassen , daJGs ungeachtet der 
glänzendsten Lobeserhebungen der Doctor-IK- 
plomei welche die grofse, bewährt gefundene 
Gelehrsamkeit ihrer Besitzer hoch erheben, 
diese aller Sprachkenntnifs und der gewohiH 
lichsten Bildung ei'mangeln und nur zu wu- 
schen ist,^ sie mögen das nothwendigste jpiA- 
tische ITissen haben erwerben können. Käne 
Facultät kann dann für sich anführen, ihr 
Doctor sei als IPraktiker kein ganz unbrauch- 
barer Mann , und als solcher sei er nicht ganz 
so unwissend und unfähig befunden worden, 
dafs man ihn habe abweisen und unglücklich 
machen können. Soll , wie die jetzige Medi- 
cin al ^ Verfassung es verlangt, keinem Krank- 
heiten zu heilen gesetzlich erlaubt sejn, als 
wer den Doctor -Titel besitzt, so ist unret- 
meidlich, dafs dieser vielen ertheilt werden 
mufs, die, wenn sie zum Theil auch keifte 
übele Aerzte sind, doch der Schulbildung, 
dessen was sie begreift und wozu sie in Stand 
setzt, ermangeln und selbst das sogenannte 
theoretische Wissen der Medicin vernachlälsigf 
haben. Man nehme also diesem Titel diese 
seine Bedeutung und wichtige Folge und er 
wird wieder zu Ehren kommen. Wenigere 
werden ihn erhalten f diese aber seine Würde 
iarthun und behaupten. 



— 51 — 

Bei diesem VorscUag Wird man am be* 
dcnHichsten finden, gesetzlich zu machen, 
dafs, nm als Arzt anerkannt und zur ToUen 
Ausübung der Kunst berechtigt zu werden,^ 
es ferner nicht der (akademischen JPromotion 
bedürfe, obgleich auch seither vielen die Er- 
laubnils zur innern Behandlung von Krank- 
baiten ertheilt wurde, die das Facultäts - Ex- 
amen nicht bestanden hatten. Man wird sa- 
gen, diese Neuerung werde aller Gelehrsam- 
keit einen grofsen Stofs geben und auf den 
Vm&ng und die Gründlichkeit der wissen- 
tduitlichen Studien störend und yernichtend 
eiawirken. Diese Einwendung, die sich je- 
dem anfänglich aufdringt und so viel Ab- 
schreckendes hat, ist aber vnrklich leicht zu 
entkxiUten und als nicht treffend darzustellen, 
ireon man sie ernstlich und nach allen bis- 
berigea Erfahrungen untersucht. Im Gegen- 
theil wird sich dann ergeben, dafs mein An- 
trag besonders unter dessen nähern Bestim« 
mungen, einzig abzweckt und zur Folge ha- 
ben wirdf der gelehrten und wissenschaftli- 
dien Ausbildung der Aerzte beförderlich zu 
leyn und Vorschub zu thun. • Für diese wa- 
ren , was mit hoher Dankbarkeit anzuerken- 
■en ist, die Professoren der Medicin in der 
That sehr thätig,, brachten sie auf eine hohe 
Stnfe und verbreiteten sie nach Vermögen, 
aber als Lehrer und Schriftsteller^ nicht als 
Mitglieder ihrer Facultät. Wie sie als letz- 
tere verfahren, wenn ihnen oblag zu exami- 
niren und die Doctorwürde zu ertheilen, ob 
sie dann blofs von den Bedenklichkeiten und 
Vngewifaheiten , die eine ärztliche Prüfung 
bt , und von der Nachsicht und Milde , de- 
sich , wie ich oben zeigte, keiner entziehu 



kann, i^bemaltifen litlsen, ynd aic\kt ganz 
andere Rücksichten, Einflüsse und Gewöhn-«'; 
heiten bei mehreren wirksam waren . darüber 
ist so oft bittere Klage erhoben worden , dafs 
ich ins Einzelne einzugehn, mir erlassen kann. 
Unsere protestantischen Facultäten Terlangen, 
nach ihren Statuten und nach ihrer Obser-* 
vanz, nicht einmal ^ dafs jemand, den sie pro- 
moTiren , nachweise , dais er eine Universität, 
benutzt und einen angemessenen Studien - ^lan 
befolgt habe *), Welche Sicherheit ijr^nd 

*) Di« Edinbarget Universit&t nucfat jbievoa^ eine 
Ausnahme, oie ertbeilc Keinem die medicini« 
flehe DoetorwArde, welcher nicht drei Jahr auf . 
irgend einer UniversitSt stadirt, regelmttfaig ei-^ 
nen volbUndigt n näher beatimmten Curaua tou 
•Vorlesungen und einen cUnischen Unterrichl: 
benutzt hat. Folgende Prüfungen finden Sutc 
«nd rwar in fanf verschiedenen Zeit]> unkten. 
Eine allgemeine Ton der. gansen medicinitohen ^ 
Facultäty die sechs Personen bilden; sie wird 
die hanptsüchlichste und wichtigste von. allen, 
genannt. ^ Die Zweitis ist von derselben Be- 
schaffenheit, aber wird nur TOn Bwei Profes« 
floten vollsogen und dauert eine kfirsere Zeit« 
In der .Dritten hat der Promovirende swei von 
ihm verfafste Aufsätze , über ärztliche Gegen- 
stände, d^e ihin aufgegeben sind, zu verdiei. • 
.dio;en, wovon einer stets ein Apnorisfnus des 
Hippokrates seyn mufs. In der Vierten hat er 
zwei von ihm ausgearbeitete Commentationen 
über Krankheiisgescnichten zu vertheidigen und 
zwar über eine acute und chronische Krank« 
heit. In der fünften und letzten Prüfung, wel- 
che öffentlich ist, hat er die Behauptungen, 
vrelcke seine jgedruckte Dissertation enthält, 
gegen Einwürfe zu schützen. Alle diese Auf- 
sätze und Prüfungen finden In lateinischer Sprs« 
che Statt. S. Ine Edinburgh medical and sur» 

fical Journal Bd. 16. S« 501. Im ersten Band 
erselben Zeitschrift $• 39ir stehen die Statuta 
Solemniap nach .denen die medicinische FacuU 



./ 



^ 53 ^ 

euer Art giebt also diese ganze bisherige Ver« 
fahrongsart, zumal getrennt von anderweitig 
f/Uk neueren Anordnungen, welche die Unzu^ 

tit tof diese Art zu rerfahren hat. Es ist so 
VennstaltuBg getroffen , heifst es, ihat no -per» 
son May be received as a candidate who is 
not well ae^uainted with polite litter ature 
mnd tfie science of medicine. Auffallend ist iiocii,' 
dafs dort nioht die medieinische Faculut, son- 
dern der akadeniische Senat die Doctorwdrde 
•rtheüt. Der Dtcan jener hat diesem Bericht 
über das ganze Prüfungs- Verfahren abzustatten 
nnd der Senatus aeademicus Wohnt der Verthei- 
dignog der Dissertation bey und urtheilt dann 
•rsty ob der junge Mann pcompvirt werden 
Jidiine. 

Di« Frflfangen sind offenbar zu gehäuft und 
au in Ort und Stelle wird sich beurtheilen 
lassen y ob und wie sie vollzogen werden und 
was sie leisten. Bedenken erregt s^hon, wie 
»ecbs medieinische Professoren dazu die Zeit 
iabeo, da in Edinbnrg jäliirlich so viele Docto« 
ren der Medicin, zum Theil aus d,tn entfern- 
testen Besitzungen der Engländer, gewöhnlich 
Aber, selten -unter Hundert , creirt werden« 
19ur in Qla4gOw u^d Dublin ist eine ähnliche 
Sorcfalt gesetzmäfsig , in Oxford und Cambridm 
ge ist der medieinische Unterricht sehr unvoll- 
atändig und ungenügend, und eine ordentliche 
Frafung soll daselbst nicht Statt finden. Man 
•oll nur darauf sehn, dafs Biner sich lange 
genug an diesen Orten aufgehalten habe. Da- 
selbst Tirfren, heifst es S. 495» B* 16. des Edin- 
bnrger Jonrnals, the courses of medical Instruction 
mnd eapamination little more than nominal. So« 

fenannte Universitäten zu Aberdeen und St, An- 
remt ertheilen die medieinische Doctorwfirde 
an jeden Abwesenden ^ der nachweist , dafs er 
als Praktiker wirksam sey uiid von zwei Aerz- 
ten Zeugnisse beibringt» dafs sie ihn In Folge 
ihrer persönlichen Bekanntschaft für talentvoll 
und von gutem moralischen Charakter halten« 
Ueber dieaen grofsen Mifsbrauch wird sehr ge- 
KUgu 



i 



J^ 64 — 

Törläfsigkeh un^ das Nichtsbaw:ei8eiidb der er- 
langten Doctorwiirde abnöthigten ? Philologie 
sehe Bildung, gelehrte Kenntnisse besitzt kein 
Stand in dem Grade und Umfange als der der 
protestantischen Geistlichen. Diese prüft aber 
keine Facultät, sondern ein Consistoriom. * 
Auch hat sich der Titel eines Doctors def 
Theologie einzig in hohen Ehren erhalten« 
weil er nur selten und erst im spätem Alter 
jemanden ertheilt vrird. Ist diefs auch nicht 
ganz auf die arztliche Doctorwürde überzutra- 
gen, so weist es doch auf den richtigen Weg 
wie dieser wieder "Werth zu yerschaffen ut,\ 

Zur Staats -Prüfung, die entscheidet,' ob 
Einer als ausübender Arzt, promovirt oder 
nicht, eintreten könne, mufs, wenn mein 
Vorschlag Beifall und Eingang findet, keiner 
zugelassen werden, welcher nicht auf eine 
genügende Art darthut, dafs er in einer vor- 
geschriebenen Reihe Von Jahren ^ den vorbe- 
reitenden Studien, den Hülfswissenscliafteii 
und allen Theilen der Medicin so obgelegen 
habe, wie festzusetzen es angemessen ge&n- 
den wird. Ordnet man hierüber, wo ei itoch 
nicht oder nicht vollständig geschehen ist, das 
Gehörige an und halt man darauf, so hat man 
nicht zu fürchten , dafs die wichtigen und un« 
entbehrlichen Vorlesungen auf den Akademien 
versäumt, minder benutzt, und etwas We- 
sentliches werde unterlassen werden , was zinr 
gründlichen Erwerbung der erforderlicheii 
Kenntnisse fuhren kann, so weit es irgend 
Verfügungen von Oben bewerkstelligen können« 

• Durch die gröfsern , bestimmteren und mit 
mehr Strenge zu untersuchenden Auforderun- 
gen, die an einen Doctur der Medicin, unab-« 



— 55 — 

hajigig von seiner Qualificatloti zut tnedicini- 
sehen Piaxift zu inachen slnd^ und dafs man 
Uhglieder einer andern Facultät eine vorläu- 
ft Entftcheidang überträgt, ob wer diese 
Ansprüche macht, in der That die allgemein 
gelehrte Bildung und die vollständige Kennt- 
BUS einer der Hülfswissenschaften der Medi^^ 
ein eich erworben habe, ist zu hoffen, dafs 
eine umfassende, wahre Gelehrsamkeit und 
ein tiefer wissenschaftlicher Sinn künftig un- 
sere promovirten Aerzte auszeichne und dafs 
sie 2Uerde2i ihres Standes se^n werden. Sol- 
dier Vorzüge theilhaftig zu werdejti und sie 
fiir sich geltend machen zu können, wird den 
Ehrgeitz vieler Jünglinge ej^regen und sie zu 
gvotMa Anstrengungen reizen. Der Doctor- 
Titd ist dann kein Bedürfnib mehr, keine 
«ottotbehrliche Bedingung zur vollen Befug- 
mb der ärztlichen Praxis, welchen man kei- 
nem verweigern kann, ohne äeine Wirksam- 
keit immöglich zu machen und seine wichtig- 
sten Amssichten zu vernichten. Er wird blofs 
zom Vorzug , den man einem zugesteht und 
mit -welchem man diesen vor andern Aerzten 
auszeichnet, welche beeinträchtigt und grofse 
Beschwerden führen werden, wenn jemand 
ohne Verdienst über sie gestellt wird* Inni- 
get Mitleiden wird dann weniger auf seine 
Ertheilong Einfiufs haben ; es wird eine heil- 
same Scheu sich der Facultät bemächtigen und 
Bedenken mancherlei Art werden verhindern, 
einem Unwürdigen zu promoviren. Auch 
hangt es ja nicht von ihr allein ab und einige 
Einrichtungen lassen sich treffen , dafs diese 
Restauratioii der Bedeutung der ärztlichen 
Doctorwürde wirklich zu Stande komme und 
anfinecht erhalten werde. Diese Docjtoren müJb- 



ten Amak iriir b^^üottl^^ fm7Ap, oder Vor- 
zugsweis« Phjsici werden und zu den oberu 
'medicitiiscfaeb Stella galaageu kounen. Die 
Meinung der gebildeten Welt würde sie hoch- 
stellesr Die9e FromotioiKD wären iineotgelt- 
lieh za wtlieilen, die FRcuIlaien aber, we^n 
des gr&fsen Verloste« an Einnntime, den die 
neue Einrichtaag zur Folge hat , reichlitb zu 
entscbadigen, Diete Veränderung, niif die idi 
nach reiflicfa«r Erwägung ftntrn^e, ist in der 
That so' grofs nicht, als sie «mfir^Lich scheint; 
sie iällt nicht in die Reihe der Rerurinen, Yor 
denen ich selbst im Eingang dieses Aufiatzes 
warnte. Sie lafst nicht nur die ganze Sio- 
dienweise der Aerite bestelin, -wie sie iia 
Lauf der Ziit sich geordnet und bewährtlint, 
sondern sperrt'sich selbst gegen jede Abvr^ 
chung' d«TOB und gebietet ihre sirengere Be- 
folgung. Sie diftigt kräftig auf ilie gelehrte 
Schulbildung, und erlaftt kein Sludimn, W«l- 
ches mit der Arznri-Gelehrlbeit eulferat odn 
nahe in Verbindung st^t. Sie giebt mebt 
oder äqdi gawirs nicht weniger Sicherheit ah 
die foishefige Einrichtnng, dafs die künftigem 
Aerzte gut unterrichtet tind keniiTnirsToU zi 
seyn, sich bemühen >rttden. Das Einzige, 
■was sie um als Arzt anerkannt zu werden, 
für entbehrlich erklXrf, ist das FatrnltAts- Ex- 
amen- un4 das DoCtnr-Di^lnm. Diesen ha- 
ben Verfftgungen vielw- Kegieruugen scholl 
ihre Kraft Und Wichtigkeit entzogen und sie 
für UDEulänglich erklärt. Durch die Art, -wie 
die Faeultäteb dabei veri^iliten und worüber 
ihre Jüngern Mitglieder, bis sie Iiinanfiückea 
die meinten Beichfrerden führen, ist ihr An- 
sehn tief -gesunken und ihre wahre BedeatüAt 
längst dahin. Mein Vottchlag b«r>rt<lblr 'M: 



— 57 ^ 

Doctorwurde , grade, indem sie aufhören soll 
ein lästiges , leeres Anhängsel jedes Praktikers 
ni sejn , welches dieser sich mit vielen Ko- 
kten Terschaffen muTs , kräftig empor zu heben 
und ihr einen grofsen Einfiufs zu sichern. Es 
wird lo neben den Aerzten, die zwar nicht 
Doctoren sind, aber, in Bezug auf die Abs- 
übung ihrer Kunst alle Rechte derselben )ia- 
ben, weil sie auf Schulen und Akademien 
auf eine umfassende Weise, wie ihnen vor* 
geschrieben ist, sich die erforderlichen Kennt- 
nisse zu erwerben irelegenheit hatten und die 
Staats «- Prüfung sie gehörig legitimirt, eine 
Gtsse Ton Aerzten geben, ron denen der 
Staat und das Publikum mit mehrerer Ge- 
wil&heit Yoraussetzt, dafs ihre allgemeine Vor- 
bereitung, ihre gelehrte Bildung tiefer geht 
und größere Fortschritte gemacht hat, und 
da/s Bie einer Hülfswissenschaft, Physik, Che- 
mie, Botanik, Mathematik u. s. w. ein be- 
sonderet gründliches Studium gewidmet haben 
und da£i sie ihrem Hauptfach in einer Aus- 
dehnung und Gründlichkeit' oblagen, welche 
ihnen neben dier praktischen Tüchtigkeit An- 
sprüche auf Auszeichnung ab Gelehrte und 
theoretische Aerzte giebt* 

Aas der Darstellung einer in Ifland er- 
richteten - vollständigen medicinischen Schule 
für die Medicin, Chirurgie und Pharmacie im 
14ten Bande S. 662 des Edinburger Journals 
ersehe ich', dafs das Wesentliche meines Vor- 
schlags dort schon gröfstentheils , wenn auch 
nit einiger bedeutender Verschiedenheit, zur 
Ausliihrtuig gekommen ist: Doctor der Medi- 
an kann der nur werden, tver Bachelor of 
m$ ütj also den akademischen Gradum hat, 



-r 58 — ' 

welcher unaeru Magister der^ freien Künste 
und Doctor der Fbilosophic entspricht« Aber 
ein umfassender, vollständiger' Studien -Plan- 
lind sehr strenge Prüfungen sind für die e&r 
geordnet, die ohne die medicinisdie Doctoi^ 
würde zu erhalten, zur Ausübung der An^ 
neikunst berechtiget werden. Es liegt ihnea 
selbst ob eine Dissertation in lateioitcher 
Sprache zu schreiben. Nach öffentlicheii Bläft- 
tern ist die medicinische Facultät zu Kopei^ 
hagen vor Kurzem angewiesen, nur ihren 
wirklich gelehrten Zöglingen die Doctorworde 
zu erth eilen, die andern nur zu Licentiatett 
der Medicin zu ernennen. Es erhellt aut^ die- 
sen Thatsachen , dafs man in mehregrn Lin- 
dern die Mangelhaftigkeit der bisherigen Sinr 
rieht ungen fühlt und auf Verbesserung deir 
selben bedacht ist. Diese ist aber nur zß er- 
wirken ^ wenn man den Universitäten nur die 
Entscheidung läist, wer Doctor der Medidn 
werden kann, und den Ausspruch, wer iJi 
ausübender Arzt anzuerkennen ist^ einer Staats- 
Behörde überträgt. 

Unbemerkt kann ich aber nicht lassen^ 
dafs , wie die vier Bände der TramactionM' of 
the Association of Fetlows and Licentiateg of ths 
King and Quun*g College of Phyäciam of Ire- 
land und zwei Bände von tke Dublin Hospital 
Reports and Communicationg in Mediane ani 
Surgeryy nebst so vielen andern Sdiriften, 
darthun, grade in den letztem Jahren unter 
Irlands Aerzten ein sehr reger Eifer entstan- 
den ist, die Arzneikunst zu vervollkommnen 
uud den Engländern und Schotten sich gleich- 
zustellen. 

Wenn 



— 59 — 

Wenn bis jetzt die Frage aulgeworfan 
nirde, ob es rathsam sey, wie im Herzog 
hum Nassau schon zur Ausfuhruoit gekom- 
nen ist, den medicinischen Doctor- Titel zur 
LegilimAtion und Autorisation der Aerzte lor 
nicht nSthig zu erklären, welcher in dem ge- 
nannten Lande sogar nicht erforderlich ist, zu 
Physicat- und andern ärztlichen Staats -An- 
stellungen zu gelangen, so meinte man stets, 
die Ncmerong beabsichtige, das wahre medi- 
cinische Studium, wenigstens in seinen Tor« 
bereitenden und sogenannten theoretischen Ab- 
stufungen und die wohlthätige Benutzung des 
vollen UniYersitäts- Unterrichts, wie dieser 
grofstentheils so zweckmälsig und rortrefflich 
besteht, zu untergraben, zu beschränken oder 
als enlbehrUch darzustellen. Man setzte vor- 
aus and fürchtete, es sei darauf abgesehn, 
an die Stelle unserer bisherigen Doctoren der 
Medicin, Riif$ Routiniers, ehemaligen Baier- 
schen Landärzten und Französischen OjßcUrM 
de tanii Eingang und selbst das Uebergewicht 
zu Terschaffen. Ich will nicht entgegensetzen, 
dafs die Art, wie bisher der Doctor« Titel er- 
theilt wurde, nicht yerhindert hat, dafs ein 
sehr groiser Theil unserer promovirten Aerzte, 
wenn sie auch, gestützt auf ihre Doctorwürde, 
ganz andere Ansprüche machen, doch nach 
ihrer Bildung und nach ihren wirklichen Kennt- 
nissen und Leistungen in keine andere Ab- 
theilung fallen , als in die von Routiniers u. s. w. 

Man wird, wie ich hoffe, meinem Plan 
die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, dafs 
ihm diese allerdings grofse Bedenklichkelten 
nicht treffen. Aber ist zu übersehn und kann 
man sich verhehlen, dats aufser den Doctoieu 

Joum, LX, B» t. SU £ 



— ;Ü0 

der jUediclB, oufser den anerkannten und ao; 
torisirien Aerzten in jedem Staate noch an-- 
dere Medicinal - Personen sich in einem gror 
tsen Umfang mit der Behandlung der innen 
Krankheiten , besonders unter dem Volkes be* 
fassen : eine Klasse von Medlcinal - Personen, 
deren angemessene Benennung und gehörige 
Bezeichnung. sehr schwierig ist. 

Es ist hier, wie man schon TermnthM 
wird, von der grofsen Zahl.ron untergeord- 
neten Medicinal« Personen die Rede, die un- 
ter dem für ^ie unpassenden und unschicUi" 
chen Namen yon Wundärzten in keiner Stidt 
und aa keinem kleinen Ort fehlen, und be- 
sonders in, den Dörfern, ja noch bei fast aÜM 
Armeen so häufig sich vorfinden,- uiidjmEatt 
eines Krieges selbst gesucht , in grofser Masse , 
vermehrt und befördert werden. Wann mia 
den grofsen ärztlichen Wirkuogskreis dieser 
mehrentheils . ungebildeten und unwissende! 
Menschen kennt, wenn man erwägt, dafs die 
untern Volksklassen und also die gröDsere Be* 
volkerung eines Staats, sich in ihren Krank- 
heilen und Uebelh an sie zu wenden gewohnt 
sind und lieben , ja sich ihres Beistandes 211 
bedienen selbst häufig gehothigt^ind , so wird 
man eingestehn , dafs keine Untersuchung in 
Beziehung a«f ein wohlgeordnet e&Medicinal- 
weseu und auf das Wohl der Menschheit ein 
gKÖfse.res Interesse; hat , als die Erforschung 
der hier zu ergreifenden Maafsregeln. Der 
niederschlagendste , beschämendste Vorwurf, 
welcher die. wohlunterrichteten und fähigeh 
Aerzte und Wundärzte tri£E);. ist, Aaü ihr 
Seyn und Wirken, seiner Bestimmung und 
Meinem Beruf entgegen in der Mehrheit .der 



~ .61 - 

F3Mle nur den Vornehmen, Wohlabenden und 
Gebildeten, also immer nur einem kleinern 
Kreise zu Gebote steht , und dafa höchstens 
lar mit nicht sehr hoch in Anschlag kommen- 
den Ausnahmen, die Armen oder weniger Be^ 
jiiittelten , welche ihnen nahe wohnen , sich, 
wenn nicht besondere und kostbare Veranstal- 
tungen durch Krankenhäuser getroffen sind, 
ihrer rollen Hülfleistung zu erfreuen haben. 
Die gröfsere VolksiAasse ist aber nur der ärzt^ 
liehen Vorsorge jener, oben charakterisirten, 
untergeordneten Medicinal- Personen überlas- 
sen und Preis gegeben. Untersagt ist diesen 
allerdings eine solche Praxis , lind. an Verord- 
nungen, welche sie ihnen bei strengen Stra- 
fem Terbieten, fehlt es nicht. Da aber die 
Heigangen , Ansichten , alte Gewohnheiten^ ja 
die JBedürfiiisse des Volks diesen Straf-« Ge- 
9iBtX9n. entgegen sind, und die sogenannten 
Wundärzte nicht hungern und darben wollen, 
auch lielfech des Dünkels voll sind, dafs sie 
die Heilkunst inne haben und wohl yerst»- 
htn; so zeigen sich diese Verbote allenthal- 
ben unzureichend und unkräfiig, besonders da 
die Schwierigkisiten , sie zur Anwendung zu 
bringen, sehr grofa und in der Ihat unbesieg- 
bar sind. 

Es bleibt hier meines Erachtens nichts 
Sbrig als der Versuch , diese untergeordneten 
lledicinal* Personen I denen sich ganze Dorfr 
Schäften in Masse und selbst - viele. Städtebe- 
wohner anvertrauen, aus ihrer Unwissenheit 
nnd Ungeschicklichkeit herauszureifsen , sie 
möglichst zu unterrichten und in Stand zu 
setzen, dafs sie mit einiger Geschicklichkeit 
ind Zuverlälsigkeit leisten, was zu unterneh- 

E 2 



— 62 — 

sie doch nicht unterlassen, und wozu sie selbst 
oft so dringend aufgefordert werden. 

Eigene Schulen und Anstalten sind f3r 
sie zu errichten , und in Zukunft mufs keiner 

* — 

als sogenannter Wundarzt Concession erhalten^ 
der nicht in denselben planmäfsig gebildet und 
nach einer Prüfung tüchtig befunden worden 
ist. Das Volk sucht seine Hülfe gern in der 
Nähe, so wenig kostbar als möglich, und 
scheut die Aerzte und wahren Wundärzte, 
welche seiner Bildung , Sinnes^ und l^ebens- 
art fremd sind, und für welche die Belo^Iuning^ 
die dasselbe ihm nur darbieten kann , m ge- 
ring und zu wehig beachtenswerth ist. 

Es ist ein ^Uehelstand und zu beUigea, 
dafs diese Medioinal-^ Personen Wundärzte hat- 
fsen, und es führt zu mancherlei MifsTerstäsd- 
nissen., wenn sie diesen Namen behahen. 
selbst wenn sie künftig kenntnifsvoUer um 
geschickter aus den für sie zu ^Brrichteiidtti 
Bildungs- Anstalten heraustreten. Diese Be- 
nennung hat den ganzen Gesichtspunkt Yer- 
rückt, aus dein diese untergeordneten Medi« 
clnal- Personen zu nehmen sind, und die For- 
derungen verfehlen lassen , die an sie zu ma- 
chen sind. Wie anstÖfsig und in der That 
unsinnig ist es nicht, diese Raseurs, — denn 
das waren sie ursprünglich und sind es grols- 
tentheils noch', — unter einer Bezeichnung 
zu begreifen > welche Ben wissenschaftlich ge» 
bildeten und rortrefflichen Männern, die die 
Wundarzneikunst mit Geist und Erfolg au^ 
üben, beigelegt wird, denn auch diese nennt 
man Wundärzte , Chirurgen , wie jene. - Der 
Name Unterarzt scheint mir noch der schick« 
lichstefür sie. Aderlässen, Schröpfen- u« s. w« 



— 63 - 

ttlnclit£a erlemen, und wer dasselbe lelbst 
dt Gresdiids 1 ichk eit und Vorsicht übt, ist 
^rutn Boch keiii Wundarzt. Selbst in den 
k&ten der YoUsten Herrschaft der chirurgi- 
chanj^monge^ vrar auch den Badern Terstat- 
et, dieb zu leisten. Die Behandlung von 
Tenenkungen, Knochenbrüchen und Geschwü- 
'pMk^ WO wi^ sie Tiele jener sogenannten Wnnd* 
irxto^ui ihren Lehrjahren erlernt haben und 
Uran, .seihst mit einigem anatomischen Wis- 
«B TtffflniBden, berechtigt noch nicht, sich 
Is Wspdarzt, im vollen Sinn des Worts, 
^dtUnd SU' machen. 

# 

Es ergiebt sich überhaupt » dab diesei. un->' 
Brgw»dti0ten Bfedicinal- Personen bedeutende 
dünv^sche (^erationen zu unternehmen nicht 
mig9Bf weil sie den Übeln Erfolg iürchten 
ind Toralissaben , ihr unkunstmäfsiges, unver-- 
tSndigae Verfahren, werde nicht unbemerkt 
deiben. Ihre ununterbrochene, gewöhnliche 
rUitigkeit besteht im Kecept - Schreiben oder 
Danwdben von Arzneimitteln, und sie scheuen 
uch nicht jede noch so grofse und gefährliche 
KnudJieit zu behandeln. Endigt sie tödtlich, 
10 ist man ja gewohnt, dafs solche Uebel die- 
lea Aasgang haben, und niemand klagt sie 
n odeTi stellt sie vor Gericht. Findet unter 
m aaffilUenden Umständen ja einmal ein ge- 
ichtUches Verfahren Statt, so haben sie nur 
ine Criminal- Untersuchung zu fürchten, wenn 
[argethan werden kann, dafs ihre Mittel un-« 
nittelbar den Tod verursachten, was höchst 
leiten zu beweisen ist, zumal die Arzneien^ 
irelche sie anwenden, gewöhnlich sehr wenig 
ivirksam sind. In der Arzneikunst sind sie 
iber nicht unterrichtet und nicht geprüft, weil 



— 64 — 

man sich damit begnügt, ihnen ihre Ans« 
Übung zu untersagen, unbekümmert darumi 
dafs sie sich dennoch keck in grofser Ausdeh- 
nung damit befassen und in allen Ländern die 
grofsere Zahl von Kranken bei ihnen Hülfe 
sucht. 

Diese grofse Gebrechen, das Daseya imd 
die Benennung dieser untergeordneten Medi- 
ciniil- Personen, hängen mit den unglücklichen 
Verhältnissen zusammen, die so lan|;o die 
Wundarzneikunst drückten und hemmten. In 
den früheren Jahrhunderten waren die M5n- 
che lange einzig im Besitz alles WÜFi'sns, 
auch des mediclnischen und chirurgischen. Ih- 
nen war aber Ton Seiten der Kirche nicht ge- 
stattet , Blut zu y^rgiefsen , zu schneiden und 
zu brennen. Sie bedienten sich hierzu der 
Raseurs ihrer Klöster , unterrichteten sie darin 
und diese wurden so Chirurgen. Diese Ra- 
seurs vereinigten sich endlich im Mittelalter 
in chirurgische Innungen und in ihren ersten 
chirurgischen Zunft -Artikeln vom Jahr, 1452 
nennen sie sich noch selbst Meister der ffantU 
fverks der Bartscherer. Noch im vorigen Jahr- 
hundert hiefs der Oberwundarzt eines^ Regi- 
ments in vielen teutschen Ländern i^ Regi- 
mentsfeldscherer. Aeltere Aerzte erinnern sich 
noch , dafs die Leibchirurgen teutscher Für- 
sten zugleich ihre Kammerdiener waren. Im 
16ten Jahrhundert mulste sich der vortreffliche 
/Imbroise Pari, welcher der franzosischen Wnnd- 
arzneikunst ihre bessere Richtung gab, noch 
für geehrt halten, dafs ihm zwei Konige, 
Heinrich der Zweite und Carl der Neunte j den 
hohen Titel ihres Bathiers (Barbi tonsor re^ue) 
beilegien. In Frankreich war noch im vori- 



• l: • 



- . . » . 

phdbnmdert iioäng, seÜMt-iUäi Säftmif 
Jhii^rhen Akademie der IVniidiirste m 
jii^daidi ein KSnigliehes Edtet die Ghi- 
rAr eine msftenecliäftUclie, ^allerfSbiefi 
iMSuet zd erkUüpeii, und. mm evtscMofc 
MNÄjc^diiBd'v, -ab di» Herausgabe dee elMen 
iwilar^ MdmaireSi dieser Akademie im jTalir 
iMhät, welche groJbe Fortschritt» dia 
jliiyiiiil ttnst gemadhit häbe^^ VDjefli ist «m 
MiwdiHiliir-» da lim' tSten- Jahrhaideft 
nMiv''«dea suerst eSn IhtmeiSsischer K&^ 
A|My|g'>/X. «u seinenk' Letbchifurgoa 9t^ 
;iMiCI»v nd den Halkr in «siner JWtie^ 
ainurgka. Tom« 7« p, 152« JLuifovfad IX» 
fQ in. it IV. 6h chturgica offida fomU 
IIÜhAi;* '4br -WaudavcneikMil iine ws« 
iflMlting nnd Veyfessnng bu-- ge« 
iittte; ^ Er stiftete etine'chifutt- 
M^iSdb«tt|.>:^e von doMi Ctam ,. treimte 
liedlr^ 'Villi der medlciiiischen Fa'cultiit^ Yer^ 
Ük-»ber ihren Zöglingen, die zwei Jahr 
|ta. slndirt haben mufsteat gleiche Rech« 
Uiimi Ma^strü in Phymca und die Er- 
liNileielben Ehrenkleide^ M'tragcifl. Ihn 
KT aler iMrurglens de robe Imguem Sie tliir£-, 
li^ -heirathen , ' wurfeii eher doth^ efnr 
ilUf «ngesehn, £inwii:kuiigen' der medi*^ 
Ij^m Facnltät y^rmogten* aber diesen grto^ 
ttid . "vielversprechemien' ' Anfeng wi^reir 
It^adker Bildung dnrch Beruf nngainftimi 
«giisn wieder zu Termchteii^ . 

üle unsere Civil - nnd Vililair- Wtmd-: 

'wnrden, mit sehr wenigen -AiisnaliDatolftV 
loch'^r Kurzem iä einer 'Barhierstube 
sögen und gebildet ^ und ' die ^n^ehrsten 
besten' Stunden iiurer friihe^n ' Jahre "1«%^ 







\ 



— 66 - 

teil dem RasireD ge^^idn^et. Wer nicht im 
Besitz einer Barbierstuben -Gerechtigkeit*, die 
in den Städten nur. zu hohem Preise erkauft 
wurde, war, und das Amt gehörig gewonnen 
hatte, durfte die Wundarzneikunst nicht aus- 
üben , und selbst wenn er als Militair - Hof- 
oder Leibchirurgus angestellt oder promoTir- 
ter Doctor war, den unter bürgerlicher Obrig« 
keit stehjanden Personen keine chirurgische 
Hülfe leisten. Noch im Jahr 1756 ward eine 
solche Verordnung für die Stadt Hannoyer er- 
lassen; noch berufen sich die chirurjgischen 
Innungen mancher Städte auf solcUe Pn- 
yilegia. 

In mehreren gröfsern teutschen Städten 
ward endlich eine höchst dürftige YeranstaU 
tung getroffen, dein Barbieren, von denen das 
Heil der an chirurgischen liebeln Leidenden 
gröfstentheils abhing , einigen anatomischen 
und chirurgischen Unterricht zu yersehaffen, 
und dem Physicus ward ihre Prüfung übertra- 
gen. Was der Chirurgie im Verlauf des to*- 
rigen Jahrhunderts in Teutschland grofsen Vor- 
schub that, war, dals man in Preulsen und 
endlich auch in Oesterreicb einsah, wie sehr 
ihre ziihlreichen Heere , selbst in Friedenszei- 
ten eines bessern chirurgischen Personals be- 
dürften, zumal demselben auch die ärztliche 
Behandlung des kranken Militärs übertragen 
war. Die chirurgischen Schulen in Berlin und 
Wien hatten auf ganz Teutschland einen gre- 
isen Einfluls. Ihre ursprüngliche Bestimmung 
und Einrichtung bezweckte nur das Wohl der 
Armeen,, aber die Civil -Wundärzte konnten 
sie auch benutzen. Zuletzt erhielten auch die 
Unirersitäten Professoren der Wundarzneikunst 



— 67 -- 

lod cliinirgiflch-diiiische Anstalten, und man 
lieb aicli angelegen sejn, clafs es nicht au 
Leichnamftn zum eigenen Fräpariren der Stu- 
tirenden und zur Yerrichtuiig TOn chirurgi- 
idhee Operationen an Todten fehlte. Nun- 
nehro trat der Zeitpunkt ein , dafs nicht blofs 
arsprüngliche Barbiere und Compagnie-Cbi- 
mrgen dem bessern Studium der Wundarznei- 
lunst oblagen , sondern auch mehrere gebil- 
dete Aerzte sich ihm mit Eifer vi^dni^eten. 

Man sieht , keiner Wissenschaft und Kunst 
Ut ihr Fortschreiten in den letztern Jahr- 
hnnderten so erschwert und fast unmöglich 
geworden , als der Chirurgie. Endlich hat sie 
ÜA doch zu ihrer jetzigen Höhe und groDsen 
ToUkonimenheit ^emporgearbeitet, und Teutsch- 
land besitzt nunmehro Wundärzte in nicht 
kleater Zahl, die ihrem grofsen Beruf Genüge 
leisten. Ist jetzt noch nöthig, darzuthun, dals 
der echte, wahre Wundarzt aUer der Yorbe- 
reitiingen, Hülfswissenschaften und Studien 
bedjurfy die dem Arzt nöthig sind, dafs die 
Bildwig und das Wissen jeder Art, die man 
▼on diesem verlangt, auch ihm eigen seyn 
mnls, und gewüs nicht im mindern Grade? 
Bieea Veberzeugung hat sich vollen Eingang 
verschafft und ist jetzt allgemein. Durch ihre 
Kraft und Einwirkung sind die Trivilegia der 
Barbierstuben, die jetzt oft nicht zu verkau- 
fen oder im Preis sehr gefallen sind, die 
Bechte der .chirurgischen Aemter und die An- ^ 
aalsangen ihrer Besitzer und Mitglieder gröfs-« 
Imtheils in nichts versunken, selbst da, wo 
der Staat sie nicht aufhob, und sie selbst so 
lange und so weit als möglich schützte. Die 
ndbrsten Chirurgen dieser Art beschränken 



— 68 — 

sich nunxnehro auf 'die sogenannle niedere Ckl^ 
rurgie , auf die Dienstleistungen , welche ehe- 
mals auch den Badern yerstattet waren , rasi- 
ren und nehmen innere Kranke in die Be- 
handlung. Aber sie nennen sich Wutidär^ 
entweihen diesen Namen und sorgen durch 
die Lehrlinge, welche sie zum Barbieren ge- 
brauchen , dafs ihr Stamm sich erhält • uad 
T ermehrt. 

Entweder mufs man Maafsregeln nehmen, 
dafs diese ganze Klasse Ton Medicinal-Ferso-' 
nen aussterbe und sich nicht weiter verbreite, 
dnfs die Compagnie - Chirurgen und untern 
Hospital -Chirurgen in Friedens- und Kriegs- 
zelten zu entbehren sind, und dafs das Kly- 
stiersetzen , Legen Ton spanischen Fliegeiip&a- 
stern, Schröpfen und Aderlassen u. s.w. in 
Städten und auf dem Lande von andern: ge- 
steh ehe , Ton denen man gewifs ist, dalk sie 
nicht Aüerärzte und ärztliche Pfuscher wer- 
den , und die Stellen jener einnehmen — oder 
mau mufs sich entschliefsen die heranwadk- 
senden gemeinen Wundärzte und Bader in 
wahre untergeordnete Medicinalpenonen um- 
zuschaiTen, sie zu unterrichten und in Stand 
zu setzen, dafs sie die gangbaren und gewöhn- 
lichen Krankheiten, nicht ganz unangemessen 
zu behandeln Termögen. Da Ersteres zii be- 
wirken unmöglich scheint und nicht zur Aus- 
führung kommen wird, so bleibt nur übrig, 
sich zum Letztern zu entschliefsen, so viele 
Schwierigkeit es auch hat, und so viele Be- 
denklichkeiten sich auch dagegen aufdringen. 
Alle gröfsern teutschen Staaten haben für 
diesen Unterricht und für eioe solche Anveei- 
suijg auch in neuen Zeiten besondere Schu- 



— 69 — 

len und Ansfaltte errichtet. Man nennt si 

chirargische Schulen und ÄDstallen oder chi 

ruTgische Pepini^ren. Der verkehrte, unpas 

sende Name läfst schon itirchten, dafa maj 

sich die Aufgabe nicht ganz deutlich und ii 

ihrer wahren Beziehung gedacht, und dahe 

diese Schulen auch nicht immer so angemea 

sen eingerichtet hat, dafs ihr Zweck ganz er 

reicht wird. Es ist nicht zu verkennen , dal 

sie viel leisten und viel Gutes erwirken. Di 

mehrsten Institute dieser Art kenne ich zi 

wenig, um sie beurlheilen zu können. NacJ 

dem, was von ihnen bekannt ist, und beson 

ders nach ihren Lections - Yerzeichnisser 

scheinen sie im Allgemeinen bald eine zu düri 

tige, unvollständige Einrichtung zu habei 

bald zn überladen zu seyn und einen viel z 

gelehrten Zuschnitt zu haben, und endlic 

mit der Chirurgie zu ausschliefsend oder doc 

in zu weit gehendem MaaTse in Yerbindun 

gesetzt zu seyn. Die gründliche, vollständig 

Bildung von Wundärzten fällt den Universi 

täten zu, und viele derselben sind in neuere 

Zeit durch die Erweiterung ihrer anatomische 

und clinischen Anstalten und durch den B( 

sitz trefflicher Professoren der Chirurgie daz 

in Stand gesetzt. Wenn der junge Mann sie 

daselbst , nach gehöriger Vorbereitung auf e 

ner gelehrten Schule, durch tiefe und umfai 

^ende Studien das Wissen eines Arztes ue 

Wundarztes angeeignet hat, mannigfaltige Op 

rationen hat verrichten sehen und sich selb 

mehr oder weniger darin geübt hat, so wii 

es ihm allerdings nützlich und nöthig seyi 

die Kranken -Anstalten grölserer Städte d« 

In- und Auslandes zu benutzen. Aber im 

reifse sich doch endlich ron der ehemaU(L< 



— 70 — 

Vorstelluiig ganz los, ohne eine formliGhe 
SchuJibliduDg , ohne Üebuug, Erhöhung und ! 
SchärfvDg der Geisleskräfte, "wie sie eine fifübe 
Beschäftigung mit den gelehrten Sprachen und 
mit mancherlei wissenschaftlichen Gegenstän- 
den nur gewähren und sichern und ohne ein 
späteres umfassendes und vollständiges medi- 
cinisches und chirurgisches Studium sei es 
möglich, die Wundarzneikunst in ihrer jeUi- 
gen BeschaiFenheit und Vollkommenheit xa 
ergründen und inne zu haben. Was einzel- 
nen Genies in besonders günstigen Lagen 
möglich ist, kann nicht die Richtschnur des 
gewöhnlichen Verfahrens seyn. 

Die gröfsere Zahl der Wundärzte, wd- 
che aus den gewöhnlichen chirurgischen Schu- 
len und Fepini^ren hervorgehen^ wird nie 
die Vorzüge sich erwerben, um den Wund- 
ärzten gleichgesetzt werden zu können, wel-^ 
che sich auf wissenschaftliche, hergebrachte * 
Weise zu Aerzten ausbildeten, und dann aus 
besonderer Neigung und im BewufstseTn der 
dazu nöthigen Anlage noch einen grofsen Fleib 
auf die Wundarzneikunst verwandten und in 
derselben sich zu üben Gelegenheit hatten. 
Jenen Schulen ist die Beziehung zur Chirur- 
gie nicht zu nehmen y aber sie haben eine 
noch gröfsere und dringendere zur praktischen 
Medicin, man beabsichtige, ihre Zöglinge bei 
der Armee oder auf dem Lande, im Militair- 
oder Civil -Dienst anzustellen. 

Die Gesammtheit des, einem Arzt nöthi- 
gen Wissens, welches zum gehörigen Erken- 
nen lind richtigen Behandeln der gewöhnli- 
chen und verbreiteten Kranklieiten unentbehr- 
JUch ist, litst sich, wie so viele neuere Hand-t 



— 71 — 

Fier darthuni gar wohl in einetn einfachen» 
■en und leicht fafslidien Vortrag mitthei- 
SeTbst viele Lehren der Biologie , Phy- 
igle und Pathologie können so dargestellt 
den f dafs der schlichte , gesunde Verstand 
zu begreifen und anzuwenden vermag, und 
r desto leichter , je m^hr sie Zufverläfsig- 

haben und fruchtbaren Aufschlufs geben. 

Reihe der Hauptbegriffe , der leitenden 
in und Gesichtspunkte, von welchen die 
rtheilung und Heilung einzelner Krank- 
en w^esentlich und im Allgemeinen ab- 
gty ist in der That nicht sehr grofs;^ Der 
»18 der Untersuchung, in welchem der Ai^zt 
g befangen ist, und der zunächst sein Viei^ 
rcn bestimmt, ist an sich und in seiner 
gememen unmittelbar praktischen Beziehung 
^eft6t, von so grbßemi UmfaAg nicht. Das 
cbtigste ' begreift die Erforschung , ob der 
nkter eines Uebels sich mehr dem Sthe* 
hen oder EnfaiSiihdlichen • oder sich ioMa 

Asthenischen *tmd Nervösen näh\Brtj üild 
:hen Einflufs das Resultat, zu dein /man 

gelangt, auf den Kurplan haben muft*; 
ün Uebel seine Entstehung von in Unord-^ 
g gekommenen Verrichtungen der Ver- 
mgswerkzeuge hat; bb ein'tieferes Krank- 
I der Eingeweide des Unterleibes' dabei zu 
icksichtigen sind ; ob eine hämorrhoidalis 
\ Anlage dabei zu Grund liegt ^ oder ob das 
ranken catarrhalischer, rheumatischer^ gich- 
ler, scrophulöser, herj^tischer oder veneri- 
!r Art sey. Es reihtsich all, wieFieber ent-- 
Abweiche verschiedene Formen sie haben und 
die Wendungen sie nehmen , wie Schwind- 
tten, Wassersüchten u* s. w. sich ent- 
kein, und wie die Localübel sich bilden. 



I 

\ 



— 72 ^ 

Def gelehrteste , erfahrän^te A.\*zt{ kafiii liäufi| 

in einzelnea laiLeu: ,pic)j|^ tit;fer eiudriAgeii 

als hiiireiqhend i9t> um ,eiiie so allgenxeiBi 

Hin Weisung zu erhalten und benutzen n 

können, . , . 

• •■■•,■ ■ . ■ 

per Unterridit über jene Stiitzungs - uß 

Leiiungspunkte. de^. ^uaübenden Medicin istoi 
Allgen^einen . und so yrie er Ijtir die gewöilft 
liehe Praxis zuxeicht^ wenn man nicht, zu. Yid 
zweifelhafte . Theorien ' und Subtilitäteni-eiii 
miacht, und sich ^^ur.. auf z^verl4f»ig^,.. hs 
wäjfirte und brauchbare JBrkenntaife* einljiliit 
so /sojiwierig ,;undf ; verwickelt nicht, -^ß^ 
X«aadyolke und hei den untern Ständeii afan* 
haupt stellei^ sich üb^rdiefs die Krankhaita 
einlacher ^i}4 io.\ sprechendem Ziigei^i^ 
ihre Lebensart j alle, ,if^f0 sonstigen Vvdmk 
nieise zerrütten ihreCon^iititiTtion nicht so: sib 
und -fiil^e;! nicht zu so mannigfaltigen ^ qHm 
gemschten und versteckten IJebeln^ Ddei DiA 
gnostik der Krankl^eit^ursa^ea und Kr««lb 
h^i^fyrmen mufs vorzüglich herausgehoben ui 
das }.Crh2|rakteristische »derselben mit dex mik 
t^ ^estimintlieit • gelehrt -werden. Hieria ^ 
fast. Alle. wisseA9diaftliQhe Anweisungen |,..4m 
mi^41icl^n.j^rfri.#;di^ in den besten . 3chnfi«i 
ii^%<9!t]bi$iltpnr in- vielem noch , mangelhaft «oi 
uögeniflSend,; fW^Ü sie, stets H3rpothesen tuu 
verminte Erklärungen einmischen und gft 
wohnlich zu einseitig mit Vorliebe. fuir..-ei|M 
Lieblings -Ansicht und zu wenig echt ei^ 
rungsmäisig verfafsf sind. Welche Indicatia 
nen dann zu fällen sind, und mit weichet 
Mitteln ihnen Genüge zu leisten ist ^ ist «ii 
nicht minder wichtiger Punkt. Nur die be 
währteslen zuverläXaigstttn und einfachste! 



— 73 — 

Httlmethoden hat mao zu lehren ond geEiofi« 
21 machen. 

Hatte die Ausiihung der Arzneikunn nicht 
diese ailgemeiDea Leilungs- uud Stützpunkte, 
flicht diese sicher leitenden Faden, die in ih- 
res Terwirrten Labyrinthen und dunkeln Gän- 
gen uns sich oft zurecht finden lassen und ei- 
nen Ausweg aus denselben zeigen, so ^rürde 
das ärztliche Handeln nicht selten so schwan- 
kend und onzuverläfsig sejn , dafs kein gewis- 
senhafter Mann sich dazu ermächtigt und be- 
rnfen fühlen könnte, da unsere KenntpjUs der 
Unachen vieler Krankheiten , ihrer Nal^r und 
Aosbiidnngsweise nach so unvollständig und 
mangelhaft ist, und zum grofsten Theü im- 
mer bleiben wird, so zuversichtlich auch viele 
Schriftsteller uns hier so oft die tiefsten Auf- 
schJiisse verkündigen. Die Arzneiwissenschaft 
hat grolse , sehr vieles Licht verbreitende Auf- 
kläning, vorzüglich in neuerer Zeit durch die 
pathologische Anatomie erhalten. Es ist nur 
trtnrig , däls diese nicht hoch genug zu schätzen^ 
den Bereicherungen unseres Wissens für jetzt 
noch so selten in Stand setzen, zur Entfer- 
■ung^ und Heilung grofser Krankheiten wirk- 
stmer sejn zu können. 

Das Resultat >on allem diesem ist, dafs 
es wohl gelingen könne und möge, die Jün- 
gern untergeordneten Medicinal- Personen, die 
nun einmal nicht abgehalten und verhindert 
werden können, als Aerzte der gröfseren Volks- 
masse aufzutreten und bei derselben Eingang 
und Zutrauen zu finden , und die man selbst 
bei den mehrsten Armeen anzustellen fort- 
fährt, und im Kriege vielleicht nicht entbeh- 
ren kann^ ao zu unterrichten, dafs sie fähig 



— 74 -. 

und gesclikkt sincl , Tiele Krankheiten swedk^ 

inäfsig zu behandeln, mehr zu nützen nal 
weniger zu schaden. .. 

Den ganzen wichtigen gegenständ .tarn 
abzuhandeln, würde mich «u weit liihieii 
Ich kann indefs nicht unterlassen , daraa£ mtt 
merksam zu machen, dafs die Lehrer d io m 
ungebildeten und ^ nicht TorbereiteCan Jüb^ 
linge sehr ausgezeichnete Männer seyn mis*' 
sen, und dafs gerade solchen Schillern .ance* 
uiessene Vorträge zu halten , yorzüglich« Gl* 
ben erfordert. Wer sie in der praktiacten 
MedicHi' unterrichten und bilden soll, mnab 
selbst ein gewandter, erfahrner Arzt aeyn whI 
als solcher herrorragen. Alles was maa.lia 
lehrt,' mub ihnen möglichst Tor die Augen 
gebracht, sie müssen vorzüglich die Kreide 
heiten, die sie einst behandeln sollen, in diK 
Witktiehkeit zu- beobachten , zu benrtheilaa 
und zu heilen angewiesen und geübt werdüu 
Es würde vorzüglich angemessen 8^ii,*ftlum 
in der Physik und Chemie gründlichen' üft-» 
terricht zu ertheilen, um ihren Geist zu iSrH 
hellen, den Sinn für wissenschaftliche For- 
schung in ihnen zii erwecken und zu nähiWi . 
und ihnen ein Vorbild .vor Augen zu brinfim 
wie grofse Wah]:heiten entwickelt und be- 
wiesen werden. Hierauf .scheint mir viel Ge- 
wicht zubiegen seyn , obgleich auch in An- 
schlag kömmt, dafs. diese Wissenschciften' vieW 
gi'ofse Einflüsse auf die thierische Oekoncumiy 
ja manche Vorgänge, dieser selbst,' näher dar- 
thun und aufhellen. 

Die Angemessenheit und die grofsen Fol- 
gen eines guten, gelehrten Scbulnnterrijchta 
und der frühen und. zweckmäfsigeii Uebunft 



— 75 — 

md Scbärfung der Geistesfäliigkeitan, die er 
besonders bezweckt, erhellen nie einleuchten- 
der und stellen sich nie wohlthätiger dar, als 
wenn man Jünglinge und Männer » die auf 
bessern Gymnasien gebildet wurden, mit sol- 
chen zn vergleichen yielfache Gelegenheit hat, 
welche ihre frühem Jahre andern Beschäfli- 
gnDgen widmen mufsten ; aber später den Ent- 
schlufs faisten, nach einer dürftigen, oder doch 
fibereilten Vorbereitung eine Universität zu 
beziehen und sich einem wissenschaftlichen 
Fache xu Tiridmen. Aller Flelfs , noch so gro- 
fse Anstrengung , setzt doch in der Regel nicht 
in Stand, tief einzudringen und eine gewisse 
Stufe zu erreichen. Zu dieser Wahrnehmung 
^ebt der ärztliche Stand nach seiner Terschie« 
denen Abstammung entweder aus gelehrten 
Schalen oder aus der gewöhnlichen chirurgi^ 
sehen oder Apotheker -Lehre nur zu viel Stoff. 
Es ist nur ein Scherz von Reimarus, wenn in 
seiner geistreichen aber sophistischen Schutz- 
schrift für Quacksalber (Untersuchung der ver- 
meinten Nothwendigkeit eines autorisirten CoU 
ksBL nudiu und einer medicinischen Zwang - 
Ordnung. Hamburg 1782. S. 47.) es heifste 
,,Man sagt sich schon das Geheimnifs ins Ohr^ 
dab HippocraieSf der gute Hippocratts^ keinen 
Gradom gehabt , nicht auf Universitäten gewe- 
sen, ja keine andere als seine Muttersprache 
gewufst habe , und seines Herkommens eigent- 
Uch ein Wundarzt gewesen sey, der in un« 
serm Doctor • Examen wohl schlecht bestan- 
den seyn würde.*' 

Ich sehe bei Einfuhrung dieser Unter- 
iuzte nur eine Hauptschwierigkeit in ihrer 
Stillung, in der beschränkten Erlaubnifs zur 
Joam. LX. B.1.8C. F 



— 76 — 

ärztlichen Praxis, Welche ihnen die Hedüci- 
nal - Verfassung nur gestatten kann. Sie müs- 
sen unter Aufsicht des Physicult stehen, dem- 
selben Rechenschaft von ihrem Verfahren und 
dessen Erfolg ablegen, und bei mifslichen Er- 
eignissen "vor demselben sich zu vertheidigen 
verpflichtet seyn. Von dessen Ermessen mnb ' 
zu jeder^ Zeit abhängen , Welche Krankheiten 
sie in die Behandlung nehmen und auf wel- 
che' sie sich überall nicht einlassen dürfen. 
Es mufs ihnen geboten und zur Pflicht ge- 
macht werden, bei verwickelten ,^. dunkeln und 
gefährlichen Uebeln, den Beistand und Rath 
eines autorisirten Arztes sieh zu verschafin. 
Diese Punkte bilden eine wöhlausgedachte^ 
angemessene, und in der That nicht zu «it- 
behrende Anordnung und Gesetzgebung, die 
volle Beruhigung zu gewähren scheint und in 
einzelnen Fallen schon oit zur Anwendung 
kam. Nur Schade, dafs sie selten und nur 
mit grofsen Schwierigkeiten wirklich zu voU^ 
ziehen ist, wie die Erfahrung und einiges 
Nachdenken lehrt. Ist die Ausübung der Ajtx^ 
neikunst überhaupt zu controlliren und nun 
vollends die, welche in entfernten Dorfschaf- 
ten unter dem Bauernstand Statt findet?. 
Kommt da vieles zur Kenntnifs des au&nerk- 
samsten Physicus, und mufs er nicht am Ende 
in den mehrsten Fällen einzig der Darstellung 
des Unterarztes Glauben beimessen? Ist es 
ferner so leicht erkennbar , so völlig entscUe« 
den , was den Namen einer verwickelten, dun- 
keln und gefährlichen Kranklieit verdient, zu- 
mal in ihrer ersten Entwickelung , also in 
dem Zeitpunkt , der noch wirksame Hülfe zu- 
läfst? Ist denn immer möglich, sich den 
Beistand und Rath eines entfernt wohnenden 



- 77 - . 

•Bforisirten AittH schneli zav VerschfleBNi?. . 

Soü er 'selbst herbeigeholt oder nur ihm JEle^ 

rieht erstattet werden? Werden viele Vh-y^if 

ikd sich in alle Weitläuftigkeiteh hineinziehii 

fassen , welche mit dieser -ihrer -Aufsidit 'TeN 

binden sind, und es- nicht '«b^uemer finden, 

nur wenn- -Klage entsteht, od^r gar zu auffdL* 

leode Ereignisse vorfallen^ einige Ifotiz yiioh 

dem Benehmen des Ifoterarztes M nehmen ? 

Dennodi -iaft nicht zu vera^eiden i durch' Ge* 

setze die untergeordneten Medicinal- Personen 

abhängig zu machen und zu beschränken. Sie 

und das Fublikum müssen wissen , dafs man 

^e nicht für selbstständige, zu allem fähige 

und befugte Aerzte hält ; ein^ Aufsicht über 

sie mub angeordnet seyn und zu jedey Zeit 

eintreten und wirksam seyn köunen. Ist idas 

alles nozureichend odeV' schwer. mit Erfolg ;" zu 

bewerkstelligen, und sieht m^n auch voraus', 

dafs die Ausführung sehr oft wird vernack- ^ 

läfsigt vrerden , so kann man sich damit be^ 

ruhigen, dafs ^nan es an den Bestimmungen 

nnd Veriiigungen nicht hat fehlen lassen, weU 

che die Verhältnisse verlangen und gestatten* 

.»■ i^ 

Schlimmer als es mit allen diesen Bezitfr 

hungen jetzt steht , kann es nicht werden^ 

darauf wird man immer zurückkommen imia- 

sen , und mit dieser Antwort alle noch «se 

wohl gegründete Einwürfe und Bedenken zu 

widerlefren vermögen. Es ist aber zu hoiren4 

die gehörig eingerichteten Unterrichts -Anstalt« 

ten w^erden sich bewähren und einen günativ 

gen Einilufs haben. Einsicht und Kldu«^ 

wirken auch oft auf den Charakter und die» 

Sittlichkeit. So ist zu erwarten, dafs'^dieB^ 

Batergeordneten Bfedicinal- Personen nicht niiv 

F 2 



— 78 — 

iLeantniftreicher, aondiertt auch veredelter wer- 
den. .Ihr^: Lehrer müssen yorzügUch dabin 
streben,* sie bescheiden zu machen und sie zu 
überzettgehf dals ihr Wissen UnToUständig und 
nicht zureichend ist. Nehmen sich dann die 
ihnen nahe wohnenden und mit ihxi^en in Ver- 
bindung stehenden Aerzte ihrer an,, behan- 
deln sie liuman »und verständigt und suchen 
ihre Einsichten und HeUmethodeu zu berich- 
tigen- und zu verbessern ^ so wird.ider Etfidg 
aefensreich seyn. 



Weder die bisherigen Doctor-Promotio- 
aen, noch die Staats -Examina leisten, wie 
aus allem Angeführten erhellt , was man von 
ihnen erwartet, und stets werden sie sehf 
unvollkommene Sicherheitsmittel bleiben. ' Das 

m 

Publikum hat nie die Gewifsheit, daXs, wer 
sie bestanden, darum seines besondern Ver- 
trauens werth %ey und bleibe. Es würde da- 
her dem verständigen Theil desselben gewib 
sehr willkommen seyn , unter den jungem 
Aerzten, nicht nach Vollendung ihrer akade-< 
mischen Studien, sondern nach einer Reihe 
von Jahren, in welchen sie ihr Wissen er« 
weitert und gezeigt • haben , wie sie dasselbe 
anzuwenden vermögen, von unpartheiischen 
und achtungswerthen Sachverständigen, nach 
dem Vorschlag von CandiduM^ diejenigen be« 
zeichnet zu finden, welche durch Einsichten, 
Geschicklichkeit und sittliche Handlungsweis« 
hervorragen und begünstigt zu werden ver- 
dienen. Ii| dieser Wahl geleitet zu werden, 
wKrden Laien noch für wichtiger und nöthi«« 



— 79 ' — 

jzer halten^" wenn sie einzusehtn Yeuttogteo, 
wie schwierig y ja unmöglich es für -sie itt| 
den Gehalt nnd Werth eines Arztes zu beur* 
Iheilen, und wie oft sie sich, selbst untei^ 
täglicher Beobachtung seines Verfahrens un^ 
dMsen Erfolges iu dieser ihrer Schätzung irrea; 

Der Aulsatz , Aristokratie unter den Aev^ 
ten, empfiehlt diesen als das beste MiXtel, sich 
Achtung und einen Wirkungskreis zu rern 
schafTen, ihren Charakter als respectabel dar^ 
zustellen I und an' Gegenständen, die den 
Kichtärzten bekannt sind, zu zeigen, dafs si^ 
ein gutes MaaTs von Urtheilskraft haben. Diesei 
Maxime befolgt nun allerdings jeder . absicht- 
lich und unabsichtlich, aber wegen ihres gro- 
fsen und entsclieidenden Einflusses veranlafst 
sie gerade am häufigsten^ daf^ manche geist^ 
▼olle Aerzte sich in ihrem ]^che yernaich«« 
läfsigen und dem wissenschaftlichen Fortschrei« 
ten in demselben weniger Zeil: und Kraft wid-* 
men. Es entgeht ihnen nicht , dafb ^ wenn sia 
gescheut und gewandt überTieles zu sprechen 
und klug in den Yerwickelimgen des Xebens 
sich zu nehmen wissen, die Meinung ent-* 
steht, sie sejm noch tüchtiger und einsichts«* 
Toller in dem, was ihnen zunächst obliegt 
and ihr eigentlicher Beruf ist. Sie verlassen 
lieh dann auf ihre oft grofse Kunstfertigkeit 
diesen Glauben zu erhalten und zu erhohen« 
IQ Zeiten selbst durch leere und prahlerische 
Erörterungen medicinischer Gegenstände in 
Krankenstuben und gesellschaftlichen Kreisen. 
Es wird zwar- zugleich empfohlen, seinen Cha- 
nkter von guten Seiten und als schätzens- 
«erth darzustellen. Diese Achtung erwerben 
ich oft viele Aerzte und verdienen sie durch 






— 80 ^ 

ihr Benehmen ab Staatsbürger, Verwandte, 
Freunde u. 8. w. , selbst auch^ oft als dienst- 
fertige , uneigennützige , menschenfreundliche 
Aerzte. Nur ist die schwere Klage gegen 
nicht wenige zu erheben, dafs seit lange in 
ihren m^dicinischen Studien ein Stillstand ein- 
trat^ dafs sie ihrer medizinischen Bibliothek 
fremd wurden ^ und dafs sie auf ihr Fach nicht 
das Nachdenken verwenden , welches ihm nie 
ein ausübender Arzt ohne grofsen Nachtheii 
für sein Wirken' und Leisten am Kranken- 
bette entziehen - kann. Diese Beschnldigang 
trilTt selbst oft Aerzte , die einem andern wis- 
senschaftlichen Zweige viele Aufmerksamkeit 
widmen. 

Ein Arzt setzt sich ,aber aufser Stand, sei- 
nen Beruf und dessen Pflichten .zu erfüllen, 
wenn er den medicinischen wissenschaftlichen 
Forschungsgeist nicht in sich lebendig erhält 
und nährt , und die frühern und spätem Be- 
reicherungen seiner Kunst in ihrem Zusam- 
menhang sich nicht fortwährend aneignet. Er 
sinkt dann an Deiikkraft und Einsicht. Konn- 
ten .Nichtärzte erkennen, wenn ein Arzt sich 
hierin versäumt und die grofsen Folgen dieser 
Vernachläfsigung einsehen, so würden man- 
che Aerzte, deren Geist und früheres Wissen 
sie dazu fähig macht, eine ungleich höhere 
Stufe der Vollkommenheit und die wahre Re- 
spectabilität des Charakters , von der die Rede 
ist , erreichen. 

Der erwähnte Aufsatz bezweckt für jeden 
grofsen Land -Bezirk die Stiftung eines Ver- 
eins der schätzbarsten Aerzte, die nach stren- 
gen wissenschaftliclien und sittlichen Forde- 
rungen entscheiden, welche ihrer Jüngern 



~ Äl — 

Kunstgenoftseii , nach dem dreißigsten Jahr ih- 
res Alters nnd nach siebenjähriger Praxis werth 
sind, in diesen Bund zu treten. Es wird 
nicht aliein beabsichtigt, das rublikum., wel- 
ches dessen so sehr bedarf, in der Wahl sei- 
ner Aerzte weise zu leiten, sondern vorzüg- 
4ich diesen selbst^ es nahe zu legen und zum 
'Gegenstand grofser Anstrengungen zu machen, 
nach bestandenen Früfungen eine so grofse 
-Zeit hindurch sich im ärztlichen Wissen und 
Leisten nach Krivlten zu vervollkommnen. 
Was wird sie in der That. mehr dazu anspor- 
nen können , als die Aussicht , dafs , wenn sie 
grofse Vorzüge sich auf diese Weise erwef- 
hen, ihnen durch die Aufnahme in diesen 
Verein eine Auszeichnung zu Theil werdi^ 
welche über ihren Ruf entscheidet und das 
ciligemeioe Vertrauen ihnen verschafft, so dafs 
ihre etwaige bisherige Noth. ein Ende nimmt? 

Dieser herrliche, vielversprechende Plan 
würde, w^enn er in irgend einer Gestalt, un- 
ter wohl überlegten Modiücationen ausführbar 
wäre, von giüistem Nutzen und wohlthätigf 
stein Einflufs sejrn. Wenn die Aerzte im Ver- 
lauf ihres praktischen Lebens sieben Jahre 
hindurch eine so stark<e Aufforderung hätten, 
mit Gründlichkeit und Eiler ihre Studien fort- 
zusetzen und ihre Jieobadilungen am Kran- 
kenbett zur echten Bereicherung ihres Wissens 
und Verbesserung ihres ärztlichen Handelns so zu 
benutzen j um vor einejn Kreise ihrer bessern 
Kunstgenossen zu seiner Zeit . als im hohen 
Grade einsichtsvoll und geschickt sich darstel- 
len zu können, so würden sich viele zu vor- 
züglichen Aerzlen ausbilden und diesen würde 



— 82 -r 

dann ein Anselin zu Theil , welches ihre Lagt 
sehr verbessern würde. Wer nach wohl b^ 
nutzten akademischen Jahren einen solcheM 
grofsen Zeitraum hindurch wißsenschaitlicheii 
Bemühungen ernstlich oblag, für den werden 
sie selbst unabhängig von ihrer Anerkennung 
und Belohnung, den höchsten Reitz erhalten 
und zum gröfsten BedürfniTs werden. Sein 
ferneres Leben wird ihnen geweiht bleibeB. 
Die Erfahrung lehrt, dafs manche kenntnifs- 
und hoilnungSYolle Aerzte gerade beim Ein- 
tritt in ihren ersten Wirkungskreis, der sie 
wenig beschäftigt; sich den gesellschaftlichen 
Zerstreuungen und Vergnügungen zu sehr hin- 
geben , an vielem Geschmack finden , wes ih- 
rer ärztlichen Ausbildung nicht beförderlich 
ist, und durch diesen und andern Einflufs aUe 
Neigung verlieren, den medicinischen Studien 
ferner obzuliegen. 

Desto trauriger dafs dieser Vorschlag nicht 
zu bewerkstelligen ist und für immjsr ein phun 
desiderium seyn wird. Man erwäge nur, wie 
und wo will man die altern Aerzte finden, 
welche die Jüngern auf eine Art , die den Er- 
folg sichert, vor ihren Richterstuhl zu ziehn, 
und einen jeden derselben durch einen ge- 
rechten Spruch entweder oben anzustellen 
oder unten zu lassen fähig seyn und wagen 
dürfen? Jeder Länder - Distrikt, welcher eine 
Million Menschen begreift , soll eine Vereini- 
gung der angesehensten und besten Aerzte 
bilden und diese jeden Arzt, der über dreifsig 
Jahr alt ist, wenn er es verdient, dadurch 
dafs sie ihn in ihren Bund eintreten läfst, ein 
Zeichen, einen Stempel aufdrücken, wodurch 
der Welt der höhere Werth desselben ver- 



— 83 — 

iSnügt und garantirf vrird. Wer sldk ilie- 
lem richterlichi^n Ausspruche zu unterziehen 
Bedenken trägt, der macht sich schon yer- 
dächtig; wen derselbe ausschliefst, der vrird 
jDcht allein einer Ehre nicht würdig befunden, 
sondern ihn trifit Schmach und Herabsetzung: 
Diese Feuerprobe zu bestehen, wird jedem 
Arzt auferlegt. Findet sie ihn picht bewährt, 
60 stofsen ihn seine Standesgenossen, und 
zwat die, w^elche für die würdigstien gehalten 
werden, aus ihrem höhern Bund, und wie 
wird das die ölTentliche Meinung gegen ihn 
richten und ihm alles Vertrauen entziehen! 
Man wird erwiedern, dem Verdienst werde' 
seine Krone, das sei nur Gerechtigkeit, wer 
solcher Auszeichnung sich nicht würdig ge- 
macht habe, der habe die Folgen davon sich 
selbst zuzuschreiben, nicht das Institut, nicht 
die ilichter anzuklagen. Ist es aber in deir' 
That 50 leicht und sicher, das Verdienst ei- 
nes , schon mehrere Jahre die Kunst ausüben- 
den Arztes zu erforschen und zu ermäfsigen? 
Ist in allen Fällen ein sicherer Ausspruch dar-« 
über möglich, welcher keinem Ehre ertheiit, 
dem sie nicht zukommt, und keinem sie ver- 
weigert, der Ansprüche darauf hat? Was 
soll den Ausschlag geben? Der Umfang des 
brauchbaren Wia^sens oder, was ganz etwas 
anderes ist, die Gelehrsamkeit? oder die Gei- 
steskräfte, die unter sich so verschieden sind, 
bei dem einen die Erwerbung und Festhal- 
tung von Kenntnissen erleichtern, bei dem 
anderen sich durch ihre tiefere Erforschung 
und Sichtung zeigen, während andere die 
Gabe ihrer treffenden Anwendung besitzen? 
Soll etwa nur eine seltene Vereinigung aller 
dieser Vorzüge sich geltend madien dürfen ? 



— 84 — 

oder welche müssen sich bewähren, ' welche 
dürien fehlen ? Soll endlich der Erfolg der 
Thätigkeit eines Arztes nicht in Betracht kom- 
men müssen^ die vielfachen Genesungen, die 
er bewirkte und der Ruf, welchen er so er- 
langte. Wie schwierig ist aber die Entscliei- 
düng, was er dabei glücklichen Zufällen oder 
seinen Einsichten und seiner Gescliicklichkeit 
yerdankt? Und nun soll und mufs die Mo- 
ralität und der Charakter eines Arztes anch 
beurtheilt werden. Wohin fuhrt das, und 
wie wird man sich über die Principe, Von 
denen diese Prüfung ausgehen soll, zu ver- 
einigen rermögen? Was rechnet selbst ein 
so heller Kopf wie Candidas , der , wie sieb 
aus Tielem zeigt, ein so lebhaftes Gefohl für 
die Freiheit und Unabhängigkeit der Aerzte 
hat, nicht dahin? Er schliefst jeden Arzt ans, 
der von erheirathetem Vermögen lebt, der in 
den letzten zwei Jahren seinen Kranken Rech- 
nungen schickte (was in vielen Gegenden, auf 
dem Lande zumal , oft unvermeidlich in meh- ' 
reren grofsen Städten allgemeiner Gebraueh 
ist. Nur vvrer überlriebene , unbillig^ Rech- 
nungen aufstellt oder mit Härte und ohne 
Beachtung der vielen hier in Betrachtung kom- 
menden Verhältnisse auf Bezahlung nach der 
Taxe dringt, setzt sich Tadel aus) oder wer 
sich mit Magnetisiren von Frauenzimmern l>e- * 
fafst, wie er sich ausdrückt, den Skandal des 
lluerischen Magnetismus mit jungen und alteo 
Frauenzimmern zu treiben fortföhrt. *) 

*) In mehreren teutschen Siäcltea bat nach dtn 
glaubwürdigsten EiKäbliingen dieses Alagnetiii^ 
ren in neuem Ze.üüii allerdings beklagcnswer« 
the, höchst austöftige Ereignisse und Auftritte 
TeranlafiCy die mit giofieu Besorgniafeii erfiil- 



DW «rluJtffn künnen, in einer lattgeru all sie- 
bajälmgen Traxis der ToU«a AÄeikeiuiuiig 

„Endaader EmpräoglleliKcit telbft dann nicht 
„rahlrii , WBDD deiialbe nicht lu SUnde kommt 
HodcT nicht mit dar Gabe lu tprechan sich dar- 
' ntMllt," aagta ick liQnlicli andcnwo nnd wie- 
M^aUa •■ noebmli, bedarfeu in Hinaicht ifa- 
m vrahtan BcachafFenhait und Entatebnng noch 
Toc allan nebrarai Beachtnng and Gawuibeit, 
Di« einsig« Ait, Ucht abai dieie dunkeln Foi- 
t^nacan aa vetbrütenf kann nur «ayn, 6i» 
ErMhaisnngen , welcha elaicli im Anfang her- 
Toniaten und bei jedem M*eiietitiie&, du *icb 



wodurok de* lUagnetiieuE •ianirkc nnd Tra* 
bö^ Magnetiiiran in uripiflneliche, ungewAhn- 
liak» Baweguiig geietit «riidT Da offenbar boi 
laatatMm dai Nervamyatam TOiiDglich ergrif- 
laa nad in eine betondaie eigenthamliche Span- 
MHM Ttraetat wird , lo iit von aelbtt einleucb- 
Ccad, data die tpltem Vorfallt, die loganann- 
••■ liAhem GraiTe de« thieriichen lUagneiiainn« 
^tmbx aeenndtira , all primatret Folgen der mag- 
■cdMlMn EipwirkDns aind, dafa Tielea aie Ter- 
iRriekalter nnd dnnklar macht, ja daf) endlich 
^mm aicantkflmliche Krankheit dar Nerven ent- 
■tJitn "■""■, aof deren 'weitere Entwicklung 
gmm andere Beiieknngea von Einflur« sind. 
^HlA der beieichnele vVeg eingetchtagen, lo 



euch die UnEeranchDae gana nach dei 
^^ni, -wie aiiJerr wio£tiee Gagen i tun de der 
gl« beliandeU werden. £in Eudoiphi wird 




harte Aeufierung nnd tchwere An- 

irda Bu leinem Giandrirs 

Berlin iSlO gern inilLcK- 

.K den Magnetiamua , so wie ei 

-'*• -wird jeder Schlechtigkeit 

enn er tödtet gar >u leicht 

t ihrer Wunel und geht 

l«r Myitik und mit der Lüg» 

•dl» Aanta sind wanne Anblnger 
• BfliCHÜimu- Xann Uta diäten 



— 86 — 

ron wenigem Einflurs seyn, uhd äer^ Welchen 
sie auszeichnen soll, ihrer gewöhnlidi ' idcht 
bedürfen, da Vorzüge und Verdienste, die sie 

wts wirldiohe Tbmtsache ist und mic ihr sn- 
flamzneDhängt, von falschem Schein und Tio« 
schungen jeder Are zu trennen nicht -i» Stan- 
de sind« 

Ich sehe mit Bedauern, daij die, nenem 
Schriftsteller viel mehr als iliie'Vorgäjager in 
dem dunkeln, fast stets zweifelhaft hleil^enden, 
selten mit einiger O^wifshcit aiafzuklärenden 
Kreise von Somnambulismus gebannt bleiben 
und so in ihren Ansichten und. Theorien im-" 
mer Terwirrter und schwärmerischer werden. 
Um diesen eine Stutze und Eingang bu ver* 
schauen, nehmen viele die albernsten mährchen 
gläubig in sich auf, und alle Sagen» Mythen 
und Orakel des heidnischen Alterthums sind ih« 

nen unumstöfsliche Wahrheiten. 

^. 

Ob es in der That einen thierischen Maf^- 
netismus gibt, ob auf eine Art, wie er yoraus- 
setzt, vom Mensehen auf de^ Menschctt ge- 
wirkt werden kann nnd was dtnn thütig ist, un- 
ter welchen Erscheinungen und nach welchen 
Gesetzen er sich äufsert, diese Reihe von wich- 
tigen Untersuchungen, die noch so sehr der 
Aufklärung und Gewifsheit bedürfen , hält man 
incht mehr für einen Gegenstand Ton Versu- 
chen und Erörterungen. Und doch ist gans 
England und Schottland, der erleuchtetste 'Theil 
von Frankreich, die Mehrheit unserer hellsten 
Köpfe, unserer Physiker, Chemiker u. s. w. auf 
der Seite derer, welche dem thierischen Mag- 
netismus überhaupt keine Wirklichkeit und 
Wahrheit zugestehen. Man wähnt alle Zweifel 
niederzuschlagen^ wenn man immer neue Pro- 
phezeihungen und Wunder und Kuren der Som- 
nambulen der ungläubigen Welt, die sie gar 
nicht mehr lesen mag oder zum Theil mit 
Recht in Zweifel zieht oder anders deutet, zur 
Schau stellt! „Die ersten und w^esentlichen 
,, Einwirkungen, welche den eigenthömlichen 
„Schlaf einleiten^ ihm vorangehen und bei Statt- 



- €7 - 

BW edialten können , in einer langem als sie* 
besjälixigen Praxis der yoUen Anerkennung 

^findender EmpfänglicIiKeic selbst dtnn nicht 
,,rehlexi , 'weDn derselbe nicht zu Stande kommt 
yyodcr nicht mit der Gabe eu sprechen sich dar- 
gestellt/' Mgte ich karslich anderswo und wie* 
oeriiolile es nochmals , bedürfen in Hinsicht ihr 
rer wahren Beschaffenheit und Entstehung noch 
Tor allem mehrerer Beachtung und GewUsheit, 
Die einsige Art, Licht über diese dunkeln For- 
fldknn^en sa Terbreiten, kann nur seyn'^ die 
ErMheumngen » welche gleick im Anfang her* 
TQrtreten und bei jedem Magnetisiren^ das sich 
von g/oftem oder kleinem Erfolg se%t» Statt 
finden müssen, aufsnhellen^ und antzumitteln, 
wodaroh der Magnetiseur einwirke und waa 
beim Magnetisiren in urspranjgliche, ungewöhn- 
liehe Be^^egung gesetzt wirdT Da offenbar bei 
Letitexm das iJerTensystem Torzfiglich ergrif- 
, fen und in eine besonaere eigenthümliche Span- 
Biurg versetzt wird , so ist von selbst einleuch* 
teno, da£s die spätem Vorfall^ die sogenann- 
ten hohem Grade des thierischen Magnetismus 
Bielir tecundaire, als primaire, Folgen der mag- 
netiftchen Einwirkung sind» dafs vieles sie ver- 
wickelter und dunkler macht, ja dafs endlich 
eine eigenthümliche Krankheit der Nerven ent- 
stehen Aann, auf deren weitere Entwickelung 
«ans andere Beziehungen von Einflufs sin£ 
Vird der bezeichnete VVeg eingeschlagen, so 
lllat eich die^ Untersuchung ganz nach der Weise 
anetellen, wie andere wichtige Gegenstände der 
Siologie behandelt werden. Ein Sudolphi wird 
dann seine harte Aeufserung und schwere An- 
klage (S. dessen Vorrede zu seinem Grnndrifs 
der Physiologie B. i. Berlin i83x) gern zurück- 
aehmen: »^Durch den Magnetismus, so wie er 
pJLa, das Leben tritt, wird jeder Schlechtigkeit 
^der We^ gebahnt, denn er tödtet gar zu leicht 
^die Wissenschaft in ihrer Wurzel^ und geht 
9,gew Ahnlich mit der Mystik und mit der £fige 
Jnand in Hand.** 

Viele teutschs Aerzte sind warme Anhinger 
des tkisriichen Magnetiimui* Kenn man diesen 



— 88 — 

1111(1 Schätzung des Fubllkiims wohl nicht en^ 
gehea können , oder diese Ehrenbezeugung be- 
glückt riele, und dann wird sie ihre Bedeu- 
tung verlieren und nicht viel Eindruck' mehr 
machen, zumal dann nicht zu rermeideii sejB 
wird, dafs auch Unwürdige sich ihrer xa ei- 
frcuen haben werden. Nur wemman^eTar- 
weigert, wird tief gekränkt sich fiimeni ufal 
sich beeinträchügt glauben. Er wird- das.Tii- 
bunal, welches ihn ausschliefst, der Partihei- 
lichkeit und Ungerechtigkeit beschuldigen, in- 
dem andere Aufnahme fanden,' toq denen er 
dai'lhun wird, dafs sie noch, unter ihm ste- 
hen , oder nicht besser sind , als er. 

es zum Tadel anrecliiien , wenn sieKranki^ die 
sie dazti geeignet halten, magneilsiren , sobald 
sie bei Trauenzimnicrn mit Anstand, Zai^ 
iieit und Vorsicht Terfahren , wie ef ihr Bf- 
ruf und di« Sittlichkeit überhaupt gebieteaf 
Sollen sie deswegen aus dem Bunde der helfen 
Aerzte ausgeschlossen werden? Da sie so'leb» 
liaft Ton den heilsamen und grofsen Wirkmu- 
^en des thierischen Magnetismus überzeagt sind 
und ihm vertrauen , dafs er die bedenkliclistfn 
Krankheiten zu heben und zu lindern Termögff 
so hätten sie sich eher gegen den Vorwarf m 
vertheidieen, warum sie ihn anzuwendep la 
bald aufhören und vermeiden, wie bei dea 
niehrsten der Fall ist, die ein Paar' Jahre üu 
ausübten. Es ist sicher nicht bloff die Tiell 
Zeit, die seine Anwendung kostet; noch ande- 
re Gründe erfüllen sie mit einer Sehen dtfi^ 
gen. Mehr als sie andern und vielleicht ttek 
selbst gestehen, sind, wie gute Beobachter b^ 
merkt haben wollen, fibele Erfahrungen über 
den Betrug, welchem sie, wenigstens in eintel- 
nen Füllen sich aussetzen, wie ihnen im Ver- 
lauf der Zeit nicl&t entgehen konnte, o&'der 
wahre Bewegungsgrund, dafs sie sich Vom'Mag^ 
netisiren zurückziehen. 



— 89 — 

»• I Slellen und Titel , welche der Staat den 

Aerztea erlheilt, Jiaben mit dieser in Vor- 

schLig gebrachten Einrichtung nichts gemein. 

I i tffl rhysicus , ein oberer SIedicinal - Beamte 

0. i. ^v. zu werden j inufs man Kenntnisse 

- ! ejganthiiinlicher Art besitzen , die ein schätz- 

- j barer praktischer Arzt wenigstens in dem Um- 

: ( fange nicht zu erwerben braucht. Man weiOs, 

. diese und andere Auszeichnungen sind Be-. 

gt/Dsligungen « bei denen oft besondere Bezi'e- 

I imngen und Berücksichtigungen mit und ohne 

Grund in Anschlag kommen. Sie werden in 

wenigen Ländern so ertheiit, dafs ihr Besitz 

viel beweist. Wer sie nicltl erhält, über den 

ist ein allgemelnei^ Verwerfungsurtheil nicht 

ausgesprochen , und der ist in einer Musterung 

die aUe Aerzte des Landes umfassen soll, 

jiiclit rerstofsen, nicht unwürdig befunden 

werden, wie aus der Nichtaufiiahme in jenen 

Bund, der in Vorschlag gebracht ist, immer 

zu folgern seyn würde. 

Es sey immerhin, dals, wenn man die 
Forderungen nicht zu hoch spannt, sie nur 
auf das nicht zu schwer klar zu machende, 
auf das, was denn djoch keinem Arzt zu er- 
lassen seyn wird, der Ansprüche macht , in 
einsr siabenjährigen Praxis .über das Gewöhn- 
liehe sich erhoben zu haben, beschränkt, es ' 
ungeachtet aljer angeführten Erinnerungen und 
Bcidenklichkeiten, nicht ganz unmöglich seyn 
möge , sich über die Bedingungen und die Art 
ihres Beweises zu verständigen, die das Recht 
geben sollen, einer Verbindung der besten 
Aerzte des Landes als holFnungsvoU , als jetzt 
schon yiel leistend und mehr noch verspre- 
chead^ zugesellt werden. Der Tlan wird dem- 



- 90 - , 

nacli daran scbeitern müssen, dafs seiner Aus- 
führung in jedem Bezirke von einer MilUoA- 
Einwohnern ein Verein von Merzten Yoran^ 
gehen mufs, der durch die Summe von Adl^ 
tuDg, welche seinen Mitgliedern insgesammt* 
und als ein Ganzes zukäme , auch jedem AjbIk 
zunehmenden y wie im Vorschlag es heilkl^^ 
einen guten Antheil von Achtung gewahie i 
und ein gutes Ziel ahgehen könnte für dis; 
edlern Bestrebungen des Jüngern Arztes« . 

Diese achtbaren altern Aerzte sind nicU' .< 
so gehäuft zu finden und so leicht und sicher • 
zu erkennen , dafs allenthalben oder doch in 
den mehrsten Teutschen Prorinzen eine'sot< 
che Vereinigung derselben gebildet wefden 
konnte, die zu leisten yermögte, was hier/ 
von ihr verlangt wird. Mufs nicht vor aUtni. . 
die Untersuchung Statt finden, welche AtaM ' 
in der öffentlichen Meinung, und selbst 'iB' ! 
dem Urtheil der Kenner hoch genug steheiii. 
um als anerkannt verdienstvolle unIt wissen« 
schaftlich viel bedeutende Aerzte eine Genes* 
senschaft zu gründen, welche nicht nur selbst 
Achtung gebietet und übertragen kann,- soft- 
deru deren wissenschaftliche und moralische 
Competenz, ihre jungem Collegen nach ihrem 
wahren Werlh und Gehalt schätzen zu kon* 
nen und zu wollen , nicht in Zweifel gecogeoi. 
wird ? Es ist gar nicht abzusehn , wie in den 
mehrsten Ländern , selbst in grofsen StädteOi 
solche Gesellschaften Existenz bekommen koiir 
nen, die so glänzend für sich dastehn und 
durch ihre Aussprüche auf eine entscheidende», 
unanfechtbiire Weise einen Theii des Heran-* 
Wuchses von ärztlichen l^raklikern so hoch 
ffjopor zu heben, den andern Theil als eiata 

mit- 



f 



— 91 — 

nittelmälsigen oder , gewoholichen Schlag toii 
Aerzten zu bezeichnen und herunterzusetzen 
ttch anmafsen dürfen. Ich halte es für hSchst 
* idiwierigy und wenigstens an den mehrsten 
Orten, in den mehrsten Gegenden nicht zu 
bewerkatelligen, eine hinreichende Anzahl ron 
dazu qualificirten Aerzten auszumitteln , die 
£a einer solchen Verbindung zu rereinigen 
waren. Und werden die, welche dazn tüch- 
tig sind, und dafür gehalten werden, sich 
dazn bergeben ? Gerade die Würdigsten wer- 
den sich diesem müelichen Geschäft entzie- 
hen. Und wer soll sie dazu berufen und be- 
stellen ? Unser Candtdu» sagt mit Recht und 
>Vahrheit: 9,der Versuch durch obrigkeitlich 
„eingesetzte Medicinal« Behörden Alles zu di- 
,^gixen und zu controlliren , ist nicht gelun- 
ugen.'' Eine solche Behörde wird nicht die 
engere Genossenschaft der bessern Aerzte selbst 
seyn können , die sich nur zu erweitern habe ; 
noch wird man ihr die erste Stiftung des Ver- 
eins gern anvertrauen. Diefs schliefst die Ein- 
wirkung des Staats aus, dessen Leitung und 
Autorität hier abzulehnen man sich überhaupt 
bewogen fühlen wird. 

Die angesehensten Praktiker, die einen 
grofsen Wirkuugskreis haben, werden nicht 
immer Ton allen und am wenigsten oft von 
ihren Mitärzten für in der That ausgezeich- 
nete , gelehrte und wissenschaftlich hervorra- 
gende Männer gehalten. Gelten sie nicht als 
solche, so wird man ihre Herbeiziehung nicht 
wünschen können. Schliefst man sie aus, so 
terliert der Bund in den Augen vieler, die 
üe für die wahren Heilkünstler halten, an 
Ansehn, und sie selbst werden grofse Gegner 
Joam. LX« B. i. Su G 



-. 92 — ■ 

\ 

demselben werden^ Wie. will man .also ^my 
Itichlern gelangen, die diesem Beruf 6e^qc».£ 
leisten können? *) 

Ich schweige von dem Einflufs der 
Wandschait und jeder andern Art Ton YerhiB- 

^) W^tiit der Verfasser des sn dieiea Erftttficpfr 
gen Gelegenheit gebenden Aufsattei meint, die 
Errichtung von solchen ärstlichen Verbwdiu^ 
gen kdtine in einigem' Maafse nach Art derf^oi- 
doner und Edinbnrger Collegien de^ Aartt^ Statt 
finden» so ist et in groCsem Irrthan« . Yfla 
Letiterm ist wenig bekannt und es tehainl kei- 
nen Einflufs XU haben. DaSAinter ttßinrUh VIlL 
im Jahr 1518 errichtete ^London College ofFhr' 
sicians ist aber, so wie es seit lange Dtftaat 
lind verfährt 9 ein nicht lobenswerthee laititBf; 
Nur Doctoten von Cambridge od^jr Oacford fcAn» ' 
iien .Teltows desselben werden , und sie drikckea 
und schliefsen zum Theil die würdigstep A«n- 
te Londons sius, wenn dieselben auf betSMi 
Unirersitäten sich gebildet und promoTirt k» 
ben. Eincelne Geschichten , die s«hr miistiBl» , 
lieh bekannt wurden, zeigen von einem «efairäa* 
edUn Geist der Selbstsucht , der Ghieaiio nai 
der kleinlichsten Ansichten , in der Behakdlni| 
sehr hochachtun|sweTther Aerzte« 80 barikMt 
und schätzbar viele einzelne Mitglieder ümtt 
Corporation sind , welcher grofse PriT£lfl||;iM 
bewilligt sind ^ die sie aber willkabflich Erwei- 
tert haben und sehr mirsbrauchen» so «^rfOUc 
doch ihr ganzes Benehmen , wie es in d«r £x> 
posUioH of the present ' State of the PtpfetsU» ßf 
Physic in England and of the lawf enaetedfiit- 
its Gouvernement (S. Edinburgh medicalfand d^ 
rurgical Journal, Octoher 1820) suS Act«nstflokca 
entwickelt ist/ mit tiefem Unwillen.' Im Jskf 
1768 warnte der berQhmte Lord Mansjield dit> 
ses Collegium vor öfFentlichem Gericht, aber 
wie spätere Ereignisse darihun, ohne Erfolgt 
^»die Aufnahme nicht so zu beschränkeu and as 
,,13(edingungen zu knfipfen^ dafs selbst ein ßoefm 
f^haavef wenn er sich in London niederlieClft 
»i&icht sa ihrer Fellvivship gelangen kOnne^^ 



I 



' . 93 « 

log anf die Enticheldungen , die zu fallen 
ad, TOB der seltenen Stärke des Charakters, 
e daza gekört, kierallen Bemühungen, sich 
anst nnd Protection zu erwerben, za wider« 
ehn« Sind nicht durchaus strenge und nn* 
trtheüsche Urtheile zu erwarten^ so ist es 
r^rils weiser und besser, einen solchen 6e- 
cixtahof gar nicht zu schaffen und ihm keine 
ddie Bedeutung zu geben» 



Die Klage iiber die zu grorse Zehl der 
erzte steht nicht isolirt da, sie hat einen 
»fem Zusammenhang. Ueberfdllung, zu gro- 
er Tleberfluls drückt jetzt alle menschlichen 
•rhaltnisse fast aUanthalben , und ist der her« 
mtechendste Zug unserer Zeit. Alles ist in 
I großer Menge da, die Erzeugnisse des Bo- 
ns und der Fabriken; so wie für fast alle 
enscftliche Thätigkeiten und Dienstleistub« 
n sich zu viele Personen darbieten. Beson» 
!r8 sind die inehrsten gelehrten Stände über« 
len. Die Ursachen und Folgen davon zu 
rtersucheui ist vielleicht die schwierigste 
ofgabe. 

Die geaufserte Furcht, dafa die übergrofse 
azahl von Aerzten die Achtung und Schätzung 
» ärztlichen Standes verringere , scheint mir 
deia nicht gegründet, und nichts weist da« 
ji. Geistige Vorzüge fallen und steigen nicht 
1 Werth wie Gegenstände des Kaufs und 
andels nach ihrer Seltenheit oder Menge, 
ich dem Verhältnifs , in welchem sie verlangt 
id dargeboten werden. Was vom Arbelts- 
<hn und von der Schätzung mechanischer 

G2 



- 96 — 

,/^^Uleider madieii. — Das Benelinieii 
' r^^jffl Aligemeinen ist oSenbar rtrmdeit 
J^9t würdiger ab ehemab. Es bietet 
^^^^iathmoDg scharfer Beohacliter «ad 
^1 ^^ket unter den Kichtärzten nicht mehr 
jr filBlsen und Stoff zur Satjre dar aU 
S^B'VK» MolIlir€^ der Verüasser des GiU 
^^*KnMii u. 5'. w. ZV ihrer Zeit fanje». 
begriffe über vieles, eine t/efteadef« 
^Üo^g aller Verhältnisse, sind seLr «er. 
So schwer auch die ärztlichen B«- 
S<^li Ton dein grü&em Publikoa h'-hiij 
^M sind, so hat doch dasi«lhe nK^# 
^^ Wahrheit nad nnbefiingenfts B<nM^- 
I «AlIgCBieinen sich aaigeeigJMt oni -nreüs, 
^^% nMBSchliche Wissen nsr St^esveffc 
^^oUkoBmen ist. Viel« T^r^^.kmmrßm 
Uechte lLcin^*e. die n^xh nir.ht y*jt Uat^ 
L ADfhigen 5ccrcfr /ocrr. Z4sr uneetiMhr« 

•ogenannteü rr-ecivlsilKL^A Pulrlk. zn 
^ sdiienen, sk.i j^'^t iki ulf.Lt taAf 
'iimr, weidefi rcr. v>l*3 d-wil^KJMr.>t 
'^^n 31ir?tz«c^n u^i \'e.*a«',}:;tj&£4r za/ 

ICin Aizt, i^z , -virz^ 'ZJt KaiAUiui^ 
^ern, offen ein;?*-»?*! \ 'itli^^ji« K•3l:lx- 
». 9 9 



Tiri* rkr Lirr^ weide, in de& z.*r:ei:t«a 
^^ crd i::^ öfr ^L^hcng «ni im Ltai 
^^ iisi^Aak in, wia die Sliitel, 4tt 



— 96 - 

verdienet werden , dh GenesüDg ermrkeii| 
nnd dringen ihnen nicht mehr, unter Beiie» .] 
hung auf andere Fälle ^ in denen sie grote 
Kuren yerrichteten , Betheueruhgen über £e 
Bewerkstelligung ihrer Genesung ab. Min 
gestattet ihnen , sobald man nur sieht , sie nn» 
tersucben tief und angemessen und widinte 
den einzelnen Fällen die nöthige Anfineilb- 
samkeit und Sorgfalt, ein stilles, woUfiber- 
legtes festes Handeln unter Schweigen über 
vieles, und nimmt eine allgemeine Aeols»- \ 
rung über das Bedenkliche oder Uabedenk« 
liehe , über die Kürze oder Dauer der Krank«^ 
lieit, so wie ihre Be;seichnuug in ywagui 
Worten , mit Dankbarkeit auf, £s ist nneod« 
lieh Tiel wertb , dafs den Aerzten erlasaeü ist, 
die Krankheiten , die sie zu behandeln habeoi 
pathologisch und therapeutisch am Kranken« 
bett und jedem, der dabei nah oder entfelrnt 
iuteressirt ist, zu erörtern, und ihre AnsichV 
ihr Verfahren und dessen Erfolg oder NicW- 
Erfolg umständlich zu rechtfertigen. Wie man 
mit seinen Kunstgenossen spricht , welche das 
Schwankende imd Unsichere der Theorie and 
die Mifslichkeiten der Praxis kennen, ISfal 
sich mit Laien nicht reden; was jenen ein» 
leuchtend zu machen ist, können diese nicfal 
yevstehn und beurtheilen. Um letztere si 
iljberzeugen und zu beruhigen, wenn sie bei ; 
besondern bedenklichen Ereignissen auf wis- 
eenschailllchen Aufschlufs dringen und datA 
IViihere Aerzte verwöhnt sind, vermeinte Er- 
klärungen sich vortragen zu lassen, wird der , 
ehrlichste Arzt in solcher Lage oft genöthigti 
sich in Kunslworte zu hüllen , und.Vermo- 
thungen , Vors (eil ungen, die nur einige Wahr- 
McbeinUchktii für sicli haben ^ mit einer Ge* 



- 97 — 

wifshelt und Zuversiclit yorzutrageüi g^gen 
die er Zweifel genug fühlt. Gerade die Aus^ 
fahrlidikeit der ErlLlärungen giebt zu Mifsvet- 
»tindnissen und HlTsdeutungen Stoff und Ver^ 
«nlassung genug , besonders wenn das Yer^ 
(noen schwankt, oder ein böser Wille reg- 
sun wird. Das bessere Verfahren , welches 
in diesen und andern Beziehungen jetzt vor- 
waltet, dringt sich selbst dem Publikum als 
das Torzüglichste und würdigste auf, Es sieht 
seh lange solche Maximen von den bewährte* 
Men und anerkanntesten Aerzten befolgt und 
die, welche anders sich benehmen, erwerben 
uod erhalten sich seiu Vertrauen auf die Dauer 
nicht, und werden ihm verdächtig. Das ent- 
geht der Wahrnehmung der Aerzte nicht, und 
DÖthigt sdbst die unter ihnen, dieselbe Baha 
zu befolgen, und nicht anders zu bandeln, 
weiche nur ins Auge fassen, was günstig für 
sie wirkt , nicht was die Sittlichkeit und die 
Würde ihres Charakters und der Wissenschaft 
ihnen vorschreibt» 

Mag sich die Zahl der Aerzte noch sa 
Behr vergrofsern und als Folge davon, wegen 
des Mangels alles Gewerbs oder eines hinrei- 
(henden , die Verlegenheit und Noth vieler 
noch so hoch steigen , so ist doch schpn aus 
diesem Grunde nicht zu besorgen , dafs sie zu 
Uarktschreieru lierunlersinkea und durch zu 
weit getriebene Cliarlatanerie den ärztlichen 
Charakter entweihen. 

In manchnn Gegenden und Städten, haben 
zwar viele, selbst aus den hohem und gebil- 
detem Ständen, einen grofsen Zug zu After« 
Aerzten und Quacksalbern, .zu geheimen Mit- 
teln und sympathetischen oder Wunder -K\i- 



— 98 — 

ren. Der yorzuglichste Reic £eser Stirn« 
mung undi dieser Terkehrten Handlutigt?reiie 
liegt gerade oft darin, der Facultät ana dem 
Wege zu gehn, ihr zu trotzen und ein Aer- 
gernils zu geben. Diese selbst yerliert jedock 
ihren Einfluls und ihre Würde, Vrenn aie aw 
ihrem wissenschaftlichen Kreise herauatritt 
Ihre Mitglieder, die Aerzte, denen man aii^ 
anvertraut, sollen auf herkömmliche, gelehrte 
Weise kuriren, dafS verlangt und erwartet dfes 
Publikum von ihnen und schätzt sie nack 
Verhältnifs indem sie, nach dessen Urtheii 
methodisch rerfahren. Die öffentliche Mei- 
nung wendet sich von ihnen ab und ihre 
Kranken verlassen sie grolstentheils , wenn 
sie ihre Kunst entheiligen oder auch nur als 
Menschen ihren Charakter beflecken und eine 
unsittliche Handlung ihnen zur Last lallt 
DaTs dem so ist, verhindert, dafs noch so 
grofse Dürftigkeit und andere Gründe selbst 
ungewissenhafte Aerzte nicht verleiten , dn^ 
niedrige Handlungen sich einen Wirkungskreis, 
Zulauf und eine Art von Ruf zu verSchalfeai 
Sie werden so auf vl<^lfache Weise abgehal- 
ten, zur groben und verachtungswürdigen Char* 
latanerie ihre Zuflucht zu nehmen , weil diese 
sie nicht retten oder zum erwünschten Zi4 
fuhren kann« Unser Candidus spricht, ab 
wenn Aerzte im Drang der Noth aiesen Weg 
jetzt einschlagen. Es scheint mir , es ist Yer- 
muthung, nicht wahre Beobachtung, die uns. 
mit dieser Folge der jetzigen Brodlosigkeit vie- 
ler Aerzte in Schrecken setzt. In vielen Un- 
terredungen mit Aerzten aus allen Gegenden 
unsere teu^schen Vaterlandes ist mir nichts 
Ungünstiges der Art bekannt geworden. Alles 
berechtigt mich zu der Behauptung , die Aerzte 



— 09 — 

wAmen sich in dieser und jeder andern Hin- 
■cht jeUt besser und würdiger als in frühe- 
na Zeiten. Noch yor 30 Jahren verkaufte 
Mann Jugust Unztr zu Altona, der Verfas- 
MT Ton grofsen wissenschafLlIcheu Werken, 
die sich durch eine heryorstechende GrÜBdlich^ 
kmt auszeichnen, und der besten populalren 
Zeitschrift y des Arztes, die je erschien, ein 
nheimes Pulver zur Verbesserung der Ver- 
danung und zur Befreiung von Unterleibslei- 
den, welches an vielen Orten, ohne alle Un- 
tersuchung und Entscheidung eines Kunstver- 
tfiadigen gebraucht wurde. Kein Arzt wird 
das jetzt wagen y so viel Geldgewinn es auch 
Tsrspricht , weil es ihn einer Verachtung aus- 
Mtzt, die -früher nicht daran geknüpft war. 
Das Hahntmann^sche Unwesen , das in und um 
Leipzig und Frag besonders so weit um sich 
gi^gnfien hat, ist sehr beklagenswerth , aber 
anderer Art. Es hängt doch mit einigen wis- 
leuschaftlichen , obgleich höchst dürftigen und 
iirigen Grundsätzen zusammen. Nach vielen 
Geschichten, die bekannt geworden sind, scheint 
die Homöopathie eine sehr niedrige und ver- 
dächtige Handlungsweise einiger ihrer Anhän- 
ger sowohl veranlassen als auch verbergen zu 
können. 

Wie weit die Vermehrung der Aerzte 
jetzt über das wahre Bedürfnifs geht , und auf 
wdche geringere Zahl man sie zurückgeführt 
wünschen mufs', ist nicht so leicht zu bestim- 
, als es auf den ersten Blick sciieint. Die 
jen Aerzte, welche ehemals in Städten 
nf dem Lande lebten , würden jetzt nicht 
Ädhen , da die Bevölkerung sich ver« 
Besonders kommt aber in Be« 




— 100 — 

tracht, dafs das Kränkeln in den hcSienn^ 
Ständen und unter den wohlhabenden Ein- 
-wohnern in einem grofsen Verhältnifs zage- ^ 
nomen hat und die ärztliche Hülfe jetzt über- ' 
haupt ungleich öfter und anhaltender, selbst 
Yon den weniger bemittelten Klassen in An« . 
Spruch genommen wird, als in vorigen Zei- 
ten, Ob ein bis vor Kurzem irermehrter 
Wohlstand , ob verbreitetere Bildung dazu bei« 
{getragen hat, lasse ich unerörtert. Aber' die 
Zahl derer ist offenbar in stetem Zunahmen, 
die stets mediciniren , für die fortwährend Vn- 
terhaltung mit einem Arzt>, sein Bath und 
seine Leitung in allem Bedurfnifs ist , und bei 
denen oft diese Beziehung zu ihrem Arzt, ihre 
Abbäogigkeit Ton ihm selbst kranlüiaft g^ 
worden ist, 

Wie vor und nach dem siebenjährigeii 
Kriege in diesem Funkte eine andere Denk- 
art und Sitte herrschend war, erhellt aus m- 
ner Stelle von Mdmarus (I. c. p, 116) ia- 
Bezug auf eine so grofse und reiche Stadt ah 
Hamburg : 

y,Noch zu unserer Grofsmütter Zeiten be- 
ll alfen sich selbst Familien von besserer Er- . 
7iehung Jahre lang ohne Arzt. Wochenbette, 
Focken und Masern, geschweige die geringero 
Zufalle, wurden mit Hausmitteln abgewartet. 
Da hatten sie Familien -Recepte, oder Halli- 
sehe Haus - Apotheken ; oder sie hatten hin- 
ten auf dem liecept ihres Arztes aufgeschrie- 
ben : hat mir Herr Doclor Biester gegeben als 
ich in Wochen lag; oder als mein Fritzchen 
Zahne kriegte; oder probat in den Focken, 
für den Husten u. s. w. und damit war es 
guL Jetzt zieht fast )eder nüt etwas wohl- 



_ 10t - 

habende Handwerksmaiin in dergleichen Fäl^ 
Im einen Arzt zn Rathe» und wie oft wer« 
den wir nicht schon zum Tagelöhner auf Sä<» 
lea und in Kellern gefordert ? Daher werden 
jetzt schon mehr als Tier Mal so yiele Aerzte 
ki uns beschäftigt als ehemals, und mit ei-* 
nem solchen Fortgange, diinkt mich, können 
wir uns wohl begnügen." 1/81 waren in 
Hamburg yiermal so viel Aerzte in Thätigkeit 
als deren 40 Jahre früher. In welcher Fro-r 
gression hat sich seitdem nicht dort, wie 
Sherall ihre Zahl, ihre Geschäfte yermebrt? 

Ehemals fand auch entschieden eine viel 

geringere Bezahlungsweise ärztlicher Bemü« 

hangen Statt« Der yortrejETUche Lentirif der 

yom Anfang seiner praktischen Laufbahn an 

bIs ein schätzbarer Schriflsteller sich gellend 

machte, dessen Persönlichkeit höchst anzie« 

hend und yolles Vertrauen einflöfsend war, 

und dessen Thätigkeit und Sorgfalt für seine 

Kranken noch im späten Alter keine Anstren-* 

^ng und Bemühung scheute, war arifänglich 

zu Diepholz, nachmals im Lüneburgischen in 

einem grofsen Wirkungskreise der einzige Arzt 

und Fhysikus und zwar mit Besoldung yom 

Slaat. „Ueber 14 Jahre ," schrieb er demeach 

seinen Schwiegersohn, dem jetzigen gelehrten 

SIecklenburgischen Leibarzt Sachse (S, das yon 

diesem yerfafste Leben yon Lentin^ in dem 

SupplemeutbaDde zu den Beiträgen zur aus« 

übenr^en Arzn ei Wissenschaft , S, 423.) ,,mufete 

..ich mich jahrlich mit 3 bis 400 Rthlr. mit 

Frau und Kindern behelfen ^ und lebte doch 

„vergnügt dabey; unsere Zeiten sind freilich 

anders u. s. w." 



— 10:4 — 

Zur Bflmrtheilung der jetzigen Lage d|| 
Aerzte in Teutschland ■ mufo-ich noch auf t^ 
nige -wenige Gegenstände aufmerksam nxaohfw 

Ein Umstand y der in neuerer Zeii'''iim, 
Fortkomn^en jüngerer Aerzte, besonder« '^' I 
dem Landef, sehr beförderlic^h ist, si)B fn'Yil^ \ 
bindungen bringt, sie in Thätigkeit v e r setijlf • 
ist, dafs sie jetzt mehrentheils zugleidh A. 
Wundärzte 'mrksam seyn und sich geUew/ 
machen können. Bei grofsem äufserh Uebwt^ 
leuchtet auch den untern Ständen häufig eü}^ ^ 
dafs sie geschickter Hülfe bedürfen , oder üM ^ 
gewöhnlichen Aesculape, gerade die sog^muuH 
ten Wundärzte scheuen sich damit zu b^^M* 
sen, wie schon erwähnt ist. Was in sbldMl^ 
Fällen die Kunst leistet, macht oft ^rolMhft 
Eindruck, Diese chirurgische Thätigkeit 
serer jetzigen Jüngern Aerzte verschafft ih 
wie die Erfahrung ergiebt, besonders Eing 
und Vertrauen und bahnt ihnen den "Weg 
inedicinischen Praxis; Bei der Menge TOni^ 
Aerzten ist es \iel werth, dafs sich ieugleüiF 
der Kreis dessen, worin sie Beistand leiste^ \ 
erweitert hat , und sie jetzt , zumal in kleinflp ^ 
ren Orten, zugleich die Wundärzte, Aagi 
ärzte und oft auch die Geburtshelfer sind. 

Dafs das wahre chirurgische Wissen usm,'\ 
Wirken jetzt seinen Sitz auf den Universitär. , 
ten hat und von denselben ausgeht, zeigt siA 
in jeder Beziehung als wohlthätig. Wo dsi 
Medicinalwesen der Armeen nach bessen 
Grundsätzen eingerichtet worden ist, was ia 
mehreren Teutschen Ländern in der neuen 
Zeit bewerkstelligt wurde, besonders wo man 
sich entschlofs , wie im Königreich Hannoveri 
für die Friedenszeit den niedern und verderbe 




— lös- 
lichen Stand der Compagnie - Chirurgen und 
Unter Wundärzte aufeulieben, da finden riele 
Aerzte bei den Truppen Anstellung und eine 
gtoTse Anzahl von Doctoren der Medicin sind 
jetzt Militair - Wundärzte. Diefs ist zugleich 
eine sehr grolse Wohlthat für den "Wehrstand. 
^ Im Kriege ist dieser zwat zunächst und un- 
mittelbar der Gefahr ausgesetzt , Hieb - und 
Scfaulswunden zu erhalten und denselben eine 
gehörige , kunstmäfsige Behandlung zu sichern, 
scheint das dringendste BedürfniTs, und die 
sähe liegendste Verpflichtung. An Krankhei- 
ten in den Hospitälern stirbt aber ein ungleich 
pofserer Theil der Truppen, die gegen den 
Feind stehen, und in Friedenszeiten haben 
die jÄilitair- Wundärzte in noch gröfserm Ver- 
hältniTs innere Kranken zu behandeln als an 
äüfsern Uebeln Leidende. Es ^ar daher, und 
zwar selbst für die Behandlung vieler chirur- 
gischen Uebel, sehr nachtheilig, dafs bis zur 
Zeit der letzten Kriege, die Medicinal- Per- 
sonen der Armee fast blofs Wundärzte wa- 
ren , welchen grofstentheils weniges ärztliches 
Wissen eigen war. Nur bei dem grofsen Hos- 
pital der ins Feld rückenden Truppen wurden 
ein oder ein Paar Aerzte angestellt. Manche 
teutsche Staaten ernannten zwar für die Städ- 
te, in denen vieles Militair sich hänffce, Gar- 
nison - Medici , aber die Eifersucht der Mili- 
tiir- Wundärzte verhinderte diese, thätig zu 
sejm. Es ist unstreitig eine sehr grofse Ver- 
besserung, dafs die jetzigen Militair - Wund- 
ärzte in der Medicin, wie in der Chirurgie 
Wohl unterrichtet sind. 

Es ist eine erfreuliche Bemerkung, dafs 
die teutschen Gebiethe ungleich mehr an Ge- 



— 104 — 

halten tini mancherlei Zuschüssen aus hen* 
schaftlichen, Landes- und Gemeinde -KasMl 
unter vielfachen Rubriken den Aerzteni und 
Wundärzten auszahlen, als in andern Enio«. 
päischen Reichen Statt ündet;, es verdient di0 
Beachtung ulid Dankbarkeit der teutj^bci 
Aerzte^ dafs ihre früheren Besoldungen nA ' 
kurzem in mehreren teutschen Ländern ID 
wohl beträchtlich erhöht , als auch auf maih 
cherlei Veranlassungen neue ärztliche SfeeUft 
sind errichtet worden ; mit welchen eine gtk 
fsere oder kleinere Einnahme verbunden ii^ 
Der ganze Ertrag dieser, Ausgaben ^ weldn 
das teulsche Medicinalwesen erfordert, istnicbt 
klein und steht aufser allem Yerhältnift n 
den Kosten , welche dasselbe in anden Efr 
ropäischen Staaten, in denen die Medidnil» 
Polizei vernachläfsigt wird, verursacht. Nidt 
ohne Einflufs auf diese Verschiedenheit ii^ 
dal's Teutschland in mehrere Länder zeifäO^ 
deren Herrscher Leib- und Hofarzte und Woni- 
ärzte ibediirfen und die einzeln oberil Media* 
nal-B€'börden auszufüllen haben. Am eaft- 
schiede nsten hat aber dazu die Ausbilduig 
und der Einflufs der Medicinal- Polizei in.ik* 
rem ganzen Umfang beigetragen , deren Wicfc* 
tigkeit und wohlthälige Einwirkungen teiit^. 
sehe Schriftsteller vorzüglich entvrickelt hir ' 
ben. Ein grofser Theil ihrer Vorschläge iil 
in ihremi Vaterlande nach und nach ;j^r An- 
wendung gekommen. Selbst das Teutsche Cfi- 
minnlveri'ahren giebt den ärztlichen Unterst- 
eh ungen und Beurtheilungen eine gröfsere Bfr* 
deutung und Folge, und dasselbe hat dadurch; 
wie neuiire Vorfalle darthun, eine höhere Si- 
cherheit und Zuverläfsigkeit vor dem abwei- 
chenden Englischen und Französischen Crinä- 



— 10$ — 

Vioab Tonins. Daft unsere Gerichtshöfe auf 
£e Entscheidungen der Midicina fortrms mehr 
Gevricht legen, und dieselbe viohX begründet 
nod ordnungsmäfsig sich zu yerschaiTen su- 
dien , hat auf diese Wissenschaft selbst sehr 
gnnstig zurückgewirkt y und Teutsche Schrift- 
steller haben sie daher nicht nur geschafEen, 
sondern auch zu ihrer jetzigen Yolikommen- 
ieit emporgehoben. Das ganze wichtige In^ 
stitut unserer Physik aber, welches zunächst 
dem Crimlnalrerfahren zur Stütze dient, aber 
auch eine grofse Beziehung zur Medicinal- 
Polizei hat, fehlt yielen der gebildetsten Eu- 
ropäischen Nationen / namentlich den Englän- 
dern und Franzosen. Wie grofs ist nicht die 
Zahl der besoldeten Fhysicats- Personen in 
Teutschland, wie sehr ist sie in neuern Zei- 
ten nicht Termehrt worden , nicht selten mit 
gleichzeitiger Verbesserung ihres Gehalts und 
ihrer sonstigen Bezahlungsweise ? Hieran 
schlieist sich die Anordnung höherer Medici- 
nal-Behörden und Anstellung von Aerzten bei 
den Ministerien und RegierungscoUegien, Ein- 
richtungen, die fast nur in Teutschen Staaten 
getroffen sind. Die Sorgfalt für arme Kranke, 
oft in sehr yon Aerzten entlegenen Ortschaf- 
ten, ist in vielen teutschen Ländern grofser, 
zumal in neuerer Zeit , als anderswo , und die 
Maafsregeln , welche beim Ausbruche von Epi- 
demien und ansteckenden Krankheiten und 
zur Verbreitung der Kuhpocken • Impfung er« 
griffen werden , sind jetzt unter uns sehr er-^ 
weitert und vervollkommnet. 

Alles dieses, so wie die vermehrte und 
irerbesserte Errichtung von Irrenhäusern und 
andern Krankenhäusern^ die Anstellung von 



Aerzten bei Zucht«* und Corr^ttions^-Anit^ 
ten u. t. w. hat yeranlaTst, dafs eine gtob6 
Anzahl teutscher Aerzte aus ofFentlicben Sas- 
sen^ und von Gem^nden mehr beziehe ab 
früher , und in andern Staaten. ' * I 

Pia fruchtbaren und heilsamen Folgen die- 
ser vermehrten Ausgaben, die in ihrer TptaL' 
summe dennoch das Budget keines Staats ^di^f 
ken oder sehr belästigen, für das phyauidbi 
Wohlseyn der Volksmasse und für di^ -Ge- 
rechtigkeit der Aussprüche unserer jCrimjnal: \ 
richler , sind sehr groTs ! - ' . i 

Der vervollkommneten Medicinal-PoliMl 
verdanken die teutschen Aerzte, T?ie a^die^ 
ser Darstellung erhellt, diese ihre bessereliage. 
Jene hat mehr Eingang gefunden, bat eine 
bessere Leitung erhalten, und ist^ in ihreai 
Verfahren einfacher und kräftiger gewordeai , 
seitdem statt der frühem collegia medkä nm^* 
Sanitäts ' Collegiefi 9 bei den Ministerien uiii 
Regierungen Aerzte als Räthe angestellt wnt- ! 
den, welche die medicinischen Angelegenlitit- ■] 
ten unter Berathung und Einwirkung mf liii- 
dern Geschäftsmänner, vortragen und. beitiP* 
gen. Die Gegenstände der Medidnal-Foli- ] 
zei, welche Entscheidung verlangen, gieAB 
häufig zu sehr in das bürgerliche Leben tfril 
in andere Verhältnisse des Staats ein tmi ev»- 
fordern nicht selten zu ihrer Beurtheilniil 
selbst mehr oder weniger juristische Einaick- 
ten, als dafs eine Vereinigung von Aefxtea, 
die einen angesehenen Staatsmann nur zu: ih* 
rem Präsidenten oder Chef hatte, den richti- 
gen Gesichtspunkt stets zu fassen im Stande 
gewesen wäre. Alles Wichtige und Verwik- 
kelte kommt doch zuletaf an die obersten 

Tjan- 



— 107 — 

Landes -Behördeni und, wenn bei diesen k«i- 
ner angestellt ist^ der die inedieinischen Be- 
nshungen jeder Fitage, die 2u' erwägen ist, 
ToDständig kennt, und ein lebhaftes Interesse 
für die ärztlichen Institute und Zwecke htft, 
wie nur von einem Arzt zu ei'warten ist, so 
ist nicht zu vermeiden, dafs nicht vieles oft 
Terkehrt dargestellt und beuilheilt wird, das 
Wichtigste nur halb und unvollkommen zur 
Vollziehung kommt oder versäumt wird. Klei- 
ne und grofse Bedenken und Mifsverständnisse, 
die einige Worte eines einsichtsvollen Sach^ 
Teistandlgen auf der Stelle zu heben und zu 
entfernen vermögt hätten, veranlassen dann 
leidit Tiele Schreiberei oder bringen die wich« 
tigstenSntschlüßse und VerTügungen in Stocken. 

Die Colhgia mtdica waren nicht nur an 
sjci schlecht organisirt, ungeeignet iur einen 
greisen Theil ihres Geschältskreises und von 
üben oft im BedeutungsvoHsten gelähmt und 
gehemmt , sondern ermangelten auch , was ib* 
neu besonders nachtheilig war, alles Aueehns 
und aller Auctorität bei den untern Behörden 
und Obrigkeiten, denen ihre Anordnungen 
und Entscheidungen zu vollziehen oblag. Diese, 
gewohnlidi Juristen, fühlten eine tiefe innere 
Abneigung, Aerzten untergeordnet zu seyn, 
und von einem obern medicinischen GoUegium 
Befehle zu erhalten. Die Fo]ge war, dafs sie 
diesen sich zu entziehn und ihre Zwecke 
zn vereiteln sich angelegen seyn liefsen. 
Wenn, was die Medicinal* Polizei angeht, von 
einem Ministerial - Departement oder der ge- 
wöhnlichen obern Landes -Behörde unter Mit- 
Wirkung von Aerzten erlassen, wird, so hat 
Journ« LX. B. u^U H 



— .108 — 

jM die ganke Bedeutung und das voll« Ql- 
wicht aUer andern Yeijugungen der A^dmw- 
stration. , Grofte , tief eingreifende Varorda' 
gen, alle Untersuchungen, die inannirhfalty 
£r;falirungen und einen grofsen Umfang nii- 
eenschaftlicher Einsichten Toraussetzen , be- 
sonders aber die Beurtheiluog des geaetsul- 
drigen Beni^hmens der angestellten MedidnilF- 
Fersonen , und die letzte Prüfung der v&a rk 
perta und Gutachten der* PhysilLer in Crud- 
nalfälien, bedürfen der coUegialischsen Beiath- 
schlagung mehrerer Aerzte. Sehr zweeknii^ 
big werden zu : diesem Behufe wiasenachaft- 
liehe Deputationei^, besondere Colle^a eder 
Commissionen, . allein aus Aerirten angeoiinsr, 
die auf besondere Aufforderung Gutaditan er- 
statten oder Urtheile fällen. 

Worin die Teutsche Medidnal - PoBm 
noch oft fehlt und zu Klagen Veranlaaanag 
giebt, ist nicht zu verschweigen,., du ihr wA 
vollem Recht hier so viel Gutes napkg;ernhi|t 
wird. Sie verlangt in mehreren Staaten n 
viel zu tmun , alles zu übersehn und cu leitea* 
Gleich andern Verwaltungszweigen ^Mifilit 
auch sie auf die höchst belästigende and meb» 
rentheüs ganz unnütze Maafsregel|. sich iiM 
^Uti Bericht erstatten zu lassen^ in Baiqg 
auf zu viele Gegenstande, auf EntwttrAug 
von Tabellen und Uebersichten . za dringen 
und die Einsendung Yoh Darstellungen .vi« 
Verhaltnisse und einzelner Ereignisse zu 
langen. Für die Fhysici und selbst für die 
andern Medicinal- Personen ist diefs oft sehr 
drückend und Zeit raubend, und soll, wie 
vielfach , behauptet wird, manchen verleiteoi 



— 109 «- 

& Rabrikan nach Gotdüiikeii , untiekainmeH 
■■ die Wahrheit der Angaben auaznüillen. 
Wenn kein bestimmter und wahrhafter Nullten 
Hl dieser Sammlung von Notizen und Mit- 
tkpQongen sich unmittelbar und mit Zuver«- 
liibigkeit ergiebt, und kein wirkliches grofiMS 
Bsdüzlnils diese Yermeinte Controlle und Aul^ 
licht Terlangt, wie doch nur bei einigen 6e* 
geastanden Ton grober Bedeutung der Fall 
lejn kann^ so sollte man diese Schreiberei 
i&Tielem beschränken, und nicht ins Unendliche 
im srweitern suchen. Zur Vertheidigung die^ 
Mrkänfigen Berichte, Tabellen u. s. w.f die 
man dofordert, wird oft angefahrt f man wolle 
Hitttislien zu einer medlcinischen Topogra* 
pbie Ton Ländern und Städten samnfieln. 
fTörden sie in der That benutzt t solche me- 
dfcuiiic&e Topographien zu ■ Stande zu brin- 
gen, die auszuarbeiten man doch unterläfst^ 
10 würde nur bezweckt seyn , die Zahl der 
fflittelmälaigen , wenig lehrreichen Schäften 
EU rermehren, da die Erfahrung lehrt, dafs 
diese Art von Büchern , woran es nicht fehl^ 
selbst wenn gelehrte und geistroUe Männer 
sie yerfassen, keinen grofsen und neuen Auf* 
schluTs darbieten. Selbst zur Uebersicht der 
herrschenden Krankheiten und ihres Karak« 
ters sind diese Berichte mifslich; Sie enthal- 
ten in der gröfsern Mehrheit, Namen, bei 
denen sich jeder ofl was anders denkt, Re- 
sultate der Praxis, die sehr unzurerläCiig si£d 
und bei einiger Prüfung nicht verkennen las- 
sen, dafs sie aus dürftigen Hjrpothesen und 
falschen Voraussetzungen, nicht aus wahrer, 
tieCsr Beobachtung, hicht aus bewährten Thai« 
ladftea sich ergeben u. s. w. Sehr häufig 

H2 



— 110 — 

mde^n ilenp unsäUigen EinsenduDgeiAV' '^^ 
Tfelcho di« ProlriiuBialärcte oft eioeii salur 
fsen Eindruck' zu machen und für Aidr- 
sehr günstige Stimmung . zu erieeugen; huli^^ 
ungelesen in die Registratur, da die'SMi^ 
nalräthe gewöhnlich in zu viele anderweitigB 
Geschäfte hineingezogen sind und eine zuaai- 
gedehnte Praxis hahen , um Zeit und If eigoig 
für eine solche lästige und unfruchtbare Ijectii* 
re zu haben. Es ist mehrentheils nicht n 
tadeln , dafs sie ihre Mu£ie besser anwebdüi 
aber sie sollten doch billig erwägen, dals diMi. 
nutzlosen Arbeiten den Physids imd>aMlani 
Aerzten, d/Bren Leben schon mühsam fsaiV 
ist, so yiele kostbare Stunden .wegndiBfliu 



> .■ 



Wer in Angelegenheiten dieser Art Er- 
fahrung hat und • Nachdenken auf dzeselbea 
verwandte, weifs,, vrie diese Berichte ^ Anga- 
ben und Thatsachen . so oft mangeUuA, un- 
genügend und nichts beweisend aind. Dm 
Collegiumf dem sie vorgelegt werden, xnnb 
gleichwohl in der Mehrheit der Eälle die Ge=- 
brechen übersehen und darf sie nicht rfigeit 
Wie selten sind die Punkte , deren ErOTt^ 
rung es betrilTl, so klar und fest entschiedsii 
dafs UebereinstiUnmuDg unter den Aerzten d» 
über Statt finden kann. An Ort und SteUii' 
im Augenblick, in welchem ein Vorfall sidk 
ereignete, lieTs der..Irrthum im Beobachtia 
oder Handeln sich vielleicht unwidarspreck- 
lich darthun , nicht in der Eh^ernung , nickt, 
wenn alles ge^idigt ist. Die Vreit gehendft 
Verschiedenheit der wissenschaftlichen iJH 
sichten und Meinungen in der Medicin kenat 
jeder, und keiner ist befugt, seine indivi- 



--. 111 — 

Uebefzeugniic einem andern Arxt auf- 
en« Jeder Tom Staat anerkannte Arzt 
chtist, Krankheiten zu beurtlieilen und 
indeln , 'wie Beine 'Wohl erwogene Ue-i^ 
üg tmd aelbatatändige Einsicht et ilun 
oibt* 






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Mein geehrter Freund hat sa viel YortreC- 
Uchet und erschöpfendes über die Angabe 
gesagt I dals mir nur übrig bleibt, noch einigl. 
kurze Zusätze beizufügen, die ebenfalls dal 
Resultat eines langen, und unter den mannidi» - 
faltigsten» ja, ich kann wohl sagen«, natiir 
allen denkbaren Verhältnissen des ärxtlicIiMi 
Standes I durchlebten^ Lebens sind. 



Hat Stttiorau 

Der hier aufgestellte Vorschlag hat leb 
schäne Seiten , und ohnerachtet mancher, audk 
schon Ton Hrn. StiegUtz bemerkter , InconTe- 
Bienzen, verdient er dennoch nicht ganz auf 
die Seite geschoben zu werden. Im Grande 
ist es die Idee, die auch bei den ehema- 
ligen Colkgüg mtdUk und Facultäten (ohne 
Lehranstalt) zum Grunde lag -— genug 
ein Vtrdn auigezeichneter f vtrditiUtry ' Airüif 
dazu bestimmt f auf die fVilTdt der Kunst und 
des Standes zu halten^ das Profant und UnwÜT' 
dig€ auszuschliefien , Strdtigkdttn unter Aerztsn xs 
ichlichtenj auch gemdnschaßlich dch über dsi 
BtMte der Wissenschaft und du GesundhdtMPPohbf 
SOivofü du Ganzen als du Einzelnen^ zu btraümn. 

Aber wodurch sind jene achtbaren Einrich- 
tungeo stt Grunde gegangen? -^ Darcb die 



t!b!^.]^eGw: sich njdit ^s Gute der Sadi»' 
t»M\ ohoe .9i* •!>■& gvuet«li BedenJkliqliri 

D .I^(^ ]!^chtlLfl^«? — ' ^ KbUgs ^uw«^ 

»nm Ahatokrstie -r— «in ^ninrot — ror. — -| 
Alter giebt ein Supremat der Reife onA 
irfkning , -waldies in der Piatiir lelbit be- 
tet ist , und Tbn aUen Menschen , gesit- 
and ungesitteten, von jeher anerkannt 
L«).^^. Rieses Supremat ist in derJtle- 
i Yoizi^Ucn wichtig, da sie ja ganz allein 
EK&rSBg benilit. Das Altec -giebt fqtner 
9ÖbaM,fr«älitit io ^ubetn, oft stüceiKf^ 
und cirwgenden, Verbältnis*en ,' uqd :i||t, 
K^i,;.wo.nMui, mehr, oder "weniger,, iiait; 
Welt abgeschloqseu hat, wp jene Aaspjfü'. 
mben^ diq i^is früher bq oil. mit den tiu- 
i'Vfa^älffangen und Kollegen iin Konflikt 
fdiäli^nelime Lagen setzen. Das AlteVlM' 
leh £• Zeit, wo awjh- von ihrer Seiftr' 
die-Regnngen der Eifersucht, des NeMWi/' 
Uifstrauens und der Mirsguust , wenige^ 
bepoigeQ sind. — Einem Alten gönnt 
. die Eitelkeit und Anmafsun;! eher einen 



-«- 114 r -- 

gfinMg weil .j9r 'uto^tohettVinfilir ^k^b^ ^i4|.'.| 
entbun^ien von 4^jii gewölinliclij^p luftibe^iitlV'] 
Lebens , selbst ypn, ieji, Yj^rg^u^Jji^timi^JPfiäMiHi 
a»eaen in dem^ ^Tjs^eusdi^ftlkk^Sft^«». (e^et^oi^ 

der einzige Verein untiBi'aBif «iVifÄ ,'' äi/* 
zur Erbauung der /Vyürde des Standes gß^g- 
net iinä jenen' Fofjerüiig^ii'eiijis&ecJieiW 
Die »auptb^dfciaii^^STe ! atfo ^'iWijt EtnM^ 
dafs inftti a^^si SOkter-Jahr ifiediblitf: /UüA:^ 
mit Ehren erreicht iatte. i-'xrlc.-i-.iM .. . 

• * ■*. ..•-.'. :b r"' •■' '•^" - -■,. j.-.' ' • ■• ■'» 

V.!- ; . : •' . . :i.>, . . *•"■'. ' >'•' i ■ J -tf .''f 

• iTebÄT Äie lV€nniirter der Chi'rurgk^^ikfnf Jbt' 
Mtihlri^ nheji M^iko^ Chirurg^y tib^f'F^W 
und Röutirüitt i ' habe ich khich A tf dlöh ' fj^tthtar/' 
bei Gelegenheit Von M^rs Schtift*, - ia dieidi' ' 
Journal ausführlich eiUärt. *;'iJ'-ü- ii^ '/ M. 

Diese m»i|ie. Grundsätze sind nocl^ jettzt ^e; 
aehmjlj^en fl . uqä..e3 J^ommt h^pr nur darfiu^ 
w,^ eie ^er .!\yel^;, . so wie sie ist^ und 4er. 
Lokgp und dein ' BedürfniiJs fdfi». Staats y mvm* 
passen. 

So gewils das Heilg^schäft in seinem Grund-^ 
prinzip nur einVl ist, es "mag 9ich! mit den^ 
Jieufierlichen c4er dem InnefjichtnJTSLenhdieä^ 
beschäftigen, es mag Arzn^Ilgh^ODeif' Insfrö^ 
inentb zur Ausführung seines ' yViilbdiis' |;e-j 
firauchen ; so bleibt es doch eben so wahr, d&b 
Beides, die Beha|idlung äufserer U171& die Be^ 

«} 8. Jornnudd, prakii Heilk. XXFL.Bßiid. \ ', 



— 115 — 

Vaidlaag innerer Kranken , eine verschieclen^ 
Biditung des Geistes verlangt, und auch am 
Ende giabt; das innere Kuriren^ als Descliäl- 
tipng mit dem Unsichtbaren, inelir eine ßich- 
(uig zum Unsichtbaren, zum Abstrahiren, zum 
tiafiNn Forschen ua4 Nachdenken; das Kiiri- 
KB äufserer Uebel aber mehr zur slnnlicheü' 
Wahrnehmung, zu;r Kultur der Sinnlichkeit, 
nun Aufiassen äulserer Gegenstände, und zu 
naaueller Geschicklich]^eit. 

Diafs hat sich auch in der Erfarung durch- 
iQS bestätigt. Es ist unmöglich gewesen , iu 
Beden gleich grol!» zu werden; entweder prä- 
Talirt das Eine oder das Andere , und ein 
eminenter Arzt wird nie ein eben so eml- 
nenter Wundarzt seyn, so wie umgekehrt. 
Ja d!iese rerschiedene Geistesrlchtung hat sich 
dadurch wissenschaftlich am besten ausgespro- 
chen, dals alle kpeciilatiyen Systeme der. jVIe-r 
dinn nur von Aerzteh ausgegangen sind^ da' 
wir hingegen den Chirurgen desto mehr sinn- 
lich erkennbare Bereicherungep. der Kunst, 
und das Festhalten an richtigen Erfarungs- 
sitzen, zu danken haben. 

Hierzu kommt nun noch, dafs es noch 

eine niedere Stufe der Chirurgie giebt, wel-, 

che sich blofs mit den leichlen , rein mauuellen 

und mechanischen, Operationen beschäftigt, 

irozn gar keine Wissenschaft der eigentlichen 

Heilkunde erftirderlich ist, und welche nur 

als mechanisches Werkzeug zn betrachten ist : 

tm Klasse der Badern welcher alterthümliche 

Bame am besten für sie beizubehalten wäre, 

ot sie Ton den wahren Chirurgen zu untere 

scheiden. 



-^ 115 - 

Et fibt «b«r taAch eine cweite V«V 
denheit der Heilkünstler, die sich auf die^ 
tentchafi und Otlahrthtit giüadet. — "Bät\ 
nelimlich das Technlsclie lait gHiodllchM ^ 
senscbflU verbunden seyn, oder nicht. — - 'DMW 
stcre 'SoU der Doctorgrnd aoeeigeD,- niid'äM 
gicbt nlso den Unterschied von promoriitMJl 
und nicht proinovirlen Aeizlen ; Aerzle, Vreicltlf \ 
jnit der Technik wirkliche gelehrte -aitA wi " 
seoschaflhche Bildung verbinden, and Ä«S( 
■welche nur lo viel "Wißaenschaftliches besitz«, 
als xuF Ausübung ihrer Kunst ra-forderlfi» i»r.l 

Wir hatten also drei Klassen von A,t 
Xhctoratt C/iinir^cn, und Badtr. -.b mXhw 

Die Doctoren wären für die 
Städte, für StnatsbedienungeQ, PhysIkaVp^: 
deuiische Stellen, bei|tjv>iut. Insbesondere 
es rdr die rhysilLat8st.elleii sehr wichtii 
der rhyaüus einen geÜtiigen Grad der ( 
stesbilduog, auch in deu HüirswiAsenseni 
len, Physik, Chemie, Naturgeschichte, b^si^ 
weil er gewöhnlich der einzige ist,, der \Q}, 
niinftige Aufklärung über Natiirgegenstäade aS 
dem Lande zu verbreiten, und dem AhergtaiS 
ben entgegen zu arbeiten veimüg. — . D» ' 
Auszeichnung liegt in der Knlur ihrer hol» 
Bildung, und ist auch zugleich uüibigy ■ 
zu veiiiüten, dafs nicht der Werth der jfc 
lehrten Bildung sinke, und die Medizin' ^iftty 
lieh zur blofsen Technik werde. ',-, 

Di« Chirurgen. — Sie würden -vrisdeT W 
zwei Klassen zerfallen. — Zuerst solche, -wit'i 
che zugleich eine vollki/mmene medizi^sAat 
Bildung erhalten haben, und also mich'^dH" 
konunene Berechtigung zur 



lielt 



— 117 — 

Aotb IiStMiy tknA solche, mit unTolIkomiriefler 
«itbo beschränkter frlaubnifs. — Sie würden 
fmagUch in kleine Städte und auf das platte 
ImI SU Tertheilen seyn. — Also nicht Me^ 
tB^^Chirursi^ sondern Chiriirgo •* Media ^ denn 
ki ihnen mnfs die Chirurgie das Yorherr- 
lektnde sejn, weil auf dem Lande weit mehr 
cUrar^sche als medieinische Hülfe nöthig ist, 
ind "weil die gewöhnlichen auf dem Lande 
nNrkomraenden Krankheiten von leichter und 
sinfischer Natur sind und weniger tiefe £in- 
uAlen erfordern. Ich schlage daher auch 
vor, für diese Klasse den Namen Chirurgen 
beinbehalten, einmal, weil doch hei ihnen 
die Chirurgie das Vorherrschende ist, zwel- 
teut, weil dadurch auch im bürgerlichen Le- 
ben der BOthige Unterschied zwischen ihnen 
omI dem eigentlichen Arzt ausgesprochen wird, 
und endlich weü sich dann alles eher in die 
äittmil bestehenden, auf jenen Unterschied ge- 
pnndeten, Staatseinrichtungen fugt. — > Hier 
hitte also die grofse Zahl der nicht schulwls- 
MisehaiUich gebildeten, sondern mehr in der* 
Technik aufgewachsenen, Chirurgen und Bar- 
biere ein grobes Feld , sich ein gehöriges Ein- 
kommen zu TerschaiFen, und dem Staale nütz- 
Bdie Dienste zu leisten. — Nur müfste hier- 
btt- besonders auf eine gewisse Reife des Al- 
ters gesehen werden, weil liier weit mehr 
auf Erfarung ankömmt. Die Chirurgenschu- 
lea, welche die Prenfsische Regierung errich- 
tet, werden zur Bildung dieser Klasse von 
pefeem Nutzen seyu. -^ Auch wird eben 
kierdurch der Werth des Doktorgrades noch 
nriir gehoben und man in Ertheilung dessel- 
km strenger sejn können , da man auch aufser- 
^mdieErlaubuiliizn prakticiren erhalten kann»' 



— 118 — 

Die Bader eudllch würdeu^ wie 'biaher,! 
in den Städten und auf dem Lande, für (litt: 
kleinen chirurgischen Geschäfte , Schropfeii 
Aderlassen, Klystiere, Yesicatorieu, VisdbiHi 
den u. 8. w. sorgen , auch dahei das BaxbiBrt 
ren — eine sehr gute Uebung der Haiid'^ 
fortsetzen können, aber immer unterg^ordmlt 
und unter Aufsicht der beiden obeu KJairti» 
zu handeln haben. 



.) ■■* 



t 



* 



Bildung. .'^^ 

Was die Bildung der jterztt betrifl!)b|,^ yt, 
das wichtigste, und das, was besonder j^ft^fft.- 
am meisten Noth thut . — Cründlichktit^, Ulm 
heilst aber recht eigentlich nach dexn^AYortf 
genommen : das ganze^ Wlsien und Thun nnf^ ^ 
festen 'Grund und Boden haben» — - Dieser fbit^ 
bleibt immer und ewig das Studium der ajftl4 
Klassiker in den Schulen, die klassische Siiiaft 
bildang, die uns leider eine Zeitlang die msiaigk 
aufgeklärt sich dünkenden Pädagogen verdfäng^' 
und überhäufte encyclopädische Sacfal^eDiilM 
nisse an die Stelle gesetzt haben. -Ali«r,Mi 
rergafsen. dafs nicht das Multa^ Bondam cM > 
Multum die Hauptsache des UnterridiU ii^J 
dafs nicht das Objective sondern das Subjectivt, | 
das wichtigste bei der Erziehung ist, 4aCB CiMh 
centration des Geistes das Hauptziel bei iß 
Bildung des kindlichen und jugendlicheu Cjü* 
stes ist, statt deren man aber Dlifu^ioi^y. Zp^, 
Streuung, durch die vielerlei sich abwechiflfii-. 
den Gegenstände des Unterrichts, ja .dordi 
Geist erschlaffende Spielereyeu, an die SteD«. 
^e^etzt hat. — Man hatte yergessen , ißHk, 



u« 



— 119 — 

ilis 5fudiDlll der Mten Sprach en,* das Latein 
tfod dfis Griechische, nicht blofs dazu dien^ 
len, den Knaben Latein und Griechisch zu 
lehren, sondern vermöge der Natur dieser 
Sprachen, und des Karakters der darin ge- 
sdiriebenen Schriften, besonders der Lateini- 
schen y die allerbesten Mittel seyen , den Geist 
tu stärken und zu bekräftigen, ihm Ord« 
nung im Denken, Ernst und Griindiichkeity 
einzupflanzen, und dafs das gründliche Stu^ 
(liam der Grammatik zugleich ein Studium 
der Logik sey., -— Diefs ist so gewifs, 
dafs man es jedem, auch dem besten Kopfe, 
durch sein ganzes Leben , selbst als Schrift- 
steller, anmerken \?ird, wenn ihm dieser Theil 
der Bildung gefehlt hat; und ich sage nicht 
za viel, wenn ich behaupte, dafs jene Gedie--* 
genbeit und Consequenz im Handeln , und jene 
Frädsion und Klarheit in der Darstellung^ 
wodurch sich die Englische Nation in unserm 
Fache auszeichnet, hauptsächlich jenem Klas- 
sischen Studium der alten Sprachen zuzuschrei- 
ben ist, was bei ihnen die Grundlage aller 
Erziehung geblieben ist. — Wovon ist alle wis- 
senschaftliche Kultur in Europa ausgegangen? 
Von der Einführung und dem Studium der alten 
Klassiker ; Und wodurch ist es in neuern Zei- 
ten wieder erweckt und gereinigt worden, 
wenn es gesunken oder verfinstert war ? Durch 
die Zurackkehr zu den klassischen Studien. 
Und können wir es läugnen, dafs das, was 
uns in der letzten Zeit am meisten gefehlt 
kat, eben Mangel an Gründlichkeit in der 
Wissenschaft und im Handeln, Vorherrschen 
ier Phantasie , und ein grenzenloses Hingeben 
«a Hypothesen und beständiges Haschen nach 
Aeuem gewesen ist? 



~ 120 ~ 

Das, was dieser Yerlmuig die Krone 
aufsetzte, war nun die VernachläTtigiuig der 
Latinitäty die sich unsere hohen Schulen^ settiel - 
bei Erthdlung da X}o€torgradt$ und den Jnott- 
guralprüfungtn j zu Schulden kommen liefeen« 
und dieses war der Hauptgrund, warum die 
Preulsische Regierung auf ihren Unirersitäteil 
strenge darauf hielt ^ das Examen in hiteini^ ^ 
scher Sprache, und die öffentliche Vertheidi« 
gung der Dissertation in derselben Spraehe, 
cur Bedingung der Ertheilung des Doctorgra-f . 
des zu machen, und nur einen solchen ab ' 
rite promotus anzuerkennen *). Und mit.Veiw 
gnügen bemerkt man, dafs nun auch an- 
dere Universitäten ihr gefolgt sind. 

I 

Diese Strenge wirkt selbst heilsam« zurucfc 
auf das SchuUiudium der sich der Heilkunde. 
widmenden, und auf den Schulunttrricht ^ in 
sofern nun die Latinität als eiuA weaentUche ^ 
und unentbehrliche Bedingung dazu betrach« 
tet wird, und billig sollte niemand zu dem 
Studium des Arztes (die Chirurgen sind anjH 
zunehmen) hinzugelassen werden, der nicbt 
diesen Grad der Bildung nachweisen könnte. 

*) Es wurde deshalb «ach ein Nostrificationfesfiv 
amen eingefahrtp und man hat diea sehr nn« 
rechl ▼ersunden, wenn man glaubte, et b«* 
röge sich auf dio durch ausländische UaiTev» 
siuten Promovirten. Sondern ea besieht eich auf. 
auf diejenigen, welche nicht rite -pramoti^ das 
heifst, ohne vorhergegangenea lateinitchea Sfes* 
amen , ohne ö£FentHche Vertheidigung ihrer Dit^ 
aertation in lateinischer Sprache, promoTurc sind« 
So hatten s. B. Doktoren, die in Leipsig, Prag^ 
oder auf Hollindischen UniTcraitUen proipOT.irt 
^vraren, genug überall, wo die alten Inatitiuio- 
Sien noch in Ehren eehalten wurden, das MottH* 
jficttionsezamen nicht nöihig* 



— 121 -• 

Dl« Zweite Bedlngang des gründlichen 
Sfodiuma ist: die ZäU — Jedermann vrird 
eimehen^ dafs, bei dem Umfange, den jetzt 
ft einzelnen Theile der Wissenschaft gewon- 
iM haben, bei der Nothwendigkeit, die Hülfs« 
msenschaften noch zu studiren , und bei den 
n wichtigen, auch erst in neuem Zeiten ein- 
gerührten , praktischen Uebungen , der ehema- 
E^ Zeitraum von drei Jahren für das Stu- 
dmm der Beilkunde viel zu kurz sey, und 
lab 4 Jahre, ja, wie es in Oesterreich und 
Ffinkreich gesetzmäfsig ist, ö Jahre dazu er- 
ibiderlich sind. 

Endlich aber auch die Ordnitng dt$ Stu^ 
Aangy und die Vorbereitung durch die nöthi- 
gen Grund- und Hülfswi^stnschaften, — Nur 
erst vreDn sich der Schüler durch ein gehö- 
riges Studium der Physik^ Chemie, Natur- 
wissenschait , Botanik, rhilosophie und Fsy- 
chologie, Anatomie, Physiologie (allgemeine 
JUnntnifs der Natur und des Organismus), vor- 
bereitet hat, gehe er zu dem Studium der Heil« 
lunde (Kenntnüs und Behandlung des kranken 
Organismus) selbst über ; Hier zuerst ein griind- 
Uchea Studium der allgemeinen Pathologie, 
Semiotik (im Geist der Alten) und allgemeinen 
Therapie, und dann erst zur speciellen The- 
rapie und Praxis. — Hierauf sollten die Fa- 
cnliäten sehen, jedem Candidaten beim Ein- 
tritte diese Ordnung vorzeichnen, und ihn 
nicht eher zu den praktischen Studien hinzu« 
lassen , als bis er nachweisen konnte , dafs er 
ik theoretischen, die Grund- und Hülfswis- 
ienschaiten, gehörig getrieben habe, wozu eine 
^lnfong in der Mitte des Studiencursus — an 
der Steile des Tentamen , wuis Tiele Fakujtä- 



» 



fm knrz rar <ler InangnTaipriTfinig 

-^ ciaa paasefuiste ^Trore. - '^ 

Gnnz andan Meilt §uSl <&« niTrTiiBg 
CIiiTurjen. — Statt daid b^ den. 
chimreiisciie und abstrakte Bildung 
üitui maüien. and daniL «^zst zu 
in («onczetn ibersei^^aiiezi wezden znuis^ 
bei der cliirursisi'Iien Bildiuzi^ gieirli (Ib 
Dl IIS mit ief smuilciiexi Frkpnntnüyi ^ 
und 'lile tiiei3r^isciieii L&IirezL gleich. 
lir.h. und in >ier Anwemiim^ gezei^ 
Dnhf^r «»ine ^otrhe Bildunsr am bestot ia 
diii'di Küspicäier. in besTändicön. L" 
JbLfaaken, bewirkt werdea wird« 




RichtizH, UrMlskraft Ist bei dem Arzt fis 
K;«iirW4.'it:h«. T.i ^IchtTirer noch als das tUa 
Mi-^-ea» denn wns hilit alle» Wissen , wenn 
er «!? ni'^ht zur rerlUen Zeit, am rechten Oft, 
Hl ätriiöriiiem 3£aaidy M mit Berücksichti^BB^ 
der hebendem IndlvidaalitJt, anzuwenden 
steht. Daher sollte sowohl bei der 
aJ^ Lei der Prüfung darauf mehr Aöckaicfct 
genommen werden , als bisher. 

Zur Bäflwig derselben dient allein im Gan- 
zen des medizinischen Studiencnrsus : die J3- 
nik; Aber eine solche, wo er nicht blob hört 
lind ftieht, was der Lehrer thut, sondern wo 
der Srhüler selbst thätijp wird, und zum er- 
Meninal seine Geisteskräfte und gesammelten 
Kenntnisse durch Selbstbestimmung auf be«* 
sondere J^älle cgncentriren , richtig anwenden»' 

und 



-- 123 — 

' tal so ins Leben einfuhren lernt. — Hierin 

liataptsacUidi liegt der unschätzbare Yortheil 

•oldier Atttalten, aber sie müssen auch auf 

^^^1^ Alt {diandhabt werden, so daüs dein 

Scbfiler dar möglichst freie Gebrauch seiner 

, IMieilBknA gestattet, und die Auflösung 

des Räüueb ihm überlassen werde. Daher 

i*t die, in guten Kliniken eingeführte Ein- 

^ nchtnBg 10 wichtig, die Zuhörer in zwei 

^ ^SMüf aucultirendt und praaicirende ^ einzu- 

l weilen, nndsie erst eine Zeitlang nur zuhö- 

: Kn jmd miehen , genug die Klinik als le- 

* Jj""^ Cbmmentar zur Pathologie, Seinio- 

"*» Therapie, benutzen zu lassen, und d«\nn 

«»t tte zur Selbstthätigkeit anzuführen. 

Eben dieses gilt von der Pri^g. Auch 

, ™' p^bt es keine andere Gelegenheit , das 

FWüidie Judicium des Candidaten kennen 

2^j^«ö, als die Prüfung am Kranktnhtm 

. "*' *'inische Kursus , wie er bei uns heifst. 



Prüfung» 

cifßJ^*]|kommen wahr und mit meinen Au- 
V«i ^l^creinsliminend ist es, dafs die PriU 
s Q lucht blofs dazu dienen, den Gehalt 
ijl ^ndidaten zu bestimmen, sondern noch' 
^^^^ehr, den Fläfs der Studirmdtn zu v<r- 
icK ^ und ihm die gehörige Richtung zu geben» 
» ^ möchte fast behaupten : Ihre Rückmr'^ 
^^ ist wichtiger und sicherer , als ihr £r^ 

^Uriv LZ. B. i| Su I 



-r- 124 1- 

Oeslialb sollten sia auch xaebt mdi die^ 
sen Gesiditspunkt eiogerlclxtet und bexiatst 
werden. / 

Dannn , Mrie oben gezeigt ii^urde, Grand-« 
Uchkeit und Wissenschaitlichkeit die unent- 
belirliehste Bedingung des volULdmmen gebilde« 
ten Arztes, des Doctor^ ist^ so folgt, daJk 
aucb die Prüfung zweyfach seyn müsse: eino 
muenschaftUche und eine prcktUcht, 

Zu der wUsenschaftUch gelehrten eignet sich 
am besten die akademische Früiung , die der 
. Dpctorpromotion vorhergeht; — . das Doct^r* 
exameru — - Denn der Name Doctor zeigt schon^ 
dals ihr wahrer Zweck seyn soll : zu bestim-i 
men, 6b der Candidat gelehrt (^doctus) genug 
&^7, um die Meisterschaft seiner Kunst zu er- 
halten, ja selbst andere sie zu lehren. — « 
Der Akt der akademischen Promotion, die 
Ertheilung der Doktorwürde darf, nicht als 
eine J^andesinstitution betrachtet werden, son- 
dern er gehört der Geisteswelt , der Welt der 
Wissenschaften, der gelehrten Republik, an, 
welche über die ganze Erde verbreitet ist, und 
keinen Unterschied von Nation, Sprache und 
Verfassung kennt, sondern sich überall gleich ist. 
Daher die Meisterschaft, die sie ertheilt, über« 
all anerkannt wird, und ein Doctor ritt pro»' 
motus in der ganzen civilisirten Weit als sol- 
dier gilt. — Daher ^ die grofsen ritterlichen 
Privilegien , die ihm ehedem von Kdser und 
Reich ertheilt wurden, daher das grolse An- 
aehen, in welchem er stand, und in welchem 
er in \zwei andern Fakultäten , der theologi- 
schen und juristischen, noch je^zt steht. Dieses 
Ansehen kann «r wieder erlangen , wenn die 
Fakultäten es wollen, und es sollte ihr groJb- 






— «25 — 

er Rnlim f«jm ^ es xu bewirken; Sie Lonoen 
■y wenn lie mehr Strenge bei dea Prüfun« 
;en anwenden y und mebr aaf gelehrte SchuU 
ddong, Humaniora, nnd griindiiche Wissen- 
chaftlichkeit in der Medizin, die Gmnd- 
nd HiilfinfisBenschAften , das Geschiditlidie 
nd Ldtterarische der renchiedenen Theile 
er Heilkaade, und weniger auf das Prakti- 
che sehen *). Sie werden es um so mehr 
Dfinen, wenn der Staat den nicht wissen- 
hafUicli gebildeten auch ohne die Doctor- 
Krde die Ananbnng ihrer Kunst gestattet; 
id so, wie bisher, das Ittitleid nicht zur 
idkaicht Verfuhrt. 



Die fTcbüeht Prüfung wurde nun der ror« 
igjliche Gegenstand der Staatsprüfung seyn, 
I wie überhaupt alles , was das besondere 
iteresse und die Einrichtung des. Staats for- 
\tif in welchem der Arzt seine Kunst aus- 
ften will. *— Hier sind nun die klinischen 
rufungen am Krankenbette die Hauptsachei 
ndr diese sollten mehr dazu benutzt werden, 
icht blols zu erforschen I was der Candidat 
A praktischer Hinsicht K^ei/i, sondern haupt- 
schlich, wie er es im concreten ¥aU anweti' 
tf, sein praktischiM Judicium, worauf am Ende 
lies ankommt. 



Za hlbestimmung: 

Ueber die Zahlbestimmung der Aerzte an 
inem Orte, erlaube mir mein geehrter Tor- 

*) Sehr ehrenToU seichnet sich hierin die Uni« 
Tertitit Leipzig aal, welche diese witten* 
•chaftliche Prafung unter dem I7anien der 
Baccalaureatfprflfiing , vorbeigehen» and dann 
•rat die mebr praktiicbe folgen liftt. 

12 



— 126 ^ 

ganger nicht ganz mit ihm iibereinzustiimneft/ 
So sehr die Beeinträchtigung und Verdränguog 
eines durch eine lange Reihe von Jahren ini' 
Besilx der Praxis sich befindenden yerdienten 
Arztes durch jüngere, sich eindrängende, Kol- 
legen, Rücksicht verdient, so leicht durch diess 
Ueberfüliung,. der Gemeinheit, Niedrigkeit undr 
Schlechtheit, Thür und Thor geöifnet ^rd;. 
Eben so sehr scheinen, die grojsen Vortheilfr 
der Concurrenz und der Freiheit, auch grofiM^ 
Berücksichtigung zu verdienen. — Nitht um- 
sonst hat unsere Kunst sich von jeher zu den' 
freien Künstea ge^^ählt:; und hat nicht dieJEr-' 
farung gezeigt , dafs jede solche Beschränknn^i. 
Zunftgeist 9 und dieser seine Genossen , -den - ' 
Nepotismus und Geistesträgheit , herhei gefahrt. 
hat ? — Hier ist also unter zweien liebeln «n! 
wählen , und das letztere scheint mir mit des j 
wenigsten Nachtheilen für das Ganze v^rba»;i/, 
den zu seyn. Nur sichere der Staat, Tjk^so^flf^, 
auf dem Lande, den Verdientern yqx JfA" * 
rungssorgen durcJi ein fixirtes Gehalt, Wi^cbei 
in Preufsen durch die besoldeten. PhTsikats- 
stellen geschehen ist. Auch w^re in., dieser 
Hinsicht gar selir zu w^ünschem » was a^dl 
schon an vielen Orten {geschieht , dafs.d^eComr, 
munen durch Aus^tzung eines fixen Gehalli, 
ihren verdienten Arzt zu erhalten und ihm 
vor Mangel zu sichern suchten. . 

Die scheinbare Ueberfülluug .mit Aersta 
wird sich allmahlig durch sich selbst aussu- 
chen , ^ ja sie ist im Grunde nur scheinbar^ und 
mehr eine ungleiche Yertheilung^ da es noch' 
ganze Distrikte giebt, denen es an guten Aen- 
ten fehlt. 






— 127 — 



II. 

Kurze Nachrichten 

» 
und 

Auszüge. 



1. 

Cuckkku und Arbeiten der Med. Chir. Gesellschaft 
zu Berlin in dem Jahr iß&4* 

•L^CB g. Januar. Hr. Staats Rath Hufeland eröffntU 
4u Siuang durch Mittheilung einiger Nachrichten 
Aber die Wirksamkeit der Gesellscnaft im TerAot« 
senen Jabre und ihre erweiterte Einrichtung* Hr. 
Professor Osann, als correspondirender Secretair^ 
theilte mehrere Schreiben auswärtiger Mitglieder 
mit. Den Schlafs machte ein Vortrag Ton Herrn 
Staats Rath Hmjeiand Aber den jetzigen Mifsbranch 
von Blutentziehungen in der Heilkunst. 

Den 6. Februar: Hr. Geh. Rath Erhard über 
oEficiell einzureichende Krankenlisten , und Vor* 
schlage SU einer tweckmäfsigen Einrichtung der« 
selben. 

Den 20. Februar: Hr. Ober-Medicinal^Asiesior 
Sehrader fiber Alcaloiden und ihre Entdeckung, und 
ihren Werth fAr die Mediziii. Hr. Staats Rath Hu* 
felmnd tbeilte mehrere Correspondenz-Nachrich(.en 
mit, und Hr. Hofrath Kuntzmann den Sectionsbe« 
licht eines Kranken , welcher während seiner Krank- 
)i«it reinea Fett im Stuhlgange von sich gegeben 
iiattc« 



-- 126 — 

; Den 5. Miln? Hr« Gelu Rath Link Aber BfU» 
beitutig einer Phtrmacopöe , und TorUufige Notiiotf 
Aber die neue Preuftiacbe Pbarmacopöe. 

Den 19. Mars i Hr. Geb. Rath Link letite aeina 
Mittheilnngen über die neuern Verbesserungen der' 
Freufsiachtn Pbarmacopöe fort. Hr«^ Dr. Caspfr 
tbeilte einen Beriebe über die im vorigen Jahre in 
Frankreich gemacbten wichtigen Entdeckungen und 
Erfindungen in dem gansen Oebiete der Arsneiwii« 
•etachaft mit. 

Den a. April. Hr. Dr. Boehr über die Aa- 
ateckungsfähigkeit der verschiedenen syphilitischen 
Secrete. Miubeilung einer interessanten, von Hm« 
Regierungs Rath Nitmann eingescbickten Beobaobi 
tung über eine merkwürdig verwickelte Nabelachnnr« 

Den 23. April : Hr. Dr. v. Stosch über denFriesel 
und seine Complicationen mit andern Krankkeiten. 

Den 7. Mai: Hr,. Dr. Krause^ swei Beobaoh* 
tungen über einen Volvulus und eine Carditii. 

Den ai. Mai: Hr. Obcr-Medicinal-Assesaoi 
Stdberoh über Vergiftungen durch Schwefelsäure 
und Blausäure, und über die beste Methode, die 
letztere Vergiftung nach dem Tode eu entdecken. 
Wozu er die Goncentration dea im Magen befindli- 
chen Gifts durch eine zweite Destillation im wirk« 
•amsten gefunden hat. 

Den 4. Juniust Hr. Dr. Schmidt über die Rni- 
aiscLen Dampfbäder, ihre Geschichte, ihre zweck* 
mäfsige Anwendung und ihre Gontraindication. 

Den x8. Junius s Hr. Dr. Schulz über die Vor. 

Büge des Sonnenlichts bei microscopischen Unterw 

aucbungen der Säftebewegung in Pfianzen und der 

Blutbewegung 9 zur Widerlegung mehrerer ihm ge» 

'machten Einwendungen. 

Den 8. Julius : Hr. Geh. Rath Hermhstädt vor* 
läufige Analyse der neuentdeckten Mineralquelle zu 
Muscau in Schlesien. Hr. General • Stabs • Arzt 
SHtiner über das Wasser als Fragment einea grö« 
Iiern Werkes: über die Mitul, die'Geaundheit der 
Soldaten im Felde zu erhalten. 

Den 16. Julius s Hr^rofessor Heeker über die RA. 
mische Medicinal - VerfissuDg in Beziehung auf die 



— 129 — 

Uigtrlielieii Terlilltnififl slnimtliclitr Madicinal- 
Anonen. Mehrer« Correipondens * Nachricht^ 
worden jnitgetheilr. ^ 

Den 5o. Juliats Hr. Prof. TVolfarih über dM 
Bbuy stem , in besonderer Beuehang aaf Blatenl^ 
liibangen. 

« 

Dan s, Angasti Hr. 8taati Rath Hufeländüh9i 
£• diefsjübrige PocKen - Epidemie, und über die 
iiiceckangflarC dea Pocken -ConUgiums. Hr. Dr. 
Khuusch Beobachtungen über die Öchädlichkeit der 
5cbn&rleiber. 

Den lo. September: Hr« Dr. Caspar über den 
Selbatuord und über die Ursachen seiner Zunahme. 

Den a4* September: Hr« Dr. Casper setzte seine 
forige Abhandlung fort. 

Den 8- October: Da Hr. Geh. R. Kluge abgehal- 
ten «ar, seine Vorlesung zu halten ^ so wurde statt 
dessen eine von Hrn. Geh. Rath Schaeffer einge« 
sandte Abhandlung über die Oßfsner* ^chen Wuu« 
flerknivn vorgetragen^ und hierauf vom Hrn. Pro- 
fessor Orann Herrn Ekströms] Beobachtung über 
die diesjährige in Schweden so häufige Hy^bpho- 
bie nitgetheilt. 

Den S9. Oetober : In Abwesenheit des Hrn. Pro-* 
iMSor Reich wurde eine Abhandlung des Hrn.^ Pro- 
fsss. Kisser vorgelesen : über den entsfindlichen^ 
Charakter der bestehenden epidemischen Constitu- 
tion des letzten Qninquiennium und ihren EinAufs 
aof die medicinische Theorie. 

Den 5. Novbr«: Hr. Geh. Rath Buit Bericht 
Aber die mit dem bekannten Grabe in der Charito 
aa^estellte Untersuchung; femer die Resultaae der 
SBic dem Hellmond^schea Mittel gegen den Kxebt 
sagescellten Versuchen. 

Den ig. Novbr.: Hr« Profess. Osann Bemerkan- 
{ea aber Wiesbaden und Ems* 

Den 3. -Decbr. t Hr. Dr. Bremer zwei Berichte 
Iber natürliche Pocken nach der Vacoination » aus 
London und Baltimore , nebst eigenen Beobachtun« 
{u über diesen Gegenstand, und die bei uns er- 
probte Schuukraft der Vaccine« 



— 130 — 

Dm 17. De«bT. : Hr. Prof. OtaMu FoTttatuif 
feiner Bemerkungen Aber die RBeii;ibäder , nameilp 
lieh Sclilangenbad » Fachingen und. Selters. 

Es wurden in diesem Jalir %a MitglUdirn tnC> 
genommen die Herren D.^ Eiben und Muhr^ val 
sum oorrespondirenden Mitgliede, Hr. Geh.- &aik 
Schaff er in Regentburg und J. Copland in London. — 
Die Oesellichtfc erkennt mit Dank die litterariiej^ 
Geschenke 9 wodurch die Herren Deljfech^ VrMu 
Julius, TanCini, Paganini, Frik, o. •• difl Bibliotkll 
Termehrt haben. 



2. 

ßad^ • Chronik vom Jahre 1(594^ 



^ 



!• Pyrmont. *^ üeber die Mineralquellen dsisMt, 
Von Hofrath Dr. Brandes und Aledieinmlrath 

Krüger» 

Obgleich die Fyrmonter Mineralqaelleli 9 WiL 
che ichon Jahrhunderte ihre hohe Kraft bewthftii 
von dem Terewigten fVestrumh naeh dam duuüi 
gen 8ttnd« der Wissenschaft meisterhaft iint«nnflll 
sind; so konnte diese Untersuchung bei den raschM 
Fortschritten . welche die Chemie seitdem gomaehl 
haty den Anforderungen nicht länser genflgen; du 
her uns der ehrenvolle Äufirag su Xheil wurde, dit 
sämmtlichen Fyrmonter Heilquellen aufs nen« ckiv 
misch SU untersuchen. Wir haben den höchstn 
Auftrag mit möglichster Sorgfalt aus^efa^ic, uad 
unsere Analysen mit andern pbysicahsohen Beob> 
achtungen, in einer besondern Schrift dargastaUj» 
welche niichstens unter dem Titel: i^Nene -phyHF 



calisch 
su 



isch - chemische Beschreibung der HeHqKtlWB 
Pyrmont/' erscheinen wird. 

Auf diese Schrift hinweisend , erlanbea ^rir ■■• 
nur 9 um dem Verlangen mehrerer Aerste GenAg« 
SU leisten» vorläufig die Resultate unserer Ontrt- 
S(iehang der TriakquelU hierdurch bekannt so ■•> 



^ 131 — 



An. Wir fanden nämlitili in cin«ni Ciyilpfunde 
Wuier der gedachten Quelle , die Salze im Krysul- 
liiirten wata erhaltigen Zustande angeiiommeo : 

XoblenMures Eisenoxydul . • 0,8342 

Xohlcniaures Manganoxydul • • . 0,0200 

Eohlentanres Natron .* . . • 4,9663 

lalstaurea — 0,5450 

tchwafelsaaret -— 39443^ 

Hydrochiontaures Natron • • • 0,0714 

Poosphovaaarea Kali . • • • 0,101a 

Eohleniaure Kalkerde • . • • 5»4282 

Schwefelsaure — • . • • 0,8500 

Phosphorsaure -— « • • • Spuren 

Kohlensaure Talkerdt • . • • 0,2400 

Bikaaure — , . . . i»o778 

Schwefelsaure «— , .... 5,5210 

Siliciurosäura • • . • • • 0,1062 

• Hanig« Mattri« • . • • • 0,1200 

28,0948 

100 CabiksoU Waiier enthielten an gasförmigen 
Jüfaadilieilen : 



Kohlensiur« • • 
flchwefelwaiseritoff 



168,50 
5,14 



17164 Cbs« 



Unter den hier angefahrten sehr günstigen Re- 
lalliten, finden sich fünf vorher in dem Wasser 
aidu entdeckte 5tofFe (Manganoxydul, kohlensau- 
res Natron, Kali, Phosphorsiure und Hydrothion- 
•inre) , die sum Theil auf die medicinische An- 
wendung dieser berühmten Heilquelle nicht ohne 
Eiaflafa seyn dürften 

Di# Gegenwart der phosphorsauren Salsa, läfst 
Iflieht rermuthen, dafs auch FhifssiluTe, mit der in 
iwn festen Mineralsubstanzen die Phosphorsäure ge- 
wöhnlich Torkommt, in besagter Quelle enthalten 
icy* Dieserhalb angestellte Versuche bestätigen je- 
doch eine solche Vermuthung nicht, wodurch es 
■ns wahrscheinlich wird, dafs das phosphorsaure 
Xali nicht im Innern des Quellengebirees aufge- 
Bommen werde, sondern von den TorfTagen her« 
ithre, die in der Nähe der Pyrmouter eisenhaiti- 
|u Quellen den bunten SandueiA bedecken, und 



— 132 — ' 

hiet Sputen Ton phosphorsiurem Ehenoxyditl -iifa 

halccxtw 

Obgleich bei unterer Untersuchnng olob mA 
einigemaL eine Beaction «uf Strontitn sn erkeaatii 

ftb; so war dieselbe doch zu undeutlich und irii^ 
estimmt, um sich ganz auf sie verlassen tn. litef 
nen , besonders da die Anzeigen bei vielfaoher Wie- 
derholung der Versuche gänzlich fehlten. Wie 
werden aber nicht unterlassen, dem Pyvmonter Was- 
ser auch ferner ^ vorzüglich in dieser Bexiehmig vi* 
sere Aufmerksamkeit zu schenken. 



2. Seehad zu Vuthus» — VervoUkomnaumg im 

seihen. 



Da viele Aerzte und Badegäste einen 
Werth auf das freie Meer und einen stärkeren Wi&i 
lenschiag legen , und ohnerachtet der groCsen Voft • 
zfige der schöneren Natur ^ der gesunderen Lieb«!* 
weise > und der gröfseren Wohlfeilheit , die diilä 
Päd zu Futtbus vor andern Seebädern hat» dennini 
darin eiiien Mangel daselbst zu finden glaabuBt 
so hat der filr die Vervollkommnung dieses 3ate' 
so grofsmüthig besorgte Fürst von Puthus foleanlt'' 
Verbesserungen einrichten lassen. 

Es sind am offnen 8trande ohnweit jtlbs^ h 
der Frorer VS^ieh alle Anstalten zu Seebftdem odl 
Drücken y Karren, Wäsche und Bediennnff getrof- 
fen, wo der schönste Sandgrund sich befinaet, te 
Horizont nur das Meer begrenzt, und folglich «fc 
KU Dohheran bei Nord - und Ostwinden häufig dM 
hohe See geht. Dabei sind die Ufer sc^^n «ei 
bewachsen, und der Weg führt ^ine Viertel OfiOe 
weit zu einem Jagdschlösse auf einer Höhe fft 
dem Walde die Graniti, wo zur bequemen AA 
nähme der Badegäste Wohnungen und eine nie 
Restauration eingerichtet wurde; so dafe bei- dir 
wirklich reizenden Gegend und Aussicht es en^bk 
nem Lebensbedürfnisse fehlen wird- 

Futbus ist nur fünf viertel Meilen vom JafA* • 
schlösse entfernt, der Badearzt Herr Kreisphytitai 
Dr. üeek§r wird die Badegäste dort lULo iw« Twg^ 



— 133 ~ / 

fctfneben: sie Mnntn snyov die warmen Seeb&det 
im nebmen und ntcfa eigenen» Gefühle and naeh 
im Erfolfüe die kalten Bäder b|er oder dort neh« 
i MDy ie nachdem sie sie wirksamer und sucrilg- 
I ' fi4ir finden 9 aucli in einer Stunde , wenn ihnen 
itn der Kreis nicht Unterhaltung genug gewährt» 
fim mit den gröfseren und geräuschvollem zu Put- 
in ▼erttnichen« 



5. Seebad zu Cuxhaven» 

Im Jahre 1B24 war im Seebade su Guxbayen 
^ Zahl der Badegäste 681. 

Dt der alte Fhysikus, Dr, Neumeister im De« 
cesber vorigen Jahres im yysten Jahre gestorben 
iit, so bfai ich vom Senate su Hamburg als Pbysi- 
kl d«8 Amtes Ritzebilttel erwählt, nnd bei der 
Sstbadeanstalt als Badearzt angestellt worden. 

Der Aasbau der Logirzimmer im neuen Bade« 
heme wird vor der diesjährigen Bsdeseit beendet 
werdeo; übrigens aber sind keine Veränderungen 
ia den Einrichtungen bei der hiesigen Seebadean« 
«ak gemacht worden. (Von Dr* Luis daselbst). 



4* Hermansiad hei lHuskau» 

Einen sehfttzbaren Zuwachs hat unsere Hydrolo- 
gie durch die Heilquelle su Muskau erhalten, die« 
twar lange schon bekaunt, aber nun erst durch die 
Vorsorge nnd Liberalität des Besitzers, des Hrn. 
Ffliften 0. Pückler, zur Benutzung eingerichtet, und 
■it den schönsten Anlagen versehen ist, die in 
Verbindung mit der schönen Natur ein romanti« 
sehet Ganaes bilden. Es gehört, nach der vorläufig 
bekannt gemachten Untersuchung des Hrn. Geh, R« 
Hennbstädt eu den schwefelwasserstoflhaltigen rei« 
chen Eisenquellen« und hat schon, uilter oer Lei« 
lang des dortigen geschickten Arztes Dr. Kleemann 
■anche schöne Heilung verrichtet. Vorzüglich aber 
verdienen die dortigen Schlammbäder grofse Auf» 
■arkaunkeit ^ da dar Schlamm die gröfste AahnUol^« 



— 134 — 

lieic ntic dem Minevbtder iuben ft*li. Kft< 
wild tii't autfülirlicLe cLemitche AdjIt 
ttiitO'i fi«b4i Ansfci;^« dei Tuedicinifcken V 

diiub^r trsclieintTi. Für jcLzt TervreiseB 

d«e: l'tn^r'unm. als Linleitun^ zu der am Vf. Ji 
zu ert'jfitrntlen Kurzeit zu Sitrtuianikad bei . 
Ji^^J/'Ztf^ bei Gledüich. igi«« 

CDic FortietzuDg folgt). 




3. 

Vebcr den naikotistjien PfioTtzenstoF. Vom Bofratk 
Dr. Ü. Brandes, in Salsufleu« 

liertltft ßeeen Ende des Jahres tZ^S vad ioi 
Jaliro ißi'i betcfjurtigten mich die narkotischen Pflen- . 
Ken zur Lfiit«riuchiing des jenigen Stoffs , welcher 
die aufgezeichneten Wirkungen dieser snerkirflidi- 

5en Producte der Vegetation besitze. Meine Bau 
eck fingen der Aicaloide in diesen Fflansen theÜM 
ich in huchner'^s liepertorium Bd. Vll. and KmmU 
ntr'^i Berliiitir Jahrb. für die Pharmacie. Jabrjg» "XXÜ 
^1819) mit, und unters uchte darauf einige der Pfiea- 
xcn si>ecieJler, Die anhaltenden Arbeiten mit de- 
sienselljen hatten aber auf meine Gesundheit eiüen 
selir st/^reiidon Rinflufs, und ich konnte wegen mei^ 
aer reizbaren Nerrenconstitution, theils dieser we- 
gen, theilt wegen mehrerer andern Geschäfte meia« 
Untersuchungen nicht immer fortsetzen , nnd haapt- 
sarJillch nur i8so, 1821 und i823 so wie i&b4 in 
oinzeluon Perioden daran arbeiten. Meine BrCah- 
ruugen und Versuche über diesen Gegenstand faet- 
t«u sich nun aber sehr gehäuft , so daCs ich allee 
in einem zusammenhängenden Ganzen als eine gro- 
fse^ Abhandlung, oder als ein eigenes Werk bear- 
beiten wollte. Meine früheren Versuche, in denen 
ich nach baldiger Wiederholung mehrere Irrthamer 
' fand , wollte ich durch diese umfassende Arbeit ba* 
richtigen und die Kenntnifs des Ganzen erweitem. - 
Rrfahrungen, welche ich bei meiner Analyse de« ' 
9iii*nMiuiens, beim Crotonstamen und Angii4loni 



— 135 — 

nefat liiCte« gaben mir lieite uner^artvre Gc« 
Aupunkte bei meiner Unter5uchung, Meine Wfln- 
M dabei wurden aber leider gestört durch eine 
MilicbeNenrenkrankheity welche mic einem furcht« 
oca Krampfhutten begleitet war. (Alf einen Be- 
rn meiner grofsen Empfindlichkeit far Narcotica, 
fOfon unser geistvoller und braver Arzt, Herr Dr. 
liue und unser geschickter Wundarzt, Herr Schu- 
ittr oft 9 Bo wie sufällis Herr Professor Dr. Hojf^ 
MRif aus Halle , der sich um diese Zeit beliufa sei« 
ler |eognosüschen Forschungen einige. Zeit bei mir 
lafhielty Gelegenheit gehabt haben sich zu überzeu- 
gen, will iob nur anfahren, dafs ich von Extrat^fi^ 
BdLadonnae auch ganz ohne mein Wissen , mir ia 
cieiT Mixtur gereicht, von 5 Unzen Ilüseigkeit^ 
WMK dieiea auf jene ganze ö Unzen auch nur \ Gran 
bicrog, nachdem ich drei bis viermal davon einge- 
nonaien, die heftigtigsten ja oft bedenklichsten 
ZefaUs erhielt» So ging es mit Hyoscyamus, Lactu-' 
€a virota n. s. w., was meine Genesung allerdings 
%9hr erscbirerte» Niemand konnte sich Früher diese 
in der X&at ungeheure Empfindlichkeit meines Kör- 
ptn fdr Aorrotifa vorstellen , und bei meinen mehr- 
maligen Krankheiten , verheimlichte man mir daher 
abtielilliGh 9 wenn narcotische Mittel den Arzneyen 
lopteUt ^ruren; aber dieses gelang nie, kaum hatto 
icf ein Paar Mal davon eingenommen , so fahUo 
ich sogleich an den dumpfen Schmer^ im Hinter- 
kopf oAvt dem brennenden Sehmerze in dem Vor- 
derkopJTe, der Sdrn, den Schläfen, oben auf dem 
Kopfe, an oinem eigenthümlichen Ziehen im Halse^ 
naa im RQcken die Wirkung, und errieth auch 
alsbald stats die Ursache, und nach der Verschie« 
dsnheic der Wirkung nicht selten selbst die Art 
dn Giftes). Die oben erwähnte Krankheit, an der 
ich houto (am 27. Decbr. i824) nun sechzehn Wo- 
cben darnieder liege ^ Ton der. ich mich nur sehr 
lanesam erhole » und dadurch noch für geraume 
ZeiK Terhindert werde ^ meine Arbeiten über dio 
Kmrcotica fortzusetien , meine vieljährigen Beob« 
ichtiiagan gehörig zu sammeln, auszuarbeiten und 
dareli noch neue Verinche zu ergänzen, hat mich 
iiCa Neue von meinem Lieblingsgegenstande abge- 
legen» und ich sehe mich genötbigt» durch meh- 
Esro Umstände meinen frühem Plan au verlassen» 
nad in «iittelnoii Mittheilimgoii und Abhandlungen 



• ^ 136 -- 

xpeine Fortolmngen bektnnt bu naeheiiry weil nialBO 
Krifco mir die gröffere Arbeit nicht gestatten wOr* 
den. Ich mache daher vorläufig hier die Anseig«^ 
dafs ich den nircotischen Sto£F in möglichster Reu« 
heit aus allen narcotischen PAansen , als Belladonna^ 
ffyoscyamus, Cicuta, Coninm, Stramonium^ Chtilü 
doniumy PigitaliSf Aconitum u. s. w. dargestellt 
habe. Diese reinen narcotischen StofFe sina leiofac 
anflöslich in Alcohol» Aether und Wasser, und Toa 
höchst widerlichem Geruch, dieser geht beim Co- 
nUm so weit, dafs es fAr reitzbare Personen fast 
unerträglich ist, in einem Zimmer) auscnhaltea^ 
Wo eine ätherische AuElöiung, welche auch nur 
ein Paar Gran des Coniumt enthält, verd unstet 
wird. iX)iese verbreitet einen starkem Virösea 
höchst widerlichen Geruch i wie ao bis 50' Pfand 
des Krautes. Sonderbar aber ist es , daüs , so wie 
man ,dic>e StoiFe mit Säure neutralisirt, euch die* 
ser furchtbare Geruch verschwindet, weniettene 
in sehr hohen Grad abnimmt, welches auch damit 
Abereinstimmt, dafs die Pflanzen weniger, diesen 
Geruch ausstofsen , weil der Stoff, welcher deniel« 
ben ankömmt, darin nicht im freien Zustande tox^ 
banden ist. Atome einer ätherischen Auflösung ein- 

fenommen, oder lange Einwirkung des Duastee 
ringen schon bedeutende mehrtägige höchst na« 
empfindliche Dilatationen der Pupule hervor.- Die 
geringe Menge, in welchen sich der reine navkoti« 
sehe StolF in den genannten Pflanzen findet, machm 
eeine Untersuchung so schwierig als seine Darstel^ 
lung kostbar. Ich werde aber nächstens einige Me« 
thoden mittheilen» wie man wenigstens auf eiM 
möglichst wohlfeile und zeitsparende Weise ■ di« 
Darstellung dieser Stoffe bereiten kann, wai mis 
beute nicht mehr möglich ist. 



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4. 

jiugenhiieklicher Tod, durch das Eindringen von TLuft 
in dat Herz durch eine hei einer Operation verletzte 

Blutader. 

Ein jangee Mädehen von gesundem Körperbaa 
ward« wegen einer den hintern und flen leiilichen 



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— 137 — 

Thtil dt Halses einnehmenden GetcHvnliC In dae 
Eitel' Dieu aufgenommen« Aus der widerstreben* 
dta Hirte und dfer Gefühllosigkeit dieser Geichwulic 
K&Iofs ifr. Dupuytren^ dafs diese Ton fibröser Be« 
•P&ifFenheic aeyn mütM, und dafs es am sweck-' 
ailfigsten sey» sie dureh eine Oparation xu ent« 
Anen, bevor sie noch eine gröftere Ausdehnung 
snaichte. Die Bzstirpation w^urde nun mit grofser 
Gsschicklicbkeit und in sahr kurzer 2eit ausge- 
Alut; nur nach vorn hing noch die Geschwiust 
ait der Haut snsaroraen. Die Kranke hatte bia da« 
kianurwenig Blut verloren, und ertrug denSchmers, 
den die aahlreichen kleinen Schnitte verursachten, 
mit vieler Standhafkigkcit, als man nlötslich ein 
anhaltendes aiscbendes Geräusch vernahm, denjeni« 
Ken ähnlich , womit die Luft in ein luftleeres Ge- 
fifa einströmt. Der Operateur hielt erstaunt inne, 
und infscrte: .^Msn könnte eine Verletzung der 
Laftwege vermuthcn, wenn es nicht so weit da- 
von enilemt wäre/' Kaum hatte Hr. Dupuytren 
diese Worte ausgesprochen, und mit dem letstcn 
Sehnitu die Geschwulst vom Körper getrennt, als 
di» Kränk% ausrief: ,Jch bin todtT* Augenblicklich 
fiag aie am ganzen Leibe an zu zittern , und. fiel 
entseelt vom Stuhl, auf dem sie während der Ope- 
ration gesessen hatte. Vergebens wurden alle Mic^ 
tcl Angewandt, sie wieder ins Leben zu bringen« ' 

Bei der Leichenöffnung zeigte sich der Herz* 

bcntel ganz gesund; das rechte Herzohr war voa 

Luft aufgetrieben, und erhielt dadurch eine elasti« 

iche Spannung. Als man die Wände desselben 

durchscnnitt, strömte diese Luft ohne irgend aino 

Beimischung ans, und nur eine geringe Menge flfls« 

aigen Blutes war noch aufserdem in dieser Höhle 

enthalten. FlQssiges Blut fand sich auch in den 

flbrigen Höhlen des Herzens vor, das übrigens ganji 

gesund war, so wie in den Arterien und Venen des 

Stamtoes , der Schenkel und dts Gehirns. Daa BluC 

enthielt eben so viel Luft, dafs wenn man die Ge« 

fifse anstach, Blut mit Luftblasen vermischt aus* 

strömte. Die übrigen Organe seigten nichts auf« 

islleudes. 

Das Eindringen einer so grofsen Menee von 
Lolk iu daa Herz war also augenscheinlich die To- 
detiixsachc» Die Axt und VVeise, wie et gesehe- 



— 138 — 



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heh Uimtt, ist loichc sa erlklären: Eine Veno ron 
beträchtlich em Umfange, die am untern TLeile der 
Geschwulst mit der Ju^ularrene in Yerbinduntf 
stand» mufste nothwendig durchschnitien werden» 
und da sie im Angenblick der Inspiration ofFcürf 
blieb, so senkte sich in ihr das Blut in die BtuMt^ 
die Luft drang in den entstandenen leeren Raum^ 
ein, füllte die Höhlen des Hersens, und heramt«[ 
seine Verrichtungen, (jirchives senerales de med** 
Juillet 1824. — London mcdieal Repository* De* 
cemhre i824.) 



5. 

Scheinhares TVunder einer geheilten Sprachlosigkeit^ 

I 

Ein junges siebensehnj&hriges rjandmldchen» 
gerade, menstruirty wird, bei einer Protessiondiea' 
Christlundes, als Engel in ein dünnes weifsee O«*- 
-wand gekleidet, ericheint alt solcher in dett' 
l{ause des Handelsmanns K« •— et war ein stOmii- 
scher, regnichter Tag, — und wird, im Begriff* 
den himmlischen Grufs zu sagen, sprachlos^ nad 
des Bewufstseyns beraubt. Das Herabziehen des - 
Heiligen in das Irrdische Leben konnte dieses stn«. 
fende VeriiängniCi herbeigeführt haben; so wurd« . 
Wanijgttens der Vorfall im Publikum gedeutet. -^ 
Den Tag nach dem Unfälle wurde ich gerafen. 
Blutigcl um den Htls — denn die Mentruation war 
im IQu verschwnnden , — machten den Anfang dar, 
Kur; mit Einreibungen aus der grauen Quocksuber«! 
Mibe, und dem flüchtigen Liniment um den Hals^ 
ti'glich SU dreien Malen, wurde die Belladonna, 
und das Ammonium cmrhonicum , in steigender Gabe^ 
verbunden. Binnen x4 Tagen war die Kranke wie- 
der hergestellt* Mit dem swöliten Tage "war die 
Menstruation wieder eingetreten. — Merkwürdige 
für einen Theil des Publikums von gsnz besonde« 
rer Bedeutung, wr/ es, defs in der Christnacht» in 
welcher y,or 1814 Jahren die wirklichen himmli« 
tohm Hmiduuuraii ihr HotiamiA geiosgen, bei dem 

Mid« 



— 139 ~ 



L t^inip welches sie naclisubilden freTelnd gewaeCy 
l Aie Spreche sich wieder eingefunden bitte. Ißin 
! Erdgnifs , welches sich jedoch , so wunderbar es 

kim ersten Auffassen erscheinen mogre, ärztlich^ 
1 1 ^nch das Wiederein (reten- der monatlichen Rei- 

■Uoflg in der Christnacht, recht gut erklären 
' ' kub (Vom Kreisphysikus Dr. Hinze su Waiden« 



6, 

Mtice2/ffi Pr§u/siseher Jl§rzte aus den »Urtel jährigen 

Sanitätsherichten^ 

m 

(Fortsetznng.) 



^ Kutzen der Brechmittel hei dem Croup. — Au- 

reli» M,, 5jährige Tochter des hiesigen Ober- 

Greos-Controlleur M«, bekam ^ nachdem sie schon 

Jiiigere Zeit an liatarrhali sehen Zufällen gelitten 

I lutte, Symptome, welche einen in der Entstehung 

j be|riffenen Croup' befQrchten liefien ; doch war die 

iaiirrhalischb Affektion cu lange und au sehr vor- 

I lierTSchcnd , als dafs in Hinsicht der Diagnose nicht 

einige Zweifel hätten übrig bleiben seilen. Um 

indessen keine Zeit zu venieren» wurden zuerst 

iufserlich Adercnrial -Einreibungen, innerlich anti- 

fiiilogisiische Mittel , bald hernach Bluti£el4ind Ca- 
omel angewendet. Der Erfolg lehrte, dafs. die Be- 
forgnifj nur allsueeerAndtt gewesen war, denn das 
LeSen stieg bald bis zu der Höhe, dafs wenig 
Hoffnung zur Rettung des Kindes übrig blieb. Das 
Gesicht der Patientin war ganz bleifarbig, aufge- 
irieben, mit klebrigtem Schweifse bedeckt, die Hals* 
a^lern angeschwollen, der Kopf zurflckgcbogen, der 
IIaIs faerTorgetrieben« Von Zeit zu Zeit traten die 
Lefiigsten firstickungszurälle ein, welche sich stets 
mit heftigem Würgen und Erbrechen endigten. 
Aaf letzteres wurde stets einige Erleichterung beob- 
achtet, namentlich war die Respiration freier» und 
ich beschlofs demnach in diesem hoffnungslosen Zu- 
Journ.LX.B. i.St« K 



— 140 -^ 

ttmde nebm cleiii Gtbraaehe dei Cjiloine1# in m] 
(ton Do0«n und de» Moschus dfti Brftreclifn im] 
Zeit zu Zeit Jkftnfftlich su erregen, und wuhlts hSJk^ 
xn den Hufeland^tehün JLinvtus emeticus / ^y, füh 
-ian^ une, j. Vin. jiniimOn» drachm, fß, Piillf. EäL 
Ipeeacuanh. scrup. j, Oapymell, seilU SymVm^HmA 
ana une. ß, M. S. Alle lo Minuten i TkealOMl 
Nachdem dieiet Emeticum gereicht and cino'Mi» 

fe Schleim und Galle anseeleert worden inrar -^ 4p 
iuoge war aceia gans dick belegt — erfolgte nak^ 
bare Erleichterung nnd freierer Athen «, nnd io oft 
derselbe wieder kürser war, wurde diaaea mit ebfli 
so glficklichem Erfolge wiederholt. Oft bedulp 
es ni«h€ einmal des wirklichen Erbrechens, elfllll 
TheelöHel der Mischung waren achon hini'eitihMi 
den Athem freier zu machen» ao dafs die Blten 
des sichern Erfolces gewifs, mehreremele f ebpi 
wMtere Anfrage aazn achritten. Endlich' werai 
ein Stflck membranöser Substana Ton der GiObl 
eines Silber - Groschens ausgebrochen, naeh 
nach auch eine unglaubliche Menge Schleini i 
eher ganz zähe unafest war, unci nachdem 
telsc auch auf den Gebrauch des Calomels 
Stunden zu 3 Gran^ Diarrhöe entstand und 
Menge ziher Schleim auf diesem Wege eni 
worden w^ar, so liefsen allm&hlig alle 'ZnftUe 
nnd die grölste Gefahr war beaeitigt. Du',! 
erholte sich, zwar nur lansaam, genas ailj^^l 
dem Gebrauche der Senega fitt LicMn üÜM^i! 
bittern Mitteln vollkommen. ' 

Infarctus uteri ^ glücklich geheilte — Eine 
zu Crossen fQhlte während ihrer Schipranjgevi 
von der Hälfte derselben an , einen irrhpntidWuii ^ 
Schmerz in einer Stelle der Gebärmutter* BeiLw 1 
Entbindung find sich, dafs hier der Mutterkt^dul 
mit der Gebärmutter yerwachsen war, weahalb siei 
künstliche Lösung eintreten miifste. Fünf Stundse. , 
nach der Entbinaung traten heftige Krämpfe tfai' 
und es bildete sich eine völlige Ghhärmutinim^ 
Zündung aus, welche der Kreitphysikus Dr. Hnmr 
sius zu Crossen mit örtlichen Blutentziehungen» UK 
tiphlogistisch- diaphoretischen Mitteln, Calomel als' 
Opium, erweichenden Einspritzungen und Uyslie- 
ren, warmen Umschlägen und Hautreizen ^ unür 
IleiTorrufung des stockenden Flusses der JLochii^* 








— 14t ~ 



doli iet Torliaiidaiien Heftigkeit nnd Gefahr der 

fnnilieil beseitigte. Et blieb »bar eine schmerz« 

lafte Verhärtnog der Gebärmutter xurück, welcho 

Ivah den inaern Gebrauch des Wasserfenchela 

nd Crachlorbeervrasseca in steigenden Gaben von 

hm letztsren tiglich 4 mal au 3o Tropfen, Ein* 

ipritsangen einoa Aufgusses des Hyoseyamus und 

Conium maemhuum, und durch laue £ad«r bekämpft 

wndo» Nach la Wochen atellte sich ein Abgang 

von schwariem, pechartigea, stinkendem Blute ein^ 

worauf sich die Schmeraeu verloren und die Ver- 

kfertusg eäaxlich achnolx > ao f dafa die Frau in d^xt 

BetitB a%r ToUkommeaateu Gesundheit yeraetzt 

wurde, 

Titum gapUis durch Sehwtf^lbSd^r g#&#£/^ «^ 
Dtr Kreimhysikua Dr. Franck^ sa Landaberg be- 
kam aia fciucejb^ates doch übrigens gesundes lind^ 
inralchM an Ttiiata eapUis litt, cur Behandlung. Man 
haue Torbar achon mehrere Mittel gegen das Uebel 
ia Gabraneh geaogen, jedoch oh'Ae Erfolg. Der 

ßaiMiiiit« Arst abatrahkta von allen innern und au* 
•m Mitteln f und baschrftnkte sich ausschliefslich 
auf die Anwendung lauwarmer Schwefelbäder aue 
Kmli sulphmratum* ^ Diese wurden ein ganxea Jahr 
kiadorda. täglich instituirt und der Kopf jedesmal 
asit dem B^ewaaacr gewaschen. Nachdem gegen 
Am solcher Bfidar gebraucht worden waren j war 
die Tinea , die den eansen behaarten Theil dea Ko« 
pfes eingenommen hatte, bis auf die letzte Spur 
Torachwunden und eine dauernde Heilung hervor- 
ftabracht« Auf den ganz Ifjshl {gewordenen Stellen 
lalgte ein achOner und gesunder Haarwuchs und 
daa Kind befand sich Töllig wohl, 

UtUz&n der Rad. ArUmisia§ hei Chorem und EpU 
ItpsU. -* Bei einem noch nicht menstruirten. 
ichwichlichem Mädchen von 15 Jahren, entstanden 
asch dem plöUlicfaen Verschwinden einer Halsbräu* 
le bei Töiligem Bewufstseyn heftige Krämpfe in 
4sn Händen, welche sich bald über mehrere 
Tbeile dea nörpera ausbreiteten, und sich endlich 
dl wirkliche Chor§a St, Viti darstellten. Schon 
wmn von Aerzten und Nichtärzten mehrere Arz« 
■ajen und Hausmit^l Tereebena angewendet wor- 
den, ftla veiai Ufllfe Terungt wurde, 16 Gaben 

K2 



— . 142 ^, 

EU drachm. j, VOQ Radix Jrlemiiiiit eulgatü ani 
ein im Nacken gelegtei, einif;« Tjgc in Eiieiung 
erliaUcnei Vaiicalotium beFreiercn die PaEieniia 
icbon in ä«a cTSCeii 6 Ticen yon iLrcn Erämptev. 
Die PiiienLin wurde i4 Tag« n»eh rfcio Aufaör« 
ilei' Krämpfe leicht tnenitnurc tmd liiermic veiln: 
sich jede Spur ihrel UebelbeGadent. 

Bei B in dei Epdejisie leidenden Perlovta, i^ 
ren KTiiihheici - Geichieliien ich lU inniger bMiM> 
kenivrerth (Ibergehc, leistete mir: äi^ ■RaMa JrU- 
miilae On/-ar!t TOTireiniche DienKe. yoa Hn.' Db 
SoiiOJ-iJan KuBttrde.} ' ■ • '"' '.V . 

Mcrkciiürdißet Delirium enntatOriuin. — Bh 
Tojllirigei gebiidetei Mädcben von «ehr lenqblca 
Nervenayitem, mit H»nklo»fen"udä'8o)tWitlMJ>^ 
ltiftet,.«rliu nach einerErankung AtÄl\\it^^%M^ 
pfeii, NiedergegcbUeeiiLeit, TeMMh^Cb^^HMkUo» 
pfen lind KoliltohmÜEen , welche ZKtftll«toltf^ 
gelinde abfahren^eB' und kHampßHillendfla'Bfirttll 
b«h*ndellB. Ktoh 'dam AaFhören^ev; b«M IiibUuc 
eingetretenen' Manitruation euttund ai» nnwilk 
kQhrliche» hefligfea Ltchen , du nur in der BiaM»l 



meHrecer Menichen aieh vermehrte, 
Weitien, cur grofisn Erleichterung' d«r' KiHl«^ < 
unterbrochen wurde. Sie märite dabei'ldftf'-M» 
hüten, klaeie aber Koliken, KreMMshmaHMf*' B«f 
klonimenheit und Herzklopfen , katt« '«eliv 'ft«nw 
len kleinen Pul«, und miifite öften ■V'AmihMWH 
iler ein gans blaiiei Antehen ht(t4. Fair-aHaibn 
' Antworten waren von Liehen begleitet, d» larid 
diiroh' berahrte- einzelne Gegenatln^e'' eMmi ißfH 
vermelir'- warde; flbrigen* gab aiebi keia Zeielu» 
von Geiiteiibtveienheit eu erkennen. Bludgel *M 
Kopfe, SetifpSaäter an den EitremiHlen ünff gklin- 
de Lixirmit'el, Welche bei vdihandener Vernopfn^' 
und groCxer Utmorrhoidaliicher Anlage xutaal aap- 
leigt schienen , beruhigten «uf einige Zeit ämt J«t 
riJir, der aber nur einer neuen eilen lo •Andeibt- 
ren Ertcheinung FlatE machte. Die Ki'anli» faegaaa 
nämlich mit so lauter Stimme tu aingen,.i}ari-i — 
«9 durch das ganie Haus heren kofante. Diel wi 
le mit wenigen Unterbrechungen Tag liod Nickt 
Tort, wobei siq gewöhnlich dia lulelM ■nueew- 



— 143 — 

Worts Str ftmidenlaiige Refrain ilircs Gesar^e 
^raran. Glaubte sie iich unbemerkt , oder hliel 
ohne. Uai^rfkalrni^y lo fcbien der Gr^ensiaii'l ihr^ 
Gesanges geffi hl voller Art zu seyn» ohne dirt licl 
jedoch eine fixe Idee deutlich kund ßab. Pf^timliicl 
stellten sich unter anbaltendem Sinken AnfalU r'/n 
Wuth ein 9 indem sie um sich scjihio;, am 'dem 
Bette, wolltf-a. a. w«, welche Aiifille aber diuci] 
Zureden bald besinftigt wurden. In den befii^r. 
ren Paroxysmen ^rurda daa Gesicht dnnkelroih, Jic 
Augen gliaatcn. während der Puls krimpfhafty und 
fehr blufif nnr die Extremititen kalt waren. Die 
2uf^lla hielten mehrere Tage lang an und wurden 
nur durch ipvenigen unruhigen Schlaf nnterbiochrn. 
Obgleich die Zunge rein war, so fehlte drr Appe- 
tit doch ginzlichy dagegen war ziemlicher Ijijtst 
Vorhanden. Man liefs zuvörderst in Betracht einer 
deutlichen Himorrhoidalanla^Cy Bluiigel am After 
letmen, ^randta nachher, bei fortwährenden Con- 
gestionen' Kam Kopfe, kalte Uoifchlägc um den Kopf 
und Hautreize an, und gab spiiter Pulen an« Bitir^r- 
ßoHß JDigitalis und Campher, worauf sich nacli. 

fersae iineere gnte Zwischenzeiten einstellten, auch 
ie Anfklß an Heftigkeit abnahmen. Lauwarme 
Bäder endlich ', während welchen man l^alte Um- 
aehlige um den Kopf legen liefs, trii|:en zur ganz- 
lichen Herstellung der Kranken gewift vieles be^-, 
^reiche übrigens durch den beinahe 14 Tüge lang 
ge^rährten Aufruhr Skufserst geschwächt %Yorden war. 
(Von Hrn. Kreisphysikus Peters zu Anciam.) 

(Die Fortsetzung folgt.) 



7. 

fVilterangS' und GesunJheits- Constitution von Berlin 

im September 18^4* 





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mifiig ra^nicht ui 
fauche und liu, 
weil. Uie eriten ■ 
haiier, vom sten 
Ton >«^ei .CswiiiGi 
«■r haile*, irucki 
hau. Ätna, bis zun 



!• einan Nachcfr 

Der Himmel 

5 Tage sebroclii 



tn Sepeemhtr -j 
d mlNig windig, die Luft lelir 
^ei; licrcschende Wind lul Süä- 
ier Tago wiien «ehr vrirm und 
bi* iilen trat Regenwetter ein, 
n beeteiiet, Tom Uten bii ai*tcii 
es Wetter TOi> laacr B«tch>ßen< 
i^eawetter. Die 4 lets> 
— "■ '*" agsle biacb' 






Wir 5 TaCa trObe, 6 Tage heiteT, 
üd 1^ Tage ball mit VVoUsH. 



_ 146 — 

— pyinätage WS»» S, davon der aS'tß »(firmiiel. 

— R.egtntngt waren n , AV6rI fiol 5 mal, RtiJ »- 
a^slcn. Gewitter waten 1 niEiQ , den Zten iinit idMi 
und ein mlfsrnlet am 41*11 Abends, ä T»po wirt 
wiroi, IQ Im, b kilbl, 3 trocken, 3 miccel Eeacbt 
und 2i f.uda. 

Der Stand tUt BarOmiten war zieiplich hook 
und^bescäniiig. Untec tio ßeobicbtung«n woica Gj 
Bi*i-, 3 aii/ und 24 <i««r 28". 
Det ^DcÄ«« Stand d. i4ten a8"5j"'l 
Der niedrigste dan aÜiten 27"Si"'J tintersch. 9'" 
Der mi/t/er» .... 38" ""') 

Der Stand des Thrrmometeri war unler 90 Ben*- 
•chEungen 4 mal swUcben 3 und 5, 30 mal iwiicluft 
5 — ^o, 41 mil Ewiiciien 10 und i5 , 31 mal zwücbu 
15 bii fio, 4 mal swiichen 20 und S2|. 
Der hÖrhslB Stand d. 4len £aj*+) 
Der nUdrigsta d. ärgsten 2 -f- >l^n^*'iclii«il3(^*> 
De]t mittlere'. la +) 

Da» Bygromtter «tand 
un feurhtf stetig deiv a6!ten go") 
■VI trockinitrn. den 4ien 5>°f CnteracLic^d tii*. 
Drt mitttfre Stand 7(«) 

<)o Beobnchüineen de» JTindes gaben folecn^ 
ReiLiltBl: 1 mal PVfit , 4 mal Südoit , la mal Otit 
10 mal Jü.;, i3 mal Kordost, 5a mal Jüi - fVttU 




— 147 — 

B» intBrh9m mnwhiieh geboren« Kii der : 39 Knaben. ' 

3o Mld chen, 

<j^ Kinder« 

.Efr.iuuLalio ZI nnehlicLe Kiadex mehr gebö« 
VCB alt gdttoiben* 

- Getnnt wnrdlcn 134 Paere« - 

.^•PU Todienliaten dieiea Monau entHahen den 
SUitTMim TOB 5tefi Septbr. bU sum isien Occober» 
«lao 39 Tage. Aaf jeden Taa fielen im Durch- 
echnitc 19} Geborten und i^ Todesfälle. Im Ver. 
slcitfli süm Torigen Monat itt lirh die Z»hl der 
GebttTCea tägliek- gleich geblieben , nnd bat sich die 
Zahl der Todeafalle um i vermehrt, 

i^enmskri hat aich die Sterblichkeit: beim Zah* 
Ben um. 5, an den Schwämmen um 3» am Nerven* 
fieber um fl, an der Bräune um 5, — von den aeic 
apeh eren Monaten so xahlreichen Todesfallen an 
der Brtane eind gewifs mehrere als verlarvte ScLar- 
lachfieber sa dieser Rubrik cu sälilen , — an der 
^älb§acbt nm 5, am Durchfall um 2» durch Un- 
slückafiUl« um 4, an Schwäche bald nach der Ge- 
bnit um' 8« 

Vermindert hat sich die SterblicLkeit^ unter 
Kitmpfen um 34 , an den Pocken um 5, an Matern 
um 4» am Scharlachfieber um 9, am Eiitzündungs- 
'fieber nn 5^ am Zehrfieber um 25, an der Lungen- 
inchc um ta» am Schlagfi.ufs um 27, im Kindbette 
an t, an Krebs um 3, die Zahl der Todtgebornea 

Oleich geblieben ist die Sterblichkeit: am Stick« 
r lasten — a — an der Wassersucht — 28 — am BliiU 
•iturc •— 5 --^ an Entkräfiung — 40 —r die Zahl der 
Selbstmörder — 5— 

Von den 3io Gestorbenen unter 10 Jahren waren 




^eich cum rorigen Monat um 54 vermindert. 

Im ersten Lebensjahre starben (die 24 Tocifge» 
bomen mitgerechnet) 106 Knaben g^ IVIädchen, dar« 
unter 19 aus Schwäche, lO beim Zahnen, g.3 un» 
ter Krämpfen, 4 an Schwämmen^ 2 am Stickhusten| 



14« 



»tUmUeSj 



— wSiMge waten 8, duTon Att 98«" »«fitmiieW 

— R»gmamge waien il, Nthel fiel 3 mal, R<iJ tW 
sgitea. OmiAtur itaiBn 1 mli«, Aen gien und laMi^ 
und «ü'MIFerntei am 4W11' Abends. 6 Ta^e nireo, 
WHin , ,"^9 U u , 5 kiibl, 3 trocken, 3 iniiccl feaciit 
und a^ ljt ociu. I 

Iitt,:Stmiid der Earomefn war zUipUch had 
und Jtgitindiig. Unter 90 Reobacfatungen wiieo E]| 
ilW^ 5.«(^ -und 24 u<xter aS". ' ' 

Dn A£^dbu»8Mnd d. i4ten 38"5)"'l 

Der nit^igtte den aÖiten 27"S*"'>Dnleiscli. o' 

Der i$t<^ i(« r/icnnaFiiete« wie unter 90 B«nl 
■chtlui^Hi4 mal iTviscben a und 5, 30 mal iwiich« 
Ö—IO, 4* ■näl ewisclien 10 und i5 > :i mal xmieiica 
15 bi« so, 4 mal swischen 20 und aaj. 
Dkr hSehtt* Stind d. 4ien 23j°+ ) 

8 er nifirtg-tts d. a^iten 1 -{- (UntericMedioJ?. 

I DM-flygromder .^lUnd 
un/aK«k«M£n den s6iiaD 90°) 
im »tlAÄrten den üEcn 51° > Untericliied 61*4 
Det Afrth^ Stand 71'°) 

(»B^Öbaclitiineen det PT'indes gaben toleeni 
RaiulEati'liiiial tVett, 4 mal 5üiJoir, 10 mal Olt 
la iD*I S&d, i3 mal AorJou, ,^a mal Süd. Wt*k 



gtborant Sffq KnabFn. 
■ ; ■ - a-ji) Midchen. 

. £afrar&En: 53o Penoiien, {ai'i'I^nit 
Molir fefraren; 16 Kinder. ' 



Oo Xind(U^ 



— 147 — 

Ei itarheä mnehlieh geborene Kinder : 39 Kxüben. ' 

3o M&J chen» 

69 Kinder« 

£«. lind also 11 unehliclie Kinder mehr gebö« 
IM ab gestorbeu« 

Getränt worden 134 Paare. - - 

^ Die Todtenlisten dieses Monatt enüialten den 
Ztitraum Tom 5ten Septbr. bis sum isten Occober» 
alio 29 Tage. Auf jeden Tag £eJ»ii im Duvch- 
fchnitt 19J Geburten und l^ Todesfalle. Im Ver. 
gleich sum vorigen Monit ist sich die 2!ahl der 
Cebanen täglich eleicli gebliehen ^ und hat sich die 
Zahl d«r Todesfalle um 1 verißehrt. 

Vermehrt hat sich die Sterblichheic : beim Zah- 
Bin BXD 5, an den Schwämmen um 3 9 am Nerven- 
fieber um 2, an der Bräune um 3, — von den aeip 
meh ercn Monaten so zahlreichen Todesfällen an 
der Bräane sind gewifs mehrere als verlarvte Schar« 
Iacli£eber zu dieser Rubrik eu zählen , — an der 
Gelbtuicht nm 5, am Durchfall um 2» durch Un- 
elucisfälle um 4» aa ftch wache bald nach der Ge> 
bH» um 8. 

Vermindert hat lieh die Sterblichkeit ^ unter 
Xilmpfen um 34 ,. an ä/^n Poeken um 5, an Masern' 
WB 4, am Scharlachfieber um 9, am Eatzündungs- 
fiiber um 5, am Zehrfieber um 25, an der Lungen- 
sucht um la, am Schlagflufs um 27» im Kindbette 
nmiy an Krebs um 3, die Z«hl der Todtgebornea 

nm 8* 

Gleich gehliehen ist die Sterblichkeit: am Stick« 

basten — u — an der Wassersucht — aQ — am Blut« 

-uurz '— 3 — * an EntkräfLun(( — 40 —r die Zahl der 

Seibatmörder — 5— ' 

Von den 5l0 Gestorbenen unter 10 Jahren waren 
1^ im ersten, 51 im zweiten, i4 im dritten, 10 im 
vierten, 11 im fünften, 26 vom 5ten bis loten Jahre« 
Die Sterblichkeit in diesen Jahren hat sich in Ver« 
(^ich zum vorigen Monat um 54 vermindert* 

Im ersten Lehensjahre starben (die 24 Todf'ge« 
kernen mitgerechnet) 106 Knaben g^ iVradchen, dar« 
(Wer 19 aus Schwäche, ifi beim Zahnen, g.3 un« 
ttt Krämpfen , 4 an Schwämmen , 2 im Stickhusten| 



ff 

1 «m Schitltclifiefaer, ,8 an EntzAndangifiabeRhilt! 
am Zehrfiobery i an der Bräune, t4 am SchlagBnBb i» 
•m Durchfall. 



Von den 69 g»storhen§n unehlich gehomtn ^^ 

dem waren ^ xm ersten » 8 ^™ sweiten ^ 1 im dli|(^j 
ten, 2 im vierten, 3 von 5 bis 10 Jahren* Es inH' 
Ten gestorben 1 i aus Schwäche , 7. beim ZahiM, Ü' 
unter Kräipnfen, 1 am Stickhusten ^ 1 an Maseiaii 
am Scharlaciifieber, 1 an Schwämmen, 17 an ''"^ 
lieber, 1 am Schlagfliifs, 2 an Durchfall, 9 an (M 
Wassersucht, 6 waren todt geboren. 

Von den 222 Gestorbenen über 10 Jahren wam 
10 von 10 bis i5 Jabren, 11 von 15 bis ap^ 36 TOi 
30 bis 5o> 55 von 3o bis 4oy 38 von 40 bis bop 5x Tiit 
5o bis 6oy 51 von 60 bis 70, 23 von 70 bia Qo» l3 Yd^ 
80 bis 90 Jihren. Die Sterblichkeit in dies«nlahna 
hat sich in Vergleich aum vorigen Monac ui 6i 
vermindert, * ' 

Unglücksfalle. Ertrunken sind 5 Männer, i MmL 
chen, 1 Siind, vom Bau gestarst 1 Mann« 

Selbstmörder, Ersäuft hat sich 1 Mann, erhSuf 
1 Mann, erschossen haben sich 3 Männer, in dm' 
Hals geschnitten hat sich 1 Mann» 



Es sind im Hauptcharakter der EranUeiten Sif 
let Monats keine yeränderungen eingetreten, |f 
blieb nervös , und waren die ihm begleitenden Zd^* 
fälle katarrhalisch - rheumatischer Art mit gmstntdk' ^ 
hiliösen Zufällen. Unter allen waren homg;e gel^ 
lichte Durchfälle mit Erbrechen bei ErwachaAM 
und den jan^sten Kindern vorherrschend geworden 
mit starken Kolikschmerzen über den iHabel mH 



der Ausleerung begleitet, welche der QnantiUt 
gering war, mit auch ohne Tenesmus. Fieber CihK 
te in der Regel y der Puls w^ar gereist, der 0nt0- 
leib bei der Berührung nicht schmerzhafr. — Dm 
Scharlachßeher ist in cleicher Verbreitung ro A m t' 
sehend geblieben, und zeigt sich bei Enpraohienea, 
welchen ea befallt« sehr häufig mit heftigen enee- 
phalischeu typhösen S^-mptomen begleitet. Die 
Angina ist tehr iieftig, geht nicht leiten in nlcerofi 



Äl>< 



, 4U XstwIakiMBg ima Sumüimm Ut nehnn- 
■ IbIS*- ^ ErivaBbMna, waUha ätt Sclitrltah. 

— ■- ■-"'- 1 Jihrrn burriti äberitindin hi- 

t hlufig Ton ainer, ofimali lalir 

, . Dadnag in Tontillcn babllan. — 

D«r SiioUulTCi in noch fondinFrnd epidaniieh 
iMmchsni, «m4 biatet nlcbtt Abwtichandai toh 
riäipan B«w«kaGab«n Vail'u' d». H^rcnickii; irout 
-«X «a«li j«M UMar häufig (laniig den burlhitartau 
MUtvIn. Ufa Potkm vanchwiadaii iinntar ititht 
«od «lliU^ wi* i& diaiain Monat aui «(nan To-> 

dMfiOJ. 



Om*tiuh*m»iif OMtK Kranklititm und Gattklttht, 



XrtsUait*a> 




Am ilHWbi-. aätc iclilsichend, 
iia ier I,nn Benin chi . . 

, in dei' StAium . . . . 

■'Ander ©•Ihsi.cl.r. . , . 

I In dec Wm XII liebt . 

K 8ctili!|finri 

" An der Glcln . . . . 
Ab Kruiklioitcn (!■• IfarEsiii 
Ab DuTulitall niiil dei Auhi. 
An L-eil>etTer>to|>niBS . ■ 





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Krankheiten^ 


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All der Melancholie »mdWahn.iim 

Ä'm B™.ch"t!i!idL°i ! ; ; ; 

Am llrslij 

Am kaliri, nrmidc .... 
An dur KntkrJtiiii.e Alten weseji 
AnViieliickitSllsi. mflnclierlerAn 


*4 

7 

123 


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5 

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SDDistmijrder. 


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'■ ■ SU... 


^ 



Di« ßiiltotXfIc (I. pr. Heilkunde Januar i8i5 eathSUt 

UomÖopallüi: (Fortt.J 

über ,tas Oiganon I 
Zädsri yersach einet krie. Oetclnckte der lai VeW- 

cinitCua beobachteten Menschenblattern. 
ffendt, Beiträge ttir CetcbUhtt der MtruchcH. 

Marx origlnes ConCagii. 

J. M. Leupoldt uher u-ohl/cite Irrenanstalten. 
Journalistik und Corresponäem. 

Sclnrfißlge FUfte. ~- Mitlrideuschaft des Darm- 
kaaali beim PVamrkopJe der Kinder. 



— 151 — 

Dms Su-pplemen thift zum Journal d. prmkt% 
Heilk. J ahrgang i824. enthält: 

I. Ueohachtung einer Pulsation oberflächlich gelegen 
wtr Venen. Von A, Beyer, Regimentsarzt zu 
Oklau. 

II. Einige Beobachtungen über die Hydrocy ansäure» 
Vom jCollegienrathe Grindel in Riga, 

UL Faecination» (Fortsetzung). 

» t • • . 

' Bnihmchrungen von! uöiederholten Impfun'gen der^ 
Sehutzbluttern , niid Beleuchtung der Ohrerski'^ 
thungen des Jim, Dr, PVolfers üherdenselb.ei\^ 
Gwnscand* Als Anfang piner . Uebersicht ^der 
Poikenepideniie fu Freyenstein in der JPriegniiz, 
pam May bit September 1824. Von Dr, Dorn^ 
hl&th zu Flau in ß^eeklenburg. 

IF. Bemerkungen über die wicht^^en Minert^quel-^ 
firllrn des Herzogthume Nassflu» Von Dr»" £• 
Osavn, 

pr'iesbaden. — ^ Ems, — Schlangenbad. — Weih 
bac/i. — Sehwalbach. — Fackingen» — Ceilnau. — 

Dinkhold. — - IVlariehfels, — Soden, Kronen' 

herg. — Selters^ 

r. Heber das Leuchten des Meeres und über dessen 
Gehalt an eigens modicirten Thier- und Pflanzen^ 
Stoffen. Von Dr. Augwst Wilhelm He üb er, 

'-^ Kehtt^Antnerkung von Hufeland, 

VI, Kurze Nachrichten und Auszüge, 

X. Einige Bemerkungen^ über die medicinischen An» 
stalten zu Edinburgh und Glasgow, " ' 

a. yachträgliehe Bemerkung zu der Broussais"* sehen . 
ToJtenbilanz im Octoberheft dieses iournals. 
Von Dr, Casper in^ Berlin. 

hkelt des neun und fünfzigsten Bandes, 

yamm- Register desselben» 

^•ck - Register desselten. 



Litterärischer Anzeigen 



80 «bin ist erscbieneil und daixh aHp Bneh- 
lumdlungen und Poatüi|iter su besiehexii 

Xtkterarische AnnaUn dergtsammten H^ilkmndm^ In 
Verbindung mit den Herren : Geh« Rtth Grä/m 
■11. Prof. Wagner in Berlin^ Medie« Ralh «oi» 
Wmlther in Bonn y Prof. Lieht^nstädt in Br«tlAii^ 
Dr. Köhler in Dorpat, Dr. jimmon, Prof. Cmrus^ 
ISLoh. Erdmann ^Eioi • u. Midie. Ratb Kr^ysig^ 
Prof. BMichenba^t Dr. Schilling n. Hofrath Seiler 
in Dresden y Prof. Sachs in S!önifftberg, Mediii» 
Kath Sachse in Ludwigslust, Dr. Haindorf n. Re^* 
Ant Wutzer in Münster, Medic. Ratb Steffen m 
Stettin 9 o. m. a, herausgegeben TOn Dr, Jmsuts 
Friedrich Carl Hecker, 'Frotttgor der Heilkund« 
an der Universität Berlin und der medicinischen 
Gesellschaften su Berlin und Philadelphia» Er« 
ster Jahrgang. 1BS5. Januar. Berlin und Land«, 
berg a« d. W. ini Verlage von Theod. Christ. 
Friedr. Enslin. Preis des ganten Jahrgangs 8 Rthlr« 



Von P. Bland'*s reiohhaltigtm Wcrhe: 

^Ouvelles richerches sur la LaryngO' Traeheits, eOH/^ 
nue soM^ le nom de Croup, Parts 1824. 

erscheint in meinem Verlage eine Ton Hrn. Dr. 
Clemens besorgte teutsche CJebersetxung, welches 
ieh hiermit zur Vermeidung Ton Collisionen offene» 
lieh bekannt mache« 

J. D« Sauerländerp 
in Frankfurt am Mayn. 



■' . ..<.5 



Im Verltg dtf UnteneicLnPten enebeint im 
nlchsten Jahre 18^51 

Klinische jinnaUn. Eine Zeitschrift, Herausgegehen 
90n dien Vorstehern der medieinischen , chirurgischen 
und gehmrtthülflichen akademischen Anstalten zu 
Heidelbergs den Professoren Friedrich August 
Benj amin Pucheltf Maximilian Jose^^h. 
CheliuSp Franz Karl Nägele, 

in^ riertel jahxisen Heften in' er. 8. su , i<9. ' !Bo'gen^ 
mit Abbild. iJer Preifi des Iffthrganes oder Baude« 
Ton 4 Heften, ist 4 Rtlilr. oder 7 FI. li'Xr. wo- 
/Ar dieselben durch alle Bnchhandlüngen des In« 
and Auslandes, so wie durch die löbl. Postamts« 
Zeitun^sezpeditionen su besiehen iihdji welche" leU* 
tem eich mit ihren Bestellansen «n die Kies. GroCs« 
lienogL P« A. ZeitungsezpeAcion tu wenden be« 
lieben. 

Das Blhere besagt eine» bereits verbreitete aa|« 
f fthvlicher« Anseige« 

Hcidflberg den 20. D«cbr* 1804. 

J. C. Bt Mohr. 



■■» ■ • 



Smndbueh der VorhereitunßsJekrs an den XänigK 
Baieriseheu Schulen für Chirureen, von Fr, v. F^ 
Cruithuisen, Nürnberg bei Schräg, l824« gr* 8« 
Ladenpreifi 3 Thlr» 

• 

In Ansehung de« amtlichen Quelle dieses Bn« 
ches. nnd desselben berafamten Verfassers, wird ea 
-wohl unnOthig *^^9 nehr zu *ag^n,f •!• dafs ef 
nach der neuesten Organisation der Kpnielich Baieri^ 
sehen Schulen f^ir Chirurgen , und nacü den eben- 
falls neuesten nnd geprflf testen literarischen HCIlfs«- 
nitceln» Terfafst ist, und dafs die bekannte Origi« 
nalitir des Verfasser» daran auch einen grolseii 
TheU hat. 

Dieses Werk ist Ton dem Königlichen Ober- 

medicinal-Collesium censirt. und far die benenn- 

un Königl. Lenrinstitute xweckmkfsig gefunden 

^rordcn. Weiter ist diese Censur nicht gecangen« 

£• hit ■ich der V«rbii«r daiia wi« uamw mi und 



/ 



Kräftig tasgtsprocben, olixia A%U jenes hoK« CoU| 
Icgium nur eft einzigel Wort Aendening (daran Te^ 
langt hätte. Vielmehr hat es den Fleifs das Var&i* 
aerg besonders belobt. . 

Wir wollen von diesem Werke nun auch aal 
Uebersicht ^eben , um*- desselben Tiel umfaasesdfli 
Inhalt näher zu bezeichnen. Allgemein^ VorbegriAi 
Ahfchru /• Eigenichaften und Wirknneai 
der Körpernntersieh und in tioli lelÜit 
(begreift in sich die Naturlehre , inibeiondare dii 
tlieoretisMie Chemie, die Meteorologie nnd Ore^ 
nologie iiniveaunden und^ kranken Zustande) i» 
sehn. II. Voir der Erkenn tnifs derjenigi» 
l^atur- und^Kunatyrodukte, welche all 
Atzney und »Ts Gift^und Gegengift wb^ 
Ken '(£ine| PharmaCQlo^e . und dabei einr kiM. 
Giftlenre. Alles 'ist;,tp dieser AbtLeiluB| asiarlaf 
stoirisch hehflndelt^'' uflTa daher ist das NaturUstoOr 
sehe zum Theile mineralogisch , sum Tlieile bofta* 
»ischs-sum TJieile zoeüagisch eingeleitet iftnd abMi. 
theilt, und in der letztem Abtheilung ist wÜ 
Hauptsächlichste derOcganolog^e speziel afy^ceffl|irt)i 
Das Ganze erhält ein vollst'ändiges alphabetiiclMi 
Registtr» und noch einen Anhang, worin für te 
jenigen y welche diese Schulen zu beauchen tfi 
dazu sich vorzubereiten ^edaaken , eine kune Ia 
gik und Geometrie, soweit sie dem ^rzte bedarflig 1 
eindy enltialten ist, und welchem Anhang Boeh 7** 1 
bellen folgen, durch die der praktische Chiiiuf 1 
eine Menge Hülfsmittel erhält, ^e sein Wissen er- 
höhen, und' worin er sich dereinst in den n»ir"y 
faltigsten Verlegenheiten Raths erholen kann« 

Bei Joh. pr.^ Flick in Rathenow ist nea cfr 
scliienen, und 'bei qiir und in allen BuchEandhUh 

gen SU erhalten: 

JSomenvlator synonymorum pharmaceutico - ck§mü»^ 
ruin y oder chemisch - -pharmaceutisches Uandbätkf 
enthaltbiul die Vergleichungen der in der Phmrmt^», 
cie und Vhartnacochemie üblichen älteren und Hsae« 
reu I\!ajnen- mit den gebräuchlicheren^, oon Lad* 
irfg Seidel. (Mit i Tabelle in Steindruck}. ^ 
1824. Preis 10 gr. 

I4eipzig» im Decerober i8fi4. 



Joh, Fr, lagich^ 



Journal 

der 

bräctischen Heilkunde. 

H«raD8geg«ben 

Ton 

C W. H u f e 1 a n d, 

^Hftiiglw Fiwb« Staaurttli , Ritter dts rothen AdUr« 
OvAmu BWHtnrXLuaey erstem Leibarxt, Prof. der Mt^ 
tf^AWif ^ArUmreraität su Berlin, Mitglied der Act« 
dcBBd« der WitsensehafteA etc. 

und 

E. O 8 a n 1I9 

jUptJegrlicIiaM Frofeftor der Medicin an der Medici« 
iBifdi-GliimigiacIiexi Academie für das Miliudr, aufaerw 
f ivd«ntlie1ieii an der Universität zu Berlin , und Mit* 
^ed melirercr gelehrten Gesellschafken. 






Crau^ Freund, ist alle Theorie, 
Doch grün des Lehens goldner Baum. 

Göthe. 



IL Stück. Februar. 



Berlin 1829. 
Gedruckt und verlegt bei G. Reimer, 



■". » ■ 

I 



I. 

Ueber 

den entzündlichen Charakter 

der 

Stehenden epidemischen Constitution 

(Constitutio morborum epidemica statioaiarift) 

ia den leisten Quinquennien 

n 11 d 

ober deren Einfluls auf einzelne medicinischa 
Theorien der neuem Zeit. 

Vom 

Hofrath u. Professor Dr. Kiesen 



(forgelegt der Versammlung der tentichen Aente und 
KituxfoT»cher zu wrirzburg am iß* S^tbr, iSsi}« 



Line 8OW0I1I fiir den practlsdiin AnX , als auch 
iir die höheren Medicinalbehörden und die 
tiMoisarzneikunde ^ so wie fiir die Wissenschaft 
od selbst fiir die Geschichte der Median höchst 
merkwürdige Erscheinung gewahrt der enr- 
M/ic/ie Charakter der stthenden ^idemischen 
(mtkution der letzten Zeit ; daher es der Mühe 
wtrth seyn dürfte, diese Erscheinung einer 
filieren Prüfung zu unterwerfen, indem der 

A 2 



.. - 4 - 

Privatarzt und die Staatsartntikunde durch eil 
genauere KenntniTs derselben manche iiähen 
Bestimmungen und praktische Winke hinsieht-, 
lieh der Behandlung und Heilung sowohl d« 
individuellen Krankheit als auch epidemiiclMr 
Zustände erhalten dürften, die ff^itteiifcfti^: 
über das Wesen der epidemischen slehend« 
Constitution selbst manche Aufklärung gewii- 
nen möchte, und in der Geschichte der 3tMt 
manche der auffallendsten Erscheinungen im 
neuern Zeit hinsichtlich der Entstehung n< 
Theorien hierdurch geschichtlich motiyirt, niv- 
lich auf die sie erzeugenden Momente 
gebracht werden konnten. 

Dafs ich die folgenden Blatter der Ftfi~ 
Sammlung der teutschen Aerzte und Naturforidg' 
Toriege, geschieht theils nur, da ich dank 
häusliche Verhältnisse behindert bin, der am- 
jährigen Versammlung in Würzburg persÜB- 
lich beizuwohnen, dieselbe wenigstens schrift- 
lich zu begrüfsen , und ihr durch dieses Ueisi | 
Zeichen imeine Hochachtung und meiner thir - 
tigen Theilnahme den Wunsch für das ferapi 
Bestehen dieses wissenschaflllchen Vereiaä 
anzudeuten; theils um bei denjenigen Mitg^S;. 
dern desselben, in deren Wirkungskreis dif 
Erscheinungen des vorliegenden Gegenstand^, 
fallen , eihe' gröfsere Aufmerksamkeit auf dtt- 
selben zu erregen und sie zu veranlassen^ awJh 
ihrerseits ihre Beobachtungen auszuspredaBp' 
damit durch Sammlung mehrerer Beobaditov- 
gen dieser noch weniger, als es seine Wi<^ 
tigkeit verdient, zur Sprache gebrachte G«^ 
genstand überhaupt melir aufgehellt , und dh : 
gegenwärtige epidemische Constitution insbe- 
sondere als eine für die Geschichte der Ve- 



5 



ditin nicht unwichtige Erscheinung de» ioU 
gemleQ Zeiten hinlänglich constalirt hinterlas^ 
sn werde. Sollte hier Manches Torkommeil, 
\fa8 als allgemein bekannt, den praktischen 
Aenten überflöfaig erscheinen mSchle, so bitle 
ich EU bedenken, dafs das den Zeitgenossen 
bekannte, nicht s^ denen seyn möchte, die 
nKh uns leben , in einer Zeit, wo. sich wahr- 
sMnlich ein anderer epidemischer Charakter 
aintüldet, und dafs also eine treue Schilde^ 
ning d6r Gegenwart vielleicht ein geschicht- 
liches Interesse fär die Ffachwelt erhalten 
ditffti. 



lieber den Segriff der stehenden epiderai- 

.vbeA Constitution {Constituüo morborum cpiüc- 

rnicü staüonaria) glaube ich mich kuri fassen 

zu können, da allgemeines Yerständnifs in 

diMer Beziehung wohl Torausgesetzt werden 

kaon , und da meine wissenschaftliche Ansicht 

über dieselbe ausführlich in meinem Systeme 

dtr Mtdicvi, 1. Band, Halle 1817. Seilte 656— 

t)63. dargelegt ist, so wie noch ausführlicher 

derselbe Gegenstand von HarUfs (die CvnstU 

luth stationaria , ihre Wichtigkeit ,. ihr Einflufs 

AufKxankheitsbildung und Heilartsbestimmiing, 

in C F. Harlefs Jahrbücher der teutschen Me- 

dicin und Chirurgie 1. B. 1. 2. Heft. ]Nürn<- 

Lerg 1813. 8.) abgehandelt worden ist. — ; 

Nach den am angeführten Orte ausführlicher 

gegebenen und wissenschaftlich motivirten Be- 

slintinuugeu versiehe ich nämlich unter der 

siehenden epidemischen Constitution ,,eine in 

^ersrliiedenen Gegenden des geinäfsigten Hnn- 

meisslridies . so wie eu verschiedenen^Zeiten 



— 6 — 

Terscbieden erscheinende, aber in all^omi 
cosmischen, daher noch nicht näher b< 
ten Einflüssen bedingte, allgemein über «1 
Menschen . der Region, in welcher sie herrsch^] 
rerbreitete Anlage zu besondem Krankhdit 
ständen^ welche Anlage in einem besondt 

Ehjsiologischen Yerhältnisse des menschli< 
■ebens begründet, aufserdem o/Ze/i 
KrankhiUtn einen gemeinschaftttchtn Chari 
mittheilt, sich selbst in dem allgemünm 
rakter des gesunden Lebens ausdrückt, und 
höherer Ausbildung als wirklich^ VoIktknaM 
heit, als Epidemie erscheint." Dieser 
meine Charakter des gesunden und krankea 
Lebens, der hinsichtlich seiner räumlidien 
Ausdehnung oft ganze Welttheile umfafst unl;! 
hinsichtlich seiner zeitlichen Ausdehnung, vaAfJ 
Harlefs Annahme, zwischen 2 bis 10 Jahiii 
wechselt 9 erscheint yorzüglich in heivortnum;^ 
der Thätigkeit eines der Hauptsysteme des nu 
liehen Leibes, wodurch dann die besonders. 
der stehenden epidemischen Constitution bt4^^ 
stimmt wird, so dafsbald das vegetative Iteh^n des 
menschlichen Korpers vorzugsweise thäüg er* 
scheint, und die vegetative stehende epidendsdis ] 
Constitution bildet, bald das animalische LelMR • 
im menschlichen Körper die Vorherrschaft hal^ 
und die entzündliche stehende epidemische Cbftftf- 
tution giebt, bald das sensitive Leben nbfsrwiig^ 
und die nervöse epidemische Constitution darstellt < 
Hierbei können dann nach diesen Hauptfbr- 
men untergeordnete besondere Formen od 
Modificationen entstehen, so daCs in der r^* 
getativen Constitution »bald mehr das gastii- 
sche System vorwaltend ist und die gastrisdii 
Constitution bildet, bald eine Torwaltende. Thä- 
tigkeit des Gallensysteme die galligte Consti« 



~ 7 — 

tntion entwickelt , bald mebr di^ SchleimliXut« 

lüden, wodurch die Mchldmigu Constitution 

encheint, in der entzündlichen Constitution 

ball mehr der catarrhalUche und der rdn snr« 

läaiiehe, .bald mehr der in Fäulnifs überge« 

htade sogenannte fauUgte Charakter auftritt, 

vnd so fetner noch andere Abweichungen sich 

faiUen können. Anderweitige Modificationen 

cilitehen durch die Wechselwirkung der 

epidemiscfaen stehenden Constitution, mit der 

jährlichen durch die Jahreszeiten bedingten 

Constitution 9 durch die endemische einzelner . 

Gegenden und durch andere allgemein einwir« 

kende Einflüsse. 

Ob hinsichtlich der Rdhefolge der Haupt- 

fonnen der stehenden epidemischen Constitu* 

tion ein bestinuntes Gesetz obwalte, ist noch 

nicht durch die Erfahrung, über welche hier 

nicht einzelne Menschen sondern Menschen- 

Seichlechter eine Stimme haben, ausgemittelt 

worden ; jedoch wird auch hier nicht blinder 

Zniall, sondern ebenfalls ein bestimmtes Gesets 

aogeDommen werden müssen, und in Zukunft 

aidb nachweisen lassen. 

Wie daher alles Leben oscillirend, d. h« 
Ton entgegengesetzten Kräften und nach be- 
stimmten Gesetzen bewegt erscheint; wie das 
Leben der Menschheit in der Weltgeschichte 
aar ans oscillatorischen Gesetzen erklärlich ist; 
so osciUirt auch hier das Leben des Menschen« 
Geschlechts einzelner Gegenden zwischen den 
Hanptformen seiner Erscheinung, und nähert 
sich bald mehr diesem bald jenem, der Grund- 
t3rpen des organischen Lebens; es ist bald 
mehr vegetativ und pflanzlich, bald mehr ani- 
malisch und thierisch, bald mehr nerros und 



— 8 — 

den menscilllchen Charakter des organitdai 
Lebeos festhaltend; und diese HaaptfomMi 
drücken sich in allen Aeufserungen des Le- 
bens , den normalen und gesunden , ym .das 
abnormen und kranken aus/ 

Was ferner die nähere Angabe und Er- 
klärung der die stehende epidemische. Coiisll* 
tution ü|)erhaupt., so wie deren Wechsel te«, 
dingende Ursachen betrifft , so begebe, ich vänik 
hier eines Versuches dieser Art ; glaube ii- 
dessen, dafs wenn sie auf lebendige V^räadh 
rungen des ^nern Lebens der Erde selbst bl* 
zogen wird, die im Menschenleben, .iila. dem 
höchsten Producte derselben , sich wiedeisifeie- 
geln> man zur Unterstützung dieser Meinnii|^ 
deren wissenschaftliche Erörterung hiehw nickt 
gehört, eine hinlänglich gewichtige Aatontit 
enführen kann , indem schon Sydenham sagt^ff 
Varia% sunt annorum conttitutionts ^ quat iM^t 
calori^ neque frigorif non sicco humdovt ortBHk' 
suum debentf sed ab occulta potfu$ cVfJH 
explicabili quadam alteratione in ip$i9 
terrae visceribus pendent; welche Anfidl 
schon die einseitigeren Erklärungsrersucfae, dit 
den Grund dieser Erscheinung in den eleetn- 
schen Verhältnissen der Luft allein etc. Sa- 
chen, als unstatthaft verwirft. 

Meinem Gegenstande naher kommeoli 
stelle ich nun folgende zwei Sätze auf , dem 
Beweisführung und näherer Erörterung diiie 
j Abhandlung zunächst gewidmet ist: 

/ 1. JDie gegenwärtige stehende tpidmiuäk 

^ Constitution sowohl als solche süt 12 bis iö JbArab 

*) Th, Syienham opera medisa, Genmfme wpS* 
4. p, 21. 



— ö — 

2. Die gegenwärtige herrschende stehende 
ijpUoiKfcAc Constitution ist, ihrer Form nach, 
die entzündliche f besteheud in TorLerrschender 
Thatigkeit des animalischen I ebens, d. h. des 
BlatgefalssTstemes. 

Hinsichtlich des ersten Satzes, die Be- 
idmmang des Beginnens der gegenwärtige ste* 
Inden tpidamischpi Constitution j wird eine ge-« 
mere Angabe, als die obige, schon deshalb 
Mhwer, weil an sich diö Uebergänge an ei* 
Mr besonderen Form in die andere nur all<- 
lühlig in einem Zeiträume mehrerer Jahre 
geschehen , also unmerklicher werden, lieber- 
dem dSrlte selbst in verscliiedenen Gegenden 
Teutschlands, durch Local Verhältnisse bedingt, 
eine Verschiedenheit auftreten; und endlich 
wird sich, da dieser Gegenstand von den prak- 
tischen Aerzten noch zu wenig berücksichti- 
get worden ist, hinsichtlich des Beweises (da 
wir gegenwärtig Lebende nicht sämmtlich als 
Angenzenfen auftreten können, also frühere 
Beobachtungen verstorbener Aerztezu benutzen 
sind) ans früheren vor 12 bis 15 Jahren Statt 
gefundenen Beobachtungen wenig bestimmtes 
entnehmen lassen. Es fehlt uns ja du]:cbaus 
nech an einer Arbeit, welche, gleich den mcf- 
teorologischen Tabellen , fortlaufend den stec- 
henden epidemischen Charakter einer ganzen 
Reihe Ton Jahren zum Gegenstande einer hi- 
storischen Aufzeichnung gemacht hätte. — 
Wir glauben indessen, wenn wir alle später- 
hin anzugebenden Verhältnisse berücksichti- 
gen ^ dafs wir annehmen können, dafs der ge* 
genp^ärtig noch herrschende epidemische Charakter 
seit ungefähr 10 bis 15 Jahren begonnen hat; 
mit welcher Annahme auch andere Aerzte 



-^ 10 — 

übereinstirmnen , 2, B. C. W. Hufeland *% 

J. Schaff er **), Schnurrer ***), welche das 
iahr 1811 als die Epoche des Beginnens dsi 
gegenwärtigen entzünd Liehen Kraukheitsgeniu« 
bezeichnet, und Pfeufer ^***), . welcher das 
Jahr 1813 als den Wendepunkt betrachtet 
Bedenkt man indessen nur , dafs in den Jah« . 
ren 1§10 bis 1812 die Wechselfieber baaoii-- ' 
ders häufig 9 oft epidemisch, durtph gan:^ Eil- i 
ropa, von der Spitze Dänemarks bis nach K« 
ciiien , und von der russischen Gränze bis aa. • 
die Tyrenäen herrschien , und berückaichti^^ . 
man, dafs das Wechselfieber, welches iniiiaf« ! 
auch dessen noch unbekanntes Wesen MJB- j 
mag, doch wenigstens nicht eine yorwaltefr- '^t 
tende Tiiätigkeit des animalischen Systems be« 
urkiindet; so glauben wir, dafs diese einzige ' 
Thalsache schon hinreicht zu beweisen, da& 
in jener Zeit der epidemisch herrschendaa 
Wechselfieher der gegenwärtige entzündlicha 
epidemische Charakter der Krankheiten W6« 
nigslenj^ noch nicht vollständig ausgebildet gt- 
wesen sey. — Andere Beweise für diese An- 
nahme werden sich noch im Verlaufe der fol- 
genden Untersuchung ergeben. 

Hinsichtlich des zweiten Satzes, die h^ 
sondere Farm der gegenwärtig herrscheildei 
stehenden epidemischen Constitution betraf« 

*) HuftilaiuVs Jourii. d. pract. Arzneikunde. 38» B» 

6. St. ]Si4. Jiinius. S. 91. 

*♦) daselbst 53. B. 5. St. 182I. Nov. S. 19» 

***) l'r. Schnurrer die Krankheiten des Meneeheagt* 
schleclits Iiistorisch und geographisch betnä^ 
tot. Der historischen Abtiieilung erater TheiL 

Tübingen iB^ij. 8- S. 8. 

•*•♦) ehr, Pfeufer Handbuch der allgemeinen 
Kunde« Bamberg 1324. 8. S. 37. 



— 11 — 

find, "welche wir ab die entzündliche be- 
Mcbnet haben, so würde das Wesen der- 
idben nach dem Frilhern darin bestehen, 
difs seit dem Beginn derselben in demjenigen 
Kreise des Lebens und in derjenigen Region 
der Erde , welche von dieser Form beherrscht 
irird, das animalische Lehen vor deih vegetati- 
Ten und sensitiven vorherrsclit , dafs also theils 
ia dem Menschen überhaupt , so wie bei Thte^ 
\ m eine in der kurz vorher gehenden Periode 
nicht bemerkte vorherrschende Ausbildung und 
I Vkrm^ende Thätigkeit des Blutgefäfssystemes imd 
der Organe desselben Statt findet, dafs also 
theils in dem Reiche der Krankheiten alle 
Krankheiten einen mehr entzündlichen Cha- 
rakter tragen, und Entzündungen selbst häu- 
figer und intensiver als vorher auftreten, theils 
[ andere Abnormitäten, die auf übermäfsiger 
f Ausbildung des Blutgefäfssystems beruhen, häu- 
figer als vorher erscheinen, also auch hier 
der animalische Charakter vorherrschend ist ; 
. während sovirohl im Reiche der Krankheiten', 
ab auch sonst im menschlichen Leben die 
vegetativen und sensitiven Formen des Lebens 
seltener erscheinen, als früher der Fall gewesen» 

Durch die Einwirkung der jährlichen epide^^ 
mischen Constitution (constitutio epidemica annua)^ 
welche durch den Einilufs der Jahreszeiten 
gebildet wird, modiücirt, neigt sich diese 
eniziindliche Constitution dann im Spätsommer 
und Herbst, wo das venöse System und die 
Unterleibsorgane mehr leiden , zu der gastrisch-^ 
hiUiisen^ und erscheint daher als entzündliche 
Aflection im Bereiche des Pfortadersystemes, 
als Congestionen nach dem Unterleibe etc.; so 
wie umgekehrt im Frühjahre, wo überhaupt 



~ 12 — 

I 

das arterielle System und die RespiMlionioii2' 
<;ane thätiger siud, die cataiTlialischen undrMu'' 
malischen Formen , und die entzUndiicheii At^'l 
fectionen der Lungen häufiger auitreten* 

i 

^ Eben so wird dann dieser entziindlicha.' 
Charakter der epidemischen siehenden Consii' 
tution modificirt und beschränket oder deoÜi- 
cher hervorgehoben, durch die !EinwiT]LU| 
und Mitwirkung der endemischen RiwUnfi^ 
welche die endenvsche, cUmatischt Corutituim 
bilden; so dafsz. B. in Teutschland derentzSaj*,, 
liehe Charakter der stehenden epidemischen CoA* 
slitution deutlicher auftreten wird in den Bfli|g"V 
siegenden des Innern Teutschlands, wo er dudk 
die entzündlichere endemische ConatttotiiMl 
initerstützt wird; dagegen undeutlicher ^ ^^^l^ . 
\egelativen Charakter sich mehr annShefai* 
erscheinen mufs in den flacheren SLüstengV« 
geuden INiederteutschlands , wo der TegetaAH 
\ere Charakter endemisch vorherrschend ylU 
— Welche Modification so bedeutend saJB' 
möchte, dafs main dem Urtheil solcher Aenli^ 
Avelche bLofs die Krankheiten und den allga^ 
meinen Krankheitscharakler ihrer Gegend ktt^ . 
neu , um so weniger Zutrauen schenken diif* 
le, je mehr sie und ilire Krankheiten das 
flachen Lande der Seeküsten, oder den 6t- 
blrgshohen des Binnenlandes angehören. 

Folgende Erscheinungen , die hiermit te- 
uerer Aufmerksamkeit und Trühing untenrQ^• 
fen Averden , dürften nun , nach meiner Am: 
Sicht, tlieils den aufgestellten Satz,^ dab gt- 
genwärtig die entzündliche epidemische tte- 
hejide Constitution herrsrbe, bestätigen, theOl 
umgekehrt aus dieser Annahme selbst eiM 
richtige Deutung und Würdigung 'erhalten* 



— 13 — 

ruhen manfhe derselben vielleicht melir niif 
rmuthiingen nnd abslraliirten Schlüssen, und 
/leioen sie daher liypollietisch, so werden 
ich diese leicht bei Männern richtige Beur- 
jieiluug finden , welche der Wissenscbaft le- 
jen, lind filso wissen, welche Schwierigkei- 
ten hier zu beseitigen sind, wie manche Wahr- 
lieit nur dnrch Combination nnd Sclilufs ge* 
teden wird und iielunden werden kann, nur 
Als 3Iftnche9, «was früher als kalte Hypothese 
etscbien, von der Nachwelt als mit divinatori- 
Khem Geiste aus dem Leben selbst ergriiTen 
aierkannt wird, — Andere der angefilhrteu 
Enchelnungen , die für sich hetrachtet, dem 
Torwurfe der Unbedcntenheit unterliegen moch- 
ten, werden ihrer vollen Würdigung durch die 
Zasammenstellung mit den übrigen nicht ent- 
geben. 

1) Zuerst gehört Iileher die schon längst 
allgemein anerkannte, und dalier keines wci-* 
teren Beweises bedürfende Thatsaabe, dafs 
tntzVtndliche Krankheiten, nämlich wirktiche Ent- 
Kondungen, jetzt häufiger als sonst erschei- 
nen, daher ich auch in dieser Beziehung nur 
einzelne Andeutungen gebe. Nicht nur sind 
alle Formen der Entzündung weit häufiger als 
sonst, sondern die Entzündungen der Respira^ 
ttonMorgane^ als derjenigen Organe, in welchen 
das animalische Leben sich vorzüglich bewegt, 
gehören zu den häufigeren Krankheiten. Wenn 
femer. die sogenannte Tracheitis infantum pdei 
die hffutige Bräune ujid die sogenannte Jiirn 
tntzündung der Kinder (Encephalitis infantum^ 
welche, wie schon j4utenrieth andeutete, wo! 
nur als zwei verschiedene Formen einer ui 
derselben mehr allgemeinen Krankheit d 
kindlicheo Lebensalters zu betrachteu sind, 



ii 



— 14 -- 

den letzten Quinquennien häufiger als vi 
beobachtet ^worden sindy wie schon allein 
medicioische Literatur beweisen dürfie, 
che gerade über diese Krankheiten äie 
sten Monographien aufzuweisen hat ; so 
der Grund dieses häufigeren Yorkommens 
falls in dem angegebenen Verhältnisse sul»»^^ 
gen y und der oft den Aerzten gemachte Ydl^ 
wurf , dafs diese Krankheiten früher 2:war 
so häufig vorhanden gewesen , aber von ihsMi; 
verkannt worden seyen, erledigt sich vonseIhl|^| 

Dasselbe gilt von den Uerzentzw 
und von den Herzkrankheiten überhaupt. 
Kreifsig^s Schrift über dieselben hat man' 
gewähnt, dafs durch dieselbe die Aerzte meU^il 
auf diese Krankheiten aufmerksam gemikr" 
worden seyen, dafs sie sogar, verleitet dm 
dieselbe, oft Herzkrankheiten und Hen 
Zündungen zu sehen vermeinten , wo ein vi 
urtheils freieres Urtheil nicht der Meinung 
würde; allein es würde doch eine sonderl 
Verkehrtheit und einen epidemischen Irrthmi'^ 
der Urlheilskraft der Aerzte voraussetzen, weni^ 
man annehmen wollte, dafs die vieUadMjt 
Zeugnisse derselben von dem häufigeren Von . 
kommen der Herzkrankheiten irrig und ant; 
präoccupirter Ansicht beruhend seyen. Dags^ i 
gen erklärt es sich leicht, dafs bei vorhanden 1 
ner höherer Thätigkeit des Blutgefafssystenü | 
überhaupt auch dessen Centralpunkt in altea J 
seinen Beziehungen grofsere Anlage zu Krank- 
heiten, besonders zu entzündlichen Fozmeii 
geben müsse. 

Wenn ferner die sogenannte AtgypiiMtM 
j^usenentzündung y deren allgemeiner Charakter 
doch wohl nur in einer sehr intensiven and 



— 15 ^ 

iaher sehr bald in Eiterung übergebenden 
]iUegmonosen Entzündung des äufsern und in- 
■ern Auges besteht, seit 12 bis 15 Jahren 
iA auch in Europa, nieht blofs durch An-> 
HKknng übertragen, sondern ursprünglirh ent- 
ffuden und also einheimisch zeigt, und selbst 
nlser den Kriegszeiten , wo allerdings die 
Tcfbältnisse des Krieges, vorzüglich das Zu- 
tnunenwohnen vieler Personen desselben AU 
tm und Geschlechts, ihre Entstehung und 
Ausbreitung begünstigen mögen, sich beson*^ 
ders in MiUtairhospitälern und Kasernen ent-^ 
wickelt; so glauben wir, dafs die Aeliologie 
devselben, als epidemische Krankheit, wohl 
nur irrig in einzelnen untergeordneten Ver* 
hältnissen, nämlich in Einwirkung des nur 
einzelne Individuen treffenden Schädlichen ge- 
sucht werde, und dafs hier theils das allge- 
meine Verhältnifs der epidemischen Constitu- 
tion, nach welcher im Laufe von Jahrhun- 
derten, frühere Krankheiten verschwinden und 
neue entstehen, zu berücksichtigen sey, theils 
das besondere Yerhältnifs der entzündlichen 
stehenden epidemischen Constitution, von wel- 
cher wir hier handeln , und welches entzünd- 
liche Krankheitsformen vorzüglich unterstützt. 
Nachdem ich in dem Feldzuge 1815 auf diese 
Krankheit aufioierksamer gemacht worden bin 
und sie mehrfach selbst behandelt habe, ist 
mir die lebendige Ueberzeugiing geworden, 
dafs so wenig man die Entstehung der Syplii- 
lis im löten Jahrhundert nach der gewohnli- 
chen Ansicht und Yerfahrungsweise bei Er- 
klärung der Entstehung neuer Krankheiten, 
kat genügend erklären können, eben so we- 
nig bei dieser neuen Krankheit alle noch so 
Tolujninösen Schriften etwas zur Erklärung 



- 16 ^ 

der EntfltehiiDg uncl zur Verhiitiing derselben 
beitragen werden, wenn sie blols nach der 
'bisherigen Yerfnhrungsweise das IndiyidueUa 
der Krankheit und des Kranken berücksichtL* 
gen , und sich nicht zu allgemeinern .und uni- 
fassenderen Ansichten, über die Beziehung 
der Krankheiten des Menschengeschlechts zn. 
der Entwickeluug desselben in der Geschichttt 
der Menschheit erheben ; und dafs, wie di^ Sf* 
pliilis seit dem Ende des löten Jahrhunderts 
stehende Krankheit des Menschengeschlechtes 
geworden ist, eben so auch die Aegypti* 
sehe Augenentziindung als stehende epidemische 
Krankheit aller bedeutenden Kriegsheere ein- 
treten und aller bisherigen Versuche, 
Entstehung zu verhüten, verspotten wird« 

In der Sphäre der psychischen Krankhikm 
mochte es sich gleichfalls nachweisen lassen, 
dafs hier ebenfalls diejenigen Formen , welche 
mehr in abnormer Erhöhung der animalischen 
Seite begründet sind, vorzuglich auftreten, daJb 
also Manie Und 3Ielancbolie sich häufiger zeig- 
ten, als Geisteskrankheiten der sensitiven Seite, 
nämlich reines Irrdenken. Bestimmter er- 
scheint aber der vorherrschende entzündliche 
Charakter bei den psychischen Krankheiten^ 
in den nicht selten vorkommenden Fällen, wo 
wirkliche Entzündungen der Hirnhäute oder 
der innern Blutgefäfse des Gehirns diese Gei- 
steskrankheiten bedingen, so wie die gegen^ 
wärtig so häufig vorkommenden serösen An- 
sammlungen in den HirnhüJüen und Hirnhäu^ 
ten bei psychischen Kranken sich höchstwahr- 
scheinlich in den meisten Fällen auf vorher- 
gegangenen entzündlichen Zustand gründen, 
also ebenfalls*^ den vorwaltenden animalischen 
Charakter im Hirnleben bezeichnen. 

Hin* 



-^ 17 ~ 

HinfiichtUch der allgemeinen Kranklieits<i»' 

finnen , der Blattarn p der Matern , des Schar» 

kftfy und des Nervenfiebers , wird es schwer 

NjB, einen Torwaltenden entzündlichen Che« 

lüfer in den letzten Quinquennien zu bewei- 

i8i| indem auch schon vor dieser Periode^ wie 

die mörderischen Epidemien des Scharlach« 

in Jahre 1801 zu Wittenberg und an änderte 

OMen beweisen, eine grolse Entzündlichkeit 

im Scharlachs vorhanden war^ und eben so 

dis entzündliche Nervenfieber in seinen Ue^ 

beryangen als Fleck - und Faulfieber frühes 

eben so häufig als gegenwärtig beobachtet woiv 

den seyn dürfte. 

I/Väre es nothig, aufser diesen von allen 
praktischen Aerzten nicht zu läugnenden That* 
Sachen noch - andere anzuführen , so gehört 
hieher die Erscheinung, dafs selbst in der 
Thkrhdlkwid§ , nach dem Zeugnisse der Thier» 
arzte, die entzündlichen Zustände häufiger 
Torkommen und sich intensiver ausbilden f 
welche Erscheinung, wenn wir annehmen^ 
dafs die die stehende epidemische Constitu- 
tion bei Menschen bedingenden Einflüsse cosi- 
mischer Art sind^ nnd dafs während der Herr« 
schall der gegenwärtigen epidemischen Coo-* 
stitution alles Xeben sich mehr zum animali«* 
sehen Charakter neigt , sich leicht von selbst 
erklärt. *) 

2. Ferner gehört hieher die Erscheinui^ 
dals auch aufser dem häufigem Vorkommen 

*) Ob dis HandMwuth, und darielbe Zuitind btl 
Fochten sich in den leisten Jahren häufiger 
seigty und ebenftllt hieher gesogen werden 
matte, mag einttweilen sls Froblem hinge* 
stellt bleiben. 



-. 18 — 

wirkliclier Entzündungen diejenigen Zustande 
die nicht als schon völlig ausgebildete Krank« 
heilen sich darstellen, und auf« mannigfaltige 
Weise im praktischen Leben bezeichnet, im 
TrissenschalUichen Sinne nur als gröfstrt b^- 
sondere Krankheitsanlage im animalischen Systems 
betrachtet werden können/^), ebenfalls gegen- 
\rärlig und wahrscheinlich seit der angegebe- 
nen Zeit sich häufiger und in mehr oder miii- 
der grofser Ausbildung zeigen, als vorher. 
Von der grofsen Mannigfaltigkeit der Erschei- 
nungen, in welcher diese Zustände bei ver- 
schiedenen Individuen, Geschlechtern, Lebens- 
weisen etc. sich kund geben, mögen auch hier 
nur einige dec ausgezeichnetesten und am alt- 
gemeinsten vorkommenden berührt werden. 
4— Am merkwürdigsten und bedeutungsvoll- 
sten ist wohl in dieser Beziehung di^ in der 
gegenwärtigen Zeit enorm hervortretende JEtä* 
morrhoidalanlage. Sie erscheint unter den ver- 
schiedenartigsten Formen und Gestalten, so 
dals si^ wohl bei den meisten chronischen 
Krankheiten der spätem Lebensperioden als 
zu Grunde liegend angenommen werden kann» 
bei beiden Geschlechtern und selbst häufig in 
dem sonst mehr zu arteriellen Congestionen 
der Respirationsorgane sich hinneigendem ju- 

{ endlichen Lebensalter. Es wäre in dieser 
teziehuDg der ferneren Beobachtung und ge- 
naueren Untersuchung werth (da Gicht, Stein- 
krankheiten und Hämorrhoiden nach allgemein 
ken Erfahrungen , die sich an die Theorie der 
^^tstehung dieser Krankheiten, anschliefsen, 
doch nur verschiedene Formen , gleichsam Me- 
taschematismen , einer und derselben Krank- 

*) Kisser Syatcm der Medicin. X* Bind. S. 64. 
8, Bd. S* 198—135. 



-^ 19 — 



heil der rnckacbreitenden LebenipeHode de 
Menschea sind), ob Gicht und Steinkrankhea 
teil- nicht in gleichem Verliältnisse seltene 
•nchienen tipd , wenigstens von der Gicht dii 
TegetaÜTere Forin derselben , die sogenannt 
jtrthrkis frigßia et atonica, als die Hauiorrhoi 
dalzustiinde augenominen haben, indem dam 
uch .ebenfiüb erwiese , dafs von den Krank 
lieaten , welche gleichsam nothwendig in dei 
späteren Lebensperioden entstehen, die aoj 
malischen Formen sich Torzugsweise ^usbil 
deten« 

DaA, in gleichen Verhältnissen begrün- 
det , gegenwärtig Menstrualblutungen des weib 
liehen Geschledites sich oft noch in d^n spa 
teren Lebensaltern zeigen > wo das Blutsjsten 
sonst gewohnlich cur Ruhe gekommen is^ 
und d^ß man nicht selten noch Menstruatioi 
nach dem GOsten selbst 70sten Lebensjahn 
findet, wird ebenfalls jedem praktischen Arzt< 
nicht uhbekannt^ seyn. 

Zu einem indirecten Beweise dient ternt 
selbst die dem Layen nicht eatgangene jB& 
merknng, dafs in der gegenwärtigen Lebens 
weise der Gebrauch spirituoser Getränke, si 
wie des Weines , selbst in den niedern Volks 
klassen abgenommen hat. Wenn früher dÄ 
schwereren Weine, deren Wirkung vorzüg 
lieh in Erhöhung des animalischen Lebens be 
steht, und die nacb dem Volksausdrucke meh; 
ins Blut gehen ^ die beliebteren waren, un< 
hinsichtlich der Quantität ein gesunder Mensel 
ohne Nachtheil einige Flaschen derselben zi 
sich nehmen konnte, so erscheint es gewif 
als etwas sehr merkwürdiges, dafs statt de 
schwereven Weine jetzt die leichteren an dsi 

B 2 



— 20 — 

TfcfunrJnrnr liod. ia£i die KLise über die* 
Wiikizfi« ier scöwvrea Weijue alizemein ge- 
b^n *>«ird, -smi iai» ^m'ge Güi9«r ort dieseftbf 
Wickiio« zetcea. ^rra ftuher einige Flaschen. 
Lo^ 12:5 ü« 3i.<ii m i«i T^er JaiixeA des 
fce«fi raiiriiujMerts aiciit selten Torjekom^ 
5ii:e . iaii§ weniffe Personea einen hal- 
"^^'t^is lox ^en Tlfcii brinseny mti 
!uciic tfiicr ^eriassen . ai5 bis der 
Weui ^eneort ^wmea. zerenwarü^ mskt 
jaiT fetuitaen '«vsni« müiiiie 3Ut.ii wohl aidit 
btiC^f sXz^r Zcziahme ies HCtlichen GeSks 
.^>MC {rvl5«n»r ^aTsix&eit La icr Leueaawexse 
lu^vedmeben "^eruen kJccen. — Diese Er- 

ibe» wei-Iie üe ^^idaliündlep £e 
AAi4*.&ait ^TurieQ ^ef:ezi kJa2.ira, scheint 
aitM «ce£U%u-5 1W5 ier -i^s'ra'^jvrTi^n stehea- 
wa t'^>i%itf«ais4Lhea L.usululiwi:. licf leichLer 
aöncrfurf Tr^:>Chus3^ les ixuiiiaiiseiien Lebens 
-"v^r* -%e£u.eii ru niissifa. 



.* '-*: itfi^.-i*n ?Iadi5^ . il* es'ronulitbe 
*;iÖ4, .'.i2«:»»*eci:efi :** TT-'mQprarsgemes 
su^tfa«.xwuuca. s^iieinrn -i«»: -eaer Zeit 

frwU;7«iiC'< , -e^rticcec ji uncrm :ii:!retender 
Tll«:2^äi.t«iC ic* >erven5T«?ei2:e5 . md ^ben so 

2k^:«tt«;r ^«fiw\jr*ien zu «e^"^ L'i«? -^rakiiscben 
.•Mc«£e iuv.'^«a fnfsciieiäen . -'i? üe rr^inen Ser- 
^^^lAxAüÄiieicen . z. 3. £p^afsxe . T'^rrr^rc etc. 
«•«^64. aicixc sei: euer unfreien .u« 7'I::er: ob 
lim ^»icteus^truiea »Tesaitea ^t?r^Ver Zusnin- 
1^^ -ize unter iem 3faaien ^Jr£T.•JL•:t^ Jbijäile, 
^^ deuk weiblich«?« •j«e!^ii«tKii.e rülier fast 
na< Mw«l^ ^ie\%üA*üeu i%&rea . >.w*i'5 iu5 ▼erin- 
«etdift Mim HA«%ier terscixwuauiin iuxu ; ob 



— 21 — 

lieh Hypochondrity ah grürsere BdalNttlLrfk 
fa Gaogliensystemes und des lYenrensjitaiBML 
Sberhaupt , nicht jetzt seltener zeigt, und Tiel«« 
leicht TOD der jetzt häufiger Torkournendea 
^bereo Reizbarkeit des Herzens, die sich 
lis Anlage zu Herzkrämpfeni Herzklopfen etc^ 
ksod giebt, metaschematisch compensirt wird« 
^ Eben ao scheint die früher so oft ventilirt« 
Klage über die gröfier« Schwäche das fllen« 
sehengeschlechts nur in dieser groüieren I7«r-» 
Tenreizbarkeit der früheren Zielt begründet ge^ 
Wesen za aejm, und dafs sie gegenwärtig nur 
Teratummt ist, weil das sie erzeugende Tair« 
hältniJa Terändert worden iflit^ 

Warum das J^echselßtber seit der enge-* 
gebenen Zeit seltener erschienen, fast nie epi? 
demisch; warum JRuhrepidenuen jetzt zu den 
Seltenheiten gehören ; warum Serofelkrankhdten 
ebenfalls weniger vorkommen^ erklärt sich 
auf gleiche Weise, indem in allen diesen 
Krankheiten die Vegetation und die vegeta^ir 
tiven Organe vorzugsweise leiden. 

4. Noch mehr erhält die aufgestellte An*« 
sieht Bestätigung durch die bestimmter nach-r 
zuweisende Thatsache , dab von allen Arznei- 
mitteln gegenwärtig die antiphlogistischen Mittel^ 
nämlich solche, die die Thätigkeit des ani^ 
malischen Systemes herabstimmen, viel häu^ 
figer angewendet werden, als früher. Und 
wollte man hier entgegnend diese Erscheinung 
auf den Wechsel der medicinischen Theorien^ 
und auf mehr iu Mode gekommenes Vorherr^ 
sehen antiphlogistischer Theorien beziehen, scf 
glauben wir selbst diese Einwendung für un- 
sere Ansicht benutzen zu können, indem,: '^ia 
im folgenden wird angegeben werden, selbst 



— 22 — 

die gegenTfärHge Herrscliaft ahtinlilogltlifldiflr 
Ansichten und Theorien nicht der WiUkiilit 
der Mode ihren Ursprung verdankt, sonden, 
auf einem tieferen urunde liegend, ab dank 
die gegenwärtige Zeit und deinen Bedfirfiiilk 
nothwendig gefordert wird angesehen weidaa. 
müssen. — Hinsithtlich dieses häufigevtn Ge* 
brauch» antiphlogistischer Mittel gieM eiais 
auch nur oberflächliche UebersichthSohstmeik- 
würdige Resultate , Ton denen ich ednige, iiii 
sie mir zur Kenntnifs gekommen, luer av* 
führe. — Ungeachtet des Wechsels > der rm* 
schledenartigsten Theorien rerbrauchto «UftGIia^ 
ni& in Berlin im Jahre 181i nur 120 Bint- 
egel, dagegen im Jahre 1819: 13100 StucL 
Sämmtliche Hospitäler in Paris consumiren ge« 
genwärtig , nach einer in Proriep^i Notizen *) 
mitgetheilten. Nachricht, jährlich 5 bis 6 BGt 
lionen Blutegel, die 150 bis 180000 Frankip 
kosten, und von denen allein das Bötd JJkm 
täglich 400 Stück in jedem Krankebaaale be- 
darf. — Aus der Magdeburger Gegend, dii^/ 
wie alle flachen Gegenden, besonders reidi 
ah Blutegeln ist, gehen jährlich ganze Schifls- 
ladungen von Blutegeln nach England, weldM 
keine . zu ^besitzen scheint , so dafs es schoa 
bei den dortigen Medicinalbehorden zur Spnh 
che gekommen ist , die Ausfuhr derselben n 
erschweren , um für den eignen Bedarf nicht 
Nolh zu leiden. Dafs überhaupt gegenwartig 
dieser die Lebenskraft des animalischen S7- 
Sternes directer als irgend ein anderes HittsI 
schwächende Artikel unserer Oülcinen in 
Preise durch die grofse Consumtion bedentand 
gestiegen ist, zeigt auch die nothig gewordene 

*) Notizen auf dem Gebiete der Natur« oad Heil* 
kunae. Weimar i8ss. No» 11a« 



^ 23 - 

Bvfitt^tmg. k&istlicli^r , die Blutegel efeeuen 
sollender loitnunente; und dafs Holland da»- 
0ielbe BednifnUa fühlt, beweiset die im Jahr# 
1823 TOD der Harldmmer Sodetät der Wie* 
aenschaft e n eafgegebene Freisfrage über die 
yet fa ea e e ra ag desBdellometer ron Sarlandiirt*). 
iFragen vrir ftmer » wenn wir den Resultaten, 
die unm'eigvia Praxis giebt, Tieileieht andere 
llDtiTe sosdhreiben, die Chirurgen, wie es 
jUGh mit dem Gebrauche des Aderla;ssens beim 
Toifce ia gegenwärtiger Zeit gegen die firii- 
hero Terhähe^ so ergiebt sich dasselbe Re- 
eidtat dee allgemeineren und häufigeren 6e- 
hravches dM Aderlassens in den letzten Quin- 
4Mttinien* 

'Ein Gleiches gewährt die Uebersicht des 
^^öefaraüdis der rerschiedenartigen MiMrabvas* 
ier» Man kaan sie zu unserem Behufe in rein 
bräktiacher' Hinsicht eintheilen in solche, die 
ihrer allgemeinen Wirkung nach die Thä'tig^ 
keit .des Nerrensystemes und des Blutsjstemes 
erhöhen, die also, um mit Hufdamd *^) zu 
reden, als „im hohen Grade reizend, erhitzend, 
Blutcongestionen erregend, anhaltend, zusam- 
menziehend, den Ton der Faser vermehrend, 
bindend, sowohl das Organische, als auch 
das Fremdartige, die Lebenskraft erhöhend 
und stärkend, das Blüt selbst unmittelbar be- 
lebend, seine Wärme, -seinen Cruor, seine 
Plastidtät vermehrend" erscheinen, und die 
daher bei vorhandener Schwäche der Lebens- 
Ihatigkeit im Nerven- und Blutsysteme vor« 

^) Itit von Oken. i8a5. Literir. Anzeiger. 5 472« 

*♦) C. TV. Jfw/3»/«fKi praktische Uebersicht der vor- 
sfiglichsten Heilquellen Teutscblsiids« Berlin 
1820, 8. 6. 315. 



— 24 - 

xiigliche Hülfe leisten, wohin vorzüglich 
kohlensauren Stahlwasser gehören; und ii 
iolche, die-Jhrer allgemeinen Wirkung nid 
die Lebensthätigkeit sowohl des ganzen K8^ 
pers, als auch einzelner Systeme herabsank 
meu, die also als kühlende, er8chla£hnd& • 
Absonderungen befördernde^ auflösende um 
schwächende Mittel betrachtet werden konnSBi- 
und die mithin überall anzuwenden sind, ifl 
eine abnorme Steigerung der Thätigkeit ixftai 
eines Systemes beseitiget werden soll, woUft 
also alle salinischen, alkalisch -^ kohlensauMS 
und die schwefelhaltigen Mineralwasser il 
zählen sind. — Nun ist es aber eine bekan»» ^ 
te Erfahrung, wie verlassen gegen fruhfli* 
Zeiten seit 10 -r- 15 Jahren alle Stahlbate 
und Stahlwasser sind , wie Eger , Pyrnwü^ 
Driburg^ Schwalbach ^ Spaa und die übrigst 
heilenden Eisen fuhrenden Quellen, der in^ 
Tum nünorum gentium aufser Mode gekonunet 
sind, wie dagegen die bittersalzigen, alkali- 
schen , salinischen und schwefelhaltigen Mine« 
ralwasser, besonders Karlsbad^ Wiesbaden^ Hm^ 
Baden in Schwaben, nebst den Soolbadean- 
stalten ^eit derselben Zeit an Frequenz ibjfet 
Badegäste und an Ruf ihrer Heilwirkung zu- 
genommen haben, wie selbst eine früher ws« 
nig beachtete und geachtete Quelle, die des 
Marunbadts f alle ihre Schwestern durch ih- 
ren Ruf in den Hintergrund zu stellen droht 
«— Diese eigenthümliche Erscheinung kaim 
ebenfalls nicht wohl zufälligen Ereignissen, 
durch welche einzelne Badeorter und Gesund- 
brunnen in einzelnen Jahren häufiger oder sei-* 
teuer besucht werden , zugeschrieben werden, 
sondern sie hängt ofrenI)ar mit einem allge- 
mein gefühlten gröfseren Bedürfhisse dieser 



~ 24 — 



sdiifSchend wirkenden Mineralwasser zusmu- 

nen; und wollte man dennoch dieses gröfsere 

Bedorfnifs des Publikums in Abrede stellen, 

M fuhren wir für unsere Ansicht noch den. 

ifcerwiegenden hauslichen Gebrauch der ge~ 

Alanten schwächenden Mineralwasser an , bei 

irdchem jene die grofsere Frequenz mancher 

Brunnenorte scheinbar bergenden zufälliger 

Ertignisse nicht einwirken. Glücklicherweise 

ionnen wir uns hier wieder auf bestimmte 

Bsta bejdehen« Nach einer in Huf eiand's' Jour^ 

Bsl der praktischen Arzneikunde 58. Bd. 1. 

St&ck, 1824. Januar, Si 114; mitgetbeilten 

Ifotix war der Verbrauch der versohiedenea 

Uintralwasser in Berlin im Jahre 1822 fol- 

gendei , wobei wir , zur Erleichterung der Ue- 

bersicht nnd unserem Zwecke gemäfs , sie aiif 

oben angegebene Weise ibrer allgemeinen 

nach in stärkende und schwächende 

Hineralwasser classülciren ; 





Erfige. 


»• 


Erdge« 


Driburg 


, 651 


Bitterwasser ; 


5702 


Eger . 


. 4577 


Geilnau • • • 


3936 


Pjmnont 


. 2690 


Fachingen . 


976 


Spaa 
CudoTa 


. 410 


Kreuzbrunnen 


8612 


• 96 


Obers.alzbrunnen . 


.2850 






Selters • • • 


15864 






Karlsbad 


350 


■ 




Ferdinandsbrunnen 


300 






Ems .... 


350 






Weilbach 


100 



nnd es ergiebt sich also auch hier ein weit 
gröfseres Bedürfnifs der schwächenden Mine- 
ralw^asser; wobei noch nicht zu übersehen 
seyn dürfte, dafs hier nur Berlin berücksich-» 
ügt isty wo, durch die climatischeu Einllüsse 



— 24 — 

xiigliche Hülfe leisten, irohin Torsiiglich 
kohlensauren Stahl wasser gehören; und ii 
iolche, die-Jhrer allgemeinen Wirkung nach 
die Lebensthätigkeit sowohl des ganzen KSi» 
pers, als auch einzelner Systeme herabsank 
meu, die also als kühlende, er8chla£BNid& 
Absonderungen befördernde^ auflösende um 
schwächende Mittel betrachtet werden konnflBi« 
und die mithin überall anzuwenden sind, ifl 
eine abnorme Steigerung der Thätigkeit irgenl 
eines Systemes beseitiget werden soll, wobb 
also alle salinischen, alkalisch -kohlensaWS 
und die schwefelhaltigen Mineralwasser tA 
zählen sind. — Nun ist es aber eine bekan»»-; 
te Erfahrung, wie verlassen gegen friSml 
Zeiten seit 10 -r- 15 Jahren alle Stahlbäte 
und Stahlwasser sind, wie JB^ger, JPyrnmM^ 
JDriburgf Schwalbach ^ Spaa und die übrigsfi- 
heilenden Eisen führenden Quellen, der in»\ 
Tum nünorurh gentium aufser Mode gekonunea 
sind, wie dagegen die bittersalzigen, alkali- 
schen , salinischen und schwefelhaltigen Mine« 
ralwasser, besonders Karlsbad^ Wiesbaden^ Umt^ 
Baden in Schwaben, nebst den Soolbadea»« 
stalten ^eit derselben Zeit an Frequenz ibjfet 
Badegäste und an Ruf ihrer Heilwirkung zu- 
genommen haben, wie selbst eine früher ws« 
nig beachtete und geachtete Quelle, die des 
Marhnbadts ^ alle ihre Schwestern durch ih- 
ren Ruf in den Hintergrund zu stellen droht. 
«— Diese eigenthümliche Erscheinung kaon 
ebenfalls nicht wohl zufälligen Ereignissen, 
durch welche einzelne Badeörter und Gesund- 
brunnen in einzelnen Jahren häufiger oder sel- 
tener besucht werden, zugeschrieben werden, 
sondern sie hängt offenbar mit einem allge- 
mein gefühlten gröfseren Bedürfhisse dieser 



— ar — 

i mSas^B, wma mit VerXnileruiig 
l^toiMea eia veräuderl« Jledürr- 
bintrilt, indem sie, ibier Einseitigkeit 
(•D&b, mehtaoC allgeueine, iiir alle Zeileo 
Uiixelcheiid« Galligkeit Anspruch macliea kün- 
MV. 

Wanden wir diesen allgemein, und nicht 
ftloA f3r die Zeit, von welcher irir reden, 
giilügea Satz, anf die in Redp itehende Zeit- 
beWode an, so halten nir uns zu der Vei- 
Riulliung Lerechliget: dafs wenn euch^nicht 
gerade die Eiifsleliung, doch die Kerhrtitung 
Wianctier Theorien der ntiiertn Ztit , faesondera 
lerjenigen, deie» Behandlungsweise der Krank- 
heiten ihrem nllgeineineu Charakter nach als 
■ntESndangsAvidng uod antiplilogislisch er- 
^eiat, nur als Pmäuct dtrttlbtn allgtmelnta 
Kdemischtn Verhäknme und Einfiuist angese- 
Sen ^»erden müsse, welche als die Ursache 
les gegenwärtig Jierrschenden entzüodlichen 
^ffidemiiclien Chnrnklers der Krankheiten er- 
Mheint. Eine nähere, aucli für die Geschicfa- 
i» äu Medicin nicht unwichtige nähere Er- 
SiftwUg wird diefs hoffentlich, bestätigen. *) 

Welcher herrschende epidemische Cba- 
idtter der Krankheiten zur Zeit der Entste- 
bnng und Ausbreitung der Srownschtn Thtone 
umI der Tochter derselhen, der Entgungahto- 
rie vorhanden gewesen, möclile gegenwärtig 
schwer mit Sicherheit .luszii mittein seyn. In- 
dessen lüfst es sich aus mehreren Erscheinun- 
gen wahrscheinlich machen, dafs der nervö- 
lere Charakter der Kranklieiien , also die ner- 

*) Anggdeutet i*t &it*e Anticht acbon von Hufa- 
land (Joutuil d. prikt, Aruivik. 36. S. 6. St. 
1814. Juu, 8. 9}.) 



— 24 — 

sUgliche Uväh leisten , wohin Yorsfiglicih d^ ' 
kohlensauren Stahlwasser gehören; und ii 
solche, dieJhrer allgemeinen Wii^kung nadk 
die Lebensthätigkeit sowohl des ganzen K8^ 
pers, als auch einzelner Systeme herabstim^ 
inen, die also als kühlende, erschlalFeodiL 
Absonderungen befördernde^ 'auflösende xai 
schwächende Mittel betrachtet werden konn6B|. 
und die mithin überall anzuwenden sind, ifl 
eine abnorme Steigerung der Thätigkeit irgttÜ 
eines Sjstemes beseitiget werden soll, wohiii 
also alle salinischen, alkalisch -kohlensaiuÄ 
und die schwefelhaltigen Mineralwasser A 
2ählen sind. — Nun ist es aber eine bekum^-; 
te Erfahrung, wie verlassen gegen frühiBii 
Zeiten seit 10*^15 Jahren alle Stahlbäte. 
und Stahlwasser sind, wie Eger, Pyrrnom^^ 
Driburg^ Schwalbach ^ Spaa und die übiigefL*! 
heilenden Eisen fuhrenden Quellen, der itiim 
Tum minorüm £entium aufser Mode gekommfik 
sind, wie dagegen die bittersalzigen, alkali* 
sehen , salinischen und schwefelhaltigen Mine« 
ralwasser, besonders Karlsbad^ Wiesbaden^ JSnw^ 
JBadtn in Schwaben, nebst den Soolbadea»- 
stalten i^eit derselben Zeit an Frequenz ih^rsr 
Badegäste und an Ruf ihrer Heilwirkung zu- 
genommen haben, wie selbst eine früher we- 
nig beachtete und geachtete Quelle, die des 
MarUnbadts f alle ihre Schwestern durch ih- 
ren Ruf in den Hintergrund zu stellen droht 
«— Diese elgenthümliche Erscheinung ksiiA 
ebenfalls nicht wohl zufälligen Ereignissen, 
durch welche einzelne Badeürter und Gesund« 
bruunen in einzelnen Jahren häufiger oder sel- 
tener besucht werden , zugeschrieben werden, 
sondern sie hängt oiFenbar mit einem allge- 
mein gefühlten grofseren Bedürfhisse dieser 



— 29 — 

m fanligten oder Nerrenzufallen hinzu j^ uncl 
/eicherweise trete der gastrische Charakter 
Ugemeln auf. Dasselbe wird in einer spä- 
ern Schrift desselben Verfassers *) wieder* 
JioU, und Schwäche des Nervensystems mit 
Mangel an inilammatorischen Krankheiten, als 
die epidemische Constitulipn der Krankheiten 
bezeichnend angegeben. Nach Hufeland "^^j 
war in dem Zeiträume von 1794 — 1814 zu- 
erst der gastrische Charakter der Krankheiten 
herrschend , . und auf diesen entstand in den 
folgenden Kriegszeiten bis 1811 ein olFenbar 
mehr ,,nervc)ser asthenischer Charakter der 
organischen Welt, der die so heilsam gewe- 
senen gastrischen Ausleerungsmiltel und Blut-» 
entziehungen im Allgemeinen weniger an- 
^rendbar machte ^ dafür aber den Gebrauch 
excitireod- stärkender Alittel weit allgemeiner 
forderte, und welcher , nachdem er in den 
Jahren 1806 bis 1807 seine gröfste Höhe er- 
reicht hatte, durch die allgemeine Wechsel- 
fieberepidemie der Jahre 1808 und 1809 in 
einem mehr entzündlichen Charakter überging." 
— In dieser Zeit fallt ferner die allgemeine 
Klage über den Verfall und die Schwäche des 
Slenschengeschlechts , indem man das nun für 
eine Zeit dauernde Yerhältnifs für ein allge- 
meines und für alle folgende Zeiten vor- 
handenes ansah , und correspondirend mit 
dieser Erscheinung verschwindet die frü- 
here Sitte, Aderlässe zu bestimmten Zei- 
ten als Vorbauungsmittel der Krankheiten an- 

*) Uaber den Genius der Krinkheiten, von Dr. 
C. TVolfart. Frinkf« a. M. i8ou 8. S. 288» u. 
folg. 

*^ Hnfeland^s Journal d. prallt, Heilk. 38. B. 6. 
Bu z8i4. Jon.. S. 90» 



— 30 — 

suwenden. Die Brownsche und die Enregungi« 
theorie scheinen also ihre Herrschait diesen 
zu jener Zeit herrschenden epidemischen Cha- 
rakter der Krankheiten zu yerdank^ , wel- 
dier im Allgemeinen Anwendung von Reis« 
mittein forderte. 

Wie schnell nun hinnen wenigen Jahren 
die ganz entgegengesetzte Theorie und die an- 
tipfüogistischt Heilmethode jene reizende ver- 
drängt und sich Bahn gemacht, wie seilet 
die Ultras der Erregungstheorie sich plötzlich 
zu Ultras der antiphlogistischen Theorie um- 
wandelten (in welcher Beziehung, um keine 
noch Lebenden zu bezeichnen, nur MarkuM 
als Beispiel genannt werden mag) ui|d wie 
ungeachtet der früheren Alleinherrschaft der 
ErreguDgstheorie selbst diese Ultras der neuern 
Zeit sich altgemeinen Anhang yerschafiß: ha- 
ben, ist allgemein bekannt; und dafs die all- 
gemeinere Annahme dieser für sich betrach- 
tet ebenfalls einseitigen Thieorie gerade mit 
dem Beginn der gegenwärtig noch herrschen-^ 
den entzündlichen epMemischen Constitution 
zusammenfäUt, deutet doch wohl aufein mehr 
als zufälliges Zusammentreifen. — Wir moch- 
ten sagen , zu der Zeit , als , in innern uns 
bislang nicht näher bekannten Naturgesetzen 
begründet, sich eine bestimmte Foru\ des all- 
gemeinen epidemisclien Charakters der Krank- 
heiten ausbildete , entstand nach denselben Na- 
turgesetzen auch das Heilmittel derselben , in 
deju Vorherrschen derjenigen Theorie, welche 
diese bestimmte Form des allgemeinen Cha- 
rakters der Krankheiten zum Augenmerke 
nahrn^ und zwar einseitig, was nur für die 
damalige Zeit galt^ als für alle Zeiten gültig 



-^ 31 — 

lafstellte, abe? in ilirer Ansfiihrang jenem 
aUgemeinen Charakter der Krankheiten ent- 
gegenwirkte. Der Geist des Lebens der Mensch- 
heit erzeugte alsso diese nur für jene Zeit 
piltige Theorie, deren beschränkte Gültigkeit 
aber die Kurzsichtigkeit der Zeit nicht ein« 
zusehen vermochte^ gleichwie der aus Ver- 
onnngrliaden handelnde Arzt oft für einem 
besondern Fall ein besonderes Alittel empfiehlt, 
irelches der Laye für gegen alle Krankheiten 
helfend ansieht, und jene Theorie war das 
Heilmittel, welches der, gleich der Vernunft 
und dem richtigen Gefühl, nach Naturge- 
setzen handelnde Geist der Menschheit für 
den gegenwärtigen Genius der Krankheiten 
schaf. Es geschieht daher hier im GroCsen, 
iin Leben der Menschheit, was sich in einer 
kleineren Sphäre in den Wirkungen des In- 
stinktes zeigt, und wie sich das polnische 
Pferd insiinktmäfsig nach Erhitzung die Ader 
öffbet , um der Entzündung zu begegnen, so 
handelt hier die Menschheit , indem sie ohne 
Bewufstseyn des (jrundes dem herrschenden 
Genius der Krankheiten das richtige Heilmit- 
tel durch Aufnahme in Ausbreitung einer be- 
stimmten, obgleich vom allgemeinen Stand- 
punkte aus und in Beziehung auf alle Krank- 
heiten irrigen Theorien entgegensetzt. — Wenn 
daher z. B. Markus behauptete , in allen Ner- 
Teofiebern liege örtliche Entzündung der Hirn- 
häute zu Grunde, das Nervenfieber sey also 
eigentlich nur Hirnentzündung, und es existi- 
re kein Nervenfieber als solches; so lag zur 
Zeit des Ausspruches dieses Satzes demselben 
eine grofse für jtne Zeit gellende Wahrheit 
zu Grunde^ indem auch im Nervenfieber dei 
entzündliche Charakter vorherrschend war 



m. 32 * 

und daher häuRg orüiclie Entziindungen der- 
Hirnhäute im Nervenfleber bildete ; aber diese 
Wahrheit war einseitig« indem sie das fptsen 
des NervenHebers yerkannte und die örtliche 
Entzündimg der Hirnhäute für das Wesent- 
liche des Nervenfiebers , also das . hervorste- 
chende Symptom für das Ganze nahm, und indem 
sie neben diesem Irrthum sich auf alle JSdtengd" 
und machen wollte, und dasselbe gilt von der aa- 
tiphlogislischen Theorie, wenn sie als für alle 
Krankheiten und für alle Zeiten geltend anj[e- 
nommen wird. Die Zeitgenossen, nachdem sie 
zuerst, .noch die frühere Zeit vob Apgen ha- 
bend , dieselbe bestritten hatten 4 huldigten iu^ 
dessen zum grofsen Theile dieser Theorie, 
weil sie , obgleich den doppelten Irrthum nicht 
einsehend, dennoch fanden, dafs die Behand- 
lung der Krankheiten nach derselbej[i ihnen 
glücklichere Resultate gewährte, als die Be- 
handlung der Krankheiten nach der früheren 
Erregungstheorie, die jetzt,- was ebenfalls 
durch den veränderten Krankheitsgenius be- 
dingt war , die nachtheiligen Folgen dhres MiJDi-- 
brauch es sichtbarer als früher der Fall ^ewe« 
aen, zu Tage gab. 

Auf gleiche Welse glauben wir auch die 
Ausbreitung der noch einseitigeren Hahnemann*» 
sehen Homöopathie in Teutschland, und der 
J3roussais*schen Castro - tnterhis in Frankreich deu-. 
ten zu müssen. Dafs die erstere in ihrem 
Grundprincip falsch scy, indem dieselbe Af- 
fection, an welcher ein Organ leidet, nicht 
zu derselben Zeit noch einmal in demselben 
Organe erzeugt werden könne , so wenig als 
ein und dasselbe Individuum zweimal zu glei- 
chec Zeit existiren kann» und dafs sie in ih- 
rer 



— 35 — 

m Theorie ron der Wirkung untodllch 
ihiner Dosen der Arzneixnittel aller gesun- 
den Vernunft widerspreche, wird jeder wis* 
latscbaftliche Arzt ohne Weiteres zugeben; 
to demnach die Praxis nach oder mit dieser 
Theorie (denn dafs -viele Homöopathen auch 
^ach andern Theorien am Krankenbette han- 
deln , ist bekannt) manche Heilungen herbei««- 
fnhie Ton Krankheiten , die früherer Behandr 
lang besonders nach Grundsätzen der £rre- 
^ngstheorie widerstanden hatten, und dals 
sie in gegenwärtiger Zeit sich durch glück* 
liehe Resultate empfehle, leidet ebenfalls kei<- 
nen Zweifel. -— Fragt man nun: wie kann 
eine in ihrem Grundpriocipe irrige und al« 
ler wissenschaftlichen Ansicht widerstreitende 
Theorie dennoch so Grofses bewirken; wo- 
durch entsteht ,der Beifall , den dieselbe , wenn 
nach nicht bei dem wissenschaitlichen und ge- 
lehrten Publikum — denn noch hat keine der 
IlniTersitäten Teutschlands sie angenommen — 
doch bei vielen praktischen Aerzten und bei 
den Lajen erhalten hat? so können wir die 
Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung eben* 
falls nur darin finden, dafs der allgemeine 
Charakter der Praxis gleich der homöopa- 
thisclien Theorie schwächend und antiphlo- 
gistisch ist , dafs , indem sowohl hinsichtlich 
der Diät und Lebensweise eine ungewöhnliche 
Entfernung aller reizenden Einflüsse hervor- 
gebracht wird, als auch hinsichtlich der anzu- 
wendenden Arzneimittel eine der früheren rei- 
zenden Behandlung entgegengesetzte negative 
nad nichts thuende Behandlung — für welche 
die Behandlung mit Decilliontheileo eines Mit- 
tels wohl zu achten — eintritt, hierdurch eben- 
£üls der Forderung der Zeit , gegen den herr- 
Joum« hK. B. 2« 8t* C 



— 34 ^ 

»•h«ild#ii entiftndliclitn Charaktair *au inrin^ 
entsprofib«!! , und so , dem Homöopathen m-, 
hewufst, naturgemäfaer gehandelt wird , ab 
wenn nach ebenfalls einseitiger ErregungadM»* 
ri« vorzugsweise Reizmittel gereicht W9idat'j 
die gegenwartig mehr, als vorhef , nachtW] 
lige Folgen erzeugen müssen. Wozu dann niNli 
kommt, dafs die Wirkung des Glaubens, nÄ#| 
lieh die Erregung einer besonderen , mädüK-: 
auf den übrigen Körper zurückwirkenden g^' 
atigen THätigkeit, hierbei eine grofae BÜir 
spielt , und wohl nicht selten allein das llt 
lende Mittel seyn möchte , während der MM 
wie der Kranke, diefs grofse Mittel Tisrkn^'j 
nend , es in den für nicht zn achtenden AiÜfj 
neidosen zu finden glaubt. — Nicht äbo 1$- 
Theorie ist hier das die Heilung Bewirkeiilt.| 
sondern die neben dieser Theorie entsteheaüi 
negative Behandlungsweise , die dem bei iäl] 
meisten Krankheiten zu Grunde liegenfai' 
entzündlichen Charakter zusagt, und desball^ 
als zeitgemäfs , nothwendig allgemeineren fitt^ 
fall finden mufs. 

Dasselbe gilt von ier Broiusois^schm TM 
i^ie» Obgleich sie sich mit französischem S^ 
gendünkel als die allein physiologische ankSt" 
digety so entbehrt sie doch aUer allgemeiaft 
die Pathologie und Therapie leitenden jibjtiih 
logischen Grundsätze, und sie ist höchst ein» 
seitig, iudem sie eine besondere Krankheit»- 
form in allen krankhaften Zuständen vor An- 
gen zu haben glaubt. — Obgleich nun übw- 
dem das Resultat der JSroi/s^a/s'schen Pnxii 
nioht einmal für dieselbe spricht/ indem die 
Sterblichkeit in dem von JSrouisah dirigirfeli 
Hospitale grefser ist, als in andern von Geg- 



- 3ft - 

AtTQ der Brouisali^gdien Theorie besorgten Hom 
pitalern , so hat diese Theorie dennoch ia 
Frankreich yiele Anhänger gefunden, und selbst 
in Teutschland ist sie Ton den Praktikern mehr 
berückaichtiget worden , als sie ihrem innerea 
Werihe nach verdient; und hiervon liegt der 
Grand ebenfalls in dem eine mehr schwächen« 
de Behandlnng fordernden gegenwärtigen epi*^ 
demischen Charakter der Krankheiten. -<- In 
d«r Zteit der herrschendem nervösen epidemi- 
schen Constitution vor mehreren Decennien^ 
würde diese Theorie wahrscheinlich sogleich 
bei ihrer Geburt von der Volksmeinung er« 
stickt worden seyn; allein sie hat sich aus- 
gebreitet , weil ebenfalls das Grundprincip det 
Behandlung der Krankheiten nach derselben 
antiphlogistisch , also dem herrschenden epide^ 
mischen Charakter der Krankheiten angemes«, 
9ea ist. Mag der Broussdisaner überall irrig 
Gastroenteritis vrittern und zu behandeln glau- 
ben, mag er in der Diagnose mit^der grofs- 
ten Oberflächlichkeit verfahren und die grob« 
sten Fehler begehen; so wird er doch in dedi 
meisten Fällen mit enormen Blutentziehungen 
weniger schaden; als wenn der Erregungs-- 
theoretiker überall Schwäche vor sich sehend, 
Reizmittel anwendet, weil in den meisten 
Fällen von akuten Krankheiten wegen des 
vorherrschenden entzündlichen Charakters an* 
tiphlogistische Mittel indicirt sind; und wenn 
es auch z. B. rationeller seyn würde, bei 
Fleuritis Blutegel an die Brust oder allgemeine 
Aderlässf anzuwenden, als mit Blutegeln den 
Vateileib zu bedecken, so werden dock diese 
Ualänglich.das Blutgefäfssystem im Allgemein 

und hinlänglich auf den 5rt-^ 

C3 



I 

— 36 — 

liehen Zustanil wirken , um die Fleuritis u 
beseitigen. 

Aus dem Angegebenen ergiebt sicli indes- 
sen die unläugbare Folgerung , dafs soiYohl di« 
Hahnernanti'sche als auch die Broussaü^sdii 
Tiieorie nur eine ephemere Gültigkeit und Ab- 
erkennung im Fublikum behalten können^ näift- 
lich nur so lange, als der gegenwärtige ent- 
zündliche epidemische Charakter der Krank^ 
heiten herrschend ist, und dafs beide ihr 
iPublikum verlieren und einer anderen, wflM 
gleich ebenfalls einseitigen Theorie das Pdd 
räumen müssen , sobald ein anderer stehendec 
epidemischer Charakter der Krankheiten auf* 
tritt; daher es uns immer als eine unnSthig^ 
und yerdienstlose Arbeit erschienen ist, wena 
man sich bemüht hat , die Irrthümer dies« 
Theorien aus wissenschaftlichen Frincipiflt 
nachzuweisen und zu bekämpfen. Wie äf 
Natur einen bestimmten epidemischen Cbazak* 
ter der Krankheiten schail't und nach bestimsi- 
ten Zeiten wieder zerstört , so schaillt und xm- 
stört sie auch die Theorien, die, obgleich d^ 
sie Aufstellenden unbewufst, mit demselbeB 
entstanden waren , und das Leben selbst ii 
seiner unauflialtbaren Metamorphose würdiglt 
sicherer diese Erscheinung, und zerstört .ui- 
ausbleiblich , wenn die Zeit gekommen, nß 
nur mit und durch eine frühere Zeit entstan- 
den war , und nur für dieselbe Werth hatte. 

Wir berühren hier noch die in neueren 
Zeiten mehr berücksichtigte und gegen die 
mannigfaltigsten chronischen Krankheiten ein- 

Sfohlene und angewendete Hungerkur, — In- 
em sie vorzüglicli dadurch zu heilen sacht, 
dafs sie dem Korper die Nahrungsmittel ent- 



f 



— 37 — 

zidil, und entweder hierdurch direct Krank- 
heiten , besonders solche , die in YegetAtiren 
Organen ihren Sitz haben, heilt, oder indi- 
«ecC» wie es scheint, dadurch beseitiget, dafs 
sie den Kxirper empfänglicher liir die Wirkun-^ 
gen der Arzneimittel macht , gehört sie ofTen-- 
bar der antiphlogistischen Heifinetliode an. 
Dels sie nun ebenfalls in der neuem Zeit 
mehr hervorgetreten und bei den praktischen 
Aerztea eine allgemeinere Anerkennung und, 
Anwendung gefunden hat, glauben wir ebeu^ 
falls auf das Zeitgemafse derselben , und weil 
sie sich dem allgemeinen Bedürfnisse einer. 
mehr schwächenden Behandlung nnschlofs^ her 
ziehen zu müssen. 

Endlich dürfte selbst eine in andere Le- 
Fieijsverhältnisse tief eingreifende Erscheinung, 
nämlich die mystische Riciuung der neueren 
Zeit sowohl im Leben überhaupt als auch in 
der Wissenschaft, sich an das bisher Ange- 
gebene anreihen , und aus dem vorherrschen- 
den animalischen Charakter des Lebens er- 
klären lassen. — Es kann hier als physiolo- 
gisch-psychologische Wahrheit vorausgesetzt 
werden, dafs, wenn die Architectonik des' 
menschlichen Leibes in der Darstellung der 
meusclüichen Seelenkräfte wiederkehrt und die 
physiologische Entfaltung des Leibes sich iu 
der psychologischen Ent Wickelung des Geistes 
wiederholt, das animalische Leben des Kör- 
pers sich in der Sphäre des psychischen Le- 
bens als Gefuhlsseite darstellt; ferner, dafs 
die Ansicht, welche den Glauben der Wis- 
senschaft , das unbewufste Gefühl dem bewufs- 
lea Denken \orzieht, als worin die mystische 
Richtung besteht, nur aus der Gefuhlsseite 



— 3t — 

A^ mcfhtchlichea Sede entspringt! '— In ei- 
ner Zeitperiode, in welcher iin organischen 
Leben des Menschen der animalische Charak- 
ter vorwaltender auftritt und die entzündliche 
Richtung des stationairen epidemischen Cha« 
racters der Krankheiten bildet, mufs daher, 
auch nothwendig, da das psychische Lehen 
denselben allgemeinen Einflüssen , wie das so* 
matische Leben unterworfen ist, im psycbi« 
sehen Leben die gtmüthlicht Richtung^ dai 
Vorwalten der Gefdhlsseite der menschlidben 
Seele, mehr auftreten, die dann in ihrer- Er- 
scheinung nur als eine die Intelligenz yeracfa<» 
tende und die Vernunft in den Hintergrund 
stellende nrjitkcht Richtung sich darstellen kann, 
«— Daher nun nach der Reformationsperiode 
am Schlüsse des vorigen Jahrhunderts, in wel- 
cher sowohl in der Fhilosophie als auch in 
der Medicin die Intelligenz der Menschheit 
gleichsam aus tiefen Schlafe erwachte und die 
Naturgesetze im innern Selbstbewufstsejrn dar-** 
zustellen bemüht war, welche Periode als die 
msumchafüichstt besonders in Teutschland yon 
der Nachwelt bezeichnet werden mag, die all- 
mählig entstandene Trägheit der Intelligenz, 
die selbst in Verachtung der Wissenschaft 
ausartende Hingebung an den Glauben, und 
die beginnende Verketzerung aller derer, die 
noch die Wissenschaft als das höchste Pro- 
dukt des geistigen Lebens des Menschen be- 
trachten. Daher die Sucht, durch ein träu- 
mendes Hingeben an innere Gefühle die höch- 
ste Stufe des menschlichen Lebens zu errei- 
chen , und die Ascetik früherer Zeiten wie- 
der hervorzurufen ; daher das Aufkommen sol* 
eher philosophischen Theorien, welche mit 
Verkennung dsr Vernunft , als des Frimtti 



— M — 

ifir 5«eleiikrkfte , Ao& GIftHben über di« Wk« 
leiiscluift sets^n, und welch« io der 60 ebe« 
käMicfaneten wissenscliafdichea Periode eoLo«. 
lieh Verdienst gewürdiget worden wereiLi 
Diher endlich die Sucht nach magischen und 
oagnetischen Heilungen, die mit dem häufige«* 
ran Auftreten der magnetischen Zustände gleif* 
chen Schritt hält, und die nur durch das Bar 
streben der Wissenschaft , diese magischen 
echeinungen und Naturgesetze zu er] 
Ton ihrem Uebergange in Aberglauben und 
Fanatismas bewahrt weiiien kann. Sokher 
Erscheinungen der Zeit könnten noch meh- 
rere, selbst aus andern Sphären des Lebens^ 
als sprechende Belege für unsere Behauptuag 
angefahrt werden, wenn uns nicht die Zeit 
selbst 9 Ton welcher wir reden, mit warnen^- 
dem Finger andeutete, diese B,pm^kan( 
Uer jHi schUefsen. 



Indem sich nach Uebersicht dieser üa«» 
tersuchung für die prüktiicht Medicin das Re« 
»allat ergiebt: dais in der Behandlung der 
Krankheiten nicht nur die antiphlogistischa 
Behandlung gerechtfertiget ist, sondern auch 
ferner die Torherrschende bleiben müsse, so 
lange der gegenwärtige stehende epidemische 
Charakter die entzündliche Form hat ; so wür- 
de es wohl überflüTsig seyn zu bemerken^ 
dab, wie überall, so auch hier, der Ultra- 
cismus nur schädlich werden kann. Wenn 
E. B. Aerzte , die früher als blinde Erregungs- 
theoretikfr alle Lungenentzündungen vom Be- 
ginn an mit den stärksten Reizmitteln behan- 



/ 



^ 40 ~ 

delten und den Kranken tödteten j gegeimlN 
tig als eben so blinde Antiphlogistiker bei ak 
len Lungenkrankheiten das Blut zu Pfaodai 
ausleeren und den Kranken an Verblutwil 
sterben lassen» so sind diefs nur Miisgriflii^ ] 
die zwar zu allen Zeiten vorgekommea sid^i 
die aber als Warnungszeichen bestehen-, m 
auch hier Maafs und Gesetz zu halten, wd* 
nicht Ton einem schädlichen Extrem in dht 
andere eben so schädliche zu yerfallea. IM' 
dieses Extrem, welches schon von andcm 
Aerzten gerügt, und vor welchem schon av 
dringend gewarnt worden ist ^), besondeit 
schädlich werden möchte, geht hervor, weM 
man bedenkt, dafs auch der gegenwärtige sM* 
hende entzündliche Charakter der Krankheitai 
früh oder spät sein Ende erreichen mufs, wli 
dafs dann mehr oder weniger plötzlich flk 
anderer epidemischer Charakter auftreten -di»^ 
te, für welchen die gegenwärtig herrscheiJl 
Torwaltend antiphlogistische Behandlung ebCi 
so schädlich seyn müfste , als es die reizendi j 
Behandlung der Erregungstheorie für den gs- ' 
genwärtigen entzündlichen Charakter war. El ' 
liegen selbst schon Andeutungen vor, wddw 
auf eine • solche Veränderung des gegenwarii« 
gen stehenden Charakters der Krankheiten Ui- 
weisen, von denen wir nur das nierk^TOrdip 
seit Kurzem erst aufgetretene Erscheinen te 
Kindtrblatum berühren wollen. Nachdem diese 
durch die Verbreitung der Kuhpocken schon 
für mehr oder weniger vertilgt gehalten wor- 
den, haben sie sich, nicht durch Ansteckung 
rerbreitet, sondern, wie ein neuerer Schrih- 

^) c. B. C T^. Hufeland in dessen JourntI te 
prakc. Arineikunde 58< Bind i. StJbk. (i8t4* 
Jen aar). 



— 41 — 

itdler *) iidi selir richtig ousdriid^t, coläur^ 
^ar dardi cosmische und atmosphärische Ver- 
!ialtzii88#, und als Autochthonen durch Ur- 
itaguDg entstanden, nicht nur in Teutsch- 
land, England, Dänemark, Schweden, Rufs- 
land, und anderen Ländern £uropa*s , sondern 
nibst in Amerika gezeigt, und es ist zu er- 
irarten , dab sie , durch epidemische Einflösse 
unterstützt, sich noch ferner ausbreiten Trer- 
ien. In sofern nun bei den Kinderb lattem 
(ffi»nbar das vegetative System hervorstechend 
eidet^ wie sowohl alle Symptome während 
les Verlaufes, als auch die Kachkrankheiten 
lerselben beweisen, und in sofern das gegen- 
mrtige epidemische Erscheinen derselben nur 
tut allgemeine epidemische Einflüsse bezogen 
ircjrden kann, dürften sie wohl nicht mit Un- 
sacht als eine bevorstehende Veränderung des 
Aebanden epidemischen Charakters der Krank- 
heiten überhaupt ankündigend, und in dieser 
Veränderung selbst begründet betrachtet wer« 
den; worüber indessen nur erst die folgenden 
Zeiten einen sicheren Au&chlufs gewähren 
können. 

*) JJm H» Julius in Froriep^s Notisen aas dem Ge* 
hiete dex I^atur- und Heilkunde. 1824. No. i56« 
8. 27. 



— 4a — 

/ 






IL 

Ileus 

mit 

«niib er windlicher Vers topf ttm{, 

alt 'Folgt 

einer Einschiebung der Gedärme, 

durch Operation geheilt 
T m 

Kreisphysikus Dr. Fuchaius 

in Olpe. •) 



lliine der schmerzliaftesten und gefährlichstea 
Krankheiten ist unstreitig der Ileus ^ als iPolge 
einer Einschiebung der Gedärme, 'weshalb -tfns 
jeder Beitrag zur Lehre dieser Krankheit fvill- 
kommen seyn mufs , zumal da bis jetzt , trölls 
der grol'sen Fortschritte in der Heilkunde, so 
Tiel Unsicheres und Schwankendes , Vorzug- 

*} Dieser Fall , der sowohl wegen der richtigen 
BeuTtheilungy als wegen des muthyollen'Ent« 
achlusses, dem Hrn. Yerf. grofse Ehre macht, 
verdient wegen seiner Seltenheit die gröijte 
Aufmerksamkeit der Aerste, und gewährt zu- 
gleich für die hier so wichtige Diagnose man- 
che ichäubare Belehrung. 

IT. 



~ 4S — 

• . • ■ - . • - • « 

lidh In der Erkenntnifs und Heflaog dic««r 
Knukfiett herrscht. Ich halte mich deshalb 
tupflichtet , nachstehende Krankheits - Ge-- 
idiichte, welche hinsichtlich der Diagnose, 
kr an dem Kranken Torgenommenen Opera- 
don, und deren glücklichen Ausgang merk- 
wiudig j und zur öffentlichen Bekanntmachung 
geeignet ist, dem ärztlichen Fablikum mitzu- 
t&eilen. 



Krankheit zeigte sich bei einem 28 
Jahr altem, starkem und. übrigens gesundem 
Manne, Thomas S. aus StüFlinghausen, im 
Kreise Olpe, Regierungs- Bezirk Arnsberg, 
am 9. Junius t. J. plötzlich , während er im 
Walde Reisige zu Bürden einband, wobei er 
sich abwechselnd bald bückte, und schnell 
wieder anfirichtete. Auf einmal fühlte er ein 
sdunerzhafles Ziehen in der Gegend des Na- 
bels, etwas nach rechts und oben ; die Schmer-» 
ten nahmen schnell zu und zwangen ihn , diii 
Arbeit einzustellen. Nur mit grofser Mühe 
konnte er den Weg zur Heimath zurücklegen ; 
jeder etwas unsanfte Tritt verursachte ihm be^ 
deutende Schmerzen. Zu Hause angelangt, legte 
er sich auf einen Rasenplatz im Freien um 
anszurahen. Beim Erwachen stellte sich ein<* 
maliges Erbrechen ein, wodurch nur etwas 
Schleim ausgeleert, und das schmerzhafte Ge- 
fühl im Unterleibe auch anscheinend vermin-* 
dert wurde. Auch erfolgte gegen Abend et- 
was Stuhlausleerung, jedoch ohne Gefühl ei- 
ner vollkommenen Entleerung; es war ihm, 
als wenn dieselbe nur aus dem untern Theile 
des Darmkanals erfolgt sey. Die Nacht hin- 
durch waren die Schmerzen erträglich, er- 
schienen jedoch periodenweise. Am lOten 



— 44 — 

Terinelirtezi sich die Kranklieits^ErscfaBinuii-^ 
gen bedeutend ; heftige Coliksclunerzen erschie- 
nen alle 20 bis 30 Minuten^ und hielten un- 
gefähr 5 Minuten an , worauf alsdann ein re- 
latives Wohlbefinden, wenigstens ein schmerz^ 
loser Zustand eintrat. 

Der Amtsarzt Weislirch ,Ton Attendorn 
wurde zum Kranken gerufen, und glaubte 
eine krampfhaft - entzündliche Darmentzündung 
Tor sich zu haben, rerordnete Ricinus *- Oel 
mit arabischem Gummi, Bittersalz und Cha-*- 
millen Wasser, applizirte Klystiere von Cha- 
jnillen-Aufgufs mit Wasser, Leinöl, Salz und 
Seife, uud liels am Arme zur Ader, worauf 
auch die heftigen Schmerzen nachzulassen 
schienen. Dieser Nachlafs war jedoch von 
kurzer Dauer ; schon am Abend stiegen die 
Cölikschmerzen wieder zur ungeheuren Hohe, 
und erneuerten sich alle 15 bis 20 Minuten, 
dabei gingen weder Blähungen uodL Stuhl-i, 
gang naqh unten ab; nach jedem Anfalle. gin- 
gen eine Menge Blähungen nach oben db| und 
führten auf die Idee einer Windkolik. Der 
Puls war weich, weder voll noch besqhleo-^ 
nigt^ die Hauttemperatur nicht sehr erhöht,^ 
der . Leib weder aufgetrlebei^ noch heifs anzu- 
fühlen. Der Arzt verordnete Dowersche Pul- 
ver mit Ghamillentliee , in Verbindung mit 
sogenannten krampfslillenden Tropfen aus liq* 
Ammon, succ, Tinct, Opii s. uud Tinct. Castor,^ 
und wandle aufserlich das Linimenium Anrniom 
matum camphoratum auf den Unterleib an ; ne- 
benbei wurden häufig lauwarme Laugenbäder 
und die oben angegebenen K-lystiere auge- 
wendet. 



-. .45 — , 

Diese Behandlung wurde bis xnm l'ilfin^ 
jedoch ohne allen günstigen Erfolg, fortge- 
setzt. 

An diesem Tage wurde ich zuerst vom 
iffltsarzte Weiskirch zur ärztlichein Berathung 
jeieten. 

Bei meiner Ankunft fand ich den Krau- 
len im Bette liegend in einer schmerzens-« 
ireien Periode ; sein Aussehn war etwas gelb-« 
lieh - blafs ; der Gesichts - Ausdruck sprach Zag- 
iialtigkeit, Angst und Schmerzgefühl aus, das 
Auge war matt und gelblich gefärbt, die Zun- 
ge gelblich angeflogen, die Körpertemperatur 
nicht sehr vermehrt, der Urin sah blafsgelb 
aus, und in der Mitte des Gefäfses schwamm 
eine Wolke ; der Puls war regelmäfsig, schlug 
ungefähr 60 Mal in der Minute, und war 
weich. Der Leib war weder aufgetrieben noch 
heifs, aber in seiner ganzen Ausdehnung em- 
pfindlich ; die meisten Schmerzen zeigten sich 
jedoch in der Nabelgegend etwas nach rechts 
und oben, ungefähr da wo der aufsteigende 
und queerliegende Ast des Colons sich verei- 
nigen, jedoch etwas mehr nach unten, hier 
war deutlich eine verhärtete Stelle wahrzu- 
nehmen ; die Gränzen dieser Stelle waren we- 
gen ihrer tiefen Lage nicht ganz genau zu 
bestimmen, sie erstreckte sich aber von der 
rechten zur linken Seite, fing ungefähr zwei 
Zoll oberhalb des Nabels nach rechts an, und 
war zu verfolgen bis zum geraden Bauchmus- 
kel linker Seits fast in gerader Richtung; die 
verhärtete Stelle war von ungleicher Fläche, 
und wie ein ungleich ausgedehnter Darm an- 
zufühlen. £in Bruch (war nicht vorhanden; 
Stuhlausleerung war seit den 9len nicht wie- 



^ 46 - 

der wfolgt, auch hatte sich kein Erbreche» 
mehr eingestellt. 

Ich mogte wohl kaum eine halbe Stunde 
sugegen geweaen seyn , so yeränderte sieh die 
Scene; plötzlich traten heftige Colikschmer- 
sen ein, wobei der Kranke laut aufjammerte, 
und einen Gegenstand zu ergreifen suchte^ 
woran er sich festhielt. Das Jammergeschrei^ 
Drängen, Festhalten an irgend einem Gegen- 
4tande , hatte die gröfste Aehnlichkeit mit dem 
Verarbeiten der Wehen bei Kreifsenden. 

Während dieses Anfalles, welcher 5 Ut 
6 Minuten dauerte, fand ich den Unterleib 
etwas gespannt und schmerzhaft, vorzüglich 
in der oben bezeichneten Nabelgegend, wo 
eine verhärtete Stelle, ungefähr im Umfange, 
einer Faust, zu fühlen war: die Verhärtung 
lag in der Richtung von der rechten zur lin-^ 
ken Seite. Nach Versicherung des. Krankettp 
sei diese Stelle der Sitz seiner Leiden, weil 
hier die Schmerzen am heftigsten wären, «nd 
dieselben jedesmal an dieser Stelle ihren An- 
fang hätten. 

V 

Ueber die mögliche Ursache der Krank-- 
heit konnte mir der Kranke nichts anders an«- 
1 geben, als dafs ihn dieselbe zuerst während- 
des Einbindens der Holzbürden überfallen habe;, 
er hatte weder etwas Nachtheiliges genossen^ 
noch im erhitzten Zustande etwas getrunken, 
hätte sich während der Arbeit weder erhitzt^ 
noch erkältet, sei von jeher recht wohl ge* 
wesen, und hätte nie an Leibschmerzen gelit- 
ten ; die Krankheit habe ihn plötzlich überfallen. 

Die Aetiologie dieses pathologischen Zu- 
stundes blieb majr deshalb ounkel; auch Ter«^ 



— 47 — 

■of&ta ich gegenwärtig noch keine bestimmte 
Diagnose aaszusprechen ; jedoch war ich über- 
sah, dals weder ein rein entzündlicher noöh 
Inuapfhafter Zustand vorhanden war, weil 
fSr beide die charakteristischen Merkmale fehl« 
ta. Die hartnäckige Stuhlverhaltung erfor« 
derte in jedem Falle eine ganz vorzügliche 
Berücksichtigung, und der Gedanke , dafs die^ 
selbe moglid^er Weise durch ein mechanisches 
HbideroiTs veranlafst sey, wurde bei mir leb* 
haft; in jedem Falle war, um GewiTsheit zu 
erKalten, eine genaue, und längere Beobach» 
tung des Kranken meiner Seits nöthig. 

Bei den stürmischen, höchst schmerzhaft 
ten Aniallen,- hielt ich es für nothwendig^ 
nochmab eine Aderlafs anzuwenden , um eine 
ux^glicbe Entzündung abzuhalten, auch liefs 
ich mehrere Blutegel an der verhärteten Stelle 
ansetzen. Zum innern Gebrauche wurde ein 
Infusum Sennae mit Ricinus -Oel, Bittersalz 
und arabischem Gummi angewendet, womit 
häufig Oelklystiere verbunden wurden; dabei 
wurde in den Unterleib die Althea - und graue 
Quecksilbersalbe lleifslg eingerieben. Zum 
Trinken bekam der Kranke abwechselnd Ha- 
berschleim und fette Hühnerbrühe. Diese 
Behandlung wurde bis zum 16ten ununterbro- 
chen fortgesetzt; allein ohne allen gunstigen 
Erfolg. Die Kräfte hatten während dieser 
Zeit sehr abgenommen , und der Leidende be- 
nahm sich trostlos. Ich besuchte ihn heute 
zun zweitenmale, und fand fortwährend die 
verhärtete Stelle in der Gegend des Nabels 
unverändert ; beim Berühren war dieselbe sehr 
schmerzhaft, und während des Anfalles ver- 
härteter und deutlicher zu fühlen. Der Anr 



— 48 ^ 

Huig der Schmerzen ging stets ron dieser Ver« 
härtuDg aus, und Verbreitete sich allmählig 
.über den ganzen Unterleib, in der Richtiuig 
der Statt findenden peristaltischen Bewegung 
der Gedärme. Der specifische Jaminerton; Yiie 
bei Wehen, das Ergreifen fester Gegenstände 
während des Anfalles, und das Drangen, gteich • 
dem Verarbeiten der Wehen, fehlte kein ein- 
ziges Mal; während der ganzen Krankheit 
habe ich es beständig gefanden. 

Ich überzeugte mich immer mehr und 
mehr von der Gegenwart eines mechanischen 
Hindernisses, und der Gedanke an Verwicke- 
lung oder Einschiebung der Gedärme^ als 
wahrscheinliche Ursache des Uebels>. gewann 
bei nur immer mehr und mehr Raum. 

Ich hielt es für Pflicht, meine Ansicht 
den Angehörigen mitzutheilen , stellte ihneii 
die höchst wahrscheinliche Gefahr vor, und 
erklärte, dafs ohne Operation schwerlich Ret- 
tung Statt finden könne, und dafi^ diese, wenn 
sie von günstigem Erfolge seyn so^*Ue, so 
schnell als möglich, bevor Entzündung oder 
Brand der Gedärme entstünde, und die Kräfte 
sichon ganz erloschen wären^ unternommen 
werden müfste. 

Der gröfse Abscheu gegen Operationen über« 
haupt bei Kranken, und der zweifelhafte Er- 
folg einer, solchen heroischen Operation, so 
wie eine mögliche Unrichtigkeit meiner ge- 
stellten Diagnose, bewogen mich, dem drin- 
gendsten Wunsche des Kranken und dessen 
Angehörigen nachzugeben, und zuvor noch 
alle mögliche Hülfsmittel in Anwendung zu 

bringen. 

Aus 



— 49 — 

Ans den Lehrbiichem alfer und neuerer 
ftliotinte ich, so weit meine Nachforschun« 
gn reichten , wenig Befriedigendes schöpfen. 
Eiif timmig erklären die groisten Aerzte, dafs 
kmn sicheres diagnostisches Kennzeichen uns 
mit Gewüsheit die Gegenwart eines Volvulus 
oder einer Invägination der Gedärme anzeige. 
Unter Tielen andern fahre ich nur die Worte 
das grofsen Richterg aus seiner speciellen The« 
rapie Band 4. pag. 224 an : y,Die aufserordent^ 
„liehe Schwierigkeit der Diagnose/' nämlich 
des Yolvulus, ,,so dafs man niemals bestimmt 
„weils, wo man das etwaige mechanische 
„Hindernils suchen soll, und der Umstand^ 
,,da£i man doch erst die Operation nach lan- 
„ger Dauer des Vebek, wenn alle andere 
y,Mittel bereits vergebens )^ebraucht wurden, 
,,iuid eich schon innere Verwachsungen und 
,yEotjriindungen ausgebildet haben > Tornehmen 
„würde, lassen ron ihr so leicht wohl nicht 
,,einen günstigen Erfolg erwarten. Jedoch 
„lassen sich allerdings Fälle denken , wo es 
„Pflicht des Arztes seyn würde, die Opera- 
„tion zu wagen.'' Diese letzten Worte er-* 
weckten zuerst in mir die Idee der Möglich- 
keit und Nothwendigkeit einer Operation im 
Torliegenden Falle. 

Bevor ich die Operation verrichtete, war 
nur kein Fall einer ähnlichen mit Glück ver- 
richteten Operation bekannt, nirgends fand ich 
Belehrung. Erst nach verrichteter Operation 
erfuhr ich, dafs Nuck diese Operation mit 
Gluck verrichtet habe (s. Vdse in Halleri JDisp. 
aiua» Tom, VIT. p. 126), und dieser ist der 
einzige mir bekannte Fall, den die medicini- 
tcken Annalen mitgetheilt haben. Dagegen 
lontn. LX. 'B^2,Bu D 



— so — 

fehlt es nicht aa uDglücklichen Erfahrungen 
der Art (5. Haegg in Sandifort Thesaurus JDlit- 
siriai. yoL IIL) , so wie an Vorschlägen raap- 
cherlei Art zur Ausführung der hierbei nothi- 
gen Operation von P. Borbate (Opera chirurgp 
anatom* Libr, X. Cap. IL) und 2/ec^ {Memm» 
rss dt tacadmde de cfürwrgie. Vol. IV. pag. 201.) 
bis 2u Zang (Operationen. Bd. 3, a, pag« 212.). 

Gegenwärtiger Fall verdient deshalb dem 
von Nuck angeführten , angereiht , und öffent- 
lich bekannt zu werden. 



Jedoch wieder zur Sache. Ich war ge^ 
nSthigt, dem dringendsten Wunsche des Kran^ 
•ken und dessen Angehörigen nachzugeben, 
und bevor noch das Aeufserste zu versuchen. 

Die gepriesenen Hülfsmittel waren bereits 
lange Zeit hindurch vergebens angewendet 
worden, ich versuchte deshalb noch einige 
andere heroische Heilmittel. 

Zum innern Gebrauche liefs ich alle halbe 
Stunde ungefähr zwei bis drei Efsloffel voll 
lauwarmes Rübol reichen, und stündlich einen 
'Gran Opium damit verbinden^ und diese Be- 
handlung sechs Stunden hindurch fortsetisen. 
— • Vom Gebrauche des RübSls in Verbindung 
mit grofsen Gaben Opium habe ich bei hart- 
näckiger Verstopfung zuweilen sehr gute Wir- 
kung gesehn, vorzüglich bei eingeklemmten 
Brüchen, wobei eine krampfhafte Complica- 
tion zugegen war. — Zu gleicher Zeit liefs 
ich oft den Unterleib anhaltend mit warmem 
Rübole einreiben. Die Wirkung hiervon war, 
längeres Ausbleiben der heftigen Krampfan- 
fiille, als natürliche Folge der durch das Opium 
ten peristaltischen Bewegung der 



\ 



— 41 — 



« .• 



Cedarme. Um dießrä I^achtheil für die radi- 
ktie Heilung zu beseitigen, verordnete ich 
nUen von yersüfstem Quecksilber und Aloe, 
von jedem adle zwei Stunden zwei Grdn ge- 
nicht. Mit diesen Mitteln verband ich Kly- 
säere von kaltem Wasser , in einem anhid- 
tend starken Strohme, und in grofser Menge 
beigebracht. Zum Beibringen dieser Klystiere 
bediente ich mich einer eigenda eingerichte- 
ten Drucksprütze mit einem ledernen Schlau- 
che , woraus d^s Wasser in einem gleichför- 
migen, anhaltenden, und starkem Strohme 
gesprützt werden konnte; die eingesprützte 
Quantität betrug jedesmal 10 bis 12 Maafs« 
Der Darmkanal wurde durch diese Klystiere 
sehr ausgedehnt, und nach Ausziehung der 
Rohre sprützte d^s Wasser wieder mit Ge- 
walt hinaus. Die Klystiere drangen, dem Ge- 
fohle des Kranken nach, bis an die verhär- 
tete Stelle und nicht weiter. 

Durch diese Klystiere, welche zuerst ilfo» 
rauai in Italien anordnete, und de Haen sehr 
empfahl, und wovon Abercrombie , Srrtith {Edinb, 
inca. et surg. Journal 1823 Januar) , Maxwell 
(IfOiuf. med. Reposüory 1824. Jan»), und Dr. 
Rohm Chhholrn jiehr groTsen Nutzen sahen, 
konnte ich im gegenwärtigen Falle keinen 
günstigen Erfolg hervorbringen. Abwechselnd 
lielSi ich mit diesen Wasserklystieren , Kly- 
stiere von reinem Rüböle, und von Abkochung 
der Tabacksblätter anwenden; die lauwarmen 
Laugen -Bäder wurden zwischendurch fortge- 
setzt. Jedoch alles dieses ohne Erfolg. 

Ich bedaure, das Lufteinblasen in disn 
Durmkanal, welches unstreitig jener heroischen 

DJJ 



— 52 — 

Klystiec *- Operation yorjsiizielieii ist , iucht an- 
gewendet KU, haben.; 

Htppokrates empfiehlt in der Darmgicht 
Blutlassen am Kopfe , und am Arm lauwarme 
Bäder, Salben des Körpers, Bähungen, täg- 
lich 2-^3 grofse Stuhlzapfen von blofsem Ho- 
nig, die an der Spitze mit Rindsgalle bestri- 
chen sind, Klystiere und das Einblasen' der Ijifi 
in den Dmwikanal^ „Wenn •>— heifst es im 
dritten Buche von den Krankheiten — der 
xrerhrannteKoth im Mastdarme auf diese Weise 
faerausgespühlt und der Kranke klystiert wor- 
den ist) muTs man eine metallene Rohre~ in 
den Darmkanal stechen und Luft hineinblasen, 
damit man den Unterleib und die Vknvkkehwg 
des Darms auseinander treibt. Dann nimmt man 
das Rohrchen wieder heraus und giebt ein 
Klystier. Dasselbe mxkh sogleich bei der Hand, 
und von nicht sehr erhitzenden, sondern von 
solchen Dingen , die den Unrath auflösen und 
tschmelzen, seyn. Hierauf mufs der Kranke 
sich einen Schwamm in den Hintern stopfen, 
in das warme Bad setzen, und das Klystier 
bei sich zu behalten suchen.'* 

/ 

Hippokrates Werke^^Aus dem Griechi- 
schen übers, von Grimm. 4. B. S. 168. 

{jyjiibet hoc in ^ectu , aVd apertionem tenf an» 
l^dam per glandem satis longam^ ex melk paratam^ 
fj^ae anteriori parte fdh tanrino obUnatar\ et 
^ybis ac ter subnüttatuff ^uo combusta^ ut tnquit 
tf{Lbr. HI. de morb. §. 15.) stercora circa rectum 
^^estinum contenta educantur. Post haec cly- 
y^sterem adhibendum doca. Mt uherius addit : sin 
9,iiirnut haec opem ferant foUe febriü in f^ehtrem 



•^ «^ ^ 

yJndSio ßatm inrndiatuTf a qua a ^femrtm m vu 
j^testini coiUractionem disttndert oportet y a tx-* 
j^raciofolkfClfstertmapplicandum,** Siehe FHedr* 
Hüffmann nuiSana^ ronißnqlis Sy^temßficß par^ 
IV. pag. 294.) . . 

Auch lEfalkr sagt in seiner Vtwmlogia cor- 
poris hunwu» Tonu VII. p. 95 : Flatuß eiiam itu 
vnmuz cdurbnfi susceptionem dtpdltt. Vergleiche 
auch j^lb. Hatteri opuicula pathologica. Obsetvar 
HO XXVII — pUMinorum irifrosi^ceftio üir 
noxia. Laiuannae 1755^ 

Ich Terlieb den Kracken, und empfohi,' 
mit der angegebenen Behandluog fortzufahren, 
verlangte sber ausdrücklich, am 17ten Tom 
Befinden des Kranken Nachricht zu erhalten; 
jedoch erhielt ich dieselbe erst am ISten, ver- 
niuüilich weil der Kranke und die Angehö- 
rigen desselben aller Hoffnung zm Genesung 
entsagt hatten, und die Operation als Wl un- 
nützes ferneres Martern betrachteten. 

Ich fand denselben im hckhsten Grade ent« 

kräCtet; die Gesichtszüge drückten die giroiste 

Niedergeschlagenheit, und das grauste Sphn^erz- 

gefuhl aus; es hatte die groXste Aehnlichkeit 

mit dem Ausdrucke und Aussehn derjenigen, 

welche an eingeklemmten Brüchen leiden^ und 

In den letzten Züge;n liegen; auch die speci- 

fisdie Ausdünstung ^ar wie hei diesen. S^it 

gestern hatte sich anhaltendes Erbrechen ein-^ 

üesteJLt ; das Erbrochene war kein Koth, hatte 

3^r einen kothartigen Geruch; der Leib war 

^r ausgedehnt, und die früher oft bemerkte 

«erhärlole Stelle noch an demselben Flat^se 

^ie früher zu fühlen. 



^ 64 — 

Ich drang auf die Nothwendigkeit der 
Operation , ohne welche det Tod binnen Kar- 
zern unabwendbar erfolgen wurde. Ich ffiSJbte 
dem Kranken Muth und Hoffnung ein, und 
legte ihm ans Herz, dafs es Pflicht sejr,. eich 
der Operation zu unterwerfen, um/ sich den 
Seinigen I dessen einzige Stütze er sej, .zu 
erhalten; zudem sei alles zu>ragen> und nichts- 
zu verlieren , wohl aber des Lebens Höchstes, 
das Leben selbst zu gewinnen. Untär diesen 
Torstellungen willigte er ein, wenn kein an-» 
deres Mittel für ihn übrig sey. Zugleich bat 
ich ihn, noch einen od^r den andern A^zt zur 
Berathschlagung und Unterstützung zuzuzie* 
hen. Die hinzugerufenen Aerzte, Amtsarzt 
WiisUrch in Attendorn » und Dr. Crevtcotur 
von Crombach, stimmten yöllig meiner An« 
sieht bey-f glaubten jedoch noch ein Mittel 
Tersuchen zu müssen, nämlich das lebende 
Quecksilber, welches ich auch schon in Be- 
reitschaft hatte. Dieses wurdp in einer Quan-*, 
tität Ton 6 Unzen auf ein Mal gereicht. Die 
Beibringung geschah leicht, indem ich dem 
Kranken das Glas ; worin das Quecksilber ent« 
halten war, tief in die Mundhöhle einschob, 
die Zunge niederdrückte , und so durch Auf- 
heben des Glases das Quecksilber eingoTs; 
gleich nach dem Hinunterschlucken, entstand 
ein heftiges Erbrechen, wodurch aber kein. 
Quecksilber ausgeleert wurde. Zugleich wurden 
noch warme Bäder und Klystiere angewendet ; 
jedoch alles ohne allen Erfolg. 

Die Operation wurde beschlossen, und 
am 19ten Morgens 11 Ubr von mir und Hrn. 
fptiskirch vorgenommen , wozu sich der fast 



— M — 

sterbende Kranke mit der' grSfsten iBereilwfl-i' 
Ugkeit und Resignation hingab. 

Nachdem der Kranke auf ein bequeme« 
Lager getragen worden, untersuchten wir noch- 
mals genaa die Stelle der fühlbaren Verhär^ 
tnng, und bestimmten, am äufsem Rande des 
geraden Bauchmuskels rechter Seits, ungefähr 
2 Zoll oberhalb des Nabels, den Unterleib zu 
öfihen. Nachdem mit einem Bauchbistouri die 
äufsern Bedeckungen bis auf die Baqchhaqt 
durchschnitten waren, wurde diese auf eine 
kleine Stelle geöffnet, ich brachte in diese 
Oeflbung einen Finger ein, i^nd erweiterte 
Termittelst eines Knopfbistourie's die Wunde 
hinlänglich weit nach oben und unten, die 
ganze Wunde betrug ungefähr 7 bis 8'^. Ich 
bestrich hierauf meine Hand mit Oel und 
führte sie in die Bauchhöhle, um die von 
aufsen fühlbare Verhärtung aufzusuchen . I^aum 
hatte ich meine Hand in die Bauchhöhle ge- 
bracht, so entstanden heftige Golik- Anfalle, 
wodurch ein Theil des Darmkanals gewaltsani 
aas der Wunde gedrängt wurde, welcher erat 
nach Aufhören des Anfalles wieder zurückge« 
schoben werden konnte. Bei fortgesetzter Un- 
leraachung entdeckte ich in einem queerlie- 
genden Theile des I^rummdarmes , gerade da, 
wo von aufsen stets die Verhärtung zu füh- 
len war, einen' fremdartigen Körper. Ich 
brachte diese Darnipartbie aus der BauchhöJile 
heraus, um die Natur desselben genauer un- 
lersiichen zu können. Der Darmkanal war 
veder entzündet noch sehr ausgedehnt, ent- 
Uelt aber in seiner Höhle eine welche, zu- 
MinmeuJiängende und nicht zu theilende Masse, 
welche am obern Ende etwas zusammenge- 



— 66 — 

dvKckt war, und sich dadurch etwas 
anföUte. So w^t^ch diesen Theil des Darm« 
kanaß verfolgen konnte, war dieses Conten« 
tum deutlich zu fühlen. Ich erkannte hier 
gleich eine Einschiebung, konnte aber trotz 
meinen Bemühungen den 'Anfeng der Einschie- 
bung mit meiner Hand nicht erreichen; die-* 
selbe von auüisen her wieder zurückzubringen, 
trotzte allen Versuchen, 

Zwei Wege standen oSen^ die Einschie« 
bung zu beseitigen; entweder mufste dorch 
einen grofsen Queerschnilt von der rechtes 
nach der linken Seite die Bauchhohle, oder 
der Darm selbst geöffnet werden. Letzte- 
res schien am rätUichsten zu sejn, zumal 
da schon der Kranke in anhaltenden Ohn« 
machten lag, und auch die Operation weni- 
ger auffand, leichter und schneller zu rollen- 
den war. 

Der Darm wurde am Ende der entdeck- 
ten EinSchiebung geöffnet, und sogleich kam 
die eingekerkerte Darmparthie zum Vorschein. 
Ich brachte hierauf meine Zeigefinger in die 
ungefähr zwei Zoll lange Darmöffoung, und 
schob den eingeschlüpften Darmtheil allmäh- 
lig von der rechten zur linken Seite zurück, 
indem ich den Theil des Darmes, welcher die 
Einschiebung enthielt, gelinde anzog. Anf 
diese Art gelang es mir, die Einschiebung, 
welche über zwei Fufs betrug, glücklich zu 
beseitigen. Keine Spur irgend einer Entzün- 
dung war zu entdecken, auch zeigte sich nichts 
Widernatürliches, aufser ein grofser Spuhl- 
wurm, welcher oberhalb der Einschiebung 
seinen Sitz hatte. Von dem früher gereich- 
ten Quecksilber konnte ich nichts entdecken. 



-- $7 -r 

witfWoM Ich Magen und Zifolf&nger-Darm 
deatlioh. untersuchen konnte ; auch in der Folga 
iit keine Spur davon nieder abgegangen. 



Darmwunde wurde vermittelst eines 
seidenen Fadens durch sechs zusammenhan- 
gende, spiralförmige Einstiche zugenäht, nach 
Art der sogenannten Kürschnerhath , den Fa- 
den liefsen wir aus der Bauchwunde heraus-* 
liängeii. Die Bauchwund^ wurde durch die 
sogenannte KnopCnath, durch vier Näthe ge-> 
lieltet, und Heftstreifen darüber gelegt; seit^ 
f^ärts wurden zwei Longuetten angebracht, 
und darüber ein, dem Monro'schen ähnlicher 
Verband angelegt. 

Der Operirte wurde ins Bett gelegt, und 
bekam etwas Hühnerbrühe. Nach der Ope-> 
xation wiirden durchaus keine Arzneimittel 
mehr gereicht, sondern wir beschränkten uns 
blofs auf eine zweckmäfsige Diät, welche die 
ersten Tage hindurch abwechselnd nur aus 
Haferschleim und Hühnerbrühe bestand. — • 
Die Colikschmerzen lielsen gleich nach der 
Operation nach; Oe£Fnung erfolgte aber erst 
in der Nacht vom 21sten auf den 22sten , nach 
vorhergegangenen sehr heftigen Schmerzen, 
mit einer eigenen hörbaren Bewegung der Ge- 
därme, und mit einem Gefühle vou Reifsen 
und Ziehen verbunden. Höchst wahrschein- 
lieh erfolgte wegen eines paralytischen Zustan-P 
des des eingeschobenen Darmtheils die Oeff- 
Dung und Thatigkeit des Darmes erst 30 spät ; 
eia möglicher Fall ist es auch, dais noch nicht 
tUe Einschiebung beseitigt war. 

Am 4ten Tage wurde der Verband geöff- 
net, weil der Operirte über Spannung des 



/ 



— 58- — . 

Terbandes, und Auftrelbung des tJnterleibes 
klagte. Die Wunde sah sehr gut aus , «iterte 
mäMg, war jedocix etwas entzündet, und-ütt 
geringen Umfange verhärtet. TTundiieber hatte 
sich nicht eingestellt. Schon am Sten Tage 
könnten die Yereinigungsfaden aus der Bauch- 
wunde herausgenommen werden, die l/Vund^ 
ränder waren völlig vernarbt, nur der untere. 
Wundwinkel, woraus der Darmfadeii heraus 
hieng, eiterte noch. 

Von nun an besserte sich der Kraidi9 
von Tage zu Tage; alle Schmerzen horten 
auf^ täglich erfolgte nMürliche Stuhlaaslee- 
rung , und binnen 14 Tagen war die Heilung 
voUataudig, und bis Jetzt noch fortdauernd er- 
folgt. Den Darmfaden versuchte .ich wied^r- 
hohlt auszuziehen, aber vergebens» 

Nach Verlauf von sechs Wochen, wa 
mich der Operirte besuchte, schnitt ich den- 
selben dicht an der Bauchbedeckung ab, ohne 
alle . nachtheilige Folgen davon bemerkt a» 
haben. 

Merkwürdig ist diese Operation , weil un- 
ter der ungünstigsten Prognose, nach dreizehn- 
tägiger vollkommener Stuhlverhaltung, durch 
diese fast in Vergessenheit gerathene Opera- 
tion vollkommene Heilung erfolgte, ohne wel- 
che doch bestimmt der Kranke gestorben wäre ^ 
auch zeigt dieser Fall, dal^ das lange Aus- 
setzen der Gedärme der freien I^uit nicht so 
^hr nachlheilig wirke. 

Gegenwärtiger Fall diene deshalb dazu, 
diese fa^il vergessene Operation wieder in Er- 
innerung zu bringen, und die Nützlichkeit, 
zur Nothweudigkeit derselben in vorkommen«. 



— 59 — 

den Fallen zu zeigen; auch Ist es Hauptzweck 
dieser Krankengeschichte, die dJagnoslischen 
Kennzeichen dieser Krankheit näher zu be- 
zächnen. 



Aerzte, welche diesen Krankheits-' 
Zustand beschrieben haben, weichen sehr in 
der Angabe der diagnostischen Zeichen ab. 
Einige Aerzte behaupten sogar, Volvulus odei^ 
Intnsusception könne ohne Yerstopfunig und 
ohne Sdunerzen Statt finden (s. Seile medicinä 
cüniea p. 454.)« Auch Haller führt mehrere 
¥*älle an , wo bedeutende Einschiebungen ohne 
"Verstopfung zugegen waren (s. Elementa phym 
UoL corp. liunu Tom. VJL pag. 94). Ohne 
es mir einfallen zu lassen, diesen grofsen 
Aerzten zu widersprechen, so glaube ich, voll-« 
konunene Einschiebung ohne Verstopfung und 
Schukeftz nicht zugeben zu können; bei sehr 
geringer und unvollkommener Einschiebung ist 
allerdings eine Möglichkeit anzunehmen; diese 
Fälle werden aber schwerlich eine Operation 
erfordern, sondern nur die Falle vollkomme-» 
ner Einschiebung mit unüberwindlicher Ver- 
stopfung 9 welche durch kein anderes Mittel zu 
beseitigen sind. Uebrigens sind die von Hal^ 
kr angeführten Fälle erst nach dem Tode un- 
tersucht worden, wo es leicht möglich seyn 
kann, dafs das bezeichnete Uebel Product des 
letzten Lebensactes gewesen ist. 

Die Beobachtungen, die ich aus vorlie-- 
gendem Falle geschöpft habe, bezeichnen den 
Ileus in Verbindung mit Ineinanderschiebung 
der Gedärme durch folgende diagnostische Merk- 
male: 

1) Periodischer Schmerz , welcher stets 
Ton einer bestimmten Stelle ausgeht, und sich 



/ 



— 00 — 

I 

von da allmalilich über die ganze Unterljeibs-^ 
Region erstreckt, jedoch stets an der Anfangs- 
Stella ausgezeichnet vorherrschend ist.. Auch 
bei mehreren Colikarten zeigt sidi wohl dey 
Schmerz periodisch, z. B. bei der reinen Co" 
Uca spasmodica ; allein in diesem FaUe ^nd die 
bekannten Zeichen des Krampfes zngeg^n, 
welche "peim Ileus ab invaginatione fehlen« 

2) Die Ai^f^iigs - Stelle zeigt sich als eine 
Verhärtung unter den Bauchbedeckungen. Diese 
verhärtete Stelle ist der Sitz der Einschiebung 
und s(et3 ^zu fühlen, jedoch am deutlichstea 
während des^ Colikanfalles , wo diese Stelle 
härter, erhabener und. empfindlicher wird. 
Von der Einschiebung gehen stets die Schmer-r 
zen aus. Man wird eine Verhärtung durch 
Einschiebung von Verhärtungen der übrigen 
Eingeweide, als des Magens, der Leber, der 
Milz, des Pancreas, leicht, theils- durch ihre 
Lage , theils durch den chronischen Verlauf, 
theils durch die dadurch gestörten Funktio-« 
nen unterscheiden können ; so wie man auch 
Verhärtungen im Darmkanal ^ bei CoUca ster^ 
coracea^ oder durch harte verschluckte Kör- 
per erzeugt, wird unterscheiden können, theils 
durch die veranlassenden Ursachen, theils durch 
den Erfolg der Behandlung, weil im letzten 
Falle eine eingreifende Behandlung uns selti^n 
im Stiche lassen wird, 

3) Die Schmerzen äufsern sich durch Jam« 
mern und Dräugen, wie dieses beim Verar-» 
beiten der Wehen beobachtet wird. Der Kranke 
sucht einen festen Gegenstand zu fassen, um 
daa Bedürfuifs des Drängens desto besser be-« 
iriedigen zu können. Durch dieses wehen- 
artige Pirängen scheint die Natur gleich^aoK 



- 61 ^ 

dsB diigekerkerteti Darmtheil gebahren zu 
woUen. Wer einmal den specifischen Jam- 
merton gehört hat , "wird ihn als solchen leicht 
WBdei erkennen. 

4) Der Abgang von Koth und Blähungen 
nach unten ist vollkonmien gehemmt. 

Dieses Symptom ist fast mit allen Arten 
des Ileus rerbunden; es mag derselbe herrüh- 
ren Ton eingeklemmten Brüchen, von aufge- 
hobener Muskelthätigkeit einer Darmparthie^ 
ErmreiterungundVerschliefsung derselben, oder 
von einer sonstigen Ursache; dieses Symptom 
an und für sich kann deshalb nicht als aus- 
scbliefsliches diagnostisches Kennzeichen einer 
Einschiebung betrachtet werden , wiewohl es 
stets mit vollkommener Einschiebung verbun- 
den ist; nur in Verbindung mit den übrigen 
charakteristischen Merkmalen ist Verstopfung 
▼on grober Bedeutung. 

5) Erbrechen ist nicht anhaltend zugegen, 
jedoch zeigte sich dasselbe in vorliegendem 
Falle zu Anfang und zu Ende des Uebels. 

6) Nach verschwundener Schmerz -Periode 
fühlt sich der Kranke erträglich , weshalb er 
es auch so lange zu ertragen vermag; weder 
Krampf noch Entzündung ist zugegen, wie- 
wohl ich die Möglichkeit einer gleichzeitigen 
Complication damit nicht in Abrede stelle. 
So viel ist gewifs, zum Wesen der Krankheit 
gehören sie nicht. Halter stellt zwar die Glaub- 
würdigkeit der Schriftsteller, welche die Ge- 
genwart von Entzündung bei Einschiebung an- 
nehmen , nicht in Abrede , jedoch hat derselbe 
nie diese Complication beobachtet, er sagt /. c. 
Tom. VU. pag. 95, j^Etsi tnimcL viri constan- 



— 62 — 

tes {Kuhn) $usceptiones , cum ßxo in ea aede do- 
fore [Sdvrotder ingress. intest ' p, 36.) conjungi 
jridöimty et cum intestino connato (^Edinb» JSss.) - 
cum vonütu (EpK Nat. cur, Dec. 1. ^iw* 1. 
Obs» 103. Morgagni sed, et cam. morb. IL 
p« 55.) cum inflammatione {BrendeK Schrot 
der obs. 9.) cum gangrena^ cum volvulo^ et ü ' 
denique fidem ' non nego cL auctoribuSj nul- 
Iwn tarnen unquam vestigium inflammationis tot 
in susceptionibus intestinorum vidi, neque in ho^ 
minibuSf in quorum cadaveribus jfrequentissinmm 
vidi^ neque in animaUbus. Uebrigeos glaube 
icli doch, dafs die zeitig aDgewandten Ader- 
lässe im gegenwärtigen Falle gewifs auch 
das ihrige zur Abwendung einer Entzündung 
beigetragen haben. 

7) Wendet der Arzt lange Zeit hindurch 
fruchtlos die gepriesenen Heilmittel an ; bleibt 
sowohl nach Anwendung solcher Mittel , wel- 
che auf den Organismus überhaupt wirjcen, 
als nach Anwendung solcher Mittel, welche 
auf Beseitigung einer bestimmten veranlassen- 
den Ursache wirken, unverändert; ferner, wen- 
det der Arzt vergebens alle nur mögliche äu- 
fsere Hülfsmittel an, wozu ich das Luftein-t 
blasen , yH^asserklystiere in grofser Menge und 
in einem anhaltenden Strohme beigebracht| so 
wie Tababs- und Oel-Klystiere rechne; und 
findet er die von 1 bis 7 angegebenen dia~ 
gnostischen Kennzeichen constant, sämmtliche 
vereint vorhanden, so hat der Arzt die grSfste 
Wahrscheinlichkeit, dafs Einschiebung^ oder 
Volvulus vorhanden ist, und heilige. Pflicht 
gebietet ihm , die Operation vorzuschlagen und 
in Anwendung zu bringen. 



— JS3 — 

Bei Oeilnung des Unteiieibes rathe ich, 
wenn nämlich die Verhärtung wie m dieaem 
Falle auf der rechten Seite zu fühlen ist, den 
iSchnitt nicht unmittelbar auf der verhärteten 
Stelle, sondern in der weifsen Linie vorzu-* 
nehmen , weil man alsdann besser den Darmr 
kanal nach beiden Seiten hin üntersucÜen, und 
dea Anfang der Einschiebung eher erreichea 
kann ; die Oeffiiung des Darmes wird £(lsdann 
unnotliig. Sollte der Anfang der Einschie- 
bung nicht erreicht werden ikönnen , auch die 
ZuTuckbringung derselben von aufsep unmög- 
lich, und deshalb, y^e im gegenwärtigen Falle, 
die Rothwendigkeit zur Oeffnung des Darmes 
selbst eintreten > so rathe ich, den Faden zur 
Vereinigung der Darmwunde, am Darme ab-- 
schneiden, imd denselben nickt aus der Bauch- 
truode heraushängen zu lassen, weil es doch 
unmöglich ist, ihn wiedär beseitigen zu kön- 
nen, ohne den Darm zu zerren, und aus sei- 
ner Lage zu bringen; auch wird die Heilung 
dadurch sehr befördert, weil der Darmfaden 
in der Bauchwunde stets Reiz, Entzündung 
und unnöthige Eiterung hervorbringt. — lieber 
die Ursache der Entstehung einer Einschiebung 
herrscht ebenfalls noch sehr viel Dunkeles. 
Die nächste Ursache, wodurch dieses Uebel 
erzeugt wird, ist nach meiner Ansicht entge- 
gengesetzte peristaltische Bewegung in einer 
Darmparthie , so dafs die Bewegung zugleich 
nach oben und unten vor sich geht, wodurch 
dann leicht eine Fortion in die andere ein- 
schlüpfen kann, während der obere Theil 
sich ausdehnt, und der untere sich in einem 
zusammengezogenen Zustand befindet^ oder 
auch umgekehrt. 



w 64 -^ 

I 

Die entfeniten Ursachen mögen wohl sehr 
mannichfialtig seyn, z. B. Krampf, reizende 
Potenzen im Darmkanale, -worunter auch Wür- 
mer gehören. Ob diese im vorliegenden Fallt 
Antheil daran gehabt haben, wage ich nicht 
zu bestimmen. Einige Aerzte legen ein sehr 
grofses ' Gewicht darauf — (s. Morgagni di 
CQU8, et sedib. morb. Tom. IL pag. 176). — 

Ein sehr achtungswiirdiger und gelehrter 
Arzt theilt ebenfalls diese Ansicht : sein Sohn, 
ein Knabe von 7 Jahren, starb am Vohndus 
mtestinorum^ schon am 3ten Tage. Der Spuhl- 
wurm hatte sich zwischen die Häute des Leer- 
darmes hineingefressen, so dafs er im Leich- 
name weder Yon innen, noch von aulsen zu 
sehen war; der obere Theil des Darmes war 
vier Finger breit in den untern geschlüpft^ 
und zwar an der Stelle, wo der Spuhlwura^ 
sich befand; 

Möge dieser kleine Beitrag etwas zur Auf- 
hellung dieser so sehr schmerzhaften, gefahiu 
liehen und bis jetzt noch so dunkeln Krank- 
heit beitragen, und Veranlassung zur näheren 
Nachforschung bei meinen Kunstgenossen er^ 
wecken, so bin ich hinlänglich für mein^ ge- 
ringe Mühe belohnt. 



m. 



— 65 ^ 






III. 

Heilung 

oinai 

sedisjährigen Herpes exedens 

iiinerhalB seclis Wochen 

durch Anwendung des Graphits, 

Von 

Dr. M« Mayer 

in Peterfhagen bei Minden. 



iieoe Mittel haben gewöhnlich das Schicksali 
bald zn sehr gepriesen , bald zu wenig be^ 
rackaichtigt zu werden. Kein Freund von 
Extremen I sondern stets das j^medio tutissimui 
ikuT in Ehren haltend, am wenigsten aber dem 
zn grolsen Enthusiasmus beipflichtend, der 
gewohnlich bald in desto gröfsere Apathie 
übergeht, glaube ich diefsmal doch nichts un- 
nützes zu thuo, indem ich durch folgende Er« 
Zahlung auf ein höchst auffallendes und gün- 
stiges Resultat beim Gebrauch eines solchen 
neueren Büttels aufmerksam mache. 

Die Frau N., 39 Jahre alt, Latte bis zu 
ihrem 28sten Jahxe einer dauexhaften Gesund- 
Jonn« LX. B. 2. 8t. E 



— 66 — 

heit genossen. Von dieser ! 
4 Jahre lang mit rheumatisc 
besonders in den Füfsen, tj 
Di^se Schmerzen Terloren sie 
bald nachher zeigte sich übei 
lare des rechten Handgelenkes < 
der bald in eine blasenähulic! 
Haut überging , die Schmerzen 
einige Wochen unverändert st 
lieh wurde die Frau ungeduU 
einer Nadel hinein , worauf \ 
terie herauskam, und die Bl 
Hg in ein Geschwür umwand« 
breitete sich allmähL'g weiter 
den ia -der Nähe ebenfalls I 
selbst platzten, und Geschwii 
Ein Pflaster Ton Pech und 
Uebel noch grölser. Die Fati< 
bei einem IJ^Iitairarzte (ihr 
mals unter dein Militair) Hiil 
ordnete eine rothe Salbe, de 
aber ihr Leiden vermehrte , ui 
Terbreitete sich allmählig vc 
.der Finger über die ganze äu, 
längs der innern Seite des /. 
Nähe des EUubogens* 

Während dieser Zeit w 
«der l^atientin aus Freufsen ui 
ins Amsbergische versetzt. Hi 
.von einem Förster Heilung, d 
.gend viele Wunderkuren ven 
JUX dieser Klippe scheiterte seil 
her brauchte sie in Minden, 
Versetzung ihres Mannes hierJ 
Ket mehrere prtiktische Aerzte 
Allein trotz aller innerlichen u 



«.67 - 

^oog bUeb sich ihr Leiden gleich. Ibiiim 
I ich mich hier etablirt hatte ^ ao euchta 

«BÄ auch bei mir HüUe. 

4^^ erstell Besuch am 19. De- 
^^^ And ich aie über heftige Schmeiu 
^ ^ EUnbogen bis an die mittlerea 
^^w Finger grofstentheils krankhaft 
1^, fechten Armes klagend. Derselbe 
^^eilt offiie übel aussehende und lie« 
, Mochigs Geschwüre, theils mehrere 
• ^^l^fliarbte Stellen, und die ganze Ober- 
S^^ äne blaulich schillernde Rothe. 
^te mir aulser dem oben Angefohr- 
3^ ^nch jetzt noch bald hier bald dort 
^ktchen entstünden, die allmählig 
^üdse beschreibend, sich ausbreiten, 
''heftigem Jucken Terbunden, sich za 
^lieben. Diese platzen und hinter^ 
^^ftchwüre. Während nun an einer 
^ solches Geschwür trocknet und sich 
» bricht an einer andern Stelle ein 

Srag und untersuchte die Patientin 
^^este , konnte aber auf keine Weise 
ine entfernte Ursache dieses rein lo- 
^es aulfinden. Die Frau fühlte sich 
^n ganz wohl, litt an keiner Stohrung 
fses, und zeigte mir einige ganz ge- 
Jnder, die während dem schon be- 
n Ausschlag geboren waren. £be& 
^n mir nähere Erkundigung , so wie 
»wendeten Mittel der frühem Aerzte, 
rgebens Krankheiten der Leber und 
r, vergebens S3rphilis gemuthmafst, 
m so Tergebens das Heer der söge« 

E 2 



— 66 . — 

I 

heit genossen. Von dieser Zeit an hatte sie 
4 Jahre lang mit rheumatischen Schmerzen, 
besonders in den Fiifsen, yiel zu kämpfen. 
Diese Schmerzen verloren sich endlich, allein 
bald nachher zeigte sich über dem Os lumcu- 
lart des rechten Handgelenkes ein rother Funkt, 
der bald in eine blasenähnliche Erhebung der 
Haut überging , die Schmerzen verursachte und 
einige Wochen unverändert stehen blieb. End- 
lich wurde die Frau ungeduldig und stach mit 
einer Nadel hinein , worauf viele blutige Ma- 
terie herauskam , und die $lase~ sich aUmäh- 
Kg in ein Geschwür umwandelte. Das Üebel 
breitete sitih allmählig weiter aus, es entstan- 
den ia 4er Nähe ebenfalls Blasen^ die von 
selbst platzten, und Geschwüre zurückliefsen. 
Ein Pflaster von Pech und Talg machte das 
Uebel noch gröfser. Die Patientin suchte nun 
bei einem Militairarzte (ihr Mann stand da- 
mals linter dein Militair) Hülfe. Dieser ver- 
ordnete eine rothe Salbe, deren Anwendung 
aber ihr Leiden vermehrte, und der Ausschlag 
verbreitete sich allmählig vom Mittelpunkte 
.der Finger über die ganze äuisere Handfläche 
längs der innern Seite des Armes bis in die 
Nähe des EUnbogens. 

Während dieser Zeit wurde der Mann 
'der Patientin aus Preufsen unter das Militair 
ins Amsbergische versetzt. Hier erwartete siSs 
von einem Förster Heilung, der in jener Ge- 
gend viele Wunderkuren verrichtete. Allein 
an dieser Klippe scheiterte seine Kunst. Nach- 
her brauchte sie in Minden , und nach der 
Versetzung ihres Mannes hierher, auch noch 
hier mehrere praktische Aerzte der Umgegend. 
Allein trotz aller innerlichen und äufserUchen 



tfrti'MB ■ ifirrA 



-.67 - 

BehandlaDg blieb sich ihr Leiden gleich. Kiam 
dab ich mich hier etablirt hatte ^ 8o suohta 
■e denn auch bei mir Hülfe« 

Bei nmnem ersten Besuch am 19. De« 

ccmber 1822 £ind ich sie über heftige^ Schmeiu 

ten des Tom EUnbogen bis an die mittleren 

Gdttike der Finger grofstentheils krankhaft 

gestalteten rechten Armes klagend. Derselbe 

zeigte theils ofihe übel aussehende und rie-* 

diende jauchige Geschwüre, theils mehrere 

UUUiich Ternarbte Stellen, und die ganze Ob»«« 

flache hatte eine blaulich schillernde Rothe. 

Sis eisählte mir aulser dem oben Angefuhr* 

teoi dab anch jetzt noch bald hier bald dort 

roths Pünktchen entstünden, die allmählig 

gröbere Kreise beschreibend , sich ausbreiten, 

and mit heftigem Jucken verbunden , sich so 

Bbsen erheben. Diese platzen und hinter^ 

Ituen Geschwüre. Während nun an einer 

Stdia ein solches Geschwür trocknet und sich 

Tenurbt, bricht an einer andern Stelle ein 

auf. 



Ich firug und untersuchte die Patientin 

avft genaueste , konnte aber auf keine Weise 

ifgead eine entfernte Ursache dieses rein lo- 

ahn Herpes auffinden. Die Frau fühlte sich 

im fibrigen ganz wohl, litt an keiner Stohrung 

der Menses , und zeigte mir einige ganz ge- 

niide Kinder, die während dem schon be- 

tlthenden Ausschlag geboren waren* £ben 

so zeigten mir nähere Erkundigung, so wie 

ÜB angewendeten Mittel der frühem Aerzte, 

<Iiis vergebens KranJkheiten der Leber und 

fCortader, Yergebeos Sjohilis gemuthmafst, 

und eben so Tergebens aas Heer der soge- 

E 2 



— 68 «— 

junnten hautreiuigenclen Mittel in U externe au« 
gewendet ^worden waren» 

Da ich es nun für überflüfsig hielt/ den- 
selben Weg zu betreten, so schlug ich einen 
neuen ein, und machte in Verbindung mit 
einigen andern Mitteln , auf die ich desto we- 
niger Werth lege, da sie schon früher ohne 
Erfolg gebraucht waren, init^dem Graphit den 
Versuch. Ich dachte zwar auch über ei- 
nen etwaigen Zusammenhang des Uebels 
mit den kurz vor dessen Anfang verschwun- 
denen rheumatischen Beschwerden nach, allän 
der Zeitraum von 6 Jahren schien mir doch 
zu lang um- darin noch eine fortdauernde Ur- 
sache zu suchen, und das Uebel, wenn auch 
früher secundair, schien mir doch jetzt schon 
idiopathisch geworden zu seyn, worin mich 
der Gedanke bestärkte, dafs doch unter der 
Masse der angewendeten Mittel manches zu-« 
gleich antirheumatische Wirkung besessen (z. 
B. die tiüpIuiralUi et rnntimonialia und deren 
Verbindung), und daher wenigstens lindernd 
würde gewirkt haben. 

Ich verordnete bei meinem ersten Besuch 
äi&n 19. December 1822 sogleich folgendes: 
Rec. Decoct. SassapariU, libr. /. e radic. unc. jj. 
pp. in quo solv* ^lurmn. crud. drachm. y» M, 
D. S. 4 mal täglich 1 Efslöffel. — Rec. Gm- 
phit. oftihu unc. ß. Sülph, antim, aurat» gr. vj. 
Mercur. dulc. gr. xfj. Meli, depurat. uhc. j. 
^ M. D. S. Morgens und Abends 1 Theeloffel 
voll (also circa 20 Gran Graphit pro dosi). — * 
Mec. Aq. Calcar, ust. OL Amygd, duic. ana 
unc.j. M. Z>. 5. äufserlich. 

/ Den 23. Decemb. Heute fand ich den 
Arm schon viel reiner , und das Gefühl von 



- 69 - 

Schmerz und Jucken liatte nacli der Patientin 
Aussage bedeutend Dachgelasseu. Der'Gr^. 
pfüt wird Ton der Patientin sehr gut vertra* 
gen, und erzeugt durc||iaus keine anomale Er- 
scheinung in den Funktionen des Körpers^ 
Da die bisherige Form der Arznei der lüran-« 
ken nicht behagte^ so gab ich mit Hinwegta^ 
sang des Sassaparillen «Decocta den Graphit 
ia Fillenfonn: Rec. Graphit optim. Extrati. 
Dideamar» ana dfachm,' j: Mereur. dulc, gr, 
jaj. Sulph. Andm. aurat, gr, vj, Succ. 'Li-- 
quirlt, q. «• ut /. pilvl. aequaL No. LX. Con- 
tperg. Semin. Lycopod. JD. & 3 mal täglich je- 
iesmsl 5 Stack. Ferner: JRec. Graphit, optim, 
dradan, ij, Flor, 2ihc. drachm. ß. /ixung. por- 
an, unc. j, Af. D» S, Morgens und Abends den 
Ann damit einzureiben. 

Den 27. DecemK Von heute an fand ich 
kein Geschwür mehr, das sich neu erzeugt 
bätte, allein die vorhandenen schlössen sich 
nur aihnählig , so dafs bei fortwährendem Ge- 
brauch der Pillen und der Salbe erst Ende 
Januars 1823 der ganze Arm rernarbt war. 

Dtn 31. Januar 1S23. Bei meinem heu- 
tigen Besuch liefs ich mit dem innern Arz- 
oeigebrauch ganz aufhören , und gab äufser- 
lieh blofs Liniment, volatih camphorat. und OL 
Uni, zum Einreiben , um allmählig die Straffe 
beit der narbenreichen Haut Zu heben. 

So beobachtete ich die Patientin bis jetzt^ 
hlso anderthalb Jahre hindurch, ohne dafs der 
geringste Bückfall Statt fand , obgleich sie den 
Arm zu allen häuslichen Arbeiten benutzt. 
Von Zeit zu Zeit berichtete mir die Frau, 
dafs die Spannung der Haut sich inmier mehr 



— 70 — 

yetVietei aber der früher ergriffene TheS 
Arins ist immer noch mit den häfslid 
l!7arbea bedeckt, und an der Stelle, wi 
tJebel -seinen Anfang nahm, ist die Haal 
festeate mit den darunter liegenden Pai 
yerwachien und unyerscblebbar.» so daJ 
^jiegiang des Handgelenkes noch etwa 
lidiwert ist , allein ohne die geringste Yc 
derung in der Arbeit, noch, ohne die o 
•ten Schmerzen. 



I . 









— 71 — 



Merkwürdige 

Metastase nach der Zunge 

mit Verlast des Gieschmacks» 

■ • 

nieh 
einem rheumatischen Fieber mit Seitenstich.. 

Znr Consnlcation aufgestellt. 



vVenn eine Krankheit der sorgfältigsten ärzti- 
lichen Behandlung und Anwendung der be^ 
währtesten Mittel hartnäckig spottet , so ent^ 
schuldigen die Erheblichkeit der erstem^ und 
die Fruchtlosigkeit der letztern die Appella- 
tion an das ärztliche Publikum, und.läfst hof^ 
fea, durch die Mittheilung mehrerer Rath- 
ichläge einen hartnäckigen Eall besiegen zu 
helfen. Die nachstehende Geschichte wird die 
iVothwepdigkeit dieser Maafsregel rechtfer- 
tisen. 

Der Kaufmann, Herr F. H. inR., 60 Jahre 
ilt, von mittler Statur, starkem Korperbau, 
and sanguinischem Temperament, hatte alle 
gewohnlichen Kinderkrankheiten glücklich 
überstanden, und in den Jünglings - und Man- 
nesjahren bis dahin einer dauerhaften Gesund- 



— 72 « 

Gegen das SOste Jahr yiak 
•r BltCT Tloi rlieumatisdien Schmerzen htÜ' 
Itn, dtt TOyziigUcli die Glieder eionaluiitt^ 
ttod . ii» €1 sich als Hulzhäudle« durch im 
^Mt täjÜcliati laogen Aufenthalt euf den ia 
Frtiea wmI «n einem Flusse liegeoden gtobm. 
StapdplldM höcbstwahrschelDlich zugezogü 
lutt». 

DlAM Schmerzen , deren Frequenz TM 
det Ja|irau«it und Witterung abhiag, «i^ 
den bat .jH^Bcm gesunden Kürper, nad M 
Seolwehtotts einer ordentlichen, regelmüfiiga 
LebflQtiiTt. ifl flinem so erträglichen Grad« ~ 
luilttti,j-^(& er stets seine Geschäft» dl 
Terrichtttu konnte, was denn auch zur Mdt< 
beacIitDlig und YersäumuLTg dieses Uebels T» 
aolüHang gab. Vor drei Jnhren bekam « 
nach üiinn Falle eine Verrenkung des linkn 
ObenihMi'dich Torus mit bedeutenden BM> 
•KtraVMMt? ^icht allein nm Arme, soadM 
aaoh' an d« Brust, er wurde jedoch durdt 
AnwMidtlnr iweckmürsiger Mittel tou difM 
Ibcalen Uabel völlig und ohne die 
-f<dgMt'tri«iler hergestellt. 

' Rft(ll''dieser Zeit sielite sich eio« __ 
lidie Gotf^Unz ein, die mehr einer Üheifl^ 
fsigen Fettigkeit als einer wahren Zitiub- 
.nie fthslich wnr, und mit dieser a»b- 
man jene Schmerzen an Heftigkeit zu, lelii 
ten öfter wieder, und wurden zuweilen suf 
eine. Zeit anhaltend; jedoch durch pastfnd» 
Mittel in dem Grade moderirt, dafs er '~" 
GeachäfteTttrichtenkonnte, undwi'^« 
die fibijjgen Verrichtuugea des Kü 
dadurch 'litten* 



— 73 — 

Im September 1822 wurde' isr, wahMchelii- 

iich nach einer starken Erkältang, von einem 

anfiaglich remittirenden Fieber mit heftigen 

Schmerzen in den Gliedern angegriflEen, die 

sieh nach einigen Tagen in der rechten Brust 

iborten, mit erschwerter Respiration, kurzem^ 

tiocknem Husten, starken Congestionen nach 

im Kopfe und davon abhängendem soporö- 

SSB Schla£ Die Zun^^e war mit einem wei- 

isen Schleime belegt, die Efslust mangelte 

S'inzlich, der Durst stark, die Temperatur 
er Haat bedeutend erhöht, der Puls, der 
wegen Druck des Fettes auf die Arterie kei^ 
um richtigen Aufschlufs geben konnte, fühlte 
sich dennoch bei genauer Untersuchung und 
Tennehrtem Fingerdruck hart und gespannt, 
der Unterleib war durch Flatulenz ausgedehnt, 
die Oeffnung sparsam und hart, der Urin fiofs 
in geringer Quantität ^ war hellgelb von Farbe, 
und klar: übrigens aber waren keine Zufalle 
•nd Zeichen vorhanden, die eine Sahurram 
frim* vioTf" anzeigten. 

Es wäre hier zweckmäfsig, die specielle 
Behandlung der Krankheit mitzutheilen , in- 
dem sie vielleicht ein helleres Licht üBer die 
Natnr der ZungenaiTection verbreiten würde; 
allein aus mehreren Rücksichten ist man ge- 
nSthigt, sich auf das Allgemeine derselben 
einzuschränken 9 und nur diejenigen Mittel zu 
nennen, die im Verlauf der Krankheit, nach 
eintretenden Indicationen, einzeln und in Yer- 
bindnng angewandt wurden. Im Anfange der 
Krankheit und successive im Verlauf dersel- 
ben, wurden eilf Aderlässe angestellt; zwei- 
mal Hirudines am Kopfe, in allem 24, und 
zuletzt noch 16 an der Brust applicirt, ein 



— 74. 

V*^atorhan toco doltnie, und später eins u 
den rechten Oberarm gelegt, und beide langl 
im Zuge erhalleu; die Brust iibrigeas mit Xk 
nim. volul. f.ompli. c, Oph tiiglich drei ISA 
inuugirt. Auf den Kopf wurden anliBltnJ 
kalte Fomentationen gelogt; auch die Verdürii 
Stung des jieth. vUr. auf den VertJcem 
wandt. Obgleich keine gaatriache ZttdälC 
Torhanden waren , so wurde doch der U&hft 
leib gleich onfnnglich durch abltUirende Wt" 
tel und Laveinenls hinlänglich ausgeleert, H 
Cotigeslioneu zu eotferueu , und eitter jed» 
Complication aus dieser Quelle vorzubeogtn 
Innerlich wurden ferner kühlende MixtuMOt 
CalonKt allein und mit Exlractum Hjosc ifo* 
setzt, Vigit- /"'7'. ein Decoct. Senegae allaöt 
auch mit fitleritina und Pin. Antim. vetbov- 
den, Kerm. nöncT. Fiorts Jitnxois, Aq. Amy^ 
iimar., Camph. uni Extr.Card.liened.einzelnviA 
nach Umwänden mit einander verbunden M* 
-gewandt, auch zwischeadurck Abfühtungw 
BUB Jalapp. mit einem Mitteltatc oder CaloinL 
-versetzt, gegeben. Dabei wurde eia antipUfr: 
gisttsches Regimen und Diät beobachtet, uit3 
vorzüglich alles entfernt, was nachtheilig Mf' 
Geist 'und Körper wirken konnte. Ung«K^ 
-tet der getroffenen Vorkehrungen, war e» W 
der Gorpulenz des Kranken nicht mügliehi 
dem Decubitum vorzubeugen , der mit aifltf. 
' heftigen £nlzünduog von livider Färb« -aät- 
tiat , und sich von den Natibus über <1m O* 
'sacrwn fortei-slreckle. Durch antisentndw 
Mittel, die möglichste Reinlichkeit, TCurde4wi 
drohendem Uebel Einhalt gelhaa, 
. «intireteiider allgemeiner " 
und idin« äble Fol{«n gvheUt. 



— 75 — 

In der dritten Woche der Kranleheit zeig* 
te sieh auf einmal eine bedeutende Geschwulst 
in der BidLen ixntern Extremität , die sich vom 
Knie bia eum Fnlsgelenk fort erstreckte. Diese 
GeichwüUt ^Mitstand ohne alle Voremj^findung 
jdotslicli in .einer Nacht, war von unten fojb 
eben gleiohÜJrmig iin Umiang elastisch anzur 
üiUetit; die Farbe der Haut ^icht verändert; 
aber k«im Berühren überall empfindlich, vrozn- 
die bedeutende Ausdehnung und Spannung der 
Haut Veranlassung gaben. Bei der Behand«* 
long .vnrde alles vermieden, was eine schleu- 
nige AuflSsung und Einsaugung der Materie 
bewirken könnte; dagegen suchte man durch 
Einwickelung in GichttalTent, sanfte Frictionen 
mit durchYäüefaerten Tüchern, und späterhin 
durch iLrSuterkissen, die Ausdünstung und Yer- 
flndkfigung derselben zu befördern. Obgleich 
sie bei diem beharrlichen Gebrauch dieser Alit- 
td lieb nach Verlauf eines Jahres grofsten- 
fheib verloren hat, so zeigt sie sich dennoch 
ab nnd zn, besonders im Winter bei feuditer 
'Kalte, im Fubgelenke und circa malkolos^ und 
vediert sich wieder, wenn die erregende Ur- 
iAcbe Verschwindet. Eine wahre Crisis er- 
fiilgte wSbrend der Krankheit nichts Der Urin, 
wdcher in ähnlichen Fällen ^ und bei der Hef- 
tigkeit des Uebels , gewöhnlich acht und mefa- 
lere Tage , einen dicken , ziegelsteinähnlichen 
Bodensatz macht , wurde nur immer in gerin- 
gar Quantität gelassen und war klar, einige 
ihle abgerechnet, wo sich eine einzelne un- 
bedeutende Nubecula zeigte. Die Ausdünstung, 
die sich mehrere Male einfand, kam nie zur 
Ansbildang, sondern verschwand geschwind 
wieder und entschied nichts. Die Oeffnung 
mubte die mehrste Zeit durch die Kunst be- 



— 70 — 

fordert werden^ \fozu obeng^uaDiite PhItoj 
oder an deren Statt Puh. digest.^ KL gewäUk 
wurden , die gewöiinlich blofs dünne 'wabriglte 
Ausleerungen bewirkten. 

Der Auswurf y der lange zuriickUiAi >". 
folgte zuletzt, vorzüglicli nach dem Gobnic|i 
des Kampfers, wodurch das ortliche Uebddvj 
Brust beseitigt, die Respiration freier 'Wilri^j 
und der Husten abnahm; dagegen auf das 4^ 
gemeine Leiden keinen wesentlich TortlMlt 
haften Einflufs äulserte. 

Demun geachtet stellte sich nach VeibdC* 

Ton vier Wochen alUnählig eine Ber ^' 

ein; die Zunge reinigte sich, der j 
kehrte wieder , besonders fiufserte der Kri 
gleichsam instinktmäfsig, ein Verlangen 
Wein, der Schlaf würde ruhiger, oie 
nung erfolgte öfterer von selbst; allein 1 
Entkräftung war so grofs, und djQ InitpUPir 
tat im Ganzen so gesunken, dals er gW^ 
aam am ganzen Körper wie paraljnirt, iidB> 
hig war sich zu bewegen, ja selbst die'IW* 
rung mufste ihm durch die Wärter genidl 
werden. Eben so herabgestinmit waren piM 
Geisteskräfte, so dafs er an nichts Theil aik- 
men konnte, und wirklich nur vegetfilK 
Dieser Zustand währte noch eine lange. ZÄ 
fort, nachdem er bereits das Bett TerUiNi 
hatte, die Steifigkeit und Schwäche det/fn« 
zen Körpers machten ihm eine jede Bs[W^ 
gung, selbst die kleinste, unmöglich, SO dab 
er , z. E. die Feder weder halten noch lEhp 
ren konnte. Merkwürdig war es , dals er^'üi 
der langen Zeit 1)ei dem Verlust Ton so tis- 
len Saiten, und dem äufserst geringen Genvb 
Ton Nahrungsmitteln , wenig oder nichts tos 



— 77 — 



] der Fettigkeit rerloren hatte; ein Beweis, vne 



( 



(/ef die Abscybtionskraft gesunken war. 

Darch den fortgesetzten Gebrauch stär-< 

iender Mittel und einer nahrhaften Diät, ge-- 

wann er nach langer Zeit so viel an Kräften 

wieder, dab er kleine Bewegungen machea 

konnte, und den Gebrauch der Finger, ob^ 

gleidi langsam wieder erhielt, als er auf an* 

mal Übtr den J^erlust da Oe^chmacks klagte. 

Btti der Besichtigung des Mundes ergab sich, 

dafe die Zunge nach vorne rein, aber von 

der Mitte bis so weit das Auge die Wurzel 

derselben im Rachen verfolgen konnte, mit 

einer schwarzbraunen Rinde überzogen war« 

Bei der genauesten Untersuchung waren keine 

Sorde»4 keine Saburra ventricuü etc., folglich 

iLÜne Ursache in den primis vlis zu entdecken ; 

die Besserung des Genesenden machte, ob« 

gleich langsaiq, dennoch Fortschritt^, es mufste 

«Iso die peiversa secretio der Zunge in einem 

eignen Reiz ihren Grund haben, den man 

durch Aufrichtung der Kräfte, und zweck- 

mäfsige locale Behandlung zu überwinden 

hoffte. ' 

Zu dem Ende ^wurden im Verlauf der 
Zeit sargarigmata antiseptica von resolviren- 
den Kräutern mit Wein und Rosenhonig ; fer- 
ner Auflosungen von Borax mit. Succ. Semper- 
m« mqjorbf Fltr, alb, , Alum. crud. , ein Infus. 
Cort. peruv, c. Vitr. alb. et Md. Rosar. zum Fin- 
sein und Gurgeln lange und anhaltend ge- 
braucht, dabei ein Vesicatorivm nuchae appli- 
cirt, das eine zeltlang offen gehalten wurde, 
um eine Ableitung von dem leidenden Theile 
zu machen. Zugleich wurden innerlich die 
roborirenden und excitirenden Mittel, bittere 



— 78 — 

EKiracte, Visceral- Ellxire , das Elke, acidm 
HaHeri mit Rücksicht auf reine ersten Wege 
lange und abwechselnd ohne dfo minderten 
Erfolg fortgesetzt. Zuweilen schien es, als 
wenn der schwarze Kleber eine hellere Farbe 
annahm, und sich ein wenig verlor; alleiB 
die Veränderung erfolgte auch zuweilen ohne 
Arzneien, war nur von kurzer Dauer, und 
hatte in zufalligen, nicht mit Gewltsheit zu 
erforschenden Ursachen ihren Grund. Wahr« 
scheinlich ist es, dafs nafskalte stürmische 
Witterang, worin das Rheuma gewohnüdk 
seine Rolle spielt , darauf influirte. Zuweilen, 
und unter den nehmlichen Umständen, wird 
die Farbe kohlenschwarz , und verwandelt sich 
dann auch wieder in eine hellere, verliert 
sich aber nie ganz, und ist mit steter Appe- 
titlosigkeit und dem Verlust des Geschmad^ 
begleitet. 

Ungeachtet dieses Umstandes erholte der, 
Patient sich im Verlaufs ^es Winters 1823 
dennoch so weit, dafs er mit Hülfe eines 
Führers umher gehen und Theil am gesellig 
gen Umgange nehmen konnte. / 

In Betracht, dafs unbezweifelt eine rhen« 
matische Djskrasie zum Grunde liege, nahm 
er im Sommer 1823, nach gehöriger Vorbe-» 
reitung, 20 Schwefelbäder, die ihre wohlthär 
tige Nachwirkung nicht versagten, indeip die 
Steifigkeit im ganzen Körper merklich pach« 
liefs, und im Allgemeinen die Beweglichkeit 
sich wieder herstellte; auch die Geschwulst 
des linken untern Schenkels verlor sich so 
merklich , dafs er das Glied nachher mit meh- 
rerer Leichtigkeit fübgren konnte, nur xnit der 
Zunge blieb es wie zuvor. 



— 79 — 

Im Winter 1824 bei der anhalteiiden nas- 
Mn Kälte , litt er wieder ab und zu an Ge- 
^wulst und Schmerzen am linken Fufs, be- 
jooder« in der groJsen Zehe, welches ihm das 
Gehen erschwerte , und zuweilen ganz un- 
aöglich machte, dabei war sein übriges Be- 
finden, das Uebel an der Zunge mit Appetitr* 
loiigkeit , abgerechnet , erträglich. 



dem Eintritt des Frühlings verloren 
sich die Geschwulst und Schmerzen freilich 
nicht Tolligy aber doch in dem Grade, dafs 
er taglich die Luft geniefsen, gehen und fah- 
ren konnte, welches auf Geist und K.örper 
einen sichtbar Wöhlthätigen Einflufs hatte. In 
'den ersten Frühlings -Monaten dieses Jahres 
trank er, unter gehörigen Precautionen , Sei- 
inr und Bitterbrunnen, wobei den Umständen 
gemäls ab und zu eine gelinde Abführung in- 
terponirt wurde. Späterhin in den Sommer - 
Monaten wurden wiederum die Schwefelbäder 
in Gebrauch gezogen, vorher aber erst 10 
reiolTirende und eröffnende Bäder aus Seife 
mit einer starken Abkochung von Rad. Gram. 
Tarax, Saponar. und Tart. tartaris. angewandt, 
um auf die Gefafse des Unterleibes zu wir- 
ken. Diese Bäder bekamen vortrefflich; sie 
beiorderten merklich alle Se - und Excretio- 
md: die OefTnung, die vorher freilich täg- 
lich, aber öfter sehr gebunden« war, und mit 
Beschwerden erfolgte, wurde reichlicher und 
leichter; der Urin flofs häufiger wie vorher; 
dabei hatte die Geschwulst des Fufses sieb 
i;aiiz verloren, und die Geschmeidigkeit und 
Beweglichkeit der Glieder in dem Grade zu- 
jiremimmen, dafs er mit Leichtigkeit und ohne 
Hülfe sicher gehen konnte. In dem nehmli- 



rt 80 — 

chen Gradd waren seine Geisteslüaflte ge- 
stärkt; er wurde lebhafter, bekam ein blfi- 
hendfes Ansehen, nahm mehr thätigen Aih 
theil an den Geschäften und Gesellschaften! 
und was merkwürdig war, Verlor bei dieser 
günstigen Veränderung bedeutend an seiner 
Corpuleuz als Beweis einer erhoheten Kraft 
und Thätigk^eit der Natur und der daron ab« 
hangenden normalen Froduction. 

Bei allen diesen Hülfsmitteln mit ihren 
wohlthätigen Wirkungen, auf seinen iELoiper 
ist die Zunge braun belegt , der Appetit inan* 
geh gänzlich, und er hat einen der angenehnn 
sten Sinne, den Geschmack, verloren , was 
denn öfter einen hohen Grad von Mi&muth 
bei ihm erregt. 

Mögten die hochyerehrteu Herren Ileran^' 
geber und andere erlauchte und erfahrne Aerate 
geneigen , ihre Meinungen über den vorliegen-- 
den Fall in dieses allgemein gelesene Jouiiial 
niederzulegen und diejenigen Mittel zu nen* 
nen , die ihrem Bedünken nach zum Ziel fuh- 
ren könnten, so würde sowohl der Kranke 
als der Verfasser dieses Aufsatzes es init vis« 
lem Danke erkennen , und Letzterer nicht er- 
mangeln, das Resultat dävpn mitiutheilen. *) 

A 

*) Ohne dem ürtb eil meiner geehrten Herran Kol» 

legen vorzugreifen, wQrde ich dem Krankeit 

den Gebrauch des Franzenbrunnent zu Beer^ 

am besten an der Quelle» und die örtliche An« 

. Wendung der Elektricität an der Zunge empfehlt n. 



V. 



— 81 — 



V. 

Beobachtpngen 

aus der praktischen Arzneikunde. 

Von 

Dr. Gerhard von dem Busch^ 

prtktifchtm Ante zu Bremen, 



1. FaB cöicf offnen Brustkrebses , bd dem die Jo^ 

ine und eine strenge Entziehungskitr in An^ 

ii9€ndung gezogen wurden. 



Uer ToUIg ausgebildete Brustkrebs ist bis da- 
hin ein allen Heilmitteln so hartnäckig Trotz 
lietandes Uebel gewesen , dafs jede neue Aus- 
sidbt, die uns eröffnet wird, dieses Uebel, 
wenn es noch nicht zu tiefe Wurzeln geschla- 
gen hat, vielludu heilen zu können, nicht 
uischwiegen werden sollte. Der nachfolgen- 
de Fall, in welchem ich Blittel anwandte^ die 
bis dahin wenig oder gar nicht gegen diese 
Krankheit in Anwendung gezogen wurden, 
scheint mir, obschon er tödtlich ablief, um 
•o mehr der Mittheilung wierth zu seyn, da 
die angewandten Mittel offenbar einen höchst 
Jonm. LX. B« a. Su F 



.— :82 L^ 

nachiheiligeu Eiuilufs auf das IJebel hatten, 
und vielleicht die Heilung bewirkt haben wür- 
den , wenn sie angewandt worden wären, ehe 
dasselbe seine furchtbare Höhe erreicht gehabt 
hätte. 

Frau B. , 39 Jahr alt, von schwanen 
Haaren , dunklen Augen , eineir kräftigen CaK- 
stitutiou, war bis zu der Zeit ihres jetzigem 
Erkrankens stets gesund gewesen. Sie itainmle 
aus einer gesunden Familie , und ihr noch 
jetzt lebender 7öjähriger Vater er&eut nch 
bis dahin noch der besten Gesundheit. Sie 
hatte als Mädchen in einijgen Häusern gedient, 
in welchen sie es sehr schwer gehabt, sich 
dann verheirathet, und hatte mit ihrem Manne 
eine grolse Reihe von Jahren in einer sehr 
zufriedenen, aber kinderlosen Ehe gelebt. Die- 
ser Mann starl^ im Jahre 1819, , nach' eineBi 
kurzen Kränkenlager, an einer HirnentsSn- 
dung. Nach Verlauf eines Jahres verheira- 
thete sich die Wittwe wieder mit einem bei 
weitem jüngeren und sehr rüstigem Manne, 
von dem sie dann auch nach einiger Zeit 
•schwanger ward. Während der Schwanger- 
schaft hatte sie ibrem damaUgen Arzte darauf 
•auftnerksam gemacht, daTs sie eine Verhär- 
tung in der linken Brust habe, die ihrer An^ 
gäbe nach durch einen Stofs , den sie vor vie- 
len Jahren beim Aufheben eines Fulta hekom- 
men hatte, entstanden war. Diese' Vediär^ 
. tung hatte ihr bis dahin durchaus keine Schmer- 
zen verursacht, war in der Zeit auch nicht 
gröfser geworden; indessen fürchtete die Frau, 
dafs dieselbe vielleicht nach der Entbindung 
üble Folgen herbeiführen könnte, und machte 
aus diesem Grunde dea Arzt darauf aufinerk- 



— 83 — 

sam, der indessen nicht weiter darauf ach- 
tete. — Nach der Entbindung von einem 
Knaben im NoTember des Jahres 1821 ward 
diese Verhärtung schmerzhaft, und ungeach- 
tet der Versicherung der Frau , dafs sie die- 
selbe schon yiele Jahre hindurch gehabt habe, 
ward dieser Knoten für eine Alilchverhaltung 
aufgegeben, die in Folge des rersäumten Streik 
chens und Aussaugens der Brust entstanden 
sef , und dem gemäfs zehn Wochen lang mit 
warmen Umschlägen mancherlei Art behan- 
delt. Im Laufe dieser Zeit zeigten sich in- 
dessen bald mehrere Knuten in der Brust, es 
schwollen die Achseldriisen an, und flüchtige 
stechende Schmerzen wurden in dem kranken 
Theile gefühlt. Die Frau ward nun ängstlich, 
und liefs einen Wundarzt kommen , der das 
Uebei aber für höchst bedenklich erklärte. 
Der Arzt , dem diese Aussage mitgetheilt wur- 
de, erklärte nun ebenfalls das bis dahin für 
Miichverhaltung ausgegebene Bcustleiden für 
bedenklich, und rieth zur Abnahme der Brust, 
welcher Operation sich die Kranke indessen 
nicht unterziehen wollte. Nach einiger Zeit 
ward noch ein Wnndarzt zu Rathe gebogen; 
derselbe ertheiite eine Verordnung , gab dann 
aber die Behandlung bald auf. — Da der 
Arzt den tödtlichen Ausgang des Uebels, das 
unaufhaltsam fortschritt, voraussehen mochte, 
so liefs er die Kranke endlich ganz im Stiche, 
und rieth ihr, wenn sie ihn zufallig sah, mit 
den Umschlägen fortzufahren, und die yont 
ihm zuletzt verordneten Pillen ferner zu ge- 
brauchen. — Die Kranke mufste sich dann 
Ton Ende Mai bis Ende Julius 1822 ohne 
ärztlichen Zuspruch behelfcn, sie nahm die 
rillen, und legte die Blätter von Wegerich, 

V 2 



^ 84 ~ 

die man ihr als eio. Hausmittel aDgepriesen 
hatte^ auf die jetzt bereits aufgebrochene BrusL 

Gegen das Ende des Julias bekam ilir 
Kind einen catftrrbalischen Husten, und Ward 
ich zu demselben gerufen. Bei dieser Gele- 
genheit klagte sie mir ihr Leid , und bat mich 
inständigst, doch auch ihre Behandlanf zu 
übernehmen , und ihr wenigstens Littdernng 
ihrer unsäglichen Schmerzen zu verschafien. 
Obgleich ich hur höchst traurige Auftntte, 
und endlich dennoch einen todtlidben Amgang 
Yoraus sah ; so willigte ich ein die Behatid- 
lung zu übernehmen, da mich nicht UoA die 
Verwandten der Kranken inständigst darum 
ersuchten , sondern diese auch selbst versprach, 
sich allen meinen Verfügungen treu una wü* 
lig zu unterwerfen. — Ehe ich indessen meine 
Einwilligung gab, erklärte ich, dafs ich wün- 
sche, dafs man den Wundarzt Herrn S&dur^ 
der das Uebel vor längerer Zeit gleich richtig 
gewürdigt hatte, mit zur Behandlung ziehen 
mochte. Dieses gestand man mir gern sq, 
und ich machte den Herrn B. , dem ich für 
seine treue Hülfe in diesem traurigen Falle 
meinen besten Dank hier öffentlich bezeige, 
dazu willig die örtliche Behandlung des Ue* 
bels zu übernehmen, ^während ich die idlge^ 
meine leiten wollte. 

Wir untersuchten demnach die Kranke 
gemeinschaftlich, und ergab die Untersuchung 
folgendes. Die linke Brust war sehr klein zu- 
sammengeschrumpft, steinhart, knotig, schwarz- 
lich blau gefärbt,' und dabei höchst schmerz- 
haft. An einigen Stellen war dieselbe aufge- 
brochen, und sonderte sich aus diesen Stellen 
eine höchst übelriechende, scharfe um sich 



- 85 - 

fmsende Jauche ab. Die Achseldrüaen die- 
MT Seile waren ebenfalls fuigeschwolleo , hart 
afd schmerzhaft, und die Geschwulst nahm 
den linken Oberarm bereits ein. — Die rechte 
Brait wac voll von Knoten, die indessen einr 
idn lagen, und noch nicht wie in der linken 
Blut XU einer steinharten Masse zusammen-* 
gvlieten waren. Die Kranke fühlte oft flüch- 
tig stechende Schmerzen in derselben , die in 
der linken Brust ihren Anfang nahmen , und 
dun durch dieselbe hinzogen. Uebrigens hatte 
die Brust ihre natürliche Farbe, und war nicht 
aafgehrücfaen. Die Achseldrüsen dieser Seite 
waren ebenfoUs angeschwollen, indessta war 
der Oberarm frei von d^r Geschwulst geblie- 
ben. Die Frau fieberte nicht und hatte einen 
gnten Appetit, war auch nicht besonders ab-. 
jremegerl. Vor kurzer Zeit hatten sich bei 
ihr Sjpuren des Ftuor albus gezeigt, Ton dem 
ne in früheren Zeiten nichts gewulst hatte. 
Die Nächte brachte sie grofstentheils schlaflos 
ixLj da die heftigen Schmerzen allen Schlaf 
Tencheuehten. Ihre Kräfte waren aber dem- 
uB^cfatet nicht sehr gesunken, und war sie 
noch im Stande häusliche Arbeiten zu Ter- 
riditen. — Die Prognose konnte yon uns 
uBter diesen Umständen nur als höchst un- 
ininslig gestellt werden, denn obgleich die 
Krtnke nodi ziemlich bei Kräften war und 
Maen guten Appetit hatte, so war doch das 
(»aaze Drüsensystem- bereits so sehr in die 
Krankheit hineingezogen , dafs sich schwerlich 
eiae Heilung des Uebels erwarten liefs. — 
Da indessen gehandelt werden mufste , so eut- 
Sflilofs ich mich in diesem Falle, in welchen 
die gepeu den Krebs empfohlenen Mittel ohne- 
hin vrohl wenig gefruchtet haben wüiden. 



— 8C - 

die auf das DrüseDsyslem so krüfti^ ^■ 
wirkenda Jodine zu vsrsuclieu , eiu älitU^j 
■von dein ich Bclion manches Gute iu täll 
TOQ scrophulÖsen Drüseuausciiwelluageii 
hea hntle. Icji glaubte um su eher 
IVJjttel in diesem Falle vetsucliea zu äärSe 
da die Kräfte der Krankeu uocli ziemlich 
erhalten waren, uad ^ia Beschaüenheit 
Pulaes, und Mageos mir keine Geg'euaai 
in den Weg stellL&n. Ehe ich indesseni., 
Anwenduu^ dieses Mittels schritt, lie£i.in^i 
um die bedeutenda veuöse CoDf;eslion in te. 
Unken Brust zu mindern, und itiehr Xlüt^ 
keit iu dieselbe zu bringen, eine Anzahl Blvt 
egel an dieselbe setzen, die dann »udi ^ 
nicht geringe Men^e Blut ausleerteü. lA 
Blätler des Wegerichs wurden weggelaMB 
und wurde blofs eine Empi. de Cicuta mit tt- 
nein Zusalze von Exir, Beltadonnae ühaqv 
legt. Innerlich verordoele ich der Kraokll 
dreimal täglich .10 Tropfen \ou Tmct. Jotäa.* 
et Aq. Fl. Naph. ana drachm. j. mit Znckei 
wasser zu nehmen , und liefa jeden Abu! 
das U/lg, Jodin. zii einer Erbse grob in di« 
Achseid riisen einreiben. — Die Folge diaN 
Behandlungsart ^-ar, dafs sich nach V^rlail 
von etwa vierzehn Tagen einige der dem li» 
ken Ana zunächst gelegenen Knoten lotW 
trennen anfingen uiul bald abfielen. Die Kn(iÄl 
murslB indessen vor einer jeden Losli-enBung 
viel leiden. Ein jeder IVnoten iiauiliclt «la 
ablallen vTüllEe, machte glejchsaia seinfia^'^ 
genen in sich abg^spblosaenen Vcrkuif, tut M 
zündele eich anl'augs, vrard lebhai'ier gei 

•) Dio Bereitung äi 

hiasigen ApoiheEiao iolpiaic t Rec. Jt 
icrap, ij. Spir. leclif. abffli 



n 



a. 87 -^ 

uDcl scbmerzte heftiger, starb dann ab und fiel 
nach' einigen Tagen von selbst ab. Da die 
Kranke indessen durch diese beständigen ge- 
inehrten Scfamerzto sehr litf, auch jetzt aa^^ 
fiog über Magiendrücken zu klagen, so hielt 
ich es , nachdem die Jodine etwa drei Wo- 
chen lang gebraucht worden war, für gera- 
then, den innerlichen Gebrauch des Mittels 
Todaofig auszusetzen, obschon ich dieses un- 
jwm that , da dasselbe eine' ölFenbar kräftige 
Eiawirkiing auf das IJeb^l gehabt hatte. — 

Ich war somit genötliigt, mich nach einem 
•indem Mittel für meine Kranke umzusehen. 
Ich hatte gerade um diese Zeit die Scbiift des 
Dr. Sinive über die Diät - Entziehungs - und 
Hungerkur gelesen, und war durch dieselbe 
aof den Nutzen, den diese Heilarten wahr- 
scheinlich auch im Krebse haben würden, 
avfnerksam gemacht werden. Gleichzeitig 
war mir die Beobachtung , welche Pms iiber 
die Heilung eines Krebsgeschwürs der rechten 
Bnst durch eine strenge Diät in dem Journal 
universe/ des scitnces medicales mittheilte, be- 
^nnt geworden, und entschlofs ich mich da- 
ber, da ich von dem Nutzen der Hungerkur 
in Krankheiten des reproductiven und Drü- 
Misystems durch vielseitige Erfahrungen , die 
ich in den Svenska Läkßre Sällskapa Handlin^ 
J«r gelesen hatte, überzeugt war, meine 
Kranie einer strengen Entziehungskur zu un- 
terwerfen. Ich machte die Kranke auch bald 
Jazu willig, da ich ihr vorstellte , da fs ich 
lioJfe durch eine möglichst sirenge Diät we- 
senlUch auf dds Uebel einwirken zu kimnen, 
und ward, nachdem die Kt-anke zuvor ein 
W'iruios Uäd t^enommcn hatte, am 12. Au- 



— 88 -i« 

giist der Anfang mit derselben gemacht. Ich 
verfuhr mit einigen Abänderungea ganz nach 
^mshw'B Vorachrift. Des Morgens um sechs 
Uhr nahm die Kranke zwei fiinfgranig« FU-' 
len aus Extr. Gcutat^ dem. ich etwas JExtr« 
Btlladonnae beigefügt hatte; um 9 Uhr hatte 
ich der Kranken eine Tasse schwachen Thaa 
erlaubt, da dieselbe sich nicht bequemen wollte 
das warme Getränk am Morgen zu entbeh- 
ren ; um 11 Uhr genofs sie fünf Loth Weils- 
brod und fünf Loth kaltes gebratenes Kalb- 
fleisch ; um 7 Ubr Abends wurde ihr die 
gleiche Quantität Fleisch und Brod gereidit, 
und um 9 Uhr erhielt sie nochmals fünf Stück 
Pillen. Zum Getränk bekam sie den Tag 
über einen Holztrank, yon dem sie nach Be- 
lieben geniefsen konnte. — Die Folgen die^^ 
ser ganz veränderten Lebensart zeigten sich 
bald; der Puls ward langsamer; der StuhU 
gang träge; in der linken Brust kam mehr 
Thätigkeit; die Schmerzen in derselben wnr-« 
den lebhafter und es erfolgte ein rasches und 
baldiges Abstofsen vieler Knoten, Dieses Ab- 
stofsen unterschied sich von dem, welchee 
beim Gebrauche der Jodine erfolgte, dadurch, 
dafs jetzt ganze Portionen der Brust abfielen, 
ohne dafs jeder einzelne Knoten vorher ent* 
zündet und schmerzhafter wurde. Die bis 
dahin bedeutend angeschwollenen Drüsen in 
der Achselhöhle verkleinerten sich sehr, und 
die Geschwulst des Oberarms nahm bedeutend 
ab. Da wo die Knoten abgestofsen waren, 
flofs eine ätzende Jauche aus. — Bis zum 
26. August, also vierzehn Tage nach dem 
Anfange der Entziehungskur, hatte sich das 
Uebel folgendermafsen gestaltet. Die linke 
Brust war nach der Aufsenseite bis zur Warze 



- 89. - 

^uttlich abgefallen; die Brustmuskeln lagen 
im Grunde der Wunde; es bildete sich da- 
adbflt ein gesund aussehender Eiter, und meh- 
leitt Granolationen kamen zum Vorschein; Der 
Zustand der Kranken wslt im Allgemeinen 
got SU Aennen; die Schmerzen waren nicht 
guis ao heftig wie früherhin ; die Kranke hatte 
«iaite Stunden Schlaf; ging im Zimmer iimi- 

iNfi «. e. w. — 

Um diese ^ Zeit machte ich eine kleine 
Beise, und übeirliefs die Kranke , welche ich 
Iwt, ja bei der strengen Diät zu verbleiben, 
itit Sorgfalt des Herrn Becher, — Ich sah 
dieselbe zuerst am 6. September wieder, und 
iand ihren Zustand folgendermafsen : Unter 
der Brustwarze hatten sich mehrere Fortionen 
der Brust abgetrennt; oberhalb der Warze fing 
die Abtrennung ebenfalls an; die Warze selbst 
Mb noch fest, hatte sich aber an einigen 
Stdlen im Umkreise schon abgelöfst, und 
sdiien in den ersten Tagen gänzlich abfallen 
SB wollen. Die Kranke klagte, dafs sie wie- 
der mehr Schmerzen gehabt, und mehrere 
Htchte völlig schlaflos hingebracht habe* Ihr 
Pols war wie immer , langsam , der Stuhlgang 
trige. Sie beschwerte sich über einen hefti- 
gSA Hunger, hatte das ihr zugetlieilte Fleisch 
aber in den letzten sechs Tagen zu geniefsen 
lieh hartnäckig geweigert, da sie, wie sie 
sagte, einen unwiderstehlichen Ekel gegen 
dasselbe empfinde , und hatte sich nur mit den 
ibr zugetheiiten Brodportiouen beholfen. Sie 
war sehr verdriefslich , und erklärte, obgleich 
sie die guten Fortschritte, welclie die einge- 
schlagene Lebensart auf das Uebel hatte, nicht 
in Abrede stellte, dals sie dieser nicht länger 



— 90 — 

nachkommen köune, wenn ich keine Abi 
darung in derselben machen wollto. -^ I 
sie etwas zulVieden zu stellen, liefs ich dal 
das Fleisch ganz weg , und gab statt des 
am Mittag zwei Tassen voll Kalbfleischboi 
lou- und am Abend, eine Tasse roll, mit 
ihr < sugetheilten Brodportion. Hiermit- ^ 
die. -Kranke dann auch zufrieden, und i| 
die Kur mit diesen Abänderungen forigesc 
— j4m 12. Sepumber des Nachmittags 
plötzlith eine heftige Blutung aus der B 
entstanden. Gleichzeitig mit derselben 1 
sich die Warze und eine bedeutende ,Foi 
der derselben zunächst liegenden TlieiU 
gestofsen. Die Blutung war bereits durcb 
Auflegen von Charpie mit stiptiscliem Fq 
bestreut gestillt worden. Ich fand die K 
ke im höchsten Grade erschöpft; der 
war kaum fühlbar; die Haut war kalt; 
Kranke schrie laut vor Schmerz und wüni 
ihr Ende herbey. leb gab ihr yon Liq, < 
nWfU JJoffrn, drachm* j. Tina» theb. scruf 
alle zwei Stunden 15 Tropfen, verordi 
dalaihr zu Zeiten ein EfslöiFel voll Boa 
und am Abend eine Tasse voll mit einen 
dotter abgerieben gereicht werden sollte, 
lieb ein Klystier geben. — ^m 13. Sej 
bir^ Während der Nacht war keine neue 
tung eingetreten. Die Kranke hatte ei 
Stunden gescblunimert; sie fühlte sich-gesl 
ter; der Puls war voller und härter, leb 
laubte ibr von jetzt an des Slitlags ei 
halben Teller voll Buuillou , zu der baU 
was Reis, Gianpen, oder audi einiget 
Zeln hinzugefjebeu wuidcn, mit fünf ] 
Woifsbrod; am Abend liuJ's idi ihr einej 
Toll Bouillon mit derselben Menge Brod j 



— 91 -. 

Die Pillen und der Holztrank wurden 
in den ersten Tagen nach dieser Blutung weg- 
gelassen , und wurden einige Male täglich .vonL 
den genannten Tropfen fünfzehn mit Wasser 
geDommeii ; später aber wurden jene wieder 
Boge&ngen. — Durch, fortgesetzte Beobach'^ 
tnng d^ fsnietzt genannten diätetischen An- 
orinnngen erlangte die- Kranke die Kräfte^- 
die durch die beim Abtrennen der Brustwarze 
entstandene Blutung verloren gegangen wa- 
nn, «bald wieder. Sie bekam einige Stunden 
des Nachts hindurch Schlaf; die noch fest« 
«tienden krankhaften Portionen der iinken 
Brest trennten sich im Xiaufe des Septembers^ 
ohne dab eine neue Blutung erfolgte, bald 
ab| und zu Anfange des Octobers hatte ich< 
alle Ursache mich über den Zustand der Kran* 
ken zu freuen. Um diese Zelt ersuchte ich 
Beinen Coliegen Herrn Dr. (TOUire so wie: 
dem Herrn Widmann- die Kranke einmal' zu 
leheo, und sich yon dem guten Erfolg der 
eingeschlagenen Heilart zu überzeugen. Die 
gtttze linke Brust war weggefallen, und nur 
ttn oberen Theile , nach dem Brust - und 
Sclilisselbeine zu , safs noch eine kranke Per- 
tkm von der Grofse eines halben Guldens 
üest; in der Achseihahle lagen noch einige 
wenige kleine und schmerzhafte Drüsen , die 
Ak hart anfühlen liefsen. Die durch das Ah- 
Ulen der Brust entstandene Wunde war rein 
und hatte ein gutes Ansehn; von unten auf 
ing dieselbe an , sich mit einer zarten Haut 
IQ überziehen; der Eiter in derselben hatte 
an gesundes Ansehn , und kamen an vielen 
Punkten gesunde Granulationen zum Vorschein* 
Die genannten beiden Herren waren über den 
guten Gang der eingeschlagenen Ilellart nicht 



^ 92 -r 

wenig erfreut l stellten aber auch die Frogndle 
in Hinsicht auf den endlichen Ausgang , als 
im höchsten Grade' ungünstig. — 

Die rechte Brust, die beim Anfiange der 
Kur mit Tielen von einander entfernten Kno- 
ten besetzt war , hatte sich im Laufe der 2#eit 
bedeutend verkleinert. Sie war an eiasgen 
Stellen nach wie vor hart anzufühlen, anant« 
deren aber weicher geworden. Am 8. OdO"' 
her liels ich auf einer besonders harten Slail» 
sechs Blutegel setzen, die durch dieselbeii «r-^> 
regte Blutung war sehr bedeutend , und Jhat-- 
ten einige der Bifsstellen noch die Nacht über 
anhaltend fortgeblutet. . Die Kranke war durch' 
diesen Blutverlust nicht erschöpft worden. Am 
folgenden Tage war die Brust mehr eingefidr- 
len; die Kranke klagte über ein iebhafteree 
Stechen an derselben; die Warze war mehr 
in die Tiefe gesunken; die Härte war nicht 
verringert, doch schien im Allgemeinen eine 
groJsere Thätigkeit in der Brust gekommen 
asa seyn. Vom 10. Octol^er an wurde jeden 
Abend das Ung. Jodinae in die harten Stellen^ 
dieser Brust gerieben; die Kranke verblieb 
bei der ihr zuletzt^ verordneten Diät. Di» 
durch das Abfallen der linken Brust entstan-^' 
dene Wunde hatte nach wie vor ein 'goteflr 
Aussehn ; es sonderte sich in derselben ein^ 
gesunder Elter ab, doch ward, die Heilung 
verzögert; indem aus dem noch nicht abge-! 
Üftllenem Theile in der Nähe des Brustbeins 
sich eine dünne ätzende Jauche ergöfs, wel« 
che die Wuudiläche beständig reizte. — - 1 Ge- 
gen das Ende des Octobers üngen die in der 
linken AchselJiöhle belegenen kleineu und har- 
ten Drüsen, so wie einige lymphatische Ge- 



-. 93 — 

falle auf dem Schulteirblatte an i sich su ent- 
xinden, brachen bald auf und sonderten eine 
ätzende Jauche ab. Die Kranke hatte von 
diesen Entzündungen die heftigsten Schmerzen^ 
loch schwoll ihr in Folge derselben der linka 
Oberatm wieder an, und verursachte ihr diese 
Geschwulst grolse Beschwerden. Die rechte 
Brust hatte sich bis dahin se^ verkleinert^ 
sie war an einigen Stellen weicher geworden, 
und einige der Knoten fingen an , sich genau 
abzutrennen, wie dieses bei der linken Brust 
der Fall gewesen war. — Im Anfange des 
Decembers war die Kranke noch ziemlich bei 
Kräften; sie ging im Zimmer umher, und 
konnte den gröfsten Theil des Tages aufser 
dem Bette sejm. Ich wollte sie daher noch- 
mals auf eine kargere Diät setzen, was sie 
indessen hartnäckig verweigerte, und sogar 
erklärte I nicht länger bei der ihr zuletzt vor- 
geschriebenen Kost bleiben zu können, da 
sie guten Appetit habe, und diesen stillen 
wolle. Alle meine Bitten und Vorstellungen 
fruchteten nichts, und ich muTste mich daher 
allein auf die Einreibungen des Ung, Jodi/ioe 
bescfannken. Da sich die Kranke ungeach- 
tet aller meiner Bitten an keine geregelte 
Diät mehr binden lassen wollte, und jetzt 
anfing das xu essen, was ihr am besten 
schmeckte; so nahm die Wunde der abgefal- 
lenen linken Brust, in Folge dieser diäteti- 
schen Vergehungen bald eine üble Beschaf? 
fsnheit an. Ihre Farbe ward bläulich, die 
sich gebildete Haut im unteren Theile ver- 
schwand, die Granulationen wurden welk, 
and der bis dabin sich erzeugte gesunde Ei- 
ter mubte nun einer dünnen stinkenden Jau- 
che weichen, die sich in greiser lUenge auf 



^ 84 «^ 

äet Wunde ergofs. Dia aus der rechten BniA 

'abfliel^ende Jauche ward auch übelriechender, 

'als früher. Der linke Oberarm blieb geschwöt 

len und höchst schmerzhaft 9 und konnte det 

Kranken nur Ton Zeit zu Zeit durch das^An^ 

'legen einiger Blutegel an denselben und dnrch 

-trockne warme Kräuterkissen Linderung yer- 

tschaiOft werden. Gegen -das Ende des Jahres 

-hatten sich noch mehrere Knoten der rechten 

Brust abgetrennt; es entstanden zum öftereii 

bedeutende Blutungen aus dierselben, die nur 

mit Mühe zu stillen waren , und di^ Kriifte 

der Kranken so sehr mitnahmen, daft diese 

nun nur noch selten das Bett Terlasseii 

iLonnte. — 

Unter diesen Umständen mufste freiUch 
der letzte Hoffnungsstrahl^ das Lebeii der 
Kranken zu erhalten, gänzlich yerschwinden, 
und ic& durfte nur darandenken, dieses mog^ 
liehst lange zu fristen und ihre Leiden sU 
Terringern. Ich gab ihr daher innerlich stär* 
kende Mittel, und des Abends eine Gabe 
Opium. Die höchst übelriechenden Wanden 
wurden mit Möhrenbrey, Salbe aus Kohlen^ 

Sulver u. s. w. verbunden. Itn Januar des 
ahres 1823 sanken ungeachtet der angewand- 
ten Heilmittel die Kräfte der Kranken immer 
mehr, da mehrere heftig^ Blutungen mis der 
rechten Brüst , die im Laufe dieses Monats 
wieder eintraten, den letzten Rest dersdbeti 
mitnahmen. Der linke Oberarm blieb < ge- 
schwollen und schmerzhaft, auf dem Brustr 
beSne und dem Sdiulterblatte warfen- sich yon 
Zeit zu Zeit kleinei Knötchen von der Grolse 
eines Hirsekorns bis zu der einer Erbse auf, 
die sich tötheten , yitle Schmerzen Terursadh- 



— '96 — 

leB, endlich anfbrachen, und kleine übel aus* 
sehende Gescln^üre bildeten, <)iis denen eine 
schürfe Jauche aussiekerte , weiche die um- 
liegende Haut wund machte. Die Wunde 
der linken Seite behielt ganz ihr übles Aust- 
sehn, und war die irül^er gebildete Haut töI« 
Kg verschwunden. — - Zu Anfange des Fe- 
bnuirs hatte sich die Kranke bei olTner Thür 
aas dem Bette aufgemacht, und sich bei der 
damals rauhen Witterung einen heftigea Brust- 
catarrh zugezogen. Sie bekam einen höchst 
quälenden Husten mit zähem Auswurf. Der 
Unke Arm ward nun völlig ödematös , und so 
ausgedehnt j dalSs er zu bersten drohte, wes- 
halb einige Scarificationen in demselben ge- 
macht wurden, die auch vieles Wasser aus- 
leerten. Bald darauf wurden auch die Füfse 
Sdemalos; der Unterleib schwoll hiernächst 
an; der Auswurf wurde immer beschwerli- 
cher, und gegen Ende des Monats machte ein 
sanfter Tod den vielen Leiden der Kranken 
ein Ende. — 

Aus dem hier mitgetheilten Falle "scheint 
mir hervorzugehen: 1. Dafs die Jodint ein 
WiiA sey, welches in Fällen des Krebses 
beachtet zu werden verdient j und dafs vdr 
von derselben im erstem Zeitraum des Uebels, 
wenn sich dasselbe als Scirrhus darstellt , viel 
Ton derselben erwarten können, was in die- 
sem Falle eines allgemeinen Leideffs des gan- 
zen Drüsensystems nicht mehr von derselben 
erlangt werden konnte. -^ 2. Dafs die Jod&ne. 
ein Älittel sey, welches auch in Fällen des 
offnen Krebses , jedoch immer unter gehöriger 
Berücksicfatigniig der Umstäude angewandt zu 
werden verdient, da dasselbe in dem hier er- 



^ 96 ^ 
i 

zählten Falle ''ofienbar kriifkig zur A 
der kranken Theile mitwirkte. — 
ein« itrenge Diät {Entzitkungskur ^ H 
noch mehr als die Jodine in Fällen ' 
rhus und Krebs su leisteh vefspricl 
jdem vorliegenden Falle die Abstoü 
kranken Theile weit rascher vor a 
nachdem die Kranke auf eine stre 
gesetzt worden war, als beim UoISm 
ren Gebrauch der Jodine, und das 
gesetzte strenge Diät später nach y8I 
trennung der linken Brüst in der da« 
zeugten Wunde nicht mir einen 
Eiter und gesunde Granulationen 
sondern sogar einen Hautüberzug an 
teren TheUe der Wunde herrorbri 
4. Dafs eine strenge IXäi ein Haupi 
der Behandlung des offnen Krebses 8< 
da nach den yon der Kranken be 
Diätfehlern plötzlich, alles eine üble -^ 
nahm, indem der bis. dahin erzeugte 
Eiter in eine üble und stinkende Jai 
artete, die Granulationen welk wui 
Wunde ein übles Aussehn bekam, 
bereits sich gebildete Hautüberzug y\ 
schw9nd* «-* 5. Endlich glaube Ich 
nehmen zn dürfen , dafs das Uebel 
BtrengB JOiät beseitigt worden wäre, ^ 
dieselbe in Anwendung zog, als sich 
unter der Gestalt des Scirrhus zel{ 
noch nicht ein allgemeines Leiden 
sensystemes ausgebildet war, welche 
auch durch die von Pom erzählte . 
tuDg unterstützt wird. — 

(Die Fortsfltzang folgt.) 



-^ 97 ^ 



VI, 

Karze Nachrichten 

«ad 

A n 8 z ü g «• 



1. 

J7«fm sian Joditu gdg§n den Krojff. 



ifiaf emes Briefes des Hm» Dr. Pe schier an diß 
Serausgeher der Bibliotheque universelle, *) 

{Mitgetheüt vom Dr, Oppert zu Berlin^) 



Vorbemerkung von Hufeland 

(Mit Vergnügen tlieile ich den Leaern dioie Be« 
aMriangen mit, da sie uns die Anwendung eines 
uuchaduchen und wirksamen Mittels gegen dem 
Iiepf lehren « und doch die bisherigen Mittel , die 
Sponeia tosta und die Jodine, nicht ohne Be« 
denkfichkeiten sind. Die erste nehmlich erzeugt 
leicht bei Pertonen von phthisischer Anlage und 
niilMren tuberkulösen Lungen , Brustschmerzen^ 
trocknen Husten, Bluthusten, Uebergang in Lun- 
^tasacht; die Jodine greift die Nerven, ja zu- 
weilen lebensgefährlich y an, erzeugt leicht entzünd« 
liche'Blutcongestionen, bringt Marasmus der Brüste^ 

*) BlbL niiiTers. Octobre*i8t4« P« ^46. 

Jonm.LX.B.2.Stt G 



' ^ 98 ^ 

jt d«i gtnxen TOrpen/berTOT. *- Dti JVIatram InC 
ftU« diese IncoiiTenienien niolUy nur der Magen iimft 
die Verdauung können bei lange od«r surk fortgei» 
letztem Gebrauch geichwjtcht werden, dem man 
aber durch Zusatz von bittem Mitteln vorbenften 
kann. — Uebrigens mufs ich bemerken» dalt oit 
Wirkung des Jleali auf Schmelsung lymphatiaehcr 
und anderer Geschwülste, ja fiberhaupt anf Z«fu 
fetaung der, organischen Binduve (ähnlich dem Un- 
kmr^ längst bekannt ist, dafs die altett Kr&fte des 
Karlsbads, der Emser und anderer alkalischer Bider 
aur Auflösung solcher Obttructionen , sie l&ngat be*. 
wiesen haben« Auch in meinem Buche uh^r dSSkro» 
felkrankhßit ist fie schon kinlftnglioh auseindei ge- 
setzt worden,^ so wie sie sich mir h&ufig in lex 
Erfarung bewiesen hat. Nur gegen den KrObf ist 
sie noch nicht genug aiigewindet worden» obäeieli 
schon der häufig^ Gebrauch der Erden , den die AI« 
ten dabei machten, und des Kalchwatiem^ dannf 
hftiten aufmerksam machen sollen.) 



•TJnrer den ron den englische^ Chimrgm nu 

eewandten und Ton ihnen ala allein bekannt an^e* 

Fahrten Heilmitteln wider den Krojif, befindet i$uh 

•iiis, das ich seit acht Jahren mit forteesetstem 

Erfolge anwende. Ich ergreife disse Gelegenheit, 

CS bekannt zu machen , und hoffe , dafs es zur F**^ 

leichterung d«r grofsen Zahl .von IndiTidnen,- die 

am Kröpfe leiden, beitragen wird. Dies Verfahren 

hat den schätzbaren Vorzug', dafs ea ganz frei von 

den Nachtheilen ist, welche man beiden Mitteln, 

die jetzt am meisten gebraucht werd«n, vorgewor» 

fen iiat, dem gebrannten Schwamm und der Jode» 

das erste soll nämlich Schmerzen im Magen verur- 

tachen, das zweite mehr oder minder, neftig das 

Nervensystem angreifen , ein Nachtheil , der immer 

grdfsere Rficksicht verdient, wenn er auch mehr 

Yon individuellen Verhältnissen abhängt, da man 

in dem zweiten Bande der Melanies de Chirurgie 

itrmn^rty welcher gegenwärtig unter der Presse 

hitm Beispiele von aufserordentlichen Gaben der 

Jode 'finden wird, welche die Kranken ohne alle 

Naththlilef aber auch ohne Erfolg bei scrpphuidi. 



— 99 — 

Ml GtMhwflliteii gebriaishten» geg«n die nun di« 
Joii Tersncht luUe. 

I 

Dtt Mittel aber , weichet ich in G^nf mit ei- 
m Auigeseieluieten Erfolge angewandt habe und 
aoeh anwende^ hat nicht allein eine grofee 'Anzahl 
VW Xrapfen entweder g&nslich zertheilt, oder doch 
koAchtuch gemindert, sondern es hat auch eben 
•obiftie auf mehrere sirophalöse Gesehwfllste oder 
fNchwoIlbne Drüsen eingewirkt; was noch mehr 
ut, die Kranken empfanden während seines Ge* 
kMwhf eine nngewöhnliche Zunahme des Appe« 
tili nnd ein gewisses inneres Wohlbehagen , daa 
«• Hrüher nicht kannten » so difs einige nach ihrer 
Geneanng fast bedanenen, ein Mittel, das ihnen so 
WoU tkaty nicht meiir fortbrauchen su dfirfen« 

Im Jahr 1816 , Tier Jahre bevor der Dr. Coindti 
ühm die Wirksamkeit der Jode geschrieben lütte» 
wurde ich oft Ton Personen wegen Kröpfen ron sehr 
grobem Umfange consultirt. Als ich über die Mit- 
tel nachdaohte , dem gebrannten Schwamm seine an- 
erkannt nichtheilige Nebenwirkung su benehmen^ 
und den Kranken nur dasjenige in dem HeiLmittei 
an geben, was wirklich zur Zertlieilung und Schmel- 
mng des Kropfes, wie man sagt, beitrug, so dachte 
ich nicht an die damals noch unbekannte Jode, son- 
dern an daa Aleali, welches die meisten ans rdem 
Meer entnommenen Substanzen enthalten« Ich ver- 
aachte daher den Kranken eine Auflösung des koh- 
lenslaerlichen Natrums (sous carbonate ds Soude^ 
^mtrmm carhonienm aciHulum) in stärkerer oder ge- 
ringerer Dosis 9 mehr oder minder verseut su ge- 
ben} der Erfolg entsprach ToUkommen meinen £r- 
wartangeOf und hat sich bis diesem Augenblich 
basotigt. 

Ich halte ei fflr überflafsi^ liier Tiele Curen auf<«, 
ni&hlen, weil der Versuch mit der Soda jetzt täglich 
▼Ott Kunstverständigen wiederliolt werden kann; 
indessen kann ich oezeueen, dafs das Mittel wel- 
ches ich gebrauchte, nach kurzer Zeit in jiuhonne 
(Waadtland) und in den umliegenden Gegenden ei- 
nen siemlich auigebreitkten Ruf erhielt, wegen lei- 
ner Kraft Kröpfe aufzulösen oder bedeutend su min- 
dern. Ich berufe mich in dieser Hinsicht auf die 
aUgeflieiiLe Kunde der Thataache in einer sehr toU« 

G2 



— lOD -» 

-te!eli«M S«g«ird. ' Z>« der ^iropf dort ein« eialieiiiil- 
seke, bekannte und in die Angen fallende Kfink- 
lieit ist 9 fo kenn man lieh leicht flberseneen^ ob 
der Arxt eine gröfsere oder eerineere Zabl dieiet 
Deformitlten geheilt hat» und nocti leichter hie- 
Ton, elf wenn ein Arzt innerliche Krankheiten mit 
minder gebriuchlichen Mitteln behandelt bat. Doch 
glaube ich nachfolgenden Fall als einen der nexl^ 
würdigeren eiwAhiiea zvl müssen» 

Den 1* Januar brachte man mir lu Anbonne, 
Jsaline Criti^ny^ ein junges M&dchen von etWA 14 
Jahren, fQr ihr Alter grofs und wohlgebildet» aber 
mit einem #0 aufserord entlich grofsen Kröpfe be- 
haftet, dafs ihr Hals wie ein dem Kopf an Dicke 
gleicher Cylinder aussah. Der hauptsächlichei Bb- 
"vreggrund der Eltern » Hülfe eegen diese Geschwulst 
SU suchen , war nicht sowohl ihre Tochter von Je- 
ner Unförmlichkeit befreit su sehn» als das ve* 
rausch» welches ihr Athemholen herrorbrachte» 
und wodurch sie im Schlaf gestört wurden » fort- 
' BUSchaffen. Ich verordnete ihr das kohlensüuerliche 
Natrum» blofs zu zwei Drachmen täglich* Nach 
xwanzig Tagen war der ungeheure Kropf dermaliea 
^geschmolzen , dafs die junge Person nicht mehr xa 
erkennen war » und ich darin meinen eignen Augen 
kaum trauen zu dürfen glaubte. Freilich eehört 
dieser Fall zu denjenigen» bei welchen das Mittel 
mit der meisten Kraft eingewirkt hat* 

In allen gewöhnlichen Fällen» d» h. in alleif 
denen» wo der Kropf nicht mit irgend einer allge- 
meinen AfFection oder ^onstitutioneuen Fehlem ver» 
bnnden schien, begnügte ich mich zwei Drachmen 
bis eine halbe Unze kohlensäuerliches Natrum in 
acht Unzen Wasser auflösen , und den Krsnken 
sBweimal täglich einen EfslöfFel voll davon in einem 
halben Glase Wein oder aromatischem Wasser mit 
Zucker nehmen zu lassen. Einige (obgleich nur 
wenige]^ haben den Lö£Fel voll von der Auflösung 
ganz rein genommen » und thaten dies blofs aus eig- 
nem Antriebe y denn wegen des unangenehmen Ge« 
sehmacks der Soda habe ich den Kranken nie ange- 
fillien sie rein zu nehmen. 

Nicht immer gebrauchte ich das Alkali gans 
-- • sondern 'wenn die Kropfgeschwulst mit An- 



— 101 «i^ 

fflftirallangt» der lynpliatisohtm DrAsem tm Halt« 
Vfrbnn^ön war^» so Terteute ich die Soda mit bit- 
Ifn nad toniaelien Mitteln , wi« O^ntiana, Mnula^ 
PBfypaditung und mit einigen Pur^anstn als Rha« 
ballier oder Seiuu p mit Anis , Fenchel etc. gewänt» 
ud alles BBsammen mit einer Bouteille guten Wei« 
^kmrirt^ woTon der Kranke ein Viertel Glas swei • 
oder dreimal ttjglioh nehmen mufste. Ich hatte auf 
^ete Axt die Ireude, wirklich fehlerhafte Coasti- 
UidoBen 9 wann auch nicht immer in kurzer 2eit» 
siTarbetiem, und Geschwülste zu aertheilen^ die 
iklkeren Behandlungen getrotzt hatten. 

Dax Varfattar erzlhlt unter andern sehr mark» 

wArdiean Fällen, den einer jungen Person toü 

fanfsehn Jahren , welche auf beiden Seiten des Hai- 

sei mahrara geschwollene Drüsen hatte > einige von 

dar Gröfia ainer dicken Wallnufs ; sie waren durch 

düa Haut hervorgebrochen , so dafs sie einen äufserst 

unangenehmen Anblick gewährten. Es war dia 

Rade gawasan , sie durch Exstirpation auszurotten ; 

Hr» Dr. P. gab aber Hoffnung sie aufzulösen, und 

fliTaicIiCa flacklich seinen Zweck durch die enge* 

eabenan- Mittel 9 die mit Ausdauer mehrere Monate 

loitgabrattcht fnitden» Es gelang ihm sogar, mit 

dam nämlichen Verfahren viele sehr aipgewurzelta 

Drftsanabscassa am Halse zur Heilung zu bringen, 

walcha einer ganzen Reihe vonHöilmethoden an* 

daxar Aarzte oder Chirurgen widerstanden hatten» 

Im Jahre i8ao, kurz nach der Entdeckung der 
Jode, als der Dr« Coindet mit diesem Mittel so viel 
Glftck eegan den Kropf machte, versuchte sie auch 
oasar Gorrespondent bei mehreren Kranken, ent- 
wed^ in Form der Tinctur oder des hydriodsauren 
Kali^a; immer aber vermischte er damit das holilen- 
slaarliche Natrura. „Ich bemerkte,^ säet er, keinen 
Unterschied in der Geschwindigkeit der Heilung, 
aber alle Kranke klagten über den unangenehmen 
Geschmack des Mittels, ohne dafs indessen einer 
tUa Wirkungen davon verspürte.'* 

In ainam einzigen Falle bei Behandlung eines 
langen Dienstmädchens versudhte unser Bnefstel« 
1er dia Tinctur der Jode allein anzuwenden , in- 
dem er mit zehn Tropfen täglich anAng, und die 
Doiii jadan Tag um zwai Tropfan vormehrte » so 



— 102 — 

aaft di« Krinko nich leeht Wochen iWei t)wii|j[^ 
fei ToU einnahm. Alsdann aber wurde in 
hart und verband sich mit einer sehr llsdnfe 
pfindung von Strangulation am Halse, mfnf 
augenblicklich mit dem Gebrauch der Joit *" 
gehalten, der Doctor verordnete abfQhrenda N 
und dann die Soda, welche den erwanichiml 
folg hatte. Das junge Mädchen dient gegc 
in Genf als Kinderwärterin. 

Seit ich den Gebrauch der Soda, wieder -i^| 
fangen y fügt der Autor hinzu » habe ich ihm w' 
wieder ausgesetzt » und ich verordne sie immtrtfl 
dem nämlichen Erfolg. Sehr ausgeseichneteVi^ 
kungen habe ich davon ~ bei einigen ZflohtfiifP 
beobachtet 9 die auch von dem vorstehenden Ehv' 
der Gefängnisse gesehn worden sind. BeiläBÜgW 
merke ich, dafs in dem jetzigen Gefängniue • 
Genf der Kropf sich sehr bald bei den aiiiM 
Züobtlingen entwickelt ; hieran scheint mir ii 
feuchte, warme, und zu selten erneuerte LnhSclid 
XU seyn» w^elcbe die Gefangenen dort eben unnk 
in ihren Werkstätten, als auch in den ZimWR 
wo sie gewöhnlich in bedeutender Anxahl ichUi 
matten y einathmen; denn dem Wasser kann dtai 
unangenehme Erscheinung nicht sufturechnen üfj 
da alle fibrijgen Bewohner des GefangenhatiseBf 1 
ihre Freiheit geniefsen, hievon ansgeschlositn da 
Doch ist es schwierig ausiumitteln , vramvdit 
oder jene BeichafFenheit der Luft jene BeachwW 
eher als eine andere hervorbringt» 



Längere Erfahrung allein kann bcetiramaa, I 
die Soda in allen Fällen dem gebrannten Schwaa 
oder der Jode zu subctituiren sey; ob aie wiS0 
liehe VorsGge vor den genannten Mitteln barfü 
und ob scbon der Msngel der ihnen aum ITorfn 
gemachten Nachtheile ihr einen Vorrang tot da 
selben geben könne. 



Um diese Vermnthung au Gunsten Ah Alki 

.^...u.f :_j _- i_?^i-^ j • » 




det, weniger als andere, oder vielleicht gar nie 

cin# Uffiae (jf/f 



xur Kropf bildung geneigt sind , und ob in^'den C 
ten, wo der Kropf gewöhnlich, ei 



-^ 103 — 

tiltt BoäM im W«s«cr sam gcv^nlichen Getrlnk 
■■fg«lö8K^ di« Geneietheit sa dieser Krankheit vor- 
niniorn oder TielleicIiC einslicb tufheben möchte. 
Ich empfehle die Venuebe der Art allen praktischen 
Aerstfn, die Gelegenheit haben sie anzustellen, sie 
köuen durchaui nichts Nachtheiliges xnit sich fah* 
rsB» and ein ganstiger Erfolg derselben würde der 
HeUkunit eine der kostbaritea Bereicherungen dar- 
bfiafcB, 

Unten. Ch. G. Fesehier^Du Ckir; 



2. 

hadB - Chronik vom Jahrs iQti* 



1* Mfkburg» 1— Nsu aufgefundene Mineralquelle 

daselbst. 

Die mit dem i5. Mai vorigen Jahres eingetre« 
tiDi neue Organisation des Königreichs Hannover 
kat ihre WirkuiJgen auch auf die hiesige Badean* 
lult erstrechty und die Direption derselben der K6« 
nid. Landdrostei Hannoyer beigelegt. Diese hoh\t 
Behörde flbertrus gleich das seit i8i5 offen geblie« 
beee Brunnen- Coniniissariat wieder dem Hrn. Amt- 
maea JLüder su Rehbnrg, der dasselbe schon früher 
10 Jahre lang (von ißoi bis ißio) mit Ruhm ge- 
ffikrl* Dieser hat seinen Wiederantritt durch ein 
neees Verdienst um die Anstalt kräftig bezeichnet. 
Ich elaube dem ftrstlichen Publico keine interessan- 
icie Mittheiluos über Rehburg machen su können» 
als wenn ich dasselbe hievon näher in Kenntnifs 
ictse. 

So sehr unsere Heilquelle in gelungenen Kuren 
bei vielen und grofsen Krankheiten jederaeit sich 
bewährt hat, so trug sie doch einen' Mangel in sich» 
der in der fre^uenten Badezeit oft sehr mhlbar war 
— den einer nicht hinUnglichen Ergiebigkeit. Schon 
▼or 25 Jahren wurden daher auf Anordnung Königl. 



Kammer, alt damaligen Bronnen «Dirtotorii» Ten 
mehreren Saehverstllndigen Eecherchen angeiuUt^ 
wie diesem Mangel abaunclfen tey* Der Badeikol- 
len wurde verUneert und die Mündungeii der QneL 
Jen durch SeitenSfigel mehr geöffnet. Allein der 
dabei erreichte Wassergewinn war nieht so beden- 
kend y daTs dem Bedürfnisse dadurch abgeholfen wozw 
den wäre» und die in djen drei Baden&uiem, dem 
alten y kleinen und neuen yorhandenen ao B&der 
konnten in der frequenten Zeit nicht in jeder 8tun« 
de gefallt werden y sondern das Meine Badehana 
muCste den ganzen Monat Julias hindurch yersohloi» 
«en bleiben* 

Diesem wesentlichen Mangel ist durcH Auffin* 
dunß und Hinzuleitung einer neuen Quelle seifen« 
haftigen Mineralwassers völlig abgeholfen, 'wosa 
das Frojekt Ton dem Hm* Brunnen • Commiasaic 
eben so glücklich entworfen, als gelungen ausge* 
führt worden. Da nämlich die Erfahrung, gezeigt 
hatte, dafs in der westlichen Richtung des alten 
ßtollens kein gröfserer Wasservorrath anzutrefFen 
aey; rerschiedene geologische Beobachtungen deä 
ihm aus der geführten Administration des Steinkoh- 
len • Bergwerks am Rehburger und.Loccumer Beiee 
aehr genau bekannten Verhaltens dieses Gebirgs^ ihn 
aber in der Richtung gegen Süden , auf /einer ge- 
wissen durch eine Bergschlucht bezeichneten Stelle^ 
ein reiches Quellenlager unserer seifenhaftigen Mi- 

geralwasser yermuthen liefsen, so legte er dem lo- 
^ en Directorio den Vorschlag vor, aus aieser Schludht 
in das südlich belegene Gebirs, an deAen Fufs die 
Badehäuser liegen, einen Stollen von 50 Lachter 
Länge zu treiben, uro vermöge desselben jene Quel- 
len aus derem Innern Scboofse heranzuhohlen. Kö- 
iiigl. Landdrostei , welche mit gröfster Sorgfalt und 
Beeiferung die Vervollkommnung und denliöheren 
Flor der niesigen Badeanstalt zu befördern sich un-^ 
ausgesetzt angelegen sejn läfst, ging durch Bewil- 
ligung der dazu erforderlichen grofsen Kosten auf 
diesen Vorschlag ein, hat dadurch die hiesige Ba- 
deanstalt neu begründet, und sich so ein unver- 
gängliches schönes Denkmal an derselben gestiftet« 

Unter der betriebsamen und einsichtsvollen. Lei- 
tnng des Hrn. Brunnen - Commissairs wurde dl« 
Tiilbnng des Stollens Ende Januar dleset Jahxf an« 



— 105 — 

gthmMi vnäf naclidtm dieser nieh Verla nf vom 
iwei ilfonaten bis su eeinev projectirten Länge, 
wona nur noch einige Fofs fehlten , fortgetrieben 
mr, wurde gerade auf dem Funkte, wo die Quelle 
Taniathet wurde y dieie angehauen , welche gleich 
tu dem Hangenden den Bergleuten in solcher Pro- 
feiion nnd mit einem so starken Drucke entgegen- 
MOnte» deCi eie daraber in Erstaunen geriethen. 

Nachdem die neue Quelle, welche nach einer 
in Monat Janius angestellten Meisune 5 Mal so 
fiel Waaser prodncirt, als die alte Quelle . sowohl 
TOB dem Hm. Ober^Bergeommiisair Dr. Du M^nil 
ttL Wunstorf 9 als von dem Hrn. Ober-Bergcom- 
nisuir Grüner in Hannover , wiewohl vorerst nur 
ia qualitativer Hinsicht chemisch geprAft, und mit 
dar alten Quelle , einselne kleine auiserwesentliche 
Ihweiohnngcn ungerechnet, ffir identisch gefunden 
woiflen, wurde dem Stollen durch solide Ausraau« 
niag eine^ dauernde Festigkeit gegeben , und dieses 
feUenhatdge Mineralwasser, durch eine hölzerne 
BtfArenJsge^ vermöge seines starken nstarlichen 6e« 
Alles Ton xg Fufs, unmittelbar aus der unerschöpf- 
lichen Quelle, SU den Bädern geleitet, so dafs man 
Wlkrena der ganzen diesjährigen Saison in allen 
Sldem der drei Badehäuser Stunde auf Stunde ba- 
den lassen konnte ^ und es nun nicht selten an Bä- 
dern fehlte, da die Zahl der hier anwesend gewe- 
senen Kurgäste nnd Fremden auf 1I72 sich belief, 
nn4 sn diese überhaupt 10445 seifenhaftise Bäder, 
iSojDouchen, und 116 Schwefelbäder ertheilt wur- 
dea, l^achdem aber jetzt, da kein Mangel an Was- 
ser wieder eintreten kann, der höheren Orts be- 
teits beschlossenen Erweiterung dieses Bades nichts 
Bskr im Wege steht» so wicd jetzt zunächst die 
Bldenahl vermehrt, die 8iede» Vorrichtung erwei- 
IfR, und ein zweckdienliches Local zur Anwen- 
dang der Qualmbäder eingerichtet werden, so wie 
loch noch Mehreres zur Verschönerung des Bades 
■ad sur Bequemlichkeit der Kurgäste geschehen. 

Eine genauere chemische Untersuchuog der Be- 
Mandtheile der neuen Quelle , auch in quantitativer 
Hinsicht, wurde gleich bei jener vorläufigen Prü- 
fong vorbehalten, und ist diese bereits von dem 
Hrst Ober-Bcrgcommisiaix Dr. DuMonil au Wi^n- 



— 106 — 

• 

storf Tollendet. Dieser wird sie' nXcbstene tu der 
Zeitschrift — Chemische Erforschangen im i^cbieM 
der anorgischen Natur — selbst bekannt maobeOi 
weshalb ich ihm hier nicht vorgreifen will. , Un- 
ter allen Reagentien aber, die snr Prüfung der Mi^ 
neralwasser auf diejenigen fiestandcheile sa Gebote' 
stehen, nach welchen der Arzt glaubt, ihre Heil- 
kräfte bestimmen zu können» ist unstreitig dejrkran« 
ke menschliche Körper das feinste Reagens — des 
allersicherBte Wegweiser bei ihrer Anwendung in 
ähnlichen Fällen. 

# ■ 

Wie unsere^ neue Quelle auch in dieser ^rfl« 
fung bestanden ist, davon mögen, die nachbeselch«. 
neten Kuren zeugen, welche durch sie, in Verbin- 
dung mit der alten Quelle zu fast gleidien Thei- 
len^ bewirkt worden sind. 

Wer indessen auf theoretische Dedactionen 
und nosologische Subtilitäten einen höheren Wenh 
als auf die Erfahrung setzt; oder wohl gar die Ein- 
seitigkeit besitzt, die Wirkung eines Bades nach ' 
seinen physischen Eigenschaften ,: als Geruch ^ Far- 
be, Consistenz u. s. w. allein beurtheilcn zu wol- 
len, dasjenige slso nur zur Heilung profser Krank- 
Ibeiten vorzugsweise geeignet zu finden glaubt» 
was ihn mehr sinnlich ersreift, dem wird die 
einfache ]VI]|^th eilung nachfolgender Beobachtungen 
und Erfahrung vielleicht nicht zusagend seyni 

i) Herr Pastor B. aui B. im Osnabrackschen» 
75 Jahre alt, grofs und korpulent — eine vrahr« 
athletische Constitution — war in Folge eines vor 
5 Jahren gehabten bösartigen epidemischen Ner- 
venfiebers , w^ovon er in seinen Berufsgesch&ften 
war angesteckt worden, und wss bei ihm ohne 
Crisis verlaufen war, seit der Zeit an H&nden nnd 
Fafsen gelähmt und contrsct — so contraetv dafs 
seine Finger ganz krumm zusammengezogcii in der 
Hand ganz fest lagen, auch die Fufs- und Kniege- 
lenke keine Biegsamkeit mehr hatten — die Beu^e 
also gleich einem Stocke steif dahin standen, und 
die Hand auf keine Art und Weise aufgemacht wer- 
den konnte. Während des Schlafs, der recht fest 
-und mit vielen lebhaften Träumen verbunden war, 
•ah man die Unter] eibsbewegung auf eine sehr seit- 
>«tin« Wei'o — mehr hflpfend alt bewegend — yox 



•^107 — 

•ich gah'eo* ' Di^o höclist fondiBiiyirfl Bewegung 
itiid mu dem Athemholen so wenig wie mit dem 
Paliseblago in einiger. Verbindung; and wenn lie 
la ttarkften^ Wir, so warfen sich die Beine ge- 
wilutm in die Höhe, ohne dafs dadurch der SciSaf 
nttrbrochen wurde. Die organische Gontraciion 
dir Mnakeln wav hier also verstärkt, die fui^ctio- 
1 Bili dagegen der Herrschaft des Willens ganz enfr* 
f wgen* und ^ wenn ich mich so ausdrücJien darf 
f "- so schienen die Nerven der leidenden Theile 
' fiUiehaam ausgetrocknet eu seyn. Jm Sommer i823 
Katte er, auf Anrathen seines Herrn Hausarztes, in 
einem berühmten Schwefel - Bade , 50 Schlammbä- 
i^iTp i4 Dampfbäder, und eben so viel Douchen ge- 
braucht y obne davon den geringsten Nutzen gehabt 
so haben« Im vorigen Frühjahre wurde der Hr. 
Regiemngsrath Dr. Quentin au Freufsisch- Minden 
nie an Rache ^eiogen* Dieser empfahl den Ge- 
liraaeb der hiesigen seifenhaftigen Bäder. Am. 3. 
Julina kam der Herr Patient hier an, und wie er 
■m AA. August von hier abreisete , konnte er seine 
Hiniie auDnachen , ja sogar schreiben und geschwin- 
de geben 9 wenn ihn jemand führte. Auch hatten 
die vorbemerkten Unterleibs • Bewegungen und das 
Bönevrerfen im Schlafe aufgehört« 

S) JnneferW. aus G«, Amts Ahlden^ 23 Jahre 
alt, sehr abgemagert und recht krank leidend aus- 
sabendy war im vorigen Winter ^ nachdem sie seit 
Bwei Jahren über Schmerzen im Kreuze und im Un- 
strleibe sehr geklagt hatte, die bei ihrer Ankunft 
allkier noch so stark waren » dafs sie da keine Be- 
libmae — - selbst die leiseste — nicht vertrageo, 
io total lahm geworden, dafs sie nicht einmal ste- 
hen , noch weniger auf Krücken gehen konnte. In 
^n entern 14 Tagen ihrer Kurzeit fühlte sie noch 
CR keine Spur von Besserung, Kaum aber hatte 
eiete begonnen, so wurden die Fortschritte dersel- 
ben 10 grofs, dsfs sie schon in der fünften Woche 
fli ein völlig gesundes recht blühendes junges Mäd- 
chen einher" ging 9 und sogar tanzen konnte« Ihr 
AraC hatte über die Natur dieser Lähmung seine 
Meinung mir nicht mitgetheilt; und mein Bcmü- 
. ben 9 Bo erforschen , ob es eine Pott^iche Lähmung» 
oder ob es eine lluit'sche spondylarthrocac§ war, 
oder ob sie in einem Unterleibs - Localleideii ihren 



— 108 ^ 

alltinigfii Grand hatte » hat mich junbafriedigt ^e« 
lasten. Bald nämlich schienen die in der Gegend 
des dritten Wirbelbeins Aber dein Kreosbein ge* 
Klagten Schmersen, vom Unterleibe anasngeheiiy 
und bald wurden sie so beseichnet, als h&tten sie 
dort ihren Sita , upd dürften hier nicht idiopathisch^ 
sondern consensuell sa betrachten seyn« In dem« 
aelben VerhäUnifs übrigens, wie jene So^boBeraea 
abnahmen r besserte es sich mit der Liähmnnep und 
wie von diesen gar nichts mehr gefühlt wnrae, was 
auch Ton der Lähmung jede Spur verschwanden. 

3) Carl W. au St« 15jährige Tochter« bekam 
•eit mehreren Jahren einen Tag um den andern» 
euch wohl an einem Tage sweimal die Epilepsie. 
Die Bäder haben so weit geholfen , dafs sie ]etaK 
nur etwa alle 4 Wochen von Krampfartigen 2aßkL> 
len von sehr kurzer Dauer befallen wird« die eich 
durch einen schlafenden Zuatand charakteristisch sa 
erkennen geben. 

4) Jacob O. SU A. an der Aller sechsj&hziget 
Xindy war von seiner Geburt an so gelähmt, oaiä 
es keinen Fufs bewegen und ansetzen konnte, nnd 
kann jetzt auf der £rde kriechen , am Stuhle sich. 
selbst aufrichten und gehen, wenn es geführt wird« 
Hier wurden die Muskeln 9 besonders durch die 
belebende Kraft unserer völlig zweckdienlich ein- 
gerichteten Douche, der Empfindung gehorsam ge- 

- znachty und so mit dem Willen vereinigt.' Im n&cii- 
aten Sommer wird dieses Kind wieder hieher sur 
Kur geschickt w^erden, und, nach meiner in ähn- 
lichen Fällen gemachten Erfahrung, darf ich faat 
tiberzeugt seyii^ dafs alsdann hier eine völlige Hei- 
lung wird bewirkt werden. 

5) Friedrich F. aus E., Amts Wölpe, 50 Jahre 
alt, ist von einem nervösen Leiden im Rücken* 
mark , und von einer damit in ursachlicher Verbin- 
dung stehenden Lähnmng beider Beine nebst schmers- 

' haftem erschwerten Urinlassen , so wie auch 

^^ 6) Heinrich B., 24 Jahre alt, eben daher, von 
einem phagedänischen Geschwür (bösartigem Sali- 
flols) auf der rechten Haud; und 



— 109 — 

7) Sopliie P* aas A« an der Aller ^ Ton einem 
Bfcanidliiitchaii Fnffgeschwflr mis Knodienfirars ge-, 
nmS worden» 

8) Heiniidi 6. ans L;, Stifts Loccuniy i6 Jabre 
altjL naue tot x) Jahre plötzlich das freiwillige 
Hinxen bekommen , weshalo er nicht anders als aalt 
Hfllf« sweier Kracken geben konnte. ^Yie er daa 
«Tst« Bad und die x4te Doucbe genommen hatte» 
bedorft« er nicht einmal eines Handstbcks mehr» 
aim den Weg nach seinem Wohnorte, eine Stunde 
ireic^ recht gut hin ux^d zurück zu machen« 

9) JongUx R, ans H* bei Freufs^sch - Minden, 
s4 Jahre alt« war Ton einer Scrophel* Schärfe» die 
«ich anf dal Haft« und Fufs« Gelenk geworfen hatte» 
•o celfthmt» dafs sie nur mit Hülfe eiqer Krücke 
nao eiaea Handstocks gehen konnte; und ist dayon 
Töllig geheilt worden; desgleichen 

!•) Friedrich H. aus B* » Amts Nienburg, 55 
Jalire alt, Tom rheumatischen Hüftweli» welches 
so bedeutend irar» dafs er seit mehreren Jahren 
•seil einer Krücke und eines Handstocks hatte be« 
dusien masaen. 

11) LeTi 8« Frau 9 eben daher, 3o Jahre alt» und' 

13) Friedrich B. aus E.» Amts Neustadt» hat- 
ten seit mehreren Jahren die Gicht, theils in den 
Knies» theils in der Hüfte und Füfsen» in einem 
so hohen Grade, dafs sie gar nicht ohne Hülfe ci- 
jser Kracke und Handstocks ^eh^ konnten. Er- 
stera bedarf dazu so wenig der einen als der an« 
dem Hülfe mehr. Nur Letzterer konnte» wie er 
abreisete, einen Handstock noch nicht ganz entbeh- 
ren $ dieser Mann irar aber auch schon sieben Jahre 
bindorch an beiden Beinen so gelähmt gewesen, 
dafa er selbst mittelst sweier Krücken nur mit Tie- 
1er Mühe etwas gehen konnte; und da er in den 
drei letztem Jahren ein ihm näher gelegenes Bad 
f^ns Tergebens gebraucht hatte» so war ihm im to- 
rigen Frühjahre Ton dem Hrn. Land - und Stadt- 
pEysikna Dr- KefsUr zu Neustadt wieder Behburg 
angerathen worden » wo er schon im Sommer 1820 
in so w^eit war gebessert worden , dafs er eine 
Krücke mit einem Handstocke Tertauschen und mit 
Hftlfo des letstern allein Eiemlich gut gehen konnte. 



— 110 — - 

. i3) B'f. Fnn am dem Fltelieq St., io J 
alt, hiLta loit «echt Jibren, wegen einei lallk^ 
nen nervOten Lalunung beider Beine, elaer I 
Dung also, die gar Mine freiwillig« S«wig 
mehr suliefi , betUndig lu Bette hegen mW 
Wie sie 4 Wochen die £uc illbier gebnuchi ^ 
konnte (ie auf Kracken geben; nnd ihm f»*" 
daiäbex war eben »o grofi , alt dieae » ■■ ' ■"""* 
nigea W1T| welche ihre Krackeit 
konnten. 

14) Der Leineweber m ei iter Helnrith S. n)H 
Amts Blamenau, 3q Jahre alt, war aeit H^ 
von der-atoniicfaen Gicht ta gelKbmt, 1' ' 
voni Stuhls aufatehen, noch weniger ■ 
gohen konnte; und am Ende teinec ilihiei 
Wochen Iing gebrauchten Kur, ging er aiM, 
gut, wenn ihm nur «eine eilfjihiig« TooblS 4 
die Hand rafate. 

i5) J. H^ M. aua E., Amt* U., ao Jahn iki 
war, nach den Berichten feine* Aritea nnd ^ 
Hrn, Fastor K. daaelbst, vor mehreren Jahvan, in 
Folge eine! heftigen Nerve nfie hera , geiabmt nal 
sprachlos geworden, weshalb «r hieher Eur in 
geschickt wurde, die ihn Tüllig hergeiCelli hat. 

Solche'nnd mehrere aui Diicrelion tinerwibili 
gebliebene Kuren sind es denn nnter andern, wo- 
durch die Heilkraft das hiesigen B.Jea ■Ililbt% 
sich auiieichnet., E» würde mich su weit fahrt! 
— werigjtens den geneigten Leier leicht ermOdaa, 
wenn icTi hier auch diejenigen Kuren namhaft ma- 
chen wollte, wobei es nicht auf die £igen*ehj(l 
eines Badewaileri , oder auf da* Trinken dei eiAM 
oder de* andern Mineral wisier* allein an Kam , lO» 
dem woau dieser Kurort in seinem ganzen Udi6s* 
ge, Torab durch aeine sehr geiunde und itiual 
schöne Lage, zur Erholung, Aufheiterung und Siir- 
kung, da) Seini^e beitrug. Ich achliefse hier viel- 
mehr mit den Worten, welche ein aehr beliebter 
Kiiizel- Redner, am Johannistage 1&17 hier iaiFieien 

,( — Jeder, der in die* Thal kommt — der die- 
*en Tempel der Genesung und der Anmutli betiitt» 
mufa e* gestehen, daf* hier alle Dmgebntigen freand- 
lich iluk «niprechan — daf« dia Katuc diaien Oa 



— Ifi -« 

recht freig«biff aaieeitattet hat. Die Abwechselang 
toa Bei^ and Thal y die schöne Waldung^ die Tie- 
Ica angenehmen Schattengänge , und die Aussicht 
saf des benachbarte ruhige Meer, eeben ihm einen 
dgenen Reiz, den jedes fahlende Ilers lebhaft em- 
pudet und anerkennt, — ^*' 



Ja 9 hieTy in den mannigfachen Evzengnis« 
•sa der Erde^ in den majestätischen Bergen und 
Vddeniy ia der überraschenden Aussicht auf die 
wots Ebene 9 hier mufa man den Allmächtigen fin- 
^; hier in der genauem Verbindung des Kleinen 
ait dem Grolaen., des Nützlichen mit dem SchÖ- 
Mm; mofa man den Allweisen erkennen und ver- 
•hraai hier, mnfs der seltene Genufs^ die reine 
tfealift, welche in der freien Nstur unser Hers 
dovd»trömt, auf den Allmächtigen hinleiten« — »^' 
(Von Hof« nnd Brunnenarzt Dr. Älhers)m 

(Die Fortsetzung folgt.) 



Dit W^Uötluik d. -pr. Heilkunde Februar i825 enthalt i 

h Wen dt Darstellung einer zweckmäfsigen B/Ie* 
thode tur Verhütung der TVasserscheu» 

0»V, Ollivier aber das Rückenmark und seine 
Krmikheiten, IHit Zusätzen vermehrt oon J. Ra^ 
dims» 

F, J. B. Puchelt de Carditide Infantum. 

AMrie litterärische Anzeigen» 

h Ch. G. Jörg Materialien zu einer künftigen 
Eeilmittellekre. 

Prospetto clinicö dal Prof. V^ L. Brera^ compi- 
lato doli D, Z, Tennani» 

akademische Schriften der Universität 
zu Berlin. 

J« Wirtensohn descriptio dnorwn monstrorunt 
eiuplieium^ 



^ 112 — 

Jt. G6pp9Tt ds -plantarum ntUritions* 

F» M0iss€n d0 auditus diminution$ §i A 

tionw» 
Hm ji. Pauli de natura S^rnnL 
£• pf^ormes descriptio cranii Simiae &ütyrL 
P. Seifert SpiciUgia adenolcgica* 
J. Rubelt descriptio Joetus equini eyelopitu . 
C« CK Schütze de variolis vaeeinis itmM 

quam spuriitm 
Am M* A, G reiner de Cholera morho. 
A> IL Kind^ de natura vertighiii^ 
F, Wlüneh de Cupri viribus» 
Cm Marcinkowski de foniibua indieatbnai^ 
B* N^ Friedlaender ae rara oesieae #ii<M 

cum intestina recto coalitione et eooulceratkftM 
F. Scholz de acidi hydroeyaniei natmra t9% 

medico^ y < 

Bibliographie» Frankreich^ 



■■< 



Hiermic vrird das Supplement'^ Heft ^ MvJw 
gang 18:14 gehörend, ausgegeben. 



Journal. 

I I 

der 

practischen Heilkunde. 

' Htranspeg^eben 

Toa 

C. W. ä u f e I a 11 d, 

Oiig^ FmoCi. StaAUrathy Ritter du rothen Adlar« 
Ordou iweiter TUüe, erstem Leibarst, Prof. der Me» 
^ädmiafderüniTeriititsaBerlin, Mitglied der Act* 
doBiie der yVuMiLBcluLittn etc. 

und 

E. O 8 a n 1I9 

4»iJeitlu&«m Professor der Medicin an der Mediei* 
visdkChimrgischenAcadexniefar'dasMilitair, aufser« 
oiiMtlielieii an der UniTertitHt zu Berlin ^ und Mit- 
|lied mehrerer gelehrten Gesellscbaften* 



Grau^ Fremndp isi aU§ Theorie^ 
Dock p-ün d9S Lßbgns goldner Baum^ 

Gothß. 



in. Stück« März. 



Berlin 182 5. 
Gedmdit und Tedegt bei G. Reimer« 



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I. 

Fraktisclie Bemerkungen 

Aber 

den beschleunigten Puls» 

Von 

Dr. Moritz Ernst AdoIpU Na,umann. . 



^JAie Ferändernng im Blutumlanfe , welche- 
udit unmittelbar vom Herzen seibat bedingt 
wild, rermag sidi im ganzen Gefäfssjsteme, 
ijeidiseitig, zu manifestiren ; vielmehr lehrt 
die Erfahrung, dafs Krankheitarursachen , wel-' 
chfi xnnächst nur ein einziges Organ betreffen^' 
umitttlbarj nur in dem erkrankten Organe/ 
die Circulation umzuändern yermogen. Wie 

r"» mit Strenge bewiesen werden soll , fin- 
in allen, sonst noch so sehr von einander 
Tvncfaiedenen Krankheitszuständen , Ursprung- 
lieh , entweder Termehrter , oder Terminderter 
Zflflols des Blutes nach einem , oder zugleich 
atch mehreren einzelnen Theilen Statt , odet 
es ist ortliche Blutstockung und Störung, ja 
wirkliche ortliche Unterbrechung des Kreiä- 
lanfes vorhanden, oder das Yerhältnifii des 
Blutumlaufes ist sowphl in Hinsicht auf ein- 
zelne Theilei als au& Ganze, merklich gar 

A2 



— 4 — 

nicht yerändert worden. Ein fiinflös VerhHlt- 
i|ifg, aiifser den genannten, ist nicht mög- 
lich, indem alle übrigen Abweichungen in 
der Circulation y auf den drei erstgenannten 
Veränderungen beruhen; und aus denselben 
abgeleitet werden können. 

Da alle einzelne Sphären des Kreislau^ 
fes^ im Herzen, ihren C^ntralpunkt und das 
gemeinsame Ausgleichungsorgan vorfinden, so 
ist keine partielle Störung im Kreislaufe mög- 
lich, ohne, wenigstens die Anlage zu man- 
chen Unregelmäisigkeiten in der Reaction des 
Herzens selbst , zu . begründen ; rechnet man 
daher das Herz , als ein mit besonderem Kreis- 
laufe begabtes Organ, mit zu den übrigen 
Organen, so lassen sich alle nur denkbare 
Abweichungen des Fulsschlages vom Normal- 
zustande 9 auf eine der drei genannten Haupte 
abweichungen zurückfuhren. Diese Wahr- 
heit , so wie die aus ihr hervorgehenden wich- 
tigen Resultate , werden deutlicher in die Aa-« 
gen fallen , wenn wir , von reinen Erfahrangs- 
Sätzen ausgehend, die unwiderlegliche Noth- 
wendigkeit der Vordersätze erwiesen hiiben 
werden , auf welche jene sich stützen ; daher 
beginne ich hier mit einer möglichst vollstän- 
digen Uebersicht der Hauptstörungen , wcdche 
im Kreislaufe des Blutes wahrgenommen wer-' 
den können, wenn der Fuls in irgen^ einem 
Theile ursprünglich beschleunigt worden ist. 
Uöge es grofsen , mit der Natur vertrauten 
Aerzten, möge es besonders dem ehrwürdi- 
cen Herausgeber dieser Zeitschrift gefallen, 
die .hier mitgeiheilte Skizze ^ eines prüfenden 
flifickes zu würdigen.' 



ällgunuM Barachiung der Veranda ungtn^ weicht 
der Kreislauf erleidet , wenn die Clrcutation be- 

schleunigt ist. 

Ist der Zuflufs -des Blutes nach einem Or-i 
gane Termehrt worden, so werden zunächst 
die in dasselbe fahrenden Blutgefa/se häufiger 
entleert, und machen ein rascheres Einströ* 
men des Blutes aus den Stämmen in die Zwei^ 
ge, imd aus diesen in die kleineren Ranii- 
ficationen nothwendig. Es dehnt sich mithin 
die Srdich bedingte Beschleunigung der Cir- 
cnlation sehr bald über die Grenzen der un- 
mittelbaren Einwirkung hinaus: indem der, 
innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums seiues 
Blutes sich entledigende arterielle Hauptstaumi 
des gereizten Organs, auf den nächst grofsern 
Geiäfsstamm zunickwirkt, als dessen Ast er 
seihst betrachtet werden mufs ; wie daher letz- 
terer innerhalb einer gegebenen Zeit, einen 
TsrhaltDiüsmäfsig grofsern Antheil von Blut in 
sich aufnimmt, als die übrigen Aeste, in de-« 
nen gleichwohl kein Grund für die Vermin- 
derang der Circulatioii obwaltet, so begrün^ 
det er auch eine häufigere Entleerung des Mut- 
terstammes, und in Folge dessen reichiichern 
ZofliiJs des Blutes nach demselben, die da- 
durch veranlaÜBte raschere Bewegung bewirkt 
wiederum die häufigere Entleerung des zu- 
siehst grofsern Gefäisstammes , und so ver- 
breitet sich dieselbe rückwärts, endlich bis 
znm Herzen , und begründet in diesem Organe 
häufigem Wechsel zwischen Systole und Dia- 
stole , häufigeren Herz - und durch denselben 
häufigeren PuJssddag im ganzen Arleriensysleme. 

Durch diese allgemeine Beschleunigung 
wird offenbar das Zuströmen des Blutes noch 



.1^ 

denjenigen TheUen dei KSrpers, in welcbeii ., 
die Circulation ursprünglich beschleunigt wor- v^ 
den war, aufserordentlich erleichtert, «nd .j^ 
demnach Mrird, wenn die nämliche UrMche • 
fortwirkt y die allgemeine Beschlennignag fint- 
während von der örtlichen iibertrofilni ' wer* 
den ; demnach wird in einem gegebenen Zttt- 
raume, eine TerhältniDnnärsig mn so grSCwBe 
Blutmenge durch den gereizten Theil hindurdi- 
getrieben werden, und indem die allgemeine 
Beachleunigung, auf schon beschriebene Weisei 
fortwährend durch die ortliche bedingt wiid^ 
mui's nothwendig der Fulsschlag an Häufigkeit 
so lange zunehmen, als durch die ortiUche 
Ursache, die örtliche Beschleunigung der Cir- 
culation noch yermehrt werden kann. Die 
Zunahme der örtlichen Beschleunigung, kann 
aber nicht durch entsprechende topische Ver- 
änderungen im Pulse ausgemittelt werden, in- 
dem diese, durch die ron hinten drSckende 
Blutsäule, sogleich bis zum Hefzen zunicke 
wirken , und dadurch mit der ron diesem Con* 
tralorgane vermittelten Bewegung YoUig zu- 
sammenfallen müssen. Dagegen offenbaren um 
sich zunächst durch allgemeinere Yerbreitnng 
des Blutes in dem ursprünglichen Sitze der 
örtlichen Beschleunigung, durch gesteigerte 
Thätigkeit der CapiUargefarse daselbst, und 
durch die Bildung einer gröfsern Anzahl toa 
Wegen, auf denen das Blut in und durch das 
Organ hindurch getrieben werden kann. Dem- 
nach erhält in demselben der Blutumlauf eine 
immer gröfsere innere Ausdehnung, und ge* 
winnt mit zunehmender Häufigkeit des Pulses 
an Extensität. Sind auf diese Weise die Ca- 
pillargefäfse bis zu einem gewissen Grade aus- 
gedehnt worden, so erweitern sich ebenfalls 



I 



— 7 — 

die ümen zunächst stehendeo arteriellen Ge- 
fafse, daher begründet der ortlich bedingte 
häufigere Zuflufs des Blutes, zunächst, ört- 
liche Ausbildung der Circulation. Die Menge 
des bei jedem Fulsschlage durch diese zahi^ 
feicbern Gefälsapparate hindurchgetriebenen 
Blutes, bedingt die Rückkehr einer verhält- 
nifsmäbig grobem Blutwelle zum Herzen; 
dieses muls daher bei jeder Diastole eine grö- 
fsere Quantität von Blut in sich aufnehmen, 
und treibt dieselbe seinerseits , bei der Systole, 
in die Fulmonalarterien , und endlich durch 
^e Aorta in das übrige arterielle System, wo- 
durch eine grofsere Ausdehnung der Gefäfse 
begründet werden mufs; daher pflegt unter 
sonst gleichen Umständen der häufigere Puls 
mehr oder weniger an Gröfse zuzunehmen. — 
Dmb Blut ist der natürlichste Reiz für das Ge- 
fa&system, und wirkt als solcher auf die Be- 
wegungen des Herzens und der Gefäfse. Je 
{rober daher die Menge ist, welche das Herz 
10 sich aufnimmt, desto kräftiger werden die 
Contractionen desselben erfolgen; aus diesem 
Grunde beobachtet man , dafs der häufigere und 
grbfare Jhd$, in übrigens gesunden Organis- 
mao, gewohnlich auch stärker und kräftiger 
geworden ist. — Die Erfahrung lehrt, dafs 
die letzte Veränderung nur dann einzutreten 
pflegt, wenn der Andrang des Blutes nach 
dem Herzen regelmäfsig und allmählig aa- 
wächst ; denn geschieht dieses sehr plötzlich, 
so wird der Puls zwar häufig , aber gewöhn- 
lich unregelmäfiig und c^o//, indem nämlich die 
Aorta f dem plötzlichen Andränge des von dem 
Herzen aus ihr mitgetheilten Blutes, nur un- 
vollkommen widerstehen, daher sich nicht 
T ollst ändig zusammenziehen kann | so dab im 



— 8 — 

ganzen GefaüisyiMme die Diastole^ die Ober- 
hand gewinnt. 

Herz- und FulsscUag nehmen an' Hän- 
figkeit zu , je mehr die ortliche Heiznlig an* 
wächst , nnd diese erreicht den höchsten mad, 
wenn die Capiilargefäfse fais zu einem gewis- 
sen Funkt ausgedehnt worden sind ; die Kraft 
derselben, eine gegebene Menge Yon Saften 
durcH sich hindurchzutreiben, nimmt bei allzu- 
reichlichem Ueberflusse dieser letztern immjsr 
mehr ab^ und fuhrt . endlich , indem die be- 
schleunigte Bewegung in ^en grölsern GefS* 
Isen fortdauert, zu Stockungen und Hinder— 
dernissen in der Bewegung. Diese Verände- 
rung Termag in dem übrigen Bereiche des all- 
gemeinen, gleichzeitig beschleunigten Kreis- 
laufes nicht einzutreten; denn da derselbe roa 
der selbst beschleunigten Action des Herzens' 
unmittelbar bestinmrt wird , so wird gleichför- 
miger Andriang des -Blutes nach allen Organen 
befördert. Ist unter diesen • Umständen die 
Girculation nicht mir beschleunigt worden, 
sondern wird auch eine grofsere Masse Ton 
Blut, auf die bereits beschriebene YPeise, bei 
jeder Systole des Herzens in die Arterien ge- 
trieben, so wird dadurch der Weg gebahnt, 
auf welchem allein* die Natur der örtlich rei^ 
mehrten Beschleunigung ein Ziel zu setzen 
vermag. Bei der allgemeinen Thätigkeit des 
Oefafssystems wird nämlich auch die vermehrte 
Quantität des Blutes,' welche das Herz bei je« 
det Gontractioh ausstöfst ; ' nach allen Haupt- 
gefäfsstämmen , gleichförmig abgeleitet, mufa 
aber, in die einzelnen Organe vertheilt, sehr 
"^bald aufhören , durch seine Menge zu wirken, 
weil oie gesaminte Btutmasse in so: kurzer 



— 9 — 

Zeit nicht vennehrl worden seyn kann. Je 
mehr das Blut gleichförmig im ganzen Kör- 

Eer rertheilt -wird , um so mehr wird der ort- 
che Andrang desselben verhindert, und da- 
her "wirkt die allgemeine Beschleunigung der 
Circnlation gegen die örtliche als Gegenkraft 
ein, indem sie dem Heerde derselben sein 
wichtigstes Reizmittel, das Blut, in grol'ser 
Menge entzieht. Auf diese Weise werden 
ähnliche Zustände häufig ausgeglichen, und 
nur dann, wenn die örtliche Heizung einen 
sehr hohen Grad erreicht hat, ist dieser Weg 
allein unzureidiend. Es folgen hieraus fol- 
gende Sätze, die wieder dem vorigen zur Be- 
stätigung dienen: 

1^ Je weiter der ursprüngliche Ileerd der 
beschieunigien Circulation vom Herzen, und 
roa den arteriellen Hauptgefafsen entiernt 
liegt, um so leichter und schneller, — je nä- 
her dagegen das gereizte Organ, dem unmit- 
telbaren Zuflüsse des arteriellen Blutes ans 
dem Herzen liegt, — um so schwieriger und 
langsamer vermag die Natur das Gleichgewicht 
wieder herzustellen« Denn im ersten Falle 
wird der Ueberschufs an Blut gröfstentheils 
abgeleitet^ bevor der Blutstrom den ursprüng- 
lichen Sitz der Beizung berührt; im letztern 
dagegen, wird ein grofser Theil des rasch- 
bewegten Blutes unmittelbar nach dem schon 
gereizten Theile hiugeleitet. 

2) Je wichtiger und zugleich räumlich 
ausgedehnter das Organ ist, in welchem die 
ursprüngliche Reizung Statt findet , um so be- 
deatender ist die in dasselbe eintretende Sphäre 
des Gefäfssjslems ; deun es erhält Haupt- und 
Hülfsgefalse von vielen, und sehr verschiede- 



— Io- 
nen Arterienstammen , und steht mit dem 
Venensjrsteme ebenfalls durch eine Menge ^on 
grofsen Zweigen in Verbindung. Daher ist 
der Tuls um so gröfser, je geiafsreicher das 
ursprünglich gereizte Organ ist , je grober mit* 
hin der zum Herzen zuräckkehrende Ueber- 
schuli an Blut wird. 

3) In membranosen Organen, zumal wenn 
sie hohl sind, findet der wenigste innere Wi- 
derstand Statt, weil in ihnen nur eine toU- 
kommene Schicht von Gefa&en vorhanden ist,, 
so dafs diese durch Druck und Ausdehnung 
nur wenig sich gegenseitig zu beeinträchtigen 
Termögen ; daher wird in ihn&n am :leicht»« 
stcm, und aus den geringfügigsten Ursachen, 
beschleunigte Circulation bedingt, aber mei- 
stens eben so schnell wieder gehoben, weil 
bei ^em freien Durchgange des Blutes nnr sel- 
ten Stockung desselben möglich ist. — In 
parenchymatösen Organen findet man die Ge? 
false im Durchschnitte verwickelter, und die 
letzten Ramificationen jedes einzelnen Aest- 
chens mehr ia einander verschlungen, auch 
liegen die Gefafse fast niemals in derselben 
Ebene, sondern breiten ihre Verzweigungen 
zugleich in die Breite aus. Das Blut vermag: 
daher nicht mit gleicher Leichtigkeit tiis zu 
den innersten GefaTsenden vorzudringen, und 
aus diesem Grunde geht von den parenchy- 
matösen Organen nur seltener, eine bedeu- 
tende Beschleunigung der Circulation aus, giebt 
aber, wenn sie erfolgt^ um so leichter zu par- 
tiellen Stockungen Veranlassung. — Die Mus« 
kelarterien der Extremitäten zeichnen sich 
dadurch aus , dafs das Blut in ihren Haupt- 
Stämmen durch lange Strecken ibrtgetrieben 



-r 11 - 

Wird I bevor eine ganzliche Trennung in Aeste 
und Zweige Statt findet. Die letzten Ver- 
xweigangen sind dann durch unzählige Ge^ 
laiänetze und Anastomosen mit einander rer- 
einigt y Vorrichtungen, welche in diesen Thei^ 
len eine ortlich bleibende Beschleunigung der 
€irculation ganz besonders erschweren, sondern 
unmittelbar zum Herzen zurückwirken müssen. 

4) Je näher ein Organ der Mittellinie des 
Korpers liegt, um so mehr vermag dasselbe, 
nachdem die Circulation in ihm ursprünglich 
gesteigert worden ist, seinen Einflufs auf die 
Ciicnlation überhaupt geltend zu machen; denn 
et hängt dann um so unmittelbarer mit den 
grofsen Hauptgeföisstämmen zusammen, und 
kann durch diese am bestimmtesten gegen die 
Herzthätigkeit reagiren. 

5) In Secretionsorganen findet bei blofs 
Torabergehenden Congestionen eine, der Quan* 
tilit nach vermehrte, der Qualität nach nur 
wenig veränderte Secredon Statt. Jedoch, 
wenn ein Secretionsorgan selbst der ursprüng- 
lidie Sitz der Beschleunigung ist, nur in die- 
sem allein , dagegen in verschiedenen Organen 
zugleich , wenn die Reizung in einem andern, 
Bidit zur Ausscheidung bestimmten Organe 
Statt gefunden hatte. Beide Fälle lassen sich 
dadurch von einander unterscheiden: dafs im 
erstem Falle fast immer die vermehrte Secre- 
tion der Beschleunigung des Pulses um etwas 
vorausgeht, während sie im letztern erst nach 
einiger Dauer der Beschleunigung eintritt; fer- 
ner dadurch, dafs im erstem der beschleunigte 
Puls um so weniger an Stärke wächst, je 
reichlicher die Ausscheidung erfolgte, woge- 
gen im letztem die Ausscheidung um so ge- 



-- 12 — 

ringet wird, je stärker und kräftiger der zu^ 
gleich beschleunigte Puls ist. 

6) Von der gröfsten Wichtigkeit ist der 
Einilufs des Nervensystems, und des durch 
dasselbe vermittelten polaren Verhältnisses der 
Organe zu einander. Eine sorgfältigere Wür- 
digung dieser höchst verwickelten Umstände 
kann jetzt noch nicht gegeben werdea, daher 
vorläufig nur folgende Eriahrungssätze Platz 
finden mögen: a) Ursprüngliche Beschleuni- 
gung der Girculation in einem sehr nervösen 
Organe, wirkt, wenn sie einen gewissen Grad 
erreicht hat, deprimirend auf die Herzthätig- 
keit ein , und begründet zunächst Unsicherheit 
und Unregelmäfsigkeit in der Reaction dersd- 
bun. b) Jedes andere nervenreiche Organ wirkt 
bei Beschleunigung der Girculation in ihm 
selbst, zunächst auf das Gehirn mit ein, ^ und 
sucht in ihm einen ähnlichen Zustand zu be- 
gründen; dieses geschieht auch um so leich- 
ter, je wichtiger die nervöse Sphäre ist, wel- 
che sich in dem Organe verbreitet, c) Erreicht 
dagegen im Hirne selbst die primäre Beschlea« 
nigung einen so hohen Grad, dafs sie in par- 
tielle Stockungen überzugehen drohet, so nimmt 
sein Einflufs auf die sehr nervösen Theile zu- 
erst ab, trifft dagegen die zunächst in ihrer 
Nachbarschaft gelegenen Organe, d) Je tie- 
fer ein Theil in der Reihe der übrigen steht^ 
desto weniger wird durch die Beschleunigung 
der Girculation in demselben die Nerventhä- 
tigkeit aufgeregt, um so ungetrübter vermag 
sich dagegen die Uerzthätigkeit in ihrer gan- 
zen Eigenthümlichkeit zu offenbaien. 

Aus diesen Sätzen ergiebt sich zugleicfa| 
dib 4i^ CaijUlaiigeiiUjie des übrigen Körpers, 



— 13 — 

An den Terändernngen, welche dieselben im 
unprüngliclien Sitze der Besclileuiiigung er- 
leiden, an sich wenig oder gar nicht Autheil 
oabinen können ; denn das Blut gelangt in die« 
selben durch fremden Impuls, nicht. aber durch 
eine im Organe selbst liegende Ursache, wird 
mit gesteigerter Kraft durch sie hindurchge- 
trieben , und Termag daher nicht von seiner 
Hauptstralse abzuweichen. 



bisherigen Angaben erleideil aber sehr 
bedeutende Modificationen , nachdem die Or-' 
gane speciell von einander verscliieden sind. 
Dadurch wird eine sorgfaltigere Prüfung noth- 
wendig gemacht: 

Btiondere Betrachtung der Veränderungen^ 
fpelche der Kreislauf erleidet, nachdem die Organe 
vtrsclueden sind^ in denen die Circulation primär 
U$ctüeunigt wurde^ 

1) Gehirn. Ist das Gehirn das Ursprung« 
lieh gereizte Organ, so theilt sich der Ein- 
flafs des in ihm beschleunigten Blutumlaufes 
fast unmittelbcir der Aorta mit; denn die in 
dem Stamm der Carotis interna enthaltenen 
Blutsäule , mufs mit um so gröfseru Nachdruck 
wirken können , da derselbe , ohne Aeste zu 
versenden in die Höhe steigt und mit unge- 
theilter Kraft wirkt, während die Carotis ex* 
terna sich schon in alle ihre Aeste gespalten 
bat; überdiefs ist die Arteria vertehralis der 
erste namhafte und bedeutende Zweig der Suh^ 
clamaf und entspringt aus dem gewölbtesten 
Theile des Bogens, den dieselbe vor der er- 
sten Rippe bildet, gegen welchen der Blut- 
strom mit dem gröfsten Nachdrucke wirkt. 
Es folgt daraus , wie bald eine schnellere Eut- 



• 14 » 

leenmg der innern Kbpf- und WirMbein* 
Schlagader, auf die Aorta zurückwirken müsse.' 
Indem sich die letztere häufiger sugammen- 
zieht, zwingt sie ihrerseits die linke Herz- 
kammer zu rascheren Contractionen. Das 
aus ..dem Gehirn zurückströmende Blut hat 
aber , wegen der &st perpendicularen RSchtiing 
der F'enajugularis interna fast gar keine Schwie-' 
rigkeit zu überwinden, und deshalb wird leidbit 
die rechte Vorkammer durch eine allzugroAe 
Bienge von venösem Blute überschwemmt, in* 
dem dieselbe einen Terhältni^TsmälJug bedeu- 
tenderen Yorrath Von Blut erliält, als da« 
^nke Herz. Das rechte Herz wird daher mehr 
ausgedehnt, und nimmt wäluend der Ebqpan- 
sion einen grofsern Raum eiuf den es, we^ 
nigstens zum Theil, nur «auf Kosten des lin- 
ken Herzens gewinnen kann. Gleichwohl 
wird dieses letztere, bei dem sehr reichlicheir 
Blutandrange, sehr ungestüm zur Wiederhol 
lang der Contractionen angereizt, so dafs das 
in ihin enthaltene Blut plötzlich, und mitgro» 
li^er Heftigkeit in die Aorta ausgetrieben wird. 
Daher das Gespannte, was der Puls darzubie- 
ten pflegt, wenn bedeutende Congestionen 
nach dem Gehirn Statt finden, und welches 
sich besonders dadurch charakterisirt , dafs die 
Diastole mit einem gewissen Ungestüm er- 
folgt, 

2) Zjmgen» Geht die Beschleunigung der 
Circulation von den Lungen aus, so müssen 
sich zunächst die Pulmonalarterien schneller' 
entleeren, und machen dadurch beschleunigts 
Ergiefsung des Blutes aus den Venis cavU in 
die rechten Herzhohlen nothwendig. In den 
Lungen kömmt diese rasch bewegte Flüssig« 



— 15 — 

iflft mit der Luft in Berührung, welche,' Ia- 
dun sie durch grofsen Kraftaufwand in tiefen 
lupirationen bie in das Innere derselben ge- 
(neben wird , mit dem Blute in das innigste 
VffchselTerhältnifs treten kann. Die natür- 
liche ReuEbrsft des Blutes inufs dadurch noth- 
weodig Tennehrt werden, und daher dringt 
dasselbe mit noch grofserer Kraft durch d& 
Lo^genTenen in die linke Vorkammer, und 
nict um so viel mehr, die schon ohnediels 
weil muskulösere linke Hälfte des Heszen» 
XU heftigta Contractionen «n. Dieser Theil 
des Herzens dehnt sich demmach bald mit ei- 
ner bei weitem gröisern Kraft aus, als der 
entgegengesetzte , treibt mit vieler Energie be^ 
deutende Biosmassen in die Aorta, und.giebt 
d«m häufigen Pulse die Nebeneigenschaft Ton 
Siäriti, durch welche Systole und Diastole mit 
gleicher Kraft erfolgen. Dieses yerhältnüs 
kann jedoch, wenn außerdem keine weitere 
Yeranderungen eintreten, nicht lange als sol- 
ches bestehen ; denn da das Termehrte Ein- 
strömen Ton Blut in das rechte Herz um sp 
mdis erschwert werden mufs , je kräftiger das 
linke Herz sich ausdehnt und zusammenzieht, 
mo Ttnnogen die Fulmonalarterien, durch ihre 
swar häufigen Contractionen , eine yerhältnüs- 
müsig doch nur geringe Menge Ton Blut in 
die Lungen zu treiben« Dieses dringt jedoch 
mit derselben Heftigkeit in die Pulmonanre- 
aen ein, und reizt dadurch das linke Herz zu 
^elen kleinen rasch auf einander folgenden 
Contractionen, welche wegen der reizenden 
Eigenschaft des Blutes (das , bei seiner Ter* 
hältnifsmäfsjg geringen Menge, in den Lun- 
gen mit belebenden Stoffen übersättigt wer« 
den konnte), mit Tieler Kraft erfolgen; zu 



— 16 — 

gleicher Zeit widerietzt sich die MuekellLraft 
des Herzens, welche tin einen bestimmteiL 
Grad von Ausdehnung gewohnt ist, dem schnel- 
len Wechsel von Contrftction und Expansionj 
daher der härtUche kldne .Puls bei Gongestionen 
des Blutes nach den Lungen in sdbiwachen 
Subjecten; daher in andern der öftere Wech« 
-sei zwis'chen der gesteigerten Thäiigkeit des 
linken und rechten Herzens, und das «n™ijb- 
lige Steigen und Herabsinken des Folsßa von 
einer gewissen Orbfit und Breite^ zu ei^ger 
Kfdnheit und Härte; indem nach einiger «Zeit 
der Blutandrang und die durch ihn befdingto 
gröfsere Ausdehnung der rechten Herzhälfia 
wieder die Oberhand gewinnt! Man bemerkt 
nur seltener diese letztere Abweichung , weil 
das linke Herz als der den Kreislauf Torsngs- 
weise bestimmende Theil, sobald es eiBiuI 
das Uebergewicht erhalten hat^ auf die Arte«- 
rien unmittelbar , und durch sie mittelbar «of 
die Venen bestimmend einwirkte In onserm 
Falle würde schon die nothwendig groÜKre 
Beschleunigung des Blutes in den Langen* 
venen , im Gegensatze zu den Lungenarterien, 
eine stete Fräponderanz des linken Herzens 
bedingen ; während wiederum dieses durc^ den 
bestimmenden Einflufs, den es bis auf die 
letzten Ramificationen der Arterien ausübt, 
die Quantität des durch die Venen sutfick« 
kehrenden Blutes im Allgemeinen zu regulie- 
ren vermag. Es wird daher eine geringere 
Blutmenge , aber mit um so gröfserer Heftig* 
keit und in weit kürzern Zwischenräumen! 
durch beide Herzhälften hindurchgetrieben, 
und die Erfahrung lehrt, dafs nur bei sehr 
überwiegender Venosität jener oben angeden« 
tele. Wechsel SiM finde. Nur bei sehrkraft- 

vol- 



— 17 — 

nolkii SfMSclieB; in denen beide Hetadialften 

Alt «ioem sehr entwidielten Muskelapparate 

iiVesUttet sind, bleibt der Pub, unter den 

angegebenen - Umständen , lange Zeit bäufg, 

ft und sforh 



3) Hin. Wird im Herzen selbst die Cir« 
culatioa Termehrt^ so beschränkt sich dieselbe 
nnachat nur auf den sogenannten kleinsten 
Kreislauf in den Kranzgefalsen des Herzens. 
Durch diesen raschen innern Blutwechsel wird 
die Thätigkeit im ganzen Organe gleichförmig 
Tennehrt} und daher der beschleunigte, aber 
sonst wenig reränderte Puls unter diesen Um- 
stinden ; der jedoch , wenn er einen sehr ho- 
hen Grad erreicht , bisweilen auszusetzen an- 
langt. Indem nämlich die Blutsäule, welche 
bei der Systole des linken Ventrikels in die 
AoHa gelaingt , mit auTserordentlicher Schnel- 
ligkmt in dieselbe hineingetrieben wird, gibt 
sie einen Terhaltnifsmäfsig weit geringern An- 
theil Ton Blut in die Kranzarterien ab, als 
die «ulserordentlich vermehrte Beschleunigung 
der Ton ihnen vermittelten Bewegung dgent- 
lieh erfordert. Es entsteht mithin temporärer 
Mangel dieses innern Reizes , der in der gan- 
sen Herzthätiekeit eine temporäre Stockung 
nothwendig nmcht ; die letztere kann aber nur 
momentan seyn, weil gerade während der- 
selben, das in der Aorta angehäufte Blut mit 
der grolsten Leichtigkeit in die Kranzarterien 
eindringen kann. --- Dieses VerhältniTs ver- 
mag um so leichter einzutreten, da das Herz 
der Sitz des Gemeingefiihls ist, und weil seine 
Gel älse mit Nerven ausgestattet sind , die von 
fast allen Hauptnervepstämmen des Körpers 
zusammengesetzt werden, so dafs fast jede 
leora. LZ. Bt 3| Sc B 



— 18 — 

Veränderung im Körper, sunäehst auf im^ 
Thatigkeit dieser Gefäbe verändernd zurück. - 
mrken mub *). Daher lehrt auch die £>'< 
fahrung, dab der Puls um so leichter aus- 

*) Eine genauere Angabe ^ dltoses nBerkwArdigen 
Verhältnisses findet sieb in meiner Schcifc: Ei" 
nigß Bemerkungen über das GemeingeßMy im ge^ 
Sunden und im kranldhaften ZuUandem Leipü^ 
I8a4, Ich hebe aus derselben nur eine hierher 
gehörende Stelle "besonders heraas« Man be- 
trachte die im Plexus curdiaeus susammenllie- 
fsende Nenrenverbindung , su welcher die drei 
oberen Ganglien des sympathischen Nerren je- 
Apx Seite contribuiren ^ und man findet in ibr 
Zweige yom fünften» sechsten, neunteu» sehn- 
ten und zwölften Himnenrenpaare, Zweige von 
allen Halsnervenpaaren^ und durch das dritte 
derselben anasiomosirende Aestchen Tom eilf- 
ten Himnervenpaare » ^- Zweige von deu.obeni 
Brusteanelien des sympathischen Nerven, und 
i||^dlich durch den Plexus phreniou» Verbindon- 

Sen mit dem gesammten Gangliensysteme. Darch 
ie Verbindung des N% Vidianus jtrofunilim» vcAt 
dem Ramus descendens de» N* abduc^ns, hingt 
der Plexus cardiacus mit dem ganzen. Himner- 
▼ensysteme, besonders aber. durch den AjSt des 
Sphenopalatinus mit dem sehr wichtigen sid- 
beuten Hirnnervenpaare snsammen, und ver- 
bi|idet sich nicht nur durch die vom Nm^y^igus 
ausgehenden ü. pharyngei und laryngei^ son- 
dern auch mittelbar durch die Plexus putmonä" 
les mit dem zehnten Hirnnervenpaare« — Data 
hommen noch Veraweigüngen von den <r«ii- 
^ gliis lumbaribuSf die sich hoch nach der Aorta 
hinauf verfolgen lassen; durch welche injdeich 
unmittelbare Verbindung zwischen dem- PLcor- 
diacus und PI, Spetmaticus hergestellt wird. 
Aufserdem findet noch eine merKwfirdige vom 
Ph eardiactis vermittelte Verbindung zwischen 
dem PU oesophageus posterior und dem PI, coe^ 
. liacus Statt, die bisweilen sogar, ein selbststän- 
diges Nervenstämmchen , das von pf'^risberg all 
Nervus splanchnieus minor superior beschrieben 
wurde, bildet» 



' — 19 >- 

setzt, je häufiger er wird; auch fand ich in 
mehreren Fällen , dafs bei sehr schwachen und 
reizbaren Menschen , der Puls gegen Abend 
nach 30 — 40 Schlägen intermittirte. jUerk- 
wSrdig ist es, dafs gerade die hier beschrie- 
bene Modification des Pulses , dem einfachsten 
Fieberzustandtt entspricht. Wir betrachten 
ferner I dals in jedem, selbst im einfachsten 
Fieber das Gemeingefuhl getrübt worden ist, 
dfirfen also vermuthen, dafs zwischen beiden 
Umständen ein wichtiges Wechselverhältnifs 
Statt finden müsse« Wir hofien zu beweisen^ 
da£s das Gemeingefühl auf eine doppelte Weise 
Veränderungen unterworfen sey, dafs dem- 
nach die Circulation in den Kranzgefafsen des 
Herzens entweder beschleunigt oder retardirt 
werde , und dafs es demgemäfs überhaupt zwei 
groise Hauptfiebergattungen gebe. 

4) Magen» Geht die Beschleunigung der 
Grcnlation Tom Unterleibe aus, so sind wer- 
fen der grolsen Menge und Ausdehnung der 
hier gelegenen Organe, sehr. mannigfaltige Aby> 
weichangen möglich, welche sich indefs, je 
nachdem die Reizung von einem Organe, des- 
sen Yenen in die Pfortader iibergehen , oder 
Ton einem aufserhalb dem SauchfeÜ geleger 
nen Organe ausgeht, zunächst von einander 
unterscheiden. Wäre der Magen und der obere 
der dünnen Gedärme die ursprüngUcI^ 
Theile, so wird in der 4« coronariß 
vaarieuü zuerst Acceleration des Blutumlaufes 
bedingt, welche, wie ich beiläufig eriqnere^ 
ihre Wichtigkeit als erster Zweig der A. cotm^ 
Saca dadurch documentirt, dafs sie oüf statt 
aas dieser letztern , unmittelbar aus der Aorta 
entspringt. Zu gleicher Zeit mufs ebenfalls 

B 2 



— 20 — 

betchleuiiigte BeweguBg sich im Rom» dacin^ 
dui» der A. hepatica tnanifestiren, so dafs der 
der Leber eigenthämliclie Ram. ascendtns des- 
selben Gefäfses Terhältnirsmärsig nur weniger 
Blut erhält; auf gleiche Weise vrird linker 
Hand der A. UenatU^ Tor ihrem Eintritte in 
die Milz, durch die A. breves^' so wie durch 
die A. gastro " epiploica dextra ein grofserTheil 
des für sie bestimmten Blutes entzogen. Dieses 
Verhältnifs wird aber um so gewisser eintreten, 
je mehr in dem hier angeführten Falle die er- 
sten Zweige , welche die nach den obern Un- 
terleibsorganen sich rerbreitenden Arterien- 
mtämme abgeben, dem Magen angehören , un- 
ter diesen Umständen gelangt nämlich eine 
Yerhältnifsmäfsig nur geringe Bluti^enge in 
diejenigen Zweige, welche unterhalb dem 
Sitze der Beschleunigung gelegen sind, -^ 
wogegen diejenigen Aeste, welche über dem- 
selben aus dem Hauptstamme abgehen , fort- 
während die ihnen gebührende Blutmenge in 
sich aufnehmen können. — Einleuchtetid ist 
es, dafs durch alle diese vereinigten Um- 
stände , das Blut der jf. codiaca mehr für die 
in der Mittellinie des Körpers gelegenen Un- 
terleibsorgane verwendet werden müsse; daher 
das Gefühl von Wärme in der Herzgrube, die 
reichlichere Absonderung von Magen* Darm-^ 
und pankreatischen Saft, so wie vermehrte 

Seristaitische Bewegung im obern Theile des 
^armkanals; dagegen Anhäufung der Stoffe 
int untern Theile desselben, welchem theils 
durch die v^rhältnifsmäfsige Entziehung des 
•rteridlea Blutes, theils durch den Mangel 
Miifes wichtigsten Incitaments, der Galle, de- 
MB Absonderung "Wegen gleichzeitiger Unfhä- 
Ittbit » te ^Leber und Milz gestört wird. 



.* 1 



- 21 - 

die nolhige Reactlonskraft abgeht, — )Fast 
alles vorn Magen und Duodenum zurückkeh- 
rende Blut ergiefst Stch in die Pibrtader , und 
zwar die V* gastro'eqiploica sinUtra und die 
Viiuu brwMM ausgenommen, welche sich tie« 
fer einmünden, zunächst nach oben, unmit« 
.telbar in den Stamm der Ffortader. Dadurch 
wird, verbunden mit der eigenthümlichen 
Structur der in einer Menge von Ramificatio- 
nen sich Terzweigenden Ffortader, eine Be- 
schleunigung des venösen Blutumlaufes in der 
Leber , ziemlich unabhängig vom arteriösen, 
möglich gemacht, die Vena cava durch di# 
sich in sie einmündenden V. hepaticae eben« 
falls zn raschern Bewegungen sollifcitirt, und 
durch dieselbe ein gröDserer Vorrath von Blut 
in dem untern Theil des gemeinschaftlichen 
Biotadersackes der Hohladem, dicht an der 
rechten Vorkammer ausgeleert. In Folge die- 
ser Veränderung mufs nothwendig 1) die freie 
Entleerung der V. cava suptrior erschwert 
werden, indem sie wegen des mächtigem An- 
dranges von unten , das in ihr enthaltene Blut 
nicht ▼ollkommen auszutreiben vermag. Beint 
höchsten Grade des Blutandranges nach den 
Organen der Oberbauchhöhle erfolgt 2) die 
Eodeerong der V, iHacarum ebenfalls nicht 
vollständig, weil der nöthige Impuls des ar- 
teriellen, nach den untern Extremitäten ge- 
henden Blutes, durch die zu reichliche AI>- 
IriHtng desselben nach der ^. co%Uaca ge« 
schwärt wird. Mithin wird die rechte Vor- 
kammer mit Blut überfüllt , während ein gro- 
Jser Theil der arteriellen Blutsäule, von oben 
herab, gegen das linke Herz renitirt. Der 
jiämliche Druck findet zwar auch, von oben 
hiwab, gegen die rechte Vorkammer Statt, 



-=♦ 22 — 

aber mit dem Unterschiede, dafs derselbe fort- 
während durch den Impuls des ans der K« 
Cava ascendtns anslromenden Blutes überwun- 
den wird. Der rechte ^ Ventrikel wird daher 
von vielem Biule ausgedehnt, während der 
linke, der eine lastende Biutsäule zu tragen hat, 
nur wenig Blut in sich aufnehmen kann. 
Nothwendig mufs unter diesen Umständen der 
Fuls klein , häufig und breit werden , indem die 
Arterien der Diastole näher als der Systole, 
die Contractionen des Herzens nur in sofern 
erwiedern, dafs eine allgemeine Bewegung 
des Blutes nach vorn entsteht. 

5) Leber, Wird in diesem Organe durch 
irgend eine Reizung die Circulation beschleu- 
nigt^ so wird durch die Leberarterien eine 
grofse Menge von Blut in die Jjebervenen ge- 
bracht , und dadurch zunächst die Entleerang 
der Pfortaderzweige erschwert, und ein reich« 
lieberer Zuflufs nach den Gallengängen be- 
dingt; dahervermehrte Absonderung der Galle. 
Uebrigens walten im Allgemeinen die bereits 
angeführten Umstände ob, nur mit dem Unter- 
schiede, dafs die Entleerung der V» ea9a sum 
perior nicht in gleichen Grade erschwert wird ; 
daher ist der Puls häufig ^ nicht so breiig aber 
i^o//er und gröfser. ' 

6) Milz, Die ^. litnalis ist gewöhnlich 
der weiteste Zweig der A. eoeUaca^ und ihr 
Hauptstamm breitet sich mit zahllosen Aesten 
in der Milz aus. Die Yenen dieses Organs 
gehen durch die grofse f^ena lienalis unmittel- 
bar in die Pfortader über , deren Stamm diese 
zugleich mit der V. mesentenca magna erst 
bildet. Die Aestchen der Schlag - wie die der 
Blutadern der Milz, zeichnen sich durch au- 



1 



— 23 — 

fserordentlicli gro&e Weichheit aus , und sind 
zugleich im hohen Grade' ausdehnbar. Diese 
Vorrichtung scheint um so uttlhiger zu sejn, 
da die A. litnatis mehr als jeder andere Stamm 
der Am cotHacOj dem Drucke des Magens aus- 
gesetzt ist, unter welchem sie neben dem 
Pancreas liegt; wenn nun der angefüllte Ma- 
gen auf den Stamm der Milzarterie drückt, 
so rermag das Blut aus derselben nicht mit. 
der nothigen KraÜ in die Milz einzudringen, 
noch weniger aber yermögen die dünnen und 
weichen Gefafse derselben^ nach so gtofser 
Beschränkung ihres natürlichen Reizes, und 
bei mangelndem Impulse ihres Hauptgeiafses, 
das eingedrungene Blut durc]^ sich hindurch- 
zutreiben, welches sich demnach anhäufen, 
und jene Gelafse mehr oder weniger ausdeh- 
nen mufs. Höchst interessant ist die Art der 
Verbreitung, welche in den letzten Veräste- 
lungen der Milzarterien Statt findet, indem 
jedes einzelne Hauptstämmchen derselben, sich 
gegen sein Ende in einen Büschel neben ein- 
ander liegender Gefafschen ausbreitet, welche 
unmittelbar mit den Anlangen der Venen com- 
municiren. Wie man leicht einsieht^ mufs 
die unendlich feine bäumformige Verbreitung 
der Gefafse in einem so zelligen Organe, eben- 
falls die Anlage zu Hindernissen des Kreis- 
laufes begründen , indem das in ihnen bewegte 
Blut unaufliörlich seine Richtung verändern 
muls. — Wird nun in der Milz aus irgend 
einer Ursache der Biutumlauf beschleunigt, so 
müssen die so weichen Gefafse dieses Organs 
sehr bald in hohen Grade ausgedehnt werden, 
und allmählig die Fähigkeit verlieren, das 
in ihnen enthaltene Blut durch eigene Thä- 
ligkeit weiter zu bewegen. Während dem 



34 — 



/«««- 



dringt .aber fortwährend dorcli die Hauptstam«* 
me ein neuer Blutstrom heran , durch dessen 
heftigen Impuls das Blut aus den kleinsten 
Arterien bis in die venösen Gefalüse getrieben 
wird, jedoch unter stets vermehrter Ausdehnung 
der letzten Arterienenden. Dennoch wird in 
der Milz 9 durch die längere Dauer einer et« 
was besclileunigten Circiüation^ Ausdehnung 
und Erschlaffung der Gefafse, und durch die- 
selbe eine gewisse Trägheit im Blutomlaufe 
sehr leicht begünstigt werden müssen. Der 
Tuls ist daher häufig, aber oft in der StUrkt 
verändtrHcli , eine Abweichung, welche die AI* 
ten als pulsus deficiens bezeichneten^ nnd die 
sich dadurch charakterisirt^j dafs der im Gan- 
zen grofse und entwickelte Puls von Zeit zn 
Zeit kleiner wird, und sich dann wieder hebt; 
je nachdem nämlich in den kleinen GefaJGi* 
netzen in der Milz vorübergehende Stockun- 
gen entstehen, oder wieder beseitiget wer- 
den. — Die Erfahrung zeigt diese Modifica- 
tion des Pulses häufig in der Hypochondrie 
und verwandten Krankheitszuständen. 

7) Die Übrigen im Sacke des Bauehfüb jr^ 
tegenen Organe. Der grofste Theil dieser Or- 
gane erhält sein Blut hauptsächlich aus Zwei-- 
gen der A. mesaraica superior^ welche dicht 
unter der A. eoeKaca den Stamm der Aorta 
verläfst; fast alle in dieser Gegend des Kor- 
pers verbreitete Blutadern strömen in die V. 
portae ein. Durch beschleunigte Circulation 
in der Unterbauchhohle ^ welche sich wegen 
der . zahlreichen Anastomosen , die zwischen 
den A» intestinaübüs und ihren bogenfonnigen 
Ver2we]gung.en Statt finden , und sich im Ar^ 
CUM meitntericui major wiederholen, — immer 



- 25 - 

sehr weit ausdehnen murs , entsteht ein sehr 
bedeutender Andrang des Blutes nach der Pfort- 
ader, und durch diese eine eigne Art von 
Bandipulsation. Da ferner, wegen der aufser- 
erdentiich grofsen Entwickelang, und wegen 
der rielfadhen Verbindungen der Gefafse in 
diesen Theilen, mit benachbarten Gefäfsstäm- 
men sehr viel Raum Torhanden ist, so wird 
ein sehr rasches Einströmen des Blutes noth* 
wendig gemacht, so dafs der Puls ganz be-- 
sonders beschleunigt wird; aufserdem ist er eher 
Hein und neigt sich zum härtlichen. Die Milz- 
und Leberarterien können sich nämlich nur 
unToUkommen ihres Blutes entledigen, weil 
das Blut in der V. tienalis von dem stürmisch 
bewegten Blute der P^* mesenterica abgehalten. 
ygvird , in erforderlicher Menge in die Pfort- 
ader einzuströmen I wogegen in der Leber die 
i^. hepaiicae durch das heftig andringende Blut 
der Ffortaderäste fortwährend ausgedehnt, dem 
Slute ans den ^. hepaticis einen nur sparsa-* 
men Zugang gestalten. Der Fortgang des Blu- 
tes in den Stämmen der ^, hepatica und /<€-' 
nolis wird dadurch erschwert, so dafs yon der 
jim toäiaca aus die Blutsäule in der Aorta ei- 
nen bedeutenden Widerstand erfährt. Es er- 
klärt sich auf diese Weise das Härtliche im 
Falsa y bei heftigem Andränge des Blutes, 
(aber bei noch freier Circulation) , nach den 
genannten Organen. — « Um ein Grofses rer- 
schieden sind die Erscheinungen, wenn der 
Mastdarm und das Colon descendens den Sitz 
der Reizung abgebeli, denn diese Theile er- 
halten ihr Blut aus der j1, mesaraica oder me- 
scnicrjcn inferior ^ dem vorletzten unpaaren Zwei- 
ge der Aorta , dessen EinfluTs auf die Herz- 



— 26 -^ 

thätjgkelt erst nach begonnener Stockung %re- 
merkbar zu werden beginnt« 

8) Genitalien. Da dem Blate aus der Aorta, 
durch die spitzigen Winkel, unter .welchen 
die ^. spermaticae internat yon derselben ent- 
'^springen , so wie durch den Verlauf dieser Ge- 
fafse aufserhalb des Bauchfells» das EinstriS- 
men in jene aufserordentlich erleichtert wird, 
und aufserdem diese Gefaijse durch ihre lange 
gestreckte Richtung dem Blute einen sehr 
freien Durchgang gestatten, besonders aber 
weil die AfiPectionen dieser. TJbieile vorzugs- 
weise das Gemeingefiihl afßciren, ; — finden 
wir^ dafs die Rückwirkung derselben nach 
dem Herzen, sehr bedeutend ist, und dafs die- 
selbe Ton einem häufigen ^ grofsen und starken 
Pulse begleitet wird. 

Diese Beispiele mögen hinreichend sejm, 
um eines Theils zu beweisen , wie nothwen- 
dig eine genauere Berücksichtigung der Ge- 
fafsyerbreitüng in den einzelnen Organen zur 
Beurtheilung der in ihnen sich äufsernden 
Krankheitszustände erfordert wird; Ton der 
andern Seite aber, darzuthun, wie unzurei« 
chend diese, Von den blofsen Yerbindiingea 
der Gefäfse , und von dem blofsen Zusammen- 
hange derselben abgeleitete, specielle Angabe 
der Reaction des Herzeiis in jedem einzelnen 
Falle ist, sobald man dabei den Einflub der 
Nerventrhätigkeit und das allgemeine Verhältik 
nifs der Organe zu einander übersieht. Es 
sind hier so unzählige Umstände zu beachten, 
dafs man nur auf sehr verwickelten Wegen 
zu bestimmten Resultaten gelangen kann ; da- 
her möge das hier angedeutete Verhältnifs der 
von melirerea Hauptorganen abhängenden Mo* 



— 27 — 

dificationen des Pulses, als ein blofser Ver> 
such angesehen werden, die Schwierigkeiten 
dieser ganzen Untersuchung, so wie der aus, 
einer blols einseitigen Behandlung derselben 
resultirenJen Mängel, näher zu bezeichnen. Ich 
wage es jetzt, auf einem weit yerwickeltern 
Wege weiter zu gehen! 

Nähere Bestimmung der Ursachen der he» 
' Mchleunigten Circulation* 

Gehen wir auf die allmähUge Entwicke* 
lang der Organe zurück, so finden wir in je- 
dem derselben, je nachdem das Evolutions- 
geschaft in ihiü gerade am Yorwaltendstön ist, 
vermehrten Blutandrang, und dadurch mehr 
oder weniger beschleunigte Girculation. Wir 
bemerken ferner, dafs der im gesunden Zu- 
stande naturgemäis häufigere Puls, immer ei- 
nen Zustand bezeichnet, ^der den Uebergang 
Ton einem früher dagewesenen Verhältnisse 
XU anderweitigen Veränderungen bildet, dafs 
er mithin dem Wechsel von gewissen Bestim- 
mnngen der Lebensthätigkeit , folglich dem dei* 
Art nach wechselnden Gleichgewichte in der 
Gesammtheit der Organe zunächst eigenthüm* 
lieh ist. — Die Gesammtheit der Organe 
entspricht der Einheit der Lebensthätigkeit. 
Diese letztere ist es also , welche das Wachs- 
thnm der Organe, und ihre während dessel- 
ben allmählig wechselnde Präponderanz ver- 
mittelt, indem sie, nach den uns unbekann- 
ten Gesetzen des Gattungscharakters, ohne das 
Gleichgewicht zu unterbrechen, bald diesem, 
bald einem andern Organe, eine gröfsere in- 
nere Wechselwirkung , einen vermehrten Ein- 
flufs auf das Ganze gestattet; wodurch noth- 
wendig die Wechselwirkung gerade dieses 



— 28 — 

Theiles mit der Aufsenwelt, ebenfalls in glei* 
chem Grade vermehrt, und das Wechselyer- 
bültnifs des ganzen Körpers in -vielfacher Hin- 
sicht verändert werden niufs. Denn indem 
^die innern quantitativen Verhältnisse des Orl- 
ganismus umgeäudert werden , mufs die Tota-* 
Ütät dieser Verhältnisse, die Lebenseinheit» 
i|n welcher die Gesammtheit der Organe gegen 
die Aufsenwelt reagirt, quaJitQtiv umgestimmt 
werden : weil nämlich die Functionen des Or- 
ganismus ihre quantitativen Beziehungen ver- 
ähdern, tritt das Leben mit seinen einzelnen^ 
dem Grade nach veränderten Kräften, den un- 
verändert bleibenden quantitativem Verhältnis- 
sen in der Aufsenwelt gegenüber, und bedingt 
dadurch ein gänzlich verändertes Wechselver- 
hältnifs mit der letztern, welches sich nur 
durch qualitativ umgeänderte Lebensäufseron- 
gen manifestiren kann« 

Demnach zeichnet sich, wenn durch die 
normal verlaufende Entwickelung des* innern 
Lebensprozesses ein Organ eine gröfsere Wjk- 
hungssphäre erhält, dieses Verhältjnifs durdk 
sehr bestimmte Merkmale aus: Das Organ 
wird nämlich 1) durch noth wendige ,^ in der 
Lidividualität des Lebensprozesses liegende Be- 
dingungen , mithin ohne Störungen in den Le- 
bensäufserungen zu begründen, zu lebhafterer 
Wechselthäligkeit mit der Aufsenwelt aufge- 
fordert. 2) Aus diesem Grunde gesellt sich 
zu der zunächst von innen bedingten quanti- 
tativen Umänderung, eine entsprechende qua« 
litative Umstimmung der Lebensäufserungen^ 
durch welche die erstere fortwährend ausge- 
glichen wird , indem ein einseitiges Ueberwie- 
jen einzelner Funktionen ^ durch die gleich- 



- 29 - 

zeitig über das Ganze sich verbreitende Ver- 
änderung unmöglich geinaclit wird. 3) Daher 
-wirkt das Gemeingefühl auf Organe zurück, 
deren inneres Wechaelyerhältnifs selbst erst, 
die jetzt von ersterem ausgehende Reaction 
bedingt hatte , vermag dem gemäfs in keinem 
einzelnen Theile eine dem Ganzen widerspre- 
chende Stimmung zu begründen. 

Ganz anders verhält es sich dagegen, wenn 
durch ursprünglich äufsere Bedingungen ein 
Theil vor den übrigen in vermehrte Thätig- 
keit geräth. In diesem Falle mangeln näm- 
lich die innern Bedingungen, welche in der 
£ntwickelung des Lebens selbst begründet, 
das Yerhältniis der Organe zu einander, auf 
die Weise hätten gestalten können, dafs die, 
ursprünglich nur von einem Theile vermittelte 
gröfsere Thätigkeit, mit einer normal erfol- 
genden, ihr angemessenen Reaction der Ge- 
saountheit der übrigen Organe, verbunden 
gewesen wäre. Derjenige Theil, in welchem 
die Aufregung Statt findet, kann daher, wenu 
dieselbe einzig und allein von aufsen bedingt 
-worden war, nur auf Unkosten der übrigen, 
-rermehrten Thätigkeit äufsern; diese wird von 
der Gesammtwirkung der übrigen Organe we- 
nig oder gar nicht unterstützt, kann folglich 
überhaupt nur unvollkommen seyn , und wird 
oline gehörige Energie geschehen. Quantita- 
tive und qualitative Veränderungen, welche 
im gesunden Organismus sich gegenseitig aus- 
gleichen und hervorrufen , bleiben hier gleich- 
sam isolirt , und wirken als nachlheilige Reize 
auf den gesammten Lebensprozefs ein; denn 
die Ausgleichung . der einzelnen Thätigkeiten 
durch die Einheit des Lebens , wird zwar 



-wo- 
nach den ionefb Gesetzen desselben yersacht, 
läfst aber, da das MifsYerhältDifs der einzel- 
nen Tbätigkeiten unter einander, von aulsen 
bedingt worden war, eine Differenz zi^rück, 
durch welche das Gemeingefiihl getrübt wer- 
den, und das Gefühl Yon Störung und Ki^ank-^ 
/heit hervorgebracht werden mujb. 

Nach diesen Angaben weirde ich jetzt, 
übereinstimmend mit den Aussagen der Er- 
fahrung, die Umstände anzugeben Sachen, 
welche örtliche Beschleunigung des Blutnm- 
laufes theils begründen, theils verändern, nnd 
ihr Verhältnifs zum 'Gemeingefühl ^ und durch 
dasselbe zur Herzthätigkeit überhaupt bedin* 
gen, dazu mögen folgende Beispiele ijÜenen: 

1) Beschleunigung der Grculation durch un^ 
mttdbcren Einflujs der Aufienwßlt auf die äufsere 
Körperfläche. Da die Hautgefafse un4 die ü^ 
der Haut verbreiteten Nerven durch unzählige 
Anastomosen und Uebergänge ipit einander 
verbunden sind, so verbreitet sich fast jede 
äulsere Reizung, wenn sie nicht mit über- 
mäfsiger Gewalt auf einzelne Stellen einwirkt^ 
in einem grofsen Umkreise, zunächst übe;:, die 
benachbarte Hautfläche aus. Allgemeine Be^ 
schleunigung der Girculation erfolgt dah^r erst 
nach längerer Zeit, oder ist wenigsten^ zu 
Anfang unmerklich; indeni bei den zahlrei- 
chen Verbindungen zwischen den Gefärsnetzen 
der Haut, so v^e bei der übereinstimmenden 
Tendenz der in ihr sich verbreitenden , in deir 
vielfachsten Verbindung unter einander ste- 
henden peripherischen Nervenenden , die Af- 
fection des Gefäfssystemes sich immer weiter 
ausdehnen kann, ohne dafs die Herzthätigkeit. 
in Anspruch genommen würde,^ Bei vermehr* 



.^ 



— al- 
ter Thätigkeit der Gefafse in einem Theile 
der Haut, werden dieselben am leichtesten 
durck die benachbarten Hautgeföfse mit Blut 
versorgt, während gleichzeitig jede differente 
Stimmung des Gemeingefühls, durch die in^- 
mer allgemeiner werdende Vertheilung und 
Ableitung des Reizes über die benachbarten 
Haatnerven unmöglich gemacht wird. Nur 
"wenn sich die Einwirkung über das ganze 
oder über den grSfsten Tl^eil des Haute rga^s 
2U verbreiten anfangt, oder an der nämlichen 
Stelle unaufhörlich erneuert wird, erfolgen 
Reaclionen der Herzthätigkeit, welche aber» 
bei sehr allmähliger Steigerung der äufsern 
Einwirkung, wegen der gleichförmigen SoUi- 
citation yon der Peripherie aus gegen das Ceq- 
trum, ebenfalls sehr regelmä£sig zu sejn pfle- 
gen. Auf unzähligen Punkten wird der Un^- 
lauf des Blutes beschleunigt, während gleich- 
zeitig, durch die nur aUmählig gesteigerte 
Nenrenthätigkeit, die Energie der Gefaise eben* 
falls zugenommen hat ; daher der grofsej starke^ 
mäfmg btschleunigte Puk^ bei gleichförmiger 
Erregung des Hautorgans. »- Triffi dagegen 
ein heftig eindringender Reiz mit grofser Ge- 
VFalt auf einzelne Stellen der Haut, besonders, 
yneua nach Entfernung der Oberhaut die letz- 
ten Nervenenden entblöfst worden sind, und 
die Integrität der unterliegenden eigentlichen 
Haut beeinträchtigt wurde, so entsteht in den 
meisten Fällen gleichfalls ortlich beschleunigf- 
ter Zuflufs des Blutes, aber durch die widrigen 
Gefühle in dem yerlezten Theile zugleich unmit- 
telbare Reaction des Gemeingefühls, und dadurch 
häufiger y an Häufigkeit irruner zunehmenda- P.uls^ 
welcher mit der Empfindung einer klopfenden, 
pulsirenden Zu- und Abnahme des ochmer-i 



— 32 — 

269 In dem afficirten Theile yerbanden ist. 
In den meisten Fällen nimmt auch die Stärke 
eines solchen Pulses allmählig zu , der sich 
überdiefs dadurch auszeichnet , dafs der Pals 
■ auf der leidenden Seite^ besonders in der Nähe 
der leidenden Stelle vibrirend ist, so daÜi nätn- 
Heb , sowohl Systole als Diastole , in mehre- 
ren rasch auf einander erfolgenden Oscillatio- 
nen geschehen, eine Eigenthümlichkeit , wel- 
che ihren Grund in der grSüseren Esctensität 
des Kreislaufes in dem ursprünglich gereizt 
ten Organe findet. Die unmittelbar dordi An- 
steckung entstehenden chronischen Exantheme, 
welche sich sogleich im Hautorgane festaetzeni 
wirken wegen der im Allgemeinen sich gleich 
bleibenden Affection, nur im Anfange, und 
bei jeder Steigerung des Uebels merkUch Ter* 
iyidernd auf den Fulsschlag ein. 

2) Verhähnifs im Pulses hü krankhaftsn Ter- 
Minderungen in der Haufflächtf die von inmrn J?6» 
dingungen abhängen. Diese Affectionen lassen 
sich auf zwei Hauptklassen zurückfahren , je 
nachdem sie nämlich durch allgemeine, rasch 
auf einander folgende Prozesse im ganzen Or- 
ganismus entstehen, oder nachdem sie erst 
nach vielen langsam auf einander folgenden 
Veränderungen im Innern, sich in der aolserh 
Korperfläche manifestirem •— Im erstem Falle 
ist ein merkwürdiger Gegensatz zu betrach- 
ten : Entweder ist die alles höhere Leben be- 
dingende Ursache, die thierische Wärme, mehr 
in dem Mittelpunkte des Körpers concentrirt, 
oder mehr in den äulsern TheUen wahrnehm- 
bar. Eine nothwendige Folge des erstem ist 
Terminderte Empfindlichkeit der Hautnerven, 
aber zugleich rel^Ure Bescluränkung der Le- 

bens« 



— 33 -. 

bensspfcäre auf eine geringere Menge Ton Orr 
ganen. Dadurch wird noth wendig der Gegen- 
satz der innem Theile zu den äufsern im lio^ 
hen Grade yermehrt, indem die letztern, ge« 
wiasarmafsen als relalive Aufsenwelt, unmit-i 
telbar auf die innere Lebeussphäre zurückwir-^ 
ken. Der Blutumlauf selbst, mithin die Be-> 
dingung zur Wärmeerzeugung, wird ebenfalls 
um so mehr beschränkt, je enger das Blut in 
den innem Organen zusammengedrängt, und 
in ihnen angehäuft worden ist. Auf diese 
Weise mnfs die innere Trennung im Organis-' 
mos, die unmittelbare Annäherung der Aufseiv« 
\pvelt an den Heerd des Lebens und Geinein« 
gef&hls , dem letztern ' immer fühlbarer weiv 
den, und «war als allgemeiner Gegensatz der 
"Wärmei den Repräsentanten des Lebens, ge- 
gen die jetzt überwiegende Aufsenwelt, mit«- 
liia als Kälte und Frost. Der Ptda ist wäh« 
rend desselben sehr fdeuif dabei aufserordmtüch 
hibi/ig und Sflers oussttztnd , indem nämlich dijS 
Thätigkeit des Herzens auf das heftigste sol- 
licitirt wird, während die Bedingungen für 
di« innere Energie desselben mangeln» Er- 
Teicht der Blutandrang nach den innern Or- 
ganen den höchsten Grad, so wird der Pula- 
•chlag wegen des unverhältnifsmäfsig auf dem 
Herzen lastenden Drucks klein , und zugleich 
langsam während des Frostes, eine Modifica- 
tion, welche Brendel mit Unrecht als Norm 
auigestelU hatte. 

Durch diese, während des Frostes, im 
Blotunilaufe bedingte Veränderung, werden 
die ättbern Theile nach den Gesetzen des Ge- 
meingefiihls unaufhörlich wieder angeregt, und 
dadurch ihre herabgesunkene Lebensfi^gkeit 
Joun. LX. B« 5. Si. C 



^ 34 — 

gesteigert. So entsteht endlich Hitze, und mit 
ihr eine mehr gleichförmige Yertheilung des 
Blutes y indem dieses jetzt , mit etwas gdtenem 
doch immer noch häufigen , grofsen^ sdir ent- 
mckelten^ zu Anfange vollen Pulse ^ durch die 
Arterien hindurchgetrieben wird. Das allge- 
meine Gefühl von Hitze entsteht in diesem 
Falle offenbar daher, weil während des vor- 
ausgehenden Frostes, die Wärmecapacität der 
Hautnerren bis auf den höchsten Grad gestei- 
gert worden war ; woraus dann folgt, dals die 
Empfindung der Hitze so lange zunehmen 
müsse , bis die Wärmecapacität der Nerven, 
auf ihr normales Verhältnifs zurückgeführt 
worden ist. Hat die Wärme ihren höchsten 
Funkt erreicht, so erfolgt Schweifs, indem die 
Gapacität des Blutes für fremdartige, zur Aus- 
scheidung bestimmte, in demselben während 
des Frostes zurückgebliebene Stoffe, mn so 
mehr abnehmen mufs, je kräftiger und leben- 
diger die Nerven auf die Blischung desselben 
reagiren. Der Puls wird dann noch etwas 
langsamer^ gröfser und ivellenfömdg {p\ undosifijj 
indem die eigenthümliche Reizkraft des Blu- 
tes für die Arterien , der natürlichen Stimmung 
immer mehr genähert wird. — Folgt auf voran- 
gegangenen Frost, trockne Hitze ohne Schweifs, 
so pflegen gewohnlich viele andere Symptome 
einzutreten , die auf tiefe Störungen im 6e~ 
meingefuhle hindeuten und beweiseh, dafs 
während des vorgängigen unter diesen Um- 
ständen innormalen Froststadiums, ein oder 
das andere edlere Organ bedeutend gelitteii 
haben mufs. Je nachdem diese Störung in 
Entzündung, oder mehr in einer nervösen Af- 
fection besteht, erfolgt dann Anhäufung und 
Stockung des Blutes in einem Theile, odet 



— 35 — 

QiiToUkoiiiilijma Blutmischung , mitbin -grofse 
Venninderuiig seiner . organischen Capiicj]^, 
dagegen vermehrte Capacität für fremdartige 
Stoff», welche mit den natürlichen Bestand- 
theüeii des Blutes, in ^Iner ansicheineiM oft 
gans normalen HCschuDg sich Vereinige^',' '-^ 
Man sieht leicht ein, dctfs init den gehörigen 
Nebenrücksichten , die hier mitgetheilten An- 
gaben, sich der Lehre yoh den acuten Exan^« 
themen ebenfalls anpassen lassen. 

Entsteht nach einem mehr beschränkten 
innern Leiden, welches entweder als der Rest 
einer allgemeinen Affection zurückblieb, oder 
von Anfeng an sich sehr allmählig in einer 
einzelnen Lebenssphäre entwickelte; und da- 
lier Ton geringerm Einflüsse auf das^ 6anze 
blieb, '— eine Häutaffection ^ so ist diese letz- 
tere dnrch einen langen Zeltraum, Von 'deir 
Bildnng des sie begründenden innern Leidens 
gescfaiäen, und zugleich mangeln die allge** 
xneinen Beactionen, durch welche sich acutis 
Zustände auszeichnen. Daher lassen sich auch 
die Ton dem Erscheinen' des äufsern Leidens 
abhängenden Veränderungen des Fulses, theiis 
^wegen der lungern Dauer, theiis wegen Axtt 
nnrollkommnern Reactioh, nicht immer mit 
Bestimmtheit angeben. . Die Erfahrung lehrt 
indessen , dafs in der Begel der Puls, ^nach 
der Erscheinung eines äufsern Leidens , durch 
welches eine chronische innere Krankheit ge- 
mildert wird, freier wird, und das Härtliche, 
Gereizte, was ihm früher eigentliümlich war, 
Terliert. Dieses Verhältnifs wird noch mehr 
einleuchtend, wenn das äufsere Leiden zufal- 
lig, oder durch Verschlimmerung des ihm zu 
Grunde liegenden innern Zustandes, yermin- 

C 2 



V _ 36 — 

derl wird, üiclem der Fals dann Mglii 
Miharn Eigenschaften wieder annimai 

3) Bachlaaügung da Piüsa bdi 
-dtn iwurer Organe. Jede Gehirnaffeeti 
wegen der au&erordentlich sahlreicbi 
.Tenrerbindiing mit dem Plexus corctiaci 
che am unmittelbarsten durch den Ik 
iliacuB hngus , nach dessen Anastomc 
Zweigen des N. vaguM^ erfolgt , fuH 
telbar nach dem Herzen reflectiri 
Dasselbe Verhältnils läfiit sich mehr i 
aiger von allen übrigen Organen nscl 
ist aber, wie aus den Torhei^ehendst 
kutigen sich ergiebt, von dter gleick 
Betrachtung der in äuTsern TheilenA 
denden Veränderungen kaum zu trsM 
bereits yersuchte allgemeine Schema a 
her auch dieser Untersuchung zu Gm 
legt werden. In wiefern aber bei B 
kungen in einzelnen Organen, oder b 
dernissen des Blutumlaufes in andera, 
fsrn endlich, sowohl bei mehr enCsfiai 
als bei Nervenkrankheiten, ebenfalls Ä 
nigung des Pulses möglich ist , und n 
dieselbe in jedem einzelnen Falle uBfa 
det , — das kann erst nach Tielen B 
tungen und Untersuchungen angedeal 
den, zu denen ich bis jetzt nur seU« 
f enhttt gefimden habe. 



i 



— 37 ^ 



U. 
Die 

Heilknnde unsererZeit 

und deren Bedürfnifs. 

Von 

Dr. Anton Friedrich Fischer, 

ilM am JCönigl. Joiephinisoh. 8lift und dtr dindc 
▼•rbnndtnen adlichen Enitbangt • Anitalt 

lu Dreidtn« 



Uit tiefe Rnhe und der ungestörte Frieden^' 
dem lieh die Uedizin in Betracht eines an- 
•nrncshdosen Forschens und Tornrtheilsfreiea 
Untmndiensgegenwärtig zu erfreuen das wahr« 
haft adtena Gliick geniefst , kann nicht anders 
•b segensreich auf £e Praxis einwirken. Trug« 
sitie und Irrlehren systematischer Schöpfun- 
im philosophischer und nicht philosophischer 
AfCp scheinen nicht mehr die Kraft zu be« 
litten, sich einen geltenden Anhang zu ver« 
icfaafE^n. Das ernste Bemühen und der rege 
Eifer, die Geschichte der Medizin gründlich 
sa Studiren, gab uns das grofse und mächtige 
Verwahningsmittel gegen Rückfall in Befan- 



-i. 38 — 



genheit ; j& sie nur war es i die es Eiiiselneii 

gar sehr erschwert, sich der öffentlichen Mei- 
nung ferner bemächtigen zu können. So yielo 
und geistreiche Versuche der geniellsten Ko- 
pfe als die Geschichte auf die Nachwelt liber^ 
trug, so mannichfaltige Bearbeitungen eines 
und desselben Gegenstandes führten allmäh- 
lidi dahin , neu hervortretende Theorien durch 
Vergleichungen baldigst bBurtheilen und sei«» 
bigen gröfstentheils eben so bald das Original 
als längst yorhandene Urkunde des mensch- 
lichen Wissens aus dem geschichtlichen Ar- 
chive der Vorzeit entgegenstellen zu können. 
Wer den wissenschaftlichen Gang, die son- 
derbaren oft ganz entgegengesetzten Richtun-* 
gen betrachtet , von denen aus man Iiiicht zu 
Terbreiten sich bemühte, wird mit mir ein- 
verstauden seyn, dafs es selbst den ideenreich- 
sten Köpfen unmöglich wird^ einen bisher 
noch nicht eingeschlagenen Weg auszuspü- 
ren. Alles hat sich an der Medizin versucht, 
nicht nur die periodisch gefeierten philosophi- 
schen Systeme, sondern auch Mathematik^ 
Chemie und Alchymie, Physik und Astrolo- 
gie, ja si^lbst die Theologie und ganfe vorzüg- 
lich die Mystik und der Obscurantismus be- 
mühten sich^ von Zeit zu Zeit sieh der Me- 
dizin zu bemächtigen , um ihr wieder die frü- 
her inne gehabte Stellung in den Tempeln 
und unter Obhut der Priester anzuweisen. 
Sonach darf es uns nicht wundern, wenn wir 
sie bnld in der Nähe der Gottheit, bald in 
den Händen der Weltweisen , ' und dann wie- 
der plötzlich und unerwartet in den Armen 
der Empiriker , ja selbst der Adepten erblicken. 
Schien sie doch bestimmt zu seyn, heut ver- 



— 39 — 

gültert und morgen profanisirt zu werden, 
diente sie doch selbst im goldenen Zeitalter 
Frankreichs noch als StolT, um den Witz ei- 
nes JMbfieres zur Kurzweil der Wüstlinge gel^ 
tend SU machen. 

Yermuthenwir demnach nicht ohne Grund, 
dab ein jetzt Torzugsweis begünstigtes Stu^ 
dium der Geschichte der Arzneikunde , unse- 
rem Geiste eine solche Richtung zu geben 
geeignet sey^ yermoge welcher er schwerlich 
geneigt sejn dürfte, sich von neuem in Fes- 
seln schlagen zu lassen , so ist in der That 
schön dadurch unendlich- viel gewonnen. Ge- 
wonnen, indem wir vornrtheilsfrei zu beob- 
achten fähig werden, und uns hierdurch in 
Stand gesetzt sehen, die Resultate unserer 
Erfahrung mit denen der Vor- und Mitwelt 
zu rergleichen« Gewonnen^ indem wir uns 
immer mehr und mehr überzeugen^ dafs ein 
beharrliches Bemühen die sinnlich wahrnehm« 
baren Aeufserungen der gesammte'n Natur auf* 
zufassen und ein ausdauerndes Studium des 
erkrankten menschlichen Organismus, einzig 
geeignet sind, unser Wissen zu bereichern. 
— Unabhängig von den Lehrformen aller Zei- 
ten, sehen wir nun endlich die Erfahrung als 
Idol aufgestellt, ihre Erhebung und allgemein- 
ne Anerkennung verdrängt die Autoritäten und 
VernunftbegrifTe der Sterblichen, denn sie ruft 
uns laut und vernehmlich zu, dafs nur ihr 
der Thron gebühre. — So gehörte denn eine 
Folgereihe von Jahrhunderten , ja von Jahr- 
tausenden dazu, um endlich mit Gewifsheit 
zu ersehen, dafs wir unfähig sind, die Natur 
zu construiren und nie dahin gedeihen köu- 



— 40 — 

nen , um die Heilkunde auf ein umunslSJIsli* 
ches wissenschaftliphes Prinzip - zurück zu brin« 
gen, Auüser Stand, die Gesetze des Lebens 
zu erspähen, ist es denkbar unmöglich je« 
xnals ein allgemein gültiges System der Medi- 
zin aufstellen zu können. — Thronet dem* 
nach die Erfahrung siegend auf den Triimmern 
der Lehrgebäude von beinahe Zweitausend 
und Vierhundert Jahren, überlebt sie triam- 
phirend die Schöpfungen der hellsten und geist- 
reichsten Köpfe, prangt sie mit den Trophäen, 
nach denen die Weisen der Vorwelt Ter|(e- 
bens trachteten, sieht man nur ihr Bild auf 
dem Altare im Tempel der Wahrheit aufge^ 
stellt ; — so wird der denkende und fühlende 
Mensch recht tief ergriffen ; er erkennt die 
Nichtigkeit des Bestrebens der ErdensShne in 
die Geheimnisse der Natur einzudringen, er 
wird genöthigt zu bekennen, dafs nur Eifah-« 
r ung der höchste Standpunkt ist , den die Arz« 
neikunde zu erreichen fähig zu seyn scheint. 

Das , rege und höchst lobenswerthe Stre* 
ben genieller Köpfe , die Medizin zur Wissen- 
schaft zu erheben, diese hohe, alles begei- 
sternde Idee wird demnach für immer ein 
frommer Wunsch, ein köstliches aber imer- 
relcbbares Ziel bleiben. Sprüht auch hin und 
wieder ein wahrhaft origineller Gedanke, blitzt 
ein mächtiger geistiger Funke, der alles zu 
entzünden, alles in Feuer und Flammen za 
setzen geeignet scheint, im Gehirn derer auf, 
denen alles hell und klar ist, so dürfen wir 
ihnen nur zurufen : legite veteres et vidthitisj hatc 
omma olim adfulsse! und nur zu bald sehen 
wir selbst die glänzendsten Geistesprodukto 



— 41 - 

an der Geschichte der Medizin tchei- 
ern, eher und beror sie noch sich an der 
irsneikunde selbst zu versuchen fähig waren. 
Bd einem so einleuchtenden Mifsglücken spe- 
cnlatiTer Philosophie, als die Ergebnisse der 
jüngsten Zeit uns vor Augen legten, kann es 
nicht fehlen , dafs selbige zu neuen Versuchen 
sieht emiuthigen , und dennoch wird jeder ge^ 
bildete Arzt es sich nicht verhehlen, dafs es 
wahrhaft traurig um die Arzneikunde stehen 
würde, sollte sie lange der Fbilosophie als 
einzig sicheren Führerin entbehren. Denn so 
dringend wir gegenwärtig und nach so stür^ 
mischen Auftritten, als Brownianismus und Na« 
turphilosophie erregt haben', in der That der 
Ruhe bedurften, um die Stimme der Natur 
Gehör zu schenken, um zurückzukehren zu 
einer vorurtheilsfreien Beobachtung, eben so 
gewüb ist es auch, dafs wir nicht berufen 
sind , einzig und allein Erfahrungen zu sam« 
mein, um selbige jenen anzureihen, die seit 
undenklichen Zeiten gesammelt und aufgehäuft 
wovden sind, auch uns nicht bewogen fühlen 
können uns einzig mit den Kenntnissen zu 
begnügen, die uns die Erfahrung darbietet, da 
der technische Theil uns unmöglich als den- 
kende Wesen für immer zufrieden stellen 
kann. Und dennoch ist es so und nicht an- 
ders, das Hinneigen zur Empirie wird in neue- 
ster Zeit immer fühlbarer, und ist eine natür- 
liche Folge der Entfernung der Vernunftbe- 
griffe und der daraus zu entlehnenden Schlüsse. 
— Doch auch hier sollte uns die Geschichte 
der 'Medizin belehren, die uns deutlich be- 
weist, dafs Empirie allmählig wieder dem 
Dogmatismus das Feld räumte oder sich in. 



i^ 4a ^ 

endlose Beobachtungen und Versuche , in, em 
hirnloses Dahinbrfiten verlieren inub! ^^ Wahr 
und zur Genüge bewiesen ist es jedoch , dais 
unser praktisches Handeln am Krankenbette 
rein empirischen Urspruhga ist, und je nach* 
dem es von gebildeteren oder minder gebilde- 
ten Aerzten ausgeübt wird , rationell empi- 
risch oder grob empirisch ist, und muthmaXs- 
lich immer bleiben wird. Dieses ist e|n Er* 
fahrungssatz der nicht abzuleugnen ist, aber 
er ist von höherer Bedeutung als wir denken, 
er ist entscheidend. Er beweist uns zuvor* 
derst, dafs alle Schlüsse a priori , alle kühnen 
Versuche speculatlver Philosophie direct kei- 
nen günstigen Einflufs auf die Ausübung der 
Medizin äufserten, da bekanntlich, nur jene 
Aerzle amr Krankenbette mit glänzendem £tr- 
folge auftraten« die mit Hintansetzung ihres 
theoretischen Glaubens nach Grundsätzen der 
Erfahrung aller Zeiten verfuhren. Er findet 
ferner in der Geschichte der Medizin seine 
volle Bestätigung) welche uns zeigt, daia jene 

Seistige Würdigung der Arzneikunde, wdche 
avon ausging, dieselbe idealistisch auf Prin- 
zipien zu gründen, die die Erfahrung nicht 
anerkennt, und die von derselben nach eigO;- 
ner Willkühr abstrahiret wurden, die Arz* 
neikunde nur scheinbar erhoben, um sie in 
eine um so crassere Empirie zurückzuwerfen. 
Daher man mit Fug und Recht sagen kann: 
in arte medica omnia in orbem redeunt^ semptr 
ludus antiquus novae methoda accommodctus l 
Schlaget nach in den Annalen der Geschichte, 
immer folgte auf Dogmatismus grobe Empirie. 
Scheint es demnach mehr schädlich als er- 
spriefslich^ der Arzneikuude durch hyperspe- 



— 43 ^ 

dilatiTO Fhiloaopliie aufbelfen zu lyoUen , ^ to 
bewiesen wir unserer Seits mit gleich trifti-r 
gea Griinden, dafs ein rein empirisches Be- 
handeln derselben ein, wenn auch minder 
schädliches I denn doch auch vernünftig be- 
trachtet, sehr werthloses Unternehmen sey, 
da einmal aufgehäufte Massen vAn Erfahrun- 
gen chaotisch auf einander gehäuft ein sehr 
bedeutungsloser Schatz sind, und andernmals 
(hier offen gestanden) die Erfahrungen der 
Aerzte oft genug im grellsten Widerspruch 
stehen und höchst relativ sind, da sie theils 
Ton der Wahrheitsliebe, theils von der Beob- 
achtungsgabe und dem Scharfblick der Öbser- 
yatoren abhängen. 

Yftüt es demnach einzig die rationelle Em- 
pirie der wir, wie früher erwähnt, den glück- 
lichen Erfolg in Ausübung der Kunst zqzu- 
schreiben verpflichtet sind, so concurriren hier 
Vernunft una Erfahrung in gleicher Masse, 
und so gewifs selbige die praktisch werthvolle 
philosophische Heilkunde darstellen, so laut 
sprechen sie auch für die Unzertrennlichkeit 
beider, und zeigen uns , dafs keine für sich 
allein sich des Vorrechtes zu ermächtigen fä- 
llig sey. — Der Anerkennung dieser Behau- 
ptung kann kein Widerspruch entgegengestellt 
werden, er würde so zu sagen nur äufserlich 
und anscheinend seyn, denn die Richtigkeit 
springt Unbefangenen von selbst ins Auge und 
ist selbst im Innern des Gemüths derjenigen, 
deren Mund sich noch weigert sie auszuspre- 
chen , zugestanden« Ja es ist nicht zu küliit 
zu behaupten , dafs wenn diese Dispussion in 
einem allen Aerzten offen stehenden Forum 



-» 44 - 

r 

Terhanddl trurde, ihr lauter Zuruf glur hM' 
die wenigen Stimmen ersticken würde, di» 
noch gegen eiiie sich aufdringende lYahtheit 
eich zu erheben wagen woUten. 

Philosophisch, das heifst logisch -riditig, 
mufs demnach die Heip^undö bearbeitet wer« 
den, unser DenkTermogen soll die empirisch 
aufgefafsten Naturerscheinungen sowohl als die 
Ergebnisse unserer Versiicl^e prüfen, ordnen 
und auf allgemeine Prinzipien zuriickzuliiliren 
trachten« Sie soll das Wahre von dem Schein- 
baren trennen, soll mit der Fackel der Ver-» 
nunft die dunkelsten Stellen zu beleuchten 
sich bemühen^ soll die Ausbeute, die unsere 
sinnlichen Wahrnehmungen zu Tage gefordert 
haben, durch Induktion oder analogisch in 
eine systematische Ordnung zu bringen seh 
beeifern. Nur ihr Objekt darf sie nicht aus 
den Augen yerlieren, nicht bei Seite aatien, 
was wir er&hrunssgemäfs erkannt haben, nicht 
a priori darf sie die Begriffe entlehnen , nicht 
von sich aus darf sie ihre Constructionen un- 
ternehmen, nicht in Spitzfindigkeiten, inendU 
lose Speculationen sich verlieren, nur nach 
Einheit trachten , nicht aber sie schon von def 
Vernunft aus aufgefunden zu haben meiaeo. 
Nicht unyerständliche und mystische "Wotim 
darf sie uns statt klare Begriffe au&tellen. 
So verfahrend wird ihr Werth, ihr nner« 
setzbarer Einflufs, dankbar anerkannt wer- 
den müssen. Unentbehrlich bleibt sie uns, 
aber — nur bedingungsweise! Eben so wie wir 
Jenes empirische Handeln, das im blofsenNadi-» 
ahmen und rohen Versuchen besteht ^ dem 
kein vernünftiger Begriff zum Grunde li^t, 



-. 45 ~ 

w#lch68 das Gepräge des Stuxnpfsiiines an der 
Scirne tragt, ohnmogUch und trotz dem, dals 
selbst auf diesem Wege auch Entdeckungen 
gemacht, auch B«*eicherungen für die Arznei- 
kande erworben werden können , zu rechtfer« 
tjgen Termogen. 

Gestanden wir früher, dals wir darüber: 
daCi die Arzneikunde dereinst noch zu einer 
apodiktischen Gewifsheit gelangen , und dann 
alles enipirische Wissen entbehren könne, ge- 
wissen Zweifel hegten; glaubten wir aus der 
Geschichte der Medizin Beweisgründe genug 
für nnsere Meinung aufgefunden zu haben, so 
ist doch auch nicht zu vergessen, dafs ein 
UMermüdetes Bestreben , Entdeckungen im Ge- 
biete der PhTsiologie zu machen, ein Benm- 
hen, das unserer Zeit so sehr zur Ehre ge- 
veicht, denn doch noch weiter führen kann, 
als wir Tom Standpunkt unseres Wissens ge- 
fanwärlig zu beortheilen ermächtigt sind. Nicht 
wahrscheinlich , aber möglich ist es , nur ahn- 
den können wir, dafs iq unserer Erfahrungs- 
Wissenschaft das ErkenntniTsvermögen der Sterb- 
lichen noch weiter vordringen, dafs es dann 
dem Späherauge der Hellsehenden gelingen 
dSrfte, ihren Blick tiefer in die Werkstätte 
der gdieimnüsVoUen Natur zu senken. 

Es wird demnach ein verdienstvolles Un- 
ternehmen bleiben, wenn sich genielle Kopfe, 
acharfrinnige Denker dazu bestimmen , der Me^ 
disni eine mehr wissenschaftliche Bichtung 
SU geben , wenn sie von Zeit zu Zeit die von 
der jSrfahrung aufgefundenen Materialien ord* 
Ben , sie unter gewisse Gesetze zu bringen und 
eiB harmonisches Ganze aus ihnen zu bilden 



- 46 - 

Sich bemubenr Die Philosophie sejr nxA\ 
der Bildner und Ordner, sie gewahre 
Licht und Aufklärung , nur führe sie uni 
auf Abwege , erhebe uns nicht in - die "^ 
nen übersinnlicher VernunftbegriiTe. 

Und wie erhebend, wie mächtig 
fend wirkt nicht der Impuls, der tob 
Philosophie auf die sich in niedern 
bewegende Kunst ausgeht, reizt er nie 
willkührlich zu grofserer Thätigkeit, iit#' 
mehrtem Eifer an ? ^^^ Würden wir nÄf 
den Untiefen der Empirie untergehen i 
in die schädlichste Einseitigkeit verfalleOf 
sie ' uns nicht aus dem dumpfen 
aus unserem mechanischen Wirken 
würde nicht bei uns eine wahre Ideenhi 
noth eintreten, wenn wir nur auf Erfa 
kenntnissen ewig ruhen wollten? Wir 
den dann der Wissenschaft Hohn si 
da die Philosophie die einzig wahte 
Schaft ist. 

Wie beeinträchtigend würde enSiA 
fehlender Reibung, bei mangelndem TT* 
Spruch, bei gänzlich fehlender wisse 
eher Opposition eine solche Windstille 
Arzneikunde selbst wirken, würde nidrt 
gemeine Erschlaffung die nothwendige 
seyn?! Möge es demnadx der Geschieht 
Medizin gelingen , uns für Zeit und Z 
£u witzigen, möge ein yorurtheilsfreies 
sehen und ein unbefangenes Deuten des 
gefundenen unsere Schritte leiten, 
uns Teutschen namentlich gelingen, dieK 
pen der bodenlosen Empirie eben so "vriijl 



-*- 47 -p 

einer IiTperspecuIatiyea Plulosopie äogstlicK eu 
Yermeideu! * ' 

Die Nachahmuiigssucht, die uns Teutschen 
leider so eigen ist, der wir nicht falschlich. 
beschuldigt Yrerden , müssen wir allen Ernstes 
entsagen, wenn wir nicht den Warnungen 
der Geschichte ohnerachtet in jene 1^'ehler rer- 
fallen .wollen, die aus sträflicher Sucht die 
Lehrmeinungen anderer Nationen ungeprüft 
anziinelunen der Menscliheit so grofse Opfer 
gekostet haben. Um ihre Manen zu versöh- 
nen, sind wir gewissenhaft yerplliclitet , uns 
iur den Rückfall in ähnliche Sünden sorgfäl- 
tig zu hüten ! — Noch immer haschen wir 
begierig nach den Geisteisprodukten des Aus- 
landes, und so löblich als diese Wlfsbegierde 
im Ganzen ist, so .tadelnswerth bleibt doch 
die Anglomanie, die uns noch immer beherrscht ; 
mit wahrhaft unerklärlicher Vorliebe werden 
selbst die bedeutungslosesten Ueberlieferungen 
der englischen und der auf ihren Schulen ge« 
bildeten amerikanischen Aerzte auf teutscl^en 
Boden übertragen. 

Der Ernst und die Ausdauer, mit der die 
Teutschen die Wissenschaften, und nament- 
lich das Studium der Medizin betreiben, wel- 
che letztere wir nicht blofs oberflächlich be- 
handeln, uns nicht damit begnügen, eine en- 
cjclopädetische Kenntnifs davon zu erlangen. 
Die höchst umsichtige und gewissenhafte Aus- 
übung derselben, bei welcher wir jedes ge- 
fragte Experimentiren, jeden zweideutigen 
Versuch sorgsam vermeiden. Unser planmä- 
fsiges , schulgerechtes und yorzugsweis nur auf 
gründliche Heilung berechnetes Verfahren. Die 



— 48 ^ 

Genauigkeit,, mit welcher -Mrir bd oi 
diagnostischen- Untersuchungen mit 
düng unnützer Subtilltäten und lädu 
Nuan^irungen zu Werke gehen, üod 
lieh, das in allen Theilen übereiosi 
auf Diät und Regimen , auf Geist und 
gleichmäfsig angepafste therapeutiscliB 
dein, das sich durch ein vroh^gere^dtei 
thodisches Durchfuhren, durch höduta 
stimmtheit und wahrhaft exemplariscbe 
der aus unsern gröfstentheils toi 
Offizinen bezogenen Arzneimitteln so 
lieh und eigenthümlich auszeichnet; Uj 
les berechtigt uns zum SelbstvertraWi 
dem Glauben, dafs wir^ vom Anslaib 
keiner Leitung und Führung mehr 
Vielleicht wäre es sogar an der Zeit, 
endlich von uns entlehnte, was ihm 
hen und zu mangeln scheint. ImnMr 
Austausch der Ideen und wechselseitigo^l 
kehr zwischen den Gelehrten aller Lii 
Geisteskultur eben so dringend erfo 
bleiben, als es der freie HandelsrerkflU 
das Wohl aller Staaten ist«- Nie darfib" 
gierde nach Bereicherung, nie die 
Uchkeit für Annahme fremder Entdc 
und wissenschaftlicher Berichtigungea tt] 
erkalten oder gar erlöschen. Gleicher T 
eifer mufs uns fernerweit beseelen, A^^ 
Auswahl müssen wir bei Ueberpfiaiixtii({ 
rarischer Gegenstände verfahreui 8ieiiici|ff 
Prüfung auf Treue und Glauben aiioi' 
sie nicht in teutschen Flugschriften, 
in die Hände der ungebildeten Aerzte 
gut, als in die denkender Kopfe 
sofort ausposaunen f ohne dabei die aSC 



— 49 — 

tden n. s. w. hiiuragefHgt zu haben. Lesen ww 
nicht oft, wie die freyelhaften heroischen Ku* 
len englischer y schottländischer, inländischer 
und amerikanischer Aerzte, ihre tollkühne An- 
wendung des Merkurs, des Opiums , der dra« 
stischen Laxirmittel , ihre gewifs höchst Ter« 
werfliche Anwendung des so hitzigen und ia 
▼ielfacher Beziehung schädlichen Terpenthin*. 
ob bei Puerperalfiebern , ja sogar bei ofTenba-«- 
rer Mttriiis und PeritonUii uns ohne alle Ab« 
mahnung, ohne alle Bemerkung ad margintm^ 
ja ohne ein »gnum exdamationis mitgetheilt 
werden?' Mag Clima und Lebensweise bei 
diesen Insulanern und in der neuen Welt diese 
Handelsweise rechtfertigen, was jedoch noch 
sehr in Frage steht! wir Teutschen dürfen 
sie nicht ungestraft nachahmen. 

Auch Terdient wohl in Tielfältlger Bezie« 
limig unsere unverkennbare Vorliebe für neu 
entdeckte Arzneimittel und deren übereilte Auf- 
nahme in unserm Arzneischatz eine besondere 
Erwähnung« Sind selbige von hohem Belange, 
iiillen sie fühlbare Lücken aus , so sei uns ihr 
Erscheinen willkommen. Allein, wie selten 
ist dieses der Fall « wie oft sind sie nicht ganz 
entbehrlich, überfüllen unsere Officinen, ver« 
drängen die noch nicht sattsam erprobten äl- 
terea Mittel, veralten und verderben , weil sie 
selten verordnet werden , und — kommen un- 
erwartet wieder in Vergessenheit. Wahrhaf- 
tig, wer nicht mit wenig Mitteln zu heilen 
versteht, wird es mit vielen nicht erzwingen ! 
Sind wir doch mit der älteren Materia medica 
noch nicht aufs Reine. Und wie harmonirt 
dieser Drang nach neuen Heilmitteln mit der 
allgemeinen Stimme, die sich so laut und ver^ 
nehmlich für möglichste Vereinfachung des 
Joum. LX. B« 3. Su D 



— 50 — 

Heilplans und für Anwendung miodef xua 
mengesetzter Formeln ausspricht^ die ei " 
^hne Grund tadelt , dafs selbst in 
Meisterformeln ein chemischer Unsion 
Gleichen herrscht, da sich hier die tc 
denartigsten Bestandtheile . oft decom] 
so dafs man nie mit Bestimmtheit zu 
sein yermag , was denn eigentlich hier 
fen; oder dort, geschadet hat. Der^aigli 
Natur in ihrem Bilden ist einfach, einfiKlJI 
und w&r die praktische Handelsweise |it> 
und glücklicher Heiikünstler , und soNfVl 
das quo simpüduif eo melius das Lo9W|VM'| 
teutscher Aerzie. Die Homöcmathiker, 
empirisches Verfahren nur in dieser 
dereinst .verdienstlich werden kann» ifim 
keinen Stoff zu ihren Arbeiten findest ^\ 
den nicht auf Extreme gerathen seyn, 
wir., uns früher einfacherer Heilproct 
fleifsigt hätten. 

Da endlich in einer Erfahtungswifl 
die Akten nie geschlossen werden koBBOt*] 
ist es Wohl auch hoch an der Zeit, sttl^\ 
leichterung des Studiums der Heilknnda 
Tision mit unsern ärztlichen CoUectaneH 
zustellen , um nur das Klassische, l/fahü 
Verbürgte in Auszügen auf die Nach^^ 
übertragen, die, wenn nicht (was Gott 
hüte!) barbarische Jahrhunderte i^iseie 
schon strotzenden und überfüllten BibU 
abermals vernichten, ganz auTser StanJT 
dürften, dermaleinst die Masse der 
Literatur, flüchtig zu übersehen , gesdil^ 
au studiten. 



•^ 51 - 



"*•■■•«■*■ 



in. 

§ 

Ein Beitrag zur Kenntnils 

d o t 

Wiener Kinderkranken -Instituts, 

Miaat wftrdigen Yoritahert 
det 

K« K. Sanitätsraths Hrn. Dr. Goelisy 

und 

MinM therapeutischen Verfahrens in den am 
häufigsten dort vorkommenden Kinder- 
krankheiten. 

Vom 

Kreisphysikus Dr. Th. M. Brosius 

au «Sceinfurt. 



Ich hatte ein volles Jahr lang j|4f das Glück 
nicht nur den täglichen Ordinationen im Kih«* 
derkranken • Institut des Herrn Dr. Gotlls bei- 
sawohnen, und ein halbes Jahr hindurch selbst 
das Ordinations-Buch zu fuhren, sondern inuch 
in sein Haus eingeführt zu seyn, und ihn auf 
einer Reise nach Baden , und bei yerschiede« 
nen kleinen Ausfahrten zu Kranken in der 
Stadt, zu begleiten. Ich bereitete mir dem- 
nach bessere und dauerndere Gelegeuheit, die« 

D2 



— ö2 — 

ses lierühmte Institut und seinen hocbgeehrten 
Vorstand kennen zu lernen, als der jüngere 
Oslander, der in seinen y, Nachrichten von fplen, 
Oegenstände der Medizin ^ Chirurgie und Geburts- 
hülfe betreffend^** ein ungenügendes tJrtheil, d. i. 
nur eine Aussage darüber laut werden läfst^ 
während er nur in drei Ordinationsstunden, 
wie ich aus dem Munde des Hrn. Sanitäis- 
raths Dr. GoeUs selbst weils, sich in dem In- 
stitute sehen liefs ; und ich halte es für Pflicht, 
hier dem Publikum eine vollständigere und aus- 
führlichere Nachricht iiber da& in diesem In- 
stitut gewohnliehe Verfahren , lind gewils al- 
len Aerzten interessante, praktische Notizen 
über die Behandlung mancher Kinderkrark- 
heiten mitzujtheilen« ' , ' 

Wenn wir wissen, dafs das Kinderkran* 
ken* Institut ursprünglich keine Unterrichts - 
sonderii nur 'Wonlthätigkeits- Anstalt ist, iaus 
eigenem menschenfreunlichen Antrieb des, das 
Pach über alles liebenden Vorstehers gegrön-- 
det, und aus eigenen Bütteln,— ~ wenigstens 
bis in die letzte Zeit, und etwa mit einigen 
freiwilligen Beisteuern von Privatpersonen — 
unterhalten ; so begreifen wir auch , dafs ihm, 
der auf eigenem Grund und Boden schaltet, 
in seiner Ordinationsstube seine alleinigcr-Diar 
gpose , seine alleinige Ue)^^£zeugung der; liich- 
tigkeit seines therapeutiüi^be^ Verfahrens, ge-. 
nügen dürfe , und dafs die Auseinandersetzung 
eine» wichtigen Krankheitsfalles , so wia die 
£rlaubnifs zum Auscultiren schon selbst blofs 
Gefälligkeit sej, die denn auch allerdings zu 
dßA Eigenschaften des Hrn. Directors gehört,, 
d^r er aber, leider! nicht immer nachgeben- 
k^liUi. Denn bei einer solchen Menge kran-' 



~ 53 — 

ler Kinder, die hier allläglich Nachiiiilt/ig«. 
roD 2 bis 4 ja bis 5 Ühr, SoiiDta;;s aber Vor^ 
miUags von 11 bis 12 üiir — nämlich zu 40 
bis 6ü und mehr an der Zf-ihl — auf deu Ar<^ 
inen ihrer Müller oder Wärterinnen, zur .Be- 
liandlang gebracht werden, ist es dein Hrn. 
Dr. Coeiis j der sich übrigens bei ruliigern Ge- 
legenheiten gern mittheilt , zu seinem eigenen 
Verdrafs meistens nicht möglich » länger bei 
dem kleinen Patienten zu verweilen, als bis 
er, nach erhobener Diagnose, mit Namen, 
Wohnung, Datum der Aufnahme, mit deni 
Namen seiner Krankheit, und mit der Num- 
mer der Ordination , durch den Assistenten. 
in das Krankenregister eingetragen, oder, wenn 
er schon da gewesen, wieder aufgeschlagen , 
und bis das Recept selbst, durch einen zwei- 
ten Geliiiifen , im Ordinationsbuch vüllständig 
aufgelnhrt ist, worauf er dann mit dem Re- 
cept und mit den angemessenen diätetitchea. 
Vorschriften entlassen wird, und ein andei^r 
an die Reihe kömmt, — und das so fort, bis 
das Vorzimmer leer ist. Rasch hilft ihm seine 
bewundiernswürdige Gewandheit aus dem G&* 
dränge über Wegs, und mufs ilim Zeit ge- 
^vinnen für seine Privatgeschäfte. - Freilich 
nur sparsam fallen hier die Goldkörner^ wer 
es yersäamt sie aufzusammeln , wer es nicht 
versteht, beobachtend Unterricht eu nehmen, 
wo füglich keiner gegeben werden kann, der 
wird leer heimkehren, und wohl gar durch 
eigene Schuld verkehrte Ansichten über das 
Institut mitnehmen, und sich dann denselben 
gemäls, darüber äufsern. 

Es ist wahrlich zu bedauern , dafs das In- 
stitut nicht wirklich klinische Bilduugsanslalt 



— M — 

»t ; und dälii bei der Beschränkheit des Lo- 
kals fuglich nicht mehr als sechs bis acht 
fange Aerzte zugelassen werden können , die 
dann auch wirklich mit dem Direktor und 
zweien Assistenten , nebst dem hereingetrage* 
nen Kranken, das. Ordinationszimmer ausfül- 
len, so dafs dem Hrn. Dr. Godis nur wenig 
Raum zur frejen Bewegung übrig bleibt, wo- 
mit allein er sich dann auch, bei Anmeldung 
eines neuen Zuhörers, entschuldigen, und die- 
sen^ bis zum Abgang eines andern, oft zu- 
rückweisen mufs. Auiser dem Ordinations- 
zimmjßr ist nur noch ein grofseres Vorzimmer 
da, worin die Mütter mit den Kleinen auf 
Bänken sitzen, oder in der Reihe wie sie an- 
gekommen, gegen das Ordinationszimmer zu- 
gedrängt, stehen. -— Wie viele treffliche Kin- 
derärzte mehr könnten hier gebildet werden, 
bei der Ungeheuern Menge iron hier erschei- 
nenden Krankheitsformen , wovon auch ■ £o 
seltenste in einem Jähr sich wohl Sfters dar- 
bietet, und bei der, unsere höchste Bewun- 
derung erregenden tiefen Einsicht und 6e- 
wandheit des Vorstehers in dem schweren, 
und immer noch nur mangelhaft bebauetem 
Felde der Kinderkrankheiten ! 

Was ich in Jahresfrist an dieser raicben 
Quelle gesammelt habe — und was nämlich 
davon wiedergegeben werden kann , .-— was 
ich au praktischen Beobachtungen, meistens 
aus dem Munde des Meisters seihst, mir auf- 
gezeichnet — Bekanntes und Unbekanntes — 
wünschte ich in diesem vielgelesenen Journal 
treulich niederzulegen, und ich darf hoffen, 
nicht ohne einigen Nutzen^ besonders für meine 
Jüngern Amtsbrüder. Gewifs werden sich die- 



— 55 — 

igen 9 "vr eiche den Ordinationen des flrn. 
. Gffjefis beigewohnt haben , freuen , was tie 
der Quelle zerstreut gehört , auch yielleicht 
)tfrhort liaben, in einer gewissen, wenn 
ochiivill^ührlichen Ordnung, beisammen wie* 
er zu finden. Manchen , nur äufserst dürftig 
erscheinenden, ja mitunter fast nur namhaft 
gemachien Gegenstand ^ mögen sie durch ihre 
eigenen, darüber im Institut gemachten Beob- 
Mchtangen TerYollständigen. Aber auch mit 
diesem Wenigen glaube ich, bisher lioch die 
speciellste Ansicht der therapeutischen Yer- 
fahruDgsarl des Instituts gegeben zu haben, 
indem ich sogar absichtlich die dort gebrauch* 
lichsten Arzneiformeln mit aufgeführt habe. 

EiDgeschlichene Irrthümerin meinem dort 
geführten Tagebuch, darf ich nicht fürchten, 
indem ich dasselbe dem Herrn Sanitätsrath 
Godu bei meinem Abgang vorgelegt, und es 
Von ihm, mit völb'ger Beistimmung wieder 
erhalten habe. — 

Entzündliche Krankhtittn» 

Nach Hrn. Dr. Goelis Beobachtungen sind 
zwei Drittlieile aller Kinderkrankheiten in« 
flammatorischer Art; daher mufs man in der 
Kinderpraxis sehr behutsam mit reizenden 
Mitteln seyn, und öfters, besonders in zwei- 
felhaften Fällen, ein gelindes Verfahren beob« 
achten. 

Die hitzigen Fieber der Kinder halten ei- 
nen bestimmten Typus ein; die Exacerbatio- 
nen kehren zur bestimmten Stunde wieder, 
nur zuweilen etwas ante- oder post-poni- 
rend. 



- se - 

Bei entziindlicheii fiebern fiadei mikft ein: 
Torzttgliches Glänzen der Augen. 

Wenn bei entzündlichen Fiebern Wiit^ 
mer im Spiele sind, so kann man sicher an* 
nehmen, dafs im Verlauf der Krankheit, Ano* 
malien vorkommen. 

Pneumoniae Die Lungenentzündung der 
Kinder mulis man hauptsächlich aus dem Schmers 
beim Athmen und Husten , erkennen. — Die 

Sewohnliche Arzneiformel, hier und bei an- 
ern inflammatorischen Krankheitszusländen, 
ist folgende: JRec. Infusi et DecocU ana unc. 
y. *) Nitn pur. scrup. j. Oxpn. simpL unc. ß. 
ilf. Jb. S. Alle Stunden einen KinderlofTel voll 
zu geben. (Für ein zweijähriges Kind.), — 
Nach der Resolution wird Statt des Nitrum, 
rojxi Spirit. Minder, eine Drachme zugesetzt. 

Bei der Pneumonia rhachiticorjum gibt Goelk 
gern den Spirit. Minder, weil er eugleicH ein 
Wenig reizt , da bei dieser Krankheit die Bron« 
chien erschlafft, und mit Schleim angefüllt 
sind. -*- 

IVas Schäffer in seinen Kinderkrankhei- 
ten > Lungenlähmung nennt, ist nach Ooelis 
eine wahre Bronchitis , und nicht zu Moschus, 

*) Das I Infusam •t Decoctum ist : Infusum Rad, Li-' 
quirlt, und Decoct, Sem» Linif welche in der 
Leopolds «Apotheke, wo Aberhaupt fflr das Kiu- 
derkranken- Institut dispensirt wird, das allge- 
meine Vehikel, meistens fflr Arme, stets frisch 
Vorräthig gehalten werden müssen. — ^ Zahlen- 
de , d. 1. die keinen Armenschein beibringen, 
und deren auch viele hier erscheinen , die ole^ 
dicamente aber bezahlen müssen , welches un- 
ter dem Recept mit ^^Soloens*^ bemerkt v^ird, 
erhalten meistens Decoct, Alth* oder Salep^ wio 
et die Umstände erfordern. Anm* d. V* 



— 57 — 

soBdern m Blutegeln und Vesicatorien. über 
fie Brust, inufs man seine Zuflucht nehmen. 

jingina faucium» Goelis hat eigene Manier 
QBd -Fertigkeit, kleinen Kindern den Mund 
Ca offnen, um Mund - und Rachenhöhle schnell 
und Yoltständig zu besichtigen : er bringt spiä- 
leod den kleinen Singer zwischen ihre L<ip<- 
peQ und Kinnladen , und legt ihn auf die Zun- 
genwurzel, worauf alsbald ein momentaner 
cofutfuf vomendi entsteht, und der Rächendem 
andringenden Blicke weit aufgesperrt wird. 

So läist sich diese Angina durch Autopsie 
^kennen. Es findet auch leicht eine Neigung 
2am Brechen dabei Statt. ; — Beim Sitze der- 
selben aber tiefer im Oesophagus, halten die 
Kinder den Hals steif. 

Ahn soll, besonders bei catarrhaUscher 
Witternngs- Constitution, nie unterlassen, die 
Rachenhohle zu untersuchen, weil sonst ge- 
ynb oft eine Angina übersehen wird, 

Ist Entzündungslleber bei dieser Angina, 
so ^ird innerlich NUrum gegeben, wie vor- 
hin bei der Pneumonie bemerkt ist, sonst 
aber Spiritus Minderen* Rec. Infus, et Decoct* 
vd Decoct, Ahh, unc. iij, Spirit* Minder* veterm 
dap* drachm. j. Syrup. simpL unc, ß* — Da- 
bei wird der Hals warm gehalten durch Kräu- 
tersäckchen^ oder auch durch einen umgeleg- 
ten, mit Talg bestrichenen Lappen. 

Cynanche serosa. Geschwulst ist , wie be- 
kannt, zugegen, aber ohne Röthe. — Spirit* 
i, wie Torher. 



Inflammatio cavi oris. Innerlich Spirit. Min^ 
cbr. -• Sind Geschwürchen dabei: Rec Md. 



■» .» 



— M — 

Kosar, unc. ß, MuciU Sem. Cyion, iiflC>i 
Finselsaft. — Der Borax würde hierUi 
Entzüadung zu sehr reizen. 

Dentitio diffidlis. Sie gibt sich Nb| 
zu erkennen durch rosenrothe Farbe desT 
fieisches , welches sehr brc^it wird an dari 
wo der Zahn durchbricht. — 
Dention ist oft ein Ausschlag gegeni 
und bei vollsaftigen Kindern die AgIiohi-iI 
ben, nehme diese vorzüglich beim 
bruch plötzlich zu. 

Angina membranacea. Eine Anf^, 
bran. die mit dem Ausbruch der Tbif^J^ 
scheint, kann man spielend behanddii 
sie verläuft sehr leicht; erscheint sie 
der Btillhe ,' oder nach dem Ausbruch fa] 
lern, so ist sie sehr gefahrlich. -* 
mit jfngina tnunhran. daif man kaum eiail 
Stunde in einem fortschlafen lassen: 
halte sie in der Zwischenzeit durch 
Darreichen lauwarmer Getränke muiitift 

Wenn nach der Anwendung des 
in der Angina m. flüssige Stühle eiDtiM| 
jffiufs man damit etwas aussetzen, ^"^ 
es fort, so entsteht leicht Enteritis, ", 
Angina verschwindet, aber das Kinditf^ 
Rettung verlohren. 

Man sei auch in dieser EjanUvj 
dem Calomel, bei Kindern mit 
Anlage, nicht allzudreist, weil bei 
Anwendung desselben , ~diese Anlagt {> 
zur wit'klichen Scrophelkrankheit enti 
wird. — Die Behauptung von MfttCB 

•) Wahrscheinlich weil während dei ^•'jrr 
Exftudation begünstigt wixd. Au^^ 



-• 69 — 

seibt bit XU 120 Grao ohne Schaden gegeben 
XU Aaben, ist entweder erdichtet, oder wenig- 
itea$ übertrieben. 

Man hüte eich » den Kindern nach geho^ 
beaer Ang. mtmbr. zu früh Moschus u. dgl. 
xnr Besänftigung eines zurückgebliebenen 
krampflliaften Hustens zu geben: denn ist nur 
noch etwas Entzündliclies da, so wird leicht 
dadurch din Recidiv hervorgerufen ; besser ist 
es, das antiphlogistische Verfahren noch län* 
ger anzuhalten. 

Die Mittel gegen die j^ng. nu sind wie 
gewohnlich: Blutegel, Caloinel -— vielleicht 
alle Stunden zu 1 Gr. mit Zucklir, und daza 
noch Einreibungen aus Ung, Neapolit. ei AltJu 
ana an den Hals und in die obern Theile der 
Brust. — Dazwischen NUrum. — Brechmittel 
bei rasselnder Respiration , und Vesicatore. 

Das Vesicans, zur rechten Zeit gesetzt, 
Yerhindert noch am kräftigsten die TranssM- 
dalion. 

Als Brechmittel bei Kindern gibt Coelis 
überhaupt gern den Tart. stibiat. mit einigen 
Gran Salmiak^ in jdqua desiilL simph 

Die Hepar mlphuris ist nach Goelis in der 
Ang^ m, ein unwirksames, dazu ekelhaftes, 
sehr leicht Brechen erregendes Mittel, wer« 
über man die besseren nicht versäumen soll. 

jtng. membr, chronica. Dafs es wirklich 
eine j^ng, membr, chronica gil)t, welches bestrit- 
ten wird, davon hat das Institut etliche Er- 
fahrnngs- Beispiele aufzuweisen. ^) 

*) Im April 1817 wurdo daselbst ein Knabe von 
eiaem Jahr an Ang, msinbr^ behandele« den ich 



— 60 / — 

Inflammatio medullaM ipinaUs. ' Die; VivikA 
kenmarks- Entzündung der Kinder churakte- 
risirt sich ganz untrüglich durch folgende 
Symptojqfie: Gerade ausgestreckte Lage, des 
Korpers vom Kopf bis zu den Fiilsen, init 
iß%i an den Rumpf geschlossenen Oberarm^ 
wobei die Vorderarme etwas im EUenbogeu- 
gelenk, mehr aber im Handgelenk, beweglich 
aind, und so die Hand zuweilen hinauf bis 
an die Brust, selten auch bis in den Mund 
gebracht wird. Die gerade ausgestreckten 
Beine liegen ebenfalls fest an einander ge- 
schlossen; beim Versuch, sie auseinander zu 
bringen, schreit das Kind; so schreit es auch 
jämmerlich yor heftigem Schmerz , wenn man 
den Rumpf — an den Schultern gefafst — - 
vdn einer Seite zur andern bewegt. — Dabei 
nt grofse Neigung zum Abweichen« 

So sind die Symptome, bevor die £nt-' 
ziindung' höher zum Kopf hinauf steigt ; ge- 
schieht dies aber, so stellen sich Conyulsio- 
nen ein, uud die Diarrhoe läfst alsbald ztach. 

Die Behandlung ist antiphlogistisch; Mit- 
tel sind die gelindesten dilumtia. 

Cephalitis-Hydrocephalus acutus infantum *)/ 
Wenn ein Kind von Geburt an beständig un- . 

selbst verscliiedcne Mal in seiner Behtafäng 
besuchte« Nach dem gewöhnlichen Zeitraum 
der Krankheit verschwand die Gefahr, das Kind 
"Wurde wieder eans wohl bis auf die chtrakte- 
xistischen Zeichen des Croups» nämlich den, 
eigenthamlichen Ton bei der Respiration und 
beim Husten, welche dann, nach einer Andaaer 
von etwa noch 7—8 Wochen , anfingen allge« 
mach £u verschwinden» jinm» d. fC 

*) Ich nehme denselben — als entzündlich -^ aus 
der Reihe der Witseriuchten hierhen *- Wie« 



I 



— 61 - 

lOflikig schreiet, ^iel iiSst, einen stahlfarbig- 

^tmen Stuhl hat, und bei ausgestrecktem 

-Kärperi mit geradem Kopf da liegt, und mit 

dem Hinterhaupt oft ins Kissen reibjt; so kann 

man sicher annehmen , dals. ein Hydiocepha- 

Jus sich 'bilden trerde. ^) 

Nach folgenden Symptoimen erkundigt sich 
"\y bei Suspido hydrocephali acuti, beson« 
ders : Nach einem mürrischen Wesen , • ntich 
einem Widerwillen gegen Lieblingssachen, nach 
ofterm Seufzen, und Ilinstarren auf einen Fleck, 
nach ofterni Erbrechen. Auch eine vox nasa* 
iis gehört zu den Zeichen, und das Fehlgrei« 
fen nach einem Torgehaltenen Gegenstand, z. 
B. nach einer Taschenuhr, ist pathognomo- 
nisch. **) 

• 

Der Blick aber, die ganze Physiogno- 
mie und Haltung des hydrocephalischen Kin-« 
des, trügt den geübten Praktiker nie. ***) 

wohl die AbhandluDg des Hm* I3r. Coelis fiber 
den hitzigen WasserK.opf , seine ganse Ansicht 
Aber diese mörderische ^nderkrankheit darbie- 
tet, so fahre ich doch die folgenden Beobach* 
tuagen hier aof, meiner Ansicht getreu, alles 
c iFried^rzugeben , was ich in seinem Institute 
aufgezeichnet habe. jinm» d, V, 

*) Ich habe in dreien Fällen diese Beobachtung 
in meiner Praxis bestätigt gefunden — unter 
diesen bei meinem eigenen Kinde, einem Mäd- 
chen Ton 7 Monaten : es starb am Hydrooepha- 
Ins acutissimus , den GoelU auch den Wasser* 
schlag nennt. Anm. d. V^ 

**") Ich habe im Institut mehrere Sectionen an die- 
ser mörderischen Krankheit gestorbener Kinder 
beigewohnt, und einige selbst Torgenommen, 
muFste aber in allen Fällen die richtige Dia- 
gnose des Hrn. Dr. Coelis eingestehen. 

Anm, d, V* 

***) Dioiex Blick ist ganz eigenthfimlichy aber//fir 



— .02' — . 

Schüelles Schwinden des BaocIiM IbMt 
im hitzigen Wasserkopf gewifs nie; scton im 
Städio ir^ammationh ist auch ein grober Bauch 
in etlichen Tagen rerschwunden , und im 8ia» 
üö torpom ist dieses das sicherste Untetschei« 
dungszeichen des Hydtoetphalus acuiu» Yom 
3yp/a<s»'Mro der Leib meistens meteoristisch auf- 
getrieben ist. War der Bauch auch npch so 
grofs> so ziehen sich die Eingeweide so-seht 
gegen die Rückenwirbel zurück, dalSi man 
meint, sie seyen ganz verschwunden. 

Pie häufigste Ursache des Hydroeeph. ücuf. 
bleiben immer Contusionen des Köpft, Er- 
schütterungen des Gehirns durch Fall, Stofs 
etc», und Goelis forscht immer darnach. 

Schon bei Verdacht eines aufkpinnlenden 
hitzigen Wasserkopfs, kann man *zur Vorsicht 
Calomel geben, und die Brechweinsteihsalbe 
einreiben. 

Ueberhaupt ist das Calomel das voriüg- 
lichste Mittel in dieser Krankheit; man giebt 
es immerfort zum halben Gran alle Stunden 
oder alle zwei Stunden, auch alle drei Stun- 
den einen Gran , nach Umständen , und je 
nachdem man den stets verstopften Stuhl be- 
fordern wiU. 

den, der sich denselben durch Autopsie noeh 
nicht eingeprägt hat» schwer zu beschreiben x 
von der Schuher der Wärterin , worauf die ar« 
men Kleinen so gern den schweren JCopf legen^ 
komnnt er getrfibt zu uns herüber , zwar nicht 
schielend 9 doch einigermarsen falsch > und den 
Gegeusund worauf er gerichtet, nicht fisirend ; 
^r- etwa als wenn uns jemand ansieht mit ent- 
fernfen Gedanken , und liian sich den Nebel der 
Augen, und den gesunkenen Turgor des leid* 
TOUea AntUtses dasu denkt» Anm^ d^ V^ 



— 6S — 

Bei den kalten Kopfum^h^ägen, und beim 

Gaknucfae des Nknum im Stadio ifißammath- 

«r braucht man so besorgt nicht 2u seyn, 

VFOio man auch damit bis ins Stadium trang^ 

suJathnis herüberreicht, indem nach gesche« 

lieaer Ausschwitzung kein grofser Schaden 

mehr gestiftet werden kann. ^) 

Die im Stadio transsudatiords von Formey 
empfohlenen kalten Uebergiefsungen , oder das 
AoAiöpfeln der Vitriol -Naphtha, nützen nach 
Ootlis Er&hrungen nichts. 

Bei XXarrhoea ai£Uosa im hitzigen Was- 
serkopf, kommt es nicht leicht zur Trans- 
eudation. 

Gute Zeichen sind: wenn die Stühle ein-, 
mal anfangen wieder leichter zu gehen ; wenn 
die Kinder wieder Meister ihres Kopfes wer- 
den ^ d. h. ihn aufrecht halten, und nach al- 
len Richtungen beliebig bewegen können. 
Sehr gut ist es auch, wenn der (sehr lang- 
same) Puls, wieder regelmafsig und fieberhaft 
wird: es ist ein Zeichen, AsS& die Natur zur 
Resorbtion reagirt. 

^) Ich ehre die Erfabmnaen des hochverdienten 
aad nnvergefslichen LieErers aber alles. . Doch 
weifs ich 9 dsfs mancher bewahrte Praktiker^ 
auch nach eeschehener Lymphe -Ergiersang, ja 
selbst im Sudio der Länmang und des Tor* 

Sori, den Muth noch nicht gans fallen l^fst; 
enn tcbon bei Ann&herong dieser traurigen 
Katastrophe stehen nns noch die Mittel , wel- 
che die Nierenfunction su hriftiger Th&tigkeit 
erwecken — TorzflgUeh die Digitalis — nnd 

I'ene, welche das Lymphgeßirflsystem su leb- 
hafter Resorbtion anspornen ^ fortgesetzte nnd 
in FlaCs erhaltene Blasenaaee» und die^ Ein* 
reibung der Brcchwcinsteins«U>e — mächtig sur 
Seite Anm* d, VI 



^ 64 — 

Die Behauptung Yon Sauvagat ätJk bei 
den am Hydroceph. Verstorbenen , inuner um 
9Q mehr Wasser sich ansammele , je länger 
man die Leiche liegen lasse, ist nicht ge- 
gründet. 

Bruitkrankheiten unten chiedliehtr 

Art. , 

Tmm. ^) Bei ganz einfachem Huaten giebl 
Ca^U das Infus, et Decoctum^ mit 'ein'Paar 
Tropfen Laudan. liquid, und Ox^md wn^. Wenn 
er schlei:inig ist, oder nachher wird, so setzt 
er das Oxym. squUL statt des ' simpl» hinzu : 
Üec. Infus, et Decoct. unc. ij. Laud. üq. Syd, 
gtt, ij, Oxym- simph {squill,) drachm. (fV Thee- 
löffelweis. (Für ein zweijähriges Kind.) 

In langwierigem Husten, oder im catarm 
rhus neglectuSj protractuSy ist die DUcamara 
ein Yorzügliches Mittel. JRec. Infus, et Decoci. 
unc. üj. JExtract, Dulcamar, gr. x. Laud, liq, 
gtt. jj. Oxym. sirnph drachm. uj. Theeloffelweis. 
(Für ein zweijähr. Kind.) 

Bei einem langwierigen Hi^sten, mit schlech- 
tem riechenden Auswurf, Verordnete GoeWf, 
Putv. liquirit. und pulv. X]arhonum ana^ täglich 
ein Paar Mal einen TheeloJBTel voll beizubdn* 
gen. Nebst einen Thee von Liehen Jßlaadic. 
(Ein Kind von 4 — 5 Jahren.) **) 

TuS' 

ß) Ich glaube bemerkt su baben, dafs GoiUi vor 
der Behandlung immer jeder Krankheit, Wenn 
iie nicht dringend ist, einen sneleieh Statt fin- 
denden Husten j auch eine Diarrhoe , vorher be- 
ichwichtiget. jinm. d. V, 

**) Ich bemerke hier gelegentlich, dafa nur Kin- 
der bis SU 7 Jahren hier behandelt , und ik«re 
nicht leicht aufgenopimen werden. Awn^d^F. 



. - «* - 

TiUsU convüUha, Wenn dn Kind mit 
£eQchhu8ten in di^ Ordinationsstubö gebracht 
wird, so erkennt Gotiis seine Krankheit so- 
flekh am Gesicht ; wenigstens in den meisten 
fallen: Es ist etwas auffallend bläulich^ ge^ 
daosenes in der Physiognomie dieser Kran- 
ken, nnd sehr oft, besonders im dritten Stav 
diO| findet man änsgeschlagene^ g^ch wollene 
rothe Lippen n» dgl. — ^ Es ist diefs al](es 

Wühl eine Wirkung der heftigen Anstrengung. 

• 

Einem Anfall geht gewohnlich schon 5 —^6 
Minuten ein Krampf voraus , der die Kranke 
heit besonders kenntlich machte und bei dem 

gioikere Kinder denselben vorhersagen können» 

. ■ 

Beim. Keuchhusten bohren die Kinder 
«ibenfalla mit dem Finger in der Nase, wi^ 
bei Würmern. 

Kinder von einem Jahr mit Keuchhusten, 
sterben häufig während des Anfalls apoplek-' 
tisch, indem sie im Husten stocken; dasselbe 
gilt auch von dicken fetten Kindern. 

Kopfhffectlonen entstehen nach den Keuch«* 
husten selten, desto öfterer aber Herzerwei- 
terung, Erweiterung der groTsen Schlagadern; 
auch Kyphoms nicht selten» 

Qotli» behandelt den Keuchhusten gerade 
nach seinem jedesm^gen Charakter, als in*> 
flammatorischen , catarrhalischen , oder als rei- 
nen Krampfli ästen, und gesteht übrigens, daüi 
man cur glücklichen Behandlung, erst den ei- 
genthümlichen Charakter der Epidemie aus- 
müsse» 



BetmfieberlosenKeuchhtisten: Rec. Mosch. 
qpl« gTt i^^ Laud» pur, gr% ß. Gumnu ardb. 
Jonni*ÜfB«3.St« H 



terup» jm Sacch. alb. irachm. t/« — > FuW* in doSj 
vj. Alle drei Stunden eins. 

Die Belladonna rühmt GoeBs im Keuch- 
husten, nur muTs sie yorsichtig angewandt 
werden , es mufs reiner Krampf Statt finden, 
nichts inflammatorisches oder catarrhalisches 
jnigegen seyn. — Er wählt dann lieber die 
Jta<Ux Beiladonn. als die Herta ^ weil diese zu 
scharf sey. JRec. Rad. Beiladonn. gr. j* Xak» 
dan. pur. gr. ß. Sacciu alb. scrup. iv» Xidv. in 
dos. vüj. Morgens und Abends eins ; oder nach 
Umständen alle drei . Stunden eins , bis das 
Gesicht roth wird. — Zum Einreiben in die 
Magengegenfl folgendes: Rec. Spirit. aromat. 
unc. ß. Laud. liq, drachnu ß. m. d. — Auch 
folgendes: Rec* JSlectuar. anod. Püh. Rad. Bel^ 
ladorni. Laudan. liq. ana scrup. j. Gumm, itrab, 
drachm. üj. m. d s. Auf Leder zu streichen 
und auf die Herzgrube zu legen. — Als Thee 
braucht man : Ree. Herb. Alih. unc» j, &ynt. 
Dulcamar. Radic^ lAqmrit. ana unc. ß» d. 

In einer Epidemie im Jahr 1816 zu TYien 
zeigte sich das Pulv. Doveri^ in Verbindung 
mit Mmollientibus , sehr wirksam. Rec. Infus» 
tt Decüct. ana unc. iß. — Nitr. pur» gr, ä?» 
Pulv. Doveri gr» j — ij. Laud. liquid, gu» ij. 
Syrup. wnpl. unc. j. Alle Stunden einen Kin- 
derlöffel voll. (Zweijährig.) 

Die Einreibung des Tort, stibiat. im Keuch- 
husten ist grausam^ und meistens auch . un- 
nütz; im Falle dafs der Keuchhusten darauf 
ii^uch abnimmt, so verzögert sich die Recon- 
Yalesceuz solcher Kinder ungemein, vorzug- 
lich weil diese Einreibung auf lange Zeit al^ 
lea Appetit benimmt« 



^ VI ^ 



Wenn im zweiten Stadio der Timtf con^ 

^niUfta kein Fiebelr ^gegen ist, so vertragen 

die Kinder kalte Getränke sehr gut; sonst 

aber mufs man alles lauwarm nehmen lassen« 

Wenn beim Keuchhusten die Zwischen« 
räume der Anfiille nur einmal grofs^ werden» 
so nahet eich die Besserung schon , wenn 
auch die Anfalle selbst noch heftig bleiben. 

Nach dem Keuchhusten bleibt öfters ein 
langwieriger Husten zurSck; die Kinder wer« 
fen dabei eine Materie aus, als wenn sie 
PhMtti pubnonaäs hätten. Zu Zeiten werden 
sie wieder ganz davon besser, aber der Zu*« 
stand repetirt auch wieder. JRec. Rad* Salepm 
gTm aof. f. JDececi* unc. iV. Syrup. Diacod. uncj^ 
m. d. — Jlec« Rad. Alth. wie. j. Stip. ZJiJca^ 
mar. Mai. UquaU. ana unc. ß. d. $. Thee. 

Asthma periodicum infantum» Mec. üfotcA« 
fipU gr. ij. JUucü. Oumm. Arab. drafhm. y. Aq^ 
Ihr. TUiae imc. (/• Liq. C. C» mucc gn. i». 5^- 
rupi Chamomäh unc. ß. m. f. Linctus, d« a» 
Alle Stunden einen Theeloffel voll. (Für ein 
einjäbiiges Kind.) — Dabei zugleich warme 
Bäder, in deren jedes ein Maals Aschenlauga 
und ein Maaft Chamillenaufguls geschüttet 
wird. In dem Bade bleibt das Kind eine 
Viertel- bis halbe Stunde, und wird beini 
Heransnehmen mit einem warmen wollenen 
Tuche abgetrocknet, und in ein erwärmte» 
Bett gelegt: Alles dieses, um den Reiz auf 
die Haut abzuleiten. 

Auch wurde folgendes verordnet: Reo. 
Mad, Vcltrian. draehm^ ß. Infund. vase claus. 
p. quadram» hör. c. aq. fervid. q. f. Colat, re* 
Jngifct» unc* üj. addf JJq* C. C. succ. gtu \igmx, 

B 2 



-. «iS - 

Syrup^ Chamom. unci ßp m. </• — ' $päfef auch 
Blasenpfiaster auf die Bru^t. 

* Suffocatio pmodka. Es gibt bei Kindern 
•eätie gewisse plötzliche Erstickungsgefahr, wo- 
bei* sie ganz bla.u werden, und au&er Atliem 
£.ommen ; sie . kehrt periodisch , aber zu un- 
tiestiminten Zeiten wieder.' Nach Go^Ub Err 
flahrung kann eine WasserergieJbung im Ge- 
hirn Ursache davon se7n;,oder^ dieser Zu- 
'Stand kann oft das erste Stadium des Hydror 
cephalus chronicus bezeichnen. (&• den letztem 
lireiter unten.) 

V. Ist ein febrilischer Zustand dabey, so 
]nu£i dieser vorerst bekämpft; werden; .alsdann 
iLommen kleine 6aben von Calomel gut .zu 
Statten, abwechselnd mit folgendem: Kec 
Pülv» Rad. i/'alerian. gr. v. Conchar. LUnac. SeccK, 
M* ana gr. x» Dreimal tägLicli ein solches 
3?ulver. — Dabei Chamillejn - * uiid Laugen - 
Bäder. (Wie vorher beii^i Asthma perio^ 

Paipitatio cordis, .Das He^-zklopfen wird 
al$ tut sich bestehende Krankb^itsform mit: 
ijTinc^* digUah purp, drachm. iß. Liq. C. C ,sw:c. 
irßchn» ß. Laud^ Uq. Syd. scrup* j. Täglich 
4t0imal zu etlichen Tropfen, behandelt» 

Haemoptysis. Im Blutspeyen rühmi OoeBs 
sehr eine Emtdsio Cumm», arab. mit Decoct. Du 
gitaL purp^ besonder^ dann , wenn ein cachek« 
tischeir Habitus alle Blutausleerung verhietet» 
Dieses Mittel stillt den Bluthusten ohne eine 
.Verhärtung zurückzulassen, was so leicht nach 
andern adstringirenden Mitteln gesciiieht, die 
aufserdem meistens ein trockenes Hüsteln su« 
riickUssen« 



- w — 

VnttrltibM * Krankheiten \ unieTschied^ 

ticher Art, 

Diarrhöea, *) Im August . ereignen aidb. 
die meisten wässerigten' Durchfalle aus dem 
Grunde, weil die Kinder eben so viel zu es«> 
sen bekommen wie sonst, es aber bei der; 
grofsen ^ Hitze nicht verdauen können; und* 
zweitens auch, weil sie oft unvorsichtig, 
Schwitzend aus den Betten genommeü, und 
SU der Erkältung ausgesetzt werden. 

Wenn bei der Diarrhoe der Kinder, Schmerz 
im Unterleib vorhanden ist, so kann man je^'*' 
desmal eiiüen subinflammatorischen Zustand 
annehmen ; die Mittel dürfen dann bloOi diiui^^ 
rend seyn, * ' '^ 

Bei der gewohnlichen ganz einfiichent 
Diarrhoe wird gegeben : Rec. Infus, et JDtcocU^ 
vd Decoct. rad. Alth, vtl Salep, unc. ij. Laud^i 
% 8«- (/• Alle 1—2 Stunden einige Thft^^. 
löffel voll. (Für ein- bis zweijährige.) 

Bei catarrhalischer Diarrhoe , als bes^inj^ 
tigendes, Stuhl anhaltendes, und zugleich. dÜK\ 
Ausdünstung beförderndes Mittel : Rec, Decoci. 
Aith. ex scrup. is^. parat, unc. nj. Exttact. Z>a/- 
camwr. gr. w/. Land.- liq. gtt. ij. Syrup. ■ Dia^- 
codm tme. ß. Alle Stunden einen Kinderiöf^* 
fei voll, , '^ 

*) Die Gegenwart einer Diarrhocf erkennt Oo^* 
•benfjdlt beim Anblick des Kindes; un4- ich 
hörte ihn mehrmals nur geradeswegs 'fnteen: 
„Wie Isnge hat das Kind das Abweichen?^' ^ 
lylan darf dieses keineswegs als . Charlacanevi^ 
ansehen: es gi findet sich auf eine gewisse. Verr. 
inderung des Gesichts, die ich mir aber nicht 
hibe sa Eigen machen können« jiäm» d, V\ 



•- 70 -• 

' Wenn iolclie Diarrhoeen sich in die 

fe ziehen > to" ist die Aura camphorata ein 
[auptmittel: der Camphor in ganz kleinen 
Gaben nämlich, erregt eine eigene , sehr an- 
genehme Wärme im Magen« Rec. CannpK sub-^ 
act» gr« ß. Infus» et JDecocU ana unc» i— (f. 
lioud. ttq. ßtu i— (f. Alle Stunden oder alle 
z^ei Stunden einen Theelöffel toU. 

Wenn bei chronischer Diarrhoe mehr ge- 
stärlbt werden soll, so wird die Rad. Columbo 
gebraucht. Es darf aber kein Fieber zugegen^ 
und die Därme dürfen nicht durch zu starke 
Stuhlausleerungen von ihrem Schleim entblöfi^t 
seyu. Rec. Rad, Columbo drachnu ß. Rad. 
Saiep» gr. 9. coq, c* Aq. fontan» per quadranu 
hör. Öolat* unc. üj. add. Syrup. ChamorrülL unc. ß. 
Alle Stunden einen KinderlöffeL — Oder: 
Jtec* Decoci. Salep ex gr. viij. paraU une. y. 
Piifv» Rad. Columb. gr.viij — cc. Land. Uq* gtt. y. 
Sfrup. Diacod. mc. ß. Wohl umgeschuttelt^ 
Wie das Vorige. 

Wenn schon Atome zugegen ist, so kann 
man statt des Puh. Columbo die Tinct, snacera-^ 
Jb zu 1/^ Tropfen zusetzen. /. 

Bei einer chron. Diarrhoe nach dem Schleim-« 
fieber^ verschrieb Goelis: Rec, Rad^. jirmcaa 
drachnu ß. Cohanb, scrup. ij. inf, c. 119. fervid. 
p. quadr» hör. vase daus. Colau unc. W* add, 
Laud. Uq. gtL Q. Syrup. Menth, unc ß^ Zum 
Kinderlöffdi. (Dreijährig.) 

Bei zurückbleibender Erschlaffung der Ein- 
geweide : Rec. Aq* Geras, rdgr. unt üj. Extrda. 
Taraxac. ttq. drächm. y. Extract. Rhei drachm. ß. 
Sah ammoniac gr* vj. Syr. Menth, unc. J. Wie 
y#r. •— . Dazu eine Einreibung in den Unter- 



^ 7 t -. 

leib Tom Ung. ntmn. mit ein Paar Gram Cam<* 
pboT u. ia* 

Bei chron. Diarrhoe mit Verdacht ron 
lyürmern : JRec. JRad. Vakriaru drachnu ß. Co-r, 
lumb. drachm. j. Inf. c. Aq. ferv, vase claus, 6a* 

tau unc. (^ add. CampK subact. gr. j. Land. Viq. 

gti.ti — W* Syrup. Cortic^ Auranu wie. ß. Zum 

Kinderloffel. (Yieijährig.) 

Wenn rhacfaitische Kinder das Abweichen 
haben, so kommt ein prolapsus ani hinzu. 

Chokra. Auch die Cholera der Kinder 
drückt sich durch eine eigenthümliche Phy- 
siognomie aus, die aber oft gesehen werden 
luuDsy um die Krankheit sogleich daraus zu 
erkennen. *\ 

Die Cholera inflammatoria ist Hufserst böse; 
es entsteht gar geschwind Gangraen, und die 
Kinder sind rerloren. Ein Senfteig über den 
Bauch gelegt, bis die Haut roth wird, rett^ 
noch bisweilen. 

Im gewöhnlichen Brechdurchfall wird ge- 
geben : R€C. Infus»- et JDecocr. ana unc. i/. Laud. 
üq. gtt. ij» Tinct., vkceral. gtt. vj, Syrup. drachm^ 
ij. — Und: Rtc. Ung, nervin. unc, ß. Cawpfu 
gr. X. Laudan. pur. gr. ij. m. In die Magen- 
gegend einzureiben. 

Die Itnct. sdscerah ist aber nicht immer 
gleich Anfangs anwendbar oder nothwendig, 
und man kann vorlätifig verordnen: Rec. Pe« 

*) Ein hohler Blick aus eingesunkenexi, blau ge« 
zeichneten Augeugruben, bei schmutzig -gelbem 
•iDgefiallenen Gesicht — möchte uns den gan- 
sen Ausdruck Tielleioht einigermaCsen verge. 
genwii^gen. Jnnif d. V* 



\ 



- 72 - 

coei. RaJU Sakp €# gr. vHj. parat, unc IQ. Isouä. 

üq, grK j/* S^riip^ Diacod. unc. ß. 

KVomitut. Ein hartnHclüged Erbrechen wird 
mf {Reiche Weise behandelt. 

^M obsüpatio. Die Mittel gegen gewShn« 
Uche Stuhlverstopfüng sind folgende : A^e. In* 
findet Decoct^ unc, i//. Salis amar. drachm^j'-^ij, 
Syrup^ unc. ß, -^ Auch Äec, /n/w«. tt ^q. Foe^ 
nkuL ana unc' (/• Tinct. Rhd oquös. dractan^ j. 
Alle Stunden einen Kinderlöffel, 

Tormna. Das Leibreifsen kleiner Kin- 
der gibt sich eu erkennen durch grofse Vn-* 
ruhe, stetes Weinen , Stampfen mit 'den fei- 
nen, und Heranziehen derselben {fegen den 
I^eib, Verziehen des Gesichts im 3chlaf , Hf-* 
leres Herumwerfen, des Körpers; plötzliches 
Aufschreien« — Zur sichern Aumndung der 
T^rsachen des beständigen Weinens kleiner 
fiinder^ soll man sie bei der Untersuchung 
ganz nackt vor sich hinlegen , weil die Ur- 
sache ihrer Unruhen oft in drückenden , knei^ 
fenden Kleidungsstücken, oder in einer ver-- 
borgenen IVadelspitze besteht , wo dann nach 
dem EntkleideiK das Schreien alsbald aufbS*' 
ren wird, 

Die Kinder lassen bei Leibreifsen. auch 
oft sehr yiel Urin, — Die Innern Ursachen der 
Leibschmerzen , sind mancherley ; sie' entste* 
ien von Säure «^ grüner Stuhl — Rte^ Jnfua. 
€$ Aq. foBnicuh ana unc, (/. Magnes, gr,<a^. Lau(L 
Vq% gtt. {/. Syrup, unc. ß. — von FtaJuleiit — 
Foltern im Leibe, Abgang von Winden — 
JRec« Jq, fomUul. unc^ (/» MuciL Qumm, crab. 
drachm. ij. Laud, liq. gtu ij. Syr^ ChamomUh 

•mc. ß, (Auch hier ein Zusatz yqu Magiima.) 



— TS - 

von TnJBsMhn^ Itcc. Äq. Fowrdcid. undj^ Tlnct. 
Mhd aquoM. äraehnu ij, Magna, muri gn x« Sf^ 
rvp. unc. ß. — von Würmwn^ 

ff^ürrmr. Die Erweiterung der Pupille ist 
kein pathognomonisches Zeichea toq War- 
mem, denn auch im lufarctus ist die Pupille 
erweitert,, (S. gleich unten.) 

B^ Würmern wird gewohnlich gegeben: 
JRtc Cahmel gr^ SJ: Puh. Rad. Valerian. scrup.j. 
Saceh. a/6, drachm. j. m. /. Pulv. divid. in dos. s 
ip — ^\ (nach dem Alter). Täglich dreimal 
eins. — Auch wird das Sem. Santoriic, zu 
1 Scrup. zugesetzt. -^ Auch folgendes; Rec. 
Inju». cf Decoer. ana i \c. (/• Extracf. f^almaxu 
gr« X, Oxfm. SquüL d. achm. ij. Zuui Kinder- 
lofiEel Toll. Darnach als Abfiihrungsmittel: 
Mec. Calorruh gr. iij. Pulv, rad. Jalapp. scrup. j. 
Sacch» alb. scrup. ij. Pulv. in das. W — yj. Abends 
eins. — Auch wird rön folgendem Wurm«* 
mittel oft gute Wirkung gesehen. Rsc. Infus. 
Uqwni. Aq. Tanacet. ana unc. ij, Pulv. Htlrmn-. 
thochoru scrup. j. Oxyrri. Squill. drachm, ß. '-^ 
Ade Stunden zum KinderlüiFel. 

Bei Ascariden , Kljsf lere von Milch mit 
Knoblauch, von gelvochtem Wermuth mit 
Knoblauch. Der Dunst von warmer Milch, 
aus einem Nachtgeschirr an den After hinauf-« 
gelassen I lockt sie hervor. 

Physconia muenterica. *) Bei dieser Krank- 
heit sind die Pupillen auch erweitert wie bei 
Wurmern, 

*) Dieter Krankbeittiustand gehört eigentlich in 
die Reihe der tcrophulöseii , indem Goelis üin 
far einen solchen ansieht^ Weniguena nach der 
Bchandlnng su tchliefsea. Anm. d. F. 



— 74 — 

Sie Terliert uch. recht gut nach dem Pa/« 
vii antiscrophidosuSf bei gleichzeitigem Gebrauch 
lauer Bäder (S. unten Scropfu) Auch die 
Kämpfschen KJystiere sind vortheilhaft. 

Infarctus intminorum» Die Mittel juiissen 
hier durchgehends auflosend seyn: J^<c. Jnfusm 
et j4q. Foenicul» ana unc. ij. Crem. Tart, gr, x. (u.. 
a. auflosende Salze) Oxym. Squilh drajchm. ij. 
Kinderlöffelweis. — Rec. Ung, Jumper. Nea^ 
polit, ana, drachm. ij. Zum Einreiben in den 
Unterleib. — Dabei laue Bäder und Eichel- 
Laffee. (S. unten Atrophk.) 

■ I 

OotUs hat eine gewisse Erscheinung beob* 
achtet» die ein sicheres pathognomonisches 
Zeichen infarcifter Eingeweide abgibt. ^) Es 
ist dies nämlich eine eigene knollige Beschaf- 
fenheit der Wangen bei Kindern; die luiol- 
ligte Erhöhung liegt auf den Wangenbeinen» 
gerade wie eine Mandel unter der Haut, .und 
erhebt sich besonders deutlich, wenn die Kin- 
der .weinen oder lachen. Bei Anwesenheit 
dieser Erscheinung aber sind die Kranken ohne 
Rettung. 

jitrophia. Die Behandlung ist wie bei 
Physconie und Infarctus. Auch: Rec. Deeoct. 
Fruct. Quere, tost, ex drachm. ij, parat, uiic» iV» 
d. $. Mit Milch zu Termischen, und wie Kaffee 
zu trinken. — Die zu brauchende Milch darf 
nicht zufettseyn. — Zudem werden laue Bäder 
mit Wasser und Milch verordnet, und s^üch 
ein Thee gegeben aus : üec. SpeCm Alth. unc. j. 
Liehen Jslandic, unc. ß. d. 

'} Und worauf, meines Wissens, noch nirgend« 
•ufmcrhsam gemacht worden ist. 



— TS — 



s 
j 



IKe Ghma ^iclit aoam des Kindeni 
gentlirh am liefairteB unExtrMt, deui sie 
den Bidrt dnairii rcKtopft. *) 

TJAaßitUnag. Kinder die •nf^epij^'Wi 
den^ werdea afieis nberfottert; siaa sieht es 
ühaeA gleich mm, Gesicht en: alles ersAeiat 
hier gedonseiiy An^enlieder, Wanden, Lip- 
pen. BMCm Aqm Foaiad^ unc ^. Sti. anrnnomou 
gr» jrw Tino. Xhd mq, wcrup. y. üfOui. £9. ^. jL 
Sfnm» Diacod, wcrup, vf. Tlieeloffelweis. (Für 
ein einjähriges Kind.) 

PhÜMsh abdonrnwEs. Bei dieser KranUieit 
geschieht eine ToUige Verwachsung der Ein- 
geweide, durch Fsendomembranen ; zu diesem 
plastischen Trieb gibt eine schleichende £nt- 
zSndang die Veranlassung. 

Oft erhebt sich in dieser Krankheit, in 
der Gegend des -Nabels, eine stumpfe kc^gel- 
ßimige Geschwulst, die sich in einen Ab- 
sceb ausbildet, und nachher aufbricht. Man 
soll sich aber hüten, diesen Abscefs selbst 
aufienschneiden , denn oft ist ein nahe liegen- 
der Darm darin yerwacbsen — es entsteht 
ein künstlicher After, das Kind stirbt, und 
zwar, wie nun die Eltern glauben, blofs durch 
die Schuld des Arztes. — Die LeichenolT« 
nungen zeigen auch Vereiterung der Abdomi- 
naldrüsen. — Die Behandlung ist die der 
Atrophie: China, Bäder, Thee. 

^) Die Atropbie behandth Goülis aber «uoh öf« 
tsis wie die Scxophda. Jnm* d» V. 



— 76 — 

■ jUtiaiM imitaütrum. Rtc. A^. fbentciil.1 
Ißt via fi>fu$, t ^q,. Flor. Cfiamamil!. ana u 
Magmf. gr, X. Tinct. Rhu aq. ärackm. ß. 
ISäeoii WK- ß- TbeelöfTelweis. — Laue fii 
' ~.> Äjgcli Lbdd, bei Verhüllung folgeodM 
Uug M^. Jlcc Infus, a Aq. foniM, dMI 

, i-r^.~i*tract. Taiax. draclim. i — ij. StA- 
r«^,''iäti -JnKhm. 5". Syriip. Wie das Torig«. 

', Pkib/wiM oiif. Nnrh der Repositioa 
"KJftlBati) von Aqua Caicis. 

Aiieb> 3ea Dampf von brenneodani 
gdhA Mtn den Afier. '^j 

.'Etrhio. Nach der Taxis eine Tid 
ConqtnBse mit Cainphorspiritus bereuchiet, 
grisgt, nnd — heim Nabelbruch — itl 
ein Pappendeckel mit der ZirkelbiniU l 

■ .-iC^rti- Vu^inng. *«») Bei einerl 
vralmcheiDlichea Vergiftung «ines Siil 

' •)'b< ich mir dieses jeaoah nicht anfgewid 
M«,- lo will ich iiictii Für einen IrrUi« 
fam> di« Anwenilutig dieiea Mitidi ' I 
hiei, londern tnderiwo, ibei mit guitii& 
{■iahen tu haben. Jkui. i. f< 

Ich h»be bei einigen Nahelbrllcben , Sit 
_B«tni Eirolg, die Methode von Eyiier ii 
bni^bafotgl, wnd einen, •ii» dem Oxyi 
'pEbtter, nach dcRt Nnbelring gefonntt 
pfen Kegall in diesrn liineingcdrtlckt, il 
q^utdrirten Compteins bedfcKc, uu<l w 
biaiun Leibbinde befesiigci. — per Pß 
aber noch beuf^r zitiück, wenn man il 
Toim ein«« HDtbcbeiii pebi, deiian tm 
tei Rand der H^uc fettei- mUebt, J 
***) Goilitxitli E.. Riofser Vorliebe be>>' 
^ nan <t«»vOpiun>s, boaoiid^ii für ( 
Dnint Hid iu gfwif« mit ftwbi 






— 77 — 



Bad wät Essisr vad m a gi liü i: Aec 
Ih€»a, ans i0bc J. U^. C C fsr. v^. 
YTo Boslich alle Vicfielstude cisea TbedK- 

IF^isscrsiKcJkfcii. 

Hjiractfhtiks Ar^maif^ Wer die Hiy- 
siogBQane ciBes bTdrocephalisclieji Kindes ^be- 
iondets bei höherm Grade der KranklieiC aar 
aiaaial ^esehea hat, dem bleibt sie ^ewib 



Der clirom5cbe WasserV.opf denket sidi 
gewobaüdb Anlaass aa, durch bolpericbtes 
Gehen,, kreozweises Stelleii der FätW» Sloi-^ 
pefBy Fallen. — Die Kinder h^l^n fern et- 
iai Moade, sauren an dea Finrera. boh* 
■lit denselben in der Xa^e. iü den Oh» 
, dals sie oft blnleo. *^ Die coDTnlsiTi- 
sehe Bewesung der Au^en beim Hym uO fkm 
ist ein constantes Sjmptom. 



cincai balbjäfcrigMi SlnelinS« i> der 
Brnbr, etnea ebuJ^ca Tiopfcn ^ci Timtu Opii 
€wt>€Mi, in ciBein scLleiioi'ca Vcbikel toa svr«i 
Uaaca» Tb«el65elireis ra ackne«. Nach deoa 
Tcrbnoch der Hellte tcidief das Eiad acktsehii 
Scnadra ia eiaean faxt» lait scbarcrem Atbeai 
asd Totbem Gericht, oad «achte mit ConTal* 
SftOBca ^edcr euL Dinea aaerVATtetea ZaCill 
hoaate ich keiner andern Ursache als deea ^^ium 
aar l^at legen , na so mebry 'ireil die Maiter 
ia der Gebe die Ordiaatica abencbrittca baue. 
» Das Kiad warda darch Kljstiere mit Essir, 
hslta Ueber schlage aaf den Kopf, aad dar» 
Aafiür6pfela des Enialthcrf aaf dia Hen«ab% 



— 28 - 

. itan findet bei Kindern wohl eiii gans 
weiches Hinterhaupt, welches einen Wasser- 
kopf zu Terrathen scheint, jedoch nicht im- 
mer davon, sondern auch von fehlerhafter 
Knochenbildung bei rhachitischer Anlage, her- 
rührt. 

Wenn zum Hydroceph. chron. zufällig ein 
Husten kommt, so entsteht leicht eihe Suf-^ 
focatio periodica (die oben beschriebene), oder 
mit andern Worten : eine solche Suffocatio pe* 
rhdicä hat zuweilen in einem Hydroceph. chron. 
ihren Grund. 

Es gesellt sich zu dem chrouischen auch 
wohl der acute Wasserkopf: die Kinder ster- 
ben dann schnell. 

Bei der Behandlung ist Calomel das Haupt- 
mittel. Kinder unter einem Jahr erhalten An- 
fangs |- dann J Gran, zweimal täglich. — 
Zum Einreiben auf den Kopf: Ung» Neapoh 
,U Juniper, ana. Hei Kopf mufs dabei warm 
gehalten werden. — Zur Nahrung dient eine 
gesunde Muttermilch, oder Kuhmilch mit Ei- 
chelkaffee. (Bei der Atrophie.) 

' Der chron. Wasserkopf hat viele Species ; 
die wichtigste Unterscheidung aber für die 
Behandlung ist die, ob er mit oder ohne Ca- 
chexie ist: ist diese dabey, so sind gewöhn- 
lich organische Fehler, z. Bl der MUz, oder 
Infarcten, zugegen — und hier gerade ist das 
Calomel, remedium egregium^ besonders noch, 
wenn Verstopfung Statt findet. Hier wird 
nun auch das eben genannte Unguent; in d^n 
Unterleib, in die Milzgegend, eingexieben. — 
Auf keinen Fall aber darf man vergessen, die 
Cachexie gleichzeitig zu behandeln j Ifir setzen 



— 79 — 

ihr die China entgegen. "Rtc. Cort. ptrw.irachm^ 
I — >|f. coq. per* quadr. hon inde add^ Rad. 5a- 
lep. gr. viij. coq. itert^m. per quadr. hör. Colau 
unc, iV. add. S)rup. JDiacod. unc. ß. Alle Stnn^ 
den einen Kinderlöflfel voll. 

Eine Senuparalysis tx hyroceph. chron. be- 
handelte Godii nebenbei mit Arrdca* Rtc. In* 
fus. et Decbcu unc. ij. Extract. Arme, gr^ iV. 
Oxjrm. SquiU. drachm. ij. m. 

Hydroceph. extemus partialis. Das Oedema 
capitis verschwindet ganz gewifs^ wenn'xnaa 
wiederholentlich an einigen Tunkten der Ge- 
schwulst ein Kausticum applicirt, oder die 
Geschwulst auch blofs mit dem Lapis inftrnaUs 
betupft. Die Lymphgefafse werden durch die- 
sen Ileiz zu gröfserer Thätigkeit angespornt, ^) 

Man reibt auch Vng. NeapoUtan. ein. — 
Die Erhaltung einer gleichmäfsigen Tempera- 
tur durch Auflegen aromatischer Kräuter , ist 
sehr gut. 

*) Gewöbnlicli betupft GoelU erst die GetcHwultt 
an einigen Stellen, die er mit Speichel befeuch- 
tet, mit Höllenstein, und epplicirt dann, wenn 
der Erfolg nicht gOnttig genas ist» den Aetx- 
stein y von dem er ein wenig abschabt, und mit 
der Spitze eines Federmessers ein Paar Köm- 
chen auf einige Stellen des Oedema bringt, und 
mit einem Klebpflaster bedeckt. 

Um die anwesenden jungen Aerate von der 
•chnellen Abnahme der Geschwulst su tiberzeu* 
gen, mafs er einige Mal, von Tag su Tag den 
Umfang des Kopfs mit der Geschwulst in der 
gröfsten Peripherie, mit einem schmalen B&nd- 
chen , um an dem jedesmaligen Ueberschufs des 
Bandes beim Wiederumlegen , die Verkleineroag 
dss Osdejnt su erheanen» jitim^ d. F» 



- 80 T-. 

. . - W4l^l das Oedema capitis nicht mit einem 
innern Wasserkopf complicirt ist, so kann 
man es, wenn es sich mehr auf eineii Platz 
concentrirt Iiat^ allenfalls öffnen. Findet je- 
doch die Gomplication Statt , sß ist die EröiT; 
nung sehr gefährlich. 

Bei Oedema capitis ^ auf zurückgetrieben^ 
AchoTts , gab Goelis innerlich Cälomel, *) 

Hydrops Spinae dorsi. Diese Krankheit char 
rakterisirt sich durch einen ihr ganz eigen- 
thümlichen Gang der Kinder: dieser -wird 
nämlich zuerst schwankend, und das Kind 
schlendert bei jedem Schritt mit dem Fufs nach 
einwärts, und tritt immer mit der Ferse zu- 
erst auf den Boden. Der Gang wird nun im*- 
mer sehleclit«r , zuletzt kann es gar nicht mehr 
allein' fortkommen , es mufs unterstützt wer- 
den, ynd das besagte Schlendern bleibt. ^^) 

Die Krankheit- entsteht zum öffcern nach 
Entzündung des Rückenmarks, ij^dem zuletzt 
eine Transsudation geschieht. 

Selten nimmt das. Gehirn, an. andern ent- 
fernten Wassers uchtei^ Antheil , wohl aber am 
Sfdrops Spinae dorsi» 

/. Die 

*) Vielleicht aus Besorgnifs vor innerm Wjsser* 
Isopf. jinm, d^ f> 

**y Bei Kinclem die noch nicht gehen Itonnten^ 
ist also die Dingnose sehr schvrer. Bei den 
häufig vorkoniiD enden Klagen eber^ defs schon 
^röfsere Kinder wieder vom Oehen ibkommen, 
welches auch von Rhachitis und Von beginnen- 
der Coxalgie herrühren kann^ ist es bei der Un- 
tersuchung rathsam» die Kinder »it'fafgehobe» 
nen Kleidern auf und abführen sa lassen^ wo 
xnao dann wenigstens bald erkennen kann^ ob 
der Fehler nicht in «inesn Hydrops Spinae dorti 
begrOndet sey^ ^ juinit d% V^ 



~ 81 — 

Die Hauptmlttel 8Jo4 Calomel , und Veu« 
calore aub Kreuz. Dabei, wird aber die Krank- 
httt nach MaaTsgabe des Fieber$ behandelt 
'-^ antiphlogistisch, diaphoretisch- — mit Ni* 
tram, Spiritus Minder. *) 

Hydrops ascites. . Hie. Infus, lii£idtU.. Aq, 
Rsmcul. ana unc. fj. JExträcU amar, gr. sgj. 
SfuUn Nitr» dule. grr. xv. Oxynu simpL wie. (t, 
m. — ^ Dabei täglich täglich dreimal eine Do^ 
BIS (kern. Tart. — Einreibungen in den Ün« 

^) Im Jahre 1817; gende da der Herr Geheime'- 
rath Hpm das Inttitat mit einem Besuche be- 
ehrte ^ wurde ein Kaabe mit dieser Krmkheit 
Torgefalurt. — £r beklierte fich nachher» indem 
er, an Kräften und an Umfang sunehmend. bei 
meinem Abgang, im Zimmer mit siemlieh fe- 
ttem Tritt wieder auf- und abgehen konnte« -r 
Vor 3 Jahren kam ein Knabe- von la Jahren — 
der Sohn det Köttners Völker in der Bauern- 
sehafb Altt — mit Hydrap» spina» dorsi, in 
meine Behandlung, Ich schöpfte meine Dia- 

fnoae^ in der ich noch durch ein Oedpm am 
FnterfuÜB bestirht würde, lediglich aus dem 
sonderlichen Gang des Kranken : von Vater und 
Mutter unter den Armen gefafst, schob er sich, 
mit hinten ans gehaltenem Krem, mflhsAm 
durchs Zimmer; mit der , Ferse trat er suerst 
auf, nnd indem dann die ganze planta- pedis 
siedergelassen wurde» drehete sich die jFors^ 
epitae in einem Achtel Zirkelsegment nach eia^ 
wärts. — Eine Ursache war nicht aussnmis- 
teln ; das Aussehen war' aber cachektiscfa. Nach 
8 Tagen kam Fieber hinan, welches sieh — - 
bei soporösem Zustand, und bei einem sonder- 
baren übergeschlagenen Blick, mit Blepharo- 
vlegie — als Typhus kund gab. Nebit der Be- 
handlung dieses, wurde das an ßinglich gegebene 
- Calomel, stets angehalten, und die 'Vesicatore 
höher in den' Nacken gesetzt, — Der Knabe 
wnrde sehr langsam wieder hergestellt; das 
Aassehen blieb eaehektiselw Anm. Ä F% 



- 82 ^ 

terleib «üs XJng. Jump, drachrti. vj. Nuipolü. 
dracfan. y. nu -^ Auch folgendes: JSec. Jnfus, 
liqmrit. Aq, Poenkut^ unCn ij*^ SßL dcalin. tan. 
gr, ß» Acu. Scüli drachm. iß^ JLaud. !iq.' Syd, 
gtt* //. TTL d, — Bei. Verdacht von Würmern: 
JRu. ,Aq» rbenic. unc^.iv. Bxtracu SälL gr. j. 
CampK »ubact. gr. iß. Syrup. FoenicuK drachm. 
\fj, m. *^ Und bei Wassersucht mit innern 
Scropheln : Rec, Infus, et Decoer« ana. unc. ij. 
Mxtract. Gcut. gr. vüj. Liq. terr. foL tart. 
Jbraehrru iß. OxymeL Seil!', drachm. UJ.' — Alle 
Standen einen Kinderlöffel. . 

Serophtln und deren vtrschitdent 
Krankheitszustände^ 

Bei Scrophdnf sie mögen sehen ausgebu- 
ht, oder erst im Entstehen seyn, gibt '&oeli$ 
— nadi vorheriger Beseitigung aller dtin^gen- 
dern XUankheitszufall^ -— immer folgendes 
•Pulver: Ute. Pulv. Ostracodemuaum ünc ß. 
^JR<Mn« GuajaCn Limat^ Mart. ana drachm. ß. 
Sacch^ alb» drachm^ i//. Pulv. Abends und Mor- 
gens eine Messerspitze voll. (Eine grofsere 
oder kleinere nach dem Alter.) *) 

Bemittelte erhalten aber statt desselben, 
sein Pulvis anühecticomScrophulasuM. Es besteht 
«US gleidien Theilen Baccar^ Lauri^ Num Mom 
schalt* und Corn^ Cerv« rasp^ 

'O Ich gUuba von Go^Ut gehört sa hsben» das 
Pulv* Qstracod^rmn dQrft nicht mit dem Pulo, 
tencharum limacum verwechseUj und di«tM nicht 
fAr j«ntt tubftitiurt werden; ersterel tey ge- 
glüht» .und »eines tbieritchen Lieims und sei- 
ner Kohlensäur« beraubt 7 letsterea «ey aber blofi 

. feingeftoften. Wohl aber könne statt dea Tulp. 
99tracQdsrmn die .MmgnüsUt gehraucht werden« 

Anm^ d. V. 



^ 63 - 

r 

Öle Baceai Lauri miisseii aber vorher kiir 
EnfXernaDg ihrer Schärfe in Brod gebacken 
Mjn, und daa Fulver muls lange gebraucht 
Mrerden. 

Formeln: Ree. PuW. antihtct. scroph. Ood. 
dradun^ ij. Pulv. Rad. LiqidriU drachm. Hj. Täg- 
lich dreimal eine reichliche Messerspitze voU. 
-^ Rtc* PiÜ9. antihtct. icroph. dracmn. ij\ und 
mehr , Res» Guajac, Um. Martia ana drachm. ß. 
Sacdin alb» drachm. ij. m. 

Bei entzündlicher Anlage bleibt in allen 
den Pulvern das Guajac Vreg. 

Nun bekommen die Kinder dreimal in der 
Woche ein lauwarmes Bad mit Heoblumen, 
auch wohl mit Kleyeo. -«* Die Nahrung be- 
steht in Suppe und Milch. — » 

Xlnizünda^ und verhärtete JOrüsen. Rec. £m- 
pftislr. MelUot. — Mercurial. ana drachm. ij. d. 

Furuncut. scrophufos. Diese sind noch die 
leichteste, ani geschwindesten zu heilende Er- 
scheinung bei Scrqphdn. Man fühlt sie oft 
sehr tief im Fleisch. Sie müssen durch einen 
Brei aus 6em;. IJrd erweicht , und der Eiter- 
stock mufa voUatändig ausgedrückt werden. 

Exanthem^ scrophulos. Zu dem Pulver wird 
hier« statt der IJmat. Mart. ein Scrupel des 
jtethiopa antirhon. gesetzt, und die Herb. Tia- 
mlag. cum Thee gegeben. (S. Crusta lactea). — 
lYenn aber hier> und bei allen andern scro- 
phulosen liebeln ; eine Cauza sypIälUka im Spiel 

*y So w«vden im Al)e«mein«n nun auch all« hier 
iuchfolg4nd«ii KTABkheittziiitSaila ,- die mit So&o* 
phela sasABinienhaDge^ » und in denselben ihren 
Gmnd haben ^ behandelt« jinm» d. V^ 

F2 



.'» -- 



— 84 ~ 

ist, so wird statt der tJmaU mart. der j^t^ 
thiops nümralf, zugesetzt. (S. Crusu loa, urpigin.^ 

Achort» serophulos. Oegen diese thut man 
besonders nichts, im Gegentheil, es ist bes- 
ser wenn sie erscheinen, denn man wird 
mit der Scrophelkrankheit leichter fertig. ^) 
Wenn die Achores, oder sonst ein scrophu- 
loser Ausschlag plotzUch abtrocknet, so schwel- 
len gern die benachbarten Drüsen an, und 
Tereitern. Besonders stehen die Drusen des 
Unterleibs in bedeutendem Wechselyerhält- 
nib mit dem Kopf: Anschwellungen und Ver- 
härtungen derselben werden zuweilen geho- 
ben, wenn ein Ausschlag am Kopf erscheint, 
und sie lassen sich auch auf diese Weise hei- 
len, wenn man dort einen künstlichen Aus- 
schlag erregt, zu welchem Zwecke man das 
Piüv. Cantharidm aufstreuen kann, oder auf dem 
Lande, den blofsen Pferdestaub. ^^) 

Psora scrophulosa» Sie ist nicht ansteckend. 
— Die innere Behandlung der Scropheln. 

• Tumores oisium, et uicera scrophulota. Die 
scrophulosen Knochengeschwülste erscheinen 
besonders gern an den Fingern und Zehen; 

*) Eine nicht genug su empfehlende Regel ! Wie 
ofc kommen uns, auf TeTCTiebene Kopfaustchlä- 
ge, schlimme Krankheiten vor^ die nicht sei* 
ten selbst das Leben gefährden. Und Kinder 
xnit solchen Ausschlägen sind aueh meistens im 
Uebrigen sehr gesund, oder werdea.es:» wenn 
man nur ihre Ausschläge in^ Ruhe läfsty und 
höchstens — bei ftnfserer Reinlichkeit — - die 
Krsnkheitsursache innerlich behandelt. — «• Wir 
«rollen hdren, was vielleicht dev erfahrenste 
XinderaxBt. weiter hierfibsr sagt. jinau d, V. 

*f) O^dm» emniHs f nf furttckgetilefatiie Achorts, 
älftlMkl»'^«^ k^.«.iX.Ly^^Bly^^ ^y«if ; vorher» 



— 85 — 

ab^ auch am Arin^ am Fufs. Die auf^ere 
Geachvmlftt vmrd immer dicker, rund, roth^ 
und bricht endlich auf, wo dann der Kno« 
eben cariös ist. Es sitofsen sich nachgehend«, 
Splitter ab, auch wohl ganze Phalangen gel- 
ben rerloren. Die Heilung geht nach diesem 
dann gut Tor sich , die Glieder werden noch 
wdhl wieder brauchbar, obwohl kürzer. — 
So ist der gewöhnliche Gang; der ganze Fro- 
zeftdieraert aber lange — anderthalb, zwei Jahre* 

Die Geschwüre bei serophulSser Cwles sol- 
len ja nicht Teizend behandelt werden , sonst 
yerscblimmern sie sich noch, sondern mit ex^. 
weichenden Sachen : mit Umschlagen eines 
Breies von Leinsamenmehl, mit dem JSmpK 
diachyh c. gumm, mit Kleienbädern. Innerlich 
-^ -versteht sich — die Mittel gegen allgemieine 
Scropheln , die Herh. TussUag. zum Thee. Auf 
diese Behandlung hellen dann die cariösenr 
Geschwüre oft vortrefflich. 

Zum Einstreuen in anderartige unreine 
scroph. Geschwüre giebt Gotiis gewohnlich fol- 
gendes Pulver: Rec. PuW. Rad. Rhd^ Fulv. 
Carbonum ana drachm. Iß. d. — Auch wohl das 
Kohlenpulrer aliein. Darüber nun ein EmpU 
adhaesiv. und Auswaschen der Geschwüre mit 
einem Thee aus Scordium bei erneuertem Ver« 
band. — Zum Ausspritzen tiefer scrophülöser- 
carioser Geschwüre: Rec. Infus^ Herb. Malv. 
— • Scord. ana. 

Tumores retro auncidam. Es ist besser, wenn 
di« Geschwülste hinter den Ohren nach aulsen 
anfbrechen, weil bei ihrer Zertheilung leicht 
Metastasen entstehen. Mit ihrer EröiTnung 
kann man nicht geschwind genug seyn, weÜ 



— 86 -r 

vtniet denselben sehr scbell, 'bisweilen schod 
nach ein Paar Tagen, Carlas entsteht. 

Fluxus auriunu Der Ohrenausflufs bei Kin<» 
dem beruht die allermeiste Zeit auf Scropheln, 
und wird auch wie diese behandelt. Aeufser- 
lich bedient xnan sich nur einer Kleienabko« 
chung zum fieifsigen Waschen,. und, wenn Caries 
zugegen ist, der Torgenannten Einspritzung 
aus Infus. Mah. et ScordUn Nach Umständen 
werden auch wohl andere Mittel (aufser denen 
gegen Scropheln im Allgemeinen) nothwendig, 
z: B. Dtcoct^ frucu Quere. — Chhüf liehen /s* 
ItuuÜe. 

; . I. • 

Wenn man Mittel giebt, welche einen 
solchen Ausflub stopfen » so wird bald ein 2/y- 
diociph€du$ erscheinen. 

;(Dw Fprtf 9taang folgt.) 



^«a 



— 87 



mmtmmmi 



IV. 

B eiKier k u n ge 

über 

den Kürort Pfäfers in der Schweiz, 

dem Tagebuche eines reisenden Arztes. 



•t-^s gibt kaum einen Badeort , welcher un- 
geachtet seines hohen Alters, des alljährigea 
IBnstromens einer grofsen Menge Leidender 
aller Art, und eines Haufens schriftlicher G«' 
fationen weniger allgemein bekannt wäre, als 
Pfäfers. Seit achthundert bis tausend Jahren 
ist' seine Quelle entdeckt; kaum steht sie ir« 
gend einer der berühmtesten an Heilkraft- und 
Verdienst nach^ und doch wissen sich Aerzte 
und Kranke am heutigen Tage keine hinlHng-* 
liehen Aufschlüsse über die Art, dahin zu ge- 
langen, dort zu leben ^ über die Wirkungen 
des Wassers, und über das, was man dort 
zu erwarten hat, zu verschaffen* 

Doctor Kaiser, der Badearzt und Ordina-« 
rlns des Stiftes Ffäfers, hat im Jahre 1822 
diesem Bedürfnisse durch eine ausgezeichnete 
Schrift : Die , Hälqueile zu Pfäfers ; ein Msto^ 
risch • topographischer und heilkundiger Versuch 



I 

pon J. A. 'KaigiT etc. Qmr icl A. C. Otto. 
1822. ^) abgeholfen, welcher das Yerdienst der 
eigenen Beobachtung der wissenschaftlichen 
Gründlichkeit und der freien und wahren Dar- 
stellung in gleichem MaaTse zukommt. 

Da diese Schrift aufserhalb der Schweiz' 
weit weniger bekannt ist, als diefs ihre^ Wer- 
thes wegen und zum Besten der Badeanstalt 
und der Kranken zu wünschen wäre, so wird 
es nicht unwiUkommlen seyn, dem Bade be- 
dürftigen Fublikum die Bemefkunjgen eines 
reisenden Arztes , die Ausbeyute seines 17tägi- 
gen Aufenthaltes in Pfäfers hier zum Besten 
zu geben, wenn sie gleich vieles sagen und 
wiederholen , waa die Kaiser'sche Schnft auch « 
enthält. 

Der Badeort Ffafers liegt iu dem Kanton 
St. Gallen'schen Bezirke Sargans , im Ragazer 
Kreise. Wer von Teutschland aus dahin ge- 
langen will , mufs entweder auf den Tom Bo- 
densee aus, links und rechts des 6.heins hin- 
auf fuhrenden StraTsen , oder auf der StraÜM 
von Wrilenstadt in den Flecken Bagaz. 

Von hier aus wird der hoch zwei kleine 
Stunden lange zum Fahren durchaus nicht ein- 
gerichtete Weg na^h dem Badehause entwe- 
der zu Fufs'y-^zu Fferd, oder auf einem von 
vier Mähnern getragenen Sessel zurückgelegt. 

Die Effecten, worin sie auch immer be- 
stehen mögen, werden durch Träger^ welche 
der Rottmeister von Ragaz aus den dortigen 
Einwohnern nach dem treffenden Turnus schafft, 
anter der Garantie der Gemeinde, um den 

*) Vergl. eine Anzeige dieser Scbrift in : Hufeland 
u. Osann fiibliotfa, d. jpn HeilK. Bd.XXilX^S. iSS* 



- 89 - 

Preis von zwei Gulden für den Centner, in 
das Bad gebracht. Wer sie nach Ragaz Tor-- 
ausschicken odel* nachkommen lassen iWill, 
kaim sie dorch das dortige Handelshaus Ca-- 
peiliaeUer und Chiodera spediren lassen. Eben 
so werden sie durch die Gemeinde Valens aus 
dem Bade zurück wieder nach Kagaz besorgt^ 
und ^diefs mit grofser Pünktlichkeit , weil die- 
ses Geschäft den beiden genannten Gemeinden 
eine ergiebige Quelle des Verdienstes ist. Hat. 
man die Hälfle des Weges von Ragaz . aus 
hinter sich, und das Dörfchen Valens auf der 
Hohe erreicht , so senkt sich der Weg all^ 
mählig in die Tiefe, imd es entwickelt sich 
nach und nach die Schlucht, worin das Bade- 
haus steht. Hat sich die Phantasie auch nach 
noch so treuen Gemälden ein Bild Ton der 
Lage und Umgebung dieses Letztern entwor- 
fen , so wird man doch auf die sonderbarste 
Art überrascht, wenn man den steilen Ab- 
hang stufenweise hinabsteigt, und plötzlich 
die Dachspitze des Gebäudes im Grunde def 
Schlundes, woher das tobende Gebrause der 
reibenden Tamina entgegen tönt, etwa tau- 
send Fufs tief gerade unter seinen Füfsen sieht, 
obschon man erst nach einer Viertelstunde in 
verschiedenen Krümmungen des Weges zu ihr 
gelangt. Es werden Wenige seyn, in wel- 
chen dieser Anblick den Gedanken nicht er- 
regte ; die unverzügliche Rückkehr einem mehr- 
wöchentlichen Begräbnisse in diesem schauer- 
lichen Schlünde vorzuziehen. 

Der Badeort besteht in einem einzigen 
ganz massiven, gemauerten Hause, woran 
theilweise, aUmahlig erfolgte Erweiterungen 
und Vergrufserung deutlich wahrzunehmen 
sind. Seine Länge beträgt ungefähr 436, und 



— 90 — 

die Breite, welclie nicht überall gleich ist, 
zwischen 38 bis 44 Schuh. Das Haus steht 
seiner Länge nach \on Südost nach Nordwest 
an dem linken Ufer der Taniina, und gewährt 
östlich die Aussicht auf diesen Fl als und auf 
die kaum 36 Schuhe entfernte, gerade auf- 
steigende > mehr ab 664 Fufs hohe schroffe 
Felswand, und westlich nach dem, mit Ahorn, 
Buchen, und anderen Gesträuchen und Bäu- 
men bedeckten Berg hin , über welchen der 
Weg von Valens herführt. Von dieser Seite 
raget das Haus vier Stockwerk hoch üher den 
Felsgrund, während es von der andern sechs 
Etagen präsenlirt. Die unterste enthält auf 
seinem ' südöstlichen Ende die Trinklauhe, und 
die der Reihe nach folgenden Badegewölbe, 
und auf der nordwestlichen Tiele Gewölbe und 
Keller. Das nächste Stockwerk besteht in 
Wohnungen für die ärmere Klasse der Kur- 
gäste, Und die übrigen in lauter bewohnhare 
Zinuner, gegen hundert an der Zahl, so dafs 
das Gebäude mehr als dreihundert Gäste auf- 
zunehmen vermag. Die Hauskapelle trennt 
das Gebäude der Länge nach in ewei unglei-- 
ehe Theile, von welchen der südöstliche et- 
was mehr als ein Drittheil des Ganzen be- 
trägt. Die Bauart ist klösterlich, und sehr 
massiv ; die grol'sen breiten Gänge sind durch- 
aus gewölbt und mit Stein gepflastert. Un- 
reinlich , wie sie sind , geniefst sie der Kur- 
gast mit sehr geringem Wohlgefallen. Das 
ganze Haus mit seiner Einrichtung entspricht 
den Erfordernissen einer nur mittelmäfsigen 
Badeanstalt, und selbst den Bedürfnissen des 
Gastes so wenig, dafs sich der Genügsamste 
einer Menge. Wäsche nicht entschlagen kann. 
£i|ie höixerne Decke mit alten Figuren schlecht 



— 91 .-- 

bftmalt; laalb hölzerne, nicht einraal bewor« 
fenen Riegeiseitenwänden , seit vieleu Jahrea 
d€8 frischen Uebertünd^ens oder Anslreicheus 
gey/färiigf und ein schwarzer, schmutzigery 
höchstens einmal in acht Wochen gereinigter 
Fttfsboden, machen ein Zimmer aus, welches 
ohae Ofen, jenen alten Kammern oberpfalzi- 
scher Wirthshäuser genau gleicht, wohin man 
die herumziehenden Schaclierjuden einzurfuar- 
tieren pflegt. An jeder Thüre liest man den 
Namen eines HeiUgen, dessen gröfste Genüg- 
samkeit vielleicht kaum zugereicht hätte , die- 
sen Aufenthalt längere Zeit erträglich zu fin-^ 
den.' Die Meqblirung besteht in einer ^ehr 
breiten, aber grofstentheils zu kurzen Bett- 
lade, einem Tische, und einem Stuhle von 
'weichem Holze, einem Nachttopfe von wei- 
feem Steingut, welchem öfter ein blecherner 
Handgriff mit Drath angeflickt ist, in eineil 
gewohnlichen Bauernschiissel mit einer Wäs:^ 
serbouteille und einem Clase. Eine Koiaöde 
von weichem Ho^e, ein Stiefelzieher , ein 
Spiegel u. s. w. sind eben so seltene Dinge 
als die Zimmer, welche eine Ausnahme voii 
der obigen Beschreibung machen. Wie sähr 
diese Dürftigkeit die Erfindungsgabe und die 
Fertigkeiten der Kurgäste in Anspruch nimmt, 
und schärft, kann nur derjenige beurtheilen, 
welcher gezwungen ist , drei Wochen lang 
sich zu üben. So z. B. mufste sich der Ref. 
den Yörtheil ausdenken , sein Beinkleid auf 
dem Tische stehend anzuziehen, um es von 
dem iiber den schmulzigeu Fufsboden hinge- 
streoten, alles was hinunter fiel unbrauchbar 
machendem Sande rein zu erhalten. Die Kü- 
che mit ihrem Yorbereitungszimmer, die Kaf- 



-i. 92 — 

feeknche u. s. vr. Alles ist gleich uasanber, 
ja selbst die Wohnung- des Allerhöchsten. — 

Die Kapelle 9 worin täglich Gottesdienst 
gehalten wivd, ist mit Spinnengeweben ge- 
ziert, und jn einem kaum halb ertäflichen 
Zustande. Der Speisesaal ist klein, dunkel, 
niedrig,' und wegen der grofsen Menge der 
Gäste, deren Zahl sich Mittags oft auf -sie- 
benzig bis achtzig beläuft , so drückend warm, 
dafs die Zeit des Essens die Stelle eines 
Schwitzbades hinlänglich ersetzt, was um so 
lästiger ist, da man von dem Getöse der dicht 
djEirau Torbeistürzenden Tamina wie betäubt 
wird. Dasselbe wiederfährt jedem in der so- 
genannten Trinklaube , einem am südöstlichen 
Ende des Gebäudes gelegenen, dumpfen, halb- 
dunklem Saale, welcher yon der hölzernen 
Wasserleitung der Badgewöibe in zwei un- 
gl^che Hälften getheilt wird , und -wo die 
Qiiste ihren Heillrank geniefsen. Die Was^ 
serieitung giebt in ihrem Durchlaufen zu bei- 
de|i Seiten sechs, einen halben Zoll dicke 
Wasserströme ab ; welche von den Trinkenr 
den in Gläsern aufgefangen werden'. Der Üe- 
berrest fällt in grofse hölzerne Behältnisse, 
und nimmt durch diese seinen Abflub in die 
Tamina > deren Toben hier vorzuglich lästig 
wird, da es in Verbindung mit dem bunten 
Ge wühle der sich in einem kurzen , von allen 
Seiten beinah luftdicht geschlossenen. Räume 
einförmig auf und nieder bewegenden Men- 
schenmenge, empfindliche Subjekte oft so be- 
täubt, und Schwindel erregt, dals sie sich 
von Zeit zu Zeit entfernen müssen. 

Verzeihlich wäre es , wenn der Kurgast 
hier nur über Mangel an Eleganz klagen könnte. 



— 03 — 

die überall einbeimlsch« Unreinlichkcit 
Terfoigfc ihn auch hieher. Die in der einge- 
schlossenen Luftschicht aufsteigenden Dünste 
Terdichten . sich zu Wasser , welches an den 
kältern, schwarzen, schimmlichen Wänden in 
Strömen berabfliefst. Die Wasserleitung ist 
Ton weichem Holze, ihre Fugen sind mit 
schon halb faulem Moose verstopft, durch eine 
hobserne Rohre strömt das laue Wasser in 
hölzerne Untersätze, wovon alles gleich schwarz, 
zum Theil morsch und unappetitlich ist; ei- 
nem etwas feinen Geschmacke macht sich ein 
leiser Holzgeschmack im Wasser bemerklich. 
Wie schön wäre es, und für die Eigenthii- 
mer mit so wenig Kosten zu bewerkstelligen, 
-wenn wenigstens dieser Trinklaube- An tJieil 
der Wasserleitung mit seinen Abflufsröhren 
▼on Marmor verfertiget würden, wovon sehr 
schöne Sorten auf dem Gebiete des Klosters 
gefunden werden! Yerläfst man die Trink- 
laube durch eine an ihrem nordwestlichen 
Ende befindlichen Thüre, so geräth man in 
einen feuchten, dumpfigen, dunklen gewölb-- 
ten Gang, worin das Losreilsen der Schuhe 
von dem Schmutze des Fufsbodens mit einem 
eignen Geräusche verbunden ist. In dieser 
Vorhölle hauset den Tag entlang ein, dem 
Charon der Unterwelt nicht unähnlicher alter 
ehrlicher Bademeister, welcher den Badegä- 
sten die Eingänge in die Badgewölbe zeigt 
nnd öffnet, und die Badeordnung leitet. Wäre 
man auf dem Wege bis hieher nicht schon 
an Malpropretät gewöhnt worden, so müfste 
man bei dem Eintritte in ein Badgewölbe 
noch auf eine weit unangenehmere Art affi- 
cirt werden. Kaum öffnet sich die Thüre, so 
dnngt eine Wolke von heiüsem Wasserdam- 



— .94 — 



1 



pft-deih Eintiefenden entgegen^ und' setzt iKn, 
in Verbindung mit der Dunkelheit des^ Ortes, 
Jn den Zweifel , 6b er weiter vordringen oder 
zurückweichen soll. Ist -dieser Zweifel be- 
siegt, und er tritt in das Innere des Gewöl- 
bes, so hat er Mühe, seine Umgebung rbr 
Dampf und Dunkelheit zu erkennen , bis das 
Auge sich sammelt und die wassertriefenden 
Wände von dem Dunste zu unter^heiden im 
StandB ist. Man befindet sich auf einer Art 
von hölzerner GalLerie , welche ein Geländer 
von den tiefer liegenden Badebehältnissen 
trennt. Zu beiden Seiten sind hölzerne Na- 
gel an der Wand, um die Kleider aufzuneh- 
men, und eine kleine Bank.« Diese beiden 
nothwendi^en Requisiten hält man bei dem 
ersten Anblicke für überflüfsig, weil man 
durch die unglaubliche^ Nasse und den Schmutz, 
der sie überzieht, auf deren absolute Unbraüeh^ 
barkeit zu ihrer Bestimmung zu schliefsen 
gezwungen wird. Von dieser Gallerie fuhrt 
eine schlüpfrige Treppe, in das Wasserbehält- 
mfs, welches ungefähr SEwei und einen hal- 
ben Schuh tief Wasser 'hält, und in jedem 
Gewölbe von verschiedener Gröfse ist. ^In 
;dem kleinsten können 3 — 4 und in dem gröfs- 
ten 12 — 16 Menschen zu gleicher Zeit sitzen 
und Baden, lieber dem Wasser läuft unge- 
fähr einen Schuh entfernt , die höIzeMie Was- 
serleitung durch alle Gewölbe, und giebt nach 
der Gröfse der Bad wanne zwei, vier, sechs 
und acht , zwei Zoll dicke Leitung^öhren 
ab, aus welchen diö warme Fluth mit lästi- 
gem Getöse in das Beb altnifs herabstürzt, wor- 
aus es durch eine Ableitungsrohre eben so 
wieder unter das Gebäude abfliefst. Fenster 
und Thüren sind Uiftdicht geschlosten, um 



-So- 
ja die "Wäffüie' und die Oiinste ziisamtn&nzu- 
hftlten, welche die Atmosphäre des Gewölbes 
zu eiaem Dämpibade machen, das man im 
«nten Augenblicke vor Beklemmung kaum 
«oshaltbar hält , bis sich die Lungen und Haut 
nach einigen Minuten daran gewohnen , und 
et sogar behaglich finden. Was man nur sieht 
und berührt j ist naTs, schmutzig und ekelhaft; 
das Holz des Behältnisses ist schwarz, morsch 
und T.om Wässer aufgelöXst, ein schimmlich-r 
fäoler Holzgeruch dünstet von ihm aus. Man 
wünscht sich während jeder Badestunde vier 
Sinne weniger^ um das Widrige seiner Um- 
gebnng nicht sehen und fühlen, und das bcM* 
tänbende Getöse des einströmenden Wäissers 
nicht hören zu müssen. Dieser Uuistand der 
Badegewölbe ist für. den Fremden sa unge- 
wohnt und abschreckend 9 dafs man es kaum 
glauben sollte. Folgendes Epigramm könnte 
dalor. passend seyn; 

Verwunderung bei dem ersten Anblick, 
einet Badegewölhea zu Pfäferi« 

Wie t in ta ekelhafc tchrnntsigen Hallen 
Thront Pfäfera Nymphe, die Fürmn «ua allen? 
Sie. die mit Wanderkraft 
Steu neuea Leben schafFt! -« 

Still Freund! man findet ja fiberall Sparen 
Von grorser Heilwirkung der Ekelkuren. 

Dem Badgang yerbinden zwei Stiegeii mit 
dem nächst oberen Gange des Gebäudes » der 
Referent führt seine Leser über diese aufwärts, 
um ihnen ein Weiteres über die Art in Pia- 
fers zu -leben^ über die Tagesordnuüg u. s. w. 
zu erzählen. 



t ' 



-- 96 •? 

Die oben gemachte Schilderung des Lo- 
lL|deB ist ^zwar auffallend i aber leicht za glau- 
ben, wenn man das ungeheure Gebäude, die 
beständig grolse Anzahl /der Gäste mit dem 
geringen Dienerschaftspersonale vergleicht, wel- 
ches zur Beso^ng von allem jNöUugen auf- 
gestellt ist. Die ganze Badeanstalt hat nur 
eine Oekonomie , und wird von einem Di- 
rector geleitet, welcher der Statthaherei des 
Klosters, woher alle Bedürlnissö kommen, 
wahrscheinlich yerantwortlich ist« 

Eine Küche, und eine KaffBekiiche wer- 
den Ton einem Koche , . mit einte oder zwei 
Gehülfinnen, einer Taf eldeckerin | und einer 
Kaffeekochin rersehen. Einer sogenannten 
Betterin ist die Wäsche, und dem schon er- 
wähnten alten Bademeister das Badewesen an- 
vertraut,' zur Bedienung sämmilicher Kurgäste 
sind zehn bis zwölf Mädchen angestellt, wo- 
von einem jeden eine gewisse Anzahl von 
Gästen naiüentlich zugetheilt vrird. Es ist 
unmöglich für' ehie. Person, sechszehn bis 
zwanzig Gäste zu bedienen, und die Zimmer 
ifi gehöriger Ordnung und Reinlichkeit zu hal- 
ten, und eben so hart für den Kurgast, nur 
von einer bestimmten Dienerin seine Bedie- 
nung fordern zu können, da keine der übri- 
gen sich für verbunden hält, jemanden etwas 
EU besorgen, der nicht unter die ihr zuge- 
theilten Gäste gehört. Daher gröfstentheils 
die Unreinlichkeit der Zimmer und die höchst 
dürftige Bedienung, welche in Rücksicht auf 
den geringen Nutzen , welche sie dem Frem- 
den gewährt , überdiefs gar nicht wohlfeil 

kommt. 

« ■ 

Di«- 



~ Ö7 - 

Diese Mädchen lind nicht im Solde der 
Afistalty sondern auf die Erträgnisse angewie* 
sen» welche die festgesetzte Bedienungstax« 
Ton den Kurgästen abwirft. Nach dieser Taxe 
bezahlt Jemand, der ein Zimmer nur allein 
inne hat, täglich vier Kreuzer, wo mehrere 
ein Zimmer gemeinschaftlich bewohnen, jeder 
drei Kreuzer täglich, und bei der Abreise ein 
beliebiges Trinkgeld, welches für eine Kur^ 
seit Ton 21 Tagen doch wohl nicht weniger 
als einen grofis^ Thaler betragen kann. 

Die übrige oben genannte Dienerschah 
steht zwar im Solde der Anstalt, ist aber 
doch auf beliebige Geschenke der Kurgäste 
angewiesen , welche yon den Letzteren in eine 
verschlossene, gemeinschaftliche Büchse abge* 
f fielen werden müssen. . Nach eingeholten Er- 
kondigungen soll sich der mindeste Beitrag 
xn diesem Zweck auf drei grofse Thaler be* 
laufen* 

Ueberhaupt lebt der Kurgast bei aller Un« 
bequemlichkeit in Ff äfers nicht wohlfeiler, als 
in irgend einem andern Kurorte, wie die gleich 
anzugebenden Preise beweisen. 

Ein Zimmer kostet wöchentlich von Tier 
bis Tierzehn, und das Bett einen Gulden. 

Als Mittelpreis können also acht Gulden 
angenommen werden. 

Die Betten erheben sich höchstens zur 
BCttelmäfsigkeit, bestehen aus einer Matraze, 
einem Polster, aus einer Gouvert und einer 
Federdecke. Das lästigste davon ist der Laub« 
utckp worauf die Matraze ruht. 

Der Mangel des Strohes führt die Noth« 
wendi^eit mit sich, zu dem Laube, ab Surr 
Joiim. LX. B. 3. Sc. 



— 08 — 

regat die Zuflucht zu nehmen. Die yerschie- 
denen Sorten des Laubes geben einen Geruch 
Ton sich, der oft ungemein incommodirt, und 
'nicht selten aus dem besten Schlafe weckt. 

Das Frühstück aus Kaffee und Brod kommt 
'um 12 bis 14 Kreuzer , die Mittagstafel um 
einen. Gulden und der Abendtisch um 36 Kreu- 
zer, ohne Wein zu stehen. 

Vom letzteren hat man nur zwei Sorten, 
einen rothen Landwein für fünfzig Kreuzer, 
vnd Markgräfler für einen Gulden das Maafs. 

Man kann auch . auf dem Zimmer allein 
essen, und von den vorhandenen Speisen aus- 
wählen, welche im Durchschnitt^ aen Fehler 
einer schlechten Zubereitung haben; was um 
so mehr zu bedauern ist, da es an den Ge- 
richten eben nicht fehlt. Der Garten der Statt- 
halterei zu Ragaz liefert verschiedene gute Ge- 
müse ; die Alpen des Klosters verschaffen vor- 
zügliches Rind- und Kalbfleisch, und die Bäk- 
kerej sorgt für schönes weifses Brod. Die 
Tasse schwarzen Kaffees nach Tisch wird um 
acht Kreuzer gereicht. 

Die Wäsche wird so ziemlich wohlfeil 
und sehr reinlich gewaschen; der Pteis für 
ein feines Hemd mag uiigeßihr'7 Kr. betra- 
gen.. Uebrigens werden jedem Kurgaste täg- 
lich 12 Kr. für ein Bad in die Rechnung ge-^ 
bracht, er mag solches • nehmen oder nichts 
oder mag ein oder zweimal baden. 

Es kann alsa nach diesen Ansätzen jeder 
Kurgast darauf antragen, dafs er mit Inbegriff 
der Nebenausgaben für den Arzt , für Musik, ^ 
ta die Armenbüchse u. s. w. täglieh mit 5 
bl» '7 i^deA ausreiche« 



~ 99 «- 



\ 



Die Tageftoidniing ist übrigens einfach 
midi gleichförmig, für ein Bad, das nur Kur- 
ort ist , wie Pfafers , ganz geeignet ; aber sehr 
ahweiiAend rön dem geräuschvollen üppigen 
Trüben anderer grofsen Kurorte. Man erspa« 
ret den Aufwand auf die Pracht der Equipaj» 
gen , der Gesellschalts - und BaQkostiime, und 
läuft nicht Gefahr, den Lockungen des Ha- 
sardspieles eiii Sümmchen zu opfern. 

Morgens tod fünf, ja .von vier Uhr an, 
füllen sich schon die JBadgewölbe , und von 
sechs Uhr fangt es auf der Trinklaube an, leb- 
haft jra werden ; bis gegen sieben Uhr Idn ist 
diese am. meisten besucht j und gegen 8 — 9-^ 
10 Uhr wird sie allmählig wieder leer. 

Diä Bäder sind gemeinschaftlich; jedoch 
mit Trennung der Geschlechter. Gewöhnlich 
wählen sich' 2 — 4 — 6 Bekannte eine Stunde, 
in welcher sie ein, ihrer Zahl anpassendes 
Gewölbe besetzen. Nur in dem sogenannten 
Herren -Bade, welches daä gröfate und hellste 
ist, wird auf keine Stunde Rücksicht genom- 
mein, jeder Gast kommt und geht, wann und 
wie es ihm convenirt. Da es der Nässe we- 
gen nicht möglich ist, sich in den*^ Badege- 
wiilben aus - und anzukleiden , so erscheint 
jeder Gast in einem Unterbeinkleide, Bade- 
mantel, und in einem warmen Mantel gehüllt, 
mit einer Haube und einem Leintuche zum 
Abtrocknen. Wer nicht aus besonderer Ver- 
ordnung des Arztes auf die Erzeugung eines 
Ausschlages badet, bleibt von einer halben 
bis KU einer Stunde in dem Bade, eilt dann 
seinem Bette zu , und überlaTst sich ein Stünd- 
di«n der Ruhe , um abzutrocknen* Man kann 
anch in dem Bade einige Gläser Wasser trin- 

G2 



-i- 100 ' 

keQi wenn man auf der Trinklaulie wegei» 
Kürze der Zeit seine bestlmmle Anzahl Gla* 
ser nicht genieCsen konnte. Gewöhniicli er- 
scheint dort jeder ,Gast mit seinem Glase zu 
den oben erwähnten Standen, und leeret es 
nach der ärztlichen Vorschrift vier bis zwölf 
und fünfzehn Mal. In einer Stunde nach deni 
letzten GJase geht es mit grolsem Verlangen 
zu. dem Frühstücke. Die Zwischenzeit wird 
mit Auf- und Niedergehen in der Trinklaube 
oder in den Gängen des Gebäudes ^ im Ge- 
spräche mit Bekannten ausgefüllt. 

Hat man bei dem Frühstücke ein halbes 
Stündchen der Ruhe geopfert, so geht man 
entweder auf Besuch in] das Zimmer eines Be- 
)tannten, mächt einen Spaziergang auf den 
Gängen des Gebäudes, oder erhebt sich über 
die dtimpfe Tiefe auf die Anhöhe zu dem Ge* 
imsse der reinen Luft, uhd der interessante- 
sten mannichfaltigen Aussichten, wozu bei 
^eiteren Tagen die im höchsten Sommer et- 
.was vor zehn Uhr erscheinende Morgetfsonne 
(einladet. Der Badewelt zu Ffäfers ist die 
.Wohlthat des Sonnenlichtes eben so kärglich 
^BUgMieilt^ indem dieses zwischen 2 und 3 Ulir 
Mittags schon wieder für sie verschwindet. 
Pas Schöne und Angenehme, welches der 
Berghang westlich vom Badehause den Lust- 
wandelnden bietet, hat viele Kurgäste be- 
stimmt , denselben links und rechts des Va- 
lenser Weges mit Gängen durchschneiden zu 
lassen, mit Anlagen zu zieren, und. an den 
f Uteressajitesten . I^unkten Ruhebänke anzubrin- 
e^n, dqfeiü.&ich gegenwärtig schon eine ziem- 
liche Anzahl .^voprliiidet, welche je^er Sonuner 
itjQc^i xg||ugrp|Wfi,lfpt. . Pde gesuchtesten diar- 



/ 



I 

- *l 

% 



^ 101 ^ 

tiis sind: der Freiidenberg,die Zufriedenheit, 
das Verlangen , St. Gallen y zur Harmonie^ 
Pilgiereroh, Jakobsruh, Karolinenruh , Rhein- 
thal, Mayenfeid, Kalandaschau u. 8. mt. , wo^ 
TOn jede Stelle eine andere angenehme Aus- 
aidht gewährt, unter denen sich jene auf der 
Kalandaschau und dem Freudenberge besonn 
ders auszeichnen. Die vortreffliche Ansicht 
d^s heben 'Kalanda f des >Ionteluna , der grau^ 
btindnerischen Gebirge Eläscher , Fälknifs, der 
rothen Wand u. s. w. , bereitet den ange« 
nehmsten Grenufs, welchem man täglich neue 
Reize abgewinnt, da die irerschiedenön Funkte, 
auf welche man geräth, beständigen Wech- 
sfei des Gesichtskreises gewähren. Unvermerkt 
rückt die Olittagsstunde heran, und die um 
12J Uhr ertönende Glocke erinnert zur Rück- 
kehr in sein Zimmer , oder in den Speisesaal. 
Nach Tische machen sich die Damen gewöhn- 
lich Visiten, die Männer unterhalten sich kurze 
Zeit auf dein Billard, bis bei schönem Wetter 
alles wieder den Berg hinaheilt, um sich ent- 
weder auf seinen Ruheplätzen zu unterhalten, 
oder kleine Ausflüge nach Valens, nach der 
Mühle, zum Wasserfall u. s. w. zu machen, 
woher man gegen 7 Uhr zur abermaligen 
Tischzeit wieder zurückkehrt. An den Re- 
gentagen sammeln sich die Bekannten in Ge- 
sdlschaften auf den Zimmern, unterhalten sich 
auf den Gangen , oder vereinigen sich auf der 
Trinklaube zu kleinen UnterhaltungsspieleUf 
welche auch öfter nach der Abendtafel in dem 
Speisesaale die Zeit verkürzen. 

Der herrschende Ton ist überhaupt der 
freundschaftliche , gefällige , — der einer Fa-- 
müie, als welche die ganze Gesellschaft sich 
bttfichtet. 



— 102 — 

Dar Taus i5t eiiie seltene AbendunterhaU 
tung , un4 gröbtentheils nur an Sonntagen ger 
wohnlich y wo oft^r Fremde aus der Nachbar* 
Schaft, z. B. Tpn Chur, auf Besuch ihrer Be« 
kannten kommen. Da man Erhitzungen wäh« 
rend der Kurzeit für nicht sonderlich räthlich 
Jtiält, so wird der Tanz eben nicht besonders 
kuliivirt, und die Kurgäste eilen lieber friih- 
^itig iluren Betten zu^ um mit dem frühen 
Morgen witsder auf den Beinen zu seyn. 

Oefter in der Woche macht ein Theü der 
fiadegesellschaft eine Excursion nach dem ein« 
Stunde entlegenen Kloster Ffafers, um dort 
ifittag zu halten. Der Tisch ist da um den- 
^l{»en Preis, wie im Bade, ganz vortrefilich, 
und in der ange^^men Gesellschaft des Herrn 
Firälaten, des Herrn Dekans, und des Herrn 
Statthalters , ist man sehr gut gehalten. Man 
kann ihren Wetteifer kaum verkennen, ihre 
Gäste' auf ^lle mögliche W^^se für die Müha 
zu entschädigen, eine viele hundert Stufen 
hohe Bergtreppe , die höchste in der Schweiz 
— - Ton dem Bade aufgestiegen zu seyn. Nach 
dem Tische Wird die Gesellschaft gewöhnlich 
Ton dem Herrn Prälaten selbst auf den Tabor 
(ein Standpunkt nördlich vom Klöster) ge- 
führt, wo die unerwartet reizende Aussicht 
wahrhaft entzückt. Den Flecken Ragaz zu 
den Füfsen, überblickt das Auge vielleicht 
das reizendste Thal in seiner Art, das der 
Rhein durchzieht. Westlich von dem Scholl- 
berge, und im Hintergrunde von doti schrof- 
fipn Felsspitzen der sieben Kurfürsten^ nörd^ 
lieh von jenen des Fälknifs, der rothen Wand, 
des Fläscher, u. s. w. östlich von dem ho- 
hen Gebirge an der reifsenden Land{|ua]::t lind 



— 103 — 

iiidlich ton den Alpen um Ffafers begränzt — 
liegte» eine halbe Stunde breit, und eine Stunde 
eti^lang, wie ein scbSnes FaDorama yor dem 
▲uge., die Ortschaften Mayenfeld, Milans, Je-> 
iiiAS mit ihren Gärten ^Wiesen und Wein- 
bergen in seiner Mitte, und die Ruinen so 
vieler, aus der Vorzeit berühmten, Burgen: 
und Schlosser um sich herum. 

Es lohnet die Mühe, diesen Funkt öfter. 
SU besuchen, und länger da £u verweilen, als 
dieses bei einem gewöhnlichen Besuche der 
Fall ist, wobei der zu frühe heranziehende 
Abend an die Rückkehr erinnert. 

Der Herr Frälat begleitet seine Gäste auf 
Sirem Rückwege gerne bis an das Ende des 
Dorfes; Er ist ein sehr gefälliger freundlicher 
Mann von mittlerem Alter, besondere Vor<- 
sHge und Bildung des Geistes machen seinen 
1/mgang anziehend. Seinem Sinne für das 
Oute soll das Bad seit mehreren Jahren so 
Viele Vervollkommnungen verdanken, dafsman 
es jetzt gegen friiher kaum mehr erkennt;, 
und doch harren der gelrechten Wünsche noch 
so viele auf ihre Erfüllung. Von seinem Gei- 
ste lä&t sich alles erwarten, wenn nicht un- 
überwindliche Hindernisse vom Gonvente aus, 
seine Hände lähmen, was man beinah glau- 
ben möchte, da der gegenwärtige Zustand des 
Bades gegen die angenehme Fersönlichkeit' 
des Herrn Frälaten zu sehr absticht. 

Eine der interessantesten Merkwürdlgkai-« 
ten des Bades soll der Gang mir Quelle, und 
diese selbst seyn. Der Weg dahin ist eine 
Viertelstunde laug, und geht von dem Bad- 



— 104 — 

knse au in einem schauerliclieii Schlund imf 
einem Stege von oft nur einen Schuh breiten 
Brettern, ohne Geländer, von den Wasser« 
dünsten stete feucht, und gerade über der 
schrecklich tobenden Tamina hinführend. Maji 
hat den-Flufs immer 38 — 40 Schuhe tief ,un- 
ttt sich, und mufs sich der herunterhängen* 
den Felsstücke wegen oft gebückt durchzwin- 

fen. Referent machte diese Fahrt nichts er 
onnte sich an diesen schauderhaften Anblick 
nicht so bald gewöhnen^ ist also nicht im 
Staipde eine Beschreibung davon zu geben., 
Mehrmal hat sich schon das Unglück ereignet, 
dals Menschen hinunterstürzten, und von den 
tobenden Wellen an den Felsspitzen sogleich 
sertrümmert wurden. 

' Der oben erwähnte alle Charon ist der 
gewöhnliche Führer der Fremden auf dieser 
eehrecklichen Wanderung. Die Quelle soll 
Sbrigens so reichhaltig flicfsen , dafs die Hälfte 
des Wassers sogleich in die Tamina abläuft, 
das Bad dessen nicht bedarf. 



Bei der gewöhnlichen Methode, die Wir-^ 
knng und den Werth eines Mineralwassers 
ni^ch'den Bestandtheilen zu beurtheilen und 
sn- erklären, welche die Chemie herausdestil« 
lirt und kristallisirt , dürfte der Arzt nirgends 
mebr in Verlegenheit gerathen , als bei Ffä« 
üsrs* Höchstens könnte dabei die HahnemanrC- 
sehe Ansicht gewinnen, und der Nutzen der 
millionfachen Verdünnung Bestätigung finden. 
Die Chemie entdeckt nach den neuesten Un- 
tiersuchungen des Herrn Apothekers CapeUer 
in Chur zwar einige Bestandtheile , welche 
euch in andern Mineralwässern getroffen wer-- 
den^ aber im Betracht zu den täglich beob-« 



•c3il«toii, ungewohnlleheii Wurkungett nüf den 
kranken Organismas. durchaus in einem; «o ge- 
ringen Verhältnisse, dafs ihre Unschuld jeden 
SadiYerstandigen einleuchten mufs. 

Das Pfäfers- Wassers. ist' sowohl an der 
Quelle als in dem Badhause , wohin es wohl 
eine kleine Viertelstunde weit geleitet .wird, 
gans rein ttnd> krystallhell; bleibt auch nach 
dem gänzlichen Erkalten ohne, Trübung und 
Niederschlag, läfst den Boden und die Gegen- 
stände , worüber es aus den Abflufsrohre'n der 
Bäder bis zu seiner Vereinigung mit der'Ta- 
mina fliefst, gänzlich unverändert, und ei^lgiälc 
sich in verschlossenen Flaschen 100 und ineh>^ 
rere Jahre unverdorben, und in seinetdr- 
sprÜDglichen Klarheit und Reinheit , wie man 
diefs in dem Kloster Pfäfers sehen kann. 
Seine Temperatur ist an der Quelle zwischen 
30 und 30§ ^ unid in dem Badehause zwischen 
29 bis 29|- Grid nach Reaumur. Es kühlt 
langsam ab, uD|d hat warm, wie kalt, we- 
der Geschmack "^ noch einen andern Geruch, 
als destillirtes Wasser. 

Die Eigenschaft, die Blumen wochenlang 
frisch zu erhalten, oder die halb verwelkten 
wieder zu beleben j besitzt es im hohen Grade. 

Hr. Apotheker Capeller fand durch seine 

' Untersuchung im Jahre 1819 folgende Bestand- 

theile, in einem Pfund Wasser zu 16 Unzen: 

Salzsaure Talkerde) rM^ar^^^ 

Extractivstoff \ ' ' 0,t6GraD. 

Salzsaures Natron . . . 0,21 -— 

Harzstoff . 0,06 — 

Schwefelsaures Natron • .. 0,62 — 

Sehwafelsaure Kalkerde • 0|37 — 



«^ 106 ~ 

Koblenftanre Kalkerde • 7 0,32 Gran; 
Kohlensaure Taikerde • ^ • 0,87 — 

In allen dies'to Eigenschaften zusammen- 
genommen ist wohl der Grund der alle übri- 
gen übertreffenden, ja für denjenigen , 'wel- 
cher sich durch längere .Beobachtuiig an- der 
Quelle nicht selbst überzeugt hat, wahrhaft 
ongl^ublieher Heilwirkungen ^esea Wassers 
kaum aufzufinden. 

'• Man kann in jeder Badezeit beinah ganz 
vowelkte Subjekte nach mehrwpchentlichem 
Gebrauch desselben wie neu aufleben sehen, 
und weifs darüber eben nicht mehr zu sagen, 
als. man angeben kann, auf welche Weise die 
nämliche Erscheinung bei halb verwelkten Blu- 
men lierrortrete. 

IJr. Doctor JCaiser sagt in seiner Tortreff- 
lichen Schrift: (fas Wasser wirkt belebend ^ und 
damit mufs jeder unbefangene Beobachter über- 
einstimmen. Wer drei bis Tier Tage nach 
Vorschrift getrunken und gebadet hat,/ fühlt 
nun neue, lange vermü^te, nicht zu beschrei- 
bende Wärme in allen Adern^ die trägen mü- 
den Glieder bewegen sich leichter, die Ge- 
sichtsfarbe, der Blick, werden lebhafter; die 
runzlich trockene Haut wird weicher, fettli^ 
eher, der Appetit wächst, der Fub schlägt 
kräftiger und schneller, ein vorhin träger, be- 
täubter Schlaf ändert sich in einen leiseren, 
etwas unruhigeren^ und Sahlaflosigkeit bei 
aufgeregtein Zustande in Ruhe um. Die Be- 
deckungen, welche vorbin zu kühl waren, 
werden zu warm und erregen leicht Schweifse. 
Der Urin flief^t in Strömen , und die Stuhl- 
ejitieeron^n bleiben wie sie waren^ oder wer- 



— 107 — 

des wciil gar anterdriickt , nur Ia seltenen 
Fiillea Tennehrt. Empfindliche Subjekte be- 
fillt öfter ein in einigen Sekunden' vorüber- 
gdiender leichter Schwindel , — - eine Erschei- 
nung, welche die,mehrsten Kürgäste sogleich 
nach dem Genüsse eines jeden> Glases. Was- 
sers an sich beobachten können. — Ueber- 
milSi^ ReizbariLeit wird vermindert^ und 
schmershafte Krämpfe beruhigen sich; dage- 
gen erwachen lange vorher zum Schweigen 
gebuchte und ganz vergessene Krankheitsge- 
ISlile besonders in Narben von Yerwundun« 
gen, oder in arthritischen Geschwülsten und 
manche Krankheitssymptome steigern sich, um 
allmählig nachzulassen und auf immer zu ver<- 
schwinden. Kein Wunder, dafs neue Hoff- 
nungen das niedergedrückte Gemüth des Kran* 
ken im hohen Grade erheben: Was man in 
anderen auflosenden Bädern > z. B. in Karls- 
bad, in Marienbad etc. von stürmischjßn krr« 
fischen Entleerungen von Krankheitsstoffen, 
öder Produkten lange andauernder Störung der 
tegetativen Funktionen durch den Darmkänäl 
beobachtet, ist in Ffäfers eine Seltenheit. 
Nicht oft ist der Darmkanal der Weg, auf 
welchem Krisen erfolgen ; im Gegentheil ist 
Neigung zur Verzögerung der Stühle weit ge- 
wohtilicher, und Referent kann jedem rathen, 
welchem regelmäfsige, oder wohl gar häufigere 
LeibesöfihuDg zum Bedürfoifs geworden ist, 
wie man diefs sehr vielfältig antrüi):, diesen 
Verzögerungen ja nicht unthätig zuzusehen, 
Sondern bald mit leicht eröffnenden Mitteln 
ton dem Arzte nachhelfen zu lassen. Die 
ürinwege und die Haut, auch die Schleim- 
häute der Lungen , sind die Hauptkanäle, wo- 
durch lic^ in riäfers allmählige 9 nicht sehr 



— 108 - 

tttigreif^nde Eniedieidubgen mäclben.' Der Urin 
jäbertriiSt an Menge die zu sich genommeneik 
tSidträlike sehr weit, ubd' man kann anneh- 
men', dafs die Natur fiswei Drittheile der Krise 
durbh die Urinwege bewirke, und das übrige 
Drittheil auf die Haut u. s. w. Tertheile. 

Es ist liberdiers hSchst wahrschein-* 
lieh,, dafs die in vielen Fällen sich yenneh- 
rende Secretionsthätigkeit der Lungenhäuto 
eine Wirkung . der in dem Bade eiogeathme- 
ten warmen feuchten Dämpfe sej. Jedes Bad 
ist ,zvL ^l^icb.er Z^it auch Dunst- oder Dampf- 
bad, , und, aus dieser UrsacW ^n manchen fäl« 
len, bei sehr reizbaren, hysterischen Subjek- 
ten mit. Neigung zu Blutwallungen .nach dem 
Kopfe oder g^gen die Brust durchaus nicht 
finwendbar ; jso sehr es auch übrigens die krank- 
haft erhöfate-Empflndlichkeit herabstimmt^ und 
übermäfslge Reaction und Mobilität besänfti- 
get. Bei dem Eintritte in das dampfende Bad** 
gewölbe, befallt jedem bahger Zweifel über 
die Möglichkeit, in der scheinbar unaushalt-« 
baren Hitze und Feuchtigkeit länger, als eine 
Minute aushalten zu können, und kaum hat 
man sich einige Minuten unter das warme 
Gewässer versenkt, so vrird zur Wohlthat, 
was vorher höchst lästig schien. Man fühlt 
sich stufenweise leichter, behaglicher, und 
endlich in einem wahren, in keinem Bade je 
empfundenen Wohlgefühle ; nacji 30 — 40 — 60 
Minuten geräth die Haut in einem leichten 
Schweifs, welcher erst, wenn man das Was- 
ser verläfst, sich abtrocknet und wieder an-« 
kleidet, in Strömen fliefst. 

Da man von dem Bade hinweg , über dem 
Zug der Luft ausgesetzte Gänge, und oft zi^m-- 



- m -- 

Udi weit gehen muTs , so ist es rKUüIch ; sich 
dieses ^SchweiJses wegen mit dicken woUenen 
StriUnpfen, mit dicken Beinkleidern und ei* 
iiem. guten Mantel nebst Haube zu versehen. 
Wenn man sich bei dem Jiustritte aus dem 
Badgewölbe im gröfsten Schweifse , und . in 
die weit kühlere Temperatur der Gänge ver» 
setzt fühlt, so hält man eine Verkühlung für 
unYermeidiich , und doch hört man äuTserst 
selten Ton einem solchen Falle, Die Haut 
scheint im höchsten Grade ihrer Tl^ätigkeit 
und Reaction gar keine Receptiyität tat neue 
Einwirkungen zu haben« 

Ffafers hat als Bad Vorzüge, welche kei- 
nem andern Bade eigen sind, und diese be- 
stehen : 

I) in der beinah jedem Körper anpassen- 
den Temperatur des Wassers, gemäfs welcher 
es weder dur|:h Erwärmen noch Abkühlen et* 
wi^ Ton seiner Kraft verlieren kann: 

' 2) in dem Umstände, dafs der Badende 
immer im Strome, im fliefsenden TVasser sitzt, 
und durch das Wasser gleichsam wie durch 
eine Leitungskette mit dem elektrisch -galva- 
nischen Heerde in Verbindung steht, welcher' 
seine Strömungen in dem Wasser fortsetzt, 
und im Konflikte mit dem kranken Organis- 
mus . dessen Heilbestrebungen entwickelt ; 

3) dafs die aus den Leitungsröhren stür- 
zenden Wasserströme in jedem Gewölbe für 
eile beliebige Theile des Körpers als Douche 
geraucht werden können. 

Ref. wiederholt den Ausspruch des Dr. 
JEmerx j^Pfäfers wvriu rein belebend.'^ Es belebt 
4ie .-an» . ilurem zweckmäGugen Gleichgewichte 



^ 110 <» 

mit dem Ganzen znriickgesutikenen Tbeile, 
und gleicht die regelip?idrige Yertheilung der 
Kräfte aus; es belebt den ganzen Organismus, 
damit er die in den kleinsten Verästlungen 
der Gefölse stockenden, aufser Verkehr ge- 
rathenen, der freien Lebensäufserung hinder- 
lichen Stoffe neuerdings gleichsam wieder ver-' 
daue (auflöse), in den Kreislauf und in le- 
bendige Bewegung setze, und auf ein^n sei- 
ner Aussonderungswege aus seinem Kreise 
entferne. 

Was Marienbad, Karlsbad, i|. s. w. durch 
die Menge ihrer auflösenden BestandtheiTe 
gleichsam direct leisten, wird hier mehr als 
Folge der regeren Lebensausdehnung erreicht. 

Ref. ist der Ueberzeugung, dafs die na- 
türliche Wärme dieses Wassers — der Effect 
des in ihm noch fortbestehenden lebendigen 
Elektricitätsaustausches , eine absolut nothwen- 
dige B^edingung seiner Heilkraft sey^ und er- 
wartet daher wenig von seiner Wirkung, wenn 
es in die Ferne verschickt getrunken wirdj^ 
obschon man viel Vortheilhaftes davon zu, rnb^, 
men weifs , und jährlich viele hundert Kistea 
versendet. 

Man will sogar behaupten, dafii das ver^ 
schickte Wasser, wenn es neuerdings ange- 
wärmt worden ist, eben so wirksam sey, als 
an der Quelle. 

Die speciellen Leiden, welche Hr. Dr. 
Käher in seiner ' Schrift unter die ffir PfSibni' 
geeigneten zahlt, sind mit «einen eigenea 
Worten* folgende : 

1) Fehler dei Magens, bei Säure im4 
S cM ffi iaOT O H" fe dwmfachemEf. brechen, toa 



•■ \ , ' ^ fit m, 

TtncJiiediener Unache, «unier bei Schwängern 
und wirklichen Desorganisationen. Ausge* 
zeichnet wirkt es beim Magenkrampf, beim 
reiB nervösen, beim metastatisch -gichtischen, 
rheumatischen, den von Hämorrhoiden und 
rarackgetretenen Hautausschlägen. 

2) Leiden der Leber und des Pfortader« 
sjrstems scheinen das eigentliche» ausgebrei-t 
totste Feld für Ffäfers zu seyn. Man kann 
täglich Augenzeuge seyn, wie sich Gelbsüch- 
tige, mit allen Nüanzirungen der gelben Farbe 
täglich mehr erbleichen^ stündlich zu nehmen, 
und endlich ganz hergestellt werden. Giebt 
man sich die Mühe, wie es Ref. bei yielleji 
solcher Kurgäste gethan hat, sie um die Ur- 
sachen: die Entstehungsart uud die Fortbil- 
dung ihrer Leiden durch Ausfragen genauer 
zu erkundigen, so bleibt oft kein Zweifel 
übrig, dafs Infnrcten, Aufüreibungen , ja selbst 
Verhärtungen der Leber^ des Milzes, des Pan- 
kreas u. s. w. es waren, was das Wasser zu 
losen und zu heilen hatte. 

. 3) Nervenleiden, besonders von erhShtei^ 
Reizbarkeit oder Schwäche des Gangliensy- 
stems, Hypochondrie und Hysterie^ bald cum, 
bald iine materia der Aken. Krampfleiden, 
allgemeine Verstimmung und Schwäche des 
Iferrensystems von krampfhaft erhöhter odw 
▼eiminderter Empfindung; wie beim Schwin« 
dfll,' dem partiellen Kopfweh u. s« w. 

4) Gicht, Rheumatismen, chronische Haut« 
«iMBcliUge, besonders die von Versetzungen 
dieser Krankheiten herrührenden Leiden al« 
Itat Aft. 



-^ 112 ~ 

5) Schleim • uii4 passlre Bluiflusse ,' und 
mehrere Krankheiten des Lymphsystemes. Bei 
Schleimanhäofungen in den Lungen, von Man- 
gel an Ton , Energie und eigener Contraction. 
Hämorrhoiden, wenn sie nicht entzündlicher 
oder mehr symptomatischer als idiopatischer 
Hatur sind. Unterdrückte Menstruation von 
asQ sähem, zu, dicken Geblüt, dem es an in^ 
iierem Triebe fehlt, und die von wässerigem, 
schleimigen , kachektischen Blute, sammt der 
sich bildenden Bleichsucht, wo es an partieller 
tmd allgemeiner Vitalität mangelt. Skrophel* 
krankheit, Bhachitis und nicht zu veraltete 
ILropfe, schweres Zahnen^ oder gehemmte 
Entwickelungsperiode der Kinder. 

6) Die Krankheiten des Harnsystems, das 
erschwerte, schmerzhafte und unterdrückte 
Harnen ; mehrere Arten von Zschurie ; das Un- 
vermögen Harn zu halten, den Gries, den es 
häufig abführt, und die Neigung Stein zn er- 
zeugen, ßef. war selbst Augenzeuge, wie 
das Wasser bei einem sehr empfindlichen, 
hjrpochondrischen , an Hämorrhoidalzufällen 
lange leidenden Subjekte eine veraltete, wahr- 
scheinlich auf zu grofser Empfindlichkeit und 
Reizbarkeit des Blasenhalses beruhende Harn- 
ttrenge sogleich hob. 

7) Lähmungen , Contrakturen und Schwä- 
che nach/ vorausgegangenen Verwundungen. 
Anchylosen , Gelenksteifigkeiten u. s. w. Hier 
sollen die Bäder ^ verhältnirsmäfsig lange ge- 
braucht, Wunder wirken. Kef. hatte das Glück, 
an sich selbst eine interessante Beobachtung 
Von der staunenswerthen Wirkung dieses Was- 
sers und dergleichen Leiden zu machen. Er 
hatte an dem ersten Gelenke des Mittelfingers 

in 



— 113 — 

in der Fläche der linken Hand ein Ueberbctin 
iron der Gröfse einer kleinen Bohnen welches 
swei Jahre früher nach einem Drucke der 
Beugeflechse dieses Fingers 'entstanden war. 
Nabh viertägigem Gebrauch des Wassers wurde 
das Ganglion sehr empfindlich, schmerzte, und 
Terschwänd nach acht Tagen, ohne Hinter- 
lassung der geringsten Spur. Was Lähmung 
betrifEt, so warnt Dr. Kaiser diejenigen vor 
dem Gebrauche von Pfafers , welche noch fort- 
wälürend Gongestioniei^ nach dem Kopf^ als 
Ursache des Schlagflusses, und der darauf fol- 

Eifnden Lähmungen haben, indem es gerne 
eddiVe hervorruft. 

Zuletzt; sagt Hr. Dr. Kaiser^ darf nicht 
Tergessen werden , was dieses Heilbad dem 
swar gesunden , aber vorgerückten Alter, oder 
dem vor der Zeit Alternden , durch Slühe und 
Arbeit Erschöpften oder Reconvaleseenten nach 
schweren Krankheiten sey. Es ist ein wah- 
res verjüngendes und Leben verlängerndes Mit- 
tal. Wenn man steife^ gleichsam eingetrock- 
nete Greise, wo die Natur unwiderstreitbar 
ihr Recht zu behaupten scheint, oder durch 
Erschöpfung Hinwelkende nach wenigen Bä- 
dern, heiteren Gesichtes und lebhaften Ganges, 
beobachtet, so könnte mau sich leicht verlei- 
ten lassen zu glauben, man hätte die wahre 
Lebenspanacee gefunden. Wie nach Karlsbad 
und Marienbad, so bringen die Kranken auch 
nach Pfafers das aus eigener Meinung hervor- 
gegangene oder von ihren Aerzten eingeso- 
gene, in den meisten Fällen nachtheilige Vor- 
urtheil mit, als müssen nach Tfafers andere, 
snehr tonische , eisenhaltige Wässer gebraucht 
Jtfänu LX. B. 3* 8c* H 



~ 114 — 

werden , um wieder zu stärken , was 
5tere geschwächt habe. 

Schon durch den Ausspruch, dab 
nur durch seine belebende Kraft heik, 
der Veberflufs solcher Nachkuren ai 
chen, wenn auch die Erfahrung nidit 
hätte, dafs die heilsamen Nachwir] 
präfers oft noch mehrere Monate 
dauern, und durch den Gebrauck 
Wässer nur zum Nachtheil des Gaum 
brochen werden müssen. Ref. boriU 
wahrem Vergnügen, dafs der würdigt Dt j 
ser diese Ansicht mit ihm theUe, 
derselbe , wenn er den ZudringlichUhi] 
eher Gäste nach St. Moritz oder wA 
nahen Fideris zu gehen , durchaas adll 
weichen kann, doch wenigstens Zeit 
ungestörte Nachwirkung von Ffäfen 
winnen suche , und vorher eine Reist M 
Schweiz, besonders in das herrliche CEllI 
Boromeischen Inseln kluger Weise 

Nicht anwendbar ist Pfafers, naij 
Dr. Kaüer, bei wahrer VoUblütigkflit,» 
gestionen, besonders nach Kopf vni 
bei Neigung zum Bluthusten, Lunga 
bei activen Blutflüssen , bei ApopleiitiJ 
achter Entzündung und allen Fiebern, !■< 
schopfenden Eiterungsprozessen edler C 
beim Knochenfrafs und Skirrhen, ^i®^^ 
überzugehen drohen; bei den meiste« "• 
von Wassersucht und Schwangerschaft. 

Man sieht aus dem Gesagten, W' 
Wirkungssphäre der Pfäfersquelle aufsei** 
fassend und zuverläfsig ist, und dafttf** 
der Mühe lohnet, sich den dortigen W 



- 115 - 

mächlichkeiten einige Wochen lang zu erge- 
ben, und seine Bequemlichkeit den Vortliei- 
len für die Gesundheit aufzuopfern. . Wer sich 
dazu entschliefsen kann, der benutze aber ja 
des Ref. gutgemeinten Rath: 

1) Vor der Hälfte des Monats Junius nicht 
hinzureisen ; 

2) durch ein Torausgeschicktes Schreiben 
an die Direktion sich eines der besseren Zim« 
mer zu versichern; 

3) sich jnit Spiegel^ Stiolelzieher » Badef- 
mantel und Wäsche zum Abtrocknen nach dem 
Bade, dann auch mit Bettii?äsche und ande* 
Ten kleinen Requisiten sorgfältig zu verse- 
hen, und 

. 4) wenn ;e8 möglich ist, eigene Diener- 
schaft nicht zurückzulassen. 



H 2 



— 116 — 



V. 

Kurze Nachricht! 



and 



a 



i 1 



Auszüge, vi 



1. 

Einige Bemerkungen über die j^asÜbtuig itrt 
in England. Vom Prof. Dr. ff^ap»»^ 



L)it Ausabung , der Medizin befindet liifcil 
Und in den Händen von dreierlei PenoM^ 
lieh in denen der Aerste, der Chiruigiii^ 
sogenannten Apotheker« 

Die Aerzce Londons bilden snsanuMiAl 
lege of Physicians» Es wurde eis eins ifP 
hörde constituirt von Heinrieh VIlLf 14 
Titel : the President and College or CbiM 
die faculty of physic in London ^ und btfl'l 
selbe tus : 

i) den FellowSf welche entweder sof 4| 
beiden englischen Universitäten, oder iyjj 
College zu Dublin (der irländischen Ub>4 
den DoKtorgrad erhalten haben mflisea« b^ 
letzten Falle müssen sie aber doch no^ ^ 

♦) Ein Bnichstück aus einer nachitens eiM^S 
ausführlicheren Schrift über die Mediahul-^B 
und den jetzigen Zustand der Heilkunde la v>* 
tannieu iwd Irland. 



— 117 ~ 

^er Universität zu Oxford oder Cambridge incor- ^ 
porirK worden seyn, 

2) Den Candidates, welche auf einer der ge- 
nannten Universitäten zu Doktoren der Medizin ' 
(Doctors of -physic) ernannt sind, auch dai zur Er- 
langung des Fellowshzps erforderliche Examen be- 
standen haben, aber sich noch im ersten darauf fol- 
genden Jahre befinden , nach dessen Ablauf sie dann ' 
Tellows werden. 

3) Den Inceptör Candidates , welche auf einer 
der genannten Universitäten nur erst den Grad ei- 
nes Bachelors of physic erlangt y und in dieser Ei- 
genschaft sich um das Fellowship beworben haben. 

4) Den Licentiatcs , welche auf einer anderen 
Ceiner von den Schottischen Universitäten) graduirC 
mrorden sind; und die Erlaubnifs erhalten haben» 
in Liondon selbst und dessen Gebiete (d. h. in ei- 
nem Umfange von 7 Meilen um die Stadt herum)» 
praktisireu zu dürfen. 

5) Den Extra-' Licentiates f welche auch auf ei- 
ner anderen Universität graduirt worden sind, und 
die Erlaubnifs zur Praxis auf dem Lande , nicht 
aber in dem bezeichneten Gebiete von London be- 
sitzen. ->- Die Gerechtsame des College of physi' 
eians erstrecken sich nämlich nur auf London und 
die nächste Umgebung , bis zu einer Entfernung von 
7 Meilen« In diesem Gebiete darf keiner als Arzt 
praktisiren y wenn er nicht dem Collegium der 
Aerzte angehört» und es hat das Collegium (ßi9 
jedesmaligen Vorsteher desstlben) die Verpflichtung» 
liieT danach zu sehen, dafs die Medizin auch von 
den mar Praxis berechtigten nicht unzweckniäfsig 
«OSgeübt werde (dafs keine mala praxis Statt finde)» 
■o wie es auch das Recht besitzt, alle Arzeneien 
«• •• w. » die hier verkauft werden» zu untersu- 
chen» und bei ausgemittelter Verfälschung oder Un- 
canglichkeit » Strafe zu verhängen. *) 

J&hrlich wird ein Präsident des Collegiums der 
Aente erwählt; (während meines Aufenthalts in 
London war es Sir Henry Haiford ^ Leibarzt des 
Königs). Aufscrdem noch sieben Vorsteher (Elects); 

*)' So lauten die bcstcheiidm Vorschiütcn , welche aber 
■ ixeilich nicht gcuHii beiolgt zu ,we£deu scheiueu. 



— IIÖ — 

dlmil« Sit Ltieai Pepys, Dr> Jamti Beroey, Dr. 
John Latham, ict nun verltorbene Dr. matkeio 
Baitlie, Dt. tdicard Zoherts , Dr. Henry JInsly und 
Dr. Arthur Seone. Fiiner vier Cenaoren: Dr. Ji/i, 
Dr. Brigkt, Dr. Chambers und Dn £ojr-ton. Sedinn 
wird iiifojfa einer ün Jibre 1774 paisirten Acte for 
rtgulating madjigutet , lu dieieni Behuf« jlhilich 
«ine eigns Commiaaion , lui fdnf Mitgliedern de* 
CoUeeiiimt drr Acrite beatehend, einaniit, welcher 
beaonder« die Aufsiclit abec-die Privat - Irre ahn tiSet 
obliegt. 

Dil dem College of physieians ^Aäitni« Ge- 
büude liegt in einer engen Gaase de^ City (ff'-ar- 
wicklane); mm gebet jedoch jetit- damit um , ein 
nenea prachtTollea Gebäude in der Nike von Carl- 
tonhouje la errichten. Da* Collegium beaitzt eine 
Simmlune: initomischer Pripirice, welche Dr. Bail- 
lie denselben geichenkt hii; ferner eine Stmmlang 
Mr Materia medica , Und eine nicht unbedeutende 
Bibliothek. *) 

Die tur irztliehen Fnixii , oder eigentlich lur 
Prixi* *li Aente in England berechtigten Peraonto 
•ind nun die oben genannten Mitglieder des College 
of physicians, und iwar die Fellows, Candidates, ' 
tveeptor Candidatei und lAcintiates in London und 
einer Runde von sieben Meilen, d,ie Extra Lieen- 
tiates aber nur anraerhalb dieaea Gebiete, und hier 
haben auTaerdem noch alle Doctoren von Oxford 
und Cambridge die Eilaubnift tn prictitiren, wenn 
üe auch nicht dotp Londoner CoUegio engehOren, 

•> Hier beGnden lich auch die getrockneten i.i.d unf HoIb 
amg^pamiieii Träp>raie vum Nerven- und Geftfi-S)-- 
■tf^e. von denen Wn, besonder» »eil sie In dem B<9- 
litie der Nachlttiinmeii Il.n-<.yy< lieh bef..ndon, iirlger- 
weiiB giaiibto, dafi Hiirrry si" skIIsi ȟrtertigt , und 
letztere Kiir Oemoiutoiiun des IDutuml.nxfui gäbmucht 
habe. Onnz ähnliclie liabeii sich aber Im Collige Bjf &it- 
econK gefunden, lu.d diese riiliiüji vom FabrOhi^ H'ir- 
?AoZi*.M von Padni, einsm GeJiiilien r-'^Jing-s her. John 
Bv€hn entaod «e von dieiem. bcschie ata n^cli Lon- 
don lind iChenkte «ie dem Grei^ham CoUeeei van dia- 
aem rrblelt >)e das btittische Miuciim, iiud 'ipliiarhia 
wurden lie dem CoUege ef Surstann Ka Tfaeil. Ui«cuach 
Wird e» wabricheinuch , da/s auch jaiie im Vau. of 

beinotistraiioii dea Bluitinilaiift gelxiincht worden lind. 



— 119 — 

Eine älinliche Corporation der Wundärzte ist 
daf College cf Surgeons'^ welches von Georg If^ 
gefprflndet wurde ^ unter dem Namen der M^asters^ 
Govemors and Commonalty of the art and science 
of Surseont of London ^ und durch dessen Errich- 
tung die Wundärzte von den Barbieren getrennt 
wurden, mit denen sie von Heinrich VlH. anno 
154^ vereinigt waren. Nachher erhielt es ihm Jah- 
re 1800 von Georg III, eine neue Urkunde (Char^ 
ter), und vom Parlamente verschiedene Begünsti- 

Sun^eujp indem ihm 25,000 Pfund zur Errichtung 
es jetzigen schönen Gebäudes in Lincolns innßeläs 
bewilligt wurden y und zugleich die Hunter"" sehe 
Sammlung für dasselbe erstanden wurde. Es wird 
wohl keine Chirurgen in England geben , welche 
nicht» wegen des dadurch erhaltenen Ansehens , ihre 
Aufnahme in das Collegium der Wundärzte bewirkt 
hätten; indessen besitzt dasselbe nicht die Macht^ 
andere Personen an der Ausübung der Chirurgie zu 
▼erhindern. Um Mitglied des Collegium's zu wer- 
den > ist ein Examen erforderlich » zu welchem je- 
doch nur diejenigen zugelassen werden» welche 
frenigstens sechs Jahre Chirurgie studirt haben; -— 
wenigstens drei Winter- Curse über Anatomie be- 
auehty und ein oder mehrere Male in London, 
Dablin, Edinburgh oder Glasgow Chirurgie gehört 
haben ; wenigstens ein Jahr hindurch der chirurgischen 
Praxis in einem der folgenden Hospitäler obgelegen 
haben: Bartholomeus-» Thomas-, Westroinster-, 
Ooys-, Georgs-, London- oder Middlesex- Hospi- 
tal in London; Richmond- oder Steevens- Hospital 
in Dablin; Königl. Infirmary in Edinburgh oder 
Königl* Infirmary in Glasgow. — Aufserdem müs- 
sen sie zwei und zwanzig Jiihre alt seyn. Candida- 
ten von diesem Alter werden aufserdem noch zu- 
gelassen, wenn sie bereits Mitglieder von einem 
anderen gesetzmäfsig constituirten Collegium der 
Wundärzte in dem vereinigten Königreiche sind; 
iFrenn sie auf einer der Universitäten des vereinig- 
ten Königreichs in der Medizin graduirt worden 
sind, una dabei zwei oder mehrere anatomische 
Cnrse durchgemacht, auch wenigstens ein Jahr hin- 
durch der chirurgischen Praxis in einem ider vorhin 
genannten Hospitaler obgelegen haben. *) ^ 

♦) In einer nenciea Verordnung vom 19. März iga'». si"d 
diese Vorichrifttu noch in manchuu Fuiikicn modincirt 



— 120 — 

Prisident des Collegiums in London war im 
Jahre 1823 Sir PVilliam Blizard; Vice -Präsidenten: 
.Henry Cline und pf^illiam Norris, Aufserdem itc 
noch eine gewisse Anzahl von Vorstehern ernannt. 
Femer ist eine eigne Examinations-Commission 
niedergesetzt y bestehend aus Blizard^ Cline y JKorris^ 
Dundas, Forster, Home , Harvey , Lynn, ^bernethy 
und ^. Coover, Sieben Curatoren haben die Auf- 
sicht fiber aas^Museum zu führen » dessen Conser- 
vator der hochverdiente PVilliam Clijt ist. Von den 
beim Collegium angestellten Professoren d^r Ana- 
tomie und Chirurgie ist schon oben die Rede ge- 
wesen. Die Zahl der Mitglieder 'ist sehr groTs; 
ihre Namen füllen in der vor mir liegenden Liste 
vom Jahr« 1823, 77 eng gedruckte Octavseiten» 
Ehrenmitglieder sind Cuvier und Humphry Davy. 

Alle drei Jahre wird Von den Vorstehern des 
Collegiums eine Preisfrage CCollegial anatoniical 
prize) über einen Gegenstand aus der menschlichen 
oder vergleichenden Anatomie aufgegeben; im letz- 
ten Jahre über den Verlauf der Rückenmarks -Ner- 
ven und ihre Verbindung mit den Gehirn - und 
Eingeweide -Nerven. Ferner alljährlich eine an- 
dere (Jacksonian prize) , ebenfalls über einen anato- 
mischen Gegenstand; damals Fungus haematodes. 

worden. Es heilst darin : die allein von dem Collegiiun 
der . "VVnndärzte anerkannten chirurgischen Schulen 
sind die von London, Dublin, Edinbiirg,' Glasgow 
und Aherdeen. — Die chirurgische Praxis darf nur er« 
lerx\t sejn in den Hospitälern von diesen Schulen, luid 
müssen die Hospitäler im Durchschnitt wenigstens u^ 
Kranke enthalten. — Die Vorlesungen über Anatomie» 
Fhysioloeie und Chirurgie dürfen nur gehört seyu bei 
den Professoren der Univertitäteu zu Dublin, £diji- 
burgy Glasgow oder Aberdeen, oder bei den Aerzten 
oder Chirurgen iener Hospitäler , oder bei Personen, 
die in Schulen lenren, welche von dem ärztlichen Per- 
sonale jener Hospitäler anerkannt sind. — Diese Ver« 
ordnunff hat grofse Sensation erregt, und ist von vielen 
Seiten bitter getadelt worden. Inan -vrirtt den Vorste- 
hern des Collegiums , und namentlich deii Mitgliedern 
der Examinations •> Commission vor, dafs sie den Unter- 
richt in der Chirurgie ztun IVlonopol machen wollten» 
welches um so mehr zu tadeln sey, da sich eben unter 
ihnen mehrere Hosx>ital- Chirurgen und liChrer der 
. Anatomie und Chirurgie befänden. Besonders iiUilen 
sicl^ diejenigen , welche Privat - Unterrichts - Anstalten 
errichtet haben, dadurch zurUckgcsetzt , und tilgen 
4eshalb diejenigen unter ihnen, welche von den ge- 
luinnten Behörden anerkajiiit worden sljid , dieses ge- 
wöhnlich bei den Ankündigungen ihrer Vorlesiuigen 
tusdrilckliöh hinzu > wie z. B. (jrnlngcr, Brookes, 



— 121 — - 

Aofser dem unvergleichlichen Hunte )''$chen Mu- 
•enin , wovon an einem anderen Orte ein Mehre- 
res, Jiefitit das College of Suj-^eons auch noch eine 
aosgesnchte Bibliothek und eine zahlreiche Samm- 
long TCD Zeichnungen. — , 

Waf endlich die Jpotlieker betrifFc, %o wurden 
dies« saerst von Jacob L mit den Gewürzkrämern 
▼ereinigt 9 nachher aber wieder von denselben ge- 
trennty und eine eigene Corporation aus ihnen ge- 
bildet, unter dem Hainen: the lilaster^ T^ardens 
and Setiety of the art and mystery of PharmacopO' 
Usts in London» In «iner unter Georg III, erlasse- 
nen Parlaments • Akte : for hetter regulating ihe 
praetice of Apothecaries throughout England and ff^a^ 
leSp wurde festgesetzt ^ daf^ der master und die 
JVardens der Society y oder andere von diesen dazu 
bestimmte Personen , an der Zahl nicht weniger als 
sweiy so oft aIs es für nothwendig erachtet würde^ 
bei Tage in die Officin irgend eines Apothekers in 
Enjgland oder Wales sollten hineingehen, die Arze- 
neien untersuchen, und alle unbrauchbaren verbren- 
nen, oder sonst vernichten können. (Diese Befug- 
nifs erstreckt sich jedoch nicht auf die Läden der 
Chemists und Drugoists^ welche ebenfalls Arzeneien 
▼erkaufen. Diese können , wie oben schon bemerke 
▼rorden, in London und dessen Umgebung von 
dem College of Physicians untersucht werden ; auf 
dem Lande aber sind sie auch diesen Untersuchun- 

Een nicht unterworfen, und hier findet daher gar 
eine Aufsicht über den Arzneiverkauf von Seiten 
der fogenannten Chemiker nnd Droguisten Statt.) 

Vom 1. August 1315 an, heifst es ferner in der 
erwlhnten Acte {Apothecaries Act)^ soll keiner in 
England oder Wales als Aj'otheker praktisiren, wenn 
er nicht suvor von der Examinations-Commission 
der Society of Apothecaries geprüft und approbirC 
worden ist. Auch die Assistenten' sollen einer Prü- 
fung unterworfen werden. — Um aber zu dem 
Examen zugelassen zu werden , mufs der Candidat 
irenigstens 5 Jahre bei einem Apotheker in der 
Lehre gewesen seyn , ein Alter von 21 Jahren er. 
reicht Caben , und gute Zeugnisse über sein Betra- 
gern irorbringen können. Er mufs vollkommen gut 
Efgtein verstehen, und wenigstens zwei Mal Anato- 
loie und Physiologie , so wie die theoretische und 



— 122 — 

prftlitisclie Heilkande gehört haben. Fem« 
er einmal Chemie und Materia medica geliöit, 
wenigstens sechs A^onate hindurch der mil 
4chen Praxis in einem öfFentlichen Hoipitih] 
einex Inßrmary ^ oder neun Monate der w 
sehen Praxis in einem Dispcnsary beifiewo 
ben. «^ Das Examen selbst, erstreckt sich flbff] 
maceutische Chemie» Materia medica, m« 
Botanik > Physiologie und praktische Hi 
Auch messen die Examinanden, um ihre I 
der lateinischen Sprache darzuthun, einigen^ 
Londoner Pharmacopoe und einige ärsUuW 
Schriften übersetzen. 

Die Society of Apothecaries besteht flbif 
einem Master {John Baker) , zwei TVardai\ 
mas PJ^heeler und Edward Browne) , zwioiit 
stantSf und einer zahlreichen sogenanntes] 
und Yeomanry (den übrigen Mitgliedern)! W 
zehn sind zu Examinatoren ernannt, an^eriir' 
TVilliam Simons steht. — Eigenthum dsf ( 
Schaft ist der Botanische Garten zu ChelNty 
chen ihr Sir Hans Sloane geschenkt hat. 
Direktor ist TT^ilUam Anderson^ und anfseidwl 
er unter der Aufsicht einer gewissen AanUJ 
Managers. 

Mit dem Apotheher - Vereine in Yerbä 
steht dann noch eine andere Anstalt, wsk 
den Sehens werthesten Londons gehört; idi 
die Apothecaries Hall, unweit Blaekfn^ 
g9. (Das Gebäude gehört der Society of df^ 
rieSf nnd werden alle Verhandlungen deneu^ 
vorgenommen). Diese Apotheker - Halle i||^ 
Acuen gegründet, und bestimmt, eine NoripB^ 
theke für das ganze Königreich darzustelleo; 
steht aus zwei Theilen : i) dem Galenical U 
ment für die einfachen Arzneimittel, und^VJ 
Chemical Departement für die chemischen 
Dafür, dafs alles in der besten Qualität TOil^ 
sey, wird vorzüglich gesorgt, und es köflii*? 
nur die verschiedeneu Apotheker Englands tflf, 
ihre Arzneimittel in gröfseren Quantitäten 
sondern es werden auch einzeln^ Recept« 
Anstalt gemacht, zu welchem Ende eine IP 
mehrere Abtheilungen getheilte Officin ^'Vr C|| 
vorbinden ist. Besonders bewundersfAi^''" 



/ 



— 123 — 

Laboratorinm ; in diesem werden auf grofien Möh« 
len, Rinden« Wurzeln u. 8. w. zu Pulver gemah- 
len , Andere Substanzen zcrstofsen oder serscliiiitten^ 
Pillen gedrehec , Pflascermasseu angefertigt , FulVer 

Sotiebt u. a. w»» Kurz, wohl ein Dutzend verachie- 
•ner Prozesse unterhalten , durch eine« iu einem 
anderen Theile des Hauses befindliche , ohne alles 
Ger&usch und daher unbemerkt arbeitende Daropf- 
mMcliine. Menschenhände werden dabei nur wenig 
erfordert. — Die Extracte werden in Kesseln mit 
doppelten Boden und Wänden eingedickt, wo in 
die Zwischenräume W^asserdäropfe geleitet werden» 
durch deren Hitze die Eindickung bewirkt wird. 
Auf diese Weise soll ein Anbrennen der Extracte 
nicht SU befürchten seyn. Auch wird Verdünnung 
der Luft , durch die Luftpumpe bewirkt^ zum Eva- 
poriren benutzt. 

Zwei Professoren sind bei der Jpotheearies Hall 
angestellt y nämlich James Lowe Pvheeler für die 
Botanik, und f^ilUam Thomas Brande filr Chemie 
and Materia .medica. Beide halten eine gewisse 
Zeit des Jahres hindurch Vorlesungen« — Letzte- 
rer fahrt zugleich die Aufsicht über sämmtlicbe 
chemiache Operationen, und kein Präparat darf in 
den Handel gebracht werden, bevor ea nicht von 
ihm untersucht und approbirt worden ist *). — 

Es erhellet übrigens schon aus dem vorhin Ge- 
sagten, dafs die Geschäfte der Apotheker keineswe- 
ges blofs in der Bereitung und dem Verkaufe von 
Znneimitteln bestehen ^ sondern dafs sie zugleich 
ärstiiche Praxis treiben. Manche, ja die meisten 
▼on ihnen , sind zugleich Chirurgen, und einige 
aben anch die Geburtshfilfe aus , in welchem letz- 
teren Falle besonders sie General Practitioners ge- 
nannt SU werden pAecen. Ganz kürzlich haben sie 
angefangen, Verhandlungen herauszugeben, unter 

«) Bemerkenswerth ist hierbei noch , An^i die meLsreii 
sur Bereitung; der cheiuischeu riiiparate und Beli.ind- 
liing ctark. -wirkender Stoife angcsteuteiL Arhciter Teilt- 
sehe sind, luui zwar wählt man vorzugsweise diese, 
weil müii glaube — sie köxiuceii die r.iiiwirkiing IcUti- 
aer SiihstanKon besser als andere IVIeiischen ertrakea ! — 
Uebrigeus bezieht /Avar nicht die Army ^ wuiil ahej: di« 
Nairy , ihren ^esammten Arzueibcdarl ans der Äpttiht'" 
carUs-HaH. Auch werden von ihr die "bedeuten- 
den Sendnui^en nach sämmtliclien (Joloniecn l>csor(;t. 
Calom^l wird Ccatucrweisc vcrMudt. 



— 124 — 

dem Titel : Transactions of the associaled Jpotheca^ 
ries and Surgeort' jipothekaries'of England and PT^ales. 

Kebexi den ApotheKern giebt es nun noch die 
sogenannten Chemists und Druggists , welche sich 
nie medizinischer Praxis nicht befassen , sondern 
nur theils mit einfachen Arzeneimitteln und che- 
mischen Präparaten handeln, theils auch von den 
Aer^ten verschriebene Recepte anfertigen. Sic ste- 
hen in London einigermafsen unter der Aufsicht 
des Collegiums der Aerzte, auf dem Lande aber 
"wird Iceine Controlle über sie geführt. Manche 
•ind Chemists und Druggists zugleich , andere nur 
das eine oder das andere , und dann behaupten die 
Chemists den Rang vor den Droguisten , indem er- 
stere sicJi nur mit der Bereitung chemischer Prä- 
l^arate und dem Verkaufe derselben im Grotsen, 
nicht aber wie die Droguisten mit der Anfertigung 
einzelner Recepte» oder dem wirklich weit getrie- 
benen Handeln mit Geheim - Mittel befassen. 

Was endlich die Ausübung der Gehurtsh'ülfe 
betrifft 9 so steht diese durchaus unter gar Keiner 
Aufsicht. Geburtshelfer sind theils manche promo- 
virte Aerzte , welche entweder vorzugsweise , oder 
»eben ihrer ärztlichen Praxis auCh geburtshülf liehe 
betreiben y theils manche Apotheker , theils aach 
wohl einzelne Chirurgen. Aufserdem giebt es eine 

Srofse Anzahl Hebammen, w^elche in den Privat- 
nterrichts -Anstalten der Geburtshelfer gebildet wor- 
den sind 9 und bei ihrer Praxis die ihnen von ihr 
ren Lehrern ertheilten Atteste geltend mtchen. 

Der gewöhnliche Gang bei der medizinischen 
Praxis ist nun dieser: Ein ApoihecarY oder Genß^ 
ral» Practitioner ist Hausarzt. Er erhält, nach ein« 
geführter Sitte, für jeden Besuch eine halbe Krone 
(2§ Schillinjg), und berechnet aufserdem die Kosten 
der Arzeneien, die von ihm. selbst geliefert wer- 
den *). Tritt ein bedenklicher Krankheitsfall ein, 
80 ruft der Apothecary einen eigentlichen Arzt 

*} Eine gesetzlich vorffeschriebenc Arzneitnxe giebt es 
ifk England nicht. Eben so wenig eine solche Med!- 
«Inaltaxe. Der Aj>athevary kann die Kranken zur Be- 
ssahlung der von ihm gemachten Hechnnngen gericht- 
■■ lieh zwingen, da et die Arzencien zugleich hergege- 
ben hat; der Arzt aber' hat dies Recht lucht, und des- 
halb l'älst er sich .sogleich bei seinem Besudie bezahlen. 



i. 



' — 125 — ^ ' 

(Physician) oder einen Wundarzt hinzu^ die sogleich 
ffir jeden Besuch eine Guinee (gewöhnlich einen. 
Schilling in eine Pfund -Note eingewickelt) erhal- 
ten , und* in der Regel nur so oft wiederkommen, 
ala ihr Besuch ausdrücklich verlangt wird. Dafa 
sie merkwürdige 9 für sie interessante Kranke , auch 
wohl unaufgefordert wieder besuchen» versteht sich 
von selbst j eben so» dafs von den höheren Ständen, 
mit Uebergehung des General Practitioners , unmit- 
telbar ein Arzt oder Wundarzt zu Rathe gezogen 
wird. 

Mit den die Geburtshülfe ausübenden Aerztcn 
(Physician •Accoucheurs) verhält es sieb auf ähnliche 
Weise. Sie haben theils in den höheren Ständen 
ihre für sich bestehende Praxis, theils werden sie 
Ton den geburtshülflichen Praktikern in schwieri- 
gen Fällen zu Rathe gezogen. 



2. 

Das Hermannshad zu JD^uskau, in der Königh 

Preufs» Oberlausitz, 

Wenn neue Heilanstalten, besonders aber Mi- 
neralbäder, das Interesse und Vertrauen des Publi- 
kums, für dessen Benutzung sie berechnet sind, 
sich erwerben sollen , so kann diefs Viur durch un- 
nmstöfsliche Beweise ihrer Wirksamkeit bewirkt 
irrerden, und hierdurch allein ihnen ein ähnlicher 
Platz unter altern und bewährten Heilanstalten die- 
ser Art angewiesen und von ihnen behauptet werden. 

Schwer ist es aber, einer solchen erst entste- 
henden An sult immer, ibre Wirksamkeit darzule- 
gen, da gerade diejenige Klasse von Kranken, wel- 
che die Bäder zu besuchen pflegt, die wohlhaben- 
dere und vermögendere, nicht gern den erkrankten 
Organismus, einer experimentellen Kurmethode 
liingiebt. Es ist daher der ärmere Theil des Vol- 
kes der, anderen Hülfsmitteln entbehrend» gern 
jede eich darbietende Gelegenheit auf eine kosten- 



-^ 126 — 

freie kvt die Gesundheit wieder su erhngn 
auch gern das noch nicht Bewährte Ttrind.^ 
so auch bei den neuentdeckten Minenlqoettlil 
zeitige Benutzung, die Resultate ihrer Wii 
liefert y welche zur Benutzung jener Ann 
muntern 9 oder Ton derselben abschred* 
ist, vielleicht mit geringen AbändemDgeif 
seinen Fällen , die Entstehnngseesehicliti *' 
der, und so aych die äei in aer Obtfti 
Muskau gelegenen Hermannsbades, weldiüi 
•einem ersten Entstehen als Brunnensxit' 
und als solcher berufen, ich möchte sagcii 
tet bin, dem Publiko, besonders . dem " 
darüber Rechenschaft abzulegen, was dl 
her gewirkt, und wodurch es ■ sich da 
begründet hat, in die Catcgone dar ' 
Teutschlands zu treten* 

Das Hermannsbad, also benannt niA 
Fürstlichen Grunder , besteht seit dem JiknJ 
und erfreut sich jetzt nicht blofs inseianll 
Umgebung, sondern auch im weiteren KfM 
Des ausgezeiclineten und ich kann wohl iigi%! 
verdienten Rufes , der um so lauter ffli ^ 
sprechen mag , als wohl nie ein neubeeiibii 
neralbad in seinem Entstehen mit solcbsa 
nissen, als das in Rede stehende su kldipBriii 
und sie dennoch glücklich überwand. Um 
meine Stimme sprach sich nicht nur hotr 
fentlich darüber aus, dafs so lange bestute 
dennoch unbenutzt gebliebene Quellen WcW 
Wirksamkeit entbehren müfsten, sondera tf r 
auch erst den Fürstlichen, das wahrhaft f 
Nützliche, mit seltener Bereitwilligkeit ß 
Besitzern, der Beweis der Wirksamkeit 
werden , bevor auf Einrichtung einer solc 
stalt von Ihnen eingegangen werden kouBl* 

Im Jahre 1822, wurden auf meinsy 
gemachte Vorstellung, zwei Badekammin^ 
nutzung für arme Untenhanen eingeriehuli 
16 — 18 Personen der Gebrauch der Minf"^ 
(gestattet; jedoch nur des sprechenden B 
dieser zum grüfsten Theile genesenen K^jS 
durfte es, um das höchste Interesse dar ftxf 
Herrschaft anzuregen, welche mit höciisltf '' 
bigkcit, seltenen Kunstsinn und Geschdii»»' 



— 127 — 

lieben Anttrene^ngen and Anfopferungen einer 6den 
Sändacholle, die jetst bestehenden. Jedermann ober* 
fischenden Badeanlaeen, gleichsam abringen,^ ne- 
benher noch nnendliche hier nicht hergehörende 
Hindesnisae sisgreich bekämpfen mufst^, bevor sich 
ihre menschenmundlichen und wohithätigen B«* 
•trebungen in der immer mehr aufblühenden An- 
•talt dasjenige DenKmal ffir Mit- und Nachwelt be- 
gründen könnten y welches Ihnen allein Ersatz eban 
so «eltener als beharrlicher Anstrengungen gewäh- 
ren iLann. 

Die bei Maskan dem Erdboden entspringenden 
Mineralquellen, gehören su den erdisten StälwSs- 
acfm, und der Analyse des Hrn. Geheimen - Raths 
Mermhtt'ddt sa Folge, sa den reichhaltigsten dieser 
Gattung. 

. Ein hundert und mehrere dreifsig Kranke ver- 
sachten im Jahre 18^5 die Heilkräfte der Quellen 

fegen verschiedene Uebel, und dafs sie sich sehr 
eilsam bewährten , mas der Ruf, welchen sich die 

Anstalt begründet hat, beseugen« 

< 

Trotz dif unfreundlichen Frühjahrs T8249 troti 
der Terschiedenen nöthigen Erweiterungen nnd Ver« 
■Indernngen weeen, erst spät möglich 'gewotdenen 
Eröffnung des Bades, suchten dennoch nahe an i5o 
Personen hier ihre Genesung, 14 ^^ ^^ inyeterirten 
Uebfsln leidende Personen Terlieisen zwar ohne Bes- 
serung, aber auch ohne Verschliinnierung das Bad* 

Eine Kleine Viertelstundcv^n der Stadt ent- 
famt, anf einer Seite Ton hohen Berjgen, auf der 
andern von der Neifse begrenzt, liegt inmitten 
freundlicher Bowlingreens das Bad* Es besteht 
ans einem einstöckigen , mit 22 Zimmern versehe- 
nen Gebäude , in welchem sich eben so viel Bade- 
frannen befinden, denen sowohl das kalte als auch 
das warme Mineralwasser mittelst einer Röhrenlei- 
tnng zugeführt wird. Innerhalb dieses Gebäudes 
ist noch in einem passenden Locale der Ga/e*scko" 
SdliweFelräucherungs - Apparat aufgestellt. 

Die Douche - Spritz - Tropf- nnd Regenbäder, 
die Moorbäder y das russische Dampfbad, nnd die 
Anstalt zu fürstlichen Bädern , befinden sich in ei- 
nem zweistöckigen, neu errichteten Gebäude, wel- 



— 128 — 

ches auch einem Saal zur Abkühlung der Badenden 
enthält. 

Unmittelbar hinter d«;m zuerst. erwähnten Bade- 
haose, wird das Wasser der tiefliegenden^ Bade- 
qkelle in die Höhe und ohne der Berührung der 
atmosphärischen Luft ausgesetzt zu seyn» in dem 
Erwärmung» -A|>parJit geleitet. 

Die Trink - oder Hc^rmannsquelle liegt dem 
Neifsufer näher als jeiie^ entspringt inmitten einer 
Wiese dem Boden , ist in Granitssein gefaTst^ und 
mittelst Bedachung gehörig geschützt. Das Wasser 
der Trinkquelle ist klar, der Geruch' desselben stark 
hepatisch; eben so i/it auch der Geschmack des 
frisch geschöpften Wassers , hat dasselbe aber einige 
Zeit in einem unbedeckten^ Gefäfse gestanden ^ so 
schmeckt es schwach säuerlich^ dintenhafjt^ jedoch 
2iicht unangenehm. 

56,80 Kubikzoll dieses Wassers. lieferten beider 
Untersuchung an gasartigfin Bestandtheiien ^ Ku- 
biksoll« von denen 

4,5 EohlenstofFsaures - 
o>6 Hydrothionsaures -• 
o;4 Stickstoff'Gaa waren- 

Die Bestimmung* des Gehalts der Wämser an 
festen Bestandtheiien' konnte Hr. Geh. Rath Hermb- 
Stadt des Mangels der nöthigen Apparate wegen, 
hier nicht vollenden , sondern wird dasselbe naoh- 
liefern. Es enthält der Trinkquell 

KohlenstofFsaures Eisen oxydul. 

Schwefelsaures Eisenoxydul in geringer JEifenge. 

XoLlenstofEsaure Talkerde. 

Schwefelsaure Talkerde. 

Salzsauren Kalk« 

Gelinde auflösende und dabei stärkende Wir- 
kung wohnt diesem Wasser inne, und ich mufs 
besonders auf die Verbindung des kohlensauren 
Eisens mit dem Bittersalze aufmersam machen. Mit 
Torzüglichem Nutzen wurde dasselbe zu -2 — 9 Be- 
cher Iröfa, gegen Sclileimkrankheiten , besonders 
.weifsen Flufs, Schleimhämorrhoiden, gegen schwa- 
che Verdauung y Verstopfung des Unterleibes mit 
dem Charakter der Schwäche j Anomalien der Men* 

atniA- 



— 129 — 

\ 

k 

stniatiotip Asthma abdominale nnd Bleichauchc ge- 
trunken. 

Treulich wirkte dasselbe gegen *VV finner , ja > 
seibat gegen den Bandwurm , was um so leichter 
erklärbar m, als die beiden reichhaltigsten Bestand- 
theile unseres Wassers, Eisen^und Bittersals an dea 
bewfthrtdsten Mitteln gegen jene Farasites gehören« 

.Das Wssser wnrde tlieils fdr sich, theib in 
Verbindung mit den Bädern, und als Unters tfitzungs* 
anittel derselben verordnet; folgende Heilnngsgew 
schichten mögen die Wirksamkeit desselben er- 
weisen* 

Der Schreiber Hr. B« aus M. , iein Mann wöm 
dreifsjg und mehrem Jahren, anscheinend gesun- 
der Constitution, hatte 4iit Unterleibsbesehwer- 
den verschiedener Gattung behaftet, die Feldsfige 
mitgemacht, mufste jedoch der vorgenannten Be- 
schwerden willen y den Hospitälern oft auf längere 
oder kürzere Zeit überwiesen werden. Als später ' 
endlich jene Leiden sich mehr auf die Blase war- 
fen, und daselbst die heftigsten Schmerzen errege 
ten» wurde ihm der Abschied mit dem Bedenken 
ertheilt, dafs er wohl an Steinbeschwerden leidem 
möge« 

Die sitsende Lebensart, welche der Hr. B. des 
Broderwerbs halber, nun einschlagen mufste, schien - 
die ~ täglich mehreremale eintretenden Blasenkräm- 
pfe vermehrt zti haben, welche um so beunruhi- 
eendcr fär denselben wurden, als nach jedem An- 
lalle, mit dem Urin eine bedeutende Menge Schleim 
entleert wurde. Vergebens war nun aber mein Be- 
ynflhen, den B. dauernd von »einem 5jährigen Ue- 
bel BU befreien, wobei oB'eiibftr die ungeregelte 
Lebensart des Kranken höchst erschwerend ein- 
wirkte. Ich empfahl endlich den Hermannsbrun- 
sen« Er bewirkte^ 5 Wochen hindurch, täglich su 
mehrem Bechern getrunken , reichlichen Abgang 
sehleiniiger Concreineiae durch Stuhl und tfrin; 
immer seltener erschienen die krampfhaften Af* 
fectionen, bis endlich der B« von allen Beschwer- 
den befreit, und seit 2 Jahren auch nicht auf die 
entfernteste Art an seine frühere Leiden erinnert 
wnrde, 

Jonm.LXB. 3. St* I 



— 130 — 

E. S. aus C, 7 Jahr alt, besuchte im Jahre 1835, 
mit ihrer an Nervenschwäche leidenden Mutter, 
das Hermannsbad* Das Kind hatte bereits früher 
Bfta/ig; geki^Uikelt, welcjie Zufälle far Wurmbe* 
aeh werden erklärt» und keiner besondeva äri^tlichen 
Behandlung gewürdigt wurden. ,Von der wohlthä- 
figen Winiuifg der Trinkqnelle auf den eigenen 
Organismus > oeschlora die Mutter , in der festen 
Ueoerzeugung gleichen J^utiena, dem Kinde den 
Brunnen in «leinen Portionen tägjlich sn reichen, 
l^achdem der Brunnen 14 Tage hindurch mit an- 
scheinend günstigem Erfolge getrunken worden 
frar, rief man mich schleunigst zu der kleinen Pa- 
tientin, um mir ein» ohngefäh^^ iOr~ xa. Ellen lan- 
eei Stack Wurm, welches so eben i|iit heftigem 
Bauchweb und Üfissigen Stuhle abgejgangen war, 
▼orsaseigen. Es war taenia latm* fia die Abreise 
der kleinen Kranken, Tages nach diesem Vorfalle, 
trots meines Andringens zum fortgesetzten Gebrauch 
■ der Trinkkur» dennoch erfolgte, erfuhr ich über 
den weitem Verlauf der Sache nicht eher etwas, 
als bis die Kleine sich auch in diesem Jahre, ie- 
doch im Aeufsem wesentlich gebessert , an^ aer 
Trinkquelle einfand. Nun. entleerte das Kind nach 
•inem latägigen Gebräuche der Hermannsquelle eine 
nicht geringe Menge Stflcken des oben genannten 
Wurmes , brach aber auch diesmal nach s4tägigem 
^•brauche die Kur ab. 

tJeberhaupt ist die V^irkung der Trinkquelle 

Segen Würmer und die mit denselben Terbundenen 
chleimiustände des Darmkanalea höchst auffällig 
nnd Euverläfsig gewesen; gern würde ich noch 
mehilBre ähnliche Krankheitsgeschichten hier«nfah- 
ren, wenn der Raum nicht den guten Wülen be«^ 
schränkte« 

Die Badequelle in ihren Bestandtheilen mit der 
Torigen fast übereinstimmend, fliefst ag Fnfs tief 
Unter Tage, so reichhaltig, dafs sie in Zeit einer 
Stunde 40 — 50 Bäder zu speisen Termag« Hr. Geh. 
Bath Hermhstädt sagt über diese Quelle , dafs koh- 
lensaures und schwefelsaures Eisenoxydul, Salzsäure 
Talkerde und schwefelsaurer Kalk, sich, so reich« 
Uch und vorwaltend in diesem Wasser fihden, dafs 
solches zu eiAer der reichhaltigsten Eisenquellen 
gesählt weiden müsse. An gasförmigen Flüssigkeit 



"T- 131 



• 



xmn vüüAlx dasielbe in Zß,Qo Kubikzoll 6^75 Kubik- 
soU» und zwar 

5yOo Kohlensaures Gm. 

1,00 SchwefelwasserstoIFgAS« 

0,75 StickstoIFgas. 

weshalb das Wasser zu den schwefelwMsersto£ßuI- 
ttgen Teichen Eisenquellen gehört. 

Die Erfahrung hat gelehrt, dafs die Wirkung 
diete^r Qiiellen sich gegen Nervenschwäche, Kräm- 
pfe rein nervöser Art, gegen Hysterie und Hypo- 
chondrie, Lähmungen, Anomalien des Katamenial- 
flnsses, Bleichsucht« weifseu Flufs, chron. adyna- 
miiche Unterleibsbeschwerden, chron. Rheuimacis« 
nen, Hantausschlage etc. ftufserst natslich undwohl- 
thfttig bewährt, welches folgende Fälle n^her er- 
llntem mögen. 

Frau 8t. • . aus M. , litt seit 7 Jahren an hefti- 
eeni, Ton vielen Aerzten vergebens bekämpften Ma« 
gmlurampfe, gegen welchen die bewährtesten Heil- 
mittel erfolefos^ angewendet Worden waren. Das 
Uebel war bereits zu einem so heftigen Grade ge- 
diehen, dafs man die Kranke, welche ihre heftige 
Schmerzen dnrch lautes Schreyei^ verköndigte, und 
sieht die mindeste Nahrung bei sich zu oehalten 
irennoohte, stfindlich ihrem Ende sich nähern sah. 
Obgleich ich unter diesen Umständen die Gegen- 
wart organischer Veränderungen vermuthete, be- 
tchlofa ich dennoch den Bitten der Leidenden nach- 
sngeben, und einen Versuch mit dem Hermanhsbade 
welchea in ähnlichen obwohl gelinderen Fällen, 
•ich ao sehr hölfreich erwiesen hatte, su gestatten* 
Ueberraschend war die Wirkung des. Bades auf diese 
Patientin. Sie, die sonst das Bett nicht mehr ver- 
lassen konnte, legte nach dem Gebrauche von 15-— 16 
Bädern , nicht nur den ^ Stunde langen Weg zum 
Bade ohne Ermüdung zurück, sondern ihr Aeufse- 
res sprach auch die günstige Verändemng ihres In? 
siern sichtbar ans. Uie unaufhörlichen Schmerzen, 
das nicht zu stillende Erbrechen, wichen dem reg- 
sten Appetit, und der ungestört von statten gehen- 
den Verdauung. Ihre gänzliche Wiederherstellung 
*Yefdanke ich auch zum Theil der Trinkquelle, wel- 
cher ich bei dieser Gelegenheit die öffentliche An- 

I 2 



— 132 ~ 

• erkenining ihrer herrlichen Wirkung, in den geeig- 
neten Fällen , nicht versagen kann. 

Höchst erfreulich aber ist es mir, die Ha^^ 

aufs Herz gelegt, versichern zu können: dafs eine 

bedeutende Zahl unserer Kurgäste an diesem Uebel 

litten» und keiner derselben ungebessert Ton dan- 

,nen gegangen ist* - • 

Fräulein H» v. G. , I7 Jalir a}t, sparsam und 
unregelmäfsi^ menstruirt, mit deutlich hervortre- 
tenden Diatnesis scrophulosa , unregelmäfssger Ver- 
dauunjg und anderen aus den eben genannten her- 
vorgehenden anomalen Zufällen , besonders^ aber 
von dem, ihren Alter sonst nicht gev^öhnlichem 
Hange Eur Einsamkeit, nnd stets dfisterex Laune 

feplagty hatte nach längerer und erfolgloser £e- 
andlung eines sehr gewandten purstes vertrauens- 
voll sich an unsere Quelle gewendet. 

Ich verordnete die Bäder, den Gönufs der Trink- 
quella, machte der Kranken fleifsigea Frottiren des 
Leibes und stete Bewegung der Glieder im . Bade 
zur FHicht, empfahl eine sparsame etwas reizende 
Diät, .und täglicae, bia zur beginnenden Ermüdang 
fortgesetzte Körperbewegung» nebst häu£een Zer- 
streuungen. Bereits nach dem ißten BacLs zeigte 
sich der Katamenialflnfa in einer so bedeutenden 
Quantität, dafs die Patientin seit dem Eintritte die- 
ser Secretion einer ähnlichen sich nicht zu erinnern 
vermochte; alle Beschwerden Uefsen nicht nur nach, 
sondern verschwanden auch gänzlich» als nach Ver- 
lauf dreier Wochen die Menstruation wiederum in 
starker Quantität eintrat. Die jugendliche Heiter- 
keit kehrte mit dem Gefühle des Körperlichen Wohl- 
seyns zurück, und genesen verliefs dieser Gast 
das Bad. 

Madame D., seit langer Zeit bereits verheira- 

thet» nie jedoch gehörig menstruirt, in einer kin- 

derlosen» sonst ri>er glücklichen Ehe lebend, von 

schwamniigen aufgedunsenen Körperbau^ jedoch 

sonst gesundem Aeufseren, besuchte das Bad, um 

Hülfe gegen diese Irregularität des MenstrualHusses 

Ufer zu finden. Der Erfolg der Bade- und Trink- 

Kur war «der gewünschte, indem die Katamenien 

/ nicht nur zur gehörigen Zeit, sondern auch in ge- 

nüj^ender Quantität fortan eintraten, nnd der ehe« 

liehe $egen nun nicht lange ausblieb. 



Dia Friu des Tuchbei'eiter W. lus C, ia Folge 
eines »ie betroITenen Scblasfliisses halbseitig ge- 
lähmt , fftnd sieh, Genesang TiofFeud, unter den Ar- 
men der Anstalt an. ihren Quellen ein. IJiie Läh- 
muifg war vollsiändig, und betraf sowohl die Em- 
pfindung, alt auch die Bewegung, 

Die ersten drei Mineralbäder hatten nur ein hö- 
heres Kraftgeföhl des Ge^ammtorganisinns zur Folge, 
im kranken Theile stellte sich jedoch ein wohltliä- 
tiges Gefahl von Wärme ein , welches die Kranke 
froher nicht bemerkt zu. haben versicherte , dahin- - 
segen die folgenden 2, Bäder ein anscheinend so 
bedeutendes Uebclbeßnden *) bewirkten, dafs die 
Kranke dringend bat, sie der Kur zu entlassen. Die ' 
Verweigerung dieses Wunsches und ernstliclto Vor- 
•CelluBgen Ton meiner Seite, bewogen die Kranke 
zur Fortsetzung des Bades, und nun bemerkte diio- 
selbe im ytcn* Bade ein leises Prickeln der Finger- 
spiuen und Zehen der gelähmten Körpcrscite , aU > 
erstes Zeichen des nun täglich sich TCTmolirciidün 
Gefühles, nach und nach traten nun auch, beson- 
ders während des Bades schwache Zuckungen der 
geUhmten Extremitäten ein, und hinterliersen ver- 
mehxfe Beweglichkeit und Empfindung. Bereits 
Tom AOflten Bade an , vermochte die Kranke ohne 
anderer Unterstützung, als die eines Stabes, das 
Bad zu besuchen, und sich oline Beih&lfe an- und 
auszukleiden. Ohne 1 Gran Arznei genommen zu 
liaben, verliefs sie nacli dem Gebrauche von /p Bä- 
dern die Anstalt, welche so segensreiche Erfolge 
für fie gffiabt hatte, dafs sie nun nicht nur den 
liuigen , dBLuer zahlreichen und sehr armen Familio, 
londem auch sich selbst zurückgegeben war. 

Der Dicnsiknecht Mutth. S. ans D. , 23 Jahre 
alt, "wurde von seinem Vater, einer über den Gc- 
samtorganismus verbreiteten, nach heftiger Gl- 
mfithsbeweguiig entstandenen L»ahmung wc^cn, dem 
Uermaunsbadc überautv/ortet. 

Der S: war vollkommen unvermögend sich zu 
bewegen, das GtCühl war*bi« auf eine geringe Taub- 
heit der Glieder eilostLcii, der Körper abgemagerte 

*') T}\c&Cb C-.I.. :1 :'■■>■'. ii ir •-'.■:?. c\iei\:.:"':,i'.'-:'i ' im 1 I»'-* 
iclbe lUi/hi.cf üaC u\.iiii.>h.n.Ai I-iioI_--' Iicrbcilüliii". 



— 134 — 

die Digestion sehr bedeutend gestört ^ die Tempe- 
ratur des Körpers war die {gewöhnliche, der Puls 
Klein 9 jedoch'm seinen Schlftgeu normal, der Schlaf 
höchst unruhig von Träumen unterbrochen, die 
Haut besonders gegen Morgen etwas feucht« Der 
Kranke wurde wie ein unmündiges Kind TOito Ve- 
ter gefüttert, und in die ihm yerordneten Mineral* 
bäder getragen. 

Bereits nach dem Gebrauch Ton 8 Bädern • ge* 
^ang es dem S. einige LöfFel Suppe, obwohl lang- 
sam mit schwacher zitternder Hand sum Munde zu 
fahren, pie unruhigen Träume hörten auf, ver- 
mittelten auf diese Art einen ruhigen Schlummer^ 
und die Haut war des Morgens, von einem um 
diese 2eit sich mit/ Erleichterung einstellenden 
Schweifse, feucht. Heftige herumziehende Schmer- 
zen des ganzen Körpers waren die auffallendsten Er- 
scheinungen der folgenden drei Bäder, jedoch hat- 
ten diese eine vermehrte Beweglichkeit zur Folge,' 
80 dafs der Kranke sich ohne Beihülfe im Bette 
aufzurichten, und nach und nach 1—2 Stunden 
täglich in dieser Stellung aussu halten vermochte* 
Nur der Gebrauch von 18 Bädern war dem Kran- 
ken gestattet, da die mit der bereits vorgerückten 
Jahreszeit eingetretene Üble Witterung einer weite- 
ren Anwendung derselben Grenzen setzte. 

80 verliefs der Kranke Ende September wesent- 
lich gebessert das B9d, höchst heilbringend wurde 
ihm nun aber die Nachwirkung desselben.. Drei 
Tage nach seiner Ankunft im väterlichen Hause, 
vermochte der S« zu spinnen, immer mehr nahmen 
Kraft und Bewegung zu, er kleidete sich an, lernte 
nach und nach gehen , half gegen Weihnachten in 
der Scheune dreschen , und hat . sich gegenwärtig 
als Kutscher vermiethet* 

Er besuchte in diesem Sommer auf einige Tage 
das Bad, um wie er sich ausdrückte, die Kur -zu 
verfestigen, wo ihm die Badegäste sprachen, und 
aus seinem Munde die Wahrheit vorstehender Hei- 
lungs^eschichte vernahmen« 

Mögen diese ünausgeschmückten, der treuen 
Beobachtung entlehnten Heilungen den Beweis lie- 
fern» dafs die Muskauer Mineralquellen nicht in 



-» 135 — 

• 

die 'Kategorie anderer neu encstmdenete . Bilder ge- 
hören, sondern den wirksamem Heilquellen sugo* 
aellt werden massen, indem sie ilipsn günstigen 
Raf y durch solche Erfahrungen bewälut haben« 

Ein der höchsten Beachtung würdiger Oegen^i 
stand aber, ist die Auffindung eines Moor- oder 
Badeschlammes in der Nähe von Mnskau, welchttr 
in seiner Formation und in seinem Aeufsern, dent 
analog zu seyn scheint » dessen sich Marienbad bis- 
her Torsugsweise vor anderen Bädern erfreute. 

Es besteht nehmlich dieser Moor aus einem 
Holztorife , welcher in der Nähe eisenhaltiger Qoel:^ 
len gelagert ist, über und durch welchen diese 

Saellen verlaufen, und das an KohlenstoGFsäure in 
nen gebundene Eisen , an diesen Moore absetzen' 
und ihn so mit Eisentheilen inprägniren« 

Dieser Moor ist schwarzbraun von Farbe, Tön 
Geruch dumpfig und etwas säuerlich^ der Geschmaclc 
desselben ist fade, und gleichfalls schwach säuerlich. 
Erwärmt entwickelt derselbe etwas Schwefelwasser« 
stofFgas. 

Getrocknet lassen sich in ihm deutlich verwit^ 
tene Holzth^ile wahrnehmen, von denen er durch 
das Sieben befreit wird* Mit dem Mineralwasser 
verkocht^ bildet derselbe einen dicken chokoladen- 
förmi^en Brey , auf dessen Oberfläche sich während 
des Kochens ein grau -brauner seifenartiger Schaunt 
in der Höbe einer Handbreite bildet, und das schnelle 
Verkühlen des Moores dergestalt hindert, dafs nocl^ 
34 Stunden nach vollendeter Kochung ohne neu« 
Feuerung, derselbe einen Temperaturgrad von 50— 
56 Graden R(;aumur''8cher Skala nachweiset. 

Herr Geheim erath Htrmhstäit^ mit den erfor- 
derlichen Apparaten zur Analyse des Moores an 
Ort . und Stelle nicht versehen , mufste sich damit 
beenügen, die hauptsächlichsten Bestandiheil« des* 
••loen zu ermitteln, von denen: 

Freie locker gebundene Kohlensäure, 

Locker gebundenes SchwefelwasserstofFgas^ 

Schwefeligtc Säure, bituminöser Stoff, Kohle 
und Eisen oxydulj( vorzugsweise genannt wtr* 
den müssen. 



• — 136 — 

Di«ter Moon wutde» mit dem Mineralwaasev 
Teikochtf im Tergansenen Somin er zuerst in An- 
wendung getftEt. Seine Wirkung war für den Ge* 
•ammtoreanismus höchst belebend , schmersstillena^ 
•vflösend und st&rkend. Eine eigenthOmliche Wir* 
kong desselben auf das Hautorgan, zeigte sich da> 
daxcn f daCs an denjenigen Steflen der Haut , wel- 
che ein krankes Organ bedeckten y unter den Zei- 
chen zunehmender Besserung, ein frieselartiges« 
mehrerere Tage in der Blathe stellendes Exanthem 
erschien , welches bald frOher , bald später abtrock» 
Bete, und die Besserung des Kranken gute Folge 
hatte« 

Einige Heilungsgesehichten mögen ^ ^e Wir* 
luing der Moorbäder näher erläutern. 

Herr ?•, Tapezierer ans D., seit langer Zeit 
im höchsten Grade an Gicht erkrankt« und durch 
die in den Gelenken^ besonders im Handgelenk« 
•rzeugten gichtischen Concremente, im^ Gebrauch 
•einer Hände durchaus behindert , erschien, wenn 
auch nicht Genesung , doch Besserung hoffend , an 
unseren Quellen. iDas Aligenaeinbefinden War, be- 
sonders im ■ Digestionsapparat, in sehr schiechter 
Verfassung, die Nächte verflossen dem Kranken 
ohne Schlaf, und theilweise Transpiration einzel- 
ner Organe quälten ihn während der Nacht, beson- 
ders heftig. Die Zunge war belegt » der Puls ging 
weich, 'Toli, aber sehr langsam. 

Die russischen Dampfbäder und der innere Ge- 
brauch des Bitterwassers , waren die Verordnung, 
welche der Kranke drei Wochen hindurch pankt- 
lieh befolgte, und dafür nicht nur Verminderung 
der Gelenkknoten und vermehrte Beweglichkeit der 
Glieder wahirnahm , sondern^ sich auch einer regu- 
lirten Verdauung, nächtlicher Ruhe und schmer- 
zenfreien Stunden erfreute. Natürlich wurde nach 
$o günstigen Resultaten auf der mit Erfolg betrete- 
nen Bahn, fortgeschritten-, allein die Sache blieb 
nur so» ohne im mindesten sich zu verändern. 

Endlich beschlofs ich einen Versuch mit den 
Moorbädern zu machen, und liefs jeden yten Tag 
fin. russisches Dampfbad interponiren. Der Erfolg 
dieser Methode übertraf meixie Erwartungen, und 
erfOUto die Ho£Fnungen de$ Kranken. Imter dem 



Awttbtnch' euit$ den gätisen Körper einnehmenden 
fcMteLinigen Au89clilage8y wich das Gefahl der 
Sehwiche aus den Armen, und das sieche Aussehii 
dee P.f die Hände vermochten seit Jahren unmög- 
lich ^wesene Bewegungen,' wiederum su verrich- 
ten , Alles liefs die vollkommenste Genesung des. 
Kranken erwarten, als die schlechte Herhstwitte- 
Ti|ng die iKur unterbrach, und denselben atifs näch- 
ste Jaihr verwies. 

Herr. v. W» kitte in- früheren Jahren an einem 
fleehtenartigen Exanthem im Gesicht gelitten , und 
dasselbe durch äufsere Mittel ohne damalige nach- 
tkeiliee Erfolge vertrieben, sich auch eine Reihe 
Ton Jihren einer dauerhaften Gesundheit erfreut, 
bis späterhin Hämorrhoidal- und rheumatische Lei- 
den, seine Sorge in Anspruch nahmen. Nabh man- 
nigfaltigen vergeblichen Heilun^sversnchen , be- 
suchte Patient das hiesige Bad , und ich verordnete 
ihin den Gebrauch der Moorbäder. Nachdem der 
Kranke 18 — 20 Bäder genommen hatte, fand sich 
plöttlich ein pustulöser Flechtenausschlag an der- 
selben Stelle des Gesichts ein, wo der früher ver- 
triebene seinen Sitz gehabt hatte, und vollständig 
genesen, verliefs uns der Kranke. 

Herr v. M. hatte sieh in Folge früherer An- 
strengungen während der Feldzüge, denen er bei- 
wohnte, häufige giohtische Zufälle sngjDzogen, ge- 
fen welche er früher die Teplitzer Bäder gebraucht 
«ttey durch unvorsichtige Anwendung aerselben 
sber in einem ^eberhaften Zustand gerieth, nach 
dessen Beseitigung aber der Kranke den frühem 
^ichtischen Zufällen , besonders häufigen Koliken 
nnd den anomalen Zuständen unterwarfen blieb, 
welche anomale Hämorrhoiden zu erregen pEegen. 
Hin Freund von Arzneien, hatte derselbe es an auf- 
lösenden, vorzugsweise auf den Unterleib wirken- 
den Arzneien nicht fehlen lassen , und seinen Kör- 
per durch heftige Ausleerungen und häufige Diät- 
fehler bedeutend gosclxwäciit. 

Im Jahre i8fi5 hatte derselbe mit unendlichen 
Nutzen für deu Gesanilbotorganismus die Mineral- 
blöder gebraucht, deren Wirkung sich durch ver- 
melkrto Thatigkeit des Unterleibes, rascheres Von- 
stattengehen aller Funktionen und allgemeines Wohl- 
befindea su erkennen gab« 



— 138 — 

In diesem. Jahr gebrauehto derfelbe die Möoi> 
jblder, und bereits nach dem eilften Bade fancl sioh 
jenee f rieselartige Exanthepa, zuerst in der Leber- 
gegend erscheinend , eich später über Jen gansen 
Unterleib rerbreltend , ein , von welchem Moaent«^ 
«n der 'Kraxrke vollkommen hergestellt war. 

Das frieselartige Exanthem , welches ich ab eine 
ziemlich, constante Wirkung nach dem Gebraiiche 
der Moorbäder wahrnahm, trat yt^och bei denen 
Personen y welche dieselben des VergnOgedfe halber 
nahmen, nicht ein. 

Die Anstalt erfreut sich der nöthigen Apptrate 
zur Anwendung von Tropf- Douche- un^^egen* 
bäderzi* Ein Schwefelräucherungsapparat , ein rus- 
sisches Dampfbad , und allo Vorrichtungen zu Ffirsr« 
liehen Bädern , vermehren zweckmäfsie,. die hier 
dem Arzte und «dem Kranken sich darbietenden 
Hülfsmittel. Eben so hat die Anstalt stets einen 
Vorrath der gangbarsten Mineralwässer, Welche zvl 
den Einkaufspreisen jedem Badegast abgelassen werden« 

Die dem Bade zugehörigen Wohnüneen verei« 
nigeu Bequemlichkeit mit Billigkeit; die herrli* 
chen Umgebungen der Stadt, der reizende ffirstliehn 
Park, die vielfachen andern Vergnügungen, Welche 
den Kurgästen sich darbieten , können' eine gfinstig^ 
Einwirkung' auf das Gemüth derselben nicht vecr 
fehlen. ♦) 

Dr. Rlßmann^ Kr, FhysUMis# 

xtt Mutlum« 



I 
j 



3. 

Erinnerung an den GalvanUmus hei der Sehlafsuchtm 

Es istkarzlich wieder einBeispiel von einer sechs- 
wöchentlichen und noch immer dauernden Schlafsucht 
erzSlhlt worden. Eswas ähnliches wurde jfingsthiQ 

. *) Eioc genaue chemische Analyse vom Hrn. Geh. Bath 
Hermbsiadt wird im u'dduteu ScUck dieses Journals loit- 
getkeilt werden. 

d, ff* 



— 139 — 

von Wien bericlitet. und noch enunnKch«* itc 
dal Mädchen , weichet jetzt schon 413 Tage bs 
Medebach in TVettphalen tchUft. — £t ^cneiac 
dieaer Krankheitasoaund in der That jetzt hinfiev 
sn werden 9 und ich halte ea daher ffir Pflicht , oa« 
bei den GalTaniamna in Erinnerung su bdlngeif» 
'welcher hier gewib daa letzte and aichertte Er« 
'weckangamittel bleibt » wie micl^ Tor so Jahren 
eine hier in Berlin gemachte Beobachtung ealehft 
hat. 'Ein Midchen von ao Jahren hatte achon o Wo» 
eben lang ununterbrochen in tiefen todten&hnlicfaea 
Schlafsustand gelegen. Nur mit Mfihe konnte maa 
ihr suweilen ein weni^ dftnnen Haferschleim ein* 
flöfsen. Der puls war kaum fühlbar. Alle äufsero 
Reismittel waren vergebene angewendet worden« 
Endlich Trnrde der Galvanismus su Hülfe genom- 
men. Auch er wollte anfangs nichts leisten, bis 
endlich der eine Konduktor auf die Hersgrube und 
der andere in das linke Ohr gebracht wurde. Hier 
dauerte es nicht zwei Minuten , so färbte sich das 
bis dahin blasse Gesicht mit Röthe, die Augen öff- 
neten sich, sie richtete aich auf, und aprach daa 
Wort yyVatex^^ aus, von welcher Zeit an das w*ohe 
Leben wieder hergestellt war, und die SchlafsnÖb^ 
nicht wieder zurückkehrte. •* Die Geschichte ist 
«usfahriich in diesem Journal Ao. Band zu lesen« 



4. 

Aufgabe üher die f^accination» 

Es iit sehr merkwürdig y und der ^öfsten Aofv 
merksamkeit werth, dafs die modificirten wahren 
Pocken (Varioloiden) bisher gröfstentheils blo(s in 
ftltem Subjekten, genug bei solchen, wo die Vac^ 
cination vor mehr als 10 Jahren geschehen war, beob« 
achtet worden sind. — • Sollte diefs nicht der , von 
mir gleich bei der Erscheinung der Vaccination ge« 
ftulserten *) , Möglichkeit immer mislur Wahrsohein- 

e) 8. dieses Journal vom Jahr idoa. 



I et 



^ 140 -i. 

lioLKeic geben, diift die durch die yaeoSÄAtion 
bewirkte Sicherung iß manchen Organismen mit; 
den Jahren ihre KraCt verlieren könne , oder, was 
eben das heifst, dafs die durch die Vaccination im 
Organismus bewirkte Umänderung , welche die Pok- 
benrezeptivität aufhebt, - durch die mit den Fort- 
gang der Zeit verbundene .Umänderung des Orga- 
niamns auch y er wischt und aufgehoben werden kön-. 
B«, wenigstens ' in manchen Subjekten? — Es 
Wfiide dann nur daraus folgen, dafs man sich^ alle 
lo oder fio, Jahr von neuem wieder vacciniren las- 
sen mufste« Und immer bliebe der, Vaccination der 
irofse Rulmi , dafs wir durch sie' das Mittel in der 
and haben, jede neu entstehende, Fockenepidomie 
in der Entstehung zu yernichten« 



MüeelUn Pnufsischer Atrzte aus den oiirteljährigiit 

Sanitätsberichten^ 

(Fortsetzung.) ^ 

T 

Nutzvn des Kirschlorheerwassers hei Hypochon» 
^rien von jibdominalverstopfungen* — Ein an Un- 
terleibsbeschwerden leidender, kaphektischer, hy- 
pochondrischer Mann von 50 Jahren > ein grofser 
Freund von Arzneyen, der schon mehrere Aerzto 
consulirt hatte, suchte bei Hm* Dr. Heinsius zu 
Crossen Hälfe. Mangel an Efslust, Verdaunngsbe- 
schwerden, Druck in den Hypochondrien, Magen- 
krampf, träger Stuhlgang, waren seine Hauptbe- 
schwerden, welche durch sitzende Lebensart unter- 
halten und vermehrt wurden. Der Kranke "war frü- 
tierhin durch auflösende und bittere Mittel vielfach 
behandelt T^orden. Dey g«genwäi;iige Arzt zog das 
^ Xirschlorbeerwasser in Gebraucli^ und liefs. dasselbe 
Jn" Gaben bis zu 25 Tropfen täglich 4 Mal nehmen» 
ITacfa /iwöchentlichem Gebrauclie stellten sich schwar^ 
se-, stinkende» aufgelöstem geronnenem Blute ähn- 
liche, Stuhlgänge ein. £s wurde die Gabe bis auf 
50 Tfopfen vermehrt und dabei Kly stiere aus ei- 



_ 141 — 

ntt AbkocLnng der Bad, Säponariae und Ta- 
raxaci mit Honig täglich angewendet. Als nach 
8 Tagen ' die Stuhlgänge eine braune Farbe annafa» 
men^ Spannungen, Magenkranipf und Flatulenz nadi- 
gelassen hatten', wurde die Kur dui:/ch bittere Mu- 
te] .besclilosaen. Der Maiin erfreute sich hierauf' 
einer guten Gesundheit^ wio er sie seit lO Jahren 
nicht genossen hatte« 

Entzündung der lymphatischen Gvfafse der Bmst, 
— Der Kreisphysikus Dr« Rudolph «i Cottbus bflk 
handelte eine Entzfindung mehrerer Saugaderstämme 
unter der Brust einer Frau, deren Catamenien sich 
zu verlieren anfingen y und die oft an Mutterblut- 
flufs litt. Vor einem Jahre war die Frau von chro- 
nischem Rheumatismus und Carditis befallen gewe- 
sen , und hatte seitdem einer ungestörten Gesund- 
heit genossen«. Die entzündeten Saugaderstämme 
erschienen wie Stränge von der Dicke der Seiler* 
spulen, und liefsen sich bis hinter die Brust ver- 
folgen. Es wurde ein Aderlafs am Fufse instituirt, 
und örtlich fand die Anlegnns von 6 Blutigeln statt; 
innerlich wurden gelind abfahrende Mittel gereiche, 
und äufserlich Cafomel mit Opium in Salbenform 
eingerieben. Durch diese Behandlung gelang et^ 
das Uebel in Zeit von 12 Tagen £u heben* 

Buhonen ohne ßorher^gangens örtliche In* 
fectionssymptome, — Hr. Dr. ßlalin zu Cottbus 
beobachtete bei 2 jungen Männern das Entstehen 
von syphilitischen Bubonen nach einem ß nnd 5 
Tage vorhergegangenem unreinem Beischläte, ohne 
vorhergegangene örtliche syphilitische AfFectionen 
der.Gescnleclitstheile. Sie gingen schnell in Eite- 
rung ilber^ das Geschwür hatte einen unreinen 
speckigen Grund und aufgeworfene Ränder , und 
die Heilung wurde durch aen innern und äufsern 
Gebrauch des Merkurs herbeigeführt. Wir haben 
schon eine ähnliche Beobachtung angeführt; es 
scheint also wirklich einen idiopathischen veneri- 
schen Bubo> ohne vorhergehende Örtliche AfFectio- 
nen der Geschlechtstheilcy zu geben , und derselbe 
eine Neigung eu haben, schneller |in Eiterung fiber- 
zugehen , als der secundäre» welches in prakd- 
scher Hinsicht nicht unwichtig iatt 



— 142 — 

- * 

f 

JMfifrkwfiräigd Zußdle von zurückgetretener JMiUh. 
«f Ein« Frau yon fiß Jahren, sonst eesund und 
ritmUch robust 9 Mutter dreier gesunder Kindert 
wurde nach einer regelmäfsig verlaufenen Sokwan- 
gertohaft von einein schwäcJ^ichen Kinde leicht 
«ntbunden» befand sich wohl und sUugte das Kind 
bif sum 5ten Tage , wo dasselbe an Krämpfen turb. 
£• Tcrschwand nun plötalich die Milch aus den 
Brüsten 9 und die Frau enanfand stechende Schmer- 
zen in der linhen InguinUeegend , und ein Drän- 
«en und Pressen auf die Harnblase » bei geringem 
Trinabgang» so wie Reifsen in dem linken Sehen- 
lieL Gleichseitig erschien ein anhaltendes Fieber 
mit wechselndier Kftlte und Hitae, Durst» Appetit- 
loaicheit und Nachtschweifsen, Stuhlgang war Tor- 
]ianden> und die Lochien i^össen 14 Tage hitidarch 
blutig und wurden dann schleynig. Erst nach 4 Wo- 
chen« nachdem die Beschwerden augenommen hatten^ 
•wurde Hr« Dr. PFolff zu Calau au Eathe gesogen. 
Dieser fand aufier den genannten Zuflllen, Schwä- 
che. Abmagerung , Neigung zum Erbrechen y öfte- 
res Würgen 9 una die Empfindung des sogenannten 
Olohus hystericus. Der Unterleib fühlte sich weich 
an und ertrug auch an der schmerzhaften' Stelle 
Druck. Bei der Untersuchung d4irch die Scheide 
Tand er die obere Hälfte des kleinen Beckens lin- 
herseits ausgefällt Von einer harten, unbeweglichen, 
unschmerzhaften Geschwulst; an der Vaginalportion 
des Uterus nichts Abnormes $ und den Muttermund 
irerstrichen , doch nicht ganz geschlossen, wobei 
ein geringer Schleimabcang aus der -Scheide Sutt 
fand. Bei der zweifelhaften Diagnose verordnete 
der Arzt zuerst eine Auflösung des Natrum sulphu* 
TIC. und Tfitrunty sodann ein Chinadecoct mit Tinc^ 
iura Dijgitalis, Auf den Unterleib wurden warme 
Fomentationen aus Chamillenabsud mit Essie ge- 
legt, erweichende Einspritzungen in die Scheide 
und dergleichen Klystiere angewendet. Nach eini- 
gen Tagen verbesserte sich der Zustand etwas 5 aber 
nach 8 Tagen wurden die Schmerzen wieder hefti. 
ger, es trat Erbrechen ein, und der Globus hyste- 
rieus wurde so heftig, dafs die Kranke nichts hin- 
nnterschlucken konnte. Es wurde eine Neutralisa- 
tip|t des^ kohlensauren Kali mit Essig gereicht, und 
die Digitalis den Muttereinspritzuneen sugesetzt. 
Das Erbrechen verschwand^ es fand sich einige 



— 143 ^ 

Efilüit eixiif atid clie Zurilla wurden erleichtmy 

J'edoch blieb die Geschwulst in der Inguinal^eg^nd« 
n der 5ten Woche der ftrztliehen Behandlung- war« 
den die Schmerzen in der Geschwulst wieder he& 
tiger^ erstreckt^ sich bis aufs Kreuz und kamen 
Faro^cysmenweise.' Nach einem starken Anfalle der 
Att, «rfolete ein copiöser Abgang eines ganis wei- 
ften^ milchähnlichen Urins , der sich im Verlauf 
des • Tages einige Male einstellte, und übethaüpc 
3 Maafs eines solchen Urins abführte, der bei der 
•▼orgenommenen chemischen Untersuchung sieh 9er 
Milch ziemlich gleich rerhielt. , Nach diesem Ab- 
gange , der als eine kritische Entleerung, betrachtet 
"werden mufste , f Ahlte sich die so lanee geqaftlc 
gewesene Kranke wie neu geboren« Die Schmer- 
sen verschwanden ganz, das üamdränecn hatte auf- 
eehdrt, das Fieber hob sich und mithin die Schwei« 
Ue. Mit dem zunehmenden Appetit nnd der bes- 
seren- Ernährung fanden sich die. Kräfte bald wie- 
der. i)ie Geschwulst im Becken, welche fQr das 
Ovarium gehalten worden war, wur bis auf einen 
kleinen Imifang vergangen« Die Frau befand sich 
bald sehr wohl und gesund. 

CBs freut mich, durch diese Beobachtung von 
neuem die Aufmerksamkeit auf die , in neuern Zei- 
ten so, oft verkannte, ja von einigen verworfene, 
Ijchre von der zurückgetretenen ß^lch, erregen tu 
können. Auch meine Erfarung hat mich gelehrt, 
dafs dadurch, o^t lialbe und ganze Jahre dauernde, 
Krankheitszufälle von allen Formen entstehen kön- 
nen, welche am Ende durch nichts anders geho- 
ben werden, als durch eine kritische Ausleerung 
eiiies milchartigen Stoffs, entweder auf natürlichen 
Wegen f oder durch ein neu erzeugtes Sekretionsör- 

fan, einen Milchabscefs. Es ist der Zustand , den 
ie Franzosen Lait revanJu nennen, und die besten 
Mittel, nach meiner £rfarung, sinds Jreanum du^ 
plieatum {Kali sulphuric) Deeoet, Stijf, Dtdcanuar* 
und lauwarme Bäder* H,) 

(Die Fortsetzung folgt.) 



, -^ 144 — 

Di» Bä>Uotheh <)• P'- Heilkunde Man iSaS nthSJtt 

€,.F. Harte fs Handbuch der ärztUchen KlUiih 
f. Schnurrer Chronik der Seuchen. . 

Kurze' litter&rische Anzeigend 

ß^elanget de Chirurgie etrangere , par uns fOcieie 

de dnirurgiens de Genioe, T, I, 
Schilderung der Witterungs - und Krankjheiiseon* 

stitution von- Böhmen im Jahre 1821« 
F. Bird Beobachtungen über die epifienUi^ Au- 

genehtzündung^ 

JVLineralbrunnenl ^ 

F.A, A. Strltve über die Nachbildung der natur» 

liehen Heilquellen* Erstes Heft» 
At Fr, A. Diel über den Zweck der Thürmalba" 

der zu Ems* "" / ' 

H, F enner von Fennenbär g Selters tmd seine 

Heilkräfte. v . 

H. Fenner vontennenherg Sehlangenbad und 

seine Heiltugenden, 
Ct Schenk Anweisung zum .zweckmSfsigen hmem 

Gebrauche des Badner Schwefelwassers* 
Die. Insel Fahr und das ff^Uhelminen »> Seebad 1824« 

Von F, Oon TV arnstedt* 
J* _A. TVettste in Skizzen über die Seewa^ser» 

Quelle bei St* Moritz in Graub&nden* 

Akademische Schriften der. Universität 
zu Berlin* 

X. £• Doniges de oariis üranorrhaphes meth^dir 
Aphorismi* " ' 

C. A. A. Montagk in Philosophiam medißam In» 
troductio* 

£. Blasius de Tractus intestinorum forinatione in 
mammalium embryonibus^ 

F, H, Bonorden de Phthisi pulmonalL 

C, A. Zu au de Tubi acastici ad sciscitandam gra* 
■ viditatem efficacia. 



\ 



^ n f ü n \> i QU n d^ 



^ettltü ini 3al^t iQii. gfeid^ häd^bem bie ei^UitU^i 
tieft erfe^ting betf Gl^affp^are aus bem Utiserfcden 93er# 
tage in belt meinisett ÜlbcrditiS/ watibte (^ mid^ an i^rii^ 
b. ^Akgel m(t bem (Sefuc^^ bie Seenbidung bes fö meit 
ttnb äldcflid^ förtsefd^rten SBerf5 |u Abecnebmeti > unb 
erhielt iU jener 3^i( au((^ bte erfreultdftfie Qufi^tvnnt 
ber S&ereitmiDisfetr^. ja es mürben geit unb anbere Sbu 
binsünsen ber ^rfcfteinukig fefigeßellt, beren (ErfdÖung 
inbeg bur($ t)erinberte SBer^iUniffe be^ ^rn. t>. &4k# 
gel unb bnrc( uneriDartet etntretenbe anbertbeitige j^ini 
berntffe Don ^^ftr }u 34^ Xuffc^ub erlitten: bi^ enb« 
Ii(6 im 3abr 1819 bie oeflimmte Srflftritng erfolgte/ bai 
bit ^egenmirtigt Sage unb' Stid^tung feitier (iter<krir(^efi 
S&eilrebuhgen tt^ i^m ühmSgllc^ tnacbten^ ferner für bai 
tnit ungetoelltet Siebe begonnene SSJeffr iU mirten. S^ai ., 
nac^folgenbe @4reiben> beffen bffentli^i S&etanftittoiiiii 
((^üng mir erlaubt tburbe, enteilt bie®r9tobe für bie« 
fen Sntfc^Iug/ unb gemattete iugleid^, bie Sortref^tUtg bet 
tDÜrbigfien ^^nb tu übergeben > In welche e5 oiii bti 
feitiigen fiberge^en fonnte. 



3(n <^errn S&uc^^&nbler Steimer iti S&erliii. 

. 3(ttf Si^vt erneuerte Xttfraäe/ mein (bt^giellbrtefiel 
^etr unb Sreunb/ mug icb 39nen baß offene @e||l&nb# 
ni0 mieber^olen , bäg i(( fSr i^t feine SDloolic^reit, re&e> 
meine lUeberre^ting ber bramatifdben SSerfe . &ba(n)edre'< 

iu Snbe in bringen. Sie Dor^anbenen acbt Q3Ahbe flnb 
n ben S^^ren 1797 — 1801. jiemlid^ fcftneD nä4 ein/ 
anber erfcftienen« ^ie erfieti Stdcfe Ratten mir uiiRlg# 
lidft &(btoierig(eiten gemacht/ aber icb gemanto balb eth^ 
größere £ei((tig(eit, nnb id^ ^dtte bieOeic^t ba^ aan|e in 
wenigen ^aht^n i^oOenbet, menn ntcbt eine {ufittige @ti/ 
tung, ein SßißverfMnbntß }tt)if(ben mir unb btm bamäi 
ligen 93erleger/ bAt Sortgang bei$ Unternehmend unter« 
(rochen bAtte. 3^ t»anbte mh( nun )u anbern litercu 
ttf^en arbeiten / nad^ftcr (amen Steifen unb ab(en(enb< 
Setftrennngf n (^iniu / fo ba0 i^ t unoeacbtet bei oft gei 
fMttn ßöna^e^/ »ft^renb fo tileler Igal^re nut ein ein« 
itaei.ti^df: iXI(^4rb Den bHtten. la etänbtitt 
him %^t, m$ m\t bdna^e T» biet j^m jefofiet (ir^ 



M br<l mUh. 3^1 ttftrbf 11t f ortfe^ang («fl ettti 
fo otet Unftttn^nn^f unb Sntfcrnun9 t)on onbern Xrbei« 
ten, erfoberti/ a(^ bet Tfnfang; unb bte§ meip i(|) mebei 
mit meinen S&eruftfgercftdften |u vereintoen / noc^ mit 
ben oete^rten (Sntmdrfen, burc^ beren Csueifd^runs fc^ 
bem publicum nili|iU(6 §u wercen mdnfcbe/ fo lange mt? 
ber JMmmel JlcAft unb ®efunb^elt t)erUi&et. 

iRlcbtf^ fonnte mir baf^tt angenebmer fein, a(^ ble 
Sflacbrfcbt/ ba^ mein vortrefflicber ^reunb, Submtg 
l£lec(, bereit Ifl, ble von mir nocb nlcbt dberfe^ten 
6tdcfe {u dberne^men. S>ie Sefer finnen babel nur 
omlnnen; Dor allem tfi t)on bemgeniallfcben/ {tit t)ie(en 
^a^ren mit 6^a!fpeare t)ertranten 5Dicbter {u envar^ 
Un i baß er ixot\ oft t)er(annte Stgenf^^aften betf (EnglU 
ftben fDitelfierer : feine S^t^tbeit unb feine Xnmutb/ mit 
@(dc( au^brdcfen n^erbe. ^tnn 6le ^iecf5 Ueberfe^ung 
0H eine CrgSniuhg ber meinigen In berfelben $orm 
broifen lafTen moOen/ fo fann leb nlcbt anbertf, ale ble^ 
fer '9la(bbarf(baft mt<^ ^erjHc^ freuen. 3(b ne^me bi^^ 
mit gemiffermagen t)on meinen Sefern 2(bf(bteb: leb fage 
($nen !Dan( fdr fo moncbt Sejeugungen t^re^ beifllm^ 
menben ®t\&%{^, ble mir in %beil geworben (inb/ n>&^/ 
renb Id^ In unfern iffentUi^en S&littern, blt ^^ fdr trl# 
tlf$ ausgeben, nie aucb nur eine einzige "Sßemertung dber 
meine Ueberfe^ung ge<efen \^(Az, woraus t(^ fdr bie ^unfi 
etmatf ^Atte lernen f Annen. 

Sßonu/ ben a4. Slot). 1819. 

X S}« \)on eic^tegef* 

Sedier fcbon, e^e bie Hoffnung ^ fdr ble g&niUc^e 
Seenblgung be^ SBer!^ Arn. t>. 6(blege( felbft }u ge/ 
mlnnen, ober boc^ menlgftentf feine t^&tige $6el(nabme 
bafdr au erhalten, )>ftOla erlofcb/ ^acte fid^ i^err 2)r. 
Slecf TrelwlOia {ur SßitQdlfe gegen micb erboten ^ unb 

{d^ bereit erflart, aujer smeien bamal^ faß In ber Ue« 
erfe|ung beenbigten €}tdcren: SRacbet^ unb Derlo/ 
rene Slebec^md^ aucb anbere {u dberne^men / / mobef 
vor}ng<n)elfe feine SSa^t bie. btimorifiifcben traf. Unter 
biklen SBer^AltntfTen mar tt febt um /o leicbter, l^n jur 
. UAernagme be^ IBern lu bemegen, al$ l^m felbfi bie, 
eotittbe fdr ben grölen 2M(bter folcbe erfreu(l(^ macbte/ 
unb bftd linunterbrocbene Ctubium ber 98er(e bejTelben 
hat (lebfle unb umfajfenbjle S&e(ireben feiner blcbterififieii 
unb fleepatifttin $0&tlgf elt mar / unb tool niemönb/pc^ 
rahmen »iirfre mft bem n&taU4)tn ^^tt uubj^buen 



M Um ^rihtftin mxb rtefflnniallfn SDI^Hr gfna^t iu 

C^ iDurbe ba^ec auc^ (m Sabrt i6^f nA(( 9»r# 
^ersegan^enen Oerabrebungeti/ eine Xnfdnbisisnd etittoor/ 
fen, bereti S&efanncmac^ung iebod^ unterblieb/ meU fofcOe^ 
naA d6ereln|lfmntfnbec SRethiitig , nur al6 na^er S39r/ 
f&ttfer ber mirflic^ erf((e(nenben ^^t^tf^f^uns bargiboten 
warben feOte; mancherlei «l^inberniffe \>eriS9ertfn aber 
M6^€r bie SrfdOuna blere^ Viov^%ti. !D« folc^e nun 
aber 0roßenc()eii0 alncKlc^ gehoben finb^ T» n)lrb bieTtuf/ 
fA^rung/ beren art unb SlBelfe bie na^ifofsenbe Crfifc 
rung bei J^rn. !Dr. $iecf nA^er iu erfennen {lebt/ nun 
feiner meitern ^tirung unterliegen. 

Gc^on feit manchem S^^te / na^bem meto Stenn^ 
X !ffi. 1». Spiegel bie OoHenbung feiner meifler^afeeti 
tleberfe^ung bei ©^affpeare aufgegeben ^atte^ mar ei 
einer meiner mi(^tigflen SocfA|f/ ble^G^aufpieie/ bie n0<^ 

Jurdcigebiteben maren, ju übertragen. ®t6rungen «er/ 
((iebener 3(rt/ nacbbem bie Arbeit fc^on metc vorgerdcCt 
foar/ ^aben bie bffentlicfte tfrfc^einung biefer meiner Uei 
berfef^un'} t>er^inbert. 3^U, ba f» mancher Streiter 
mit me^r ober mtnber JtrAften , biefer ober fener^ t^ief/ 
Md^t fogar o^ne ^enntnl^ ber SSaffen unb o^ne VLt* 
bung^ ftc^ auf ben ^lan magt/ fifeeint ei me^r ^flicbc 
ali fe/ auf bie bis je^t noc^ unerreicbte $rtffli(^(eif ber 
C<^(egelf4)en 3(r6eit von neuem aufmerffam iu mad^en^ 
ba fi(b fogar/ nac^ einem S^italter, ba^ in ber SttHit ber/ 
!»or(eu(btete/ Stimmen vernehmen (äffen/ bie ben meifeu 
nnb aro9en ^rittifc^en fDIc^ter in biete^re nehmen, 
unb (tatt feine SScrfe tu t)erfie^n unb p Abertragen, 
biefelben mie ein iiemiicb gut gerat^enei (Ijrercitlum (or/ 
rlgtreny uub fte mit Suf&^en unb 3(ui(affungen entfteb 
Icn motten. S>a gegenm&rtig bie mufter^afte 0c((ege(/ 
f4e Ue6erf«|^ung ^u einer neuen DoOJl&nbigen 3(uigabe 
bei iDic^teri benu^t merben fott/ fo i)aht ic( mi6 gern 
an^eifc^tg gemach / bie nod^ dbrlgen ®c()aufpiele bei 
!Dt<^teri )u dberfe^en. Srreld^e i^ meinen mdrbigen 
SSorginger nic^t aani (mie icb benn mo^f/ manchem am 
tern barin nic^t a^nfic^/ fA^le/ mie fcbmer/ gemif(>rma/ 
gen unmiglic^/ biei fei)/ fo fc^meic^ie ich mir menfg/ 
(teni, bat mein t)ie(ji^rigei &tnbium bei Originafi mir 
iDetrer Reifen foO, ali anberen, bie ei mehiaer tenncni. 
mb bie mtbn gtit nott ^ele^en^tlt %i\^\K xf^xx^ i Vki, 



g Wtf f4 idbtit ftnb« mit bin giltginpffitR hU srnlin 
Jblt^ItM befanni ju tnadKii' l&aburtb «nnutfligt, ^abe 
tifr ingliltt, mit «riat^nlS metntfl SSors&ngtci, (^tt unft 
^ In Ttltier ^rbtlt Jtlttnistttlcni stAnörrt. 3>enii fti 
vfitm wib mU bcr Sprottit unb titn 'EStctcn jcnrt S^lti 
i\Ut$ ne(( r« vfrtiaut, fo lernt man bod) ou6 jibttn 
nrain, oft unbcbeuttnbtn S&u((r, aus |eber SSroc^ürt \tt 
Vtt Sage; unb toer feine 3('t auf birfe Stctitt geinanlit 
ober »tef^ivenbct ^ar, mlrb nur ftlte» bcn nocttrlcfte» 
(fcdSruttgeiL bet englifc^en Commeniatoren feinen S&tU 
ÜB. fltben (Annen- 9Btt fl(b auf blcft ob» Soänfonä 
!^in«'bu<^ »erlaffen nug, ober aar aus i^nen ben !Sic&< 
W cerfte^n unb ftltlfiren ivlD, fH nD<6 tn bet 3}otbt< 
reitung jum 93et|l&nbntg beffelben. ^tfiirungen beS 
^l^tets, fo mit 3fnmertun«ttn dbet dnteEnt @tffltn au 
«(ttn dstntli^ in ein gcftlcres SSecf, bas Igtn flfioib« 

Set (|t, ober In eine frltifcbe 3(u«Mbt feiner @(fiau> 
lili; ba abet bas ^ublituni/ fqion feit <£f(6en6ura/ 
berflUlt^iu S&emeitungtn gein aufflensrainen ^at, fo 
Mttbcn au(t in biefer neuen Ausgabe bet Uebetfe|uni) 
betgltit^en «ngebÄngt lofrben, jebocft nut menigc, bic 
bunflt Stellen erlduttm , ^Infpielungen trn&TM ü ober 
(Vigeaommene Cefeamn rec^tfertlstn foDeiii 
^rtsben, im gebtuat iSK-i. 

8. 51*A 

fSiaö) btn gdnßlgen ^martungenf Ktlöit bit eot< 
ßt^enbe (Erflätuns erregen mu^, intrb bat beabfttfetlgte 
Unternehmen aucQ fi^ieiUit bet leb|)afteften S^ellnatime 
fi^t erfreuen bdrfen. 

tRut mit ivenigem fe| c< mit etlaubt not^ ber ju« 

ilrl<^ In bfe i&aEtn tietcnben fOiltbemerbet (u cmägnen. 
:fn in ber Iiicrarir4)en SJelt unbetannter tOJann unter« 
nimmt CS, nadjbem et i^ Eingänge feinet XnEdnbU 

Jung i^^ffpeare bf^ilcb gefeiert ^at, t^n mit einem 
Aalen Ttuefpcuc^ !QQltairc% ber mit jenem fo minifl 
In ©einelnfilbaft iu bringen Ift, roie gcutr unb E^afr 
fef, abjufercigtit, unb if)n bemgemäß ju be^anbein, mle 
^te mttgetl)etU«u '])tobeR unb bie bereite erf^ienenen, 
«nb mn ?i)eil fdjgn uat^ SJerblfnlt gendrblgte» Sean 
ieitungcn ernennen UtTen. @q »etfä&tt ber nemlltb* 
f^dBn/ melttiet fagt: bit bisher trf^lienenen UeDetft> 
(üfVM lUe^t« brat Otlstnat "»tr mii €4«tt(ii betx 






Mtptf, infrem n frttfi iftti buc^f^ Utssfftalciiiis inm 
&4amn eitie^ Gc^atten« ma^t <Er ent^U M mit 
au(6 nic^t/ bie ojfeii6arfteii Unma^r^eiten t^ortubrinf 
gtn, inbem er behauptet/ ®(bUge( unb 9)oP t4ft(ttii 
t^re Ucbertrasunsen nicbt 1« ben aldctUc^ßen Ht^tititn^ 
Sbtibe toerben i^m bied menlg Sanf mtfFtit. 34 gUttbe 
iDon bem (enteren onnebmen ju bdrfeti/ baf er onbertf 
bardber btutt, unb bon ^rn. t). Gcblegel / befFr n lang« 
ji^rtger ttiberer S&efanntfdS^aft icb mi^ iu rd^meo^.fe^bf/ 
toei^ i(b n>eni9(leti0 / bag er fein utit)er<|&nal«bM t$tr/ 
bienfl um ben grogen S)i^ter, unb bie Ue berfef^ungtffttn^ 
dber^aupt/ fo wenig tierfennt/ altf beiK ^ubliftim^ batf 
mit immer nocb reger ^^eilna^me bem SBerfe geneigt 
bleibt, n>ie bie mehreren neuen Auflagen beffelben )u etf 
fennen geben« ^ber fetbft biefer befolg n>irb i»on jenem 
beflrttten, mie offenfunbig er aucb ifl/ inbem tt, entn^t^er 
unbefanut mit bemfetben ober l^n abficbtlicb t»er|fbienb/ - 
t>on ber (auen 3(nfna^me aOer Ueberfe^ungen beiP ®(a(^ 
fpeare fpricbt/ menn gteicb niemanb leugnen tann, baß 
(ein !Di(bter/ totld^tt ®pra(be er auA ange(|6re/ etiler 
fo gdnfiigen 3(ufna^me ficb in S>eutf((lanb ^u erfreuen 
gehabt f^at, mie eben d^affpeare. 

(£ine anbre }u gteicber Seit beginnenbe Ueberfc^ung 
ebrt aderbing^ ben unflerbli^^en iDicbter barin / bai fe 
t^n gans in feiner Sorm unb SSeife bei nnü einaufä^/ 
ren bemd()t tfl, unb bamit unt)erfenn(i(b autffprtd^t/ 
baß ber Unternehmer menigfleniiP ben erflen @runbfa^ 
6ei(ig b&it: ba$ Si^f^<^lt unb Sorm iug(ei((^ ben 
SBert^ einee ©ett^tc; bebingen, unb baf niemanb, unter 
metcbem SQoritfanbe tu aucb fei, ben @eiflei;fldge( eine^ 
!Di(bterd l&^men, i^n befc^neiben ober gar i^m eigene 
^ebern einfelen barf. ffijie meit e^ i^m nun in feinem 
feeflreben gelungen fei/ feine 93orgAnger ^u eerei<ben 
ober üu dbertreffen, tt>irb am befien bie 93erglei(bung er/ 
geben. SBenn en aber in ber 3(nfdnbigung mit S&e/ 
)ug auf ben,9Bert^ ber bangebotenen Ueberfeffung ^eigt: 
€6 fei nidhc befrembenb/ baS nacb bem fiSorgange fo gro/ 
ger ÜSeifrer ein gleicber ^elfter erfcbiene/ fo tfi bM 
loo^l eine Uebereilung, ober man mdgte mit gleicbcnt 
gte^t annehmen, ba| nacb ^^faA, £eonarb ba 93inct 
(Spt u. a. nur ÜKeifter glei^^en Slangs gelebt |^&tten/ ba 
bocb iebeemann, ber (m Oebiete ber ^unfi betpan« 
bert ifi/ tt>eig/ baß feit }w^. aitcft niiin^er Ctlt^if^ tjU 
boren »uri^e. 



- - yAf t bai %ft8iN?t «n6 Mt (Bebihsungeti 5ct (EtfAt i/ 
*lrttirg t«^ 9t}erh Habe id^ gfla((fle^ente6 ^u Bemerfen; 

-3» ber 93orAU^fe|un9 , bag nfc^C jebim tti/ nar 
^menfilcft burd) Me (egteltenben derUigen Q>reiff/ in le^/ 
tft' getc be^ünfl^gten ^dfc^enaue^aben iufa^eti/ ^abe 
td^ ein anft&nbfgetf Format gemistt, mit bem ber 
SegetitoSTtigen TtnCdnbtgun^ übminjlimmenb, o^ne ba# 
buv(^ bcr erforberCic^eti $Bo[)(fel(r)eiC in bzn SBeg }u 
«tmenfi, 3<ber 93anb mirb \)(er Sti'^cfe enthalten, unb 
mif^ni ba5 @an(e in 9 ober 10 S3dnbe jerfaden^ von 
^lun %n>et/ mit ber Steige ber ()iflorifc^en ®tü(ti be/ 
^innrnb^/ in ber nSc^flen Ofierme(1> erfd^cinen tt)erben. 
!ble getroffenen S3orbereitungen unb bie Supc^erungen 
M lUeraus^eber^ laffen t>errprecben/ ba$ bä$ ganic Un^ 
ternebmen tnner^Ib }met 3a\^vt beenbigt fein roerbe. 
3ni 'Saufe tiefen 3^f^^^ werben fänf 9&Anbe erfcgetnen. 
'S>er &ubfcription6preitf ftlr bai ganje S93er( be# 
trAgt (n ber ^eringften Tlvts^abt auf gutem JDrucfpar 
pier 4 $^a(er; auf fehterem Rapier 5 $^atcr unb 
anf SBelinpapier (5| ^baier ©ic^nfc^. S)ie erle^un^ 
Ui '9>teifetf finbet )ur 4&(fte bei Ablieferung ber erflen 
S&Anbe/ |ur anbern ^ilfte bei (Srfc^elnuna be< fünften 
SSanbetf flatt, mobd fic^ feboc^ feber iur labha^me bt6 
©anjen unmeigedid^ t^erbinbdcb mac^t. 

Um lugleii^ ben 3(nfprä(^en ber S5efi^er ber frd/ 
^ern 3(ue(f)abe |u begegnen, erfucbe i(^ biefe (hiermit, ftcft 
mit S5e(le(Iungen auf bte S^ttfe^ung berfelben (in über/ 
finflimmenbem 3(eugern mit jener) ju metben. 3<^ vtu 
fpre(^e babet bie btOigflen greife/ beren @teUung f!c& 
nad^ ber ^a\^\ ber ^^ettne^mer richten mtrb. SBenn 
biefe dber^aupt ftc^ ^inreid)enb jeigt, um ben befonbern 
31bbrucf o(^ne {Rac^t^eil ju unternehmen/ fo Mi ba5 
3((p|abet auf 93etinpapier nid)t Aber 1 ^)a(er, auf €5(^reib# 
papler nic^t me()r a(6 i ZhaUt unb auf !Dru(lpapteri?.^(r^ 
ler SU flehen fommen. fi3(eiben inbeg bte erforberlid)en 
S&efleffungen am , fo mdrbe bie^ freute^ bat; a&nslicbe 
ttntfrbieiben btefer 3fu^gabe ber ergan}enben i&anbe ^r 
gotge ^abeu/ unb bie aUbann §u geringe S^M SDerjeni/ 
geti, mekbe i^re 2(u^gabe auf biefe SSetfi |u i^enooOfi&nf 
bigentDÜnfc^ten, mürbe, n>ie ic^ ^offe, ml(^ entft^ulbi/ 
gen, menn i4> anf 9)2ange( an $^eilna^me i^nen \\\ 
IfNtlgen ae^tnberc mdrbe. 

O« 9letmer. 



9Rli bei »otQngittnbtii VatinUpms utSinti 14 
&l( vociluft« von btr uafft bnot^tftmUn ^fi^ttnung 
ein» ITiteflaDt von 

r&mtntll((en IS! < c e c n. 
ISit in furtem nai^folambc nu«fi1(iiliifit ^nfOitbU 
«utig mlcb 6a« Sl&^erc eniUDlttn. €in|iiveil(ii bemntt 
ic^ nur/ tiag da« Sfante autf lo bit 24 i&Atibeti 6t|tt6tn 
iDitb, jtbcr etwa 1 3[lp^a&<t ßaiF, S>tt ^rets aOer 
S&inbi iDitb in brr -^tcitigdtit-KuBgabt nl{()t d6ic-jä — 
16 Zbit. bttragtn, unb bU SCbIfffecung bts @nn)tn In« 
ntr^alb iwcler 5<*itt t^att fUibcn. ^ud) ble Utbrtfitt 
luns bts ^en blutrote van (Eervante« niltb iugleh^ w 
(inii; Dtutn 3(ufla<if, Im nemtlt^tn S»^ii>ot bn^tttt to 
fctttinen, uiib Den iOtli^eTn bttTtlbtn aufSJetlangeti In rt« 
ntm ver^AltuigmA^g gltlc^ bllltgtn :^ceift gtlitfcit vim 
ben, fo Cag nllc 4 ^iiibe nlc^t-ilfitc bcti %(}nlet Coflm 
foUtii. ^l^,'^t'^^'">E'^'>''' '^i^" me^Kten bleuet üngo 
trucftfn ar&elKit au(t) eint neue um^ta'cbiluu utib pdOi 
enbm 3[U9sa6i »an Stotil ®tcrn6alb« SJanbnun« 
SfN tnt^altfiL 



Go (6m tfi (tf^itntn, unl) turt^ aßt ibit^^itaXUHt 
ita }u ttEtAlten : 
IZii« ttfit Safittl bti Svansidflcn Soiaanti ctSdH> 

11(5 autiafltgt, als V'obt tlnt« llfilif^tn Ctbaui 

ungsEiuqie gr. 8- ' ' 

«1« Bottiuf» folstubtn aSatSt ' , '-' 

f&ft ftclllgt &6)tift bt* ntutn fl^unbe«, ^ 
auHgclegt^ cclAuicTt utiV rntMittelt*. 
ein QfRba(^t8bii4 fdt bi< &aqefl((t Ctbäuuug unb itrl . 
4Anb6u(t fdr QJteblgtr .()n^ €!<(u8t^tir. ' ' 

Ser $ltt[ fprif^ Itn aUfiemeltien den Sioecf A'i|i|j 
McIc^En btr ungenannte ißecfaffet; btr nutet ben'Q.rQj!ß 
seil @olte«gele^tl(n elitf oiiegejclc^nett eieQe tihnimniu 
ntft bUfern SSuifie lU ttteid)tn (idi bffiCcbt. <Ss folF trei? . 
■lIAtgelc^rtttt rfnc 3CnIeltimg qtUd, ttn -^tf^ali' t^ 

beim 3leliglan«uiitetclc^t bleiirn bic ^ibtl |u erflättti/ 
utib -fiiN tJeebifietn ein J^idlfsmittel wetbtR/ um ^tiefte» 
9»rf4uusen üNt biR 3'^^tit ber Slbd auf (Int tiiatu 



9 

Mf Sfiff In Xntoenbnni) jn htlnqin. fCai (&n(^ n^trb 
fHm*n fbihtl t Commentar entsaften tn ftrenger ^elge be6 
^crrc< ber ^. &./ lonbern e^ mirb b(e ^itte (u natteti 
fuÄm tmlfcben ^fu^legung unb freier SSetracbtung* 2)te 
Xbff^iittte, In n)el<6e tiM S&erf serfäQr, foOen bem £efer 
Kii^epunfte seml^ren, o^tie bod& auf be(ltmmte Tixi \u 
ben berfelbett gerabe einer td^Ücften ^etrocbtuiig ju tt>ibi 
men. !Dle ^ejfcetffle.Qen ftnb um bee 3ufammen()an96 
»iOen m(t aufgenommen morben/ nac^ bem Urtext ber 
gereinigten lutberifc^en Ueberfe^ung« 

JDact gan&e ÜBert n>irb etwa tn 8 S3inbe terfaffen^ 
«on denen ber erfie im @ommer b. 3* erfd^einen xoith, 
Me fblgenben tn balbj&^rigen 3mifd)enr&umen. S)er 
^xAt joD fe^r m&gig fein , unb tn Der geringfien 3(u6/ 
gäbe & %^\x. 4 ®t. fAr bacs 3((pbabet b^cbflen« betra# 
gm ; in ber Xuegabe auf befferm ^apiee i $^(r. 12 @r. 
Hüb auf S3eL 9>apier 1 $^ir. 20 ®r. 

l3on ber jflngft AngelAnbigten tieueiR ^utfgabe t>on 

3o^, !>• SRflller« 

(Sef^ld^ten e(bn>ei)erir(^er (£ibgenoffen# 

f*aft 

iHTlkni bie brei erflen S^&nbe fp&te^en^ ju 3o^annt^ b. 
3. erfc^einen unb ble fotgenben an)ei }Ut)erldßtg }u üO^if 

(^«litf b. 3. 

;.,3m GubfcriptiDn^preife wirb bie gen>5^ntic6e TiMf 

gle be« ganzen 3Ber66 6| 5^lr./ bie befiere auf 
g(. S)rucfpapier 81 ^b(^ «nb bie auf 93e(tn# Rapier 
loi %\j\x. ®&(bßrcb Co(ten* S)er £abenprel6 wirb ha 
tr&c^tlid^ er^t^t werben. 

3(& (alte e6 ffir nit^ig bei biefer @ettgen^eit ^u 
timerfen/ ba$ id^ in einer frd^eren ^rfl&rung irrt^Am/ 
tii$ angefd^rf ^äbe: biefe neue 2(u(;gabe enthalte ein 
mornie geUrucftetf Fragment aM bem bAnbfcbrifti 
mix^ Slacftlal be^ S^erfaffer^ ; e^ befinbet ß4 folc^ed 
oDeribingd fcbon in ber ©efammtauc^gabe feiner S^er(e; 
fgr ben bef^nbem QCbbruct ber Scbn^ei^ergefcbi^te bleibt 
ti\%\v^itn burd^dttif neu^ unb eine wdnf^enc^mert^e 
$ttgabe ber gcgenmarilgen neuen Auflage* 



Journal 

, d e r ^ 

practischen Heilkunde. 

Herausgegeben 

▼ on 

C. W. H u f e 1 a n d„ 

König!« Freuffl. Suttsrtth , Ritler des rothen Adler* 

Ordens zweiter Klasse» ersiemLeibarzt, Prof. der Me« 

dicinaof der Unirersität zuBerlin, Mitglied der Act* 

demie der Wissenscliaften etc. 

und 

E. O 8 a n n, 

ordentlichem Professor der Medicin an der Mediei- 

nisch-Cliirurgischen Academie für das Militair, aiifser* 

ordentliclien an der Universität zn Berlin , und Mit« 

glied mehreret gelehrten Gesellschaften. 



Cran^ Freund^ ist alle TheorUp 
Doch grün des Lehens goldner Baum^ 

Cöthe. 



IV. Stück. April. 



BT e r 1 i n 18 2 5. 
Gedruckt and verlegt bei 6. Reimef^ 









J \ 






Dr. J. C ^T. "Wiimi^^ 






Des X9s«s 
riedrick W e k er's 



Terfas&er. 



EixleiliiBg. 

1 am Sddais des 17tett la hAm dar U 
man die U^teneu^ng , daib dk^eoiitfui 
tn , welche einander in der ä mfa e r a a Farm 
1, auch dieselben medictniadiMi Eigen - 

A2 



_ 4- — 

scliafien besitzen' müfslen. Cammerarius führt 
IQ seiner Schrift : De convenienüa plantar um in 
fructißcatione et viribus-^ Tubingae 1699, manche 
auffallende Beweise und Erfahrungen dafür an. 

Der unsterbliche Unni nahm diese', auch 
von einem Isenflamm, Wilke^ Gmelin und il/är- 
ray gekannte und Iheils von selbigen bestrit- 
tene Meinungen, als feste l[legel an. In sei- 
nen Amoenitates acaderrücae J^oL J. pag. 427. 
drückt er' sich folgendermafsen darüber aus: 
' ^^Quaecunqueplantae gener e convenlunt, eti^mvirtute 
conveniunt ; quae ordine naturati cpntinentury etiam 
virtute propius accedunt; quaeque classe naturali 
congruunt , efiam viribus quodammodo cor^gruunt.** 

Der französische Botaniker /f. £• de Jus-- 
sieu hat ebenfalls, als er der gelehrten Welt 
sein natürliches Pflanzen -System^ nach ihm 
das Jmsieu'sche *} benannt, übergab, den Phar- 
macologen aufs neue eine Veranlassung gege- 
ben, diesen wichtigen Gegenstand in Erwä- 
gung zu ziehen. Schon zu lange hat man in 
der Pharmaco - Chemie oder Pflanzen - Chemie 
die Anwendung dieses Systems vernachläfsigt^ 
jedoch suchte j4ug. Pyr. de Can^olky Professor 
der Botanik in Genf, in seinem 1804 fran- 
zösisch herausgegebenen Werk, wieder auf 
die Heilkräfte der Pflanzen au&uerksam zu 
, machen, indem er dieselben mit der äufsern 
Form der Pflanzen und deren natürlichen Clas- 
sificationen zusammenstellte. Im Jahre 1815 
gab de Candolle das besagte Werk, mit vielen 
aufldärenden Beispielen vermehrt und beglei- 
tet, nochmals' heraus **). In der Vorrede 

•) Kurt SprengeV sG^%thichte der Botanik. 2i Theil. 
IßiB. p»g«^96— Ä98. 

**) Aug. PyTide Candoüä Versuch aber die Are- 



ö 



äu&ert der Hr." Vf. den Wunsch, dafs die 
Chemiker die in jenein, Werke angeführten 
Thatsachen benutzen inögteu , und ist der Mei- 
nung, dafs inau alsdann zuverläfsig wichtige 
Resultate erhalten würde. . Inzwischen halte- 
der Professor Cassel schon versucht, die I/elire 
de Candolh^s weiter zu en;twickeln ; und Des- 
sen im Jahre 1810 erschienene Schrift: Ver- 
such über die natürlichen Fj^milien der Pflan- 
zen mit Rücksicht auf ihre Heilkräfte , Cöin 
IJSIO, erregte Anfangs viel Aufsehen in Teutsch- 
land. 

Obgleich nun ie CondolWs oben angeführ- 
te Werke mehr als hinreichenden Stoff, so- 
lYohl für Chemiker, als für Pharmacologeo, 
zu den . lehrreichsten Betrachtungen und den 
interessantesten Versuchen liefert, hat man 
doch , soweit mir liekannt ist, doch wohl keine 
Rücksicht genommen auf Jussieu^s und de Can- 
dolk*8 ausgedehnte Ansichten, um dit äufsere 
jinalogie der Pßanzen zu wahrscheinlichen Schlüs» 
stn zu benutzen \ durch deren Hülfe man auf eim 
nem kürzeren /^Pege die begonnenen, chemischen 
Analysen gleich fortsetzen konnte ^). Indem ich 
CassePs und später de CandoUe^s Werke las» 
fand ich es nicht blofs ganz gereimt, sondern 
auch nothwendig, dafs ein jeder untersuchender 
Chemiker ^ei der Analyse mediciruicher Pflanzen 
sich im Voraus mit der analogen Stellung der 
Pflartzen in ihrem natürlichen System bekannt mä* 
die. Die benannten gesammelten Erfahrungen 
de Candolle's geben uns manche neue Aufklä- 

xieikunde der Pflanzen, Teiglichen mit den äa« 
fern Formen nnd der natürliehen Kläsienein« 
theilung derselben , übersetzt von K^ L. Perleb. 
Frankfurt 1818. ' 

*) dö CandoUe 1. c, pag. 7. Anmerkungen. 



ruog, und man konnte sich, wenn man fer- 
ner dasjenige sammeln wollte, was dU Ge- 
sMchte von den älttsttn Zeiten an bis Jetzt über 
den ßebrauch der Heilmittel außuiweisen hat , mit 
der Zeit die so lange gewandten Monogra- 
phien eines jeden Medicaments verschaffen, 
^uberst willkommen mufste es mir deshalb 
seyn , da der Professor J. /i?'. Hornemann (wel- 
cher dem Arzt und Pharmacologen so zuvor- 
kommend und unverdrossen die Hand reicht), 
auf diesen wichtigen Gegenstand anfitnerksam 
machte, indem er am 20. November 1820 in 
der Königl. medicinischen Gesellschaft unter 
dem bescheidenen Titel: Bemerkungen über die 
P^erhältnisse unserer officinellen Pflanzen zu den 
exotischen^ Tücksichtlich ihrer natürlicbtn Fami- 
lien f eine Abhandlung vorlas. 

Diese gründliche und äafserst lehrreiche 
Abhandlung mufste natürlicherweise einen je- 
den i&uhorer interessiren. Und ich fühlte mich 
dadurch aufgefordert, bei vorkomtnenden Ge- 
legenheiten chemische Analyse mit tnedicini- 
sehen Pflanzen oder Theilen derselben anzu- 
stellen, und alsdann ) wie angeführt ist, die 
Analogie im Verein mit der Geschichte dieser 
Heilmittel zu Hülfe zu nehmen* 

. Der Gegenstand" meiner Untersuchungen 
und Forschungen ward zuerst das in altern 
Zeiten gebrauchte, darauf in Vergessenheit ge- 
rathene , und jetzt von . englischen Aerzten 
wieder angewandte Crbton-^Oel, von dessen 
.drastischen Eigenschaften der Hr« Dr. Otto in 
seiner neuen Hygea (Journ. d. pr. H. Januar- 
Heft 1823. peg. 68.) seine dänischen Lands- 
leate benachrichtet* 



JZuphorbitn, 

Die Pflanze Cruton Tiglion , aus deren Saa- 
menkoruera (^Grana Tiglu) der besagte Oal 
geprel'st wlrd^ gehört zu den Euphorbia^ (Jus« 
sieii), Tiihymaloideae (Vehtenai). Zu diesem G.Qr 
schlecht geboren mehrere mit . einanjder vei*- 
wandle medicinische Pflanzen, yon denen ver- 
schiedene auch bei uns hier in Dänemark be»* 
nutzt sind, theils > auch noch von Aers^ten 
und djem gemeinen Mann gebraucht • wer- 
den« Semina JRIcini communis^ ans welchen 
das jetzt so bekannte Qleum Jiicini^ bere^ 
tet wird , gehört auch zn diesem Geschlecht. 
— Wie wohlthuend, und zi\ehrentheils un- 
schädlich die allgemeine Anwendung dess.e)* 
ben in der ATedicin auch ist. hatte 'man das-^ 
selbe doch in der spätem Zeit wegen schäd- 
licher drastischer Wirkungen in Verdapht. .£!- 
uige haben diese aus der ranzigen Beschaffen- 
heit des Oels herleiten wollen, im Ganzäi^ 
sind die Fharmacologen aber,. .wie wir bald 
sehen werden, unter sich darüber nicht so ganz 
einig. Dies bewog mich d^ni^ auch , die Arz- 
neimittel, welche aus den zum Geschlechte 
der Euphorbien gehören den> Pflanzen gewon- 
nen werden, zuerst geschichtlich zu beleuch- 
ten, und darauf anzuführen und zu beiiner- 
ken, ob, wann, wie und. in welcher Absicht 
ein jede's dieser Arzneimittel gebraucht 'wor- 
den, und wann und weshalb es bei uns wie- 
der in Vergessenheit gerathen ist. 

Da das Oumnü Euphorbiae diefenige Arz- 
nei aus obigem Geschlechte ist^ welche bei 
uns als Laxirniittel am längsten in Gebrauch 
gewesen, werde ich damit den Anfanf ™^* 
chen. '' 



* — 8 — 

Oummi Euphorbium. 

GumntL Euphorbium ist der getrocknete 
Saft der Euphorbia offidnarum Linnd; jedoch 
soll dasjenige/ welches jetzt zu uns kömmt, 
Ton mehreren Arten Euphorbien eingesammelt 
werden ; (yide Berlinisches Jahrbuch der Fhar- 
macie 1818, 4. B« pag. 12A.)- Die Alten ge- 
brauchten Euphorbium -Gummi als ein drasti- 
sches Heilmittel, 'Vorzüglich gegen Wasser- 
sucht *). Doch versuchte man bald , die dra- 
stischen Wirkungen desselben, vorzüglich durch 
Gitronsaft zu verbessern, welches man cor- 
rectio Euphorbä nannte **). Inzwischen ge- 
brauchte man es selten als alleinige Substanz, 
sondern gewöhnlich in andern Zubereitungen^ 
alt, z. B. PilulüB Euphorbii Quercaani oder in 
JBlectuariOf und vorzüglich mit dem, vom ge- 
meinen Mann in Holstein Annoch häufig ge- 
suchten Violen - Rumohr (EUcfuartum Pfti/o- 
idum Romanorum). Indem, von JTiomas BoT' 
thotin im Jahre 1658 herausgegebenen Dlspen- 
tatorium Hafnienstf wird angeführt , aufwei- 
che Weise man die scharfen Wirkungen des 
Oummi Euphorbium corrigiren oder verbessern 
könne. Man findet daselbst zwei Vorschrif- 
ten! nach welchen der Euphorbium- Gummi 
zum innerlichen Gebrauch präpariilt werden 
soll) vid. pag. 239. 

*) Oeoffroy iraite de la matUv midieale. Pa* 
ris 1707. Toim IV. pmgt 209. 

**) FemMi Therap^utiee universalis 1595* pag^ 2i8* 
Femelius Uefa Euphorbium Gummi esst in Man* 
dalöl auflöawiy demn&chat mit Citronenaaft ver« 
»iachen^ und endlich bis zur Trockenheit ab* 

' dampfen« Vit Dosia war von 6 bia xo Gran» 



— ■ 9 ■-. . ■ • ■ 

JEuphorlii praeparatio. 

Jlec. JSuphorhU non adeo recentis in 0gua 
Mdissae ex succo cum Spiriui J^itrioJi acuati so- 
liai\ et per chartam bibulam fihrando colati et üe^ 
Tum coagulati q, vis^ redige in Jrustula et malo 
Citr. excavato inde^ et pasta panis abvolve^' in 
cKbano coquef itä praeparatum euphorhium in W- 
tro clamo servcu 

• 

yel hoc modo : ' > 

Rec. Euphorbii solutione per aquam Meli$9ae 
et ßltratione' per chartam bibulam purificnti et M^ 
rum coagulati quantum vis^ inde in vitrum lätio» 
ris orificii f et infusi mox describendi (?) taatum 
affunde^ ut sex digitoa transversos super emineat. 
Vitrum bene clausum in loco calido depöne ad 
digerendum per 14 dieSj totidemque noctes, deinde 
per chartam bibulam co/a, lerao igne iterum in^ 
spissap coagula et usui serva, 

Dafs nicht allein die Aerzte , sondern, auch 
der gemeine Mann , und vorzüglich die Bauern 
dies Mittel gebraucht haben , darf man ver- 
muthen, indem man es stets in den älteren 
Appthekertaxen findet. Ich habe mir erzäh- 
len lassen, dafs noch jetzt die Bauern in Jüt- 
land Euphorbium - Gummi zum Laxiren ret« 
langen, *) ^ * 

*) In den mehrsten alten dänischen Bachern der 
Heilkunde verznifst man dieie Draatict xiichr, 
und dealialb haben diese Mittel auch wohl bia 
auf den heutigen Tag noch ihren Credit bei dem 
gemeinen Mann erhalten. Ueber obi^e Bficher 
änfsert Bartholin sich folgendermafsen in seinem 
bekanntem Werke : Ds msdicina Danorüm (fo- 
wnesttca, Uafniae i666« jf* 2.021 Singula recensere 
non vacat f nee opus est, quia gustum j>lurimo* 
'* Tum,d§dit Henricus Zävidius nostras^ ewjKjfnt se* 



f 



— 10 — 

In ilt 1 diinisiheii Ap(illiekerlaxe für 1619 
fiudet iiiiui kein Gwmtii Eiiphorbii ^ wohl aber 
Pttulac Je Euphotbiis *) 1 0uenlin 6 l'sl. 

r 

In der Taxe von 1C45 steht: 

JEuphoibium 1 Loth . . • 6 ftl. 

— »— praepöratum 1 Lolh . 6 — 

Mlectuatium de Jßuphorbh 1 Loth . 6 — 

Simon Pauli führt auch Gummi Ejuphorbium 
als ein iiinerliches Arzneimitlel an; in seinem 
Quadriparütum botanicum , Ar^tntoraü 1667. pag. 
9BÖ. giebt er die Dosis zu 5 — 6 Gran au, be- 
sberkt aber zugleich : ,,ingenue fateor^ mniquam 
aegris ad internos morbos commendavL*^ 

Pie Tnxe von 1672 h?^t G. Euphorbii 1 LoUi 6 fsl . 
-r^ — — praeparati 1 Lotli 8 — 

. In Ole Borchs handachriAlichen Vorlesun- 
gen von 1673 (begonnen am 20. «Fanuar) liest 
man : Euphorbium a nonauUis propinatw ad gr* v« 
m substantia et serum quidem validissimt edacity 
ttd quia nimis violenttr agit y . hodie per S€ raris- 
äme offer tur^ nißi quod aliqaando grani gus i $ti^ 
nwli loco purgdntibus ignavioribus inteTduni ad^ 
nüsceatur. 

Nach der Zeit verschwindet Euphorhium- 
. Gummi (\ls innerliche Arznei aus unsern Taxen 
und Pharmacopöen. 

quitur Nicolaus Michaelis Aalburger^sU p quorum 
tibri lirtgua populari scripti omnfum marribus 
terentur, 

♦) Vide Valerii Cordi Pharmacorum conficiendo- 
rum ratio, Antwerpiae i568. pag, ^^*' Wahr- 
scheinlich war^dies das einzige Apöthel^erbuchy 
nach welchem in älteren Zeiten ixi Dänemarks 
.Apotheken gearbeitet warde. Fast alle in die- 
sem Dispensatorinna vorkommende Formeln ßn- 
det man in den älteren Taxen wieder, bis Bar^ 
tkolin sein Dispnnsatorium Hafniense her^iusgab. 



- 11 



»> * 



Aus den neueren chemiscbeu Analyseof 
die mit G. Euphorbium angestellt siud, ersieht 
man, dafs die in diesem sogenannten '6i;mmi 
enthaltene Kesina den eigentlichen scharfen 
und wirksamen Bestandtheil diesselben aus- 
macht. Euphorbium - Gummi enthält aufser dem= 
KTioutschuk^ apfelsauren Kalk etc. vide Pfaff's 
System der Materia medica. ' IV. Bd. 1821. 
pag, 378. Buchner*s Repertorium für die Phar- 
macie. IV. B. 2. H. pag. 203—206. 

a I , 

\ 

Euphorbia helioscopia* ■■-'■■'^ 

Euphorbia helioscopia (vide Hornemanrfs PtM' 
tdär€ 1. Theil. 1821. pag. 530.). Diese Pflaii- 
ze, oder deren bis zur Dicke des Honigs eiif- 
gekochter Saft, ist früher in Dänemark häu- 
figer gebraucht worden. In einem der älte- 
sten dänischen populären medicinischen Bücher, 
Henrik Smths Skiönne, lystige ny Urtegaardy 
prented i Malmöe af Oluf Ulrichsen 1546, üt 
diese Euphorbia sehr ausführlich beschrieben. 
Fag. 61., liest man folgendes: jyEsula Thhj^ 
mallus. Herba lactaria, Ldctuca marina» Den lUle 
Esula hallis Helioicop, Leis, Dioscoride JUb. IV. 
Cap. CLir. T, Volffs. rrdlck. Jnduortis. Ihn 
yderiU skal off deune rodf lagt en dag och en 
not i mikk eller edicke och siden igfen timt, stöt 
tu pulyer^ 1 quintin drucket med Wn, eller Ap/i- 
ninge vandf addriffuer all ond Cholere wetzsät^ 
tien vel de wattersottige menwske. ^11 e Chule 
frö^ haffie samme Kraft, men ere skas^ 
pere och hedere i alle mande, widriffue odi 
purgere bände bag och Juare.^* 

In der Taxe für 1619 findet man: 
Radix Esulae minoris 1 Loth ' . 2 fsl. 
— praeparata e$ puWerisat. i Lolh 4 — 



I 

/ 



lo 

^^^ M-z^f ^^^ 



In 3er Taxe fiir 1645 Extractum Esulae 
1 Scrup. 12 fsli 

In Bartholins Pharmacopoea 1658. pag. 55. 
findet man nicht blofs die Bereitung des Ex- 
tractum Esulae, sondern auch noch pag. 239. 
Esulae praeparatio» 

Simon Pauli viu Quadripartitum botanicum 
h c. pag. 586. führt Ea:tractum Esulae Querte-^ 
iarü an , JDosis drachm. ß. , und macht dabei 
folgende Bemerkung: ^^Extracto Esulae, 
solvi ego in hydropicis sum usus, et quidem Deo 
benedicente^ felici successu. Inter Consilia Crato- 
ms Horatius Reserius *) haec referu Ego autem, 
inquk, non nisi in rustids , adEsulam^ Diacar- 
tham et coiocynthides accedo»^' 

In JBarthoUns Mediana Danorum dömestlca 
pag. 76 — 77, findet man folgende Stelle : ,fPro 
ßjiabarbaro eligamus vel Rhabarbarum Monacho" 
rum vel JLapatum acutum vel jus brassicae — • pro 
Scammonio Tithymallum, pro Turbith pJegmagO" 
guniy Eadices Esulae ifiaceratas in ac&o acfri' 



€atas.'* 



Die Taxe für 1672 hat Extract. Esulae 
1 Quent 1 Mrk. ^ fsl. Nachher irersfchv^in- 
det auch dies Präparat aus unsern Taxen und 
Pharmacopöen. 0/e Sorch rieth sogar in sei- 
nen öffentlichen Vorlesungen 4^on dem 'Ge- 
hrauche dieses Extracts ab. In obigem Ma- 
nuscripte liest man: Esulae minoris Extractum. 
propinari potest ad sqrp.jf expurgat quidem pituitam, 
ted \ua nimis valide agit^ hodie (1673) ab e/us 
usu fere abstinendum» 

♦) Horatii Reserii dt hydrope lihellus^ Bononiae 
i558, vidö Alb'' Halle}' Bibliotheea medicinae 
pract» Tom^ Hg pag, I2i. 



y 



r- 13 — 

1 - ' 

Buchwald meldet im Speximen mtdkq prom 
ctico botanicunjL 1720. pag. 19, dafs die mehr« 
slen Aerzte aller Artea Esula dieselbe Wit- 
kuDg beilegten. 

Euphorbium lathrys. 

Eben so lange in Gebrauch \^ie obi^eg,* 
ist der Saamen Ton Euphorbium lathrys^ Hörnern. 
Plantelaere^ 1. Theil pag, 229. Der Saamen 
war officinell unter dem Namen Semina catä-^ 
putiae minoris. In den altern populären medi- 
cinifichen Büchern findet man denselben uater 
dem Namen Springkorn *). In dem eben d- 
iirten Buche des Henrik Smith liest man auf 
dem 60sten Blatte : ^^Lathyris^ Cataputia. fjess, 
JDios. Libri IV* Capite CXLp^IlI, Sprinclwort^ 
sprinckkornes j dribkörner^ sprinckruet» Induor^ 
tis xij elles cciv körn äff den aJmindelige springe 
korns frö^ statte til ptdffer^ med vin drukne, 
vöre det fiele legemme offaen oc naeden, vif ort 
phlegnia, Choleram, oc MelancoUam," 

Weder in Simon PaulVs Ouadripartitumj noch 
Ole BorcKs Manuscript wird dieser Semina ca- 
taputiae minoris , oder des sogenannten Spring'^ 
korns gedacht , wohl aber von diesen ^beiden 
dänischen Aerzten der Nutzen und die Au* 
Wendung der Serruna Jkicini communis ange- 
führt. 

In der Taxe für 1672 findet man zuerst: 
Semina ricini indici vel cataputiae majoris 
1 Loth 8 fsl. 
-^ cataputiae minoris 1 Löth 6 Isl. 

*) Eben so früh, und vielleicht noch vor diesen 
Semina cataputia0 minoris, v^aren bei uns wahr« 
icheinlich im Gebrauch; Semina ricini com- 
munis vel cataputiae majoris. In der Taxe fßr 
1619 findet man Keine Semina Ca^^ minoris, wohl 
aber Semina Ricini^ 



~ 14 - 

In der Taxe iur Schleswiig und Holslcfiii 
vom Jahre 1707 findet man nichts vbn beiden. 
lo Thomae Bartholim Acta medlca 1671. Tom^L 
oSiervatio LXXXVIII. pag, 172. wird eine 
Nachricht von einigen drastischen Pillen miit- 
getheilt, welche ein gewisser Empiricus aus 
Oesterreich in Gopenhagen öffentlich feil ge- 
boten und verkauft hatle. Der Dr. C. Koli" 
cken erzählt daselbst , dafs obiger Quacksalber 
diesen drastischen Pillen den Nam^n Azoth 
gegeben habe, und dafs die Hauptbestand- 
theile Semina cataputiae rrünoris , Gumrm ßuttae 
und Faligo wären. Die durch diese Pillefi her- 
vorgebrachten schädlichen Wirkungen beschreibt 
KÖlichen folgendermafsen : Torrmnay vomiiioneSf 
hypercatharses et atta mala ladca pilula pisi mag- 
mtüdine multis proareavit. 

Diese Bekanntmachung von Seiten eines 
so berühmten Arztes, hat wohl auch das Zu- 
trauen zu diesem Springkorn bei den Aerzten 
und dem gemeinen Manne etwas geschwächt. 

Croton T.igUon. 

Croton Tiglion (yide Rumplül Herbar, Am* 
5oin, Amstelod. 1750. Tom. 4. pag. 48.) hat 
selbst, sowohl wegen seines Saamens Orana 
Tigüaj Grana TigHi, Crana Tilli, Pignons 
dinde *) , als seines bisher unter dem Namen 
des Lignum Pavanae^ Lignum Pancrae **), 
von den ältesten Zeiten seinen Platz unter 
den ofßcinellen Pflanzen gehabt. • 

' *)' Lemmery dietionnaire des Drogues f Amsterdam 
♦♦) Murray apparatus medicaminum» Fol, 5. 1784« 

7jMg, l5i« 



-- 16 - 

Das kürzlich von englischen Aerzlien wie- 
der ii^ Ruf gehrachte Croton-Oel ist wrthl 
eben solange bekannt gewesen, und Yorzog- 
lieh in Frankreich ab Arznei gebraucht wor- 
den *}. (yide Lemmery. L dt» pag, 464.). 

Das OeP selbst ist, soweit mir bekannt, 
als Arznei nie früher in Dänemark gebraucht 
worden, wohl aber der Saamen, aus weldiem 
dies Oel geprefat wird, unter dem Namen 
Grana Tillä oder Tiglia. Was ich in den 
Schriften unserer danischen Aerzte über den 
Gebrauch des Grana Tiglia habe finden 'kön- 
nen , werde ich fsuerst anführen', und zugleich 
mit wenigen Worten bewähren , was die Lit- 
teratur über den frühern innerlichen Gebrauch 
des Croton-Oels im Auslande besagt. 

Weder in altern dänischen Taxen und al- 
ten dänischen populären oder andern medici-! 
nischen Büchern, noch in BarthoUn^s Pharma* 
dopoea findet man Orana Jjglia angeführt. 

Simon Pauli ist derjenige, welcher zuerst 
in seinem Quadripartitum hotanicum pag. 548. 
der Grana Tiglia mit folgenden Worten er- 
wähnt: 

Est ttiam quaedam Ricini Indici seminis spe-^ 
cieiy quam Practici Grana Tilli appeUant; cujus 
unum itemque aherum granum pulveratum , , /ly- 
dropicis iidem exlübent, — . f^erum cum illud^ 
vtl 'summis lahüs degustantibus « aut primoribus 
dentibus masticantibus j cum Laureötae ct^rtiäs^ 
ac Chamekae Germamcae seminis igneo calore^ fau^ 
ces adurentef contendtre videaturj^ et Hydropicos 
alias dira sitis vexare soleat^ subdubito.y an satis 

*) Hejrmfinni Cyno9ura • maieriae medicae» ,1710. 
Tom, K pag. 33g, 



— 16 — 

. catmm€n$ Ulis dt mtäicamaftum^ qui semper omm 
iU6 tempore, quo ptaann txerceoy grarus^ Tilli 
' oh hanc causam absünui; sunt itiam, qui ex gra'^ 
ms Tüll extractum parant, ^ . 

Im Jabre 1667 also findet man , dafs diese 
Grana Tilli hiec in Dänemark gekannt waren, 
ynd yielleicht gebraucht wurden. 

In der Taxe für 1672 findet man Grana 
TWi unc. ß. —:. 2 91 rk. , aber in den folgen- 
den Taxen findet man. dies Drasticum nicht 
mehr. 

Croton^OeL 

Das Croton-Oel, oder das aus den oben 
genannten Semine geprefste Oel, is\ seit lan- 
ger Zeit als ein drastisches Mittel ^) bekannt^ 
welches auch in der geringsten Dosis eine star- 
ke Ausleerung des Darmkanals bewirkte. 

Im Jahre 1651 fiihrter Petrus ' BoreHus in 
seinen Observationes **) dies Mittel unter fol- 
gender Ueberschrift an: Facilis purgatio. Ob^ 
servatio XXIX, Gutta duo olei pinei indiciy seu 
Sicini Americani^ prielo educti instar illius behen 
vel amygdalarum^ purgationem hanc facilem^ si 
potui infundatur, vel jusculo, procurabit. Alii eo 
obviam fricant^ et de etiam incaate aegrum pur^ 
gant. 

In 

*) Sammlung anserlefener Abhandlungen 5«^ Band* 
1784. pag. 256 — 2^ Lieutaud Inbegriff der 
/ / medicinischen Praxis, i. B. pag. 235. Teutscho 
Uebersetzung* 

•*) Petri Borelli Historiarnm et ohservationnm me- 
dico^physicarHrn Cent. I F. Farisics idöy» 



- 17 - ■ ' ■■ 

In Hermauni Cynosyra materiae medicacm 
eäidU, Heusfngcr^ T. Z 1710. pag. 339. uriä 
in dem oben angeführten JDiotionnaire des 
Urögues Ton Lemmery ^nd6t man dies Oel 
angeführt. Im Jahre 1757 wird Grdton-Oel 
wieder von Geqffroj genannt , vide TraiU d% 
la matiere medicale Toiru III. Die Worte 
sind folgende: ^') Mangiebt das aas den Saa- 
men geprefsten Oel bis zn einem Gran; es 
purgirt heftiger, als das aus, dem Semina Mi' 
ciTu communis geprefste. 

Tode nennt in seiner GesundheitsiEeitung 
blofs Gzana Tiglii^ welches vielleicht aus ei- 
ner Irrung mit Semina Ricini communis ver* 
-wechselt werden konnte, worauf dann ein schäd- 
liches Oel entstehen würde, (vide Sundhui« 
tidenden 1480» März, pag. 143.) 

In dem London medical repertory, Jan. 
Fehr. 1822. findet man wieder oie ersten mit 
diesem Oel angestellten Versuche mitgetheÜt. 
Sie sind aufgenommen in Horris Archiv der 
medicinischen Erfahrung, 1822, Mai, Jünii, 
* S.'öOl — 603, in Hufeland* s Journal d. prakt. 
Arzneikunde, 1822, Sept. pag. 109—113, 
und in Buchners «Repertorium für die Phar- 
xnacie, 1823. XIV. Band, 2. Heft, p^g. 302. 
Th^nard hat» sogar früher als die englischen 
Aerzte, in seineüi berühmten chemischen Wer- 
ke : Traite de clfymie elementaire. Tom. III» 
Paris (die erste Ausgabe 1815) pag. 201. **) 

*) P^S' ^9T* On donne aussi Vhuüe de ees 
. grains tiree par expression jttsau^a i gr.^ emr 
eile purge plut violement^ que VhuiUf gue Von 
exprime du Ricine ordinaire^ 

^^) Uhüile acre de ricine dait itre proserüe de la 
medicine : prise en grande quauUte eile est vene» 



— 18 — 

das Croton-Oel genmnt, und de«^sen drasti- 
sche Wirkangen berührt. Vielleicht ist er 
^abei der von Geoffroj früher angeführten 
Stelle in dessen Matm-ia mediea gefolgt. 

In Thinard^s Werk wird ausdrücklich ge- 
sagt: Das scharfe Oleum Aicini darf ohne 
die Vorschrift des ArUes nicht genommen 
taerden; in grofser Quantität ist es Giftf und 
in der Dosis einiger Gran ist es ein heftiges 
Purgativ* 

Im Januar -H^ der Neuen Hygäa hat, 
wie oben angeführt, der Dr. Otto pag. 68. 
das dänische medicinische Publikum auf das 
-Drasticüm aufmerksam gemacht. 

Jatropha Curcas, 

Jatropha Curcas (vide O. Swartz Obser^ 
vationes hotanicae. Erlangae 1791. pag. 367). 

Die Semina dieser Pflanze wurden eben- 
falls früher wie ein drastisches Furgirmittel 
.vnter dem Namen Semina Bicini majoris anie^ 
rieani, Nux cathartica americana , Nux iar- 
.badensis gebraucht, Sie wächst in Ostindien, 
.Surinam , Brasilien , Jamaica , und auf unsem 
westindischen Besitzungen. In Wests Bidrag 
til Beskrivelse over St. Cröix (JCbhavn 1793.) 
pag. 307. wird sie auch Physic mit benannt. 

Diese Semina sind kaum jemals bei uns 
officinell gewesen , und werden auch in keiner 
iipserer Taxen oder Apothekeilbüther gefunden. 

Simon Pauli ist der Einzige, welcher 
ziemlich ausführlich darüber i'ed^t. Das We- 

neuse; a Im dose de ^uelfues grmins eile est for^ 
Ument purgaiioe^ 



\ ' 



- 19 - 

sentlichste dayon werde ich anfahren. Im 
puadripartitum batanieum pag. 549. liest mtfn 
folgendes: 

Cispaueulos anriosy ex America atiud MU 
eini genuSf seeundo loeo ä Bauhino in Theatro 
recmsitum^ illique Ricinus Afnericanus majpr 
semine nigro dictum^ in Nobilissimum hoc Regm 
num iUättan estf quod ^lostrates ex jdmeriefa 
rediiceSf iiomine aucum aUhariticarum ae nUr 
eleorumpurgantiumf Brech- oder Turgir- Nüsse, 
ad eontumaces exstirpandos morhos, et: yrae* 
sertifA febres inveteratasf commendant^ 
et iis donafe €0ncives suos sunt solitii de 4pil» 
bus hie loci in Rei herhariae incrementum^ et 
Medieinam praeticam exercentiiim emolumen* 
tuntf paucula commentabor ete* 

Aus Chtsius Schriften (herausgekommen^ 
1605.) führt er das Geschichtliche dieser Se- 
mina an, und schlägt deren Dosis zu gr. /f— ^ 
gr. 1. an. Merhoürdiger ist es aber, dafs 
Simon Pauli schon damals dasjenige Sem 
merkt hatte j welches den neuem Botanikern^ 
und vorzüglich Jussieu und Deyeux *), 
ids eine treffliche Entdeckung und Beoback^ 
tung zugesehrieben wird ^ da/s nämlich der Em» 
bijro des Saamenkoms einzig und allein dim 
obigen drastischen Eigenschaften besitzt. Zum 
Beweise, dals diese Entdeckung unserm Lands- 
mann wirklich gehört, will ich Simon Ptadfs 
eigne Worte anföhren, und nachher das Merk« 
würdigste über die Tom Kau£Güurtbei*Kapi« 
tain Lützen (den er Capitaneus et Senator 

«) Vide Journal de Med. i8 6. Annales de Che» 
mie» Tom» x3. Seit« io6. — GreetCi Htadbiieh 
der PhnrniAcologi«, 5Ce AufUg«. 1815. A. Jlaad. 
'?*g. 667* — de CandoUe U c. pag. SM^. 

B 2 



— 20 — 

prudentissimus Christimu Partus iiettit) , - hier 
ins Land gebrachte Niisae hersetzen , welches 
in einem von Liilzen an Simon Pauli auf des 
Letzteren Verlangen geschriebenen , und im 
oben besaj[;ten Quadripctrtiturn pag. 552. ge- 
drucktem Briefe enthalten ist. Seine Worte 
|und folgende: 

Utiqus id studuip ut nou solmn kujus ri^ 
eini Am^ricam ' nucleos aecur atiui^ {absit 
jmcCmiUia verbo) quam kactenus laiquani factum^ 
sad quoquep nt eorum anaiomc* instituta erui* 
^Uaios et bipartito divisos una cum interiori 
fpaiUeula aut membramda^ (in 4fua tarnen eo* 
rwn purgandi vis ^ licet tenerrima et fere md* 
tiu9 panderis et saporis , quod admirandum 
€tOiuistit) et illorwn hilo et quidem ad vivum 
atipie adeo quam fieri potuit graphice depictos 
Medicinae Candiaatis hoe ipso in Quadripar" 
tita Meo exhiberem! *) : 

Darauf erzählt er, dafs er diese Nüsse von 
obigen auf Christianshafen wohnenden Kani- 
tain Peter Lützen erhalten habe, und dafs die 
Nüsse , welche er schon yor ungefähr 10 Jah- 
ren , oder vor noch längerer Zeit von ihm em-»» 
Sfiingen, noch eben so süfs und saftig befun-^ 
en wurden, als wenn sie erst vor einigen 
Blönaten aus Amerika angelangt wären. 

Das Wesentliche des Briefes dieses P. 
en an Simon Pauli j welches Schreiben 



*} ptfa der Saamcn aller Euphorbien purgirend^ 
drastiscbo Wirkungen äufsert, wuTste Bart. Ben^ 
,ser schon 1546« vide 1. c.^ dafs aber die purgi* 
senden Eigcnschafun im Germen des Saamen- 

" körn und dessen Felliciila enthahen sind, hat 
* Simon Pauli also deutlich gezeigt {oide Qnadri' 
partitnm pag. 550.) 



« Ol 

von Chri&tiausliafeii dea 10. Mai Anno 1665. 
datirt ist, lautet, wie folgt: Nachdem JLi'Uien 
die Fruchtkapseln und dea Kern dieser «Sc/Tzma 
zu beschreiben versucht hat ^ fährt er pag 563. 
fort: ,,Thut man diese ^Mandeln oder Purgier- 
niisse-Hern künstlich voti einander scheiden, 
so dafs' beide Theile ganz bleiben ^ ßndet man 
in deren Mitte 2 hoch weifse Blätter, Jcäum so 
dickj wie ein Maanblatt» Waan nun jöm'and 
«nufs dreyer diese Nüsse oder Kern , die 6 Blät- 
ter herausnimbt , und mit eiiier ConServa ver-i 
mischet^ und einnimmt^ dör kan sie ^z War ohü 
allen Schaden, geniefsen^ aber et purgieret* 
darnach von oben und unten. fVill man abef^ 
die Blätter aufs den Kernen nahmen ^ und sot^ 
che essen j Jean man dieses mit Lust thun^ 
dann sie ichmecken ivie süjse Mandeln^ ähef 
sie pjwgiren dann iiicht^ und thunaljsdan keine 
fVirlamg:' ■ 

Simon Pauli fuhrt nachher an: Certe ad-- 
miranda horum nucleorwn auJt potius pellicU'- 
larum geminarüm^ quae bipartito quasi eos 
dispestunt y sive facultas sive vis est i quas ega 
ex tribus nucleis exemi una cum hilo , quae non 
dico singidae sed amnes sexvod s'tateram au^ 
rißeis exquisitissime examinatae\ vix et ne 
vix quidem integrum pendebant granulum , at» 
que adeo ramento peimae aut pluma leviores 
apparebant. .ILf bewundert, dafs Gott in his 
nucleis JUeini^ ut ita loquar^ veluti concen^' 
travit f aut in compendium contulit (quomm^ 
iit dixi y' omnis emetica^ aut etiam purgandi 
vis in pelli'ciäui aut membranulis illorum solis 
consistitf iceu qiiarum tria paria^ ut fctuli^ 
vix acne vix quidem unicum granulum pendeiit) 
proh JDeum ! ut multis laboribus supersedere 
possenb Chymici aut Spagyrici! 



* 



— 22 — 

• 

Idi hielt et für nothwendig « Alles aozu- 
Hiliren, was da£o dienen konnte, za zeigen» 
daüi Simon Pauli diesen scharfen Bestandtheil 
der Semina gekannt und selbst untersucht hat. 

Bei Ole Barch ^ der zurerläfsig aas den 
Quellen Simon Paulfs geschöpft hat, findet 
man im rorbenannten Manuscripte Von 1673, 
Aprilj folgende Stelle : Ricinus americanus nu^ 
cleos jrrofert durtusctdosy quorwn ires Tantum 
(kriU et hausti bilem atque pituitam avm et 
fMXTco cxpurgant. Immo! guod mirum est non 
tantum tres nuclti sed etiam triumnucleorum re* 
gentium tntcrmediae membranae prae^ 
stant idem^ quamquasn ne granum 
quidem unüm medicin'ale pond ere ex^ 
pleat, Non usurp^nt^ apud nosy nisi robu^ 
Stieres et plebeji , et in quidem cuni fructu in 
febribus inveteratis^ morbis chronic 
€is et statibus contumacibus. 

P. F. Bergius (Professor der Naturgei- 
schichte in Stockholm) , führt im ersteh Theila 
«einer Materia ' medica , herausgegeben 1778. 

Sag. 776. Obs* 2, nach Bancroft-^) varschie^ 
ene Observationes an , welche zeigen , dafs 
mehrere seiner Vorgänger und Zeitgenossen 
auch gemeint halben , dafs germen und plwntda 
die wirksamsten Theile sowohl im Semina der 
Jatropha curcas, als im Semina Micini wä^ 
xen. Die Worte sind : 

^fPlurimi statuunt^ semina haec^ perinde 
lac^ Semina Ricini^ nomusi cum tuniciset 
pl^muta seminis purgare. Cl. ßancroft 
in hujus rei veritatem inquirehs proprio in cor^ 

^ Natnngeiohichte Ton Gaitna, p. so. Frsnkfart 
•769.» 



-T 23 ~ 

pore periculum fepit et deprehendit semina in^ 
noxie edi posse ^ absque motu pur^iUioriU^.si. 
plumula dissepimentumque antea prohe fiufrmb^ 
eTaaaJ*' 

» • - « 

Aus dem Saamen dieser Jatrovha cureai 
wird auch vier Oel geprefst, welches von mti 
Amerikanern auch mehrentheils al» Lanipencij^ 
benutzt wird^ welches die ^oth sie lehrte;* 
als sie im nordamerikanischen Kriege keii^eä 
Thran erhalten konnten (vide Homer* s Magär* 
zin 1. c. 1770, 7. Stück. *). Die Alten hk-^ 
ben das Ricinus -Oel auch grpIsteijLtheils eben 
so benut2;t. -— Selten gebrauchte man v da$ 
Jatropha-Oel innerlich, und alsdann bekam' 
es den Namen Oleum infernale **) ; auch war4 
es Oleum Cicinum ***) genannt. Wenn es 
stark ausgepreist worden, äufsert es hefÜg^^ 
drastische Wirkungen, und der Sa^e nach, 
(wie z. B. West in seiner Beßchreibung von 
St. Croix pag. 307. besagt) wird das gekochte 
Callapat-Oel mit Jatropha Curcas verfälscht^ 
um Ersteres zu verstärken^ 

Pelletier und Cavehtoü haben das eigne 
scharfe Wesen im Semina Jatropha Gurciis 
untersucht. Die Versuchci sind aufgeführt im 
Journal de Pharmacie No. VH. 1818 , und 
übersetzt in Buchners Repertorium für die 
Fharmacie« Band VI. 3. Nürnberg 1819. pag; 
200. Beide glauben, in diesem Semina eine 
neue, flüchtige scharfe Saure entdeckt zu* ha« 
ben j welche sie Jatropha - Säure {Acide ja» 

. *) Berlinisches Taschenbuch der Phamiicie« 1817. 
P«g-75- 
**) Thychseus Apothekerkunst, pag. 653. 

***} Murray apjparatus medieaminum* Voh ///• 
füg, 166 — 167. 



— 24 — , . , 

trpphiaue) nennen* Ich bin der Meinung, daf^ 
die39 Versuche öftere Wiederholungen fordern. 
Die Sauerkleesäure ist ein Bestandtheil der 
^EUdnus - Geschlechter, und man erhält dieselbe 
liaoh Mühlmann in langen nadelformigen Kry- 
ftallen; (Tide Buchner* s Bepertorinm VI. Bd. 
2, Beft, pag. 203.) doch ist gewifs, 'daTs man 
in der Euphorbia wirklich einen eigenthüm- 
iichen flüchtigen scharfen und ätzenden Stoff 
findet, welcher sich in der Hippotnane biglan^ 
didosa deutlich zeigt. Heüantea biglandulosaj 
jBuphorbia liruculli dünsten einen scharfen 
Saft, au3, welcher die Augen angreift, (siehe 
CandolU \. c. pag. 306 — ^307.). Ich glaube, 
4afs man leichter zu einem 'Resultat gelangen 
würde, wenn man ein gewisses Quantum der ' 
Embryonen dieses Saamens und plümulae sam- 
taelte, und selbigen einer sorgfältigen chemi- 
schen Prüfung unterwürfe« 

Ricinus coi^munis, 

Hicinus communis^ Class. XXL Ord. Mo^ 
nudelphiam 

Der Gebrauch des Ricinus - Saamens , als 
drastisches Laxirmittel, ist sehr alt, Calen^ 
Dioscorides ^ und mehrere wendeten diese Se- 
mina in der Wassersucht an; die Dosis be- 
trug 25 — 30 Gran. Vide JJnnei Materia iwe- 
dica. 1749. pag. 154. ' und JDioscorides *). 

Aeufserlich ward es als ein Causticum ge- 
braucht, und JOioscorides sagt 1. c. j^Tusa et 

♦) Pedant DioseoHdis medica materia, Lugd, 1554* 
• Caput CXLV, Granm triginta numerO purgata, 

tnta potup pituitaty bilem a^uamque pey alvum 

eaUrahunt^ vomitionesque inovent» 



— 25 — 

Imposit a vitia cutis in facit^ varcsque exfiut^ 
gatj*^ tu Dänemark sind Axe Semina Ricini 
früher im Gebrauch jgewesien; wahrscheinlidi 
als drastisches Laxans in der Wassersucht. 

In der Taxe fdr 1619 findet man 1 Lötlx4 JsL 

Im Jahre 1640 den 10. Decbr. schreibt 
Heldonis aus Gopenhagen an Thomas JBarthO'< 
lin^ welcher sich damals in Paris aufhielt, 
( Thomae Bartholini 'Epistolar* medizinal Cent. 
I. 0t IL Havmae 1663. Epistol. Vlh) :':■ Ää- 
dix transmissa est •<— et Phaseoli isti 09^ 
rallinQ^atri (a Clusio describuntitt libr, 2. 
c. 13. et Rarior: Plantar lifi. 6.) JSTuces 
piu'gatriceSf sunt Clusio semin a rivini'^^ALmc" 
ricani* Interim singula suo loco in histom 
ria nostra describam non $ine honorifica tui 
mentione. 

Sonderbar wäre es doch, wenn BarthO' 
lin diese Semina nicht ^kannt hätte > indem 
man doch vermuthen darf/ dafs sie nicht -al* 
lein vom gemeinen Manne , sondern auch 
von den Copenhagener Aerzten gebraucht wur- 
den, da sie in der Taxe für 1619 angeführt 
stehen. In seiner Pharmacopöe wurden sie 
übrigens niclit gefunden. — 1760 vergafs Olh 
{Worm in seiner Ungua pharmaeopoeorum auch 
nicht, Bißinus anzuführen. Ich (kann nicht 
unterlassen, diese Stelle Wort für Wort hier 
anzuführen , indem sie die Etymologie' der Se'' 
mina Bicini enthalt : 

Biciims planta JDioscoridi L 4. e. 164. 
ui%i et UQOT(ov ; nomen ei^ quod graecia feratf 
ricino animali similia , quemadmodiim ibidem 
docet Dioscorides ^ et JPlinius L 15. c« 7. 



1* 
■ -1 



— 26 — 

Plantam hanc umhraeulum Tinae cmpiHcom* 
modaste docte persuade( in Theophrastum^ 
Stapelius €t attingit in Lexic. Martinius. 

Simon Pauli fahrt in seinem Quadripär^ 

Htmi (1667) die Anwendung und die Wir-' 

kubg der Semina Ricini an; er folgt dabei 

gänzlich dem Dioseorides pag. 548 — 650 — 

, 637. 

In' der Taxe für 1612 steht : Semina Ri^ 
dni Indici vel Cataputiae majoris 1 Loth 8 XsL 
und weiter unten: Semina Cataputiae mino-^ 
tis 1 Loth 6 isL 

. In Ole Borcfis handschriftlichen Vorle- 
sungen yom Jahre 1673, April , findet man: 

Ricinus vulgaris : Cataputia nia-^ 
jot: ad gr. vij. sed videntur c medieameH" 
tis % raro hodie medicis usurpatis^^ 
educit j utrumque hiUm , imo et pituitam av<a 
et 9caT(0. 

Man erfahrt hier von Ole Boreh^ dafs 
Dänemarks taugliche Aerzte im Jahre 1673 
nicht mehr dies Drasticum anzuwenden wag-« 
ten ; man darf aber annehmen , dafs e$ später 
dessen ungeachtet von Bartscheerern und dem 
gemeinen Mann benutzt worden ist, weil man 
in den später ausgekommenen Taxe die Semi» 
na Ricini nicht yermifst. 

In der Taxe für 1772 den 15. Januar, 
Iiatman: Semina cataputiae majoris 2 Loth 
1 Jürk. 8 fsl. — dagegen yermifst man in die- 
ser Taxe : Semina cataputiae minoris upid Gra^ 
na Tiglia. 









- 27 - 

In der Fharmacopoe für das nämliche Jahr 
pag. 63. ateben diese Semina noch als offi- 
neU; doch findet man daselbst nicht befohlen» 
OUum JUeini aus diesem Semina cataputiae 
majoris zu pressen, sie werden aber nach ih;' 
ren Wirkungen auf teutsch und dänisch Pur« 
gierkörner, JPurgeerkqrny genaniktf 

In der Fharmacopoe für 1805 wird pag. 
27. angeführt: Semina catapiUiße majoris, es: 
wird jedoch hinzugefügt : Ex seminibus a pu^ 
iamiiü purgatis per expressionem Oleum Ricini 
obtinctusm 

Oleum Rieini. 

Das Ricinus •'Qel betreffend , so brauchten 
die Alten es vorzüglich als ein Purgiermittel 
und gegen Würmer, vide Dioscoridis L e. p* 
32, potu aquam alvo extrahit ventris animar 
ha pellet. Galen brauchte das Ricinus -Oel 
als ein vortreffliches Mittel zur Heilung vöa 
Wunden. Galenus de comp» medic. per gene^ 
ra Lugdun. 1552. Üb. IL pag. 139. 140. 

In DäuemarJc isb das Ricinus »Oel erst 
sehr spät in Gebrauch gekommen; weder in 
den älteren Taxen noch Pharmacopöen findet 
man dies Oel angeführt, welches sonderbar 
genug ist, indem das Oleum Ricini doch in 
dem pag. 6. in der Anmerkung angeführten 
yalerii Cordi Simesusii Pharmacorum confi^ 
ciendorum ratio ^ Antioerpiae 1668 1 steht. 

Aus diesem Werke will ich Wort für 
Wort anfuhren, was Valerius Cordus pag. 
309. (confr. Dioscorid. pag. 32. I4 €.) von die- 
sem Oel berichtet: 



-— 28 <^ 
'' • Olaum de 'Cherva. 

1 • 

Oleum hoe .fit epc pingui quodam setniiie^ 
quod Arahes Cherva j Graeci , Crotona,^ La- 
hini Riciitum vocant*. Fit autem eodemmodp^ 
tpio\ oleum Amygdalarüm. Planta^ quae se^ 
ni\sn hoc producit^ vocatum a rezent iorihus 
Cataputia major^ ab Italis palma Christi 
et Mira, solis^ a Germanis Wunderhaum, Ze- 
ckeiisajnö^etc» Hey drasch Sprinckomer» Pro- 
dest pigrisf ulceribus capitis erum- 
pentihus', sedis infiammationihus^ vtdvisy quae 
occlusae conversaeque strangulant ^ aurium do- 
loribus: potum alvum ciet^ si quis aquis 
gravaturj l'umbricos ejicit. 

' In England ward der Gebrauch dieses Oels 
in den Jahten 1750 bis 1760 eingeführt (vide 
Johl QuiKcy Phärmacopoa officiiial. et eac'* 
temporanca^ London 1782. p. 485;). Die erste 
bemerkbare Abhandlung über dies Oel~ ist ypn 
Cauvane herausgegeben *). 

In Frankreich walrd der niedicini$che Nutzen 
dieses Oels durch Odier bekannt (Journal der 
Medicin und Chirurgie , 1778) und in Teutsch- 
land durch Hungerhyhler (Dissertatio dti Öleo 
Micini medicameiito pur gante et anthetmintico ^ 
praestaiitissimo f Amstelodami 1780). 

Eine ausführliche Geschichte vom Oleum 
JUcini hat Murray gegeben in seinem Ajjpa» 
rät* medicam, pag. 195 , und Fuchs in Troiiims^ 
dOfff's Journal der Pharmacie. Tom. I. pag. 

•) Dide Cauvanes Dissertation on the oleum palmae 
• Christi s, ojj^ Ricini or, (ar it commouly called) 
.. ■ Castor^oil-its ns€S in hiliary c<nlculous and other 
disorderS' Edit, £, 3769. 



•^ 29 -, 



' / 



118--:26f. Fuchs scbelot das Geschidl^tliclie 
aus des früher besagtea Geoffroys Materia ms-- 
dieä geschöpft zu haben. 

Hier in Dänemark Waren AasTcov und 
Ko Ip i n wahrscheinlich die ' ersten , welche 
das Oleum, Ricini in der. Vtscsoa aogewandt 
haben; vide Salhol^s Annotationes medieo 
practicae. 1779. 

Die mehr verbreitete Benutzung dieses 
Oels bei uns kann man wahrscheinlich Tode 
zuschreiben. In seiner damals so sehr ge^ 
schätzten und gelesenen Sundhedstidende .{Ge^ 
sundheitszeitüng) pries er das Oleum Ricini, 
als ein neuer, höchst vortreffliches Magenöl^ 
an; {yide Todes Sundhedstidende ^ 2ter Jahr« 
gang, No. 34, 35, 1. März 1780. pag. 142.) 

Tode^s Worte sind folgende : „Einige un- 
serer Aerzte kennen diese Medicin, und ge- 
brauchen sie mit grofsem Nutzen bei ihren 
Patienten. Der Herr Leibmedicus jiaskov 
ist einer der ersten gewesen y welcher sie in 
der Praxis angewandt hat^ und der Hr. Dr. 
Salholt hat in seiner medicinischen Probeschrift 
einige Beispiele yon dem Nutzen derselben 
angeiührt." 

Tode ist der Meinung, dafs wir den Eng- 
ländern diese nützliche Entdeckung zu Ver- 
danken haben. (Vide Murray 1. c. pag. 210.) 

In demselben Blatte spricht Tode auch 
von dem Oel der Jatropha Curcas^ er scheint 
aber nicht ganz aus dem Semina cataputiae 
majörisj Sem. catap, minoris , xxnii grana Tig^ 
lia herausfinden zu können. Endlich äuisert 
er seine Freude darüber, dafs dies vortreiT- 
liche ' Hülis - und Rettungsmittel aus einem 



— 30 — 

dänischen Lande kommt, und wir somit 
Oel nicht von Fremden zu kaufen brauchen.' 
In der Sundhedsbidende No. 2. , den 12. Julii 
1780. entwickelt Tode noch weitläufliger den 
Nutzen des Ricinus -Oels» 

Der vorsichtige prüfende L. Bang bestä- 
tigt in seiner Praxis mediea (herausgegeben 
1780) die Heilsamkeit des Ricinus- Oels in 
verschiedenen Krankheiten« 

1793 erschienen Wests Beiträge zur Be- 
schreibung von St. Croix, worin pag. 308 
des Oleum Riciniy mit folgenden Worten Er- 
wähnung geschieht: 

jfCaUapcU^ Oticus ypperlige JEgenskaier er 
at give en mild og reusende ^or bring, og 
mane man vel gjbre Forshfel imoUwi den ud~ 
sioessede og 4^n kogte Olie; den forste er 
hvidf utetfalstet og kostes to eller tre Gange 
sar meget som den seist e^ der er gradagtig 
og mindre reen!^ Pag. 307. bemerkt er, dals 
Einige das gekochte Callapatöl verfalschen, um 
es, durch eine Mischung des Saamens der Ja» 
tropha Curcas zu verstärken. 

Im Jahre 1798 vertheidigte der Licentia- 
tus Medicinae Andreas Christiml Hausen seine 
Dissertatio Jnauguralis mediea de Oleo Ri'i' 
cinij unter dem f räsidium von Tode, Li die- 
ser Dissertation findet man Hehreres zur Ge- 
schichte des Ricinus -Oöl's gehörendes gesam- 
melt. Der Verfasser berichtet , dafs man anch 
hi^r in Gopenhagen das Ricinus -Oel aus £f- 
mna eataputiae niajoris gepreist habe ; er hegt 
dagegen aen ^Verdacht gegen den, uns von 
den amerikanischen Inseln zugesandten Saa- 
men, dals er nicht immer v6n einer und der* 



— ^ -. 

selben Pflanze gesammelt sey (pag. 15J^ iä* 
dem man bald kleinere bald grofsere Körner 
finde *) ; und, fährt er weiter fort, man dürfte 
sith g^nz und gar nicht* darüber wundem, 
wenn der Saamen öfters mit anderen Saamen- 
arten vermengt werden kf5nnte, indem das 
Einsammeln des Ricinus gänzlich den Schtirar- 
zen überlassen bleibt , welche keine botani- 
sche Kenntnisse besitzen« 

In der Fharmaeepoea danica 1805 wird 
angeführt, wie das Auspressen des Oels aus 
diesen Saamen Tor sich geht. 

Von der Zeit an, wo man hier jn der 
Hauptstadt das Oleum Ricini zu gebrauchen 
begann , bis jetzt , ist das Oel stets als ein 
mildes und ^anz unschädliches Laxirmittel an- 
gesehen worden, und so viel mir bekannt, 
hat man keinen einzigen zuyerläfsigen FaU 
aufzustellen, in welchem das Oel drastische, 
dem Leben gefährliche Wirkungen hervorger 
bracht hat *^). Dagegen behauptet man in 

*) Ich habe ien Saamen mehrerer Rieinut* Arten 
Tor mir liegen; die Semina Ricini eommmüs'UWLB 
Amerika sind ungefähr so groft» wie eine grolje 
Erbse. Semina Ricini communis aus untern weac- 
inditchen Besitsuneen sind dagegen fast so groft y 
wie eine Znckerbohne. Die Semina Rieini 
inermis sind wie eine kleine Zuckerbohne, aber 
schwarz gesprenkelt. Die Semina Ricini piridis 
sind etwas kleiner und blafsgelbbunt. Wahr- 
scheinlich wird der Saamen noch mehrerer Ri- 
cinus -Arten zum Oleum Ricini benutzt, 'indem 
diese Familie in den warmen Zonen heimisch 
ist; siehe des Professors J« F. Schouibs GruntU 
traek til en almindeUg PlantegeOf^raphiCf Kbhvn» 
i822. 

**) Dafs Terschiedene Patienten ein starkef Erbre* 
chen bekamen, und ein ungewöhtiliehet jLaxi* 



I . 



w 32 •» 

ff 

TeutscUand an mehreren Orten solche beob- 
achtet XU haben. So wird in Trvmmsdorf's 
Journal !• Bd. 1. St 1794. pag. 141. §. 6. 
erzählt, dafs der fiofrath Grüner dem Grafen 
Beinrich. Reufs VL dies, Oleum Ricini ver- 
schrieben habe, \ypnach derselbe die heftig- 
sten Zufalle bekam, und dadurch dem Tode 
nahe gebracht wurde. Das Öel ward unter- 
sucht ; es hatte eine etwas dunkelgelbe Farbe 
und auf dem Grunde einen dicken Bodensatz, 
der ungefähr wie Butter ^aussah , und wie 
Handelöl schmeckte. Bei der Untersuchung 
glaubte man , entdeckt zu . haben , dafs das 
Oel aus nicht excorticirtem Semina Bicini ge- 
preist sey, und -dafs die Schaalen, welche 
vermeintÜch teine Schärfe besitzen sollen, mög- 
licherweise dem Oel diese mitgetheilt haben 
konnten, (vide Murray L c. pag. 199.) 

In S. Trank! X Versuch einer theoretisch 
praktischen Arzneimittellehre, Wien 1804. 
pag. 330. wird auch darüber geklagt, dafs das 
Oleum Ricini mehrere Male ' Hypocatharsis 
zuwege gebracht habe, welches er mit der grofs^ 
ben Mühe kaum zu hemmen^ im Stande geive* 
sen wäre. Auch versichert er, dafs einige 
der gröfsten Practici Wiens bei der Anwen- 
dung de» Oleum Ricini ähnliche unangenehme 
Zufälle erfahren hätten. Er räth, dies Oel 
nie von Nordamerika zu verschreiben, theils 
weil das Oel während des langen Transports 

leicht 

ren hatten, wird wohl Ton einigen unserer 

\Aente in der späteren Zeit angeführt, und ich 

selbst habe auch ein Paar Beispiele davon ge- 

. habt; xn;in hat^ diese Wirkung jedoch immer 

der ra^ftigen ]Bi|;f nichaft des Oels xtigeschriebt xi« 



/'. t J w -.ji.". .-».rf-.. ... J. 



^ 33 — 

leicht ranzig wird, theils und yorziiglich auch, 
weil er oft mit andern Oelen verfälscht wird,' 
nämlich mit dem erstgenannten €roton-Oel 
{hidl^ de ptgnons d^Inde^j Oleum acharoticum Si^ 
dni; endlich, Mrill er» dafs man solches Q^ 
gebrauchen soll , welches man selbst aus £d- 
achem Ricinus -Saamen auspressen lassen, und 
dals man von diesem Oel auch nur mit Vor- 
sicht zwei Theeloffel voll auf 1 Mal' geben 
müsse. Selbst Thenard hat gewifs das Oletän 
JUdni in Verdacht , siehe die neueste Ausgabe 
der Tratti de Cfänüi ilemerUaire. Tom. lll^ 1821. 
pag. 248, wo er ei) anpreiset , das Ricinus« 
Uel durch Auskochen zu herdten^ indem das ]S^ 
fährUche scharfe Princip dadurch entfernt werden 

Ein jeder, der Oleum Sicini geschmeckt 
oder eingenonmien hat, wird bemerkt haben, 
dafs es immer, wenn es auch noch so frisch. 
ist, und im Anfang wie süfses "Mandelöl 
schmeckt, doch mehr oder weniger einen ei- 
genen beifsenden Geschmack im Munde, Gau- 
men und Schlünde nachläfst. In Westindi.en 
nimmt man defshalb das Callapatöl mit Rum 
oder irgend einem Spirituosen Trank ein. (ylde 
Cüllena triatise o/ the materia medica» Voh IX 
rhüadelpMa 1812. pag. 373.) 

Bisweilen erhält man in Westindien ein 
pel, welches ga/22 klar und süfa istf me Maa» 
deM schmeckt f und. keinen, sonderlich schärfen 
Nachgeschmack hinterläfst ; von diesem Oel kann 
man aber , eben wie vom Baumöl oder Leinöl, 
eine starke Portion nehmen , ohne dafs es son- 
derlich wirkt. Einige Reisende bebaupten^ 
dals es von einer andern Art ölgebenden Saa- 
men gewonnen wird, andere dagegen wollen 
wissen, dafs es durch ein schwaches uiuspres 
Jonm: B.LX. 4. Bu C 



— 34 — 

itn der Körner ^ nur runter JEmwirkung der 5on- 
nenwärme erhalten ist. — Was man später durch 
ein stärkeres Pressen bekömmt , qdei durch's 
Kochen mit Wasser auszieht, soll mehr gelb- 
lich seyn , und auch stärker reizende Eigen- 
schaften besitzen« Das durch den Handel aus 
Amerika zu uns kommende Oleum Ricini hat 
stets einen mehr reifsenden Nachgeschmack. 
(Wde PJaß^s Materia medica. 6. B. 1821. p. 138.) 

Es ist gewifS) dafs dasjenige Oel, welches 
aus den hier geerndteten' Körnern geprefst 
wird^ äufserst' milde y aber selbst in gröfserer 
Dosis nicht so wirksam ist. Diese Körner 
müssen erst getrocknet werden, um einen Theil 
ihrer Feuchtigkeit zu verlieren, (vide Heyer 
in Creire Journal 1. Bd. 3. Theil. pag. 74. 
JVeikard^s kleine Schriften. 178J2. pag. 85. 
Murray 1. c. pag. 208. Sammlung auserlesener 
Abh. 5/ B. p. 238. Anmerk.) 

Da diese besonders reizende Eigenschaft des 
Oleum Ricini also immer, bald in höherem, bald 
im^ geringeren Grade vorhanden ist, ist man 
eben so wie beim Croton • Oel (vide Nye Hy 
gaea 1. Heft. pag. 69.) darauf bedacht gewe- 
sen, andern frischen, gelinden, fetten Oelen, 
durch das Hinzbsetzen eines scharfen laxiren- 
den Stoffs dieselbe Eigenschaft zu geben^ wel> 
che das Ricinus - Oel besitzt. — F'ogler (siehe 
dessen Pharmacia selecta. Wetzl. 1792) glaubt 
ein solches Succedaneum hervorbringen zu 
können, aus 1 Loth Oleum olivarunii und 9 Gran 

{mlverisirter, Aeana Jalappae, Seiike Vorschrift 
^t folgende: 

^ySi dicto oleo unguinoso soluta sit Jalappae 
rerinüf depo&ta nunc acrimonia sua et vi dra- 



— 35 — , 

stiea^ aivum nbniM üccam lubrkar% «t blande du^ 
cere soletJ^ 

Doch werden alle diese Succedanea wohl 
kaum die eigentliche^ heilsamen Wirkungen: 
dieses Oels erstatten können, ^. B. bei Dy- 
senterie, Kolik, rheumatischen undinflamma*> 
torischen Zufällen im Darmkanal u. s. w. 

Was für ein Stoff der scharfe am Gau-* 
men und der* eigne beir$ende oder reitzende 
an dem hintern Theile der Zunge wohl sQjn 
möge, iärüber hegen die Phatmacologen und 
Merzte versMedent und widersprechende Meinuru 
gen. In Pfo^ff^* System der Materiä medica. 
6. B. pag« 138. etc. findet mah die neueren 
vom Professor Pf off selbst, und rom Dqctor 
Goger mit Semina Riäni angestellten Versu« 
che , ^ und zugleich die Meinungen des Frofe»* 
sors Bernhardi angeführt. Friiher angestellte 
Versuche und geäufserte Meinungen ^er den 
scharfeil. Stoff, welcher im Senüna Biciiä ge« 
funden wird, und dem Oel während des Aus- 
pressens oder Kochens mitgetheilt , werden 
sollte, findet m«an ausführlich angeführt im 
Isten Bande dieses für jeden Pharmaco- Che- 
miker und Arzt vorzüglich wichtigen Werke. 

Ich ^erde 4io "Verschiedenen Mdnungw 
über die Natur un^ den Sitz der scharfen Stoffe , 
in den Bicinpskernen zusammentragen. 

Alle stimnUn darin überein , dafs ein schar- 
fer harziger Stoff in Semine Hicini vorhanden 
•eyn müsse. Die Meinung, dafs der scharfe 
Stoff seinen Sitz im Putamine seminum Ricini ' 
communis habe , ist , ziemlich allgelnein ge- 
wesen , und wird sogar in verschiedenen neu- 
eren Werken gelesen. Siehe: tU P» Labai 

C 2 



— 36 — 

nowtau s^oyage auir Isles de Pjimmque. 1743. 
Tonu 3. pag. 281. — P. F. Bcrffi matma 
medUa. Stockholm 1778. pag. 773, 774. — 
F* A. Munay apparatus jrudlcanünum. Gottün-^ 
gae 1784. pag. 202— 203* — Monro ehem. 
phann. Arzneimittellehre. 1794« 2. Thl. pag. 
87« "^ Trommsdorffs Journal der Pharmacie. 
1. B. 1. St. pag. 142, 143. vid. ibid. — FUchg 
Ton Ricinus und dessen Oel. — « DörffwnKs 
neues teutschea Apothekerbuch, 1» Theil. p. 
678. 1801. — Plmmtacopoea Danka. Hafniae 
1806. pag. 27. 

Einige legen der dünnen weiCsen Haut 
unter der Schaale, und vorzüglich um dqn 
Ke^n diese Schärfe bey. Siehe: Sergü ma" 
Uria medica. pag. 774. In der Sammlung aus- 
erlesener Abhandlungen 5. B. pag. 238. heüst 
es, daid diese Haut die Schärfe der Graaa 
Sn^fia'enthalte« 

Einige glauben . dafs diese scharfe Eigen- 
schaft erst entstehe, wenn der Semen alt ge- 
worden, zu lange gelegen > und dadurch eine 
bedeutende Schärfe erhalten habe. Cauvant 
loc dt^ pag. 9. — Murray loc. dt, pag^ 207. — 
^erkhardi und Trommsdorff neues Journal der 
Pharmacie. 1. B. pag. 438. — Sttfffs prakti- 
sche Arzneimittellehre. 2. B. pag.. 298. — Gä- 
gar und Tronvmdoiff's Journal. 1818. 2. B. 

Andere leiten die Schärfe des Oels aus. 
dessen Rancidilät oder Ranzigkeit her. Siehe: 
Journal de mediCn 1777. Julii. pag. 88. — Semm- 
long auserlesener Abhandl. 4. B. pag. 304. An-« 
merkung. — Murray /. cit. pag. 207, 208, wo- 
selbst angerath^n wird, das ranzige 0el mit 
einer doppelten Portion Wasser umzuschüttein. 



a« 



— 5/ — 

wieder andere wollen die Erfahrung ge« 
macht haben , dafs die Schärfe des Oels da- 
durch entstehe, weil man häufig nicht ror- 
sichtig genug anderen schädlichen Saamen vom 
Sem» Micini scheide, bevor man das Oel aus- 
presse. Siehe Hausen Dissert» de Oho Ricihi 
1792. pag. 16. — Murray l cU. pag. 207. — 
West Uc. dt. pag. 308. 

Einige andere denken an Mischungen mit 
andern scharfen Stoffen, z. B. Oleum jcrotonis. 
Stifft L dt. 

Noch andere leiten die reizende Eigen- 
schaft des Ricinus- Oels vorzUgUch aus der 
Bereitungsart» Man hat zwei Arten, das Ofeum 
Ricini zu hereiten, entweder indem man die 
gequetschten Kerne mit Wasser amkocht^ oder 
dieselben ausprefst. 

Die Ridnuskerne mit fpasser zu koeheft, und 
alsdann das darauf schwimmende Oel abzu- 
schäumen , ist wohl die älteste Art. (yid. DioS" 
coridis materia medica L <:• Cap. XXXII»') Viele 
sind der Meinung, dafs das solchergestalt ge- 
wonnene Oel am schnellsten ranzig wird. Un- 
ter diesen ist West (vid West- h c. pag. 301.) 
welcher glaubt , dafs das Oel geneigt wird, 
bald ranzig zu werden, wenn ^s beim Ver*- 
senden lange unterweges bleibt. I3ieselben 
Meinungen findet man angeführt in Murray 
h c. pag. 204 — 207. Thomson ihe London 
ßissertatory 1815. pag. 335. Hausens Disserta» 
tio h c» 

Thenard Traite de Chimie T. HI. 1821. 
pag. .248. ^aubt, dafs die schärfe Substanz 
leim Kochen volalilisirt wird, 1. c. pag* 201. 
CuUens treatise of the materia medka. /. <:• Vol. 
II' pag. 373. \ 



-• 38 — 

RSrrter (yid. Dessen Magazin fSi 
tanH^ 1790, 7. Stück, pag. 27.) zieht^i 
Kochen gewonnene Oleum Ridm vor, u 
dafs dies nicht so I^Bicbt ranzig w«id 
Erfahrung soll gelehrt haben , dafs, ifi 
Oltum Ricini eine Zeit Ifing mit Yfim 
selbiges alsdann viel von seiner reim 
genschaft oder Geschmack yerlieren A 
gtt materia rnedica. /. c. pagm 773. OM 

Das durch Pressen aus higher gl 
und nicht immer decorticirten . Ktrntnf 
Oleum JRici/ii, soll nach der Mehieili 
nung nicht so leicht ranzig werdeSf 
viel von der ^H des Fressens abhä^gi 
(^Hamens disstrtatio L c. pag. 18.) 0*^ 
h c. 3. Theil. pag. 74. 75. 

Einiige geben den Rath, beim 
keine künstliche Wärme zu gebraodM 
Mutraj L c. pag. 205.) und dies ist n 
richtigsten , indem dasjenige Oel aus 1 
dien das beste und sehr klar sejnsol 
ches die Schwarzen zwischen schweren * 
Sonnenschein auspressen. Ein zu staii^^ 
sen , auch ohne Wärme , giebt dem 0< 
schärferen Geschmack {vide Hausfn l 
16. 17.). Mehrere Ferauche habe ich • 
und je stärker man die Semina prefst, • 
kanter irritht das Oel den Gaumen und ^ 

Eine neuere Methode, durch ^ 
Weingeistes Oel aus den gestofscnw^ 
cirten Kernen zu ziehen, und nac"* 
Weingeist davon zu destiUiren, H«** 
Buchnefs und Kastner^s Repertopa"'* 
Pharinacie. XV. Heft 1823. pag. 1* 
Bei dieser Methode wird dem Oel jeWi 
dessen reizender StblF benommen. 



— 39 — 

lieh behaiqpten unter den Neuesten 
ind Deyoix CMi d§ CandoUe pag. 310. 
bui Handbuch der Pharmacologie. 3te 
2. Bd. Sl 667.) dasjen^e^ wA schon 
her ang^uhrtt Simon PauB dtutüch er- 
it, dals das Oleum Bkini keine der 
nannten reizenden Eigenschaften' er- 
enn man das Oleum aus den Cotjli- 
iressen will, nachdem Embryo und 
. weggenommen sind. 

> diesen verschiedenen Meinungen und 
Igen geht nach meiner Ansicht das 
henror, dafs unter eitier jeden xu $tar- 
Krtimig, 2. B. starker YTarme und hef- 
.^ressen, aus gesunden frischen (nicht 
i) Senüne Hicini ein schärferes Od cr- 
rd, ab num bei dner sanfteren und kaU 
nmg oder durch Kochen erhält. Beim 
werden aufserdem schleimigte Theile 
lert, in welche der vom Oel geschie- 
phorbium - oder scharfe Stoff vielleicht 
itzt. Auch lehrt die Erfahrung, dals 
Sudes sogenanntes ranziges Ricinus- 
:h Kochen milder werden kann. Hier- 
Die man nunmehr den Schlufs ziehen , 
in der 3Iiite der Colyledonen sitzende 
nbryo nebst dem Fellicula nach slar- 
rmen Fressen oder heftigem Kochen 
inus-Oel den darin enthaltenen eu- 
artigen oder besonderen scharfen Stoff 
n müsse. Und warum sollte man diVi 
e/imen, da man^ wie oben angeführt f 
»n. Pauli an bis auf Deyeux Thatsachen 
if, welche selbiges bewährenl Deyeux 
:h viele genaue und zugleich interes- 
etsuche zu beweisen versucht, dals 



— 40 — 



/ 

f 

1 

V 



•v. 



die Scharfe des Sernina lUcIni ihren Sittj 
brjio und PelHcula habe. Diese Vers« 
det man ausführlich angeführt in An 
Chemie. Tom. LXXIII. pag. 106.,- 
Trominsdorfs Journal der Pharmacie, 
2. St. pag. 216. Der Professor Berti 
im nämlichen Journal 1. B. pag. 433. f 
Deyeux zu widerlegen; seine Gründe i 
so schwach, dafs ich nur einen ein^li 
selben anzuführen brauche, näinlidi 
den : dafs die Serrüna JRldni nicht ff 
Cotyledones bestehen , sondern dafs i 
spermum aus einer zusammenhängendi 
bestehe ; welche man nur mit einiger i 
gung in zwei oder mehrere Stückea 
kann, z. B. dafs man sie nicht scheide 
und dafs das Perispermum eine weife 
bildet, welche das Embryo von allei 
einschliefst u. s. w. — Dies verdien 
lieh keiner Widerlegung. 

Um das f^orhandenseyn des Euf 

Stoffs im Embryo und Pellicvla noclii 

bestätigen, nahm ich frische Ricifl^ 

häutete die Schaalen ab, und flchnJ 

Kern im obersten JDriitheil » woselbst M 

dem gröfsten Theil der PelHcula sitzt f qv^ 

Man sah nun deutlich, die Trennung 

tyledones und Pellicula. Dies Stück < 

licula wurde ebenfalls behutsajm fortgefi 

Die sofchergeslalt gereinigten Zweidritt 

der Cotyledones «chmeckten milde w 

delkerne-, dagegen war der dritte U 

welchem Embryo und ein Theil der 1 

sich befanden , da ich etwas desselben 

so scharf, dafs ich fast in der .ersten 

Stunde »icht im Stande war, denbr« 



— 41 -^ 

I 

ntzeiideii Gesclimack vom Gaumen und 
urzel der Zange zu vettrexben, weichet 
endlidb durch Hülfe des 



ese Erfahrung brachte mich dahin, ei- 
iiemische Versuche mit Senune JUcinl 
n Semine der Jatropha curcas anzustel- 
id,. da meine Geschäfte mir nur selten 
rbrochene Stunden zu chemischen Ar- 
übrig lassen, übernahm der Hr« Can-- 
phatmaciae Achen, Provisor bei der 
sations-* Anstalt auf dem Allgemeinen- 
de,, es, mir bei folgenden Yersacfaan 
ehen; 

''ertuch mit Semine Ridni commwuM^ 

m 12. Mai 1823 wurde ein Loth SifrtL 
ni communis genommen (welches j^m Jahre 

aus Westindien hierher gebracht war\ 
urden von' den Schaalen befreiet. Die 

Wogen 136 Gran , und waren dem Aa- 
üich alle frisch und gut. Nachdem diese 

etwas gequetscht waren, worden sie 
^ Kolbe mit 8 Loth SpirituM vini reeü^ 
"nusy nach Spendrvps Alcoholometer von 
ad (lOOf Grad Richter) begossen. Bein 
chütteln bekam diese lUischnng ein 
tiges Aussehen. 

ti löten ward der klare Saft vom Bo- 
* geschieden, und auf diesen letzteren 
um 3 Loth Spiritus viru rectificatiitbnui 
^rselben Kraft gegossen. Als die Mi- 
wiederhqlt umgeschüttelt wurde, be- 
te ebenfalls die milchweifse Farbe« 

tn 17* Mai ward sowohl der erste ^ als 
ztop von obiger Remanenz geschiedene 






— 40 — 

die Scharfe des Senma Bicini ihren Sitz im Em- 
bryo und Pellicula habe. Diese Versuche fin- 
det man ausführlich angeführt in Annales de 
Chmüe. Tom, LXXIU. pag. 106., und in 
Trorrvnsdorf's Journal der Pharmacie, 19. B. 
2. St. pag. 216. Der Professor Bernimrdi hat 
im nämlichen Journal 1. B. pag. 433. versucht, 
Defeux zu widerlegen ; seine Gründe sind aber 
so schwach, dafs ich nur einen einzigen der- 
selben anzuführen brauche, näuilich folgen- 
den : dafs die Semina JRicini nicht aus zwei 
Cotyledones bestehen, sondern dafs das Peri- 
spermum aus einer zusammenhängenden Masse 
bestehe; welche man nur mit einiger Anstren- 
gung in zwei oder mehrere Stücken theilen 
kann, z. B. dafs man sie nicht scheiden kann, 
und dafs das Ferispermum eine weifse Masse 
bildet, welche das Embryo von allen Seiten 
einschliefst u. s. w. — Dies verdient wahr- 
lich keiner Widerlegung. 

Vm das Porhandenseyn des Euphorbien'^ 
Stoffs un Embryo und Pelticula noch, mehr zu 
bestätigen, nahm ich frische Kicinuskerne, 
häutete die Schaalen ab, und schnitt jeden 
Kern im obersten Drittheil f woselbst Embryo mit 
dem gröfsten Theil der Pellicula sitzt , que^ durch. 
Man sah nun deutlich, die Trennung der Co- 
tyledones und Pellicula. Dies Stück der Pel- 
licula wurde ebenfalls behutsam fortgenommen. 
Die sofchergestalt gereinigten Zweidrittelstücke 
der Cotyledones schmeckten milde wie Man- 
delkerne; dagegen war der dritte Theil, in 
V^elchem Embryo und ein Theil der Pellicula 
sicKc. befanden, da ich etwas desselben kauete, 

fa4t IQ der .ersten halben 
itit^ den brennenden 



- 41 -^ 

und krafzejticlen Geschmack vom Gaumen und 
der Wurzel der Zunge zu vertreiben, welches '^ 
doch endlich durch Hülfe des Lakritzsafts 
gelang. 

Diese Erfahrung brachte mich dahin, ei- 
nige chemische Versuche mit Semine JRkini 
und den Semine der Jatropha curcas anzustel- 
4en, und, da meine Geschäfte mir nur selten 
ununterbrochene Stunden zu chemischen Ar- 
beiten übrig lassen, übernahm der Hr« Can- 
didatusi pharmaciae Achen, Provisor bei der 
Dispensations-* Anstalt auf dem Allgemeinen - 
Hospitale , . es , mir bei folgenden Versuchen 
beizustehen ; 

P^ersuch mit Serrune Ricini communis. 

Am 12. Mai 1823 wurde ein Loth Semi- . 
na JRicini communis genommen (welches j(m Jahre 
vorher aus Westindien hierher gebracht war). 
Sie wurden von ^ den Schaalen befreiet« Die 
Kerne wogen 136 Gran , und waren dem An- 
sehen nach alle frisch und gut. Nachdem diese 
Kerne etwas gequetscht waren, wurden sie 
in einem Kolbe mit 8 Loth Spiritus vini rectl^ 
ßaaissimusy nach Spendrups Alcoholometer von 
16| Grad (lOOf Grad Richter) begossen. Beim 
Durchschütteln bekam diese Mischung ein 
niilchartiges Aussehen. ' 

Am löten ward der klare Saft vom Bo- - 
densatz geschieden, und auf diesen letzteren 
wiederum 3 Loth Spiritus vini rectißcatissljnus 
von derselben Kraft gegossen. Als die Mi- 
schung wiederholt umgeschüttelt wurde, be- 
kam sie ebenfalls die milchweifse Farbe, 

Am 17* Mai ward sowohl der erste ^ ab j 
der letzte f von obiger Remanenz geschiedene ' 



- 42 - 

Saft, welcher jetzt ganz llar war, aber einen 
be$pfidern reizenden Geschmack hatte ^ filtrirt. 
AUdann wurde er durch Hülfe eines Wasser- 
bades in einem porcellanenem Gefafse abge- 
dampft. Das Nachbleibende war ein dickes Oe/, 
welches einen grünlichen Anstrich hatte* Dies Oel 
hinterliefs einen ziemlich reizenden Geschmack^ 
fvelcher an der Wurz,el der Zunge und am Gau- 
men etwas anhielt $ der Geruch war fast ganz der 
des süfsen Mandelöls» 

Versuch mit den Schaalen des obigen 1 Itotht 

Semina Ricini. 

Am 12. Mai. Die vom obigen 1 Loth 
Semina Ricini gepellten Schaalen wogen 84 
Gran. Diese wurden , nachdem sie gequetscht 
un4 in einem Glasmörser etwas zerrieben wa« 
,ren , in einer Glas - Retorte mit 2 Loth des 
obigen wasserfreien Spiritus übergössen. Nach« 
clem diese Mischung 3 Tage und Nächte ge- 
standen hatte, nahm sie eine bräunliche Far- 
be an. 

Am 15. Mai gofs ich den klaren Saft ab^ 
und wieder 2 Loth des Weingeistes darauf, 
diese Infusion stand 2 Tage, und war weni- 
ger br.aun. 

Am 17. Mai filtrirte ich beide Infuäonen, 
mischte sie mit einander, und dampfte alles 
im Wasserbade ab. Das Nachbleibende war 
rein Gummi von bräunlicher Farbe ^ welches aber 
keinen reizenden noch scharfen Geschmack auf der 
Sümge hervorbrachte* 

Versuch rrfit dem Saamen des Jatropha Curcasi 

' ' Am 12. Mai wurde 1 Loth der sogeruam-> 
un Semina Ricini majoris genonunen, i^id nadh- 



dem selbige excorticxrt und etwas geqnetsdit 
waren f erhielt ma^n 150 Gran frigehe ge$unde 
J^emer. Diese wurden mit 3 Loth du ofren 
genannten Spiritus infundirt. Die Mischung 
war^tiiach Verlauf einer halben Stunde milch- 
arhg.^ ' 

Am 15. Mai ward der ohenstehende klare 
Saft abgeschüttet f und das Zuri:ickgebli€b0ji0 
wieder m{t 3 Loth Spiritus infundirt. 

Ain 17. Mai wurden beide Tincturen mit 
einander filtrirt, worauf das Abdampfen im 
Wasserbade geschah. Das UebriggebUebtne war 
ein dickes gelbUches Oel^ welches einen heftig rei-^ 
zenden Geschmack auf der Zunge und am Gau-- 
men hinterliefs^ 

Die Schaalen der obigen Saamenkerner wo- 
'gen 90 Gran. Sie wurden behandelt, eben wie 
die Schaalen der Semina Ricini^ und lieferten 
auch dasselbe Resultat. 

Versuch mit Oleum Ricini americani venale. 

Am 12. Jlai wurden 4 Loth Oleum Bidnl 
genommen, welches den eignen, nicht ranzi- 
gen, aber reizenden Nachgeschmack hatte, 
welchen man bei dem Oleum Bicini venale sel- 
ten vermissen wird. Auf selbiges gofs man eben 
so viel wasserfreien Spiritus von oben angeführter 
Stärke. Die Mischung stand unverändert bis 
zum 17. Mai, und wurde nur dann und wann 
umgeschütt^h ; man destillirte den Weingeist 
vom Oel hinüber in eine Glasretorte von pas- 
sender Grofse. Das Oel nahm^ bachdem der 
Spiritus abdestillirt war, eine braungelbliche Farbe 
anf behielt aber gröfstentheils seinen etgenthümüm 
chen Geschmacks Der überdtstülirte Spiritm hont 






— 44 — 

dnen^ehr piJcanten Geschmack angenommen ^ ive/«' 
eher dem des Oleum Micini ähnlich ivar,' und, 
wurde, nachdem fVasser zugesetzt worden^ etwas 
wolkig. 

Am 15. Mal kocbte ich ein Loth dieses 
Oleum Ricini mit 2 Loth fpasser. Das WaS" 
sür nahm nur wen^ ^on dem besoridefn Geschmack 
di$ Oeis anf dagegen aber ward das Oel etwas 
milchähnlich und dicker ^ als es in seinem vorigen 
Zustande war, bevor es gekocht wurde. 

Versuch mit ünem vorzüglich ranzigem Oleum 

Papaveris albu 

Ich nahm 2 Loth sehr ranziges Oleum Pff- 
paveris, schüttelte es dann und wKnn mit 2 
liOth Alcohol, und liefs es in 2 Tagen zu- 
^sammenstehen. Im Wasserbade wurde darauf 
der Spiritus vom Oele" gesondert. Dieser Spi- 
ritus ßihrte einen bedeutend ranzigen Geruch und 
6eschma\:k mit sichy doch war der Geschmack 
V(^ dem besonderen des Ricinus - Oels ziemlich 
verschieden f falls man den letzteren ranzig nennt. 
Auch ward der Spiritus durch das Umschüt- 
tehi mit Wasser nicht klar. 

Mehrere Versuche mit Oleum Riüni amerkaid 

venale. 

Am 12. Mai vermischte ich 42 Loth Oleum 
Sicini mit eben so viel Spiritus von 14 Grad 
Kraft (nach Spendrups Alcoholometer). Diese 
Mischung erhielt beim Durchschütteln bald ein 
niilchähnliches Aussehen; doch begann nach 
üTerlauf einiger Stunden das Oel sich tm Bo- 
den etwas anzusetzen. 

Am 17. Mai nahm ich- durch Hülfe eines 
Glaahebers -den Spitifus äb^, welcher sich vom 



•«. 45 «-^ 

Oel geschieden hatte. Dev Spiritus ward im 
Sandbade in eine Glasrelorte hinüber destillirt* 
Der überdestillirte Spiritus hatte keinen beson» 
ders ranciden Geruch, oder Geschmack des' Oleum 
Bicini; das in der Retorte zurückgebliebene Oe/^. 
auf welchem noch einige Wassertropfen vorhanden 
jvareny hatte aber einen eigenen scharfen rei-^ 
fsenden Creschmack. 

Am 23« Mai nahm ich 1 Loth der 5em2- 
na Kicini majorisy und schied die Schaalen 
vorsichtig von den Kernen. Diese selbst schnitt 
ich t[aeer durch, im oberen Drittel, in wel- 
chem Embryo und ein grofser Theil der Pel- 
licnla ihren Sitz haben. . Diese wogen 51 Gran, 
wurden in einen Glaskolben gethan, und 1 
Loth vom oben besagten Weingeiste darauf 
gegossen. Die Mischung wurde mit No. 1. 
bezeichnet. Die anderen zfvei Drittheile befreite 
kh darauf von den annoch zwischen den Cotyle^^ 
dontn sitzenden Theilen der Peläculaf und erhielt 
auf disse fPeise 105 Gran; diese wurden eberu, 
falls nüt dem obigen Wüngeiste infundirt. 

Beide Mischungen standen 3 Tage und 
Nächte; dann und wann wurden sie-geschüt^ 
telt^ worauf ich den obenaufstehenden Wein- 
geist abgofs. Auf das Kesiduum von No. 1. 
und 2. wurde wiederum auf jedes 2 Loth AI- 
cohol gegossen , und beide digerirten darauf in 
24 Stunden. Beide Infusionen wurden als- 
dann jede für sich iUtrirt , und jede Tdr sich 
im Balneum Mariae abgedampft. No. 1. odec 
diejenige Tinctur, welche aus dem dritten 
TheUe der Kerne gezogen war, in welchem. 
Embryo und ein grolser Theil der Felliqula 
seinen Sitz hat, ward zuerst abgedampft» 
Das Zurückgebliebene w^ ein Oel mit eini^ 



— 46 — 

gen darauf scIrwimmencleQ Wassertropfen; es 
hatte einen bläulichen Schein, der Geschmack 
desselben war aber so aufserordentlich reitzend, 
dal^ man mehrere Minuten lang den reifsen* 
den Geschmack nicht wieder los werden konn- 
te. Die Tinctur der No. 2. wurde auf die- 
selbe Weise behandelt und abgedampft; es 
blieb ein bläuliches Oel zurück , welches aber 
einen: Torzüglich milden und angenehmen Ge- 
schmack, wie Mandelöl^ hatte. 

f^trsuche mit Emhryones und Pelüculae der. Se- 

nüna' Ricini Americani. 

Am 1« Juni und den folgenden Tagen 
pellte ich die Emhryones und Pellicula'e ^us ei- 
nem Theil frischen Ricinus - Saamen , und er- 
hielt mit vieler Mühe 10 Gran. Diese wur- 
den mit 1 Loth Weingeist von 14 Grad in- 
fundirt. Nachdem diese Mischung in 3 Tagen 
und Nächten gestanden hatte f und dann und 
wann umgeschüttelt war, wurde der Wein- 
geist abgegossen. JDie Tinctur war fast ohne 
Farbe, Auf die Remanenz wurde wiederum 
1 Loth Weingeist gegossen, welches ebenfalls 
drei Tage hindurch ruhig stand. Alles ward 
darauf filtrirt. und die nachbleibenden Em- 
bryones sehr stark aus^prefst. Die Tinctur 
^r \^on heftig 'reif senden ^escfmiack, und ward 
im Wasserbade abgedampft. 

Ich erhiblt auf diese Art fast 6 Gran Oel, 
welches einen etwas gpinen Schein hatte, und 
wovon der kleinste- Partikel , auf die Spitze 
der Zunge angebiracht, den unangenehmsten 
jr^BilSBenden Geschmack verursachte, welcher 
sich bald bis zur ^Yurzel der Zunge und des 



— 47 — 

Gaumens verbreitete, an welchem letzteren Orte 
die Wirkung lange gespürt wurde. H 



Für denjenigen Kenner, welcher weifs, 
was, vorzüglich in einem den praktischen 6e« 
Schäften geopferten Leben , gefordert wird, um 
Materialien zu sammeln und zu ordnen, be- 
darf es nicht erst der Worte : est Jabar in |e- 
niii. Auch weifs ich sehr ivohl, dafs Mb Men- 
ge dergleichen Arbeiten so betrachtet, dafs ich 
nicht denken werde: tenids Kon gloria merces. 
Es wird mir hinreichende Belohnung seyn. 
wenn einer oder der andere meiner unpar- 
theiischen Landsleute mein Streben erkennt, 
auch durch die^e kleine Abhandlung das Wis« 
sen in diesem Fache befördern zu wollen. 



-, 48 - 



.—7" 



IL 

Ein Beitrag zur Kenntnifs 

des 

Wiener Kinderkranken -Instituts, 

feines wflrcligen Yorsteh6rs 
des 

^ K. K. Sanitätsraths Hrn. Dr. Goelis^ 

und« 

seines therapeutischen Verfahrens in den am 
' häufigsten dort Yorkonunenden Kinder-^ 

krankheiten. 

Vom 

Kreisphysikua t)r. Th. M. Brosius 

zu.Stoinfurt. 



(Fortsetzung» S* vor. St. dies« Journ.) 



Einige enderartige Geschwülsten 

Tumor infarctus* Goelis macht hier, nach den 
Engländern) Incisionen, und spritzt Reizmit-» 
tel ein^ um Suppuration zu erregen, z. B. 
Infus. Scord. Uhr. j. lAap» caustic^ scrup, ß. d. — 
Miat spritzt siedendheifses Wasser ein, legt 
darauf einen festen Verband an, um die in- 
nern Flächen xur Vereinigung eu bringen. 

; ■ Tii- 



• *■• 



.- 49 » 

Tumor tymphatkm. Lyinpligeschwfilste 
verlieren sicli durch das Betupüen desselben 
mit JLap. infonval. (vrie heim Hydroceph^ eauemm. 
partiaU) sehr gut. Daneben braucht-'man er«- 
weichende ;![Jeherschläge. . Etwaige Gachesie, 
lentescirendes Fieber, wird auiserdem: behan- 
delt. (S. weiter unten /cir. /enfö). .— Sind 
die Geschwülste offen und unrein , so w&d 
das Fulrer aus Mheum und Carbo (wie be| den 
unreinen scroph. Geschwüren) eingestreut* ^) 

JTiromhus neonatorum* Die Kopfblutge* 
schwulst- der .Neug^bomen, widerrath Goefit 
sehr, ;su ofiÖcien, weil die Kinder darnach 
meistens stürben ^. — Er betupft sie eben* 
falls wie den 2hmor /ympAat.'und das Oidema 
capk. y mit HSll^nstein, uiid' sie gibt sich recht 
gut darnach ***). 

*) Ein Knabe Ton drei Jthren, mit oiclie&tifcbem 
Aassehen', l^am mit einer fansterofsen , TÖlUg 
durchscheinenden , Lymphgeschwulst an des 
linken, Seite der Brust — in .Gestalt einer ftrot» 
senden 'Weiberbrust ohne Warse — in meine 
Behandlung. Die Geschwulst - Terscbwand in 
der That, in Zeit Ton zehn Tagen, dur^b das 
Betupfen derselben mit Höllenstein an din|een^ 
Stellen y die ich- vorher mit nassem Finginro»» 
feuchtete ; das Betupfen wurde nnr dreimal wie« 
derholt. — Die relaxirfen Intesumente fügten 
sich darauf wieder durch Waschungen mit ei- 
nem DecoeL eort» Salic* st ^Qustc, mit Bleisncher« 
— Tor Anfang der Kur aber brachte ieh' «In 
FoBtanell am Arm in Flufs* • jinm. d, V. 

**) Ich habe Ton £. o. Siehöld (damals) zu lYarz« 
hnr^, sweimal ein solches Gepbahemttomk dttreh 
den Kreuzschnitt öfFneii , ' das Blut hdruusneh* 
men , die Wunde nachdem durch eine ' Com« 
pressions - Bandage , mit gans glfiehlichem Er- 
folg vereinigen sehen. ^nm. 4* f^« 

*^*) In einem mir Torgehommenen Fall wollbe^mir 
die Heilung nach £eser Methode nicht gelin- 

Joim* LX. B. 4. 8c, D 



f 



— 52 — 

mit äem bestänEtfolg TerörJnMr 'Ab 
oßtracoderm, unc, , ß^ . Linua. maru 
Sacdu drachm^ MJ-.nip, Morgens und^btiij^. 
Messerspitze Voll. ^ Dreimal' ]A.,tir Vi 
eiii lauwarmes Bad xnit He|iBli)jtI|^. p 
Kinder erhalten sqlm i^ir^hsi^cL :^. iti/k 

— einen dünnen Ei'cnelkaffejB mitViäl 
zu andern' 2ieiten Fkiischsüme'f 'Fkiickj 
kcütne Mehlspeisen. — r Sie dfirfcfn i&k 
imd nicht getragen werden« sphdeq 
liegen, aber nicht auf FederbMtef* 
ayf Matratzen von I^feidehaarc^; dii]^ 
auf flachem Bodei» hlpXs üb^r eixiemT 
--r Bei schönem VTetter bringt aiayB 
in freye Luft, jedoch jmit einem SAia 
den Sonnenstrahleii 'geschützt. 

. . Es ist nur eine chepiische .GtOl^i. 
hter und überhaupt die EisenoxydefbeiM 
ti^agen werden sdUen, als die Limator/ ' V 

» ^^^ 

"Von der Subia tinctor. sah jGoieb, 
bei /anhaltendem Gebrauch, iiie. eiikd fM 
kung. •' 

■ Wenn mit der Rhachitis Scabies. «JBre 
ist« so thun die Martialia gegen ja^f^ 
gegen diese, gute Dienste. ' — 'BeiBlp'' 
ist Tussis convulsiPa die aUerscÜliiiiiiiUe te 
plicätion. . 'f 

Kyphosis.' Bei anfangender' VierkrSflM 
des Rückgraths ist sie mehr als enUii'^ 
zu betrachten, und man wendet Calomdn 

— Sonst läfst man,, nebst der.,vorgeHi** 
Behandlung, noch dßn- Spiiit. Kultes i^^ 
Rückgrat einreiben, oder auch das Ong*^' 
wn. unc. ß. mit GampÄor.-'gr. «•, — audil" 
Sphrit. Viru camph. , besonders wenn 'LiSuuiDS 



: 



— 53 — 



tntem- Extremitäten dabei ist. ^^ ' Das 
A Auf dem Rücken und auf dem Baiieh, 
dvJEjfhons besonders gut.- — ' Statt der 
nÜlen an jeder Seite des^ Höckers: nach 
•f kann man audh die Einreibungen des 
itSbiaii versacheih 

hi- feste Einwickeln der Kinder, hier 
äierhaupt, ist sehr schädlich: sie sind 
•ehr beängstigt , und können nieht iper- 

joflräiS^ f)* Calomel ist bei der Coxalgie 
inder ein Hauptmittel. '-— Ung. Nkapö^ 
tain. Einreiben 9^ Xht und Stelle« — - 
ttore. 

itercobilio ossium capitis. Es kommen neu- 
le Kinder vor, deren Kopfknochen un- 
pdar über -) einander geschoben sind, Mro 
1er eingeschobenen Stelle die Kppfliaut 
eine Falte bildet. Dieser Umstand Ver- 
it jedesmal einen geringern öder stär]j^e|p 
. %uf&' Gehirn. .', j 

Ja geringer Grad yon Intercalatio osüum^ 
urt sich noch, — Goetis macht .TJeb^r- 
9 Tpn aromatischen Kräutern j die Kqpf- 
sieht sich darauf s^usammen, und dieses 
j da£s auch die Kopfknpchen sich wie- 
)rmal in einander iiigen. . — Eine com- 
Intefcalatio ' aber, reponirt sich nichts 
rird tödtlich. 

Cutis tensa chrenUa **) i 

ie cJbii;pnische Spannung der Haut ist 
locb'^eiiicht beschriebene Krankheit, die 

e mig J!]oier^ ilir^n Flau finden , eben '$o die 
oh yerweiae hier auf meine Inaiiguxal*£iisser« 



- 50 — 

Nawüs materny^. Ein dunkelrotlies , her- 
vorstehendes, schon geschwiiriges Muttermal 
der blinken Brust und des linken, OhevArms, 
1)eBeiti|rte Goelh ebenfalls durch das Betupfen 
mit Höllenstein, indem es durch Eiterung 
schwand *)• 

• • • 

Rhachitis. 

Mhachids ^riiqkt sich auch zuvtreilen wohl 
nur durch einen Schwäche -Zustand aus, ohne 
sichtbare Knochenverbildung: die 'Kinder kön- 
nen und "Rollen nicht stehen > sie weinen und 
ächzen wenn man sie aufhebt, — dies ist der 
erste Grad der Krankheit. 

Bei Bhachitii: incipiens fangen die Kinder 
auch wohl nur an , schwer zu athmen (heben, 
Frovincialism). Und hier tritt auch oft eine 
Suffocatio ptriodica ein. (Bei den Brustkrank« 
heiten). 

Vieles Schwitzen , hesönders am' Kopf ^ ist 
auch eins der ersten Zeichen. 

Die rhächitischen Kinder haben eine ei^ 
genthümliche* Haltung der Beine, wenn sie 
frei auf dem Rücken liegen ^ sie legen sie näm- 
lich k^euzweis übereinander, ziehen sie her- 
auf^ und nehmen so den Bauch izwischen die 
Schenkel. 

fen, und selbst mcht nach dam Gebranch des 
iop. cauit. «— Ich öffnete auf dem kärseaten 
Wese die QeachwuLK mit der Lansette, und 
diackte das BJut ans, --> Die Dissertation von 
C. ZelUr, Praes. F* C. NaegcU «- kannte ich 
damals noch nicht« Anm*d,.V^ 

*) JUh habe diesen Fall aber nioht selbst gesehem 
/ . ■ ^ . . Anfn% dm. y^ 



r. 



— 51 — 

Der Urin dfir RhaehitiaHcIieD hftt einen spe- 
dfisdien Geri^b, nämlich einen Mäuse * Geruch« 

m 

Ihr Schreie!^ und Weinen ist j bei weiit^ 
rer Ausbildung. 9er Krankheit, ebenfalls. e2n' 
eigenthumlidies , tind dieses allein schon veir-^ 
räth eih^i^Ubten Ohr «dl^ Kranläeit f); / 

'••• ***** ■ 

Rhadbitische Kinder; Jbabea selten Dnrst^ 
auch- dann nicht, ^enn aia von einem inflaitir . 
matcnischen Fieber, mit. oder ohne topisc^ 
ASection, be|idliv]t/werden* 

Aitiber den g^ewotiintichen Peformitäteh 
am Kopf 9 haben sie öfters sehr didiLe Kopfe; 
und besitasen' ttehr Talent al^ andere Kindei^». 

Sie vrerdeh nie , oder äiiJjserst selten was«;' 
serlopfig. 

Es gibt rhachitische Kinder , die aber bei - 
ihrer KränUieit sehr gut ai^jg^hen : AhacIutU 
floriia, — Diese haben meistens den scrophu- 
losen Habitus. JBei ihnen beruht die Rhacnitis 
wahrscheinlidi - auf. wirklichem Mangel der • 
Knochenmasse. — Die Therapie ist hier nicht 
verschieden I ^ber die Prognose ist weit giin* , 
stiger: sie 'werden im Friih jähr und im oom- 
mer oft sehr schnell geheilt*. 

Bei der Behandlong versteht es sich Von 
selbst, dafs, wenn andere Krankheitszufalla- 
coexistiren ,. diese vorerst .beseitigt werden 
müssen, z. B, Husten, Durchfalle etc.— 
Es wird in de^ Bhacbitis durchgehends , und 

*) leh hörte einigemal Hrp. Dt. Goslit^ böim 
W«ftiieii im VoTsiRimer, -Mgen s ^^ds schreit «iik 
rbaohitiichsi KindV — worauf er -^sn Schraisc 
gleich , «n uassrer Uebsrseugnng, hereiobrin« 
CM lisCk Jttm. d. y. 

D2 



^ 54 — 

nbiigens noch mcht so gar selten vorkommt. 
Sie charakterisnt sich: „durch ein eigenes, 
glatt • roth - glänzendes Gespanntseyn der Haut 
im Gesicht, rorziiglich um den Mund hemm, 
auch in dsn Handflächen, Fafssohlen^ und 
zwischen aen Schenkeln, und durch ein too- 
ci^ssives Härterwerden derselben mit Zusam- 
menschrumpfung. Die Lippen werden von 
einer Kruste eingenommen , die sich zuweilen 
weit über die Mundwinkel hinaus f bis an die 
Wangen, erstreckt; unter derselben befindet 
sich eine schüfe Feuchtigkeit, welche die 
Lippen corrodirt, intern ^man, nach dem Ab- 
fall der Kruste , an einigen grofsern odter klei- 
nem Stellen, eine Consumtion der Substanz 
bemerkt. Auch zwischen den Schenkeln, um 
die Geschlechtstheile herum, entstehen leicht 
Excoriationen , und auch die Handteller und 
Fufs^hlen könoeUf wie die Lippen, yerschwä- 
ren. •;- Um die Krankheit wieder zu erken- 
nen, darf man sie nur einmal recht ^ gesellen 
haben, denn sie hat, so gut wie Scrc^heln 
und Hhachitis, einem ihr nur eigenthümuchen 
Habifusy ausgedrückt: durch ein sonderbares 
Verzogens^^ des* Mundes wegen jener Haut* 
Spannung, bei tief eingedrückter Nase gerad 
unter der Stirn , wodurch die innern Augen- 
ution — Wartburg bei F. E. Kitribitt. iQiS — 
die ich mir Obtigeni, naohdem ich nacb der 
Zeit Bwei Fälle dieser Krankheit beobaehcet 
habe, sur neuen Bearbeitung surackwfinschte» 
Ich gebe aber -^ meiner Absicht getreu — doch 
hier nicht mehr, als was ich im Wiener Insti« 
tut darüber gehört, nnd was ich gesehen habe; 
und benieifce nur, da£i ich meiiii' beiden Fill«» 
wobei aller Verdacht von syphiUüs^er Ursache 
wegfiel, wie Cntsta lactea, nichjffjfelis Weise 
Caaten) behandelt, und beide"" XÜider geheile 
ntbe. Jnm. d. V. 



-r 65 - 

winke! sehr' grob) stumpf i^i'ScLejiii^, ««dUph 
und YorsügUcli , durch einer' äulserst. platte, 
wie zumckgeschebeiieStird, bei übrigen? glms 
normal 'gebildeten Schädelknochen.*' 

Meistens liegt dieser Krankheit etwas Sy- 
jphilitisches zum Gründe^ dafür scheint wenig- 
stens der gute Erfolg der Behandlung zu spre« 
cheu) indem Galomel däi^ einzige ubd speci-^ 
fische Mittel dagegen, ist; Rec. CähnUl ofk, , 
gr, ifi* (nach dem Alter mehr und Vfeniger) 
Saccli. alb. drachm* j. m. div, in dos. yj. Abends 
und Morgens- eiAs* — - Zum. Getränk die\F7or« 
Trinitatis mit Milch ^ qnd zuwehen - Kley;6% 
bäder« , ,^- 

Allein sie yerschwindet Sitten ohne altd 
.Nachkrankheit; am längsten ^^gewifs bleit»eii 
die Spuren um den Mund hej^m, und verrat 
then dem Kenner stets die dagewesene Krank;« 
heit. — Sehr oft stellt sich Caries, oder eiM 
andere Knochenkrankheit ein; und Goelis skK 
verschiedenemal, in Folge diesef~ Krankheit, 
nach 7 — 9 Jahren noch' Carks sfiinae dorn ent^ 
stehen. — Oft auch entsteht blofs ein Tfoimr 
hmphaticuM , der aber auch , wenn er auf elnetfi 
Knochen sitzt, leicht Caries erregt. — Die 
Krankheit kann nun auch, was der bessere 
Fall ist , in Crusta lactta übergehen : es wiM 
sodann die Haut im Gesicht jetwas bräunli- 
cher, rauh; es stellt sich zuerst an^ der Stiri^, 
dann auch an andern Stellen des Geeichts, di# 
Slilchborke ein* 

Febris caerulea. 

Das, von Goelis so benannte, blaue Fie- 
ber, eine für sich bestehende Krankheit, die 
deshalb nicht mit Morbus cotruleus — >felche 



— w — 

nnv Sjmftcm einer Herzkrankbeit ist — > yer- 
weclufelt werden darf, ist ebenfalls noch ron 
Niemanden beobachtet »^ oder nicht beachtet 
.worden. Goefis hat sie auch nur gleichsam 
nominatimin einem Generalprotokoll Tom Jahr 
1799, nebst einer kurzen Pathologie, aufse- 
zeichnet. Von hier ging die Hauptsache da« 
Ton in die Salzb. med. chir. Zeitung, und 
wurde bestritten; indessen aber weisen die 
Erfahrungen des Instituts, die Existenz der 
KranUieit nach. 

Ihr Charakter ist folgender: Nur Kinder 
von 4 bis zu 12 Monaten sind ihr unterwor- 
fen , nie ältere , und meistens Kinder der är- 
misrn Klasse, die bei schlechter grober Mehl- 
kost, in yerdoi^benen feuchten Wohnungen 
aufgezogen werden. Die Krankheit kommt 
Anfallsweis: die Kinder werden plötzlich blau, 
die Respiration wird ängstlich , der Puls wird 
klein, hart, krampfhaft. Dieser Anfall dauert 
einige Zeit, verschwindet, nnd kommt wie* 
der; nach und nach werden die Anfälle hau* 
flger, und jGUefsen in einander. Die Haut ist 
oft mit einem klebrigen Schweifs bedeckt. — 
Der Tod erfolgt plötzlich. — Die Leichen* 
Sfihungen zeigen vorzüglich die Blutgefafse 
Ton Blut strotzend. 

Dfe Krankheit ist, abgesehen von dem 
damit verbundenen febrihschen Zustand^ haupt- 
sächlich kralmpfhafter Art; uÄd die Mittel, die 
Gpelis dagegen als nützlich befunden hat» sind 
der Liquor C. C. und andere krainpfs tillende 
XBttel , mit Schleim. Rec. Aq. fior. Chamomill, 
wie, ij. Uq. C. C, succ'^gtu vj. Laud. liq. S. 
gi»j* Tlncu Castor. gtt. vj. Mucil. Gumm, arab. 
Sjrup. JDiacod. ana unc. ß. m« d. s. Alle Stun- 



— 57 — 

r 

den einen T|ieeloffel voll. «— Daneben, lau^ 
Bäder mit einem Maafs Latigi^^ lange ge> 
braucht* — Ist hierdurch der krampfhafte Zu- 
stand gehoben , so sind Abführungen aus Ca- 
lomei y oder aus Rhabarber mit Magnesia, sehr 
zaträgiich. 

Es gibt auch dnen Schwdfs bei Kindern, 
wobei die Haut ganz blau -durchscheinend, — 
gleichsam wasserig« durchsichtig — ward. Die- 
ser Krankheitszustand ist, als ein chrooiscfaerj 
nicht mit dem Englischen Schwitzfieber zu 
rerwechselu. • • 

Die Verfahmngsart dagegen, die Goe/Zs 
als die beste befunden tiat, besteht kurz in 
folgendem : Man gibt innerlich ein leichtes 
Infus. coTU peruv* mit Milch; und äufserlich 
läfst man einige Mal im Tage die Haut mit 
Oleum Amjgdd. dulc. einreiben. 

Fehris. lenta. 

Das hektische Fieber entsteht auf man- 
cherlei Ursachen, nach vielen Krankheiten, 
wenn sie weit vorangeschritten sind; so anf 
Rhachitis, auf allgemeine Scropheln, Scröpheln 
des Unterleibs, auf Magern, u. s. w. 

.D|e Abmagerung des Halses ist eins sei- 
ner allerersten Zeichen. Das geübte Auge er- 
kennt es übrigens auf den ersten Blick ^). 

*} Et ift dieiaf such nicht ponderlich schwer, 
denn — die vorgeschrittene Abmagerung, bei 
welKer. klebriger, ofr auch trockener rsuher 
Haut» die, besonders im Gesicht, von den Jfa- 
senflageln su den Mundwinkeln herunter, über 
den geschwundenen Muskeln einige Falten wirft, 
wodurch ein solches l^ind ein altes Ansehen er- 
Eilt« — läfvt die Anwesenheit, der lenta sieim- 
Ikh tichsK errathsn, Jnm^ dn V. 



— 58 — 

lonerliGli bekommen die Kranken das <£te- 
cact; fruct. Quere. (S. Afrophie)^ Bemittelte das 
ZIecoct. Chinae (S. Hydroceph. c/iromc«}«''''Aeu- 
iserlich bisweilen y nach Umständen , das Ung^ 
Ahh. une. ß. Ung, NeapoUtaiu dratiim. ij. als 
Einreibung in den Unterleib, täglich zweimal 
einer Erbse grols. — Zum Frülistück bekom- 
men die Kinder einen .dünnen Eichelkaffee* 
Mittags- und Abends, ein dünnes Fapadl (But- 
tersüppchen) mit Eydotter, oder auch gestoße- 
nen Keis. 

Ist die lenta schon weiter vorgesehritteiiy 
.vielleicht mit Durchfair verbunden: jRec. Jn- 
fus* et JDecöct. (auch oft Infus, et j4quae Ruihae) 
äna unc. ij. Laüd. Hq, £lyd. glt. jj. Liq. C. C« 
.9UCC. gttfxv. m. — Auch (absonderlich Bemit- . 
telte) Rec. Aq.flor. Tiliae unc. ij* Mudl. Gamm. 
arab. drüchm. ij, Liq.. C C succ. gtt. xv, Sy* . 
rup, Diacod. unc. ß» nu Stündlich einen Kiu- 
derlüflel voll. 

. ^Wenn Kinder aus scrophulöser Oys^asie, 
JPebris lenta bekommen, so kann man anneh- 
men f dafs unter sieben Fällen bei sechsen -r- 
fßydrocephalus\iie Scene beschlieist. 

Tabes dorsualis» 

Sie wird behandelt wie febrisi lenta. China. 
— Spec. Alth. mit Zieh. Islandic. zum Theei.^ 

Febril intermittens» 

* ■ 

GoeVis gibt hier oft, mit dem besten Er- 
folg, das Fuhns Oonchar» lAmäcum allein , zu 
19 Gran dreimal im Tage. — Auch R. Infus. 
ßi,pecoct. ana unc. i — iJ. Sah ömmordac. gr. oc. 
^Xixtract. Taraxac. Uq. drachm» f.. A^le . zwei 
Ständen ciin Lö£fel. Wenn Infaictus zugegen 



sind, siigleich als Eioreibiiog das Vfig* ^nervin. 
ei NiopoliK ana. •>••''?• 

Krfimpfe imd QönViuhiontiU' . 

ConPidslorits, D{q GanVulsiönen d^ JXw- 
gebornen, (die Fraisen , in Westphatelrt Ter- 
inienen) haben meästiens Fkrenitis zam. Gtunde, 
und Goe//« will; durcbaus keine reizend -kraiiipf- 
stillende Mittel dagegen angeiwandt wissen, in- 
dem die Eraisen nur heftiger darauf Tf^vden. 
Antiplilogistica thun innerlich die besten DielA- 
ste. Calomel in kleinen. Gaben, en^eichende 
Bäder und Klystiere. — 

Catahpsls. . Ich habe nur einen Fall von 
Catalepsie hier beobachtet,, bei dem ein .Ver- 
dacht von Würmerli zugegen war« £9 wurde 
erst ein gelindes Ecc^roticum gegeben , so- 
dann das Calomel mit Valeriana wie bei W%* 
mern. 

JE|pi/epsi€. In einem Fall wurde gegebep : 
Jitc. Pulv» Conchar. Limac. unc. ß. Puly, tii. 
f^iderian. Untat. Man. (auch nicht) anadr'achnuß. 
Socdi. (dh. drachm, iij. rruf. Pids^. d«t*'Taglich 
zwei bi^'drei Messerspitzen. 

-IVwnii«* Wofern^ich mich recht besinne, 
so habe ich Yon Hrn. Dr. GodU das Gestand- 
nils Vernommen, däb er noch keinen NeUge- 
bornen mit Trismus habe retten können. 

Aufnchlagt^ Krankheiten. 

Scarlatina ^). Die Behandlung des Schar- 
lachs im Institut y ist die gewöhnliohe ) nach 
dem Charakter des Fiebers* 

<*) Da Kinder mit tonten Hauoiatfchllmi .liioht 
hiniig int Inititiic gsbvMht wer/ite, indem dsa 



••. Wenn im Schaff'lacMeber diBf AusßfcUag 
liicbt gelbörig heryorkommen vrill, so liat Goc- 
fis das Waschen des Körpers mit lauwarmem 
Wasser sehr rorlheilhaft gefahden, da l^nge« 
gen) 3/^^eV^treibei^de .Mittel , zun;i^ djte er- 
liHzenden, liier anfänglich. leicht schaden. 

jDie gesundesten Kinder bekommen zu-- 
weilen einen Ausschlag'^ der roth aussieht, 
tind sich an einigen Stellen so zusammenge- 
hen kann, dafs er einen täuschenden falschen 
Scharlach bildete « /• 

Morbillu Wenn scrophulöse Kinder die 
lüasern bekommen, so entsteht gewöhnKch 
nachh^ ein lentesciferides Fieber. (Die Be* 
Iiandlung bei /e^r. /entn). 

Wenn die Masern während der Vaccine 
aufiriäen, so verlaufen beide ungestört' neben 
Lander *). 

. Die Masern werden, ebenfalls nac^ dem 
l^ebergharakter. und nach den besbndeifn Zu- 
äilto y behandelt — antiphlogistisch - diapho- 
"teSspli. -* Dasselbe gilt von den . 

•Hfl . ^^ ■ • • 

Röthdru Die Ordination bei gan? ei|^a- 
chen Magern und Röthein ist: Rec, .jiq. flor; 

* jüi&ie . unc. iij. (auch Xnfüs, et D'ecöet. afia unc. 
iß.) [Spiriu Mirukr» drqchm.\j. Syriip. Jtih. 
ijrfc, ' 09 nu 

' ' . ■■ . k. 1 1 . »• . . , 

Fieber sie im Bette hält, so Iiann fibernaopt 
nur TYenig iarüh^ beobachtet -werden. Und 
wiewohl jeder der jungen Aerzte^em die Er- 
• laubnifs erhilfi» die^e und andere ^ianke in ih- 
\jc ^ xeu ' Wohnungen . zu^ besuchen , so ; entgehen ei- 
nem 'dabei doch die Bemefkuneen desjEIrn. Dr. 
Ooelis. ' • ■ Annii^V^: - 

• • $)iX>iese ErCJirmg wird jeder (taktische Arzt 

.WoU schon gen^^fibt luhen, jnai^ i^ y^ 



— 61 —- 

'. ' Sudahünül ' siüdl'^i jftnsschlag vonf kei- 
ner. Bedciutiuig, 4^ naeh irierem SchuHtzen, 
sich auf der Haut hält^* < Wenn er verschwin- 
det, so hinterliüst^^^ ^eix^e^jcibhelich^ (fft^^^) 

*^?^** ■ . .'■ I..;:.;- ..i .' ■■'■.-. . w.^. , 

■ I 

-• Tinea cojpith. Die tRhea Sst , so tv^ CVitl 
sta laetiü^iixiid. Herp^\ ' iäü:' oft scifophulösr^n 
Ursprung; denn so mti<<dj(9JSicroph^t-*K^nk-- 
heit im Gesicht Cru^m/acrea bildet 4. ;fi9| bringt, 
sie auf dem Kopf finm^ und am Leibe Htr^ 
fes' hferypr. Mertiviiiflfe * i^f es', dafe',' 'Wenn 
inani die trockene Borke yer/T'Ä^ß-^.fl^lil'gt»^ 
ptily6^ -^ in die feäcKte) Haut yön jemaääF. 
eline^ibt, eine lyahre Flechte 'entsteht. ' ' ' '' 

Die innerliche Behandlung der.ZSndff;. fst, 
wie. bei Spropheln. .7-^ /^^p/a tricolor mit üiUlch 
gekocht ^'iuin .Geträn jt* '^' Auf die trö^fenö 
Bbrkp wird eingerlet^en: Rec, Merc» präedp» 
rühr. gr. ccv. JBwtyr, wc znsuZg. tinc. /?. rf. -*-' ' 
Zur Erweichung, upd' Losung der allen Kru- 
sten ^ kann man l*ü^hö^ in PappeltheV (i^jf, 
Jtfa/C'.) tauchen, und ^überschlagen. ' . 

' ' Bei Brustbeschwerden yon vöitridbfene:? 
7^i€a , bekam «ih KffSd das f'uA^. ose^a^oüer^ 
mit Guajac und jiethiops antim. (Die Fbrmel 
bei Exanthem» scropA,) -.; f^^ ..♦. .^ 

' Crws/Ä /flcf^. Die Bfilchborke bfeiähdelt* 
6ö«/i5 durchgehends antisdrophulös^ *)'•"!';' . 

"*>; Fast jdle mir Toigelioinnij^nen FäUa; JhalK^ Ich 
»ftoh feiner Weise .siem^oh bald gdbeilts näm- 
lich mit dem Pulv.' ostracoderm. stc, mit einem 
!thee aus Herh. Tussi\ag^ n«btt lauen! ' Bädefn 
drelmtlin dtr^WV)e&^. Mtmi^d.'V* ^ 



— 62 — 

Hier, so wie bei «Ben tfcroph. Aiissdila-* 
gen« Üiut die Herb. TuagUapniM beaseie Dien- 
ste, als die Herb, Jaceae. 

Die Cnuta ladeä l^aim sich später zur 
Crusta urpiqinosa mnbildeo. Bei dieser hat 
GoiX» ,ßjphilis in Verdacht ; wenigstens ent- 
steht sie oft ex eauMa Bfphilii. - $crophu!osa,^ 

PemphiguB thromaa» Auch dieser wird 
antiscrophulos behandek. 

. Scabies. Es gißt einje Art Scabies — oder 
-vielmehr eine fisora Oitanea -^ die nicht an- 
steckt. Eine solche sehen wir häufig nach 
der Vaccination erscheinen* — Auch die scr4>- 
phulose Krätze ist nicht ansteckend. (S. psora 
scn^htäosa). 

Die SGttel gegen die Kiätze sind folgende: 
JRec. Magnes. mar. Sacdu M. ana drachm. i/. Flor» 
sulpKdrachnuj. m. Dreimal täglich einen halben 
bis ganzen Tlieeloffet toU» • — Herb. Tusülqg. 
zum Theo. — ^Zum Einreiben : Rec. Ung. suf. 
phur. • saponat. q. v» d. Zweimal im Tage einer 
halben Haselnuls grols , in die Theile die kei- 
nen Ausschlag haben, einzureiben. — Dieses 
Ung. ist besser als das ijiwöhnliche TJng. ad 
SeiSßsm. 

Interirigo* Das Wundseyn der Kinder ku- 
rirt Goelis ohne Furcht yor Metastasen, sucht 
aber während der Behandlung gleich am Kopf 
einen Ausschlag zu erregen. 

Di» Behandlung ist folgende: Mec» Aq^ 
Calds dbr. ß. Aca. Lytharg. gr. x^. m. Mit 
Leinwandläppchen ^ au&ulegen. — Zugleich 
das fJng. Muftrei auf den ISÖopf ^eiogerieben. 



— 63 — 

— Innerlich^ Morgens oiitV Abends |— ^J-Gr. 
Calomel. i--^ Die Flor. Trinitaib zum Theei > * 

* ' ' . ■ 

Wundsejrh d^r Ge&cliiechtstheile und des' 
Afters von sypliilitischer ttxsache. ' S)rcJ A^. 
Calais unc, iV, Agiere, suUirpäU. (cerr. gr^ J. 'Zum 
Waschen. — Innerlich (^alomel. 

' ' ••■."■■ -, . ■• ■-'":•." 

. Aphthae» R. Md. Ro^arf,^ vd cotnrnun» unc. j» 
Boraiu vtfuUßf^ ocv;. m*,fi Knctus 4, 8* YiermaX 
tägU(;h .d^e Schwänmich^fi, ^.^nut zu bestreik 
chen. Oder: &€C. ]!ätl./Ro8ar^imc.ji.Siyruf^, 
Möror^ üncd g^ Jßorac^ Vfiriu. iradm. ^•\ni.J, . 
JLincU -— Bei starker Entzündung im Munde^ 
ist der Borax zu reizend, man braucht dann ^ 
nur Me/ üosor. 

Wenn die Aphthen sehr überhand neh- 
men, so sind sie mit Fieberbewegungen ver- 
bunden, welche berücksichtiget werden müssen. 

Durch die, bei den Mundschwämmchen 
Statt findende Salivation, entstehen späterhin , 
oft Yerdauungsfehler. Am besten hilft hier 
ein aromat. Wasser mit Extracu ßramin. vd 
Taraxaci. 

Ramda. Die Behandlung wie bei Mund- 
schwämmchen. 

F^acdne. Kinder mit Cnata ladea^ dürfen 
vor allen nicht vaccinirt werden; sie können 
Fieber bekommen, abmagern, lentesciren, und in 
einen betrübten Zustand gerathen. Dasselbe gilt 
auch wenn andere Krankheiten zugegen sind ^}. 

*) Ich habe darehaus, weder von Cruita laetea^ 
noeh Herpes f noch Scabies , nachtheilige Wir- 
kungen aaf den Verlauf der Vaccine , oder auf / 
den Köqier des Vaccinirten, wahrgenommen^ im 
OegtnUieil far letztere oft Besserung. A. 



' \ 



p^ 64. - 

Die (schön hei Scabies angemerkte} mkch 
der VaccinatMii oft zum Vorschein kommende 
ELrätze S» fgora euianai^ in einem scrophnlo^ 

sen Subject, wird antiscropholos behandelt. 

•i 

ComhuBtiöneg. 

Bei heftigen , todtlich auslaufenden Yer- 
brenn'ungen^ sterben die^ &inder gey^öhnlich 
an Convulsionen« Wenn das Sensorium er- 
griffen wirdy so hSren die Conyulsionen noch 
yqr dem Tode auf, und* die Section' zeigt dann, 
daJb eine jipopkc^ aquosa^ dem Leben ein 
Ende gemacht habe/ 



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m. 



65 — 



III. 

Einige Notizen. 

über ' \ 

das Hermaiinsbad bei Muskau, 

deasan 
mineralische Trink- und Bade^uelle, 

und 

den^ Moot - oder Badeschlamm daselbst. 

Vom 

Geh. Räth Dr. Her mb st ad t 



' 111 Wi 



■Lias Hermannsbad hei' Mustau ist ein. Besitz«- 
thum des Herrn Fürsten von Pückler * Muskau. 
Dasselbe liegt am Fufse der allmählig sich ab- 
dachenden Alaunhtrge daselbst, mit der Fronte^ 
nach der Neifse zu , mit der JRücksdte an die . 
Alaunberge angelehnt. 

Die Entfernung des Bades von der Stadt 
JHuskaü und den» Fürstlichen Schlosse -beträgt 
ungefähr 3000 Fufs und kann im Zeitraum 
von 10 bis 15 Minuten zu Fufse mit Bequem^ 
lichkeit zurückgelegt werden. 

Der Weg dahin führt theils durdh den in 
engländischem Geschmacke angelegten Fürst», 
Jottni.LX.B«4.St* £ 



— 66 - 

Uchm Parky iheils geht er am Damm der Neifsc 
Entlang, bis eu dem Gebiete des BadtgartenSy 
woselbst das erste Badehaus sich befindet. Die 
ganze Fromenade daliin ist mit schattigen Plätzen 
zum Ausruhen -versehen. Das erste Badehaus 
ist rinss herum mit einer Veranda eingefafst, 
deren bitter mit Blumengewinden umgeben 
sind, von wo aus der Eingang zu den eben 

•«o bequem als geschmackyoU eingerichteten 

. Bädern führt. 

Ein Fahrweg, welcher voi diesem Ge- 
bäude sich hinzieht, führt zu dem neuen Badt» 
haust ^ so wie zu dem Logirhause, in dessen 
Souttrrains die Moor- oder Schlammbäder eta* 
blirt sind , denen die Abspühlungswannen äch 
zur Seite befinden. 

Vor dem Logirhause breitet sich ein an- 
genehmer freundlicher Rasenplatz aus , der mit 
den interessantesten Gartenanlagen und das 
Ganze umgebenden Bergen in Verbindung 
steht , zu deren Gipfeln die bequemsten Schlan- 
genwege leiten. 

Auf der dem Badehause entgegengesetzten 
Seite, in einem angenehmen Thale^ liegt die 
Trinkqudlt {Hermannsbrunnen genannt). Hier 
befindet sich ein Halbzirkel, in welchem der 
Hermannsbrunntn liegt, und eine im ländlichen 
Geschmacke aus Tanntnrmtrn und Moos er- 
baute Galleritj welche einen trocknen Gang 
bildet, ist zur Promenade für diejenigen be- 
stimmt, welche von dem Wasser der Trink- 
quelle Gebrauch machen wollen. 

Die KenntniTs von Aqt Existenz der in 
Rede stehenden Mineralquellen fallt in die ent- 
ferntesten Zeiten, wo man bereits einen nütz- 
lichen Gebrauch davon gemacht hat. 



^ 



— 07 — 

m 

Aber erst bn Jnfare 1822 machte der Ko- 
nigh Kreisphysicus und Fürsüfche Leibarzt Herr 
Doclor Kieemann zu Muskau auf den hervor- 
stechenden Eisengehalt gedachter Quellen auf- 
merksam , und. benutzte^ solche für seine Pa- 
tienten mit gesegnetem JBrfolge. 

Solches gab die Veranlassung, fürs Erste 
eine kleine aus wenigen Wannen bestehende 
Badeanstalt zu gründen, die mit so gliickli^ 
chem Erfolge in Gebrauch gesetzt wurde, dafs 
man sich in die Nothwendlgkeit gesetzt sähe, 
solche bedeuteqd zu erweitern , und am 28. 
Junius, des Jahres 1823 wurde sie als eine 
neue Badeanstalt feierlich eingeweihet und ihr 
nach dem Vornamen ihres Für8tliche^ Besitzers 
und Gründers der Name 

Hermannsbad 

belegt, unter welchem jetzt zwei verschiedene 
Quellen, die JBad6quelU (das Hermannshad) und 
die Trinkquelle (der Htrmannsbrunnen) zum Ge- 
brauch dastehen. 

^ Schon in jenem ersten Jahre det Grün- 
dung machten mehrere Fremde, die zum Ge- 
Bu£s der geschmackvollen Anlagen des Fürst- 
lichen Parks dahin gereiset waren, von jenen 
Quellen einen so heilsamen Gebrauch , dafs 
130 Personen als wirkliche Badegaste einge- 
tragen werden konnten; welche die Anstalt, 
befriedigt "^und mit Gesundheit gekrönt, ver- 
liefsen. 

w^Kaum war dieses neue Bad gegründet, so 
ridSile man auch sein Augenmerk auf die in 
mehreren Gegenden der Standes - Herrschaft 
Muskau vorhandenen Lagen von Moor oder 
Schlamm. Um solchen mit dem zu Marienbad 

E2 . > 



— ' 68 — 

bei Auschowitz in Böhmen zu vergleichen, wur- 
de der als achlbarer Chemiker bekannte Di- 
rektor des Fürstlichen Alaunwerks bei MuskaUy 
Herr Thomas nach Marienbad deputirt,^ um sicli 
mit den dortigen Moorlagern imd der Einrich- 
tung der Schlammbäder bekannt zu machen; 
und das Resultat dieser Untersuchung hat die 
grofse Uebereinslimmung des Moorschlarturus 
zu Marienbad und des zu Muskau aufser Zwei- 
fei gesetzt. 

Dieses zusammengenommen machte es 
wiinschenswer'th , auch von den Bestandlhei- 
len beider oben genannter Mineralquellen ^ so 
wie von dem' dortigen Moorschlamm eine ge- 
nügende Ketin^nifs zu erlangen, um die Aerzte 
und d<ns Publikum damit bekannt zu machen. 
Auf Veranlassung des Fürstlichen Besitzers 
des Hermannsbades wurde diese Untersuchung 
von dem Unterzeichneten an den Quellen selbst 
veranstaltet; deren Resultate, als Auszug ei- 
nes besondern Werkchens über denselben Ge- 
genstand, das in Druck erscheinen wird, vor- 
laufig hier mitgetheilt werden sollen. 

I, Der Hermannsbrunnen» 

Derselbe liegt in einem angenehmen Thale 
unweit des Badehauses. Das Wasser erhebt 
sich in einer aus Granit gebildeten Einfassung 
unter einem mit Sitzbänken versehenen Pa- 
villon, Seine Untersuchung geschah im Aus- 
gang des Maya 1824 an der Quelle selbst. 

Seine Temperatur einige Fufs unter dem 

Spiegel der Quelle beobachtet, betrug +7,5^ 

^ Meaumurj während die der Atmosphäre über 

dem Spiegel des Wassers -|- 9,5^ Heaumur 



- 69 - 

und , die der frden Atmosphäre , im ScUalten 
l^eobn^htet, -{- 1.4° JFLeaumur'za erkeuiien gab. 

, Die 8peci(ische Dichtigkeit des iYinkwas^ 
sers verhält sich, zu der des destilUrten PPas^ 
sers wie 1,043 zu 1,000, \ • 

Das Wasser ist völlig fbirt^enlos, klar üud 
durchsichtig. Sein Geruch zeigt das Daseyn 
einer Hydr6üuonsäW€ (ßchwefeltvasserstoff). 

Sein Geschmack ist hexvorst^ch^nd Eisen* 
artig , dabei schwach säuerlich und nach Schwt* 
fdwasserstoffs ' .:' . 

Dasselbe enthält an gasförmigen Bestand- 
theilen, in dem Volum von 32 Loth destil- 
Jirtem Wassers, nach Freufsisch - Brandenb* 
Duodez. Maafs: 

Kohlensaures Gas . . 3,1996 Kubikzoll. 
Hydrothionsaures Gas . 0,4267 — 
Sückstoff- Gas . . . 0,2843 — 

' ^ 3,9106 Kubikzoll. 

An festen salinischen Bestandtheilen in 
krystallinischem oder wasserhaltigen Zustande 
sind in einem gleichen Y^^'^"* ^®*^ Trinkwas-^ 
sers enthalten : 

Kohlensaurer Kalk . . 0,100 Gran. 

Kohlensaures Eisenoxydul . 0,271 — 

Kohlensaure Talkerde . . 0,179 — 

Schwefelsaurer Kalk . . . 0;833 ■— 

Schwefelsaures Eisenoxydul . 0,880 — ^ 

Schwefels'äure Thonerde . . 0,943 — 

Schwefelsaures Natron . . , 2,194 — 

Bituminöser ExlractivstolF . 0,500 — 

Kieselerde . . . . . 0,416 — 

Sunama 6,316 Gran, 



- 70 — 



i •» 



IL Die Badequtlle. 

Die Badequelle entspringt aus fünffach mit 
Alaunthon und andern Erdschichten abwech- 
selnd über einander gelogertee Braunkohlen '^ 
Flözen die mehr oder weniger mit Schwefel^ 
kiesen durchsetzt sind. Die Hnuptcjuelle, wel- 
che das zum Baden bestimmte Wasser liefert» 
liegt 28 Fufs tief unter Tage ; ihr Wasserstand 
beträgt 4 Fufs 2 Zoll. Das Wasser wird durch 
Saugpumpen gehoben , zum Erwarmen in ein 
Reservoir und aus diesem in die Badewannen 
geleitet. 

Die natürliche Temperatur zeigt hier 
-4" 6® R^aum. bei einer Temperatur der At- 
mosphäre um -|- 14*^ Reaum. 

Seine Farbe ist farbenlos, klar und durch- 
sichtig. ' . 

Sein Geruch schwach nach Hydrothion* 
säure. 

Sein GeschmaclL säuerlich, styptisch, ei- 
senartig. 

Die specifi$che Dichtigkeit des Badewas- 
sers verhält $ich. zu der des destillirten Was- 
sers wie 1,090 zu 1,000. 

«Die gasformigen Bestandlheile dieses Ba^ 
dewassers betragen für das Volum- \oii 32 Loth 
destillirteii fj^aasers berechnet: 

Kohlensaures Gas . . 3,555 KubikzoU. 
Hydrothionsaures Gas . 0,711 •— 
Stickstolf-Gas , . . 0,533 — 

4,799 — 

" An festen saUnischen Bestandthälen im *ry- 
^alHmschen Zustande sind in dem Volum von 
32 Loth destillirten Wassers enthalten: 






71 — 



0,500 Gran. 
0,660* — 
1,696 — 
0,833 — 

1,500 . — 
3,500 _. 

5,000 — 

6,166 — 

5,711 — 

1,600 — 



Kohlensaurer Kalk 
Kohlensaures Eisenoxydul 
Schwefelsaurer Kalk . 
Salzsaurer Kalk . • 
Salzsaure Talkerde < . 
Schwefelsaure .Talkerde 
Schwefelsaures Natron 
Schwefelsaures Elsen • 
Schwefelsaure Thonerde . 
Bituminöser Extractivstoff 

Summa 27,066 Gren. 

III. Der Moor^ oder Badesch!amn\. 

Der Moor- oder Badeschlamm findet sich 
in einiger Entfernung von dem Badehause in 
mehr oder weniger mächtigen Lagern. 

Seine Farbe ist ein dunkles Braun. 

Sein Geruch ist etwas dumpfig nach Scfme* 
felwaseeritoff. 

Sein Geschmack' schwach säuerlich dum- 
pfig. VestUlirtes PPasstr wird davon hell wdom 
gelb gefärbt; die Flüssigkeit riecht etwas nach 
faulen Eiern und röthet das Ijakmuspapier 
schwach. 

Aus 2000 Granen des Schlammes in na- 
türlichem feuchten Zustande, werden bei der 
Temperatur des siedenden Wassers entwickelt, 
an gasförmigen Flüssigkeiten: 

Kohlensaures Gas . . . 9,5 KubikzoII. 
Hydrothionsaures Gas . . 1,5- — 
Kohlenwasserstoff« Gas . . ^ 0,5 — 

11,5 KubikzoU. 



— 72 — 

Die im Wasser lösbaren Bestandtheile dier- 
selben bestehen in 2000 Granen des noch 
feuchten Schlammes in : 



Lösbaren Humus . • 


15 Gran. 


Schwefelsaurem Kalk. 


. 1,5 - 


Salzsaurem Kali . 


. 3 — 


Salzsaurem Natron 


. 3,5 — 


Schwefelsaurem Natron 


. 2,5 — 


SchwefeUaurer Talkerde . 


. 1,5 ^ 



Summa 27,0 Gran. 

In 2128 Gewichtstheilen des feuchten 
ilfoor. oder Badeschlammes zu Marlenbad bei 
Auschowitz sind an in Wasser lösbaren Be- 
«tandtheilen enthalten: 

Lösbarer Humus . . 14,180 Theile. 

Schwefelsaurer Kalk . . 0,860 — 

Salzsaures Kali . . . 0,000 

Salzsaures Natron . . . 0,130 — 

Schwelelsaures Natron . • 0,181 — 

Schwefelsaure Talkerde . 0,546 — 

Reines Natron . . . 0,050 — 

Summa 15,947 Theile. 

: Mit Ausnahme des reinen Natrons von un- 
bedeutender Menge Tdessen Daseyn neben der 
schwefelsauren Talkerae sich füglich auch nicht 
gut einsehen läfst,) und der Abwesenheit des 
salzsauren Kali, das im Moorschlamm in Mg,- 
rienbad fehlt, kommt dieser Schlamm mit dem 
zu Muskau in c[ualitatiyer Hinsicht der ander- 
weitigen Bestandtheile, völlig überein; dage- 
gen sie, in quantilativer Hinsicht, denen im 
Mushauer Schlamm nachstehen. 

. Was die gasförmigen Bestandtheile des 
Moorschlamma zu Marienbad betrifft^ so kann 



— 73 — 

hier aus dem Gninjie Leine Verglelchung mit 
denen des zu Mussau angestellt werden, weil 
der Schlamm z}\ Marienbad aus diesem Ge- 
sichtspunkt nicht untersucht worden, ist ^). 

*} Eine ausfahrlichere Beschreibung und Uiiter> 
euchung der Quellen des Hermannsbades bei 
Muskau wird in einer von mir aasgearbeiteten 
eigenen Ideiuen Schrift erscheinen. Die gegen- 
wärtige Notis soll allein dasu dienen, emsu 
weilen die Aerste auf das Daseyq^ derselben auf- 
inerjiiam an machen. 



— 74 — 



IV. 

Die 
Elektricität als Heilmittel 

durch neue Erfahrungen beslUtigl *) 

V o u 

Dr* Hofbauer 

SU Bielefeld« 



Uie elektrische Materie, dieser expansive 
Stoff in der Natur, über deren Phänomene 
Franklin bekanntlich zuerst eine Theorie ent- 
lYarf , aus der 3ich die Gesetze derselben hin- 

*) Mit Vcrgnfigen mache ich diese neuen Erfarun- 

fen liekannt, um die Aufmerksamkeit des Pu- 
likums wieder mehr auf die Anwendung die- 
ses grofsen Heilmittels 4^u erregen, was, eine 
Zeitlang durch den Galvanismus verdränet, siem« 
lieh geruhet bat* Aber ich kann nicht' unter- 
lassen, das, was ich schon öfter gesagt habe, 
zu wiederholen, dafs nach meinen Erurungen 
die Elektricität den Voraug verdient, weil sie 
besonders bei zarten Sinn es Werkzeugen , "weni- 
ger* die Gefahr der Zerstörung mit sich führt 
als der Galvanismus, welches wahrscheinlich in 
der mehr chemischen Einwirkung des letzteru 
liegt» wodurch er leicht im Stande ist, in «ar- 
ten Gebilden wirkliche chemische Zersetzungen 
und Desorganisationen h«rvorEubringen. 

IL 



— /5 — 

länglich erklären liefsen, wurde, wie wir^isr. 
sen, in dein ISten J.alirliüudert ein G^gen* 
stand dep Heilkunde. So grofs ihre Heilkraft: 
auch ist, so ivenig ausgebreitet ist doch noch 
ihre Anweuduug^ und es fehlt uns auch noch 
an hinlänglichen und Übereinstimmenden Be- 
obachtungen, um über die Wirkungen dersel- 
ben auf den thierischen Organismus bestimm-- 
te, und unumstofsliche Hegeln festsetzen zu 
können. Diefs hat seinen natürlichen Grund, 
theiis weil sich nicht jeder praktische Arzt, 
ja wohl nur hier und da einer, mit dem Ge- 
brauche der Elektrisirmaschinen beschäftigt, es 
also- an hinlänglichen Thatsachen fehlt, theiis 
weil man oft von diesem wichtigen Agens in 
der Natur gegen Krankheiten Hülfe erwartete, 
gegen die es nicht beilsam seyn konnte, der 
Arzt und Kranke also in ihren Erwartungen 
sich getäuscht sahen , und endlich weil man 
in vielen gegebenen Krankheitsfällen nicht ' 
anhalten<!^ genug dieses Heilmittel fortsetzte, 
und sogleich an der guten Wirkung desselben 
zweifelte , wenn nicht in einigen Wochen die 
Genesung, oder doch wenigstens die Besse- 
rung des Patienten eintrat. Zudem wurde bei 
4er Anwendung der Elektricltät ^egen Krank- 
heiten gewifs häufig nicht gehörig verfahren 
— wovon allerdings sehr viel abhüngt — und 
8ö dann von dieser Seite -alle Hoffnung zur 
Wiederherstellung des Kranken aufgegeben. 
So wie die Sache noch jetzt steht, hegt das 
Publikum, seihst der gebildete Theil *dessel- 
ben, eine zu üble 'Meinung von di«i Wirkun-' 
gen dieses gewifs so überaus grofsen Heilmit-- 
tels, scheuet sich ungeachtet jeder Vorstellung 
vor der Anwendung desselben, und läfst eher 
das IJebel tief einwnrzehi, ehe man sich ei- 



— 76 — 

/ 
I 

Der Kur unterwirft, die man sich iiotliwen- 
dig sehr schmerzhail und angreifend vorstellt. 
Es wäre sehr zu wünschen, dafs der prakti?- 
sche Arzt sich mehr mit Anwendung der Elek- 
tricitat gegen Krankheitszustände heschäüLigte, 
und die damit anzustellenden Versuche nicht 
\ den Physikern und Dilettanten so sehr über- 
liefse, was unausbleiblich zur Folge haben 
würde, dafs mit. der Zeit bestimmte Indica- 
tionen festgesetzt werden könnten» wo, wann 
und wie in gewissen Krankheitsfällen^ eben 
so wie von diesem oder jenem Grade diesies 
Mittels, unter diesen oder jenen Verhältnis- 
sen und Umständen, namentlich in allen lie- 
beln mit dem paralytischen Charakter, in 
Rlieymatismen und ähnlichen von diesem Mittel 
Hüjfe erwartet werden könnte. Zwar haben 
schon seit dem vorigen Saculum tausend und 
xnehi'ere sich mit diesem Gegen stände beschäf- 
tigt ; allein wir sind bis auf den heutigen Tag 
bekanntlich nur mit sehr wenigen erwünsch- 
ten Resultaten, die übereinstimmend sind, be- 
schenkt worden, und vielleicht aus dem ein- 
fachen Grunde , dafs , wie gesagt , bei den an- 
gestellten Versuchen bald zu wenig Beharr- 
lichkeit, bald ein unrichtiges Verfahren u. s. 
w. gezeigt wurde. — Giebt es in dem grofsen . 
' Reiche der Natur wohl irgend ein Agens, 
, 4^9 wenn nach den verschiedenen Ausgän- 
gen dieser Versuche immerhin die Stimmen 
r jder Aerzte noch getheilt sind, bei seiner so 
K grofsen und in vielen Fällen heilsamen Wir- 
kung und Veränderung auf die thierische Or- 
ganisation, als Heilmittel noch so sehr in ein 
Dunkel gehüllt ist, als die elektrische Mate- 
rie? Giebt es wohl ein ähnliches, von wel- 
chem die Heilkuade bei giölaereir Kultur des- 



i 



, ^ 



t. 



I • 



— 77 — 

selben und bei natnrgemäfs nufgestelllen Fjrin-- 
cipien für dessen Anwendung mit Bechl mehr- 
Jioiren könnte? Keinesweges. 

Beide Elektricitäten , sowohl die positive 
,nls negative, scheinen, so wenig feste Data 
■wit bis jetzt noch darüber haben , fast einer- 
lei Wirkung, auf den menschlichen Organis- 
mus zu äufsern, wenigstens haben jwir uns 
noch nicht in den Stand gesetzt , die Wir- 
kung des einen Pols von • der des andern auf 
den lebenden Körper SO/ZU unterscheiden, dafs 
wir in der Praxis den einen dem andern mit 
triftigen Gründen vorziehen könnten, wenn 
nuch die französischen Aerzte die Krankhei- 
ten schon mehr als einmal bestimmt haben, 
wo man den negativen und wo den positiven 
nnwenden soli. So viel aber scheint wohl 
gewifs zu seyn, dafs die Hauptwirkung bei- 
der Pole in einer sehr wirksamen Erschütte- 
rung und in einem durchdringenden Reiz au^ 
alle organische Gebilde , versteht sich öiif das 
eine mehr als auf das andere, indem die Reiz- 
fähigkeit nicht in aUen gleichmäfsig vertheilt 
ist ,. besteht. Aus dieser ersten und zwar 
Hauptwirkung des elektrischen Princips lassen 
sich auch alle' andere bis jetzt bekannte füg- 
lich herleiten, nehmlich dafs dasselbe direkt 
auf die Lebensthätigkeit einwirkt, neues Les- 
ben hervorbringt unter einer wohlthätigen Er- 
zeugung von Wärme, der Freundin alles Le- 
hens .u. s. w. Da nun die Elektricität mit 
allem Leben in so grofsem Einklang steht, 
und direkt die Lebensthätigkeit so sehr um- 
stimmt, sei es günstig oder ungünstig, sollte^ 
sie dann nicht in der Heilkunde, gehörig an- . 
gewandt, eine vouügUcli groAe tto^A ig 



/ . . 



— 78 — 

len? , Sollte sie nicht Krankheiten zu^heben 
verinSgen, gegen die der ganze ühvlge Appa^ 
ratus medkammum oft nichts auszuriclitea im 
Stande ist? Schon der Umstand « dafs die 
elektrische Materie mit dem O.xygen, dem so- 
l^enannten pabulum vitae, in so naher Bezie- 
'hung steht, läfst keinen Zweifel an ihrer gro- 
fsen Heilkraft direkt auf den organischen Kör- 
per mehr übrig. Elektricität und Sauerstoff 
stehen in naher Verwandtschaft mit dem 
Wärmestoff, beide finden wir in der At- 
mosphäre vereinigt, > beide befördern die Ent« 
wicKelung des organischen Lebens, und er- 
höhen die Lebenskraft. 

Da inclefs, wie gesagt, noch keine be- 
stimmten Regeln fiir die Anwendung der EIek« 
fiicität gegen Krankheiten, so wie des einen 
oder andern Pols, von den Aerzten aufgestellt 
sind, so bleibt dem Praktiker bis jetzt nichts 
weiter übrig, als die Indicationen fär die An- 
wendung derselben gegen Kifankheiten aus ih- 
ren sinnlich walirnehmbaren Wirkungen auf 
den menschlichen Körper zu folgern. Diese 
Wirkungen der Elektricität erscheinen so, dafs 
der ganze Organismus ihehr oder weniger eine 
Umstimmung dadurch erleidet, und weder das 
eine noch das andere System , weder das Ner- 
ven- noch Blut-, selbst nicht einmal das Kno- 
chensystem unangetastet bleiben, ja ein sehr 
starker Grad der Anwendung die ganze thie- 
Irische Oekonomie vernichtet, und schleunigst 
den Tod nach sich zieht. 

Wählend und kurz nach der Uebertra- 
giing des elektrischen Princips auf das Indi- 
viduum bemerken wir in letzterem einen völ- 
lig fieberähnlichen Zustand ^^ yenoehrte War- 



- 79 - 

meerzeugung , einen Iransitorlsch beschleuiiig- 
len Kreislauf ; die Diastolen und Systolen des 
Herzens folgen rascher und krftfliger «uf ein-^ 
ander, die Oscillatlon der Geföfee ist rer- 
mehrt und der Puls beschleunigt. In Folge 
des yermehrten Fulsschlages erleidet auch die 
Respiration eine Umänderung, da Puls und 
Athemholen auf das genaueste rerkettet sind, 
und ersterer £äufig die Formt Kraft, die Zeit 
und die Ordnung des letztern bestimmt. Auch 
die H6ut, als der äufserlich zunächst liegende 
Theil, wird davon ailLcirt^ und zwar nach 
dem Gtade deir Anwendung der elektrischen 
Materie. Diese verursacht hier verschiedene 
Empfindungen , das Bad und die Strömung ge- 
ben ihr die Empfindung eines Windes^ der 
einfache Funken erregt ein vridriges Stechen 
u. s. w. Hiernach äufsern sich nun auch ihre 
Wirkungen, so dafs die höhern Grade der. 
Anwendung sogar Rothe^es Hautorgans und ' 
erysipelatose Entzündung bewirken. Auf die 
Muskeln angewandt, bringt sie eine convulsi- 
vische Zusammenziehung derselben hervor, 
und erhöht die sogenannte Ha/Zer'sche Irrita- 
bilität Aafserdem hat die Elektricität einen 
mächtigen Einflufs auf aUe Ab- und Aussen- 
derungen ; sie befördert z. B. die - Excretion 
des Urins, die des Schweifses, des Speichels 
und anderer Feuchtigkeiten; sie stillt Kräm- 
pfe, hebt Stockungen, zerlheilt Congesüonen, 
und bringt eine gehörige Girculation wieder.- 
zu We^e. Alle diese guten Wirkungen der 
Elektricität beruhen auf ihrer Hauptwirkung, 
Reizung, Belebung! — und hiernach läfst 
sich die Frage beantworten, wo, in wel- 
chen Krankheiten ist die reizende, belebende 
Methode mit allen ihren Gradationen bei ii(h^ 



— §0 - 

tager Anwendung nun wohl als heilsaiti zu 
betrachten. — Das elektrische FJuidum ist 
also für das organische Leben ein Reiz, 
ein eigentliches Irritans, und wirkt vorzugs- 
weise auf das Nervensystem (denn die Ner- 
ven sind als die empfänglichsten organi- 
schen Gebilde für expansive Thätigkeit, auch 
die besten elektrischen Leiter , und ihnen* 
folgen gröfstentheils die elektrischen StrS- 
mungen im Körper nach), und also auch am 
meisten auf nervenreiche Gebilde, z. B. die 
Sinnesorgane , das Auge , das Ohr und andere. 
Im Auge bewirkt sie eine hellere Erschei- 
nung von Licht, wie Blitze, und zugleich 
Contraction der FupiUe. 

So hoch die elektrische Materie unter den 
Arzneimitteln bei richtiger Anwendung steht, 
so grofses Unheil kann sie bei unrichtiger nun 
auch anstiften. Ihr Gebrauch mufs daher in 
Ansehung der Art, des Grades und der Zeit 
richtig abgemessen werden, hauptsächlich bei 
reizbaren Organen, wie z. B. das Auge ist; 
weil hier sonst leicht Ueberreizung eintritt^ 
indirecte Schwäche^ und dann amblyopische 
Beschwerden , Entzündung der äufsern Gebilde 
und dergl. entstehen. In Ansehung des Gra- 
des mufs man in aUen Leiden ohne Ausnah-* 
me immer wie mit den Reizmitteln verfah-r 
ren^ nämlich stets ^nit den gelindesten Gra- 
den anfangen^ dann, wenn dieser die Besse- 
rung noch nicht herbeiführt, mit den star- 
kern Graden fortfahren, und so nach und nach 
die Anwendung dieses Mittels verstärken. Man 
miufs sich stets ^ei der Anwendung eines 
Elektrometers bedienen. Es ist sehr gut, wenn 

mim 



— 81 -. 

man zuweilen wälirend dieser Kur ekiige T%^ 
mit dem Gebrauch. ausseUt, damit man ^cht 
überreizt, und .zugleich dem Patienten «twas 
Ruhe läTst, damit er sich eiliolan kann. Yoii- 
ziiglich heilsam sind .solche Pausen, wann 
man die stärkern Grade de^ JElektricität in An-r 
Wendung bringt; weil sonst leicht ßin asthe- 
nischer Zustand hervorgebracht werden kann. 
Aych darf man den Krankea nie so lange und 
stark, den Wirkungen der Maschine aussetzjan, 
dais nach, dem gereizten .Stadium jedesmal eii| 
merklich fühlbares; Stadium der Schlaffhue^ 
und Ermattung eintritt. Ud!)erhaupt ist es 
besser , dieses Slittel lieber in einem gelindern 
Grhde und lange -Zeit- anzuwenden als. in 
einem höhern Grade. So wie die NeWeii 
die hauptsächlithsten Leiter des elektrischekk 
Fltiidums sind, so' folgt auch die Blutmässe 
den Richtungen der elektrischen Schläge, wes« 
halb man immer letztere nach dem Laufe der 
arteriellen Gefäfse leiten tüufs. Die Dauer der 
Kur läTst sich Torher nie bestimmen , und man 
mufs , um Recidiren vorzubeugen , inmier lan« 
ge genug b^i der Kut beharren, auch das Mit- 
tel- eine Zeitlang fortgebrauehen, bevor man 
sich von ihrör Wirksanäteit oder Unwirksam- 
keit- hinrei<!hehd überzeifgt, und dann auch; 
ohne Pausen zu machen; denn manchmial 
wirkt sie bald heilsam , manchmal erst, nach- 
dem sie eine Zeitlang continuirlich forgebraucht 
worden. . 

Nicht gegen alle Krankheiten kann dl9 
Anwendung oeA elektrischen Princips als heiL* 
s^m erscheinen;; nur bei schwachen^ wenig 
reizbaren , torpiden, Consti;tutionen mit wenig 
Lebenskraft , bei Maq^ jan^Erregba^teiti J^ 
Joanu LZ. B. 4» 8c» *" " ' "F 



- 82 — 

Cachektischen mit Erschlaffung y bei Aspbycti- 
sclien ist dieses Dlittel zulässig , überhaupt im 
Allgemeinen nur in allen Krankheiten mit 
dem Charakter der Asthenie, der Lähmung. 
Sie potenzirt hier die Lebensthatigkeit wie 
ein Zaubermittel, erhebt die Nervenkraft, giebt 
Wärme und bringt mit einem Worte neues 
Leben hervor. Schädlich hingegen ist sie bei 
sehr empfindlichen reizbaren^ Subjekten , bei 
allen sthenischen Krankheiten, bei acht in- 
flanunatorlschen Leiden und bei Plethoriscfaen. 
Sei letztern kann sie Gefäfse zerreiben, und 
so augenblicklich den Tod herbelfiihren. 

Oft heilt die Elektridtät gegebene Krank- 
heiten allein , am häufigsten in Verbindung 
mit andern Älitteln unter einem diätetischen 
Verhalten , das dem Charakter des Leidens 
zuspricht, selten gar nicht. Dia ich seit eiair 
^en .Jahren die Elektricität gegen Krankhei- 
ten f gegen die sie mir .picht unpassend- zu seyii 
achien » dann häufig in Anwei|dbui^ setzte, 
.wenn sich von. andern Arzneimitteln nicht 
viel versprechen liefs, oder diese keine gute 
Wirkungen äufserten, so erlaube ich .mir, zwei 
meiner Beobachtungen , die es -mir werth zu 
sejn scheinen, hier dem ärztlichen Fublico 
niitzutheilen. " : 

Er$te Beobachtun'g. 

Ein Mann von einigen und dreifsig Jah- 
ren , mit dem Handel beschäftigt, w^ von 
seiner frühesten Jugend^ an sehr schwächlich, 
und litt schon früh an mancherlei Nervefn« 
Krankheiten, die seine kor{>erSche Entwicke-^ 
lüng, und auch di'ä 'seines Verstandes seh^ 
behinderten . Seine Erziehung war eben tkitbt 



— 83 — 

sorgfältig gewesen, aach sein Körper sehr 
verwahrloset. In seinen spätem Jahren war 
er Ton einem Nervenschlagis befallen^ wodurch 
nicht nur seine Geistesthätigkeit noch mehr 
geschwächt, sondern anch seine Sprachorgane 
als Folge zum Theil gelähmt wurden. Alle 
gesuchte Hülfe war vergebens; er litt nun 
Läufig an Convulsionen, und die partielle Läh- 
mung seiner Sprachorgane blieb nach wie 
vor in demselben Grade, so dafs seine Worte 
nicht allein undeutlich und fehlerhaft, sondern 
auch fast ganz' unverständlich waren. 

Als derselbe vor einigen Jahren bei mir 
ärztliche Hülfe nachsuchte, fand ich seine 
Leiden sehr tief in einer verletzten Organisa« 
tion des Nervensystems begründet. Der er- 
littene Anfall von Apoplexie hatte einen ho- 
hen Grad von Reizlosigkeit des Nervensystems 
zurückgelassen; alle Functionen seines Kör- 
pers waren dabei ohne Kraft und in einem 
höchst torpiden Zustande, sein Ansehen Mals 
und elend, seine Kräfte dahinschwindend, die 
Bewegung seiner Glieder unsicher, sein Ner- 
vensystem zerrüttet, sein Gefäfss3rBtem blut- 
arm und seine Verdauung und Ernährung 
gingen schlecht von Statten. Die partielle 
Lähmung des Nervensystems erstreckte sich 
bis zu den peripherischen Bamificationen , so 
dafs die Emp^ndlichkeit seines Hautorgans 
und sein Tastgefühl sehr dadurch vermindert 
waren. Zugleich war die ThätigkeitsäuXse« 
rung derjenigen Nervenzweige, welche die 
Bewegung vermitteln ^ besonder« in seinen 
Gliedmafsen , sehr herabgestimmt. Die vor- 
handene oben erwähnte Gloesoplegie^ mit ei« 
ner verminderten Empfindlichkeit dee 6#- 

F2 ' 



— b4 — 

sdimacksJnns vergesellscliaflel , wnr auch jetzt 
noch in demselben Grade vorhanden, und 
machte das Kauen der Nahrnngsinittel i wo- 
durch die Verdauung noch mehr gestört i/^er- 
den mufste, und auch den Deglutition&pr^eefs 
beschwerlich. Einige dieser Krankheitserschei- 
nungen hatten sich nicht langsam und allmäh- 
lig ausgebildet, sondern waren plötzlich als 
Folge des erlittenen nervösen Schlagflusses 
hervorgetreten, und erschienen also als se- 
cundäre Uebel, andere hatten sich zuerst spä- 
terhin durch das Zunehmen der Reizbarkeit 
und der Schwäche des leidenden Organismus 
gezeigt, und sich durch ein ganzes Heer von 
Vorboten angekündigt > unter denen sich vor- 
züglich der sensus formicationis , die Empfin- 
dung des Einschlafens, der Schwäche und der 
Kälte der Glieder, so wie ein ejaergieloser 
Puls auszeichneten. Bei dieser höchBt trauri- 
gen Zerrüttung der thierischen Organisation 
konnte ich nur eine sehr trübe Prognose stel- 
len , und keinen andern Ausgang erwarten, 
als eine lan^ani. eintretende gänzliche Auf- 
lösung; denn die Zerrüttung des Körpers war 
zu allgemein verbreitet, die Verdauung zu 
schlecht bestellt, und die Ernährung gestört. 
Trotz aller dieser ungünstigen Umstände achlug 
ich folgendes Heilverfahren ein* 



r . 



Da die Reizbarkeit und ThätigJ^^it der 
Nerven theilweise erloschen waren, so suchte 
ich diese durch die Anwendung der kräftig- 
sten Excitantia , und wegen geschwächter Ver- 
dauung xhit gelinden bittern, magenstärken- 
den Mitteln verbunden, wo möglich wieder 
hervorzurufen, und verordnete daher inner- 
lich den Gebrauich der flüchtigen Mittel, des 



— 85 — 

Kampliers; des Ammoniums und dessen Prä^ 
parate, allein umsonst. Nachher versachte 
der Kranke die versiifsten Säuren, die Blittel, 
in denen ein ätherisches Oel vorwaltet, diese 
Oele selbst und andere', jedoch blieb die er- 
wünschte Wirkung aus, und nichts schien 
diesem Uebel 2^bhelfen zu können, obgleich 
auch äufserlicfa alles ^ was die Anzeigen er- 
forderten, Einreibungen aromatischer, spiri- 
tuöser Arzneien, .trockne. Schröpfkopfe, Senf- 
und Blasenpflaster, Bader mit aromatischen 
Kräutern, animalische und Ameisenbäder und 
dergl., geschah. Gegen die partielle, sogleich 
nach dem Schlagflufs zurückgebliebene Zun- 
genlähmung hinterliefsen auch oben genannte 
Arzneien, topisch angewandt, sowie die Ma-^ 
stkatoriaj i. B. Radix Pyrethrin Imp^ratoriae, 
ilrmoraciae* und andere, keine gute Wirkun- 
gen. ^Ich nahm zu der Eleptricität meine Zu- 
flucht) und fand diese jetzt um so mehr in- 
dicirt, als die meisten dieser paralytischen 
Beschwerden deuteröpatisch nach dem Schlag- 
flufs erschienen, und in diesem individuellen 
Falle die Theile mehr schlaff, kalt, der Puls 
ohne Energie waren, und alles einen Mangel 
nn Reizbarkeit verrieth« Die Anwendung die- 
ses Reizmittels, nach den oben angegebenen 
Grundsätzen verfahren, blieb nicht lange ohne 
guten Erfolg, und die Besserung ging noch 
rascher vor sich, als der Gebrauch der rei-' 
zenden Bäder, vorzüglich der mit Ameisen, 
bei einer reizend und stärkenden Diät, da- 
mit verbunden wurde. In einer Zeit von 
etwa vier Wochen war der Kranke so weit 
wieder hergestellt, d(ifs er verständlich wie- 
<cler reden , und seine Glieder mit ei- 
ner nicht ganz unbedeutenden Kraft wieder 



/■ 



- 8|6 - 

anwenden konnte. Dabei hatten alle Futkk- 
tionen seines Körpers einen ziemlich hohen 
Grad von Energie wieder erlangt, jene £mr 
dfindupgen von Ameisenkri^chen und von 
£ins<^hlafen in den Gliedern waren gänzlich 
verschwunden, der Tatient genielst noch jetzt 
mit gutem Appetit, und erfreut sich ^iner 
bessern Gesundheit. 

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Zwtit^ Btobachtung. . 

Ein Maler von schlankem Korperbau und 
schwächlicher Leibe^onstitution , wurde in 
seinem 27sten Jahre, während er damit be- 
schäftigt war> ein Zimmer zu bemalen, plötz^ 
lieh von einem Nervenscblag gerührt« Durch 
eine zweckmäfsige Hülieleistung kam er bald 
wieder zu sich, und genafs vollkommen , au- 
fser dafs ein grofser Grad von Zungenlähmung 
zui^ückblieb , wodurch m^hr die Bewegung der 
Zunge erschwert wurde, als das Gefühl der- 
selben und der Geschms^cksinn litten. Die 
Arzneien, die er sich von mir erbat, bestan- 
den aus scharfen reizenden Substanzen , und 
sollten' durch ihren £eiz, den sie auf die 
Theile im Munde vorzüglich he)rvorbringen| 
eine gröfsere Belebung der Zungennerven be- 
wirken, als Gewürznelken, Ziramt, PfefTer, 
die sogenannte Speichelwurzel ^ MeisterWurz 
und andere, als Kaumittel angewandt; dann 
auch die ätherischen Oele , auf Zucker ge- 
tröpfelt 'und langsam im Munde zergehen zu 
lussen. Allein auch in diesem Falle vermoch- 
ten diese Mittel das gegebene Uebel nicht eher 
zu heben , bis das elektrische Fluidum mit- 
telst einer Maschine zugleich kräftig eingriff. 



Ich elektmirle -deit Kranken f völlig isolirt, 
täglich von fünf bis ' zehn Minuten einige 
Tage hindurch 9 und lockte ihm nachher je-: 
desmal einige Funken aus der Zunge, und 
zwar von Tage zu Tage vreniger. Dadurch, 
und durch die gleichzeitige Anvrendung obi« 
ger Kauinittel erhielt djp gelähmte Zunge ihre 
fast gänzlich verloren^ Bewegungskraft vne- 
der, wurde .vpa. Tage -Su [Tage^'beweglicher, 
und Faüeqt sedier Sprache in 8^chs;Bebn Ta- 
gen vdeder nAdttlgTi 'atM'-^ä-'^ dbn Bach^< 
Stäben ^{.,c^u4H:ie)t^t:..xu)i;]|||tAiQbt. recht ver- 
ständlich wieder aussprechen 'l^nn. 



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BeobacKtungeii u>; Vergleichungen 

Verschiie^deirer Schrifikfeller 

•leer und nener Zeit 
im Gebiete der Arzneiwissenschaft 

Von 

Dr. J. A. Pitschaft, 

QtoUhexzoQh Bad^nschen Hof- und Medizinal« 

Rathe zu Carlsrulie. 



(FortsetEiüig, S« Jouxnftl September.) 



Mn Wort über den Kropf zunächst in thtrapm-' 

tischer Beziehung. 

fr ichmann hat Struma und Bronchoceh streng 
unterschieden wissen wollen. Es ist allerdings 
wahr, dafs Vergröfserungen mit mehr oder 
weniger Verhärtung der Schilddrüse vorkom- 
men, wobei di^e übrigen Theile des Halses 
ihre vollkommene Integrität haben ; diese Ver- 
grofserung der Schilddrüse bildet dann eine 
in genau begrenzten Umrissen sich darstel- 
lende Geschwulst, und die vergröfserle Schild- 
drüse läfst sich deutlich fühlen. Diese Ge- 



— 69 — 

schwulst kommt ohne Scropheln vor, doch 
ziehen manchmal Scropheln, besonders wenn 
sie bis ins Mannes- Aller dauern, die Schild- 
drüse* mehr oder weniger in Mitleidenschaft. 
Wir wollen sie mit fflchmann Struma nen^ 
nenV Bei dem eigentlichen Kropf, Bronchocelt 
von Pflehmann genannt , ist im Anfange eine 
mehr bewegliche, Bchwammigle Geschwulst ' 
vorhanden, das Zellengewebe ^ das zwischen 
den Muskeln und der Muskelsubstah^ selbst liegt, 
fiihlt "sich ischwammigt -aufgelockert an , die 
Muskeln selbst' werden yerschdben, und kleine 
Balggeschwülste bieten sich dem forschenden 
Finger dar, welche sich, besonders wenn sie 
grofs sind ^ vrie ein Mphbemä anfShlen. Diese 
Degenerationenf>fraglicher Theile kommen aber 
fast immer mit einer' Vergröfserüng und Yer- 
bärtung '^er Schilddrüsen Tcn Ist das TJebel 
alt, so fühlen sich die Theile härter ^ liSr- 
nigt| ja knorpeligt ai». 

Bei der reinen Struma wirken Qaecksil- 
bereinreibung und ein 'erweichendes Pflaster 
nicht selten schon hinreichend , doch hat das 
Uebel denselben auchhartnäckig getrotzt. Kleine 
Gaben Belladonna und Digitalis wirken hier 
ungemein wohlthätig. Bei Bronchocele , also 
bei dem eigentlichen Kropf, hat mir der ge- 
brannte Schwamm, Herb. Belladonna JDlgUaL 
purp» Aethiop. mineraU Cönch. praeparat,^ kleine 
Gaben Pfeffer und Bad. Pyretlu^ ungemein 
wohlthätig gewirkt. Aeufserllch gab ich Queck- 
silbereinreibung ; auch Liniment. sapoTiofü-com- 
phorät, Neuerer Zeit habe ich inich mit sehr 
glücklichem I^rfolge das Kali hydroiodinicum als 
Einreibung in den beiden Fällen, eine halbe 
Drachme auf eine halbe Unze Fett, bedient* 



^ 90 — 

Die Jodine habe ich innerlich noch nicht ^ge^ 
braucht, und ifverde 8le schwerlich gebrau- 
chen. — Gegen Bronchocele von hartnäckiger 
Art, 'will ich hier eine höchst wirksame Com- 
püsition anfuhren. JRec. Spong, in fragmuu. 
Lapid. Spongiar. ana unc^ vüj* Agaric. Musqßt^ 
rnundat. MandibuL {maxilU) Lucü Piscu ana unc, iV. 
Conturant^ /. pulvis. 8, Pulvis ad Bronchooelu 
Rec, Pidv» ad Bronchouk une. iij, Cpj. <:• ;Aq^ 
comm. Ubr. x. ad remamnu libn iV. cid adde 
Rad. Pyreth. Piptr. rugr. *) Gort. Gnamamr ana 
4rachm^ iy. Sah culinar. unc^ j. Stet len. calor. per 
hör* coij. Colat. et ßltr. D. 8*.j1qua ad Brqn^ 
choceh. Davon läfst man nach Umständen 
Morgens eine Stunde nach dem Friihstiick, 
und.Na^hJuiittaga 3 — -4 Stunden nach' der, Ver« 
dauang einen, bis zwei Elsloffel voll nehjmen« 
Man kann etwas Zuckerwasser darauf trinken 
lassen. 

!Vicht selten schwillt Jungfrauen währenii 
der Teriode der Pubertät der Hals an; diels 
nimmt während und vor der Menstruation zu, 
und nach derselben ab. * Marrchmal erfordert^ 
das TJebel leichte Antispasmodica äufserlich 
und innerlich« Aehnliches nimmt man- bei 
Jünglingen wahr , wenn sie den Uebergang 
zum Manne machen. 

Es glebt noch eine andere Art von dickem 
Hals. Die Muskeln verlieren ihren Ton, ihre 
Schlichtheit, sie nehmen im Umfange zu, 
werden gleichsam breiter , aber lockerer , sel- 
ten gewebartiger. Es präsentirt sich der Hals 

*) Dioscorides empfiehlt ein Pflaster aus VfeSet nnd 
Pech gegen den Kropf. Dieses Pflaster ist aach 
in des Mathioli Kräaterbucb , herausgegeben 
durch Joachim^ Cammsrarius, empfohlen. 



— 91 — 

in seinem ganzen Umfange in einer gewissen 
Breite mit allgemeiner Substanzzunahme, ohne 
dais man eine besonders begrenzte Geschwulst 
wahrnehmen konnte. OH: bleibt ein solcher 
Zustand auch nach gehobener Bronchocele 
zurück. 

Diese Species ist selten. Die äufserlichen 
Mittel , die hier vcMfziiglich wirken ^ sind OU 
Tirebinth. Bals. peru^, Tinct, CarHhwrid. Spir. For-i 
nücar» Tinct. Chenopod, Ambfoi^ Ii^nerlich wirkt 
die angegebene Composition gewohnlich wohl^ 
thätig. Doch ist diese Art von dicken Hals 
oft angemein hartnackig, und nicht ganz zu 
heben. 

Noch eine andcire Art von Kropf gibt es, 
wo sich über der Schilddrüse gerade unter 
dem . Latissimus colli eine begrenzte Balgge« 
schwulst vorfindet, und die sich ganz elastisch, 
dem Finger mit -einiger Prallheit nachgebend, 
anfühlt. Ich sollte dafür halten , dafs das Ue- 
bei am besten durch eine Fontanelle oder durch 
das Walter^Bche Causticum geheilt werden 
dürfte? — Diese Balggeschwülste sind be- 
kanntlich mit einer lympfartigen flockigten 
Flüssigkeit angefüllt. 



Ein Wort über Pollutionen und schmerzhafte 
Mrectionen^ herrührend von Hämorrhoidal ^ 

Congestionen. 

Ich habe schon einigemal bemerkt, dafs 
Jünglinge , mehr aber noch junge Männer von 
24 — 25 Jahren im Polliulones nocturnae und 
schmerzhaflen Erectionen des Tags leiden, ge- 
wohnlich sind es solche, die bei Kopfarbei- 



— 92 — 

beiten Sitzend den gröfslen Thell des Tages 
verleben , die sich keiner ausschweifenden Le- 
bensweise hingeben, die auch nie Onanie ge- 
trieben ]iaben *), welche sich bei aller psy- 
chischen Anstrengung iind Diät nicht von die^ 
«em Uebel befreien können; deren Uebel von 
MoJinüna haemorrhoidion herrührt /welche ge- 
wöhnlich Erbschaften sind. Nicht selten wen- 
den gegen diesa Uebel Sensibilitätsgifte und 
und andere IVervina, kalte Waschungen, Bä- 
der, ganz TergebUch gebraucht. Roborantia 
ver!mehren das Uebel im hohen Grade. Jtlich 
hat die Erfahrung: gelehrt, da& man bei der 
Hälfte dieser Patienten immer diese hämor- 
rhoidalische Anlage findet. Mau mufs also 
darauf sorgfältig Rücksicht haben, und genaue 
Untersuchungen in dieser Beziehung anstellen. 
Diese Subjecte leiden nebst den gewöhnlichen 
Hämorrhoidalbeschwerden an leichten Eichel- 
trippern , nicht selten bilden 'sich kiein3 Bläs- 
chen an der Eichel und der Herpes praeputia- 
Bs^ die Clat^dulae odoriferae glandh «onderu 
ungewöhnlich viel von der bekannten zähen 
Feuchtigkeit ab. Sie klagen gewöhnlich über 
eiii lästiges Jucken an der Eichel und atich 
nicht selten am Scrotum, das manchmal schmerz- 
haft wird« Der Beischlaf verschlimmert das 
Uebel. Und selten ist die Saamenergiefsung 
phn€t einiges Schmerzgefühl. Gegen dieses 
die Gesundheit so sehr untergrabende Uebel 
habe ich mich schon sehr oft der Schwefel'- 
blumen mit Cremor tartari inft ganz ausgezeich- 
netem Erfolge bedieut. Ich verbinde damit 
nach Umsiänden JRxtracium ITyoscyami und 
Baldrianthee. Mäfsige Diät, Bewegung, Ver- 

■ 

*} Es kommen tber auch welche vor, die es ge« 
than haben» 



— 93 ^ 

melJung Llti^iger Getraiike, und härtllclies La- 
£i:er XDiifs die Kur unterstützea. Nicht selten 
klagen Manner Ton 45 — 50 Jahren, und ge- 
wöJmlich sind es kräftige, Menschen, über 
schmerzhaftes Ziehei^ der Hpden, lästige Erek- 
tionen bei etwas angelaufenen Geschlechts^ 
ih eilen , auch hier vermehrt der Beischlaf die 
Beschwerden. Mehr als einmal habe ich nach 
genauer Untersuchung den Grund davon in 
diesen moUnünihus hatmorrlioidum gefunden, und 
auf ähnliche Weise geheilt. Es versteht sich 
Avohl von selbst y dafs hier oft Falle vorkbm- 
men , wo der Adetlafs ungemeia wohllhäüg 
wirkt, und die fraglichen Miitel unterstützt, 
liier ist das mineralische Schwefelwasser 
ebenfalls von der besten Wirkung. Man ver- 
gleiche damit die Trofluvien des Mannes, imd 
der Scheide bei Frauen , die nicht selten in 
MoUmirübus haemorrhoidipn ihren Grund haben. 



Frieselartigir Amschlag bei Gehirn^ und Büchm" 

marksverluzung» 

Ich habe einmal bei einem Gehirnbruch 
eines 7jährigen Mädchens» und bei einer Ver- 
renkung und Verschiebung des öten Halswir- 
bels eines 15jährigen Mädchens, worauf Läh- 
mung der 4 Exfremitätien erfolgte, woran die 
Kranke 8(<irb , einen Frieselausschlag, der dem 
bei der febrig nervosa hydrocephattca vorkom- 
menden sehr ähnUch sah, bemerkt. 



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t « 



— 94 — 

-Elfi Wort über die Ahe. 

Dafs die Aloe unter die abfubrendep Mit- 
tel gebort^ welöhe die Thätigkeit im Blut- 
system erhöhen, dafs sie zunächst das Leben 
des venösen Systems steigert, namentlich die 
Thätigkeit und die Vitalität des Pfortader- 
iind hypogastrischen Systems erhöht und for- 
dert, wird wohl keinem guten Beobachter 
entgangen seyn^ so wie auch, dafs sie die 
Sensibilität der dicken Därme , und besonders 
die des Mastdarms erhöht. Dafs ihr anhal- 
tender Gebrauch Hämorrhoiden hervorbringen 
kann^ das |st gewifs,> daraus geht aber gar 
nicht hervor, dafs sie nicht bei denselben und 
gegen dieselben nach Umständen gegeben wer« 
~den dürfte. Im Gegentheil ist sie bei acht 
passiven Gongestionen in fraglichen Blutge- 
fäfsen, bei Obstructionen der Leber, der M1L5, 
bei Fhysconie dieser Organe, wo Molirmna 
haemorrhoidum obwalten, blinde Hämorrhoiden 
vorhanden sind, ein sehr zweckmäfsiges Mit- 
tel, dieselben fliefsend zu machen^ und' auf 
länge Zeit hin zu heilen. Ja auch bei flie- 
fsenden Hämorrhoiden, wenn Plethora torpida 
in diesen Systemen hervorstechend ist, wenn 
das Leben dieser Organe abgestumpft ist, was 
nicht selten bei alten Schlemmern und Wol- 
lüstlingen der Fall ist; ist sie ein vorzügli- 
ches .Mittel. Daher sagt, schon JRhazes mit al- . 
lem Recht: ^^Si quis äutem in anopatiens^ nisi 
calidae fuerit compleccionis^ ipswn su- 
mere voJuerit.'^ . De re medic, Lib^ 8. C. 54. 
und Liih. 1. C 144. aperit orißcia haemorrhou 
dum^ qui ergo haemorrhoidibus laboratt ejus 
eget acceptione* Und solche Fälle sind es^ (denn 
bei erhöhter Thätigkeit des Blutsystems , )ieim 



- 95 - 

Charakter der Synocha ist sie durchaus nicht 
angezeigt), wo der Satz des JOHoscorides glch 
bewahrt. ^^Sangim ex häemorrhoidibus eruptio^ 
nes s«/if." Die meisten " Schriftsteller ' der al- 
ten Welt und viele der ältesten der neuen 
Welt enthalten ähnliche Sätze. Doch giebt es 
auch einige, welche si^ schlechtweg . bei Hä* 
ihorrh'oiden verbieten. So z» B. der Syrer 
Jähiah Ebn MasfWiähp tv^elchen ich aber noch 
Glicht gelesen habe, dessen^ Mdnung aber SeA 
rüpion anführt. Dafs die Aloe in der Gelb- 
sucht ein gro&eä Heilmittel ist, hat mich 
die Erfahrung hinreichend gelehrt; Freiherr 
von Wedekind hat dieses ebenfalls bewiesen. 
In. welchen Fällen sie ein Fmmenagögum ist, 
ergibt sich nach obiger ' Voraussetzung auch 
von selbst. Ich habe mit diesen wenigen Re-r 
flexionen nur meine Erfahrungen, die ich 
glaube sehr nüchtern gemacht zu haben , aus- 
sprechen wollen. Denen, welchen die Sprache 
nicht neu -gelehrt genug ist, hat die Kürze 
des Aufsatzes wenigstens nicht viel Zoit ge» 
kostet,: 



Ein Mann von vierzig Jahren, gut ge- 
baut, phlegmatischen Temperaments, litt an 
Emphysema übe^ dem ganzen Körper, Tym- 
paniiis war sehr hervorstechend. Beim engsten 
Blick sah er wie ein Bauch- und Hautwas- 
sersüchtiger aus *), Sein Arzt hatte ihn als 
solchen in den ersten 4 Wochen behandelt. 
Er wurde schlimmer und brauchte niehrere 

*) Der Leser mig wohl hier in don Hydrops ßi^ 
cut Hippokratit denken. 



— i)G — 

Ttige keine Arzneien. Als er luich xttn HiiUe 
ersuchte, fand ich, dafs der Mann an K.oth- 
yerhaltung und an Molimina haefnorrhaidum , 
litt, viele Hämorrhoidalknoten waren vorn an- 
den. Das Gallengescbäft lag danieder^ aller 
Ton in dem Verdaunngskanal ly^r verschwun« 
den, alle Funktionen gingen trag von steten, 
ich gab ihm ein starkes Purgans. Darauf Alpe 
mit Kümmel xmi. Wöhlverleihaufgufs. und 
Uq. Ammqn. amsaU Die Haemorrhoiden ka- 
men in ÜPIufs. Der Mann genafs vollkommen. 
Aus dem, dafs ich Kümmel verordnete, wolle 
niemand schliefsen,^ als verwechsele icli "Wir- 
kung und Ursache: denn die Luft ist wie na- 
türiich nicht Ursache, sondern Folge des kränk- 
lichen ZuStandes. Der Kümmel ist ein 'Mit- 
tel , welphes ungemein den Darmkainal belebt. 

Einen hierher gehörenden Fall erzählt 
Baumer in seiner l^is^er^* de veris tympankae 
caussis ac rationali cuvationt. Wo sich zwar 
Hämorrhoiden einstellten, worauf aber Was- 
sersucht folgte, welche« hernach geheilt' wurde. 
Es kommen auch wohl Fälle der Art vor, wo 
der Aderlafs angezeigt ist. Daher Hippokraus 
sagt : P^entositaum fiatuo&um sohlt phlebotomia^ 

(Die Fortsetzung folgt.) 



- » , ■ . I 



• . / 



• ■ _ 



VI. 



- 97 - 



VI. 

Kurze Nachrichten 

UXIÄ 

Auszüge, 



Bericht über einmt gewaltsam hmvirkten Abortus^ 

oon den Herren poder^f Professor an der mediein» 

FttCuUät tu Straihurgf und Ristelhueh §r^ erstem 

jirtt des dortigen Hospitals* 

MUgetkeUt vom Dr. Oppert» 



(Otxette de Unt4» Ko. 3S^ 1824.) 



vTeiiiirf dn Anfforderaiig des Hm. Int trnotions • 
Richterf im Besirke der Stade Strasbarg^ begaben 
wir UnteXBeichhete uns am heatigen Tage, den 32» 
Mars i8tA nach der ***Strafsey au den Schwestern 
S. .., nm den Leichnam der einen dieser Schwe- 
stern > die muthmarslich eines gewaltsamen Todes 
▼erstorben inrar, in untersuchen. 

Wir fanden die Leiche auf einem Tische tai* 

festrecht y schon mit den Zeichen einer anfangen«- 
en fauligten Zersetiung, Man sa£te uns^ daß es 
die Leiche der unrerehuchten, d5 Jahr alten Catha* 
rine 8« w&re, und daC» sie gestern am 6. Mftfs 
nach einer Kursen Ktauhheit^ welchs Sonnibend iim 
lonm. LX. B. 4. Sc O * 



— 98 — 

4teny nngef&lix 6 Uhr AhenäSf angefangen« verifbr- 
ben wäre. Der JLeichnam war schon am Vormittag 
von einem von uns, dem Hrn. Ristelhüber ^ in Ge- 
meinschaft mit den Eleven Hrn« Reis und Keller 
geöffnet worden, und zeigte folgende Erscheinungen: 

Das Gesicht geschwollen und bleifarben; die 
äufsere Oberfläche des Körpers angelaufen und bläu- 
lieh; im Innern enthielt die firusthöhle nichts 
merkwürdiges, im Unterleibe war die Baachhaut 
enuündet, die Sohleimhaut des Magens uod der 
Gedärme eeigte Stellenweise Spuren von BntxOn- 
düng, beim Magen mit Blutaustretung verbunden, 
doch ohne Erosion ; aufserdem bemerkten wir keine 
fremdartige Subsunz in diesen Cavitäten. Um die 
Gebärmutter herum befand sich^eine Blutergiefsune 
mit Blatklnmpen vermischt; in der Mitte derse£ 
ben bemerkten wir einen kleinen Körper, der nach- 
dem er abgewaschen war, sich als ein mit seinem 
Nabelstrange versehener Fötus von etw* fünfzig 
bis sechssig Tagen , darstellte ; die Gebärmutter war 
in «ich susammengefalien, roth entzündet; nachdem 
sie geöffnet, zeigte sie sich inwendig gleichfalls ge- 
TÖthet, und was.wobl zu bemerken, zerrissen, und 
«war -durch eine Oeffnung von der Breite eines 
Thälers, wödurcb der Foetus oder der Embryo 
nach der Unterleibshohle durchschlüpfen konnte. 
Die Eihäate, welche sich noch in der Gebärmutter 
befanden, waren gegen den Hals der Gebärmutter 
hin, und von der Stelle, wo die Zerreifsuns Statt 
fand, gleichfalls durchbohrt. Die äuFsern Geschlechtf- 
theile waren im natürlichen Zustande« 

Nech dieser Untersuchung begaben wir uns in 
ein Nebenzimmer, wo sich mehrere Frauen zugleich 
mit der Schwester der Verstorbenen befanden, nnd 
daselbst erfuhren wir nach vorläufiger Erkundigung 
über die den Todesfall vorangehenden Umstände 
folgendes: i. Catherine S« war noch den Bweiten 
Tae vor ihrem Tode um 4 Uhr Nachmittags gans 
wonl gesehen worden; gegen Abend £ne sieben zu 
leiden ; am Sonntage stellten sich heftige ochmenen 
•iuy und sie verlor viel schwarzes Geblüt aus 'der 
Mutterscheide; dieser Zufälle wegen hatte man 
^eich anfangs eine Hebeamme mit Namen Louise 
W« gerufen , ^welche die Kranke schon früher be- 
futht^ und sich auch mit ihr eingeschlosseil hatte | 



— 99 — 

ntcBIi^r holte man noch eine andere Heharome, 
dann einen jungen Mann ^ NainensF. , der ärztliche 
Praxis treibt, und der Kränken schmersstillende 
Tropfen rerordnete; aufserdem erhielt Dieselbe 
heine Mittel als Räucherungen und Bähungen, ft. ' 
Die erwähnten Frauen , alss Louise S. , Schwester 
der Verstorbenen 9 die Frau Ch. und Margarethe E. 
haben ausgesagt, dafs die Verstorbene ihnen schon 
vor acht Tagen geklagt , sie wäre unruhige ü|>er das 
Ausbleiben DiTer Regeln. Eine andere Trau, Na» 
mens £. , hätte ihr gerathen , sich an die tlebamme 
W. zu wenden, welche gegen diese Zufälle Mittel 
besäfse, deren sie selbst und mehrere andere sich 
bedient hätten» Darauf wurde die genannte W. ge- 
rufen, und kam mit einer Sprütze, die uns yorge« 
legt wurde, und deren Canöle aus Elfenbein, be- 
stand; die Frau hatte sie gebraucht^ als sie sich 
mit der Kranken eingeschlossen. 

Nach allen diesen schliefsen wirt 

1. Dafs die Catharina S. verstorben ist an einer 
heftigen Entzündung und Zerreifsuns der Gehärmut» 
ier, wodurch die Leibesfrucht, welche sie bei sich 
trug, in die Unterleibshöhle ausgetrieben worden isti 

a. dafs^ da diese, Entzündung und Zerreifsnng 
keine gewöhnliche Erscheinungen sind, uni selbst 
als IFolge einer schweren Krankheit nus in dsn lets- 
ten Perioden der Schwangerschaft frei\villig eintre- 
ten können, sie ihr Vorkommen im g^euwärtigen 
Falle nur eiit^r heftig einwirkenden Gewalt zuzusehreim 
hen tsti 

3. dala wir zweifelhaft sind, ob ein Abortiv» 
mittel innerlich aneewandc worden, dafs aber die 
eben erwähnten Zufalle sehr leicht entstehen konn- 
ten , nachdem die Spitze der Clys'tierspritze in den 
Muttermund eingeführt, und sodann irgend eine 
scharfe und reizende Flüssigkeit injicirt wnrde, 
was durch die Zerreifsnng der Eihäute an dieser 
Stelle sehr grofse Wahrscheinlichkeit erlangt. 

Unters« Ristelhüher, F. £. Foderd^ . 

Die Aussagen der Zeugen und die Verhandlun* 

fen vor Gericht überseogten den Geschwornen von 
er Schuld der Beklagten , und sie wurde su sehn- 
jähriger Gefängnifsstrafe veirurtHeilt. 

- G 2 



- 100 - 

Deir TTr. F. G« B. fagt diesem Berithte folgende 
Be];nerkuDgen Innzu, die uns vollkoininen richtie 
scheinen« »»Hr. Ristelhüber bemerkt mit Recht, dili 
in dem Gesetze, welches künstlich bewirkten Abor- 
tus mit gewissen Jahren Zwangsarbeit bestraft, die 
Hebammen nicht erwähnt werden. Wir gUuben, 
unbeschadet der dem Gesetze schuldigen Ehrfurcht, 
hinzufügen zu dürfen, dafs wenn der Gesvtzceber 
hei der Mutter nachsichtiger gegen den Mord der 
Frucht als gegen Kindermord seyn konnte, er nicht 
gleiche Nachsicht bei den Mitschuldigen der Thtt 
zeigen durfte. Die Gründe, worauf man sich stütz- 
te, könnten' etwa auf folgende Principien surftck- 
feführt werden: Es liegt in dem Fruchtmord asehr 
eigheit und weniger Grausamkeit, als in dem £in> 
dermord; aber Mord ist denn doch das Resultat des 
einen wie des andern. Wenn man in Folge irri- 
ger Grundsätze zu der unglücklichen Meinung ge- 
langt ist, dafs die 'Frucht nicht so wie das Kind 
ein lebendiges Wesen ist, sollte man dann nicht 
wünschen > dafs endlich das Gesetz diesen schänd- 
lichen Sophismus zerstörte, und gleiche Strafe ^fir 
den Mora der Frucht und den Kindermord ver- 
hängte, mit Berücksichtigung der mildernden üml 
stände für die Mutter, und mit Jiärterer Strafe ffirX 
die Mitschuldigen des Verbrechens? Denn diese v 
letzteren mufs man besonders treffen, wenn man 
Verbrechen bestrafen oder verhüten will» die ohne 
fieistarid nicht verübt werden können, zumal vi^eni;i 
der Rathgeber zugleich der Thäter des Delicti war." 

Ohne über den Bericht der Hrn. Fode're und 
Ristelhüber einen Tadel aussprechen en wollen. 
Können wir doch die Bemerkung nicht eurfiekhal* 
ten, dafs jeder Arzt, welcher zur Aufklärung der 
Richter berufen ist, und ihnen eine einfache und 
deutliche Darstellung der anatomischen, physiolo- 

S Ischen und pathologischen Thatsachen liefern soll, 
ie er am lebenden oder todten Körper beobachtet 
bat, so wie die Folgen, die nothwendig und un- 
mittelbar daraus en tsj) ringen , sich jeder Untersu- 
chung und Frage bei den Umgebungen enthalten 
soll; blofs das Individuum selbst darf er, sobald 
•8 zuläfsig ist, befragen, ganz wie wenn es sich 
um einen Fall in der ärztlichen Praxis handelte. 
Man fordert von ihm nur ein diagnostisches Gntaeh- 



— 101 — 

ten, auf eigne Beobachtungen gegründet; wenn der 
Zustand der Organe und die Antworten des Indi-' 
vidnums ihm nicht hinlängliche Data zur positiven 
Begründung seines Urtbeils liefern > so muis er sich 
beschränken . alle Zweifel ohne Ausnahme darzu- 
stellen , «welcne der Fall, wie er ihn kennt , in sei* 
nem Geiste aufgeregt hat. 6elbst die Nachrichten« 
die er von dem betreffenden Individuum erhält, muCi 
er mit grofsem Rückhalte benutzen j um so wenieer 
darf er oei andern Personen dergleichen lu schöpfen 
suchen, indem sie meist noch Ungewisser sind. Da 
er keine gründliche und gesetzmusige Verhöre mit 
ihnen aVistellen kann, so mnfs er dies Geschäft den 
Tribunalen überlassen, den Geriohtspersonen in ih« 
ren Verrichtungen nicht vorgreifen, und überhaupt 
5 ich streng innerhalb der VorsohiiJten eines gerioht* 
liehen Arztes halten. 

Es wäre «u Wünschen, dafs der Bericht der 
IJhTren Foder^und Ristel/uiher tuv allgemeinen Kennt- 
uifs des Publikums eelangte, denn er bestätigt zur« 
neue, welcher Gefahr fich die Unglücklichen aus« 
setzen^ die sich dem verbrecherischen Beistand» 
unwürdiger Menschen anvertrauen, und er seigt^ 
dafs diese letzteren nicht jedesmal der Strafe der 
noch immer allzumilden Gesetze enrgehn« Die Her* 
ren Fodere nnd Ristelhüher dagegen verdienen das 
Lob , den Eingebungen einer tadelnswerthen Nach* 
fficlit nicht gefolgt zu seyn, die nur zu oft unter 
dem schönen Namen eines weisen Zurückhaltung 
auftritt. 

Der Ant, der von einem Tribunal befrage wird, 
mufs sieh/ür ineomp^tent erklären, wenn er nicht 
bei sich diejenigen Grundkenntnisse, die Sicherheit 
dts Urtheili nn^ den Mnth empfindet, die nöthig 
sind, um die Wahrheit überall, wo sie ihm zu- 

fänglich ist, aufzujnohen und zu verkünden. Die 
esten Praktiker find nicht immer zum Geschäfte 
gerichtlicher Untersuchungen geeignet; auch ist 
recht sehr zu- wünschen, dala die Regierung sich 
mit den Mitteln beschäftige, die noch in der Ge* 
echäftsfflhrnne der gerichtl^hcn Medizin bestehende 
Lficke auszunillen, indem sie für jedes Departe- 
ment eine gewisse Zahl Aerzte anstellt, welch« alt 
herathendg Aerzte den Geeehwornen sogeordA«t 
Virerden« 



— 100 — 

Deir Dir. F. G« B. Tagt diesem Betichiel 
BeiperkuDgen hinzu, die uns vollkonmp 
scheinen« »»Hr. Ristelhüber bemerkt mit I4 
in dem Gesetze, welches künstlich bewrk 
tos mit gewissen Jahren ZvFanessrbeit b«! 
Hebammen nicht erwähnt ^rerHen. Wif 
unbeschadet der dem Gesetxe schuldigen I 
hinzufügen zu dürfen , dafs wenn der Gfi 
bei der Mutter nachsichtiger gegen dal 
Frucht als gegen Kindermord seyn konBl% 
gleiche Nachsicht bei den Mitschuldigm 
zeigen durfte. Die Gründe, worauf matl 
te, könnten^ etwa auf folgende Principii 

feführt werden: Es liegt in dem Fruc£u 
eigheit und weniger Grausamkeit, alsiii 
dermord; aber Wlord ist denn doch dasli 
einen wie des andern» Wenn man iaii 
eer Grundsätze zu der unglücklichen IjU 
langt ist, dafs die 'Frucht nicht so wis< 
ein lebendiges Wesen ist, sollte man h 
wünschen > dafs endlich das Gesetz dieia 
liehen Sophismus zerstörte, und gleichet 
den Mora der Frucht und den Kindcna 
hängte, mit Berücksichtigung der mildera 
stände für die Mutter ^ und mit härterer I 
die Mitschuldigen des Verbrechens? Dfl 
letzteren mufs man besonders treffen, W( 
Verbrechen bestrafen oder verhüten wül, < 
Beistand nicht verübt werden können, sai 
der Rathgeber zugleich der Thäter des Delu 

Ohne über den Bericht der Hrn. Fot 
Ristelhüber einen Tadel aussprechen u 
Können wir doch die Bemerkung nicht ti 
ten, dafs jeder Arzt, welcher zur AnfUi 
Richter berufen ist , und ihnen eine einfi 
deutliche Darstellung der anatomischen. 1 

fischen und pathologischen Thatsachen lii 
ie er am lebenden oder todten Körper h 
hat, so wie die Folgen, die nothwendig 
mittelbar daraus entsj)ringen , sich jeder 
chung und Frage bei den Umgebungen < 
•oll ; blofs das Individuum selbst darf tr 
•8 zuläfsig ist, befragen, eanz wie weaa 
um einen Fall in der ärzuichen Praxis 1 
Mta fordert von ihm nur ein diaghottisehii 



~ 103 — 

Becker *) und X^ampadiuf **) hatten Ober ihren 
Werth entschieden. Und sonaerbar, wenn bei an« 
deren Quellen 'die Frage entstand, ob die eigen» 
thümlicnen Kräfte der Mineralwasser nachließen, 
so scheint die unsrige nach den wiederholt ange- 
stellten Analysen einen Ziiwacha erhalten su haben. 
— Wenn nach Trampels und Lampadius Analyse 
unsere Quelle hinsichts des Eisengehalts zwischen 
dem Pyrnsonter und Dryburger sund» so hat sio 
nach der im rorigen Jahre ron Hm* tVitting yor- 
gcnommenen einen Vorzug erhalten. — Ich glaube 
nun wohl nicht, dafs der Brunnen neue Kräfte er- 
balten hat, aber es geht doch daraus hervor, da(f 
er nichts verloren hat. 

Der Brunnen und die Badeanstalten in GodeU 
beim , welche unter der Westphälischen Regierung« 
Läuflich Eigenth um einet Mannes geworden waren,, 
welcher nicht Vermögen and Kenntnisse hatte» nur 
etwas ffir daa Aenfsere sa thun, achienen in ihr 
voriges Niolite völlie; snraelunkehren, wenn tie 
nicht jährlieh sichtbare Wunder ddrch Heiltwg 
mancher Oebrechen sich Mitleid und Liebe Ter« 
fchafPt hätten. 

Die AnalaU iat jenen Verderben drohenden Hin« 
den entwanden, und bat einen Eigenthflmer 4n 
6r. Durchlaucht den Herrn Lend^nfen von Hesfenyi 
Rothenbure gefunden , dem der lliaunei Mittel und 
guten WÜMn verliehen lut* 

Schon ist tliitige Hand ens W^k eelegt, und 
manches, welches aem Untergange neSe wsr, ist. 
bergeatellt. 

Die Anlagen sind ihrer arsprfin glichen Bestimm 
muns nach ergänzt. Die Reinheit dtt Qui;Ue ist 

tesicherc, neue Brunnenhäuser werden gebaut, und 
ie Badeanstalt wird ausgedehnt« 

Ich wQrde längst eine Reihe von Beobacbtnn« 

fen dem Publico Torgelegt haben, die gans %mrm 
'ortheile d^ Godelheimer Brunnens spreetien; ich 

•) Correyisclies IntelUgensbUtt Ar da» Jahr üM- ^(^^^ 

Stück. 

•^) Das Bad m Gr.dellieliD an 4<!r ^^eser, nebst s^Uiea 
reisenden Vm^hnn^fsm fiiz JKmnide nbd Rtwif^ der 
liatnr» Freübuxs lauj. 



— 102 — 

Aufierdem üt noch bemerKenswertli, d«ri et un- 
ter den vielen Freisaufgaben der Akademien und 
medicinischen Gesellschaften Frankreichs keine ein- 
sige sibty die auf gerichtliche Medizin Bezug hätte, 
ein Gegenstand^ der denn docb mehr interesse Ter-, 
dient, als die grofsen Untersuchungen 9 die darauf 
hinausgehn. zu beweisen, dafs es besser is^ Lupu' 
lin als riopfen zu verordnen. 



2. 

Notizen über die werdende Bade- Anstalt in OodeU 
heim an der Weser, Vom Kreisphysikus Seiler 

zu Höxter» * 

Schon seit vielen Jahren fibt die bescheidene 
Nymphe dieser wohlthätigen Quelle ihre Tugenden 
im Verborgenen aus; von ihren benachbarten Schwe» 
ster- Quellen übersehen und fast beherrscht, wagte 
sie es nicht, aus den ihr vorgezeichneten Gränzen 
SU treten. Die Bewohner des Oorveyer Ländchens 
waren ihr überwiesen, und nur für diese hatte 
früher der Landesherr die Badeanstalt eingerichtet. 
Neun Badewannen reichten hin, den Anforderun- 
gen der Landesbewohner Genüge zu leisten« 

W^nn bisher wenigen Ausländern die wohlthä- 
tigen Wirkungen dieser Quelle zu Theil wurden, 
so waren nur Beschränkung der Anstalt und eine 
fast stiefmütterliche Behandlunjg von Seiten der 
Verwaltung eis einzige Ursache hiervon anztmehmen* 

Unter den drückendsten Verhältni^seipi der yer* 
schiedensten liindesheiTn , wo die Administration 
kaum beachtet wurde, erkielt sich die Nymphe 
dieser Quelle, um einstens sicherer Schutz zu er- 
halten. 

Achtbare Männer, wie Scriha ♦)j Trampel, 

*) Btschreibung de« rot ciaigen Jahren neu •ntdecl.teii 
mineralischen Gesnndbriiuneiis bei Oodelheim. Huxac 
1747. — Desselben kurze AnWÄimng und Uaterriont 
etc. , in welchen Zufällen und Krankheiten- der bei 
dem Dorfe Godelbeim neu entdeoJ^te Sauerbruuuen 
sicher imd mit ^'utseu zu trlnJ^ea sey. Huxar 1747, 



— 103 — 

B$ekef *) und X^ampadiuf **) hatten Ober ihren 
Werth entschieden. Und sbnaerbar, wenn bei an- 
deren Quellen "die Frage entstand , ob die eigen- 
thümlichen Kräfte der Mineralwasser nachlieueji, 
so scheint die unsrige nach den wiederholt ange- 
stellten Analysen einen Ziiwacha «rhaiten xu haben. 
— Wenn nach Trampels und Lampadius Analyse 
unsere Quelle hinsichts des Eisengehaita zwischen 
dem Pyrnsonter und Dryburger sund» so hat sio 
nach der im rorigen Jahre von Hm* tVitting yor* 
genommenen einen Vorzug erhalten. -^ Ich glaube 
nun wohl nicht, dafs der Brunnen neue Kräfte er- 
balten hat, aber «s geht doch daraus hervor, dsff 
er nichts verloren hat. 

Der Brunnen und die Badeanstalten in Gode;!« 
beim, welche unter. der Westphälischen Regierung' 
Läuflich Eisenthum eines JVIannes geworden waren,., 
welcher nicht Vermögen and Kenntnisse hatte, nur; 
etwas für daa Aeufsere su thun, achienen in ihr 
voriges Niolita völlie anracHuhehren, wenn aie 
nicht jährlich sichtbare Wunder diitch Heilung 
mancher Oebrechen sich Mitleid und Liebe Ter« 
fchafFt hätten. 

Die Anstalt ist jenen Verderben drohenden H&n«. 
den entwanden, und hat einen Eigenthümer, an 
6r. Durchlaaeht den Herrn Land^afen von Hessen n 
Rothenbnre gefunden', dem der ^Unmel Mittel und 
guten Willen verliehen hat« 

Sohon ist th&tige Hand ans W^rk fielegt, .und 
manches, welches aem Untergange nahe war,, ist.. 
bergesteUt. 

Die Anlagen sind ihrer ursprfin glichen Bestini«.' 
mups nach ergänzt. Die Reinheit der Quelle ist 

tesichert, neue Brunnenhäuser werden gebaut, und. 
ie Badeanstalt wird ausgedehnt. 

Ich wflrde längst eine Reihe von Beobachtung ' 

fen dem Publico vorgelegt haben, die gan< sam 
'ortheile dpa Godelheimer Brunnens sprechen ; ich 

•) Correyisches IntelUgenzblatC für das Jahr 1804.' Sistes 
StiicJL. 

**) Das Bad sni Oodelfaelm an der Weser , nebst seinen 
reizenden Um^buugen für Freunde und Kenner der 
l>iatur» Freiburg iau7. 



— 104 — 

|ialte abev diese inrftek, bis die Badetntult In der 
Art erweitert und eineerichtet ist, daft Ausw^lrtige 
mit , Anstand ihren Aufenthalt dort haben hönnen. 

Seit dem Jahre iQoQ war ich Beobachtet; in der 
Nihe des Brunnens, nnd seit 1817 hatte ich als 
Physikui in ärztlicher Hinsicht die Aufsicht bei 
dem Brunnen« welche mir abermals von 3r* Durch« 
laucht dem Landgrafen yon Rothenburg abcrtra« 
gep ist« 

Wenn firdher bei der Administution nur firom* 
me Wünsche su ftufsern waren, und mein Streben 
nur dahin ging» dafs der schon unter den Einwoh« 
aern des FArstenthums Corvey sich sehend ee* 
jnachte gute Ruf nicht geschmälert wurde, so halte 
ich es jelst für meine Pflicht, da die Anstalt £i* 
genfhum eines Fürsten geworden ist, der Mittel 
und Willen hat , den Umgebungen ein den ansge* 
seichnetesten Eigenschaften des Wassers würdises 
Aeufsere su geben , dahin zu wirken , daüs die Bade» 
•astalten so erweitert' werden, dafs auch Auswärtige 
daran Theil nehmen könsien« 

tTnser reizendes Weserthal ^ reich mit Natur« 
fÖhOnheiten umgebeh; mit Oenhmählem des Alter- 
thums geschmflolit, geschichtlich iirichtlg, enthllc 
in seiner Mitte die Heilquelle, welche ihren Ur^ 
Sprung jenem eine halbe 6tunae von Höxter gele« 
genen Berge -— die Brunsburg «- verdankt« - ^ 

Ich erlaube mir. hier vorUufis das Resultat der 
▼erschiedenen Analysen in Vergleich disr Schwe- 
ster^uellen hinaichts der wirksamsten Beatandtheile 
hersusetzen» : 

Tramp§l und laampmdius fanden den Gehalt der 
Koblens&ure weit gröfser als jenen in den Pyrmont 
ter nnd Driburger Wassern , indem der erstere den 
Gehalt derselben in 9ß Pfund Wasser mit 650 Gr« 
in einer vergleichenden Tabelle angibt» wo der 
Fyrmontev mit ^75 61'. und der Dributger mit -350 
notirt ist. Kohlensaures Eisen ist von ihm in a!er* 
. selben Quantit&t Wasser bei dem Godellieimer Brun« 
Ben mit fi8 Gr., bei dem Pyrrnonter mit A&/^ Gr» 
und bei dem Driburger mit 53^^^ Grl notirt. JLam- 
-padius fand in einem Pfund des Stahlbrunnent 
^\ Qt% kohlensaures Eisen , und Hr. fVittng f»nd 



— t05 — 

bei ^r Torfährigen Analys« des StaTilbt atmen»» 
die er in diesem Jalire bekannt machen wird ».in 
16 Unsen if Gr. kohlensaures Eisexioxydul, 

Von der Salztheilen. weIeJ;te jedem dieser Wäs- 
ser wohl das clgenthämliche geben» hat das Godel- 
heimer Wafter eine ^ofse Quantität salzsaUres Na. 
tron» das Dribnrger eine grofsere Quaotic&t schwe- 
felsaures Natron» und das Pyrmoniej: eine gröfselre 
Quantität Bittersais« ■ .■ ' - 

Die übrigen weniger bedeutenden Bettandtbeile 
bat das Godelheimer Wasser mit dem Dribnrger 
und Pyrmomer in wenig abweichenden .Verbale* 
nissen gemeinschaftlich. ^ _ 

Ueber die Heilkraft des 6odelbeimer Min«mr(i 
Wassers werde ieh epftcerhin» inrie früher erWfthnt»' 
meine Beoftaehtutigen nilttheilen. Vorl&ttfin;' - be« 
merke ich nnr» da(a Lampadiui kleine BrunnVil- 
schrift aus Dankbarkeit fflr die du^eh dieses V>ntsser 
erhaltene Gesundheit entstand, <— Am SchluM» der 
Schrift bemerkt er.; .»Aus eigener Erfahrung kam» 
ich es — - Dank der Vorsehung — bestätigen^ däfe 
sowohl das Baden als Trinken des GodeUiein|ar, 
Wassers auf meinen Kör{>er den wohlthätrgsten' 
Einflufs äufserte. Nachdem ein ganses Jabit*jang 
dureH- traufige Gemflthsstimmung» Hypü0h\^tfdf9l9 
und Nervenlieber mein Nervensystem auf dl9'9ftL; 
fserste geschwächt, und die Verdauung buchst .feh« 
lerhaft war. erhielt ich zu Godelheim eeyf Öuschte 
Stärksi'ng. «jpangsam einherschleicbend kaBar ioh im 
Wesenhaie' an» und fröblicli -eiabeirwanddltiA' veiw 
lieüs ich dasselbe/' 



wtfmarmß'^m 



H^llmund^s Mittel gegen den ' Krebs, 

Ich werde dergestalt mit Anfragen über ^iefs 
neae Mittel bestürmt» dafs ich gezwungen bin» 
auch hier ein Wort darüber au sagen V obwohl das 
Publikum alles darüber Wissens werthe in »eines 
geehrten Kollegen RutVs Magazin (XiX. B. i. Heft) 



— 10b — 

lesen kann. Doch aach als eine wetentliclie fierei- 
pherang unserer Kunst , mufs dessen in diesem Jour- 
nal Erwähnung geschehen. v?as nicht ^eru ■ etwas 
fibergeht y was der leidenden Menschheit mild der 
Kunst wesentlichen Vortheil bringt« 

' Zwar geht es hier fdrwahr wie mit des Co» 
lumhuf £y. Man mufs sich nehmlich am meisten 
darüber wundern, dafs nicht längst ein Wunderst 
auf den Einfall gerathen ist» dasselbe su thun, was 
Hr* flelmund (ein Nichtarzt) that» nehmlich den 
jirS0nik\AfLS fressendste aller Gifte y zur Milderung 
seiner Wirkung mit Fett zu vermischen, wie wir 
diefii' bei Hundert andern Mitteln thun« •^— Aber 
diefs soll Hrn. Heimund durchaus nichts von seinem 
Veidlenst nehmen. Genug er that es zuerst; Und 
wie messen es der , Preursischep Regierung Dank 
wissniy dafs sie, dem £r£nder grofsmathie beloh- 
nend/ :d«s bisherige Geheimiüitterzu einem Qemein- 
gut machte« 

"^Dis'WeBentliche des Mittels ist demnach eine 
Sklbb Vom I Drachme des bekannten Costhischen 
Mittels nut 1 Unze üngt. cereum, dem^ aber noch 
B/iy^ Gicuta, und Opium bei§;emischt sind* 

- Ans den in der Charit6 unter Aufsicht der Her- 
ren. jQ^f und Kluga angestellten Versuchen geht nun 
hervor 9 dafs dies Mittel: 

'i/ bei dem schwammigten Krebse gar nichts hilft, 

. «• bei dem Hantkrebse, so wie bei den fres- 
•andem und i^chorfigen Flechten sich heilkräftig be- 
währt, 

5. bei dem Brustkrebse In einseinen Fällen sehr 
heilsam wirken ksno. 

Die Vorzöge vor der gewöhnlichen Applica- 
tion des Arseniks sind: 

I* Es bewirkt einen langsamem, mehr patholo- 
gischen, die Secretion und Heilkraft der Katur 
mehr mit in Anspruch nehmenden, FrozeJÜs« 

.••Es wirkt milder, gefahrloser. 

. 5« Der Arzt hat den Grad der Wirkung des HUt- 
tidf mehr in seiner Gewtlt, 



— 107 — 

4« Auch I&ann ei an Orte und Tiefen angewen- 
det werden 9 wo man bisher den Arsenik nrcbt an- 
wenden konnte* 

IL 



4, 

Üeher das Sinken der ErUzündungsgerchwuht $ von 
Moritz Naumann in Leipzigs 

^ Wenn man den Verlauf äufserer enuflndlicher 
Leiden mit AnfmerfcsanEikeic beobachtet, bemerkt 
man nicht selten ein vom gewöhnlichen g&nslich 
abweichendes Verhältni£s, in welchem die Geschwulst 
zu den übrigen Symptomen der Entsündune steht; 
Die Berücksichtigung dieses Verhältnisset ist Tön 
grofser Wichtigkeit ^ indem dasselbe den Ausgang 
der Entsfindung in Tielfacher Hinsicht xn modi£ 
ciren vermag; aber leider ist dieser Gegenstand bie 
jetzt noch wenig beachtet worden , und daher wag«r 
ich es, fo wreit eigene Ansicht mich unteretatsti^ 
einige Winke über denaelben mitzutheilen : 

i) Sinken der Geschiculst mit Zunaltme der Schmer' 
zen. Je plöulicher und heftiger der Contrast zwi- 
schen beiden Symptomen eintritt, um so gefahrvol- 
ler ist im Allgemeinen der Znstand. Hatte die Ge« 
schwolst vorher sehr rasch an Volumen zugenonU 
men, wihrend der Kranke Aber gleichseitige sehr 
heftige Schmerzen sich beschwerte , $6 bietet der- 
selbe in der Kegel eine sehr intensiv geröthete 
Oberfläche dar, und zeigt sehr deutlich das Bestrt- 
ben, nach oben in eine Spitze aufzulaufen. Die 
^ Schmerzen zeichnen sich dadurch 2U!, daff sie^ von 
diesem cniminirenden Punkte gleicLjaoi beginnend^ 
nach der Basis der Geschw^ulst Ler^bscLiefien, yrO 
sie am heftigsten im Mittelpunkte wüthen. Je an« 
haltender und beharrlicher diese Schmerzen werden» 
je mehr besonders die anhaltend brennend ttiiseiu 
den Schmerzen, durch die heftigsten Stiche, ivel- 
che endlich in ein nnertrlglichee Wfihlen in der 
Tiefe der Geschwulst Abereehen, unterbrochen wer- 
dca, -^ um to m9tx »cm «ich.» te %tgA die 



'— 109, — 

WQ.njg ; lind j:eHt in ein Geichwär über ^ Welciiei 
gewöhnlich sehr hartnäckig zu seyn pflegt« Solche 
Geschwüre sind gewöhnlich sehe schmerzhaft ^ er- 
leiden nur sehr geringen Substinzverlust, und er* 
giefsen aus einem weifsiichen porösen Grunde^ eine 
wäfsrige bisw/ilen ftbelriechende Flüssigkeit. -^ 
Die Ursachen y welche den beschriebenen Modifi- 
cationen der Entxundiingsgescbwuist zum Grunde 
liegen y sind* sehr mannichfsitig; doch scheint es^ 
dal's eine heftige Irritation des Nerrensystems in 
sehr sensiblen Subjekten häufig zu beschuldigen sey, 
' denn Gemfithsbewegungen tind von nicht gerin- 
gem Einflüsse auf die Hervorrufung dieses üebels; 
aufserdem scheine, es, dafs ein plötzlich eintreten- 
der sehr hoher Barometerstand, gew^öhnlicha £nt- 
ziindungsgeschwfilste auf gleiche Weise nmzuän* 
dern vermöge ; in sehr heifsen Sommern können 
vernachläfsigre Insektenstiche dieielb« Umänderung 
herbeiführen* 

2) Sinken der OeschwuUt mit Ahnahme der Schmer» 
^zen. Wir reden hier nicht von der naturgemäfsen 
Umänderung, welche die Rflck-kehr zum Normal- 
verhältnisse bezeichnet, indem, wie bekannt, die 
Zertheilung jeder Entzündung, aus Minderung der 
Spannung und Abnahme der Schmerzen zunächst 
erkannt wird. . Eben so wenig reden wir hier von 
dem plötzlichen Sinken der Geschwulst, und dem 
Aufhören der Schmerzen, welche dem Brande vor« 
anzugehen pflegen, — sondern uns beschäftigt, jetxt 
eine dritte Modi/ication, welche ich scbon vor län- 
eerer Zeit, mehrere Mal z\i beobachten Gelegenheit 
fand« Wenn sehr fette Personen an äufsern ent- 
zündlichen AfFectionen leiden, so bemerkt man 
mehr oder weniger immer, die Tendenz zur Aus- 
breitung und Verflachung in der anfangs entstande- 
nen Geschwulst, welche besonders dann beobachtet 
wird, wenn der Fulsschlag sehr klein, und die Tem- 
peratur der Haut vermindert ist. Sobald sie erfolgt 
ist, nimmt der Schmerz bedeutend ab, so dafs nur 
das Gefühl eines lästigen Druckes üf^g zu bleiben 
pflegt. Diese Veränderung kann tufserordentlich 
schnell erfolgen , und tritt wie es scheint um so 
geschwinder ein, je heftiger am Anfange die Schmer- 
zen waren. Sehr merkwürdig scheint es mir^ dafs 
diese Umstimmnng dt« cats&ndliehcn £<eidenf eine- 



— 110 — 

äafserflt anfFallende Besorption des Fettu in 
unter dem Heerde der Entzündung gelegnen! 
gewobe zun Folge hatte , worauf die Haot nihi 
Tunslich wurde« Die Entzündungssymptomi 
-den um vieles gelinder, nthmen aber an« 
nischen Charakter an und vertnlATsten fitöU 
welche endlich die Anlage zu bartnäckigafri 
schwüren begründeten« 



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Einige Bemerkungen , die im FehruarJiefte itt W nk 
l and"* seifen zx. U sann'* sehen Journ, d. 7>rabiHl|| 
hunde (1835) S* 71. etc. zur Consultation M^gj^mi 
Kjranklieits geschickte he treffend^ vom D^ediaukm 

Dr. Günther zu Köliu 

Wenn das Wesen jener Krankheitsform, 
che uns unter den Namen der Oicht, Hämonk 
und Steinbeschwerden , als sämmtlich yerwtadtil 
bei 9 bekannt sind» in soferne . es uns TergÖBStl 
dasselbe einzusehen, zunächst in abnormenCcnoM 
nen^ meist passiver Natur, w^elche bald nscalM 
sem, bald nach jenem Theile Statt finden, ur 
stehen scheint, wo die^ hierbei zufileicb ^m\ 
lig sich bildende Afterproduction, als ^''^lii 
Folge erscheine, deren, entfernte innere ^^f^m^ 
aber in einer eigenen krankhaften Jffectin ^ 1^ 
Abdominalsystems gesucht werden mufsy ob^'^U| 
Anlage bei den hier in Frage stehenden IndiviAiA 1^, 
selbst in Ermangelung eigener Ansicht, ■ufolffj' », 
geschichtlichen, nicht vollständigen DsrsIfSfli 1^ 
Beines Zustandes, doch nicht wohl verkennte i'* |h; 
so dürfte meijies Erachtens, ein, auf diese Vi0i^ 
Setzung gestütztes Heilverfahren, nicht ohncl^ 
nung eines glücklichen Erfolgs bleiben. — ^* 
che Troteus - Gestalten die nicht ausgebildete W 
so wie der nicht zu Stande kommende Hämoi^ 
dalflufs, bei Unentschlossenheit der Natur, akk 
selten vornehmen, ist jedem praktischen Ante ^ 
kannt, wovon Schreiber dieses» selbst, mtht^ 
Beobachtungen 9 unter aadem tucb jon$iaemr^ 



^ in — 



f senden f stets fortwahränäem Schnurze, längs der 
linken Seite der Zunge, bei einem juiig«n Manne 
von 30 Jahren 9 als Witkung anomaler, oder viel- 
mehr 9 nicht sa Stande hommender Hämorrhoiden, 
ia Harlefs^s rheinische Jahrb. eto* S» IV. Su s* & 
75. etc. mitgetheilc, wojauT er des Weitem halber» 
verweisen mufr« - 

Dem Vorschlage des Herrn Staatsrathea Ho/lr- 
land, dem fraglichen Kranken den Franzenhrurinen 
zu Eger, und zwar an der Qaelle, trinken su lassen, 
mufs ich aus voller Uebersengnng beitreten, wobei 
ich noch den Gebrauch folgender Pillen, um di« 
Wirkung desselben nebenher su unterstauen, anra» 
then SU dfirfen glaube: Ree* Oumm, Guaiae, E^r^ 
Oentm rühr» taut draehm* üß» Aloes lucid, gr» sovjm 
Extr, Jconit» scrup* 7. M» f* jfiL pond, gr» iij, consp* 
Pulv, JLiquir, D« S. Morgens una Abends 6 StQck zir 
nehmen, und nach Umständen sn steigen. Aufser« 
dem w&rde, su mehrerer Au&egung des Appetits, 
täglich 8—3 Mal, i^fl KaEeelöfFel voll des Elix. 
ßiscer, Hqf mannt a Klein», emen.lat. in einem Löffel 
Wein, SU empfehlen, so wie in diätetischer Hin« 
sieht, nebst leicht verdaulichen Speisen und raög» 
liebster Körperbewegung, der Genufs 2 — 5 Gläser 
ächten Bourdeauxerweias, täglich, von Kutsen seya 
durfte. — Um auf das Örtliche, (meines Erachtens), 
consensnelle Zungenübel des Kranken , sugleich di^ 
recte einauwirken, könnte man noch vor der An» 
"wendune der Electricität, versuchsweise sich to\' 
genden Mundwassers bedienen: Reo» Madie, Ptar» 
micae Une, j» Coq. c, •^^«- eomm» Uhr, /• ad rem» 
unc, Xi CoL addei ßlelLRosar» drachm,ij; allenfalls 
znit einen Zusatz von JLiqu, Amnion, caust, — des- 
sen Wirksamkeit sich mir vor mehreren Jahren, 
bei einer sehr hoch bejahrten, ehemaligen Nonne, 
deren Zange nach und nach alles Geffihl verlo- 
ren hatte y unter Mitbehandlung des hieselbst vor 
ein Paar Jahren verstorbenen Dr. Sprögel, x»cht auf« 
fallend bewährte« 



— 112 — 

üeber das L,0uchten des Seiwassers* 

Alf ErgfinsoDg dei yortrefFlicben AnfitaCiet te 
Hrn. Dr. o. PbysAu» Neuber^ y^über da» X^caehttii 
d«t Meeres** im Supplementliefte dief. J. vom vo- 
rigen Jahre f in literarischer Hinsicht, ist nooh n 
bemerken , dafs Oken in dem yon ihm unterauolitii 
leuchtenden Meerwasser , ebenfalls keine TMare all 
Ursache dieser Erscheinung entdecken konnte » -das* 
ata AbhandL sich nicht im t2ten , sondern cm lyn 
£« «9* 342* des Sekueiggerichen Journ. findet» Anek 
ist hier Schw^iggtr selbii <u ▼erfjleichen » der die» 
aea Phänomen l^i seiner UeberfaLrt von Dovsr nacÄ 
Calais 9 beobachtete, und es im 18. B. H. i. jgedick« 
ten Journals, beschrieb« Ganz einverstanden mit 
Oken sind die Bemerkungen des Brüden dea BkSi 
^ehweigsers , welche er im mittelländischen Meiia 
Sil machen Gelegenheit hatte« Beaondera -verdiaM 
aueh die Schrift des Herrn Heinrichs y^über die Phos- 
phoreltena*' etc« und in demselben Journ. B. XXXi 
nachgelesen eu werden) auch sehe man den 'id. B. 
H« a. n. 14. B. H. d« besagten Journals. — Oefs 
das, beim Zusammenstofseü des Treibeises erregte 
elektrische Leuchten , vom Reiben desselben , ebo 
auf mechanischem Wegb entstehen mag, ist eine 
Erklärung y die sich allerdinga auf das Leuchten dea 
Meenrassers f bei dem jetsigen Sunde der Physik» 
nicht anwenden läfst, dessen elektrisches Lieht 
Bweifelsohne aus cans andern Prosessen der Matiu> 
hervorgehen d&rftd« 



7. 

Misctllen Preufsiseher Aerzte aus den Bierteljahngätt 

Sanitätsberichtent 

(Fortsetzung.) 

OVucklicJie Heilung zweier Amaurosen» ^— Bei ei- 
nem Manne war dies Uebel nach einem Falle von 
dem Boden der Scheune auf die Tenne herab , plöti- 

Uch 



— 113 - 

lieh entstanden y nnd 'init BlatajihSafnng im Kopfe 
Terbnnden. Durch starke Blutentaiehungen und 
Purganzen y späterhin durch den inneni ^ Gebrauch 
der Arnica mit Nitruno und Camphor, wurde dai 
Uebel glücklich und voUkomnoiefi gehoben. — Bei 
einer 48 Jahr alten Frau stellte sie sich in Folge der 
aufgeborten Menstruation bei geschwäeh^m und zu 
' Obstructioaen geneigtem Unterleibe ein. Durch oft 
wiederholte Ansetauns yon Blutegeln in die Ge« 
gend des Mastdarms , den innem C^b'rauch des Kali 
tartarici mit Schwefel, Aloe und Asand, späterhin 
des Camphors in Sehwefeläther aafsolösti» wurda 
hier die Heilung bewirkt« (Von Hrn« Physikua 
Berndt au Cüatrin» jetzt Professor in Greifswalde^ 

Stimm» und Sprachlosigkiii h§i einem Kinde. ^- 
Bei einem Kinde Tön 8 Jahren, welches am Ner- 
venfieber gelitten , anfUbglich besonders über Kopf« 
schmerz und. Husten geklagt, aehr bedeutende Schwei- 
fs e und FrieselauMchlag gehabt hatte, erfolgte nach 
einer Erkältung, wpmacä der Ausscblag Töllig ver« 
schwand , am gten Tage gänzUches t- V erlust der 
Stimme und Sprache. Die ^iinge war nicht ge- 
lähmt , das Kauen und Schlingen nicht gehindert^ 
in keinem Theile irgend eine Lähmung wahrzn- 
nehmen, und dennoch w;ar es dem Kinde unmög- 
lich » auch nur einen ^örbaren Laut, noch weniger 
ein vernehmbares Wort hervorzubringen. Der Dr. 
Siutinger suchte die Ursache in einer Verstimmung 
oder jLähmung der nervorum recurrentium , die sich 
in den Muskeln des Kehlkopfes rerbreiten , liefe in 
dieser Gegend reizende Salben einreiben , später ein 
Vesicatorium legen ^ und suchte die Thätigkeie der 
Haut durch' schweifstreibende Mittel zu befördern« 
Nach 6 Tagen fand sich daa Vermögen zum Spre- 
chen wieder, und bald nachher trat auch die yöl- 
lige Genesung ein. 

Pemphigus hei einem neugehomen Kinde» — Am 
5ten Tage nach der Geburt erschienen reichlich auf 
dem Gesichte, dem Halse, den Geburtstheilen, den 
Händen und Fflfsen Blasen von der Gröfse einet 
Dreiers bis zu der eines Thalers, welche sich mit 
Lymphe füllten, und deren dünne Hsut leicht 
piatste. Auf dem Rumpfe und am Kopfe bemerkte 
man nur einzelne wemgo solcher Blasen ^ auf den 

Jouxn,LX.B.4.St, H 



— 114 — 



wnrd«. Hülfe wir aidit 
Ta^ erfolge« in Tod. 
Ait-Dbbbrwn.) 

Ol. Ritini mrttfir. bei rtritepfunc. — In cImb 
Fall bannlcUgei, 6 Tage Uag dinenidn aiitrmitio 
aici, wo der Enolie icboii Tide Miuel gebiaachl 
halte, brwie* lich du O/mm Crsccs sn a Tropft« 
in 1 Urne Moliiiöl infierit wo&liiilti^, und braclm 
in Zeit TOD eiDigcn Stunden mcbiere leifilu« Dmb> 
■luleeniDgen li error. 



(Die FoTtMUUDg folgr.) 



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Sternbl., Wind, Hegen. 




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Das Wetter im Occbber wir im Giniea Kahl 
und ^ttdrcich, lonnie und mäfsigTagnist, die Luft 
■ehr feucht, der henscheuda-Wind- und WoUea- 
■ug aui Sadweit. — Bis luiu gteii wiren, aurier 
dem 5ten, ivo ei den etmen Tig legnete , laae 
hello Tage, den gteu Abend« macht« ein Gewitter 
dieiem angenehmen Nicbtoinmei; ein Ende, und ea 
traten Ton da ab bii eu Ende de« Monat« koblei 
U sogar frische , meiit «tQimiache und windreiche 
Tige mit abvreofaielnden Heeen ein : der 23«ta tind 
jogt« waien mit Nachtfrost beglekel. 

Der Himmel war 1 Tag heiter, 6 Tage trttb, la 
T*ge gehrochen, 12 Tage «onnig. Der ffindtaga 
TTurea vj, davon 6 itfirmiich. Rigen fiel 14 mUf 
3 Taee waren neblLcht. Der Temperatur naeli gab 
ea 6 lane, 17 kühle und 5 friiche Tage unter +& 
wovon der 35. und 3oste mit Nachimilt besaicfi- 
. UM waren. Der BetchsSenheit der Luft gemlla gab 
M nur I mittelfanchten T«g und 30 gant feuGM« 
Tage. Am gten Abend« «folgte ein Gewitter ohno 
Regen. 



— 117 — 



JOer Stand des Bmrvmtmters vni a&ilü^ kocii 
und bcBUmdi^. Unter 95 Beobachtmi^ii öo nul 
gfjtt^r , 4 mal a<{/^ und S9 jaaal üi^r £8 Zoll. 

Der höchste Sumd d.SAsten 28" 4''M 

D«r niedrigste den laiten «7" ^''' > Dnfecncii. ii'" 

I>cr taittlere .... a7"Jo'") 

I>cr Sumd des Titermometers war unter 95 Beob- 
acktimpen j5 mal «wiachen u und -^r^, ^SumI »wi- 
schen + 5 nnd +10, s3 mal swiseken i& und i3^> 
und 7 «aal «wiadicn 15 und 16-}-. 

Der /icr'c&j«* Stand d. aten +i6«>^ 

Der niedrigste d. sgsten +i| l UntcndM^ t4i°. 

Der mittlere .... + 8 ) 

J>M Hygrometer iiand 
am feuchtesten den B^mMk 91® ^ 
am trockensten den fiten 41^ V UnterMBJLiied 50^. 
Der mittlere Stand 78°) 

q3 Beobadaangen des fT^indes gaben folgendes 
Resülut : Süd lo sul, Südost 22 nuly Südwest üi uaL 



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£f WBcdesi gehören : 507 Knaben. 

a6C Mäd chen. 

573 londer, (2 mal Zwil- 
linge). 

Cs stmrben i 5o3 Penonen , (388 «teer u* 

^35 >^^ 10 Jähxen). 

Mehr gehjeremi 50 £inder. 

VnehUeh wttrden geboren 43 Knaben. 

45 Mädchen« 

88 Kinder. 

£• staihsm maehlieh gebomc Cader : aS Knebea. 

35 Mädchen, 

65 Kinder« 

Et lind alfo 25 unehlich! Kinder aehrgibo* 
ren ili gestorben« 

Getränt wurden 206 Piare. 



— 118 — 

^ Di« Todtenlisten dieses Monat« eiuEi 
Zeitraum rom isten bis tgsten October. J 
Tae fielen im Durchschnitt beinahe lo' 
und 18 Todesfälle. Im Vergleich zum vsy 
nat ist die Zahl der Geburten täglich va 
gen, die Zahl der Todesfälle gleich gßhlk 

Vermehrt htLt sich die Sterblichkeit: m 
pfen um 5, am Wasserkopf um ^, am; 
neber um 19 • «u der Bräunei um a » ann 
um 19^ im Kindbette um 1, durch Entki 
3, am Stickhusten um 1* 

' Vermindert hat sich die Sterblicbk« 

fleich zum vorigen Monat: tlus Schwii 
eim Zahnen um 5, an Poeken um i, 
um 2> am Entsandunssfieber um 9, am I 
um 1 9 am Schleimfieber um s, am Nem 
s,, am Zehrfieber um 15, an der Lungen« 
an der Wassersucht um ^; am Blntstart 
Durchfall um 5. dUroh Ungl&cksfälle 
Zahl der Todtgebornen um 2* 

Gleichgehliehen ist die Sterblichkei 
Gicht — 2-^ die Zahl der Selbstmörder' 

Von den 288 Gestorhenen unter 10 Ja 
163 im ersten, 59 im zv^^'eiten» 3o. im dni 
vierten, 8 im fünften, 55 vom gten^bis l 
Die Sterblichkeit in diesen Altern bat sii 
gleich zum vorigen Monat um &2 vermin 

Im ersten Lehens jähre starben (die 
bornen mitgerechnet) 87 Knaben 76 Mäd 
unter 10 aus Schwäche, 14 beim Zahne 
ter Krämpfen, 1 an Schwämmen, 3 an £n 
fiebern, 11 am Zehrfieber, a au der Brä< 
SohlagEufs. 

Von den 65 gestorhiBnen unehlich gel 
dem waren 47 im ersten, 9 im zweiten, 
ten, 1 im vierten , s- im fftnften, 2 vc 
Jahren. Es waren gestorben: a ans S* 
beim ZaBnen, 55 unter Krämpfen, 1 an 
fi am Scharlacnfieber, 6 am Zehrfieber, 
Bräune, t an der Wassersucht/ 5 am Sei 
waren todt geboren. 

Von den fi55 Gestorhenen über 10 Jal 
17 von !•. bis i5 Jahren , 7 von 15 bis a 



^ 119 — 

20 hu 5o, 53 vorn 5o bis 40» 37 von 40 bis 5o, 2y yon 
5obi8 60, 31 von 60 bis 70» 39 von 70 bis go, i4 von 
go bis QO, 9 TOn 90 bis 100 Jahren. Die Sterblich- 
keit in diesen Altern hat sich in Vergleich ifeumwö- 
rigen Monat um id vermehrt. 

Unglücksfälle, 5 Männer sind ertrunken, 1 Knabo 
ii( überfahren. 

Selbstmörder» Erstochen hat sich 1 Mann , er* 
säuft hat sich 1 Mann, erhängt haben sichi a Män- 
ner^ erschossen hat sich 1 Mann. 



Der GrundcharaKter der KranKheiten ist aucli 
in diesem Monat derselbe geblieben, m,ehr zum 
nervösen nei(;end» dabei zeigten sicti catarrhalisch- 
rheumatischeAEFectionen vorherrschend» DieGleich- 
mäfsigkeit in der Temperatur im Barometerstande, 
die 57renigen Verändemneen des Windes ^ sind die 
Ursachen» dafs die Zahl der akuten Krankheiten sich 
vermindert y die vorhandenen nicht bösartig auftra* 
ten* Das Scharlachfieber .prädominirt noch vor al- 
len Krankheiten in Hinsicht seiner epidemischen 
Verbreitung y und der durch dasselbe veranlafsten 
Mortalität. Die meisten der Gestorbenen befanden 
sich in dem Alter .von 5 bis 1^ Jahren ^ nämlich 
15 vom 5 bis xoten, 9 von 10 bis 15 Jahren. Die 
Aneina ist noch immer sehr bedeutend ^ der Ver- 
lauf wankend, die Eruption träg^. Drüsenanschwel- 
lungen und Vereiteriiugen als Folge häufig« Alle 
übrigen ezanthematischen Krankheiten treten lu^ 
rück. 



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iiiib, Hegeu, iHlnu. 




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K?„;n»^r:i;iai. • 






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. .teriihelf, "Wolke^ VT&Ld. 
r iriib. Regen. 
" 'rill). Argen. 

ri'ib, Begen,- 
riib, aiuenchm. 

riib, ■Dgeuehnu 
riibi anganelut. 

iriilj, Heien. 

1^ aebliciic. 



* ■■Ü 7 



' +st e 



SierDblicke. 
' r. Iliiomel, Froil. 
•t, aogeuBbia. 



rolUs. 

ngeueb». 



Die Wlctetung In dieietn MonaC Wit milJ, 
vrtndteioj) , det Utminel gebrochen , die Lufc »dir 
feucht. NuE der ate, iQia und aStta waren gam 
regcnfrcy) oft viel PlaHnigtii, besoudcvs In dea 
S^chi«!!, und in der einen Monutshiilfte vrütheten 
faerüg« SlOtme. Froit und Sfilmee bliehen, •<- «in 
»ehi lellenet PhU — auch in diMem Monat gJns- 
, lieb aiut Kiu Sttif icigte ^ob ua filui* idten uod 



— 123 — 

agsten, wo das Therniometer den Gefriorpnn^t ii«he 
Kam. Einigemal fiel Hagel; oft aber nie anhaltend, 
zeigte sich Nebel, 

Der Himmel war 3 Tage hell mit Wolken , 12 
Tage.tröb, und 15 Tage gebrochen. PVindtagß gab 
«8 l6 » davon 7 stftrmiscb. Regentage waren iß. 

Der Temperatur der Luft nach gab «• s8 milde 
Tage^ 12 frische, von denen der i6te und üQsiQ 
If achtfröste hatten. Feuchte Tage waren 5o. 

Der Stand des Barometers war niedrig und be- 
ständig. Unter 90 Beobachtungen 67 mal anter, 4 
mal auf und 19 mal über 28 Zoll. ' 

Der höchste Stand d. 7ten 28" a'" ) 

Der niedrigste d, i4ten »7'' 4'" \ Unterscb« loj'" 

Der mittlere a7'^ii'".) 

Der Stand das Thermometers war unter 90 Be- 
obachtungen I mal auf o, 59 mal swischext o und 
5 + > 3o mal zwischen 5 und 9 4- H.« 

DerhÖchsteStanddencosten 4-9°) 

Der niedrigste den 26sten o > üntersch 9^. 

Der mittlere + 4 v ' ■ 

Das Hygrometer stand 
am feuchtesten den Boston 9S^) 
am trockensten den i8ten 50^ > Unterschied 57^. 
der mittlere Stand .78^V 

Qo Beobaclitungen des Windes gaben folgendes 
Eesultat: West 9 mal, Sudwest 8x mal. 



Es yfMt^tik geboren: 327 Knaben«. 

523 Mädchen. 

650 Kinder (5 mal Zwillinge«) 

Es ttarhen 615 Personen (3i4 üher, und 

299 unter lo J«hre;D.) 

Mehr gehören 57 Kinder« 

unehlich wurden geboren t 43 Knaben* 

74 Mädchi&n. 

>■ , 

117 Kinder« 






— i2ä — . 

Scharlachfieber, 4 *n Entzflncfungsfieberny la am 
Zehrfieber, 2 an der Bräune > 12 am Schlagflufs» 5 
an unbestimmten Krankheiten. 

Von den 56 gestorbenen unehlich gehomen Kiw^ 
{lern waren 44 ^^^ ersten , 4 im zweiten , 5 iitt 
dritten y 4 im vierten, 1 im fünften, si, von 5 bis 
10 Jahren y 1 von 10 bis i5 Jahren. (?) Darantat 
starben: aus Schwäche 5, beim IZahnen a, unter 
Krämpfen 20 9 am Scharlach i, an der Bräune i, am 
Schlagflufs 7, am Entzündungsfiebet 2» am Zehr- 
fieber 13, am Stickhusten i» 

Von den ^i4- Gestorbenen über 10 Jahren warttn 
18 von 10 bis i5 Jahren, 15 von i5 bis 20, 44 von 
2,0 bis 3oy 5i von 50 bis 40 , 43 von 40 bis 50f 53 
von 50 bis 60 y 49 von 60 bis 70 9 34 von 70 bis 8o> 
20 von 80 bis 90, 3 über 90 Jahr alt*- Die Sterb- 
lichkeit in diesen Jahren hat sich in Vergleich 
zum vorigen Monat um 79 vermehrt. 

Unglücksfalle» Ertrunken ist 1 Frau, erstickt ist 
1 Mann , an Kopfverletzung starben 2 Männer. 

Selbstmord. Erhängt haben sich 2 Männer, ver» 
giftet hat sich 1 Mann , in den Hals geschnitten i Frau 



Auch dieser Monat zeichnete sich durch eino 
grofse Gleichförmigkeit der meteorischen Erschei- 
nungen aus, Temperatur, Schwere, Dichtigkeit der 
Liufc erlitt wenig Veränderungen, nur wechselta 
häufig die Kraft der Bewegung der Luft bei fast un- 
unterbrochen feiten Standpunkt des Windes. Ab- 
änderungen in dem Charakter der Krankheiten im' 
Vergleich zum vorigen Monat erschienen nicht be- 
deutend. Vorzüglich häufig traten bei der ^rofsen 
Feuchtigkeit der Luft sehr viel rheumatisch - gich- 
tische A£Fectionen auf. Erysipelatöse Entzündungen 
des Gesichts, des ganzen Kopfs, mit Zahnleiden. 
Scharlachfiebei ist m - und extensiv gleic& stark, 
wie im vorigen Monat, erschienen» Die gröfste 
Sterblichkeit zeigte sich im Alter vom isten bis 
2ten (i3), und vom 3ten bis 4ten Jahre (ii)* Au* 
fserdem finden wir, wie im vorigen Monat, di« 
Anzahl der an der Bräune v«ritorbenen vennelut, 






— 126 ^ 

bMonden im Ktndllclicii Alter, ein Baw<li^ ^E> 

verUrrta Gcha^lacbCebei nicht aalten Torkomni'iit 
Unter den an der Wasiariucht verttorbenon finden 
wir die Aatablider Rinder lehr gering, \rodurch 
'vric wohl sn den SdiJufs berechtigt weiden, dafi 
Hydrops post, icarlatinam in dieser Epidemie aeltan 
ericbeint, wenigsten« selten tödtet. Sctlagflana 
■ind htufig, beiondera in den Cogcr Jaliren, aoer im 
Allgemeinen da« Eikraniien und Stetben im bShem 
Alter bei dieier bdciut bewegten und feuchten IiuTi 
■eltener. 



SpecUllt Vthtriicht der im Nooemb»r 18^4 ta Bdrlöt 
Geitorbeiten , nach Krankheittn and Geschlackt. ' 



Jlus Schwiicho 



Am ScüarlachlieLer . 
■ Am Fiiejel und rieckfielior . 
An EnlEimdiinsB&Bbeni 
An> G>IUnliel>er 
Ad Sclileimiicbei . 
Am I* ervenfieber 
Am ibzeb. oder iclilelcheii^ X 



Am Si^lagflnrt. . 
An dec Gltht . 
An dot niicka^adar 



Krinkht.ten. 


ich: 

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cciit 
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ibi. 


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Am Dnrchfill und doi Bnlir. 
All X-uiheiventOFhtns . 
Ah der MfUjchüli« l.idW.lin.i.ill 
In dem Kindbens .... 

SelbinuöldaB 


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Dia B(hlioth»1t d. pr.Hailkundtjipriti825 ntthSUt 
C. P. Harleft Handbuch dfrärUlieheniaimk.(ForU.'> 
£iir(« UtfrSrittht Antöigetu 

t etliche t Handhach. 



I Skii 



illgemtin*» 
ifmadt vid Kongl, La- 



Pathologie. 
Chirurgiika Händalier t 

laretft, af C. J. Diitrom. 
M. Schilling de Coni*l. Celsi oita. 
C C. B. Suringar de niiu fortaativo. 
C. de Vos de natura* oigore majori Graeeo IJip' 

pocratU tetupore, fuum in noilrit hoininibiUi 

Journalittik. 

. Jrthioei generalei de Midecine. T. IV. — Vtbf^ 
den Croup der Ermachiejten. — üeher die Harri' 
röhre im mäitnlitheit und iceiblichtn Gesehlechu. 
— Exttirpation der Parotii, — Operation der 
DarmtiniehUbuns. — Ütber Febres interaütuntu 
"■ ptmüioiiu, •— Vtbtr Gaߧlim, ^ Heilung »iMr , 



/ 



— 128 — 

Gsstchiswunde durch Einsetzen, eines Vanthm» 
p€ns, — üeber Jodine, — Ueber die Frucht der 
Tanghinia. — üeber Anwendung des Terpenthütm 
eis in der Ischiadik, — Ueber zurückgehaltene 
Darmausleerung während der Schwangerschaft» — 
üeber Anwendung des Tart, emeticus in 'Srofsen 
Oaben'. — Üeber Paraplegie» — Fibrös "K^norpe» 
licJiteKör-perchenin einer zellichten Sackge schwulst» 
— Ueber einen ooluminösen Tumor im Eierstocke» 
.k— Üeber Blutschwamm und Markschwamm im 
Eierstocke. 

Akademische Schriften der Universität 

zu Berlin» 

eh. G» H ei d rieh Diss, sistens casum memorabiL 

Ascit ae et destructionis ooariorum. 
G» JHöhring de Anatomia , Pathologia et Phy* 

siolo^ia Glandulae thyreoideae, 
C F. Neumann de oculorum examine» 
U, D» Jonas de Chirurgia infusoriuk 
C F, Koch de observationibüs nonnullis mieroseo» 

picis sanguinis cursum et inflammationem spec- 

tantibus» 
£. G» Herzog Analecta quaedam circa Ophthal» 

moscopiam. 
A. Reisig de VentricuU in Cava thoracis situ cQnm 

genito, 
J. C, JVIafsmann Desvript» oateoh cranii Myrrne^ 

cophagae tetradactylae^ 



Jon r i^ a 1 

d c r * 

practischen Heilkunde. 

Herausgegeben 

von 

C. W. H u f e I a n d, 

Königl. Freufs, 6taatsrath , Ritter des rothen Adler* 

Ordens zweiter Klasse, erstem Leibarsty Prof . der Me« 

dicinaaf der Universit&t zu Berlin, Mitglied der Aca« 

deniie der Wissenschaften et«. 

und 

E. O a a n n, 

ordentlichem Professor der Medicin an der Medicx« 

nisch-Chimrgischen Academie ffirdasMilitair, aufser« 

ordentlichen an der Universität zu Berlin , und Mit. 

glied mehrerer gelehrten Gesellschaften« 



OraUf Freund p ist alle Theorie, 
Doch grün des Lehens goldner Baum^ 

Gothe, 



V. Stück. Mai. 



" » 

B r I i n 1 8 2 5. 
Gedruckt und verlegt bei G, Reimer« 



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I. 

Einige Erfahrungen 

ü b • r 

I die Wirksamkeit 

des innerlichen 

Gebrauches des Terpenthinöls 

gegen 

den Band-» oder Kettenwurm 

(Taenia Solium). 

Von 

» 

C. P. V. Pommer, M. Dr. 

StAftbfATit und Ritter des K, Wfirtemb» GiTÜ*Ter- 
dienst • Ordens stt Heübronn» 



lauter den mehrfachen Heilmethoden und Ar z- 
neimitteln^ mit welchen uns die englischen 
Aerzte in neuern Zeiten bekannt gemacht ha- 
ben ) deren praktische Brauchbarkeit sich aber 
leider, bei weitem nicht immer auf dem Pro- 
bierstein teutscher Aerjste bewahrte, gehört 
unstreitig auch di^Empfehlung der innerlichen 
Anwendung des Terpenthinöls gegen den Band- 
wurm. Zwar ^ sind es nicht allein die £ng« 
länder, welche das genannte Mittel zur Tod- 
tung und Austreibung dieses Schmarotzerlhiera 

A2 



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— 4 — 



js dem incnscliliclien DAnnk.inal zNOtj 
Gebrauch zojren, sondern auch *cki 
Aerzte ^) haben dasselbe längst sdioni 
den Bandwurm mit Nutzen in Adwc 
bracht , und die Aerzte zu ferneren Ve 
mit diesem wirksamen Medikament 
dert. Unstreitig aber rühren die meslil 
fahrungen über die Wirksamkeit des 
thinöls gegen die Taenia von den 
her, und aul'ser den von Hrn. rrofesnl 
in Teutschland zuerst öirentlich 
machten Erfahr uugen über dasselbe 
gen die Tamia *^*) ist mir bis jelit, 
stens aus neuem Zeiten« durch teutfldMi 
keine Nachricht öiTentlich bekannt 
in' welcher von weiteren Versuchen aÄ^ 
selben^ von seineu Vortheilen oder 
len, oder von seiner Unwirksamkeit^^ 
Bandwurmkrankheit die Kede gewem' 

Es verdient aber das TerpentUoB! 
nur eben schon wegen seiner vielfach 
ten Wirksamkeit durch ausländische 
gegen die Taenia unsere volle Aufmerl 
imd weitere Prüfung, sondern es vei 
selbe um so mehr, als viele der 
Bandwurm sonst ge wohnlich angewand 
mittel gar häufig wirkungslos bleibe!' 
fehlschlagen, dafs sie ferner > sie 
Zweck der Tödtung oder Austreibungdesl 
mes erreichen oder nicht, den 
Kranken oft in bedeutendem Grade 



Koiff 



*) Und zwar schon vor mehr als 50 Jah0i 
Ekmann neuerlich bewiesen hat. Sl & 
Ber'dtteUe om Svenska Läkare^SäUskß^ 
"beten etc, af E. Gadelius, 'StocUtolii 
Medic. chir. Zeitg. Jahrg. i823. Nr. 10& ^ 

**) Im Journal der prakr. Heilk. i8t6. ^9* 



— 5 — 

ja nicht 'selten, uiul zwar ohne dafs der Wurm 
dabei iorlgeschalTt worden wäre, auf kürzere 
oder Jaogere Zeit in eine Art von Jvünsdicher 
Krankheit versetzen; dafs lerner mehrere der 
gewöhnlich gerühmfen Ivurmethoden des B^d- 
wurnis eine für den Kranken mehr oder we- 
niger lastige Vorbereitung erfordern,. zum.Theil 
auch in ziemlichem Maal'se zusammengesetzt 
sind,, ihr längerer Gebrauch die Geduld des 
Kranken oft ermüdet, und auch etliche Me- 
dikamente dieser Art, wie z. B. unter andern 
die männliche Farrenkrautwurzel, nicht immer 
frisch oder ^cht ^) in allen Apotheken ange- 
liolTen werden. Während dagegen der Ge- 
brauch äes Terpenthinöls dem Körper weder 
einen gleichzeitigen noch spätem Schaden Ver- 
ursacht^ die Behandlung durch dasselbe bin- 
nen kurzer Zeit vollendet ist, der Patient kei- 
ner besondern Vorbereitung zu derselben be- 
darf, und das einfache und wohlfeile Mittel 
aus allen Apotheken frisch und acht bezogen 
werden kann. **) 

Ich habe den Nutzen des innerlichen Ge-^ 
brauches des Terpenthinöls' gegen den bewaff- 
neten Band - oder Kettenwurm in mehreren 
Fällen erprobt gefunden, in welchen zuvor die 
gerüfamtesten Kurmethoden gegen denselben 
vergeblich angewendet worden waren, und 
habe bis jetzt noch nie Nachtheil von jenem 

*) Sie wird suweil«n mit der Wuriel der Pt9ris 
aquilina verwechfelt« 

**) Die Yerfälschang des Terpenthinöls mit Kianöl 
{Oleum Pini) oder der Verkauf dei letttem sutc 
des Erstem gesobiekt sehen, und der Unter- 
schied swischen beiden in Farbe , Geruch und 
Cousistenz Kann m der Kegel ohne Schwierig- 
keit entdecke werden* 



— 6 — 

Medikamente beobachtet, vielmeür getei 
dafs in keinem der Fälle, in weichend» 
' gegen die Taenia gebraucht worden w»i 
ser Wurm sich je wieder erzeugt hätte, 
anch andere Würmer im Darmkanal d« 
maligen Bandwurmkranken ^ sich Jatoi 
nachher , während welcher Zeit idi i 
Personen noch zu beobachten Gelegenheill 
je wieder entstanden wären, woriihen 
unten noch ausführlicher die Rede seji 

Der erste meiner Kranken, wddn 
durch den innerlichen Gebrauch des T( 
thinüls vom Bandwurme befreite, m 
21jährige Soldat Jakob Küntzel, seiM 

. fession ein Schmidt, von grofser Stati 
hagerem Aussehen , welcher angab, sdio 
seinem lOten Jahre an am Bandwurm] 
den, und gegen denselben eine Meog« 
neien gebraucht zu haben, ohne dalsi 
Wurmes los werden konnte. Ehe sie 
Bandwurm bei ihm gezeigt , . seyen io i 
frühern Kinderjahren öfters SpuhlwiinDi 
ihm abgegangen, wobei er übrigens, i 

^ er sich erinnern könne , nie eigentlich 

gewesen sey , aufser daf« er die sonst ge^ 

Uchen Kinderkrankheiten gehabt habe. 

Anwesenheit des BJlndwurmes vonseineii 

Jahre an habe man an einzelnen Stif 

oder Gliedern desselben erkannt, diei 

ohne dafs er deren Abgang empfiifli« 

Bett oder in die Beinkleider gekrochett« 

und die er auch an seinen Darmaaslefli 

zuweilen wahrgenommen habe. Auf^ 

seinen Aeltern dagegen gesuchte ärzlliche 

wären zwar mehrmals Ellen - lange Släcl 

Bandwurms ausgetrieben worden, sotalt 



— x7 — 

aber mit dein Gebrauch der Arzneien aufge« 
liört, hätte. sich der Wurm wieder gezeigt, 
und er haoe daher, des Arzneieinnehmens 
müde,, in den letzten drei Jahren vor seiner 
Einreihung ins Militair, nichts mehr gegen 
denselben gebraucht, und die Beschwerden, 
welche ihm der Wurm verursacht , so gut als 
er es vermochte, ertrltgen ; jetzt aber, wo die- 
selben immer mehr zunähmen , könne er nicht 
mehr länger ohne ärztliche Hülfe bleiben, 
wefswegen er sich krank melden müsse. 

Seine Klage bestand hauptsächlich darln^ 
dafs er häufigen Schmerz im Unterleibe, ins- 
besondere in der Gegend des Nabels und der 
linken Weiche habe, wobei sich der Unterr 
leib bald zusammenziehe, bald aufblähe, ne- 
ben dem, dafs «s in seinem Leibe viel' kol- 
lere, und er Hitze und Brennen in demselben 
spüre. Oefters esse er mehr als andere Leute; 
zuweilen aber habe er keinen Appetit, und 
möge keine Speise ansehen. Meistens sei es 
ihm jedoch des Morgens, wenn er noch nichts 
gegessen, am weniglsten wohl, denn alsdann 
bekonune er ein Gefühl von Schwäche und 
Weheseyn fast bis zur Ohnmacht, Zittern in 
den Gliedern, leeres Au&tofsen und Kribbeln 
in der Herzgrube mit starkem Zuflüsse des 
Speichels in den Mund und Zusammenschnü- 
ren des Halses. Diese Zufälle hörten zwar 
gewöhnlich nach dem Genüsse von Speise vne^ 
der auf, stellten sich jedoch ein Faar Stunden 
nach dem Essen wieder ein, und dauerten auf 
solche Weise , hur in geringerem Grade , den 
ganzen Tag fort. Milch und Mehlspeisen könne 
er am besten ertragen, und bei diesen sey 
sein Wurm am ruhigsten, Sauerkraut dagegen, 



— 9 — 

her, oder safs bei heiterer Witterung vor der , 
Thüre des Hauses, iiod klagte ohne ausdrück- 
liches Befragen über nichts weiter, als über 
die Zufälle, welche iliin der Bandwurm er- 
rege, von ,welchem von Zeit zu Zeit einzelne 
gröfserer und kleinere Glieder abgingen. Zu- 
fälle von Convulsionen, Epilepsie, Veitstanz ^ 
oder ähnliche Erscheinungen, hatte K. nie 
während der Zeit, als er seinen Wurm be- 
herbergte , erlitten , und zwar auch nicht iii 
den Jahren der Pubertät; auch war der Wachs- 
thum seines Körpers in die Länge wahrend 
der Anwesenheit des Bandwurmes durchaus 
nicht gehemmt worden. 

Ohne Weitere Vorbereitung, als dafs K. 
den Abend zuvor blofs eine Wassersuppe ge-. 
nofs, erhielt $r Morgens nüchtern einen Efs- 
löflel voll Terpenthinül , nach einer halben 
Stunde den zweiten , und um 7 Uhr deii drit- 
ten Löffel voll. Er verspürte hierauf blofe • 
einiges Poltern im Unterleibe. Um halb 8 Uhr 
bekam er dann zwei 'Efslöffel voll Oel auf 
einmal , wornach Neigung zum Erbrechen ein- 
trat, welches nun auch, wirklich mit etwas 
weilslichem Schleime erfolgte , als K. eine 
halbe Stunde später wieder zwei Efslöffel des 
Oels erhielt. Auf einen um halb 9 Uhr ge- 
nommenen weiteren Löffel voll OL Terebinth, 
erfolgte ein Stuhlgang mit 'festen Excremen- 
ten und fünf Stückchen Bandwurm, deren je- 
des die Länge eines Fingergliedes und die 
Breite von etlichen Linien hatte. 

Da K. bis jetzt durchaus keine Zufalle 
verspürte^ oder an sich wahrnehmen liefs, 
welche es räthlich machten, von dem hoch 
weiteren Gebrauche des M'edicamentes abzu- 



— 11 — 

.1 

desselben. Er erliolle sich - nun in kurzer Zeit 
gänzlich , kehrte gesund in die Kaserne zu- 
rück, woselbst er seinen Dienst als Soldat 
verrichtete, kam darauf späterhin in Urlaub, 
und arbeitet als Schmiedegeselle * schon seit 
mehreren Jahren in einem Dorfe der hiesigen 
Gegend , von wo auS' er oft in die Stadt kommt, 
bei vollen Kräften und beständiger Gesund- 
heit, ohne je vom Bandwurme mehr etwas 
verspürt, oder von einem gliederweisen Ab-r 
gange desselben mehr etwas bemerkt zu ha- 
ben. K. hatte binnen 10 Stunden 6 Unzen 
Terbenthinöl nach und nach eingenommen. 

ünterofficier Wendelin Konig, 28 Jahre 
alt, von untersetztem Körperbau, und als Knabe 
häufig an Bauchschmerzen mit Abgang von 
Spuhlwürmern leidend, bemerkte in seinem 
lOlen Jahre zum ersten Mal b^im Stuhlgang 
den Abgang eines mehrere Ellen langen Band- 
wurmstücks, welches am After abrifs;^ nach 
w^enigen Wochen verlor er ein zweites , an- 
derthalb Ellen langes Stück dieser Art, und 
ein kleineres folgte diesem nach etwa drei- 
viertel Jaliren. Der Abgang diesei Wurm- 
stücke erfolgte, der Angabe nach, in jener 
Zeit ohne vorangegangene oder gleichzeitige 
Beschwerden irgend einer Art , und es schien, 
als wenn der Wurm sich eben sowohl ohne 
Unbequemlichkeit für seinen Inhabei; -erzeugt 
und ausgebildet hätte; als er ohne Beschwer* 
den theilweise wieder von demselben abging. 
In den nächst folgenden Jahren jedoch, wäh- 
rend welcher Tt. seinem militärischen' Dienst 
übrigeqs stets fort versah , gesellten sich zu 
dem noch immer von Zeit zu Zeit erfolgen- 
den Abgänge von Stücken des Kettenwurioes 



— 12 — 

sehr bemerkliche kranlvLaHe Zufälle, i 

lieh ein öitt* res Brennen in der llajrea 

wie "von einem KohlFeuer, zuweüea 

chen und \ erslü2>luii€ , 3lnngel an . 

schleimige Zunge und pappiger Ges 

wozii dann auch oo'ch Schwindel um 

nommener Kopf, besonders im Vorde 

sehr unruhiger SchJaf, erweilerte 1 

ein Gefühl von Angst in der Herzgnl 

ses Aussehen, und unregelmäfsiges 

und Hilze kamen. Ungeachtet nua 

schiede nen Zeiten eine Heihe der g( 

sten Mittel gegen den Bandwurm, nai 

unter Andern starke Dosen Calomel niil 

Asa foetida, Steinöi und Wermuth, i 

in grofsen Gaben, Gumm. Gutt. m 

Mas, letzteres noch in Verbindung] 

zereum, Eisenvitriol und Calomel, in. 

düng gebracht wurden , so gelang es i 

je durch eines oder mehrerer dieser ] 

ander verbundenen Bledikamente, uoo 

auch nur ein einziges Glied der Tu 

dem Darmkanale zu scbalFen, währen 

gen, als mit den Heilversuchen nun 

Zeit gänzlich ausgesetzt worden war, 

von Zeit zu Zeit gröfsere und kleiner 

wurmstücke ohne Arzneigebrauch vo 

abgingen. 

Im Sommer 1822 nun, etliche Jak 
dem K. nichts mehr gegen seinen Bai 
gebraucht hatte, zu einer Zeit, wo groJ 
herrschte, liefs K. unverlyenn^bare Spii 
Geistesverwirrung an sich wahrnehmen 
eine zunächst bekannte innere oder 
Ursache versah K. die ihm iibertr<igefl 
Schafte entweder gar nicht mehr, od 



, ' 



kebrl, lief in einer Art Insllgem Wfihnsione 
umher, wobei er sich Aveiler um INiemand 
bekümmerle, oder auf verniinflige Vurstelluh- 
gen achtete, machte dabei allerlei fiärrische 
Gestikulationen, imd ging insbesondere darauf 
aus, unzeitiges Obst von den Bäumen zu rei- 
fsen, und solches mit Hast zu verzehren, lie- 
ber die Unzweckmäfsigkeit seiner Handlungen 
mit müdem Ernste zur Rede gestellt, antwor. 
tete er dann gar nicht, nnd sah betreten vor 
si6h hin, über sein körperliches Befinden aber 
befragt, äufserte er: ihm sei wohl, er habe 
nirgends Schmerzen, und es fehle ihm über- 
haupt nichts ; auch« gingen "wirklich , 4em An- 
scheine nach , sämmtliche Verrichtungen sei- 
nes Körpers sonst gut von Statten, und na- 
mentlich zeigten Puls, Athemholen, Haut und 
Zunge , so wie die Darm- und Urinausleerun- 
gen keinen krankhaften Zustand ap. 

Da dessen ungeachtet mit Grund vermuthet 
werden konnte, es möchte die Anwesenheit 
des Bandwurmes an K. Seelenslörung Ursache 
seyn, so erhielt er Morgens nüchtern auf ein 
Mal eine Unze Terpenthinöl, worauf er eini-^ 
ges Grimmen empfand , und eine halbe Stunde 
nach dem Einnehmen etliche Unzen Urin liefs, 
welcher stark nach Veilchen roch. Nach zwei 
Standen erhielt K. eine zweite Unze des Oels, 
worauf sich wieder ein leichter Schmerz im 
Unterleibe einstellte, auf welchen zuerst fe- 
stere und dann dünnere LeibesöfTnung eintrat. 
Die dritte, in der 6ten Stunde gegebene Unze 
Terpenthinöl erregte abermal einiges Poltern 
und Grimmen im Leibe ^ nebst dünnen Sedes. 
Auf die in der 8ten Stunde gegebene vierte 
Uni^e aber erfolgte ein reichliches Erbrechen 



— 14 — 

von Schleim, und eine halbe Sfiinde nacli die- 
sem der Abgcin^ eines sechs Klieii )«ingen Band' 
wuriiies , welcher \oii einer groisen Menge 
düoner und sehr schleimiger K^kremeiite um- 
gehen Wt'u*. Zwei in den nächst folgeDdeo 
Stunden noch gegebene Unzen Ol. Tereiinth, 
wurden von K. gleich lalls ohne weitere Be- 
schwerden erl ragen, und erregten erst am fol- 
genden fliorgen , nachdem er die Nacht zuvor 
gut geschlafen , und )nicht die geringsten Leib- 
schmerzen oder anderweitige Unbequemlich- 
keiten verspürt hatte, noch vier Mal dünne 
Sedes von grünlich - gelber Farbe, welche stark 
nach Terpenthinöl rochen. Der Urinabgang 
betrug wahrend der ganzen Zeit des Gebrau- 
ches des Oels nicht mehr als drei Viertel Schop- 
pen , zeigte aber dabei den gewöhnlichen Yeil- 
chengeruch, und hatte eine helle, gelbliche 
Farbe. Nach dem Abgange des Bandwurmes 
aus dem Darmkautil, verschwanden allmählig 
die gestörten Aeufserungen der Seele, Königs 
Handlungsweise wurde wieder vernünftig, wie 
zuvor, und anderthalb Jahre lang, wahrend 
welcher Zeit ich ihn noch fast laglich zu be- 
obachten Gelegenheit halte , befand er sich 
geistig und körperlich vollkommen gesaind, 
und nach den über ihn seit dem letztveiAos- 
senen halben Jahre eingezogenen zuverläfsigen 
Erkundigungen ist er beides auf gleiche Weise 
noch gegenwärtig , und ohne dafs sich seit der 
Zeit auch nur eine Spur von Bandwurm oder • 
einer Geistesstörung mehr bei ihm gezeigt 
hätte. 

V. B,y etliche und dreifsig Jahre alt, nn- 
verheirathet, in einer Familie geboren, in wel- 
cher mehrere Glieder der mäüinlicheti Seite 



— 15 — 

mit clironisclien Nervenilbeln ])ehaflet sind, litt 
in seinen zwanziger Ja]iieii kurz hinter ein- 
ander an Ruhr, Nerven- und Wechselfieber, 
so wie an Oedera der Fiifse, welch letzteres 
allmählich in ein habituelies Dickerseyn bei^ 
der Unterschenkel, besonders der Waden, mit 
beträchtlicher Varikosität der Blutadern dieser 
Theile, wie bei schwangern Frauen überging. 
Dabei nahm sein Nervensystem eine äuiserst 
reizbare, ungewöhnliche Stimmung an, und 
zu verschiedenen- Zeiten stellten sich bei ihm 
ohne besondere Vorboten , sogar convulsiri- 
sche, der Epilepsie ähnliche Anfälle ein. v. B. 
schien übrigens, dem ^ufsern Ansehen nach, 
eine gute Gesundheit zu geniefsen. Er zeigte» 
eine lebhafte Gesichtsfarbe^ afs, trank, und 
schlief meistens wie ein Gesunder, versah 
seine Geschäfte wie zuvor , und Niemahd war 
auf den ersten Blick geneigt, ihn für krank 
zu halten. 

Demungeachtet hatte sich bei ihm auch, 
wahrscheinlich aus derselben , vom Unterleibe 
ausgehenden schwächenden Ursache, welche 
sein Nervensystem in die eben benannte reiz- 
bare^ zuweilen bis zum Ausbrüche von con-- 
vulsivischeu und Epilepsie ähnlichen Anfälleti 
krankhaft gesteigerte Stimmung versetzt hatte,. 
der Bandwurm in seinem Darmkanale allmäh- 
lig ausgebildet, von welchem er in frühem 
Jahren, und vor der Zeit, als er an Nerven- 
und Wechselfiebern, so wie an der Ruhr ge- 
litten , nie etwas verspürt hatte , eben so we- 
nig als er sonst je wissentlich an andern 
Würmern gelitten haben wollte. Von Zeit 
zu Zieit gingen grüfsere und kleinere, einzel- 
ne und zusammenhängende Glieder des Ket- 



— 17 — 

Nervensystems und deren periodisch lieAigere 
Ausbrüche veranlasse und unterhalte, (um so 
mehr als es ja ohnediefs bekannt genug ist, 
dafs es fast keine Art von Nervenleiden gibt, 
welche nicht schon zuvr eilen durch die An- 
w^esenheit von Würmern im Darmkanale^ und 
vorzugsv^eise durch den Bandvrurm hervorge- 
bracht .worden wäre), oder ob dieselbe als 
einel^üir sich bestehende Krankheit betrachtet 
werden müsse, welche auch alsdann noch 
fortdauern würde, wenn schon der Bandwurm 
aus dem Speisekanal geschafft, und die con<- 
sensuelle Reizung des Nervensystems durch 
denselben aufgehört hätte, zu welch letzterer 
Annahme ich übrigen« mit mehreren Gründen 
als zu der erstem gedrungen war. 

Indesdtö beunruhigte den Patienten der 
Gedanke an seinen Wurm Tag und Nacht; 
ihm schrieb er (vielleicht zum Theil, um: sich 
selbst den Gedanken an eine für sich beste- 
hende Fallsucht zii verhehlen) je länger, je 
mehr seine ängstliche, reizbare und üble Ge- 
•müthsstimmung , die Käite seines Unterleibes, 
seine Beschwerden am After, am meisten aber 
die im Gefolge seiner convulsivischen Zufälle 
erscheinenden Zuckungeii in den Fiogern und 
Zehen, .so wie den zuweiligen Eintritt der 
epilepsieähnlicben Faroxysmen selbst siu, und 
er verlangte daher dringend, seines Schmar 
rotzers ein für alle Mal los zu werden. Auch 
war wirklich kein rationeller Grund vorhan- 
den, dem dringenden Wunsche des Kradken 
durch einen vorsichtig unternommen eo Heil- 
versuch entgegen zu seyn, da namentlich von 
dem .Terpentbinöl, welches ich als Heilmittel 
gegen die Taenia b,ei . dieseja Kranken a^iizu:«. 
Joarn* LX. B. 5« 8t, B 



— 18 — . 

wenden gedachte, keine schwächende oda 

derweitig Dachllieillge Wirkung auf dal 

ven^TStem zu erwarten stand, Yielmdff. 

sellie bekanntlich ohnediefs auch alsii 

lepiicum in neueren Zeiten von yeisdiMl 

Seiten her empfohlen wurde, und sein! 

Wendung im yenösen Torpor des Untdj 

nach Nerven - t|nd Wechselfiebern , nackl 

Seranschwellungen und höchst wahndil 

chen passiven Hamorrhoidalstockungeiij 

sie bei unserem Patienten Statt sa I 

schienen , keineswegs eine GegenanzeM 

Ueberdiefs konnte nach einer gelungenni 

treibung des Bandwurmes der nachlvl 

fortbestehende convulsiva Zustand des Ib 

systams des Patienten um so reiner beul 

und letzteres nach entferntem WunnNB 

den , wahrscheinlich alsdanu noch BOth 

digen, Gebrauch der geeigneten krampt 

gen und tonischen Arzneien erst um v 

pfanglicher gemacht werden, während fli 

gleich auch auf das Gemüth des Kranbi 

ruhigend einwirkte, wenn es gdang, 

Bai^dwurm aus seinem Darmkanale n i 

fen, obschpn alsdann das nachherip ! 

Zurückbleiben deift periodischen Nervenn 

im FaUe solches, wie es wahrscheinliA 

nach ' dem Verschwinden des ..Bandwi 

doch noch fort bestand, wenigstens fii 

Arzt, nur um so bedenklicher encb 

mufste. 

Patient erhielt nun Morgens 7\Shi^ 
ter drei und einen halben EfelofFel toH 
Titibintlnn. , welches dem Gewichte nadi 
rade eine volle Unze betrug. Er Ten| 
hierauf keine Veränderung irgend einer 



— 19 — 

kein Brennen im Schlünde , in der Speise- 
röhre oder dem Magen, kein Erbrechen, oder 
auch nur einiges Uebelseyn* Er bekam nun 
eine Slunde später wieder zwei Efslöffel des 
Oels y auf welches sich jetzt ein mafsiges Grim- 
mep^^und Poltern im Unterleibe mit dem Ab- 
gange eines vier Ellen langen Bandwurmes 
einstellte. Neben diesem aber ging zu glei- 
cher Zeit noch eine sehr grofse Anzahl klei- 
nerer Bandwurmstücke und einzelner Glieder 
^desselben ab , welche zum Theil bräunlich und 
halb abgestorben aussahen, im Uebrigen aber 
unverletzt waren. 

Dessen ungeachtet wurde es, besonders 
da Patient sich durch den Gebrauch des Mit- 
tels durchaus nicht angegriffen fühlte, für räth- 
lieh gehalten, in der zweiten und dritten Stunde 
nach dem Abgange des Wurmes 9 jedes Mal 
noch eine Unze Terpentfainöl auf ein Mal zu 
geben, worauf in Kurzem noch sechs Stuhl- 
gänge erfolgten , mit welchen wieder eine be- 
deutende Menge Bandwurmglleder ausgeleert 
wurden. Der Kranke fühlte n^n ein starkes 
Brennen und Kribbeln am Aiter, und hatte 
ein Gefühl in demselben , als wenn ihm Wür- 
mer zum After herauskriechen woUteow Mit 
dem Abgahge der Taenia- Stückchen flössen 
jedes Mal etliche Löffel voU bräunlicher dün- 
ner Excremente ab , die ganz wie Terpenthinöl 
rochen , uod bei den letzten Stuhlgängen fast 
reines Terpenthinöl zu seyn schienen. 

Der während des Gebrauchs dieses Medi- 
kaments abgegangene Urin zeigte einen star- 
ken Veilchengeruch. Brennen beim Urinlas- 
sen fand aber nie Statt, auch ward nicht viel 
Urin ausgeleert. Eingenommenaeyn des Kopfes 

B2 



— 20 — 

oder 3as Gefühl ron Berauschung, kl 
tient gleichfalls nicht , auch stellte i 
seinen Nervenzufallen keine Spur ein. 
Mittag empfand er Hunger , welchen « 
ein wenig Brod mit Wein befriedigte, 
mittags aber fühlte er sich etwas meh 
griffen, hatte starkes Brennen auisen 
ter, war aber dabei aulser Bette und 
Zimmer umher. 

Gegen Abend verloren sich diese 
Fatient schlief gut, und nahm nua« 
genden Morgen nüchteriü noch eine bd 
Terpenthinöl. Es erfolgten hierauf^ 
über noch vier Stuhlgänge, worunter « 
mals mehrere Bandwurmglieder befand 
welchen zugleich noch viel klarei 1 
abging. 

Patient hatte nun öfteres Gnnuttei 
Hegio hypogastrica , eingenommenen Ki 
eine leichte Betäubung, welche Znfi 
jedoch innerhalb weniger Tage bei ein( 
ten , aber nahrhaften Diät gänzlich t 
worauf nun auch die LeibesöfEaung 
regulär wurde, und nicht der mindei 
stige Nachtheil für seinen übrigen Gesu; 
zustand weiter eurückblieb, welcher nii 
her schon bei ihm Statt gefunden hätl 

Mit der Austreibung des Bandwun 
ten sich übrigens , wie schön zuvor ve 
ward, die periodischen Nervenzufälle de 
ken keineswegs verloren, und sie di 
neben der vorherigen convulsiblen Sli 
des Nervensystems , ganz,, auf dieselbe 
auch nachher noch fort, wie zu der Z 
T. B. seinen Wurm noch in sich g 



-i- *^t — 

Iiatie, obschoii sich von einer Wiedeverzeu- 
guug desselben während aciitzehn Aloualen, 
»Is ich den Pat. nach dem Gebrauche des 
TerpefilhinÖIs noch beobachten konnte^ auch 
nicht das entfernteste Merkmal mehr zeigte, 
der Wurm somit dauerhaft verschwunden zu 
seyn schien , imd steh namentlich auch seit 
dem Abgange desselben die Kälte des Unter- 
leibes , und das Gefühl von Wärme, Kribbeln 
und Prickeln am After, gänzlic]^ verloren hatte. 
In Betreff aber der nun noch wie zuvor fort- 
bestehenden convulsi vischen und epileptischen^ 
Anfalle seihst, gelang es zwar durch den fort- 
gesetzten Gebrauch der Zinkblumen , des Ku- 
pfersalmiaks , der Asafoetida, Valeriana, und 
des Chinins, in Verbindung zugleich mit künst- 
lichen Geschwüren an den Fiifsen, Einwick- 
luugen der letztern , vieler Bewegung in freier 
Luitr, und einer strengen Seelen- und Kör- 
perdiät die periodischen Nervenzufälle Monate 
lang hinaus zu schieben , und auch die noch 
öfter eintretenden Zuckungen in den Extre- 
mitäten zu mindern und zu verhindern, aber 
ein apopleklischer 'Anfall endigte in der Nacht, 
entfernt vom hiesigen Orte, schnell und un- 
vermuthet das Leben des Kranken. 

In einem vierten Fall, und «war bei ei- 
nem dem Ansehen nach robusten Manne von 
etlich und dreifsig Jahren , erwiefs sich das 
Terpenthinöl , auf obige Weise angewendet, 
gegen den Ketten wurm gleichfalls höchst hälf- 
reich , nachdem Patient , welcher längere Zeit 
vorher an Unterleibsbeschwerden, unregelmä- 
fsigen Darmausleerungen, Mattigkeit^ reizjba- 
rer, verdrüfslicher GemüthssLimmung und öf-i 
tereni gliederweisen Abgange des Bandwannes^ 



— 22 — 

gelitten, und melirere andere Mittd 
letzteren gänzlich fruchtlos ^ebrawk 
Auch bei diesem Kranken brachte i 
penthinol aufser den gewähnlichen 
nungen nicht den mindesten Schad« 
übrige Gesundheit weder wälirend n 
brauches, noch nach demselben henro 
hier ward die Behandlung innerhalb 
zwanzig Stunden beendiget, und mit 
gange des Wurmes horten auch all« 
gen Zufälle auf, welche den Kranl 
Monate und Jahre lang gequält batt< 
der der Bandwurm noch andere Wi 
zeugten sich indessen mehr in dem' 
nale dieses ehemaligen Patienten, 
einer Reihe yon Jahren her verspürt* 
weder mehr solche Krankheitszidalh 
auf die abermalige Anwesenheit ein 
Wurmes schliefsen liefsen, noch zei 
indessen je wieder stückweise Abg 
letztern bei demselben. 

Auch in solchen Krankheitszustä 

welchen es ungewifs war^ ob, in ( 

gebenen Falle, überhaupt Würmer i 

kanale vorhanden sejen oder nicht 

dann ferner, auch bei der wirkliche 

senbeit derselben, doch noch immer 

blieb, ob durch die Würmer, und n 

vielleicht durch die Tätnia^ die voi 

krankhaften Erscheinungen erregt wei 

ib letztere vielleicht ledigli^ch durcj 

Systerie und dem Krämpfe so ha 

[jrunde liegende reizbare Schwäche 

Utative Nerrenverstimmung veranlo 

den , habe ich das Ol. TerebintK innei 



— 23 - 

mit grofser Vorsicht , aber mit Nutzen in An- 
wenduj^g gebracht. *) 

IVamentlich machte ich von demselben kürz- 
lich bei einer eth'ch und dreifsig jährigen ver- 
lielratheten Frau Gebrauch, welche schon in 
ihren Kinderjahren häufig an Spuhlwürmern 
gelitten hatte , nun aber 'in ihrer kinderlosen 
Ehe, bei übrigens regelmäfsiger Menstruation 
und scheinbar gesundem Aussehen, häufig bald 
an Verstopfung, bald an Durchfall litt, und 
nach dem Essen oft eine solche Leere im Mar- 
gen und im Unterleibe überhaupt verspürte, 
dafs sie, nach obrer AeMfserung, oft glaubte, • 
sie hätte gar keine Eingeweide mehr in sich, 
und sie müsse umsinken. Dabei stellten sich 
bisweilen l^olikartige Schmerzen, Aufblähen 
des Unterleibes und Krampf im Halse ein, 
verbunden mit Jucken in der Nase, öftern 
reifsenden Schmerzen bald im Zahnfleisch, 
l)ald in den Brustmuskeln, den Armen, Fin- 
gern und Beinen. Zugleich litt auch ihr 6e- 
inüth, denn sie war stets übler Laune, em- 
pfindlich und verdriefsjich , und mit allem un- 
zufrieden, was sie that oder sie umgabt ohne 
dafs sie sich eigentlich einen Grund hievon 
anzugeben wu|ste , oder dafs sie Ursache dazu 
hatte« Da die gewöhnlichen kriHupf- und 
wurmwidrigen JKBttel nichts gegen ihr^n Zu- 
stand vermochten , und nan^entlich auf den 
Gebrauch der letztern keine Würmer abgin- 
gen, so erhielt Patientin nüchtern, nachdem 
sie den Abend zuvor blofs eine Wassersuppe 

*) Wie^ ich lese , ha)>en schon Kampf und Cl9s» 
sius sich des Terpentliinölsza demselben Zwecke 
bedient, und dieses Medikament daher ihf Pro« 
btermittel genannt. 



— 25 - 

ganzes Wesen wie uingeslimmt iiiliUe, und 
von der ' Zeit an verloren sich ihre Wuriii- 
und Ivrainp^beschwerdeu gänziicli , und sie 
geuiefst nun indessen geistig und Lorperlicli 
ein ununterbrochenes Wohlseyn, 

Bis jetzt habe ich das TerpenthinöL nur 
in einem einzigen Falle ohne Erfolg gegen den 
Bandwurm in Gebrauch gezogen , obsclion die 
Anwesenheit desselben in den Gedärmen des 
Patienten aufser Zweifel gesetzt war, indem 
ich mich kurz vor der Anwendung des ge« 
nannten Oels mehrere Male selbst von dem 
Abgange einzelner Bandwunnglieder bei dem- 
selben überzeugt hatte. Es war diefs der Fall 
bei einem robusten, 24jährigen Soldaten, Na^ 
mens Schweitzer, gegen dessen Kettenwurm 
zu verschiedenen Zeiten bereits eine Reihe 
der sonst gepriesensten Medicamente ohne den 
mindesten Nutzen angewendet worden waren, 
und bei welchem nun auch das Terpenthinöl 
in Gebraucli kam. So hartnäckig aber de^ 
Wurm den früher schon gegebenen Mitteln 
widerstanden hatte, eben so hartnäckig wi- 
derstand er nun auch dem Terpenthinöl. Zwar 
erhielt S. des letztern innerhalb fünf Stunden 
sechs ganzer Unzen (wobei die höchste Gabe 
auf einmal drei starke ErsiölTel voll betrug) 
und es erfolgten hierauf sechs bis acht brey- 
artige und bräunlich gefärbte Stuhlgänge, von 
einem Wurme aber ward keine Spur sieht* 
bar. TJebrigens empfand S. aber auch sonst 
keine weitere nachtheilige Wirkung des Ter- 
penthinöls auf seinen Körper^ als dafs er bei 
der dritten Unze desselben einen leichten 
Schwindel > bei der \ierten aber ein Kilzeiu 
und Brennen am After, sonst übet weder Leih* ^ 



— 26 — 

schmerzen noch IBrennen im Mage 
brechen versplirle, ynd bei wel<i^ 
er kräftig in der Stube umher gel 
ohne eich krank oder besonders mi 
rdhlen. S. n^ufsie damals, ohne ' 
Wurme befreit sfti seyn , aus dem i 
lassen werden ^ befand sich aber 
Gebrauche des Terpenthinöls dod 
ser als zuvor » that wieder seinei 
sehen Dienst^ wie ein Gesunde 
zeigte sich bei ihm , wenigstens in 
Toliexi Jahres > während dessen icl 
zu beobachten Gelegenheit hatte, 
Abgang weder von gröfsern nod 
Bandwürmstücken mehr, ungeachtet 
unterlassen hatte, hierüber oft na 
chungen atizustellen. 

Bei der untäugbar groCsen VI 
des Terpenthinöls gegen den bewaifr 
wurm in den meisten Fällen, un( 
oft, in welchen beinahe alle anden 
sehr wirksam anerkannte Mittel ge 
animalischen Parasiten bereits schoi 
det worden sind, bei der Wohlfeil! 
ten Anwendbarkeit, Einfachheit, 
r nicht schwächenden, und ohne h 
gleichzeitigen oder späteren Nacht 
genden Wirkui^g dieses M^ikamenfi 
selbst auch seinen äufsern Eigensch 
nen Geruch und Geschmack nach be 
sten Bandwurmkranken wenigstens 
' deutende Gegenanzeige zu seiner A 
findet, ist es wirklich zu verwiini 
von demselben unter den teutsche 
nicht häufiger Gebrauch gemacht vri 
bisher der Fall war, und unter anderi; 



— 27 « 

scheint Iiaupf sächlich die Besorgnifs, durch 
jenes Mittel anderweitigen Schaden zu stiften, 
und namentlich entzündliche Zulalle im Yer- 
dauungskanal , Blutbrechen, Strangurie, Blut- 
harnen u. dgl. zu erregen, die meisten Aerzte 
Abzuhalten , dieses Arzneimittel gegen die 
Bandwurmkrankheit in Anwendung 2u bringen. 

Allein nach meinen bisherigen Erfahrun- 
gen wenigstens^ sind selbst von gröfsern Ga-^ 
ben des Terpenthinöls keine beunruhigeAde 
Zufälle zu befürchten, und namentlich habe 
ich oben eines meiner Kranken Erwähnung 
gethan , welcher neben dem Bandwurme zu- 
gleich in bedeutendem Grade an reizbarer 
Schwäche und einer sehr conyulsiblen Stim- 
mung des Nervensystems litt, aber doch be- 
trächtliche Dosen jenes Oels ohne irgend ei- 
nen bem^rklichen Nachtheil für seine übVige 
Gesundheit vertrug, und den Wurm und die 
durch letzteren hervorgebrachten Zufälle ohne 
Wiederkehr gänzlich verlor. Auch die oben 
erwähnte hysterische Frau, bei welcher ne- 
ben Schwäche und Verstimmung des Nerven- 
systems zugleich auch bedeutende Zeichen von 
Würmern im Darmkanal zugegen waren, wel- 
che den gewöhnlichen ^n//ie/minn'cis hartnäckig, 
w^iderstanden hatten, ertrug das Terpentliinöl,^ 
und zwar in nicht ganz geringer Gabe, ohne 
irgend einen gleichzeitigen oder uachh erigen 
bemerklichen Schaden für ihre Gesundheit, 
denn die durch jenes Medikament in ihr her- 
vorgebrachten , ohuediefs bald vorübergehen- 
den Zufälle kamen kaum in Betracht gegen 
die früheren Beschwerden der Krankheit selbst, 
woran sie auf anhaltende Weise weit mehr 



— 28 — ' 

ZU leiileii geha])t hatte, und die oia 
, den Geliraucli des 31ittels verschwani« 

Mit diesem slimmeu aber auch beb 

malseu di^ Erfalirungen vieler anden 

menllicli englischer ^ schwedischer vjA 

kanischer Aerzle überein, welche dl 

penthiuöl ianeriich nicht nur -gegen da 

wurm und gegen Würmer überliaupt, i 

auch noch in einer Reihe anderer gai 

schiedener Krankheilszustände in Gt 

ziehen , ohne irgend eines Schadens 

wähnen , welcher durch den. innerlidi 

brau eil desselben hervorgebracht wordi 

Eben so erzählt Hr. Professor Osaia^ 

seiner eigenen Erfahrung unter anden 

Fall von einer 32jährig^nFrau , \i?elch« 

2U verschiedenen Zeiten neben andern 

gegen die Taenia auch Terpenthinöl 

men , da in der Folge aber wieder Bam 

glieder von 'ihr. abgingen', nun mehrei 

lang FlUx Mas, gebrauchte , worauf si 

Morgens drei Unzen Ol. Ttrthinth. (j 

einer halben Stunde einen Efslüffel voU^ 

nacli welchem der Wurm abging, oh 

hiebei eines bedenklichen Zufalls € 

wäre, welchen das Terpenthinöl al 

* schädliche Nebenwirkung auf den Korj 

vorgebracht hätte. Eben so*theiit Hr. i 

Osann (a. a. O. S. 73) den Fall mit, ( 

Hall ^ ein englischer Arzt, welcher an 

wurm lilt, mit gutem Erfolge nüchter 

4 Unzen , und nach zwei Stunden dre 

tel so viel Terpenthinöl einnahm ^ ol 

*) Beobachtungen über den innerlichen G 
des Terpcntninöls gegen den Bandfrnn 
nal d. pr« ileilkt 8t. 8. Sepibr. i8i^* 



— 29 — 

was anderes als Scli\^indel, leichtes Kopfvreh 
und Uebelkeit darnach zu verspüren. Auch 
])ei J. Copeland , welcher, wie bekannt, neuer- 
lich an sich selbst im gesunden Zustande Ver- 
suche über die Wirkungen gröfserer Gaben 
Terpenthinöl anstellte, und namentlich eines 
Morgens nüchtern , nachdem er den Abend 
vorher gefastet hatte, eehu' Drachmen dessel- 
ben auf einmal nahm, traten durchaus keine 
heftige oder bedenkliche Zufalln' ein , welche 
Veranlassung geben müfsten , von dem vor- 
sichtigen, und im individuellen Falle gehörig 
indicirten Gebrauche dieses Mittels abzuste- 
hen *). 

Bei Kindern^ odei" im Knabenalter, habe 
ich das Terpenthinöl bis jetzt noch nie inner- 
lich in Gebrauch gezogen , \ind es dürfte schon 
der Geruch und Geschmack des Medikaments, 
seiner häufigen und erfolgreichen Anwendung 
bei Individuen dieses Alters im Wege stehen. 
Indessen führt Hr. Prof. Osann (a. a. Ow S. 38) 
doch einen von Fenwick erzählten Fall an, nach 
welchem ein Alädchen von 10 Jahren eine 
TJnze dieses Oels mit dem trelHichsten Erfol« 
ge gegen Würmer brauchte, und.fiufh Drv 
Castagneto in Genua bediente sich desselben 
Dliltel» bei Jüngern Personen, denn er sagt, 
dafs er das Terpenthinöl in vier Fällen der 
Bandwnrmkrankheit bei Kranken von sieben 
bis vierzig Jahren mit glücklichem Erfolge zu 
zwei Drachmen bis zu einer Unze nüchtern 

*) M. 8. J* Copeland von äen Wirknneeu des 
Terpenthinöh tuf den thier. Hinshalt» Im 
JLhnd, med, ancl phys» Journ. Bd. 46. iQs^i. Au- 
gust. Im Auszug in der Medic. oliirurg« Ztg., 
Jahrg. 1822. Nr. 78, und in GersQn's tt* Julms^s 
MagM, Bd. 3, 8, 45SU £^ . . 



— 3i(l — 

jrfcf »TA Uli £V57^en habet und xi 

c-Lii'ä^ ^?i§ -ikcs^M^^sr irseiid besootei 
^^t hijLkfT ^ . D^^leiclieD sagt ad 
lL<7 1» Terpmüiinol lur einjl 
^Az fjMci£5ck€T ITirkmi^ gese» 
a}!«T}*v»e|4 hui, da£s mao es z. B. di 
de -vcA d» JaJireB wohl Ton eine 
Diadnaea ia «etheillen Gaben , a 
BÜcbtera, aod nolhigen Falls mdi: 
hioter eiaaBder geben hoBBe, woh 
was Tbee aachgetiiuikeB werde *% 
wild auch das Gkc3«n'sche Ifittd | 
Baadwnna, dessen Haoptbestandcheil 
lieh, aiilser dem Ol» animal» JotihL 
thinül ist, nach den zahlieicJien Er 
desHro. Dr. Bramtr'^**)^ selbst tw 
«rat Tertxagen, und es ist nicht die 
Ursache rorhanden , in die Erfahruo: 
Arztes irgend einen gegriiiideten Z 
setzen« 

Bei alle dem aber hielt ich es ^ 
ISr räthlich , das Terpenthinol znm ii 
GelHanche weder für erwachsene Bj 
kranke aal dem Lfande, noch in dei 
verordnen , wenn ich nicht zagleicli 

*) M. t. D. Omodei Jimali di Medicina. 
A. i8i8. Luglio* Med- chir« Ztg. J 
Nr. 15. 

^*) Th^ Edinhm med. and surg» Jounu 
Med. chir. Ztg. Jahrg. 1823. Nr« 3* 

^^) In sein em Werke : Ueber lebende V 
lebenden Menschen. Wien bei 66haiu 
Comp. 181 9> Unter 500 mit dem Kei 
behafteten Kranken, i^elche Hr. D 
binnen mehr als 10 Jahren behandelte 
eich auch zwei Kinder von andertlu 
a. a. O, 8» 191 f 

/ 



— 31 — 

im Stnnde wäre , bei Anwendung dieser- Arz- 
nei selbst zugegen seyn, oder den Kranl^eil 
wenigstens an demjenigen Tage, an welchem 
ich das Mittel gebrauchen lasse, melirece Male 
besuchen zu können;, denn abgesehen davqn^ 
dafs äer Kranke ohne unmittelbare Aufsicht 
des Arztes in der häufigeh;, besonders unter 
der gemeinen Volksklasse herrschenden Mei* 
nung: yiel, helfe, viel, .zu seinem Scha46a 
auch wirklich des Mittels Zu y^^l nehmen (was 
übrigens in manchen Fällen vielleicht nur re--. 
lativ und individuell seyn könnte) , oder.al>eT 
aus Unverstand , Eigensinn oder Furcht vor 
dem Einnehmen, oder den etwaigen Folgen 
des Medikaments 9 dasselbe leichiin zu geriii-. 
ger Menge ^ und dann vielleicht nutzlos .jgiQr- 
brauchen kSäntei so erfordert es auch schon 
die Reinheit der Beobachtung über die Wir- 
kungen eines kräftigen Heilmittels an sich^. 
dafs der Arzt während seiner Wirkung selbst 
oft genug um den Kranken sey , damit eir. 
letzteren sowohl, als die Krahkheit, gegen; 
welche das Arzneimittel verordnet worden^, 
so wie die Folgen und Veränderungen, wel-r 
che das Medikament in beiden hervorbringt, . 
desto richtiger und. sicherer beurtheilen zu 
können^ in den Sland gesetzt werde. 

In Rücksicht auf den speciellen, und sehr 
beachtungswerthen Umstand aber, welchen Hr. 
Dr. Kahlds aus TTiomas Milk Schrift über die 
pathologische Anatomie des Gehirns beim Ty- 
phus oder Gehirnfieber, gegea die Unschäd- 
lichkeit des innerlichen Gebrauches des Ter- 
penthinöls im Bandwurm anfüh!^t: dafs näm- 
lich der genannte englische Arzt in einigen 
Fällen von Typhus die Villosa des Slagens 



- 32 - 

und des Darmes Vie Injlcirt, iinJ 

von Blut gefärbten Schleime hed^A 

höbe, welche Erschqiuiiugen dersd 

lerhaften Behandlung des Typhus i 

Gelben Calomel, Scaibmonium üb 

äliuöl in solcheii Fällen zuschrieb, 

merken , dafs ös freilich kein MVu 

"wenn man in hitzigen Fiebern, b( 

•V^ie namentlich im Typhus , der \ 

kanal auf priniäre oder secuudäre ^ 

stens ohnediefs 6chon mehr oder 

einefm entzündlich- aufgereizten Zi 

griffen ist , der Magen und die G 

gleichzeitigem Gebrauche grofser Do 

Silber, Scammonium tind Terpent 

auffallendere l^ntzündungsmerkmal 

Milfs so eben angibt^ nnträfe, de: 

rationelle Arzt wird es unternehmen, 

heiten dieser Art, harzige und seh 

rlsch- ölige Biittel zu verordnen, w 

im Stadium der Lähmung und d 

in hitzigen Fiebe/n kaum^ine pa; 

v^ndung Zulassen'; vielweniger a 

früheren Zeiträumeh des Tj^phus ii 

gezogen werden dürfen ? — Dafs al 

stand des Yerdauungskanals in der! 

kranklieit ein ganz anderer, und 

bei hitzigen Fiebern völlig versch 

in manchem Betrachte sogar entg 

ter, als derjenige im Typhus is 

schon von selbst ein, denn währ 

sterem, mit Abwesenheit des Fie 

Regel Reizlosigkeit undTorpor desT 

kanales , Trägheit in seinen Bewe^ 

libermäfsigeund zähe Schleimabspnd 

findet (wobei es. mehr als in andc 

den, nothwendig wird, die Gefäl»- 



— 33' — 

ff 

venthatigkeit des Darmkanales kifnstUch zu 
erhöhen, nicht sowohl um durch eine 'ver- 
mehrte peristaltische Bewegung die, Austrei- 
bung des Wurmes zu befördern , als auch der 
widernatürlichen Schleimbildung , als der vor- 
züglichen Geburts - und Entwicklungsstätte 
des Wurmes entgegenzuwirken) , findet sich 
in der ^ Regel in dem letztern ein gereizter und 
entzündlicher Zustand im Verdauungskanale 
vor, wobei irritirende Medikamente. von sol* 
eher Art, wie Scammonium und Terpenthin- 
öl, unvermeidliches Brennen im Magen und 
den Gedärmen nebst Erbrechen hervorbringen, 
und den ganzen Status febrüis sammt dessen 
Gefolge zum grofsen Schaden des Kranken bis 
zur UngebiUir. erhohen würden« 

Wie^tich schon an einem andern Orte ge- 
zeigt habe } SP findet man in den meisten Lei- 
chen der um Typhus verstorbenen Personen^ 
in gröfserer oder geringerer Ausdehnung, und 
unter .ditslev - oder jener Form , die . unzwei- 
deutigsten Merkmahle von einem im Leben 
und während der ^ Krankheit Statt gehabten 
Entzündungszustande der Schleimhaut des Ma- 
gens und der dünnen Gedärme, und zwar in 
Personen,' welche während ihrer Krankheit 
kein Gran Quecksilber, viel weniger aber gro- 
fse Dosen desselben auf' einmal^ noch weni- 
ger aber S|;ammonium oder Terpenthinöl er- 
halten haben. Es scheint eine solche ent^ 
zündliche Beschaffenheit der edleren Parthieen 
der Speisewege zum Krankheitsprozels des 
T3rphus selbst zu gehören, und ursprünglich 
durch keine von AufseA in dieselben gekom- 
menen reizenden Stoffe veranlalst zu werden 
(obwohl letztere, wie sich von selbslT versteht,: 
Joam. B. LX. 5. 8u C 



- 35 - 

ben, dieses Mittel in Tfelteren und stärkeren 
Gebrauch zu ziehen, und darnach günstigere 
Erfolge zu erzielen. 

Zwar fehlt es nicht an Beispielen, dafs 
auch schon auf kleine Dosen des Terpenthin« 
Öls Bandwürmer ausgetrieben worden sind, 
und namentlich erzählt Hr. Prof. -Osann (a. a. 
O. S. 34) , dafs bereits CaUen dasselbe mit 
bestem Erfolge zu fünfzig Tropfen anwendete, 
und dafs nach Maiden schon «uf zwei Thee-* 
lölTelvoU ein Bandwurm abging ; und Dr. Klapp 
zu rhiladelphia giebt eben dieses Medicament 
zum Austreiben der Würmer überhaupt zu 
zwölf bis fünfzehn Tropfen alle 4 bis 6 Stun« 
den, wobei er zwischendurch eine Abführung 
aus versüfstem Quecksilber nehmen läfst '^)« 
Demungeachtet sind der bis jetzt ölTehtlich 
\)ekannt gewordenen glücklichen Fälle von 
Austreibung des Bandwurmes durch gröüsere 
Gaben des Terpenthinöls weit mehrere, als 
solcher; die durch kleinere Portionen dieses 
Mittels bewerkstelliget worden sind, ja man 
beobachtete sogar in einzelnen Fällen, daüs 
kleinere Dosen desselben schädlicher auf den 
Korper wirkten, als grofse Gaben, und na- 
mentlich -erzählt O» Hayword von einem See* 
mann, welcher auf einen TheelöiFel voll dier 
s^s Oels sehr heftige Strangurie und Bluthar«» 
hen bekam, welcher den Tag vorher auf an- 
derthalb Unzen reines Terpenthinöl ohne Scha- 
den einen fünf und zwanzig Fnis langen Band-« 
wurm ausgeleert hatte, und der nach drei. 
Monaten , als sich wieder Spuren des Wurmes 
gezeigt hatten , nach einem yorausgesehickten 

^ A Treatise oF tJu Mater» medit, hy J. Ehsri^ 
Medic« chin Ztg* Jahrg. i8ft5» Nr* yu 8» Soy. 

C2 



— 36 — 

Abfuhrungsmittel niichfern auf eL 
der drei Unzen Terpenlliinöl , nad 
den aber eine gleiche Dosis dess 
nachlheilige Folgen nahm, und ni 
einen sieben und zwanzig Fufs la 
den Bandwurm ausleerte *). 

Diese nachtheiligere Wirkung \ 

ben Terpenthinöl , als gröfserer, is 

i(u , erklären y weil es ja (besönden 

J. Coptland^s neuere Versuche) I 

dafs geringere Mengen dieser Subi 

im Körper verweilen und von dei 

aufgenommen, erst auf Umwegen 

Urinwerkzeuge hauptsächlich wi< 

schieden werden, eine grofsere Fe 

Oels dagegen durch Vermehrung c 

tischen Bewegung des DarmkanaL 

vermehrte Absonderung seiner Sc! 

Abfuhren bewirkt, und gröfstentli 

aus dem Körper geschafft wird, ni 

Mittel Zeit hat, in die sogenannl 

und dritten Wege überzugehen, ui 

lieh durch seine reizende Wirkui 

ferntere Secretiönsorgane einen en 

Zustand in letzteren , und vorzugsn^ 

Urinwerkzeugen Strangurie und 

hervorzubringen; Es scheint dal 

das Terpenthinöl gegen den Kettei 

baldigem Nutzen gebraucht werde 

der Regel sogar nothwendig zu seyi 

in einer solchen reichlichen Gabe 

nen, dafs es aissschliefslich und 

auf den Darmkanal wirkt, damit e 

*) The New 'England Joum^ of Med 
VoL VlIL Medic, chir. Ztg. Jalir| 
5B, 8* 184. £F. 



— 37 — 

lein an sich schon durch seine Schärfe^ Fiiich- 
tigkeit und widrigen Geruch mit dem Wurme 
auf vielen Funkten -zugleich in Berührung 
komme , und denselben somit von mehreren 
Seiten her angreife , sondern dafs ' attch die 
du»'ch das Mittel vermehrte peristallische Be- 
wegung der Gedärme, und eine zugleich auch 
momentan noch verstärkte Absonderung neuen 
i^nd flüssig€hrea Schleimes das Lostrennen des 
Wurmes begünstige, und sein lebendiges oder 
todtes Austreiben um so eher möglich mache. 

In Rücksicht des Einnehmens dieses Me- 
dicamentes durch die betreffenden Kranken, 
hahe ich >mich bis jetst noch immei: des rei- 
nen Terpenthinöis ohne Zusatz irgend eines 
Vehikels bedient, und ich kann, wie zum 
Theil schön oben bemerkt wurde , nicht sa- 
gen, dafs die Kranken einen aufserordentli-- 
chen Widerwillen gegen dasselbe gezeigt^ oder 
sich gesträubt hätten, von dem TerpeuthinSi 
in seiner unvermischten Form den ihnen Vor- 
geschriebenen Gebrauch zu machen. Zwar 
geben Crofs , Osborn , Copeland und Wesiherg 
dasselbe mit Honig, einfachem Sjrnp, mit 
Wasser oder mit eineYn aromatischen Was- 
ser und Honig, und andern schleimigen- 
Vehikeln, die sie entweder gleichzeitig mit 
dem Terpenlhinöl verbinden , oder vor- 
her trinken lassen;' ich halte aber dafür, 
dafs, da die Kranken in der Regel den star- 
ken Geruch und brennenden Geschmack die- 
ses Mittels nicht so sehr fürchten, als man 
glaubt, und dasselbe auch in der Regel ohne 
eine schädliche und Entzündung erregende 
Reizung auf den Magen und die Gedärme 
bandwurmkranker Personen einwirkt, die ge- 



liehe Anwendbarkeit auszeicS 
lungsweise des Bandwurmes 3 
trag Ihuii. l 

Eine weilere Ursache, j 
das TerpenthinÖl .iu TeutscliH 
gen die BandwuMukraakheit J 
zogen wird, ah es dasselbeJ 
scheint auch dario zu liega| 
Aerzte der Meinung sind, i 
der Bandwurm uncli seiner i 
Ireibung durch das genannte 119 
ter wieder , als solches bei J 
anderer Heilmethoden gegen IM 
es werde somit durch dasaell 
sichere oder gründliche HeiliJ 
dere Kurarten erzielt. Insbq 
es nach Hrn. Dr. ßremstr (ai 
«inem unserer neuesten und ^ 
Helminthologen , noch nicht T 
Erfahrungen beslatigel: ob .| 
das TerpenthinÖl schnell bei| 
Bandwurmes der Kranke auJ 
nem Uehel befreit werde. 



— 39 — 

- In den von mir oben erzählten Fällen 
wurden die Kranken auf längere Zeit von ih- 
rem Uebel befreit, und es gingen ihnen nicht 
nur nach drei Monaten keine Glieder des 
Bandwurmes von freien Stücken mehr ab, 
sondern es sind bei denselben zum Theil schon 
Jalire ohne einen solchen Abgang verflossen , 
und eben so wenig haben sich indessen je-* 
mahls Wurmzufalle bei ihnen eingestellt. 

Da ich im Falle war , jene Personen noch 
längere Zeit nach vollendeter Kur bepbachten 
zu können, so virurde es mir leicht , mich 
über diesen Gegenstand von Zeit zu Zeit ge- 
nau zu unterrichten , und zu Folge dessen ist, 
wie schon oben angegeben wurde , einer m<ä- 
ner Patienten bereits seit vier Jahren , der 
zweite gegen zwei,, ein dritter über andert- 
halb, und der vierte, welchen ich schon vor 
sieben Jahren in Gemeinschaft mit einem an- 
dern Arzte an der Taenia behandelte , bereits" 
auch seit sieben Jahren her von diesem Wur- 
me frei geblieben. Dieser letztere » ehemalige 
Kranke, welcher entfernt von meinem gegen- 
wärtigen Wohnorte lebt, schrieb mir auf meine 
Altfrage: ob sich ,der Bandwurm nach dem 
Gebrauche des Terpenthinöls nicht wieder ge- 
zeigt, oder sich sonstige Wurmzufäile bei ihm 

r 

ter: „das einzige sichere Kriterinra , dafs der 
Gastgeber von aller Einquartienuig völlig be- 
freiet ist, besteht darin, dafs im Verlaufe von 
drei vollen Monaten nichts mehr vom Wurme 
abgeht, es sei in einzelnen Gliedern oder län- 
geren Stocken« Wenn in aptterer Zeit, nach 
fl — 5 Jahren sich wieder Spur^sn vom Wurme 
xeigen; so sind diefs gans gewiCs nea erzeugte 
Würmer, und auf keini^n Fall Abkömmlinee 

derjenigen, gegen welche daa Mittel gebckaobt 

worden ist. — •" 



— 41 — 



^«^■•■■P 



I 

I 



IL 

Salzungens Heilquelle, 

ein 

die Seebäder ersetzendes Mittel« 

Von 
dem Hofrsth und Ritter 

Dr. X H. G. Schlegel 

zu Meiuingen. 



^chon in den ältesten. Zeiten wurde das See* 
Wasser als ein grofses Heilmittel in verschie- 
denen Krankheiten angenommen. Hauptsache 
lieh aber waren die Engländer darauf bedacht, 
deshalb bequeme Badeanstalten an ihren Kä- 
sten zu treffen, dergleichen man auch, in 
Heuern Zeiten an der Ost- und Nordsee, z, 
B. bei Doberan , zwei Meilen von Rostock, 
zu Norderney in Ost - Friesland ,^ zu Trave- 
münde bei Lübeck, zu Rügenwalde in Pom- 
mern, zu Futbus auf der Insel Rügen, bei 
Cuxhaven und Ritzebüttel u. s. w, einfiihrte. 
Heilsam wirken zwar schon die Wellenschläge 
der See und das Eigenthümliche der Seelufl, 
die nach GUgrisfSy Ingenhoupfi, W. Fönte/'s^ 
Fontana'g u. a. Untersuchungen, reiner ^ ein-; 
stischtr und dichter, alt die gewöhnliche at* 



— 42 — 

« 

mosph arische Luft gefunden won 
nach Hermbstädt's Versuchen sei 
tlgte Salzsäure enthält , wodurch 
genthiunllch auf den menschlid 
mus einwirken mufs. 

Aber hauptsächlich durch se 
theile erhält das Seewasser . eben 
seine Temperatur, reizende, bele 
Schäften. Zunächst wirkt es ai 
und ihre Nerven, die es, so z 
eine eigne Stimmung versetzt, 
Lymph- und Driisensystem ^ un 
tionsorgane, deren Thätigkeit < 
und dadurch ihre Verrichtung he: 

Den Erfahrungen der neueste 
obachter zufolge ist das Seebad e 
samsten Heilmittel: 1) in allgem 
che und Erschöpfung des gans 
oder auch einzelner Organe, z. 
gens, der Zeugungstheile u. s. v 
Folge geistiger oder körperliche] 
fang , oder nach vorhergegangene] 
den Krankheiten zurückgeblieben 
apyretischen Nervenkrankheiten , 
mit directer Schwäche , oder mit 
Vollblütigkeit verbunden sind, 
hören Krämpfe aller Art, nervöse 
zen, der St. Veitstanz 9 vorzügl 
sehe und cataleptische Zufälle, 
Lähmungen, Hypochondrie und H3 
sie rein nervöser Natur sind,- odei 
heit der Verdauungsorgane, oder 
gende Stockungen im Unterleib 
sind; hartnäckige örtliche Sc! 
B. langwierige Bflagen^ und Bn 
das Lenden- und Hüftwehi, d 



— 43 — 

schmerz. 3) In chronischen Rheumatismen 
und der Gicht, besonders bei grofser Neigung 
zu Verkältungen und ihren Folgen, weil die 
kränkliche Empfindlichkeit der Haut dadurch 
abgestumpft, der Körper an jeden Wechsel 
der Temperatur gewöhnt wird. 4) In der 
Drüsenkrankheit, worüber Rüssel^ Bromfieldy 
JSunter, Anderson u. m. a. wichtige Beispiele 
aufgestellt haben. Aber nicht nur wirkliche 
Drüseninfarcten 9 oder sogenannte Drüsenkno- 
ten, werden durch seinen Gebrauch gehoben, 
sondern der pathologische Zustand desf^ymph- 
und Drüsensystems selbst wird umgeändert, 
und so alle scrophulöse Hautausschläge, Ge- 
schwüre u. s. w. von Grund aus geheilt. 5) 
In chronischen Hautkrankheiten und Geschwu- 
ren, wenn jene ein blofses Lokalübel sind. 

Indem Hr. Geh. Med. R. S. G. J^ogel das 
Seebad bedingungsweise in mafbcherlei Uebeln 
Ton gichtischen und rheumatischen Ursachen 
rühmt, erwähnt er insbesondere: Neigung zu 
Catarrhen, Durchfalle, Hämorrhoiden, Schwä«- 
che von öfteren Fehlgebähren und starken 
Mutterblutflüssen, habituelle Leibesverstopfun- 
gen, Kniegeschwülste, Flechten, Steifigkeit 
einzelner Gelenke, verschiedene Irrung^ des 
Monatsflusses, Asthma etc. Wohl dem daherp 
jvekher sich dieses höchst wichtigen Mittels bedit" 
nen kann! 

r I 

Weil es aber nur wenigen vergönnt ist, 
zu diesem Zweck Zeit und Geld -genug auf- 
zuwenden ; so dürfte es wohl vielen sehr will- 
kommen seyn, in einer ungleich geringeren 
Entfernung, mit ungleich geringerem Kosten- 
aufwand sich die Seebädifr ersetzen zu können* 



N 



- 44 - 

In wdchem hohen Grade dief$ 
die HeilquelU zu Sßlzungen vollzogt 
davon hab' ich mich thelis vv'i 
zehntägigen Aufenthalts daselbst, 
überzeugt, theils hat mich einer 
schätzbaren Aerzte,^ Hr. Dr. Bi 
sich bis jetzt um dieses Bad aufi 
verdient machte, schriftlich dayo: 
nifs gesetzt. 

Ehe ich aber den Lesern < 
nais die Thatsachen vorlege, a 
erhellet, was das Salzunger Tf 
Iconntj und was es bisher wirklich 
theile ich zunächst das mit, was 
Dr. Trommsdorff zu Erfurt als JR 
Untersuchungen darüber im J. 18^ 
löblichen PJännerei zu Salzungtn btk 

Die Analyse der Mineralwäss« 
neuern Zeiten dadurch sehr ve 
worden , dafs das Verhältnifs der l 
sammensetzungen genauer ausgemi 
sonst. Murray entwarf zuerst eine 
bessern Untersuchung der Wasse 
einigen Abänderur^en jetzt ziemlicl 
meine geworden ist , und deren icl 
schon öilers mit Yortheil bedient 

Man kann die festen Bestand 
Mineralwassers als Eine Zusammen 
trachten, als ein Ganzes^ oder abei 
sie als aus binairen Verbindungen 
ansehen. So kann man z.B. aane 
die Bestandtheile eines Wassers K 
Schwefelsäure, Salzsäure, Natron, 
Talkerde zu einem Ganzen verbu 
oder man kann annehmen , dafs die 



~ 45 — 

I 

Säuren mit den Basen in Verbindung, als 
kohlensaures Natrons, salzsaurer Kalk,^chwe- 
felsau^ Talkerde u, 8, w. vereiniget seyn, 
und diese letztere Aasicht theilen die meisten 
Chemiker. Aber welche Säuren sind mit den 
bestimmten Basen verbundoii , oder mit andern 
Worten, welche Salze enthält das Wasser? — 
Die frühern GhemijsLer nehmen an, dafs die 
Salze«, so wie sie durch die Yerdunstqngs- 
methode und durch Kristallisation aus einem 
Wasser geschieden werden in demselben ent- 
halten seyn: allein Murray hat mit unwi- 
dersp rechlichen Gründen dargethan, dafs sehr 
oft die durch das Abdunsten erhaltenen Salze, 
" nicht Educte , sondern neue Producte sind , er 
hat gezeigt, dafs während dem Verdunsten 
sich oft die chemische Constitution de^ Mine- 
ralwassers ändert, dafs wechselseitige Zer- 
setzungen vorgehen, und sich folglich neue 
Zusammensetzungein bilden. Es bleibt daher 
im Allgemeinen wohl richtig, dafs diejenigen 
Salze als wirkliche Bestandtheile eines Was- 
sers anzusetzen sind, die sich durch grofsbre 
Auflöslichkeit charakterisiren , und dafs, wenn 
durch den Verdunstungsprocefs und Krystalli- 
sation schwerer auflösliche Salze gewonnen 
werden, diese erst durch Zersetzung der leicht 
auflöslichen entstehen. 

Bestimmt man also genau das Verhältnifs 
aller in dem Wasser enthaltenen Säuren und 
Basen, so läfst sich nach den eben angeführ- 
ten Satz leicht die chemische Constitution des 
Wassers angeben, indem man die binairen 
Salze berechnet. 

Das Wasser, welches mir von Salzungen 
zu einer chemischen TxüSang in Sorgfältig 



— 47 — 

Prüfung auf\ flüchtige Stoffe. 

Der starke salzige Geschmacik, des Was- 
sers, und sein bedeutendes speciüsches Gewicht 
liefs in demselben eine ziemliche Quantität 
salzsaures Natron vermuthen , und daraus lief» 
sich schon erwarten^ dafs das Wasserarm an 
gasförmigen \Stoifen seyn werde. 

Eine Kugel mit einer daran beTestigten 
gläsernen Leitungsröhre, wurde völlig mit 
dem Wasser angefüllt, so dafs weder in der 
Köhre noch in der Kugel eine Spur von atr 
mosphärischen Gas zurückblieb. Der Inhalt 
der Kugel nebst Rohre betrug 20 KubikzoU 
rheinl» . 

So angefüllt wurde die Geräthschaft auf 
das Lampengestelle gelegt, die aufwärts ge- 
krümmte Oeffnung der gläsernen Röhre unter 
die Brücke der mit Quecksilber gelullten 
Wanne gebracht , auf der ein mit Quecksilber 
angefüllter gläserner graduirter Cylinder stand, 
in welchen man durch das Quecksilber einige 
Stücke geschmolzeneor salzsauren Kalk ge- 
bracht hatte. 

- Die Kugel wurdfe nun durch eine unter- 
gesetzte Lampe erhitzt , es stieg das Wasser ' 
der Leitungsrohre über,' und wurde von den 
Salzsäuren Kalk aufgenommen^ endlich fing 
das Wasser in der Kugel an zu sieden, aber 
nicht eine Blase Gas ging in dem Cylinder 
über, und man fand nach Beendigung des' 
Processes im obern Theil des Cylinders blofs ■ 
den zerflossenen salzsanren Kalk über der 
Quecksilbersäule stehen. 

Derselbe Versuch ward noch einmal mit 
Wasser aus einer andern Flasche wiederholt, 
und der Erfolg war derselbe.. 



- 48 -' 

Daraus geht hervor , dafs in ii 
nischen Wasser kein Gas, weder al 
sches noch kohlensaures enthalten i 

Ob indessen das Wasser so ^ 
der Quelle kömmt , nicht eine gerii 
tität kohlensaures Gas enthält, yrag 
nach nicht zu entscheiden, denn d 
Flaschen der Angabe nach unter 
aerspiegel gefallt, gut verkorkt ui 
worden waren, so geschah doch i 

fiort zu einer sehr heiTsen Jahre 
eicht den Verlust einer geringen 
veranlassen konnte. Da ich in dei 
das Wasser übrigens ganz klar und 
auch sich während des Kochens 1 
bung zeigte, so liefs sich schon i 
dafs wenigstens keine schwer aufU 
Kohlensäure aufgelösten Salze, als 
lensaurer Kalk, oder kohlensaure 
Eisenoxydul u. s. w. in dem Wass 
ten seyn konnten. 

Vorläufige Prüfung des Wassers mt 1 

1. Der schwache hydrothionartig 
den das Wasser besafs, durch den 
gens doch nur einige Flaschen ausz 
und von welchen das Wasser anderei 
frei war, liefs das Daseyn der Hj 
säure vermuthen. Es wurde daher 
ser mit folgenden Reagentien in I 
gebracht : 

a) mit basischem* Salpetersäure 
muthoxyd. 

b) mit kohlensaurem Bleiozyd. 

c) mit metallischem Quecksilberi 



— 49 ^ 



^ 



d) xmt essigsaurem Blej, und essigsaurem 
Silber, 

e) mit salpetersaurem Quecksilberoxydul, 

/) mit arsenigter Säure. 

Allein alle diese Reagentien zeigten keine 
Spur von Hydrothionsäure an, c. b, blieben 
weifs, c. behielt selige glänzende Splegelfläclie^ 
nachdem es 24 Stunden ,in einer verstopften 
Flasche unter dem Wasser g'estanden , d. und 
€• gaben weifse NiederscKläge , und/, wurde 
auf der Oberfläche weder gelblich gefärbt, 
noch nahm das Wasser eine gelbliche Farbe 
an« Auch konnte ich kein Bitumen entdecken. 

« • 

2. Um die Gegenwart einer andern freien 
Säure zu erforschen, wurde das Wasser in 
verschiedenen Verhältnissen mit Lackmustink- 
tur versetzt. Es zeigte aber durchaus keine 
Röthung , woraus die Abwesenheit einer freieiiN 
Säure hinlänglich hervorgeht. 

3. Eben so wenig enthielt das Wasser 
kohlensaure Alealien, denn es reagirte weder 
auf Rhabarberpapier, noch auf das mit Grelb-* 
Wurzel gefärbte Papier , noch auf das Fernam- 
bukpapier, und das durch schwache Essigsäure 
gerbthete Lackmuspapier Mrard in dem Was^ 
ser nicht wieder blau. Um auszumitteln , ob 
das Wasser vielleicht eine geringe Menge 
kohlensaures Natrum enthalte, wurde ein 
Theil davon durch Abdunsten concentrirt, und 
wieder mit genannten Pigmenten geprüft,, aber 
ohne Erfolg. 

4) Die an Basen gebundene Schwefelsäure 
des Wassers aber gab sich durch den salssau« 
ren und essigsauren Barjt zu etkennen, trd- 
Joam, LX. B; 5. St* D ^ 



.- 50 - 

che beide in dem Wasser Niedersd 
vorbrachten, die in Salpetersäure la 
waren. ■ 

Um vorläufig die Quantität der 
säure zu erfahren , die in eiu^r 
Menge Wasser enlhalten war, wuiJ 
(ä 16 Unzen) des Wassers genau i 
sauren Baryt geiallt. Der Niedersd 
sich sehr langsam ab, er wurde 
Auswaschen und Trocknen im Platü 
glüht, und hinterliefs 13,4 Gran sd 
ren Baryt *). 

Da nun 100 Gr. desselben 34,37( 
felsäure enthalten ,. so zeigen diese '. 
4,6 Gran wasserleere Schwefelsäure 
100 : 34,37 = 13,4 : 4,6. 

5. Dafs das Wasser viel gebund 
«äure enthalte, zeigte schon der G 
und die starke Trübung , die es in c 
tersauren und schwefelsauren Silber> 
hervorbrachte. Um auch hier die Säui 
fig EU bestimmen , wurde ein Ffund ( 
sers erst so lange mit salpetersaure 
versetzt, bis alle Schwefelsäure p 
Worden, und dann die Salzsäure dun 
iersaures Silber gefällt. Ich brauchte 
grofse Menge der SUberauflosung, der 
dene Niederschlag wurde ausgewasdi 

'*) loh pflege bei aolchen Versochen de 
schlag blofs durch Umifthreii, Abaetsei 

fierseti der FlQisigkeit auisawischen, 
ieses vollstän die geschehet! ist, dei 
schlag mit Wenig Wasser vermittelsK als 
elases gleich in den tarirten Platintiagtl 
fen, nachher das Wasser au verduafl 
den Rackstand ausglühen su Umhu,» 
\. nichts verloren. 



— M — 

trocknet, und bis zum angehenden Schmelzen 
erhitzt, in diesem Zustande wog er 1210 Gran. 
Nun enthalten lOQ Gran , Hornsilber im völlig 
entwässerten Zustande 19,0 trockne Salzsäure, 
folglich zeigen dies© 1210 auf ein Ffund Was- 
ser 229,90 Salzsäure an , denn 19,0 : 100 ^ 
229,9 : 1210, 

6. Oxalsaures Amoniak brachte in dem 
Wasser eine leichte Trübung hervor , welche 
aber durch Salpetersäure wieder zum Ver- 
schwinden gebracht wurde. Das Wasser ent- 
hielt also Kalk an Salz- oder Schwefelsäure 
gebunden. 

7. Da das Kalkwasser i^ dem Wasse^ 
eine starke Trübung hervorbrachte, so liefs 
sich bei der Abwesenheit der Kohlensäure al- 
lerdings Talkerde in dem Wasser vermuthen, 
die an Säure gebunden war. Um mich vor- 
läufig genauer davon zu überzeugen^ "^versetzte 
ich einige Pfunde des Wassers mit oxalsaurem 
Amfiiomak, liefs den Niederschlag absetzen, 
und gofs dann in das helle Wasser, nachdem 
es siedend gemacht worden war, so lange eine 
Losung von basischem kohlensauren Kali, als 
noch ein Niederschlag erfolgte , der gesammelt, 
und ausgewachsen völlig weifs war, und sich 
ganz wie reine kohlensaure Talkerde verhielt. 

8. Weder Galläpfeltinktur, noch das ei- 
senblausaure Kali zeigten in dem Wasser eine 
Spur von Eisen an. 

9. Die andern bekannten Reagentien, wel- 
che bei der Prüfung der Wässer gewöhnlich 
angewendet wcfrden, gaben ebenfalls k^ine 
besondere Anzeigen, daher ich es unterlassen 
will, die angestellten Yersache zu beschiei- 

D 2 



— 62 — 

beu, um alle unnlitze Weitlauitiij 
vermeiden. 

10. Kieselerde wurde in dem H 
gesucht, dadurch dafs mehrere Pfin 
ben in einem silbern Kessel zur 
.verdunstet , und das trockne Salz 
destillirtem Wasser aufgelöst wm« 
folgte eioe; völlig helle Auflösung, 
ren £uriickgela ssener Kieselerde, 
wenig wurde Alaunerde aufgefonde 

' Der vorläufigen Untersuchung zi 
hielt dieses Wasser, Schwefelsäure, 
Kalk, Talkerde und Natron, zu e 
2en, oder wahrscheinlich zu binai 
vereiniget. 

Qitmtitativt Analyse j oder Btstmvm 
Wichts der Säuren und Boit 

1. Fünf Pfund Wasser wordi 
Glasschale durch gelindes Verdunste 
trirt, doch mit der Vorsicht, daß i 
daraus krystallisirte, dann wurde mil 
t€n Behutsamkeit so lange salzsai 
hinzugesetzt, als sich noch ein M 
zeigte. ' Nachdem derselbe abgesoiid< 
waschen und getrocknet worden, l 
selbe an Gewicht 67 Gran. Da noi 
schwefelsaure Baryt 34,37 wasserle< 
feisäure enthalten, so deuten dies 
auf 23,02 dieser Säure ^ denn 10( 
67 : 23,02. 

Dieses stimmt nun aber recht { 
nem vorläufigeii Versuche (4.), wo 
Pfunde des Wassers 4,6 Gr. Seh 
gefunden worden ^ d^enn 4^6 p( 5 = 2 



— 63 — 

II. Das von det Schwefelsäure befreite 
Wasser "wurde nun mit Oxalsäuren Ammonium 
-versetzt.* Dieses geschah mit der grofsten Vor- 
sicht und in langen Pausen. Nachdem sich 
der Niederschlag fest abgesetzt hatte, was erst 
nacii. mehreren Tagen vollständig geschah, 
wurde die Flüssigkeit abgegossen , und der 
Niederschlag ausgewaschen , getrocknet , und 
im Platintiegel einer Rothglühhitze ausgesetzt^ 
um die Oxalsäure zu zerstören, nachher mit 
verdünnter Schwefelsäure behandelt, wieder 
zur Trocknifs verdunstet, zum Rothglühen 
erhitzt und gewogen. Der auf diese Art er- 

^hallene schwefelsaure Kalk betrug an Gewicht 
23 Gran. Da * nun 100 Gran schwefelsaurer 
Kalk 41,56 Gr. Kalk enthalten, so sind in 
den 23 Gran 9,55 Gr. Kalk befindlich; denn 
100:41,53 = 23:9,56. 

III. Um die Talkerde zu scheiden , be- 
diente ich mich des phosphorsauren Ammo- 
niaks mit Ueberschufs von reinen Ammoniak, 
welches Verfahren wirklich genaue Resultate 
giebt, wie mich nun mehrfache Versuche über- 
zeugt haben , nur mufs man immer darauf se- 
hen , dafs ein Ueberschufs von Ammoniak vor- 
waltet, und ja ein recht reines phosphorsau- 
res Ammoniak anwenden. Das erhaltene drei- 
fache Salz wurde gesammelt, ausgewaschen, 
und im Platintiegel einer mäfsigen Rothglüh- 
hitze ausgesetzt; die zurückbleibende^ phos- 
phorsaure Talkerde wog noch nach dem Aus- 
glühen 94 Gran^ und diese deuten auf 36,60 
Gr. reine Talkerde. 

• 

IV. Jetzt wurde nun die gesammte Flüs- 
sigkeit zur Trocknifs verdunstet, und so lange 
einer Rothglühhitze ausgesetzt, als nochDaiB« 



\ 



— M - 

pie von Salmiak aufstiegen. Das ; 
bende salzsaure Natrum lYog 2351 

Da nun während der ganzen 
durch die Scheidungsmittel kein I 
zugekommen , so mufste sich aus i 
salzmenge das gesammte Natron i 
ergeben, und daraus berechnen 
Salzsäure aber wird dadurch nie 
gefunden, und kann bald in groli 
bald in geringerer Menge vorhaod 
dem theils durch den salzsauren 
eher zum Wasser gebracht, thei 
Verbindung mit Ammoniak als i 
fluch tigt seyn kann. Allein auft 
sich bei der Berechnung der bina 
düngen die Vahre Menge der S 
gibt, ist solche auch schön durd 
läufigen Versuch (5.) directe be 
den, und dieses Resultat kann o 
trolle gebraucht werden. An Nc 
dem Wasser ^u berechnen 1253,2i 
100 Gr. Kochsalz enthalten 53,2£ 

Berechnung» 

So hätten wir denn als Best 
Wassers aufgefunden: Schwifelsäw 
Natron^ Kalk und Talkerde. 

Nehmen wir nun an, dafs 
diejenigen binairen Verbindung< 
wird, die am auflöslichsten sind 
sich folgende Resultate: 

1) Das Wasser enthielt 9,! 
Da dieser mit der Schwefelsäure 
auflösliclies , mit der Salzsäure f 
leicht aui'iösUches, zerflieisliches i 






— 55 — 

so wird es in dem Wasser wohl als letzteres 
enihalten seyu. Nun verbiDden sich 50,96 
Gr. Kalk mit 49,04 Gr. Salzsäure, und bilden 
damit 100 Gr. wasserleeren salzsauren Kalk, 
also werden jen^ 9,55 Gr. Kalk 9,17 Gr. Sabs-, 
säure aufnehmen, und damit 16,72 Gr. wa^" 
serkeren salzsauren Kalk bilden. 

2) Die 36,60 Gr. Talkerde, welche da^ 
Wasser enthielt, muTs nun in dem Wasser 
ebenfalls an Salzsäure gebunden gedacht wer* 
den, weil. die salzsaure Talkerde weit auflös- 
licher ist, als die schwefelsaure Talkerde. 
Nun sättigen 22,99 Gr. reine Talkerde 57,01 
Gr. Salzsäure und bilden damit 100 Gr. f(^as^' 
serleere salzsawe Talkerde^ folglich nehmen 36,60 
Gr. Talkerde auf 48,53 Gr., und stellen da- 
mit dar 85, 13 Gr. wasserleere salzsaure Talkerde. 

3) Für die 23,02 Gran. Schwefelsäure des 
Wassers findet sich nun ^keine andere Basis 
als Natron. Es binden aber 43,82 Gr. Natröh 
56,18 Schwefelsäure und erzeugen damit lOO 
Gr. wasserleeres schwefelsaures Natron , folg- 
lich nehmen 23,02 Gr. Schwefelsäure auf 17,9* 
Gr. Natron, und bilden 40,92 6r. wasserleeres 
schwefelsaures Natron. 

4) Rechnen wir nun von den 1253,27 Gr. 
Natrum, die das Wasser enthält, 17,9 Gr. ab, 
die an Schwefelsäure gebunden sind, so blei- 
ben 1235,37 Gr. Natron übrig, diese aber neh- 
men an Salzsäure auf 1086,94 Gr. und liefern 
damit 2322^31 Gr. wasserleeres Kochsalz , nach 
dem Satz, dafs 100 Th. dieses Salzes aus 
53,29 Gr. Natrum und 46,71 Gr. Saksäure 
bestehen. 

5) Vergleichen wir nun die durch Rech«- 
nung gefundene mit den Basen Teibmid^ 



— 57 



V 



Oder an Säuren und . Basen : 

in 5 Pfunden in 1 Pfunde ' 

23,02 Gr. Schwefelsäure ... 4,604Gr. 

1144,64 — Salzsäure 228,920 — 

9,55 — Kalk 1,910 — 

. 36,60 — Talkerde ' 7,320 — 

1253,27 — Natron ..... J250,654 — 

2467,08 Gr, 493,408 Gr. 

Schlufs. 

Betrachten wir nun diese aufgefundenen 
Bestandtheile des Wassers, so finden wir, 
dafs es dieselben sind , die inr Meerwasser vor- 
kommen, nämlich nach John Murray^s Ana« 
lyse, welche wohl die gena^ueste von allen ist, 
die wir von dem Meerwasser besitzen. Nach 
dem genannten Ghemils^er sind im Meerwasser 
enthalten : 

Salzsaures Natron . . . 2,180Gr. 

Salzsaure Talkerde . . . 0,486 — 

Salzsaurer Kalz .... 0,078 — 

Sohjwelelsaures Natron. . 0,350 — 

3,094 Gr. 

Dieses giebt nun ciuf da^ Hundert be- 
rechnet : 

Meersvasserf Salzunger Wasser ^ 

0,7046 Gr. salzsaures Natron . . . 0,940Gr. 
0,1544 — salzsaure Talkerde . • 0,034 — 
0,0002 — salzsaurer Kalk . . . 0,007 — 
0,1414 — schwefelsaures Natron . 0,017 — 

Also dem Qnantilativen nach ist die Dif- 
ferenz der Bestandtheile allerdings verschie« 
den; das Yerhältnifs der salzsauren TalkeiyUl 
gegen das salzsaure NatKiun ist üq ]||terjfl 

r 



» ■ I , 



• 



— 68 — 

/ 
/ 

ser gröfser als im SalzuDger, 
entliält letzteres ein gröfseres T 
salzsauren Kalk, dagegen erstere 
feisaures Natron enthält* 

Das süHnischi Wasser zu 

welches man durchaus für ein 

giebt, das von einer Soole ver 

dem M^erwasser analog sey, 1 

ders die angestellte Analyse i 

keine Aehnlichkeit mit dem Se 

das Frankenhäuser Wasser soll 

tron, schwefelsauren und, sal 

schwefelsaure und salzsaure Ta 

kohlensaure Kalk- und Talke 

In 5 Ffund Frankenhäuser Was 

Hqffmann's Analyse 795 Gran 

theile enthalten, aber beinahe 3 Ma 

Gewicht derselben in dem Salzi 

Es läfst sich also hieraus schon e 

der äufserliche Gebrauch dieses 

sehr grofser Wirksamkeit seyn ^ 

Untersuchung des unter No. ILß^ 
Wassers von Salzungei 

Physische Eigenschaft 

Der Geschn^ack des Wasse 
nicht merklich bitter. Es war oi 

Das specifische Gewicht des 
ner Temperatur von 15^ R. unc 
Tömeterstand gegen destillirles Wa 
1,000. Schon daraus Kefs sich 
es weniger feste Bestandtheile 
das vorige. 

*) M. 8. Frankenhausens Heilqaell< 
A, G, Maniike. Weimar i8ao. i 



— 59 — 

Prüfung auf flüchtige Stoffe. 

In der vorhin beschriebenen puevinatischen 
Geräth'schaft erhitzt, gab es weder kphlensau- 
res noch ^in anderes Gas au«. ** 

VorläuJ^e Prüfung mit Reagentien^ 

Diese wurde ebenfalls wie mit dem Tori- 
gen angestellt , daher ich hier , um nicht we^t- 
läuftig zu werden, nur die Resultate angebe, 
es fanden sich keine kohlensaure Salze, wohl 
aber schwefelsaure und salzsaure angezeigt, 
ferner kein^ Kieselerde, wohl aber Kalk und 
Talk. 

Quantitatm Bestimmung des Gevriehts der Säuren 
und. der Baeen des Wassers* 

Da diese Untersuchung ebenfalls ganz auf 
dieselbe Art angestellt wurde, wie die des 
vorigen Wassers, so bedarf es nur einer, kur-^ 
zen Angabe der erhaltenen Resultate. 

I. 5 Pfund. (^ 32Loth) des Wassers durch 
gelindes Yerduusten concentrirt, und mit salz« 
sauren Baryt gefallt, gaben 40 Gran ausge- 
glühten schwefelsauren Baryt = 13,74 Gran 
wasserleere Schwefelsäure. 

n. Hierauf wurde das Wasser durch oxal - 
saures Ammoniak gefällt , der gesammelte Nie- 
derschlag ausgeglühet und mit Schwefelsäure 
behandelt; der geglühte schwefelsaure Kalk 
wog 34 Gran c=s 14,11 Gr. reinen KalK 

lU. Die Talkerde wurde Jetzt durch phos<- 
phorsaures Ammoniak mit überschüssigen Am- 
moniak gefüllt; der Niederschlag zum Roth- 
Glühen erhitzt , gab 45 Gran phosphonamw 
Talkerde =.18 Gran refne TdSJUritfc... ni» 



i 



— 60 -r- 

IV. Die saiumlliche Flüssiglieitn 
nife verdampft und im Piatintiegel 
erhitzt, als uoch salzsaures Ainmop 
stieg, gab im Rückstand 880 Gran { 
zene^ Kochaalz = 469,04 Gr. reinem 

Berechnung, 

Berechnet man nun diese Säurei 
sen nach den in der. vorigen Unt 
aufgestellten Gründen zu binairen Zi 
Setzungen , so sind enthalten : 

in 5 Pf. Wasser, in 1 PI 

27,78 Gr. salzsaurer Kalk . . ^ 
41,87 — salzsaure Talkerde . . 
859,54 — salzsaures Natron . . i\ 
24,63 — schwefelsaures Natron .. 

953,82 Gr. ........ l! 

Vergleichen wir diese Bestandl 
denen des vorigen Wassers, so fii 
dafs es qualitativ demselben gleich 
der Quantität davon unterschieden : 
es enthält in 5 Pfunden: 

9,06 Gr. salzsauren Kalk mehr, 

33,2ß — salzsaure Talkerde wei 

1462,77 — salzsaures Natron wen 

16,29 — schwefelsaures Natron 

als jenes Wasser. 

Untersuchung des unter No, IlL ül 

Salzwassers, 

Physische ^Eigenschaften. 

Der Geschmack war salzig, wi 
vorigen. Das specif. Gewicht bei 
Temperatur und mittlerem Barometers 
gen destilUrtes Wasser s 1^025 ; IOC 



— 61 — 

Prüfung auf elastische BestandthelJeJ^ 

Es enCLielt eben so wenig koUensaucßs 
Gas, als atmosphärlsclies Gas. 

Prüf ung mit Reagentien. 

Verhielt sich dem ' vorigen Wasset ganz 
ähnlich, und zeigte dieselben Bestandtheile «n. 

Quantitative Untersuchung. 

Ohne nochmals das Verfahren za beschrei- 
ben , stellte ich blofs die zur Berechnung durch 
Versuche aufgefundenen Data zusammen : 

5 Pfund des Wassers gaben === 37,5 Grau 
geglühten schwefelsauren Baryt, gleich 12,89 
Gr. Schwefelsäure, 

19,0 Gran schwefelsauren Kalk r=: 7,88 Gr. 
reiner Kalk. 

34,0 Gran phosphorsaure Talkerde es 13,60 
Gr. reine Talkerde. 

875,0 .Gran geschmolzenes harzsäures Na* 

tron = 469,04 Gr. reinem Natron. : 

«• 

Durch Berechnung zu binairen Verbin- 
dungen ergeben sich als Bestandtheile dieses 
IVöösers: 

in 5 Pfunden in 1 Pfunde 

13,30 Gr. salzsauren Kalk . t . 2,666 Gr. 

31,63 — salzsaure Talkerde . . 6,326 — 

851,15 — salzsaures Natron . . 170,230 — 

22,94 — schwefeis. Natron . . 4,598 ^ 

919,02 Gr. ......:: 183,820Gr. 

Dieses Wasser ist also dem vorigen wie^ 
der sehr ähnlich , unterscheidet sich aber ^uan- 
titatiT davon dadurch ^ dajb es; 



„'s. 



s. 



— tki -^ 

'fäe Untersuchung met htMonitm f^umn^ 
tich in dan ersten Bnmnaüuutem da Saiz^ 
sooh in Salzungen abutis. 

Von 
\ Jolu BarthoL.Trommsdorfß 



einer kleinen Porzellanbiichse warde 
ir Untersnchnng etwas Ton einer Sab- 
iberschickt, welche sich in dem ersten 
^nkasten des SaiEwassers zn Salznngen, 
\ Bade^nelle benatzt wird, absetzt. 

I war eine salbenlormige schmierige 
y von schwarzer Farbe, einem unange- 
n, etwas hepathisch duftenden Geruch, 
t Säuren übergössen Hydrothiongas aus- 
an der feuchten Luft nicht zerflofs , in 
ir Luft aber nicht austrocknete, salzig 
k.te, und in der sich durch das unbe- 
Le Auge schon einige Holzfasern oder 
bilische Reste erkennen lielsen. 

. einem Platinloffel über der Weingeist- 
I erwärmt, dunstete die Masse Feuch- 
^ aus , ballte sich zusammen , und stellte 
lies etwas elastisches Magma dar. All-' 

trocknete dieses in der Wärme zu ei- 
sten zerreiblichen Masse ein. Wurde 
stärker erhitzt, so stiefs sie einen fett* 

Geruch aus, ohne sich aufzublähen« 
t Löffel glühete, so wurde die Masse 
r Oberfläche entzündet, und hier und 
islich, glimmte aber nicht lange, und 
ann bei dem heftigen Glühen , bei dem 
^e der Luft , nicht in Flufs , sondern 
ein schwarzes Conglomerat vor, das 
id da mit weüislichen Putzten durch- 



^64 - 

«etzt war. Im Flufs wurde es ^ 
sauren Kali nicht aufgelöst. 

Etwas \on der getrocknetei 
Salpeter vermisclit, und in glühe 
tlegel gebracht, verpuffte ziemlii 
der Rückstand mit Wasser ausge^ 
de , blieb viel vollkommenes roth 
zurück. 

• 

Ein Theil der feuchten Mai 
einer kleinen aus einer Glasröhr 
Retorte der trocknen Destillatioi 
Es ging erst Wasser unter einen 
Geruch über^ dann folgte eine a 
sehe Flüssigkeit in Gesellschaft 
revmatischen Oels. 

Der Rückstand war schwarz i 
mit Salpeter mit Zurücklassung voi 

Ein Theil der feuchten Masse 
mit destillirtem Wasser ausgekocb 
ser färbte sich nicht. Auf dem 
die Masse ziemlich unverändert. 

Das Filtrat wurde etwas verc 
dann mit folgenden Reagentien gc 

a) Fflanzenpigmente z. B« m 
tinktur, mit Gilbwurzel, Rhabarbe 
Fernambuktinktur gefärbtes Papiei 
.Veränderung. 

b) Schwefelsaure entwickelte a 
sigkeit hydrothionsaures Gas. 

c) Salpetersaures Silber wurd< 
dergeschlagen , das Fräcipitat war 

d) Essigsaures Blei gnb einen v 
derschlag -^ €s war also in dtr Fli 



— 65 — 

wMjdroMomUure noch SchmfthirUndung 
||t emhaiien. 

'^Salzsaurer Barrt, brachte eine schwa- 
Gbung bervor. 

Galläpfeltinktar gab eine weifse Trübung. 

Aetzammoniak 9 keinen Niederschlag, 

Eieesaures Ammoniak brachte nur eine 
iie ^Trübung hervor. 

Salzsaures Fiatin, keine Veränderung. 

Me Erscheinungen sind von den Salzen 
ten, welche aus der Soole herrühren, 
S.Werden dadurch salzsaure und schwe- 
I Salze und Kalk angezeigt, welche die 
I TJntiersuchung schon im Wasser auf- 
III hatte. 

V ausgekochte Rückstand wurde jetzt 
rdünnter Salzsäure übergössen , worauf 
drothionsaures Gas entwickelte. Durch 
ttnog erfolgte eine Auflosung, die nach 
Ardünnen mit Wasser und Filtriren grün 
arbe war, und aus der sich Sand ab- 
und ein verbrennlicher organischer Stoff, 
trirte Auflosung enthielt Ei8eno:iiyd. 

in Theil der frischen Masse wurde mit 
feläther geschüttelt, und dann damit 
Lt, aber der Aether blieb ungefärbt, und 
indert. 

erpenthinöl verhielt sich zu dieser Masse 
io, es färbte sich nicht dadurch^ und er- 
nst keine Veränderung. 

inen Theil der Masse kochte man mit 
lern Alkohol, welcher dadurch gelb g^- 
nrurde, ohne dals der Rückstand heller 
n. LX. B. 5. 8t. E 



— 67 — 

Oel bei der Destillation des Holzes. Ist er 
vielleicht durch eine Zersetzung des Holzes 
durch die Soole entstanden ? Der Sand ist 
mechanisch beigemengt, und läüst sich sogar 
durch Schlemmen absondern , die Salze des 
Wassers aber gaben die Reagentien zu erken- 
nen , und das Schwefeleisin ist es , aus wtlchem 
die Säuren Hydrothiongas entwickeln. 

Konnte aber nicht auch die Masse eine 
andere Schwefelyerbindung enthalten/ z. B. 
Schwefelkalk, oder Schwefelkali? Das ist 
aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil 
sonst doch das Wasser bei dem langen Ko- 
chen mit der Masse davon etwas müTste auf- 
gelöst haben, welches das Verhalten des De- 
kokts zu metallischen Solutionen würde zu 
erkennen gegeben haben ; allein weder auf 
Silber , noch auf Bleiauflösung wirkte das De^ 
kokt färbend. ' 

Woher aber nun dieses Schwefeleisen? 
Enthält die Soole vielleicht kohlensaures Ei- 
senoxydul, das sich niederschlägt,, und die 
schwefelsauren Salze des Wassers durch den 
Extractivstoff 'zersetzt, oder rührt es von dem 
Eisenwerk der Tumpenstangen her? Darüber 
kann ich keine befriedigende Auskunft geben«'' 



Wenden wir uns nun zu den die Hetlhraft 
des Sakunger Wassers beurkundenden Thatsachenl 
Von zwei AerzteUf welche Erfahrungen über 
dasselbe bis mit dem Jahre 1822 zu machen Gele- 
genheit hatten^ benutzte es der Eine als Bad 
mit dem besten Erfolgs ^ überdem in UntsrUM^ 

E 2 



~ 69 — 

halles, des kohlensauren Gases, und dann 
seiner sallnischen Bestandtheile wegen, stär- 
kend auflösend wirkt, defshalb den an Stok- 
kungen oder Lähmungen --r süs Folge von 
Schwäche des Organismus — Leidenden au- 
fserordentlich zusagt, daher bei Nervenschwä* 
che, besonders bei Hypochondrie und Hyste- 
rie, Bleichsucht, Blutspeien ^ als Folge eines 
schwachen Gefäfssystems , ausgezeichneten 
Nutzen stiftet. 

Uebenstein und seine herrlichen Umgebun- 
gen sind unter andern durch Sickltt^s und Jtfo- 
sengdPs treffliche Schilderungen bekannt, we- 
niger aber Salzüngen und sein^ Environs. Ditm 
ses liegt im TJnterlande des Herzogtl^ums S. 
Meiniogen (28« geogr. L. und 50°, 48', 28,V' 
geogr. fir.) auf einer kleinen' Anhohe, und 
deren Abhang nach einer Fläche zu a^i süd- 
lichen Ufer des, die Gegend von Osten nach 
Westen durchströmenden Werraflusses. Seine 
Höhe über der Meeresfläche mag ohngefahv 
800 pariser Fufs betragen. Es hat gegen 500 
Häuser, 26 bis 2700 Einwohner. Der im Jahre 
1786 abgebrannte Theil der Stadt zeichnet sicli 
durch guten Strafsenbau und Reinlichkeit vor- 
iheUhaft aus, Seinen Wohlstand verdankt 
dieser Ort hauptsächlich der berühmten Saline. 

Salzungen erhält sein Trinkwasser aus drei 
Ouellbrunnen in der Stadt und aus einem auf 
einem nahen Berge. Fliefswasser durchströmt 
den Ort bis in die Mitte desselben, und fällt 
dann mit dem Ausflufs des siidUch der Stadt 
gelegenen schonen Sees, der sich im Jahr 1755 
fvährend des grofsen Erdbebens in Lissabon um 
etliclie Fufs tiefer senkte^ und auch in Südteuudi^ 
land in dem drei Stunden langen lUXMUäiUt 



— 70 — 

See Statt fand , und sich dann wieder \ 
ner vorigen I^öhe erhob *), in diei 
Yorbeifliefsende Werra. 

Fruchtbare Gärten und der erwähil 
liehe See bilden die nächsten Umgeboi; 
Stadt. Die entfernteren sind ebenfalU 
bar und malerisch schön durch die ai 
reren Seiten f/eundlich ins Auge fd 
mit gri^lem Gebüsch, schattenreichem 
geschmückten Hügel und Berge ^ dei 
Abend liegenden , mit einer Ruine ge 
1360 pariser Fufs über der MeeresS 
habenen Krainbtrgy und die firuchtreid 
Fläche, durch deren grünen Wieseogi 
PPerra sich schlängelt , nach Morgen n 
das Heer von steigenden , weit in da 
zont sich verlierenden Gebirgen, ant 
eben bei heiterem Himmel der 3127 
Schuh über der Meeresfläche erhaben* 
. h^Tg auf dem Thüringer fValdt in seiner 
Majestät erscheint. 



IHt neuesten allgemeinen und sf^aa 
fahrungen und Beobachtungen über dos 
Salzurigen im J. 1823 sind folgende: 

Heilsam erwies es sich in Schwi 
Unterleibes, Schwerverdaulichkeit; dah 
rendem Mangel des Appetits; gestön 
culation des Blutes, blinden Hämorrhoid 
unregelmäfsigem Monatsflufs; femer: 

*) M, s. J. H. G, SchlegeVs Reise dnrcli 
tägliche Teutscblan«^ ^nd einen Tbeil 
lieii. 2te verm. Aufl. Giefsen und Yf^ 
S. 187 und 421, 



— 71 — 

Id Nervenschwäche und allzugrofsei: Em* 
pQndlichkeit des Nervensystems , daherrühreu- 
den Ohnmächten y Hysterie und Hypochondrie. 

In Schwäche und allzugrofser Empfiind- 
lichkeit der Haut nerven, Erschlaffung der Haut 
lind Neigung zu übermafsigen Schweifsen : im 
chronischen Rheumatismus, in Gicht und Fo-. 
dagra : in Drüsenkrankheiten, hauptsächlich in 
Skropheln, skrophulösen Drüsenanschwellun- 
gen, Eiterungen, skrophulöser Augenentzün- 
dung, daher rührepder Verdunkelung der Horn- 
haut, und in skrophulösera weifsen Flusse; 
so auch in ausgearteter bösartig gewordener 
Krätze^ phagedänischen Geschwüren, und in 
chronischen Hautausschlägen mancherlei Art. 
Crofsen Nutzen stiftete es in Lähmungen, 
Steifigkeit der Gliedmafsen ,^ und in Beförde- 
rung der Se- und Excretionen überhaupt. 

Ausgezeichnete Wirkungen bewies das 
Soolenbad im J. 1823 bei einem vierjährigen 
•— vom zweiten Jßhre im höchsten Grade 
scrophulösen — Kinde (FräuL F. v, S;), und 
bei A. S. , 14 Jahr alt. Erstere war 5 Mo- 
nate lang lichtscheu^ gleichsanl blind; letzte- 
rer gegen 3 Monate lang in eben dem Zustan- 
de. Auf beiden Seiten hatten sich bedeutende 
Verdunkelungen der Hornhaut gebildet, und kei- 
nes der bekannten innern und äufsern Mittel 
vermogte — besonders bei der v. S. — nur 
da6 -Geringste gegen die Lichtscheu auszurich- 
ten. Selbst die neuerlichst von englischen und 
französischen Aerzlen gegen dieses Uebel em- 
pfohlenen und erprobten Mittel, waren anhal- 
tend und wiederholt in immer verstärkter Do- 
sis frucbllos angewendet worden. Das Soo» 
knbad allein n'ar hinreichend ^ diese Blindheit baU 



- 73 - 

zweiten Falle ward immer kühler gebadet, 
ia letzterem aber das Bad ganz ausgesetzt, 
■worauf diese ErscheinuDgen wieder verschwan- 
den. 2) Eine dem hiesigen Bade dgtnthümUche 
fplrkung ist unter andern die: die Harnabaon^ 
derun^ zu vermehren. Doch in einem Falle 
wurde diese Erscheinung mit einer ganz he- 
terogenen verwechselt. Eine Dame nämlich 
bemerkjte nach den meisten Bädern einen un- 
vnllkührlichen Wasserabgdng , den man für 
wohlthätige Folge des Bades, und zwar iür 
jene dem Sakungir Bade eigenthümliche Kraft, 
die Harnäbsonderung zu vermehren , erklärte. 
Die Kranke erwiederte aber : es sei kein Urin, 
indem das Wasser nicht aus der Harnröhre, 
sondorn aus «den innern Geburtstheilen komme. 
Dieser Abgang dauere jedesmal vom Badehause 
an , den ganzen Weg entlang bis in ihr Wohn- 
zimmer, auf welchem Wege sie doch immer 
10 Blinuten zubringe; einmal sei der Abgang 
erst in ihrem Wohnzimmer erfolgt. Da keine 
widernatürliche Wasseransammlung in irgend 
einem Theile des Körpers dieser Dame zu 
vermuthen war , so schlofs ihr Arzt , dafs 
höchst wahrscheinlich nach in die Vagina im 
Bade gedrungenem Wasser ein erschlalTter 
Theil derselben klappenartig angeschwollen sey, 
und sie dadurch so lange verschlossen habe, 
bis sie durch die Bewegung beim Gehen all- 
mählig wieder davon befreit wurde. 

Im Ganzen genommen, hat Hr. Dr. Bein 
Herrn Staatsrath Hufdamts in seinem Buche 
„über Teutschlands Heilquellen^' geäufserte 
Bemerkung auch beim Gebrauche dieses Ba- 
des bestätigt gefunden, nämlich die: „Jcje 
Brunnenkur greift den Körper an, und t^ringt 



* \ 



I 

. — 75 — 



UL 
Zwei Mittel 

gegen zwei schwere Krankheiten : 

die acute Hirnwassersucht 

der Kinder, 

und 

gegen die häutige Bräune. 

Vom 

Geheim. Medicinalrath Sachse 

in LudwigtlntC. 



iVfancBe unreife Beobachtungen würden wir 
nicht ^ besitzen , wenn wir mit der Bekannt- 
machung derselbea warteten, bis sie sich uns 
mehrfach und dauernd bewährten; aber von 
der andern Seite schadet man auch mit der 
zu langea Yerzögeruag der Bekanntmachung, 
indem mancher Kranker hatte gerettet wer- 
den können, wenn die Mittel früher gemein- 
kundiger gemacht worden wären. 

Eine zu lange verschobene Bekanntma- 
chung eines Präservativs gegen den Hydren« 
cephalus in dazu disponirten Familien , will 
ich dadurch wieder gut zu macKen sachea^ 



— 76 — 

dafs ich sofort eine Beobachtung mittl 
den Nutzen der Anwendung des kib 
sers im Croup bewährt. 

Schon vor 23 Jahren wurde mir ( 
zur Behandlung übergeben, dessen 
schickter Arzt, der weiland Leibmedi 
mann in Bützow, ihm das Progno 
stellt hatte» dafs er die Pubertäts-J« 
erreichen würde, weil der Hjdrence 
der Familie öfter vorkomme^ und 
Ajdlage zu diecer Krankheit, bei uo 
tienten so deutlich zeige. In der 
auch der Kopf so unförmlich grofs^ 
knochen waren s6 hervorragend, di 
Augen so wäfsrig gläsern ^ die Haut 
fein, die Adern so dunkelblau, ad 
sichtbar, dafs ich in das Urtheil d< 
sinnigen Collegen mit einstimmen n 
Ich könnte mir nun ein An sehn geb 
ich auch nur entfernt von der Wal 
w^eichen möchte, und behaupten: 
dem Knaben Seidelbast gele§;t , um i 
diese Krankbelt zu schützen. Dan 
ich aber nicht , sondern machte dies 1 
Geschwür, um eine so oft zurück 
chronische Augenentzünduhg , die m 
den Ohren wechselte, zu heben, < 
einer alljährig und öfter im Jahre zi 
rendeu Tousillar - Bräune , deren V( 
nur selten verhütet werden konnte, 
nun ein Fontanell für immer we| 
Der Ausbildung des' Hydren cephalu 
ich durch kräilige, oft wiederholte 
rungsiiaittel , Jalappe und Calomel, 
zu müssen , und mein Kranker übersi 
nur die ihm ^drohende Gefahr, soni 



— 77 — 

det sich auch noch jetzt id guter GesUDdheit, 
wahrend zwei seiner Brüder, die in der Ju- 
gend gleichfalls yon einer Eiterung in die an- 
dere fielen, in den Jünglings -Jahren an der 
Schwindsucht starben, ein Uebel, welches auch 
ihrer yortrefflichen Mutter das Leben raubte. 

Wie sehr mem College Recht gehabt hatte, 
hei obigem Krahken auf der Hut zu seyn, 
zeigte mir seine Schwester im Februar 1811. 
Den 3len hatte sie, von Erkältung der' Amme, 
einen Husten ndt. Fieber bekommen, die Ur- 
sach lag am Tage, das viele Schreien wurde 
einem Ausschlag an deä Genitalien zugeschrie- 
ben , und dem schärfen Urin , der das Wund- 
seyn vermehrte ; ich verordnete SaJmiak-TVIjlx- 
tur mit Senega, und liefs die Genitalien mit 
Kalkwasser waschen. Krankheit und Mittel 
blieben am iten unverändert. JDen btm wurde 
zuerst die Brust nicht angegriffen, im stärkeren 
als gewöhnlichen Schlaf, bemerkte man ein 
Yerschielsen der Augen 'und kleine Zuckun- 
gen. Der Athem wurde ungleich, und .oft 
seufzend. Fruchtlos setzte ich diesen Zufallen 
Extr actum Hyoscyamif Salmiak ^ Mosdmsrju" 
iep\ und Lavements von jdsa foetida entgegen. 
— Leider erkannte ich aber erst den 6ten die 
bisher unter dem Schleier des Catarrhs ver- 
steckt gewesene Krankheit, für das, was sie 
war. Das Verschiefsen der Augen hatte sich 
iri Schielen verwandelt, das Seufzen ^ das 
Schreien hatten den hydrencephalischen Ton, 
und waren beim Aufrichten des Kopfs am 
stärksten. Die Zuckungen kamen nur an ei- 
ner Seile. Die Pupillen erweiterten sich, die 
Augen stierten auf einen Fleck, das Gesicht 
wurde dunkler gerothet und gedunsen, dift- 



— 78 — 

Pulse unzählbar, der Urin in da 
höchst übelriechend. Rasch grüFid 
Calomely gab alle 2 Stunden 1 Gr. 
Moschus, liefs die Asand-Lavem 
setzen , Yesicatoria in den Nacken 
und diese Behandlung den 7ten und 
setzen, allein trotz der copiösen gri 
leerungen, die der Galomer bewirk 
dennoch die Krankheit unaufhaltbai 
Hinterkopf war stets mit Schweils 
Tropfen bedeckt^ und das hielt mic 
Anwendung der Kälte ab. — ^ De« 
ren die Zuckungen allgemein, und 
unter den bekannten Zufällen der I 

Zu eben der Zeit bat mich ei 
ein so eben entwöhntes Juden -Kii 
heil, welches er strenge antiphlogis 
delt hatte; es lag auch mit stierem 
den Plick, zuckte an einer Seite, 8 
Äuf; wenn es bewegt, oder aufg 
wurde. Der Kopf könnte nicht eine 
blick aufrecht erhalten werden, san 
ner Seite zur andern , und auch du 
starb unter den furchtbarsten Zuckun 
3ter zarter Jüngling starb hr derselbe; 
von einem 3len Arzt ganz antigas 
handelt. 

Das Jahr 1811 bot meiner Be« 
noch zwei Hydrencephalische dar, w 
eine, ein Säugling, auch starb, den 
nen 6jährigen Knaben, rettete ich, 
gleich bei der ersten Klage: dafs er 
nicht vertragen könne,, aufmerksam 
mich gleich selbst vom strauchelnd 
überzeugte, und die Eltern erstauntei 
am folgenden Morgen den Urin .wii 



— 79 — 

milchweiTs fanden, als ich ihn heschrieben 
halte. Doch dies nur beiläufig! 

1818 kam mir die 2te Familien ^ jinlage 
vor. Ein College hatte 3 Kinder eines Hau- 
ses am Hjdrencephalus behandelt, 2 verloren^ 
und eins durch Blutegel und ein sehr grofses 
Vesicatorium über den Kopf, gerettet. Von 
jenen sah ich eins , am Ende des Lebens hinzu 
gerufen, sterben, ich hätte also sogleich an 
diese Anlage denken sollen , und gleich Jm ^ 
ersten Anfange meine * Behandlung dagegen 
einrichten müssen, als ich zu der einzigen 
Schwester jenes von Hrn. Leibmedikus Rossi 
geretteten Knaben gerufen . wurde. Sie war 
in der Mitte des 2{en Jahres, war seit meh- 
reren Tagen verdriefslich gewesen, halte meh-^ 
rere Nächte. unruhig geschlafen, und war trä- 
ger wie vorher gegangen. — Ohne die be- 
kannten deutlich vorliegenden Zeichen gastri- 
scher Unreinigkeiten , würde ich doch auf 
diese geschlossen haben, weil ich all die 
schweren Weihnachtskuchen, wochenlang zur 
beliebigen Benutzung hatte stehen sehen. — 
Ich verordnete daher Rhabarber - Tinktur, und 
den 4ten war das Kind nach mehreren Aus- 
leerungen wie neu geboren. 

Den bten zeigten sich Brechreiz, Verdriefs- 
lichkeit, Wurmzeichen, kein Fieber, kein 
Zahnreitz^ ich verordnete eine Abkochung 
von Zitwersaamen mit Sennesblättern und Tar^r 
tarut vitriolatus. 

Den 6ten: Obgleich viel Schleim ohne 
Würmer abgegangen, dauerten doch Verdriefs- 
lichkeit und Brechreiz fort. Es waren weder 
Fieber, noch sonst Zeichen vom Hjdrence- 
phalus zu bemerken, den ich jetzt besonders 



— 80 — 

im Auge batte^ deswegen entschlo 
zum Brechmittel. 

Ahtnds^ Es hatte 4 Mal gen 
gar nicht auf den Stuhl, daher do 
vement, wonach ein reichlicher St 
folgt war. 

Dtn 7tm. Gegen Mitternacht 
Wärterio ein leichtes Frösteln und 
bemerkt zu haben. la der ganzen ' 
sich die Kleine viel umher gewc 
keine anderthalb Stunden Ruhe ge 
doch keinen Brechreiz. — Da die 
reiset waren , untersuchte ich den j 
stand um so genauer, und bat auch '. 
medkus Rossi^ der die andern KJn 
delt hatte, mit mir zu kommen, ui 
drencephalischen Zeichen zu fors 
auch er keine fand, liefs ich d 
Körper noch einmal entkleiden i 
suchte ihn aufs genaueste. Die n 
drüse und die Lebergegend fand i( 
nig geschwollen, aber sonst alles 
keinen Armausschlag, weder geröi 
lichtscheue Augen , und keinen wei 
Der Brechreiz hatte sich gegeben 
hatte sich öfterer Husten eingestellt 
ordnete eine einfache Aliztur aus 2 
tartari mit Uyoscyamus - Mxtract. 

Mittags war anderthalbstundig 
Schlaf erfolgt. 

jdhends. Viel Geschrey, welci 
Ohrdrüsengeschwulst zuschrieb. & 
Fieberbewegungen. — Ich verordne 
Lavement. 



- 81 — ' 

Dm 8ten. In der Nacht bemerkte man 
viel Geschrei und Unruhe, Nachmittags mehr 
Theilnahme. Kein Fieber^ keine Erhöhung 
der Geschwulst , ich . verordnete die gestrige 
Mixtur und ein Lavement. .'■'■■■.' 

Den 9ten. Letitei'es hatte ganz hatte Ex- 
kremente weggenommen, und darauf war ein 
sehr ruhiger Schlaf erfolgt. Da sich aher doch 
w^ieder Brechreiz, ja Erbrechen selbst gezeigt 
hatten, liefs ich Infusum Sennae composiium 
3 Unzen mit § Unze Honig nehmen. 

Abends 6 Uhr fand ich einen verdächti- f 
gen, viel feu festen Schlaf, man* könnte sie 
anfassen, ja aufrichten, ohne dafs sie erwachte. 
Der Puls ging langsamer als gewöhnlich; nur 
zuweilen hörte man eiü seufzendes Athmen 
und ein dorchdringendes Geschrey, dann folgte 
einzelnes Zucken der Hände. Wurde sie auf- 
gerüttelt, so blickte sie gleichgültig umher, 
freuete sich selbst zu ihren angekommenen 
Eltern nicht, die sie sonst so lieb hatte» Die 
FupiUen waren grofs ; das rechte Auge dre« 
hete sich nach den aufsern Winkel, hinein, 
das linke war unbeweglich.. Der Kopf sank 
nach hinten über, und sie schlief im Sitzen 
ein. Da ich nun vom Vater hörte , dafs sie 
schon geraume Zeit .ungewöhnlich verdriefs- 
lieh gewesen, da ich selbst die frühe Reife 
ihres Geistes beobachtet hatte, und da die 
Verstopfung so hartnäckig war, dais -das //u 
fusum Stnnat compositum noch gar nicht ge- 
vnrkt hatte, so war mir ein Hirnleiden un- 
verkennbar, und ich liefs sofort hinter jeden 
Ohr zwei grofse Blutegel saugen , die viel Blut 
ausleerten. Schon während des Saugens kam 
das , den ganzen Tag gleichgültige Kind zu , 
Jonni. B. LX. Q,Bu F 



N 



- 82 - 

sich) forderte Trinken^ kündigte 
aii| liefs aber doch zweimal hScb 
chende Excremente unter sich, « 
freier umher, gab Verdrufs, beim] 
zu er'kennen, und bekam ein wea 
Ansehn. Nun liefs ich gleich ein I 
Vesicator über den ganzen Nacken 
stündlich einen Gran Calomel a 
Haghesia nehmen. 

Abmd§ 10 Uhr. Die Lippen? 
Bluten bleich, der Athem freier, k 
langsamer Puls, Durst, das Schlag) 
linken Hand hatte aufgehört« 

JDtn iO/en Morgens lialb 9 Uhi 
eiligst gerufen. Bis vor einer hall 
hatte sie geschlafen, eingenommen, 
das Vesicator hatte viele kleine Bl 
gen. 'Nun aber lag sie wieder gani 
Mund stand offen, sie yerscfiluckl 
geilölste nicht; sie "grilF stets mit 
Hand zum Kopf, das Athmen erf( 
4 Mal hinter einander seufzend, \ 
dann in Pausen , worin ich 12 bis 
konnte, ganz zu fehlen, bis ein { 
durchdringendes: Ach Gotil ihn n? 
machte. Die Hände und Wangen i 
der Fuls bis auf Langsamkeit, r« 
die Haut natürlich, warm. Vier schl 
des waren erfolgt: 

Ich schlug sogleich ein in kalt 
getauchtes Tuch über die Stirn; d 
sofort wieder Gefühl, und Bewegun 
gen ein , sie schluckte Getränke und 
Ich liefs daher die Schultern bis an 
in grofse doppelte Bettücher wie! 
begofs die Schläfengegend und dei 



— 83 ^ 

köpf circa eine Elle herab ^ in sanften StrS« 
men aus einer Mildikanne, mit breitem GuTs, 
mit kaltem Wasser« Das Kind schrie lebhaft 
dabey, yerlangte abgewischt zu werden, und 
schlief nach der Abtrocknung sanfter, wenig- 
stens war das Athmen nicht so ^seufzend , und 
die Ha^d lag ruhig. Dennoch erneuerte ich 
eine Stunde darauf das Begiefsen von der an- 
dern Seite. Sie schrie auf, wenn das Was- 
ser in die Augen kam; ich suchte es beson- 
ders an der, noch nicht ganz yerwachsenen 
Fontanelle herab zu schütten, und glaubte 
dann am Kinde einen Ton des Wohlbehagens 
zu bemerken* Es erfolgte darauf ein sanfter 
Schlaf, ohne alles Zucken, ohne alle Unter- 
brechung des Athems, so dafs ich mich halb 
6 Uhr entfernte e mit dem Wunsche, bei je- , 
der Verschlimmerung das Begiefsen wieder 
anzufangen, stündlich mit einem Gran (vom 
2ten Dutzend) der Galomel-Fulver zu con« 
tinuiren, und vom Unguento n^polUanö (3 
Quentchen) alle 2 Stunden so viel als eine 
kleine Bohne grofs,' in die Lebergegend ein« x 
ziireiben. 

Den Uten» Die einfachen Calomel- Pul- 
ver waren bis auf 2 verbraucht, hatten aber 
keine Eröffnung gemacht, dennoch waren die 
Eltern (Morgens 5 Uhr) sehr zu&ieden, weil 
der Athem immer regelmäfsig geblieben, das 
Kind Trinken verlangt, den Bruder erkannt 
und den Nachttopf begehrt hatte , aber immer 
dann , wenn der Urin schon abgegangen war. 
Das Begiessen war stündlich fortgesetzt, und 
hatte immer mehr Empfindung (Geschrei) er- 
regt. Die Augen eckten mehr als gestern^ 
und waren rölher* Ich hatte gestern , .wenn 

-12 



y 



— 84 — 

die Galomel - Pulyer tiicbt wirkten, | 
jedes um 4 Gran Jalappen - Pulverill 
verordnet, hievon llefs ich sogleich cki 
jnen. Hr. Leibmedicns Rossi billi{;to 
nur meine Behandlung, wünschte lil 
noch Vermehrung des Calomels uol^ 
läppe,. weil es an Oeffnung mangelte.^ 

Morgeris 9 Uhr, JS,% war ein 
. Stuhlgang mit Erleichterung erfolgt, 
verordnete ich 6 Pulver, jedes aus'l 
lomel und 6 Gr. Jalappe* Das 
wurde fortgesetzt. 

Mtt€L%9 1 Uhr.^ Immer mehr ,64 
dafs sie meine Hand zurück zog, 10 
die Augenlieder offnen wollte. Elb 
dafs sie selbst einen Zwieback vm 1 
führte und kauete , auch TrinkeD ti 
jttein College schlug Reibungen des Ol 
bes mit Canthariden- Tinktur vori n 
auch öfters geschah. 

Abends 5 Uhr, Drei kleine Sedn, 
' uligewöhnlich vieler Urinabgang warettt 
Man freuete sich über das öftere Forli 
Trinkens, aber das Gefühl livar nick, 
so lebhaft wie am Mittage. Die Aogi 
i'en wie mit Kleister bedeckt, und t 
nach der rechten Seite verdrehet, dixl 
ger roth als des ^Morgens. Jetzt sdii 
rechte. Seite mehr zu leiden, sie M' 
und Fufs oft , und liefe sie schneD I 
Fallen, während die linke Hand sich oft b 
haft ballte. — Der Puls hatte in Je«* 
letzten Tagen nichts Beständiges, vtriW 
^0 bis auf 130 ScMäge. Hitze warf« 
Hinterkopf merkbar, deswegen lieft j^ 
von Zeit zu Zeit auf , Blasen ruheii^ 



- 85 - 

£is gefüllt waren , bis ich Abkühlung merkte. 
I>ie liespiralion blieb den ganzen Tag gleich* 
xiiärsig, ohne Seufzer. OerÜicher Schweifs 
selten. Auf der linken Seite konnte sie nicht 
gut liegen, der Athem wurde dann angst« 
lieber. Obgleich der ganze Leib nicht gespannt 
-war, blieb es doch die Lebergegend. 

Abends 10 bis 12 Uhr bedeutende Ver- 
schlimmerung. Die Augen tief zum rechten 
Winkel hinein gezogen, ganz unempfindlich 
^egen das Licht. Die Pupille sehr grofs. Der 
Alliem anhaltend aussetzend , so dafs man im- 
luer 10 bis 19 zählen konnte, bevor man ihn 
%vieder hörte. ' Das einzelne Aufschreien war' 
schrecklich und häufig. Der rechte Fufs wurde 
beinahe iinaufhorlich bewegt. Was sie in die 
rechte Hand bekam, steckte sie zum Munde, 
suchte mit verschlofsnen Augen auf der Decke 
nach den Zuckerplättchen umher, kennte aber 
den Mund nicht damit finden, stiefs bald an 
die Nase, bald an das Kinn, ehe sie den 
Mund erreichte. Dieser war zwar nicht heifs, 
nicht trocken, aber es zeigten sich an der 
Zunge Blätterchen, und eine Art von Rumi- 
niren, einmal auch^in Erbrechen des Genos- 
senen , welches aus einigen Zuckerplättchen 
und einigen Tassen Seim bestand. Eröffnun- 
gen waren den ganzen Tag 4 erfolgt, bestan- 
den ab'er nur aus wenigen grafsgrünen Schleim. 
Der Mercur wurde des Mundes wegen ausge- 
setzt , dagegen stündlich ein EfslöiTei voll von 
3 Unzen Jnfusum Sennae gegeben, und wenn 
dieses nicht wirken sollte, alle 2 Stunden ein 
Salz-Lavement verordnet. Die Begiefsungen 
sollten stündlich fortgeseszt werden, so auch 
die Einreibung der Quecksilbersalbe, wovon 
eine neue Portion verschrieben war. 



Mtwiuit Kiuu iUDUue g«iu 
Die Wärme blieb , trotz, di 
Pulse, natürlich , cur im 
tiShet, und gflrada desTregt 
Ziehung durch Begiefsunget 
jetzt der schwere, untersti 
zitternde Bewegung gerietb 
Stuhl zu befördern,, wurde 
löffel feil vom Infuto Stn 
pen-rulTBi zugesetzt, 

Morgens 10 Uhr. Der ! 
los. Die i'echte Hand zacl 
war häufig so steif wie Hol 
140, höchst irregulair. De 
der Leib war eofgettieben ; 
Ter; die Augen yerdrehter 
empfindlicher gegen das Id 
Geschwulst dea Gesichts t 
2 neuen Blutegeln; wir 
"Wunden bald, weU' wir 
l^en der Kräfte bemerktea. 

Vm 1 Uhr war die 



— 87 — 

4te Stunde 4 Gran Calomel hinzusetzen , lie- 
fsen an der linken Seite des Kopfs die Haare 
abscheeren, und ein Vesicatörium Yon der 
Gröfse einer Hand auflegen. 

Um 5 Uhr waren die Augen noc^h ver- 
drehter > oft schnell verschiefsend, Zähneknir- 
schen; stetes Greifen mit der rechten Hand 
zum Kopfe, wenig GefiibL 

Den i3tm» Nachts i Uhr. Es war ein 
sehr copiiSser breiartiger Stuhlgang erfolgt, 
der Schlaf darauf natürlicher, der Athem min- 
der aussetzend geworden, und der Puls von 
140 bis aui 110 Schläge in der Minute ver- 
mindert. 

> 

Obgleich nun regelmäfsig die Pulver nach 
dier obigen Anordnung stündlich fortgesetzt 
worden, so war doch Morgens 5 Uhr noch 
keine weitere Eröffnung erfolgt. Der Puls 
schlug ungleich, wieder 130. Die Wärme 
vermehrt, der Leib aufgetriebener* Im Munde 
nichts zu sehen, daher wurden den Pulvern 
abermals 4 Gran Calomel zugemischt. 

Um 9 Uhr» Die Augen ganz verdrehet 
die Pupille noch weiter ganz unbeweglich; 
und weit geollnet, die Augenbraunen aufge- 
zogen. Haut und Nase ganz trocken. Das 
Vesicatörium hatte gut gezogen. Wir brach- 
ten nun das Kind in ein warmes Bad von 90 
Grad, (2G® Reaum.) während der Kopf auf kalten 
Tüchern festgehalten wurde. Nach dems^ben 
schlug der Puls 145. Aber unaufhaltbar schritt 
das Stadium der Lähmung fort. — Wir ver- 
banden noch Calomel mit Rhabarber ^ es folg- 
ten auch mehrere ganz aschgraue mehr com« 
pakte als breiartige Stühle^ womit das wenig«» 



— 89 — 

sich <fas Uebel und tödtete in wenigen Tagen.. 
Leider wurde das Klaggeschrey tler Mutter, 
welches si